ort stempelten um 21 Uhr die Vorarbeiter EDRIVER69 den Beginn ihrer Schicht. Sie arbeiteten ihr Set durchaus ordentlich ab. Musikalisch an den experimentierfreudigen Größen der Szene orientiert, brachten ihre wuchtigen Rhythmen die ersten Reihen im Publikum zum Tanzen. Weiter hinten sinnierte man nebenbei, ob Sänger Andreas das Shirt nun besser auslassen oder wieder anziehen solle und ob die Musik nun lauter oder leiser zu stellen sei. Geburtstagskind Thomas an der Elektronik entwickelte sich zum ersten kleinen Helden des Abends. Mit ansteckendem Dauergrinsen wippte er hinter seinem Instrumentarium von links nach rechts und war auch Stunden später auf der Aftershowparty noch nicht mittig eingependelt.

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Danach war es Zeit für die großen Helden: DIE KRUPPS. Nach den ersten drei Songs „High Tech / Low Life“, „Isolation“ und „Crossfire“ war bereits klar, dass dies ein spaßiger Abend würde. Über die Qualität dieser Klassiker braucht man keine Worte verlieren und der Sound und die Abmischung waren hervorragend. Da dachte niemand mehr daran, dass man dem Mixer bei ihrem letzten Gastspiel in Berlin zusammen mit Nitzer Ebb doch das ein oder andere Mal auf die Finger kloppen wollte.
Bestens aufgewärmt konnte man sich auf die etwas ruhigeren neuen Stücke einlassen. „Beyond“ glänzt durch seine Melodik und „Als wären wir für immer“ durch seinen monotonen Stahlwerk-Charme. Doch in dieser Richtung waren es dann doch eher die Smasher „Der Amboss“ und „Germaniac“, welche die Meute in höchste Erregung versetzten und so manchen schweißgetränkten nackten Männeroberkörper in einer wilden Pogo-Meute vor der Bühne in Wallung versetzte. Ein einzelner Jüngling wurde gar so von seinen Trieben gepackt, dass er die Bühne stürmte, um den Gitarristen Marcel einen dicken Schmatz auf den Mund zu geben. Dessen Gelassenheit in dieser Situation macht ihn ebenfalls zum Helden des Abends. Ab und an könnte seine Gitarre ebenso wie das Schlagzeug einen Tick lauter gestellt werden.
Ralf an den Keyboards ist zwar exzellent, aber doch sehr mächtig. Der Live-Bass von Rüdiger ist quasi nicht nötig. Bestens eingestellt war Frontmann Jürgen mit perfektem Gesang bei tadelloser Kondition, denn er war ständig auf der Bühne agil und trommelte wie ein Berserker auf seinen Metallrohren. Natürlich durfte auch das Publikum ab und an einen Schlachtruf gröhlen. Im gut gefüllten Saal kam jeder auf seine Weise auf seine Kosten. Besonders augenfällig war aber der wild pulsierende Pulk in der Mitte vor der Bühne. Ein Song schien dabei besonders zur nächsten Heldin des Abends zu passen „Black Beauty White Heat“. Ein rothaariges zierliches Mädel haute beim wilden Hüpftanz alle stämmigen Kerle weg, die ihren Weg kreuzten.
Für den ruhig beobachtenden Schreiber war „Alive“ ein absoluter Höhepunkt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war ich in meiner ganz eigenen Euphorie und meiner Konzertwelt gefangen, während die großen Hits „To the hilt“ und „Fatherland“ an mir vorbei glitten. Zur Zugabe brachte die Band ihr eigenes treffendes Fazit des Abends „Wahre Arbeit, Wahrer Lohn“, um letztendlich mit „Bloodsuckers“ eine erschöpfte aber glückliche Menge zurückzulassen.
In der Kühle des Abends traf ich dann meine letzten Helden dieser Nacht. Ein dynamisches Duo, das mich an die richtige Stelle der Bierschlange einwies und mir nach meiner ehrlichen Bekundung schon immer EBM-geil gewesen zu sein zwei Bier spendierte. Natürlich habe ich eins meiner fleißigen Fotografin abgegeben und frohgemut verschwanden wir in den Hallen des K17 zur Aftershow-Party. //


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