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Static Violence

"Der Aufschrei über unsere Texte ist gigantisch, aber alles andere als dümmlich!"


Es gibt eine große Scharr an Schreiberlingen, die beim Album "Auf die Fresse???" nur an der Oberfläche kratzen und dabei voll in die Falle getappt sind. Davon sind Static Violence überzeugt. Tappte Bodystyler etwa in die geiche Falle? Vielleicht. Die 3 Kunstprojektler erklären, warum.

 
Interview: Ivo Klassmann // © 2010
 
Nicht zu glauben: Rechtsanwalt, Mediengestalter und Selbständiger
 
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»Die große Hörerzahl legt keinen Wert mehr auf Inhalt und Anspruch. Bummsen muss es und sie sind zufrieden. Und genau das geben wir ihnen!«
Static Violence
 
 
 
 
Static Violence "Auf die Fresse???"
VÖ: 31.05., Bensch Audio Auf einer musikalischen Landkarte entspricht das heutige Potential des Electro/Industrial inzwischen knapp der Größe vom Vatikan-Staat & StaTic VioLenCe ist seine No-go-Area... Nicht etwa wegen des Potpourri an Poser-Sprüchen, für welches sich der Kraftausdruck "Texte" wie von selbst verbietet & für deren Beurteilung sich auch eine FSK zu schade ist. Einfach nur, weil deren instabile Emulsion von Oi! ohne Gitarren & Electro der chinesischen Sorte (= billig + kopiert) die eingeschlagene Genre-Richtung zu noch mehr VÖs ohne Relevanz nun mal grundlegend unterbietet. Halbwegs erträglich wird es nur, wenn sie wie z.B. bei "Counterstrike" einfach mal die Fresse halten. Da helfen auch keine als Remix getarnten Fördermaßnahmen von Faderhead, Soman & Giftstrauch. (Ivo Klassmann)  

 
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Myspace.com/StaticViolence
Bensch-Audio.de
 
 
 
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Bodystyler: Man könnte meinen, Ihr bezieht eure musikalischen Eingebungen aus den unterschiedlichsten Genres. Das Ganze erinnert ein bisschen an 80er DDR-Oi!, neunziger Noise, klebrige Reste von Future Pop. Ich weiß jetzt immer noch nicht, wo man euch musikalisch am besten eintütet. Was flutscht bei Euch den derzeit vornehmlich durch die Kopfhörer?
Static Violence: Wir hören eigentlich ein sehr breites Spektrum an elektronischer Musik. Von EBM über Synthie Pop, Industrial bis hin zum Noise. Natürlich dürfen dabei die alten Helden wie Frontline Assembly, Cat Rapes Dog oder Orange Sector nicht fehlen. Aber auch Agonoize, welche Überraschung, oder Combichrist sind aus unseren Gehörgängen nicht mehr wegzudenken. Der Micha hingegen ist „Althippie“ und Elektroniker zugleich, da kann auch mal etwas Beatclub, Surf oder auch ein paar Amiga-Hits durch den Player rauschen. Und hey! Unsere letzte „Klassenfahrt“ ging zu Jean-Michele Jarre. Dem Altmeister elektronischer Musik schlechthin.


"Die letzte Klassenfahrt zu Jean-Michel Jarre"

Bodystyler: Wenn ich es richtig interpretiere, dann versteht Ihr euch in diesem Projekt als Kunstfiguren. Aber werden dabei nicht evtl. augenzwinkernde Gesellschaftskritik oder gar Pointenversuche unweigerlich zur Realsatire?
Static Violence: Super! Endlich jemand der uns durchschaut hat. Smile. Static Violence ist ein reines Kunstprojekt. Wir haben einfach gemerkt, dass die große Zahl der Hörerschaft keinen großen Wert mehr auf Inhalt und Anspruch legt. Krachen und bummsen muss es und die Leute sind zufrieden. Und genau das geben wir ihnen.
Leider gibt es eine große Scharr an selbsternannten Review-Schreiberlingen, die bei unserem Album nur an der Oberfläche kratzen und dabei voll in die Falle getappt sind. Der Aufschrei über unsere Texte ist gigantisch. Nur, weil in 4 Songs übers Ficken, Töten, Draufhauen und Nase brechen gesungen wird, wird SV gleich in die unterste Schublade verfrachtet. Dabei sind die restlichen regulären 8 Songs, immerhin die Mehrzahl des Albums, alles andere als dümmlich. Aber damit muss man sich eben auch befassen. Wir haben festgestellt, dass sich die selbsternannten „Musikexperten“ gleich auf „IRA“, „Counterstrike“, „Ficken fetzt“ oder unseren Titelsong stürzen und uns damit zerreißen, ohne auch die ruhigeren Parts anzusprechen. Und kaum einer hat wirklich erkannt, dass sämtliche Songs mit einem gewissen Augenzwinkern zu sehen sind.

Bodystyler: Und, heut schon mal richtig eins auf die Fresse bekommen?    
Static Violence: NEIN! Die Schreiberlinge haben es sich von uns voll in die Fresse geben lassen!!! Selber schuld. Wer die Inhalte unserer provokanten Songs wirklich ernst nimmt, hat uns nicht verstanden. Und sind wir doch mal ehrlich: es gibt nicht deutschsprachige Bands mit weitaus schlimmeren Inhalten. Uns fällt da spontan das „shut up and swallow“ von Combichrist ein. Aber der singt englisch und das scheint eine große Anzahl nicht zu verstehen. Unsere deutschen Texte sind halt für alle verständlich und das scheint einigen nicht zu passen. Dennoch haben die Schreiberlinge uns einen riesigen Gefallen getan. Wir sind der Meinung, dass Musik polarisieren muss, um gut zu sein. Und das haben wir mit dem Album geschafft. Bad publicity is good publicity!


"Musik muss polarisieren, um gut zu sein"

Bodystyler: Der Effekt über der Stimme bei "Zwiespalt" hat etwas angenehm Kratziges in Richtung Hocico. "Counterstrike" kommt ganz ohne Vocals aus. Warum habt Ihr das bei den restlichen Preziosen denn anders gehandelt?
Static Violence: Wir wollten ein abwechslungsreiches Album mit 3 verschiedenen Stimmen machen, somit hat Tommy die Stimme mit Verzerrer bekommen. Außerdem hatten wir Probleme, diesen Effekt live umzusetzen. Zwiespalt ist daher nicht mit im Live-Set. Noch nicht.

Bodystyler: Ist mein erster Gedanke an ein schickes Enddarm-Leiden, der Eurem Booklet-Cover zugrunde liegt, auch stellvertretend für die ganze Platte, so als roter Faden zu sehen? Oder ist "Auf die Fresse? Fertig? Los!!!" nur der versteckte Hinweis auf den Bodypainter, welcher mit Farbe auch ein paar Hackfressen notdürftig kaschieren kann?
Static Violence: Geile Frage! Durchfall hatte die Dame beim Shooting jedenfalls nicht. Lach. Auf diese Interpretation sind wir ja noch gar nicht gekommen. Große klasse!
Also die Bemalung hat mehrere Gründe. Zum einen sehen wir SV wirklich als Kunstprojekt, wobei die Protagonisten komplett im Hintergrund stehen und für das große Ganze unwesentlich sind. Zum anderen stecken wir allesamt in seriösen Berufen wie Rechtsanwalt, Mediengestalter und Selbständiger.
Wir wollen keine Verbindung zwischen den realen Personen hinter SV und den 3 Kunstfiguren des Projektes, da wir ja, wie schon gesagt, feststellen mussten, dass es bei den Texten durchaus zu Missverständnissen kommen kann. Des Weiteren wollten wir uns nicht in den Hype einreihen eine Elektroband zu werden, deren Mitglieder sich mit Kunstdreads, Knicklichtern und allerlei sinnlosem Schnickschnack präsentieren.
Das Cover selbst ist ja nun eigentlich ein sehr ästhetisches Bild. Wenn man jedoch den Albumtitel im Hintergrund, der übrigens horizontal wie vertikal lesbar ist, erkennt, wird sich jeder nach dem Zusammenhang zwischen Bild und Namen fragen! HALLO! Den gibt’s nicht!!! Provokation pur und ist wieder locker und leicht zu nehmen.

Bodystyler: Wenn Ihr live unterwegs seid, wie muss man sich das vorstellen... einen Abend lang erneut die Diktatur des Proletariats?
Static Violence: Nicht wirklich. Live sind wir eine sehr lustige Truppe, die sich für keinen Gag zu schade ist. Wir führen also das Proletenimage live nicht wirklich weiter. Übertreiben sollte man es auch wieder nicht. Zwischen den Songs ist da immer Platz für den einen oder anderen Scherz, mit dem wir uns häufig selbst auf die Schippe nehmen. Die Songs hingegen präsentieren wir dem Hörer gern so provokant, wie sie auch schon auf der Scheibe klingen.

Bodystyler: Dann hoff ich mal, ich habe euch jetzt endgültig um den Verstand gebracht und erwarte lediglich noch ein paar ernsthaft ironische Worte zum Abschied...
Static Violence: Wir bedanken uns bei allen,

  1. ) die versuchen, uns mit Fußballhooligans zu vergleichen, die eigentlich noch mehr Stil haben als wir
  2. ) die alle davor warnen, Kinder beim Hören unserer Songs im unmittelbaren Umfeld zu haben
  3. ) uns gerne als FSK 18 sehen
  4. ) uns mit Scooter und den Böhsen Onkelz vergleichen
  5. ) unser Album lieber instrumental hätten
  6. ) denen wir über das Ziel hinaus geschossen sind
  7. ) die der Meinung sind, dass unsere Inhalte in der Szene nix zu suchen hätten, was übrigens die geilste Ansicht war.

Vielen Dank für Eure Hilfe! Wir sind stolz auf Euch!
PS.: Ficken fetzt !!!


Homepage: Myspace.com/StaticViolence
Interview:
Ivo Klassmann // © 2010
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