dAVOS

"Um so etwas zu produzieren, muss man es auch können!"


Davos, der wunderschöne Luftkurort im Schweizer Kanton Graubünden, hat zwar genau fünf Buchstaben mit unserer mit diesem Interview gewürdigten Band gemeinsam, aber ansonsten ist alles anders als erwartet. Zunächst wäre da die konträre Groß-/Kleinschreibung und dann führt der Weg schnurstracks nach Österreich, denn dort ist dAVOS in Wirklichkeit beheimatet.

 
Interview: Torsten Pape //   
 

dAVOS: Bei Konzerten die eine oder andere CD dem Publikum zuwerfen

 



 
 

»Wir können uns tagelang streiten und dann wieder tagelang versöhnen!«

Alle 3 zusammen?
 
 
 
 

dAVOS
"2004-2010 Promo"
Bevor die Österreicher mit ihrer neuen Maxi und ihrem zweiten Longplayer in den Startlöchern stehen, präsentieren sie sich mit einer Auswahl ihrer Songs aus den letzten Jahren. Eigentlich war diese Zusammenstellung nur für DJs gedacht, aber nun findet man sie doch im Handel. Enthalten sind (logischerweise) eher die beschwingten Stücke und das Hörerlebnis ist sehr kurzweilig. Gefällige, meist synthetische Melodien gibt es nämlich bei fast allen Liedern, oftmals gepaart mit einem leicht angerauten, wavigen Charme in Gestalt von Gesang und Gitarrenspiel. Remixe von Psyche und L’ame Immortelle sowie der sehr günstige Kaufpreis runden das sympathische Bild ab. Meine Anspieltipps: „Crime“, „For heaven’s sake“, “My new pearl” und “Lass es sein”. (Torsten Pape)
VÖ: 04.02.11 // Ionium

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

nd was die Musik anbelangt, so kann das spontane Assoziieren ohne ausführliches Anspielen nur zum Scheitern verurteilt sein. Das gebotene Spektrum reicht nämlich von Beiträgen zu Gothic-Samplern bis hin zur Schubladisierung beim Synthiepop. Es ist Zeit für ein klärendes Gespräch.


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BODYSTYLER: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Bandnamen! Wie anscheinend gewollt, lässt er keinerlei Rückschlüsse auf die gebotene Musik zu. Aber musstet Ihr die Leute auch noch auf die falsche Fährte in ein anderes Land locken?
Eric Nelson: Wir locken die Leute so oft wir können und man uns lässt in Konzerte. Und das mit "lauteren" Mitteln. Und in Konzerten, dAVOS abgeht, gehen dann WIR ab!
BODYSTYLER: Apropos Schweiz/Österreich: Leidet Ihr noch an den Folgen der Fußball-WM?
Nelson: Österreich war nicht dabei und die Schweiz hat Spanien in der Gruppenphase geschlagen! Ich glaube, Spanien hatte sich nach diesem miesen Auftakt sogar ganz gut erholt und ist danach im Turnier sogar relativ weit gekommen. Wir haben aber noch nie in Spanien gespielt. In Österreich und der Schweiz dafür sehr wohl. Konzerte, nicht Fußball. Fußball aber auch nicht. Du meintest aber bestimmt die gemeinsame Eeeehhh-Äämmm, oder?
BODYSTYLER: Ähm, na klar. EM! Tzz, tzz! Dummer Fehler! Krieg ich trotzdem noch ne adäquate Antwort?
Nelson: Logisch. Die Folgen davon waren nicht zu übersehen: Mehr Berge, als beide Länder zuvor schon hatten: nämlich Müllberge. Und Elfmeter-Nachhilfekurse für die Schweiz. Für Österreich suchen wir noch nach Konzepten!
BODYSTYLER: Der Titel Eurer aktuellen Zusammenstellung impliziert ja geradezu, dass alle die Scheibe umsonst bekommen. Nachdem ich bei diversen Internetshops nachgeschaut habe, scheint das aber (wieder mal) nur den Journalisten und DJs möglich zu sein. Ist doch gemein, oder?
Nelson: Journalisten bekommen ohnehin alles nachgeschmissen. Warum also nicht auch Promo-Scheiben? Aber nicht nur Journalisten: Wir werfen bei Konzerten auch mal die eine oder andere CD dem Publikum zu. Meistens denjenigen, die während der Songs nicht so konzentriert zuhören. Dann können sie zuhause noch Überstunden machen und was lernen.
BODYSTYLER: Warum war Euch dieser Angriff auf die Clubs wichtig? Was sind Eure Erfahrungen im Bestechen der DJs?
Nelson: Im deutschsprachigen Raum werden die DJs als einzige NICHT bestochen. Ich habe schon in vielen anderen Ländern beobachtet, dass man DJs Trinkgeld für Musikwünsche gibt. Das ist so üblich. Dann gibt's ja noch die DJ-Gattung, die das auflegt, was zuvor im Konzert irgendwo in derselben Stadt gespielt wurde. Einmal, im Ferienlager, da war ich auf einem Rammstein-Konzert und wurde informiert, wo die Band danach Feiern geht. Als der DJ als einer der letzten das auch mitbekommen hatte, hat er Rammstein aufgelegt. Nur war das ein Club, wo sonst nie Rammstein gespielt wird. Resultat: Tanzfläche leer. Schade.
BODYSTYLER: Ich frage jetzt mal NICHT, warum Ihr mehr EPs/Samplerbeiträge als Alben auf dem Konto habt. Gute Idee?
Nelson: Die Frage hat uns noch nie zuvor jemand gestellt. Also frag’ wirklich lieber nicht! Falls es jemand trotzdem wissen möchte: Ganz, ganz einfach: Wir wollen viel Publikum erreichen! iPhone-Apps werden meist auch als Gratis-Version verteilt und wenn man sich ins 3. Level gespielt hat, ist man süchtig und muss für die Voll-Version zahlen!
BODYSTYLER: Ihr habt Per-Anders Kurenbach (sonst bei Psyche, hier Produzent; Anm. d. Red.) mal als eine Art Katalysator/Pufferzone zwischen den Bandmitgliedern beschrieben, was sich schon sehr essentiell anhörte. Ist er eigentlich wieder in die Entstehung/Produktion des neuen Albums involviert?
Nelson: Sehr sogar! Wir lieben den Per und der Per liebt uns. Er hat teils zwischen uns vermittelt, oft sehr gute Inputs gegeben und uns auch mitten ins Gesicht gesagt, wenn er etwas nicht so ganz genau super passend fand. Ich habe mir beim Einsingen sein Feedback immer sehr ernsthaft angehört und dabei die anderen beiden bewusst aus dem Studio gejagt, damit ich mich auf Per konzentrieren kann. Michael ist, wenn er im Raum ist, sonst wie ein Orkan und ein tiefer Bergsee gleichzeitig. Wir können uns tagelang streiten und dann wieder tagelang versöhnen. Matt C. hingegen amüsiert sich sehr, wenn er uns dabei zusieht.
BODYSTYLER: Die neue Platte soll den Namen "I could sense a tragedy" heißen. Klingt ungewöhnlich und hoffentlich nicht verheißungsvoll. Was könnt Ihr denn schon verraten?
Nelson: Dass die nächste tragedy für jeden jederzeit am kommen sein kann. Sie vorauszusehen vermag nicht jeder. Wir haben in der Vergangenheit schon oft sehr gute Riecher gehabt, aber auch Griffe ins Klo. Das gehört dazu. Du wirst nicht nur älter mit der Zeit, du wirst auch erwachsener und besser. Du kannst Dinge, die andere noch nicht erlebt haben, aus deiner eigenen gemeinsamen Vergangenheit in die Zukunft projizieren und so wie ein Jedi-Ritter das Lichtschwert dort hinhalten, wo der Laser herkommt, ohne bewusst deine Hand hin zu lenken. Dann nimmst du die Augenbinde ab und siehst Joda, also Per, neben dir stehen und wortlos nicken.
BODYSTYLER: Eure Songs atmen zumeist den Geist vergangener Tage. Was würde passieren, wenn man Euch mit ein paar Tausend Eurer Schallplatten zurück in die 80er beamt?
Nelson: Die Zuhörer würden sich wohl denken, dass sie sich sehr geborgen fühlen, aber auf eine neue und frische Art. Auf eine Art, wie sie von in der Zeit produzierten 80er-Songs nicht berührt werden. Und sie würden Kinder zeugen, die dann 2011 in unserem Musikvideo zu „Tender loving care“ mitspielen.
BODYSTYLER: Warum wurde eigentlich irgendwann der Song "Chase the dragon" in "Illuminate" umbenannt? Verwirrend!
Nelson: War wirklich sehr verwirrend, denn ich kann mich selbst nicht mehr so genau erinnern. Ich sag jetzt einfach mal Michael war schuld, und ich habe nur halb hingehört und „Ja, jaaaa, jaaaaaAAAAAA, ist ja GUUUUT!“ dazu gesagt.

BODYSTYLER: Obwohl sich an Euren Stücken schon diverse Künstler im Remixen probiert haben, gibt es meines Wissens keine von Euch verübten Remix-Anschläge. Wie erklärt sich diese Einseitigkeit?
Nelson: Um so etwas zu produzieren, muss man es auch können. Natürlich spreche ich jetzt nur von mir. Ich kann zum Beispiel keine Noten lesen. Schreiben auch nicht. Das bisschen Gitarre, das ich spiele, reicht zum Songwriten und von den anderen Sachen lasse ich die Finger. Dafür kann ich andere Dinge ganz gut. Multitasken zum Beispiel. Ich singe Songs ein und sehe gleichzeitig Filme an. //



Homepage: Davos-Music.com
© 2011 // BODYSTYLER Electrozine //


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