ber Zeiten ändern sich, und heutzutage muss der geneigte Schwarzhörer schon sorgfältiger auswählen, wofür das Taschengeld sommertags so drauf geht. Denn mit dem Amphi-Festival, dem Summer Darkness, Zitarock, NCN, Castle Rock, Shadowplay, Nordstern, Familientreffen und einigen anderen hat sich der sommerliche Veranstaltungskalender im letzten Jahrzehnt doch deutlich gefüllt und ein erhebliches Stück Konkurrenz in das einstmals so gemütliche Outdoor-Geschehen eingebracht. Denn alle diese Events kämpfen letztlich um Akzeptanz bei den Festivalbesuchern.

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Eine der Erfolgsgeschichten, die in diesem Zuge entstanden sind, nennt sich Blackfield Festival und fand zum nunmehr vierten Mal im Gelsenkirchener Amphitheater statt. Definitiv eine der schickeren Locations, die für solcherlei Entertainment zur Verfügung stehen: idyllisch gelegen an einem Kanal und mit einem von beinahe allen Plätzen hervorragenden Blick aufs Bühnengeschehen. Und sitzen kann man auch! In der Altersklasse unserer Autorin angekommen, ist dies mittlerweile ein nicht mehr zu verachtender Pluspunkt bei einem mehrtägigen musikalischen Event….
Mit AUTODAFEH spielte aber bereits als zweite Band am Samstag eine Kapelle, welche ganz und gar nicht zum Sitzen einlud. Songs und Auftreten der drei Skandinavier stehen im Zeichen von klassischem Oldschool- EBM, und mit lokalpatriotischer Unterstützung von [:SITD:]-Keyboarder Tom wurde eine halbe Stunde schwedischer Baller- Electro präsentiert, der das hierfür angereiste Publikum bereits zur mittäglichen Stunde zu heftigem Stampfen animierte.
Weiter gings mit SOLAR FAKE, dem elektronischen Projekt von ZERAPHINE-Frontmann Sven Friedrich. Der schnieke Berliner begeisterte mit einer Mischung aus bekannten Songs und neuen Tönen vom kommenden Album “Frontiers”. Und spätestens mit dem gelungenen TALK TALK-Cover „Such A Shame“ hatte er dann nicht nur die Mädels auf seiner Seite, sondern auch den Rest des mittlerweile (trotz strömenden Regens) zahlreich anwesenden Publikums.
Einen eher weniger glücklichen Auftritt absolvierten die Elektro-Veteranen Dirk Ivens und Eric van Wonterghem von ABSOLUTE BODY CONTROL. Deren Retro-Analog-Sound passt besser in kleine dunkle Clubs als auf eine große Festivalbühne zur Mittagszeit. Trotz gelungener Songauswahl und der passionierten Bühnenpräsenz Ivens´ wollte der Funke irgendwie nicht überspringen. Zusätzlich musste der Auftritt aus zeitlichen Gründen auch noch gekürzt werden und so verließen die Belgier bereits die Bühne, als die Musik noch lief und ließen das Publikum zunächst etwas verwirrt zurück.
Lange hielt das aber nicht an, denn RABIA SORDA enterten die Bretter und legten mit ihrer Version von Harsh-Electro los, Eindruck bei allen Beteiligten zu hinterlassen. Erk und seine Begleiter hauten direkt drauf: Rotziger Electro und punkige Attitüden, unterstützt von einem Live-Drummer, wurden selbstbewusst präsentiert und vom Publikum bestens gelaunt angenommen. Mittlerweile schien fast jeder in Bewegung zu sein, das weiterhin von oben tropfende Wasser störte kaum mehr. Viva México!
Mit APOPTYGMA BERZERK bestritt dann am frühen Abend eine Band, die man sich zu einem späteren Zeitpunkt gewünscht hätte, eine Headliner- würdigen Auftritt. Interessantes Detail: die Auswahl der Set-List, denn mit „Shadow“ hatte es nur ein Song aus der neueren, Gitarren-lastigen Schaffensperiode der Norweger ins Programm geschafft. Mit „Love Never Dies”, “Paranoia”, “Kathy‘s Song”, “Starsign” und “Non-Stop Violence” bildeten den Hauptteil ausnahmslos Stücke aus vergangenen elektronischen Jahren, die vom Publikum begeistert abgefeiert wurden. Als Highlight wandte Stephan Groth seine Deutschkenntnisse in einem Cover von „Major Tom“ an, welches die Stimmung sicht- und hörbar zu einem ersten Höhepunkt trieb.
Mit I AM X folgte dann ein weiterer Highlight-Auftritt. Die Truppe um Chris Corner (Ex-Sneaker Pimps) ist für anspruchsvolle Elektronik ebenso bekannt wie für beeindruckende, weil Live-Performances der „anderen Art“. Make-Up, Outfits, Drum-Kunst und weiteres musikalisches Geschehen: Paradiesvogel Corner gab sein Bestes, um die Bühne, welche vollends mit Instrumenten gefüllt war und so einem etwas chaotisch wirkenden Kellerraum glich, zum Leben zu erwecken. Mit „President“, „Kiss And Swallow“ und „Ghost Of Utopia“ wurden fast alle Hits präsentiert, lediglich das unfassbar gute „Spit It Out“ wurde zur Enttäuschung vieler Besucher nicht gespielt – es fiel einer Kürzung des Auftritts aus zeitlichen Gründen zum Opfer.
Nächster und vorletzter Programmpunkt am Samstag: DIARY OF DREAMS. Und die betraten die Bühne mit einem lauten Knall in Form von Feuerwerkseffekten. Neben Hits wie „MenschFeind“, „The Wedding“ und „Traumtänzer“ wurden in dem ca. einstündigen Set auch einige Kostproben vom sehnsüchtig erwarteten neuen Album „Ego: X“ vorgestellt. Eine wunderbar stimmige Show: Musik, Licht, Nebel und Pyrotechnik bildeten einen wunderschönen Einklang mit dem leider nach wie vor alles andere als sonnigen Wetter. Für viele bildete dieser mystisch-melancholische Auftritt der Mannen um Frontmann Adrian Hates den eigentlichen Höhepunkt des ersten Festivalabends.
Aber dieser war noch nicht ganz zu Ende. AND ONE traten noch auf den Plan und spielten eine der ersten Shows mit „neuem altem“ Line-up: Joke Jay und Rick Schah waren als Unterstützung für Steves knuffige One-Mann-Show wieder an die Keyboards getreten. Was mit den „alten“ Weggefährten Chris Ruiz und Gio von Oli passiert, ist eine andere Geschichte und kann derzeit medienwirksam verfolgt werden. Fakt ist: Joke Jay singt nun wieder „High“, was eines der Highlights dieses Auftrittes bildete und auch ansonsten jede AND ONE-Show ziert. Ansonsten präsentierte Steve, vor ansonsten doch recht austauschbaren Mit-Musikern, sein bewährtes Rezept: Kleiner Mann, große Klappe, dazu Hits wie „Für“, „Timekiller“, „Deutschmaschine“, „Sometimes“ und „Techno Man“. Damit haben AND ONE seit Jahren Erfolg, und auch in Gelsenkirchen blieb dieser nicht aus.
Wettermäßig das unbedingte Kontrastprogramm am Festivalsonntag: War tags zuvor die Masse der Fans noch mit Regenschirmen und wasserfesten Jacken ausgestattet, so wurde am Sonntag kiloweise Sonnencreme gebraucht. Über Nacht waren alle Regenwolken verschwunden und die Temperatur war um gefühlte zwanzig Grad gestiegen. So machen Festivals doch gleich noch viel mehr Spaß!
Das dachten sich auch die Jungs von BLITZMASCHINE, welche das Programm am Gegenteiltag eröffneten. Die Ex-COLLAPSED SYSTEM-Truppe enterte die Bühne zu einem Cover der Electro-Heroen DAF („Liebe Auf Den Ersten Blick“) – ein wirklich cleverer Schachzug, hatten die Hamburger doch die Rolle des Openers am bekanntermaßen schwierigen, weil für viele verkaterten, zweiten Festivaltag. Zu den bekannten Klängen des ersten Songs fand sich aber direkt eine nicht gerade kleine Menge von Zuschauern ein, die die Präsenz der drei Nordlichter auch in den weiteren dreißig Minuten physisch und psychisch unterstützte.
Mit SONO folgte am frühen Sonntagnachmittag eines unserer Highlights der beiden Festivaltage. Die Hamburger um Frontmann und Johnny Depp-„Lookalike“ Lennart A. Salomon gehören zu den wenigen Bands, die neben „schwarzen“ Veranstaltungen wie dem WGT auch Techno-Festivals und –Clubs beehren. Ihr Auftritt fand um ein ganzes Jahr verspätet statt: eingeplant für das Blackfield 2010, aber unglücklicherweise im Stau stecken geblieben, wurde man kurzerhand 2011 erneut eingeladen und durfte sich spöttische Neckereien von allen Seiten anhören. Mit ihrem Set aber ließen die drei „Fischköpfe“ Lennart, Florian und Martin keine Zweifel: hier sind großartige Musiker am Werk! Songs wie „All Those City Lights“, „Keep Control“, “2000 Guns”, “A New Cage” und „Blame“ beweisen das und lassen vielmehr die Frage aufkommen, warum SONO nicht ständig in Radio und TV präsent sind.
Musikalische Vielfältigkeit und künstlerische Qualität, wie sie auf dem Blackfield wieder einmal von SONO bewiesen wurden, gehören auf größere Bühnen und vor ein zahlreicheres Publikum!
Zu den Klängen von REAPER ließen wir das Festival für uns ausklingen. Vasi Vallis und Kumpane feierten auf der Blackfield-Bühne einmal mehr ihre Mischung aus Krawall und Karneval. Mit
schwarz-rot bemalten Gesichtern und harschen Beats hat sich REAPER, ursprünglich als Spaß-Projekt gestartet, zu einem der Lieblinge der Cyber-Goth-Szene entwickelt. Dennoch war es ein bunt gemischtes Publikum, welches in Gelsenkirchen zu Titeln wie „The Devil Is Female“, „She´s A Devil And A Whore“, „Robuste Maschine“ und “Execution Of Your Mind” begeistert abgefeiert hat.
Zwar war das Festival noch in vollem Gange, Hochkaräter wie ASSEMBLAGE 23, COMBICHRIST und EISBRECHER sollten noch folgen. Für uns aber war es Zeit, die Heimreise anzutreten – nicht aber, ohne nochmal eine Shopping-Runde über den Szenemarkt zu drehen und Verstärkung an der Futtermeile einzunehmen. Alles in allem ein sehr stimmiges Wochenende und ein liebevoll und professionell organisiertes Festival, welchem wir gerne auch in den kommenden Jahren unsere Aufmerksamkeit widmen. //

Homepage: Blackfield-Festival.de
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