uer Bandname erscheint auf den zweiten Blick einfach nur niedlich zu sein (C.U.T.E.). Ungewöhnlich für ein Männer-Duo... Zufall oder Berechnung?

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Martin: Collapse Under The Empire ist ein ziemlich langer Bandname, deshalb kürzen ihn viele einfach ab. Dass sich daraus C.U.T.E. ergibt und nun überhaupt nicht mehr die Rede, weder von einem Zusammenbruch noch von einem Imperium ist, finde ich eher witzig. Aber nein, das war wirklich nicht gewollt. Mittlerweile arbeiten wir selber mit der Abkürzung, weil es einfach schneller geht. Somit haben wir eigentlich zwei legitime Namen.
BODYSTYLER: Teilt Ihr meinen Eindruck, dass Instrumentalmusik – von Film-Soundtracks und klassischer Musik vielleicht einmal abgesehen – ein Nischendasein fristet?
Chris: Ja, das ist richtig. Dies birgt für eine Band wie uns aber eine Menge von Vorteilen. Dadurch, dass man in einem kleineren Genre tätig ist, das sich ständig weiterentwickelt und weltweit eine hohe Hörerschaft anzieht, ist es wesentlich leichter, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen als mit Indie- und Rockmusik.
BODYSTYLER: „Shoulders & Giants“ ist der erste Teil eines Zweiteilers. Werden es am Ende ein- oder zweieiige Zwillinge oder einfach nur Geschwister sein?
Martin: Eines kann ich jetzt schon verraten: Auf dem Ultraschallbild hat man eindeutig gesehen, dass es eineiige Zwillinge werden. Das Äußere, also das Cover Artwork, wird in vieler Hinsicht sehr ähnlich sein, aber vom Style her gehen sie in völlig andere Richtungen. Der eine Zwilling „Shoulders & Giants“ ist ein rockiges und sehr elektronisches Album, sein Bruder „Sacrifice & Isolation“ wird mehr in die orchestrale Richtung tendieren.
BODYSTYLER: Habt Ihr bestimmte Ideal- oder Wunschvorstellungen davon, wie und wo man Eure Musik hören sollte?
Martin: Klar, richtig laut im großen Kino natürlich! Ich kann mir unsere Musik wirklich sehr gut zu bewegten Bildern vorstellen. Es existieren bereits etliche Videos im Netz, welche mit unserem Musikmaterial hinterlegt wurden, und ich muss zugeben, dass es mich immer wieder erstaunen lässt, wie Musik die Stimmung einer Filmsequenz beeinflusst. Ein Telekommunikations-Unternehmen hat erst letztens Schnipsel aus zwei unserer Songs für einen Werbefilm lizenziert. Wer sich diesen Werbefilm mal anschaut, bemerkt schnell, wie viel mehr Emotionen und Ausdruck die Musik den Bildern verleiht.
BODYSTYLER: Eure Klanglandschaften vermitteln oft das Gefühl der Weite und Größe, nur um sich im nächsten Moment den (vermeintlich) kleinen Emotionen zu widmen. In welchen Situationen lasst Ihr Eure Gedanken schweifen und fliegen und wann besinnt Ihr Euch auf Euch selbst, Eure Gedanken und Gefühle?
Martin: Wir breiten unsere Flügel immer dann aus, wenn wir kurz davor sind abzuheben. Ich meine damit, dass wir in vielen unserer Songs auf einen Höhepunkt hinarbeiten, um wirklich das Ultimative zu überschreiten. Meistens kehren wir kurz davor noch einmal zur Ruhe zurück, um danach alles zu geben. Kleine und große Emotionen liegen somit sehr nah beieinander.
BODYSTYLER: „Shoulders & Giants” beschäftigt sich u.a. mit dem Thema absoluter Freiheit und dem Traum vom Aussteigen. Gehen diese beiden Begriffe ineinander über und stellen sie für Euch etwas Erstrebenswertes dar? Wie könnte der ideale Ausstieg für Euch aussehen?
Chris: Absolute Freiheit und der Traum vom Aussteigen bedeuten für jeden etwas anderes. Mit unserem Zweiteiler-Konzeptwerk wollten wir einen geschlossenen Kreislauf darstellen, der diesen Begriffen sehr nahe kommt. Wer seine gewohnte Umgebung verlässt und sich von allem, was man hat, trennt, sich von seiner gesellschaftlichen und politischen Umgebung löst, um sich nicht weiter manipulieren zu lassen, ist sicherlich auf der Suche nach Erlösung und dem Sinn des Lebens. Für mich würde der Traum vom Aussteigen mit Sicherheit nicht so radikal ausfallen. Finanzielle Unabhängigkeit würde schon eine Art von Ausstieg bedeuten, da man ab diesem Zeitpunkt sein Leben nach seinen eigenen Wünschen gestalten kann. Dies würde auch mehr Verantwortung bedeuten bei sozialen Projekten mitzuhelfen, die man für wichtig hält.
BODYSTYLER: Ein Ausstieg ist unweigerlich auch mit Trennungen verbunden, genau wie mit einem Ankommen. Welcher Aspekt überwiegt auf dem Album und in Eurem Leben?
Chris: Die Frage ist schwer zu beantworten. Auf dem ersten Album überwiegt auf jeden Fall der positive, euphorische Aspekt. Das Album ist nicht so düster wie der zweite Part, der ein Jahr später erscheint und sich thematisch mit Isolation und dem Tod beschäftigt. Hier bringen wir die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes zu Ende. In unserem Leben befinden wir uns eher auf der Sonnenseite. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man sein Hobby so ausleben kann, wie wir das zurzeit machen. Noch schöner ist es, wenn man weiß, dass wir mit unserer Musik auch andere Menschen glücklich machen. Das ist für uns ein Privileg.
BODYSTYLER: Erfühlt oder konzipiert Ihr Eure Songs?
Martin: Ich als Gitarrist versuche, in ruhigeren Passagen immer so viele Emotionen auf die Seiten zu legen wie möglich. Dadurch, dass wir die Songs alle beim Erschaffungsprozess aufnehmen, befindet man sich in einer Art Flow. Man spielt eine Bass-Line, fügt die Drums hinzu, danach vielleicht ein Gitarren-Crescendo und die Melodiebögen entstehen wie von selbst. Ich kann sagen, dass keiner unserer Songs je konzipiert wurde.
BODYSTYLER: Würdet Ihr eventuell einmal erklären wollen, welcher Gemütszustand oder welches Bild einen Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Songs dargestellt haben könnte?
Chris: Eigentlich kann man sagen, dass es jedes Mal unterschiedlich ist, wie ein Track bei uns im Studio entsteht. Beim Komponieren der neuen Platte haben wir tatsächlich mit Bildern und Emotionen gearbeitet, die der Story dienten. Also eine ähnliche Herangehensweise wie beim Komponieren an einem Filmsoundtrack. Der musikalische rote Faden sollte dabei nie verloren gehen. Gerade Stimmungen wie Euphorie, Wahn und Einsamkeit wollten wir in dem ersten Teil „Shoulders & Giants“ verarbeiten. Es sollte sich anfühlen wie ein Trip durch eisige, bergige Landschaften ohne das geringste Anzeichen menschlichen Schaffens.
BODYSTYLER: Wie nah kommt Ihr mit Euren Kompositionen den ursprünglichen Ideen zu Beginn des Schaffensprozesses?
Martin: Wenn wir einen Track anfangen zu komponieren und die ersten Takes aufgenommen haben, können wir uns immer sehr gut vorstellen, wohin die Reise gehen wird. Wir tüfteln oftmals so lange herum bis wir einen geeigneten Synthesizer, das passende Gitarrenriff, den fettesten Drum-Sound und natürlich einen schönen weichen Bass-Sound gefunden haben. Aufgrund dessen kommen wir wirklich immer sehr nah an das heran, wie wir uns den Song am Anfang vorstellen. Wenn man abdriftet und merkt, dass der Track sich verläuft, ist es besser die Recording-Session zu pausieren oder sogar abzubrechen, denn einen fertigen Track noch mal umzuschreiben kostet meistens mehr Arbeit und ist zeitaufwändiger als einen neuen zu schreiben.
BODYSTYLER: Das Artwork Eures neuen Albums vermittelt eine kleine Vorstellung davon, wie fantastisch Eure Musik im Zusammenspiel mit Naturaufnahmen wirkt. Ist es Euch eine Überlegung wert, Eure Musik filmisch zu untermalen oder einen (Natur-)Film mit Eurer Musik zu unterlegen?
Martin: Ja klar! Wir sind immer auf der Suche nach neuen Künstlern, die schon aufgenommenes Filmmaterial haben. Sei es ein Kurzfilm, der die Natur zeigt oder eine Trickfilm Animation. Wir merken, dass viele Bilder sehr gut passen. Mit unserer Single „Disclosure“ haben wir mit dem englischen Filmemacher Dan Tassell zusammengearbeitet. Er zeigt London bei Nacht und wie ein gefährliches Virus aus einem Versuchslabor ausbricht und langsam die Stadt angreift. Dies ist wirklich eines unserer besten Videos, die wir bisher veröffentlicht haben. Ich kann Euch schon jetzt verraten, dass eine weitere Singleauskopplung aus dem aktuellen Album geplant ist, auch wieder in Verbindung mit einem Musikvideo.
BODYSTYLER: Bis jetzt gab es anscheinend keine Live-Auftritte. Bleibt es beim Studioprojekt oder wird es den Weg auf die Bühne geben?
Chris: Wir haben Collapse Under The Empire vor ca. drei Jahren gegründet, um den üblichen Bandmechanismen zu entkommen. Wir haben jahrelang in verschiedenen Bands gespielt und suchten beide nach einem Studioprojekt, in dem wir uns kreativ ohne Einschränkungen ausprobieren konnten. Sobald man als Band live probt und tourt verliert der kreative Schaffensprozess immer mehr an Bedeutung. Wir begreifen uns, wie du bereits festgestellt hast, bis heute nicht als Band, sondern als Projekt. Unsere zukünftigen Ziele liegen neben C.U.T.E. vor allem im Komponieren von Filmmusik. Hier werden wir in nächster Zeit aktiver werden, das heißt aber nicht, dass wir uns dem Livespielen gänzlich verschließen. Wir würden unsere Alben gerne mal live ausprobieren. Dafür fehlt uns leider im Moment die Zeit. Mit der Veröffentlichung des zweiten Parts „Sacrifice & Isolation“ im Oktober 2012 werden wir aber versuchen, zumindest ein paar Konzerte in Deutschland zu spielen. //

Web: collapseundertheempire.com
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