onophonic” ist ein sehr interessanter, gar ironischer Titel für ein Album mit elektronischer Musik. Er könnte bedeuten, dass jeder Song nur eine Melodie hat oder sich auf die Art von Synthesizer beziehen, die nur eine Note / einen Sound und nicht mehrere gleichzeitig wiedergeben können. Hört sich jeweils irgendwie stark limitiert an.

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Jb Lacassagne: Das könnte beides eine Erklärung des Titels sein, aber die wahre Bedeutung ist schlicht die, dass Dekad von nun an ein Soloprojekt von mir ist. Der Begriff 'mono' bezieht sich darauf und im Gegenteil: Jetzt gibt es keine Limitierungen der Kreativität und keine Kompromisse mehr.
BODYSTYLER: Du sprichst die Veränderungen im Bandgefüge selbst an. Was hat denn dazu geführt, dass Dekad keine Band mehr ist?
Lacassagne: Weißt du, Dekad existiert mittlerweile bereits seit zehn Jahren. Wir alle sind älter geworden, die Motivationen und Prioritäten haben sich einfach geändert. Das Gute daran, allein zu arbeiten ist, dass man sich viel intensiver mit seinen Emotionen befassen und mit Neuem experimentieren kann, ohne das mit anderen ausdiskutieren zu müssen. Ich habe außerdem das Gefühl, dass ich so auch viel schneller arbeite und viel Zeit spare.
BODYSTYLER: Ich habe festgestellt, dass man auf dem neuen Album mehr Bässe und mehr Soundvolumen als auf den vorigen Platten findet. Manchmal musste ich an eine Kombination aus Depeche Modes „Violator” und den späten Front 242 denken. Wie würdest Du die Veränderungen in Sachen Produktion, Equipment und Sound beschreiben wollen?
Lacassagne: Erst einmal vielen Dank! Ich weiß diese Vergleiche wirklich zu schätzen. Ich wollte zunächst, dass sich das neue Album erwachsener und stärker anhört als seine Vorgänger. Ich spürte den Drang, tiefere und dunklere Gefühle zum Ausdruck zu bringen, da sie das widerspiegeln, was mir zu der Zeit im Kopf herum ging. Was den Sound angeht, hat mir Member U-176 (sonst Mitglied von Celluloide, Anm. d. Red.) sehr geholfen, indem er das beste aus den Songs heraus geholt und mich stets ermutigt hat. Wenn ich das jetzige Equipment mit dem vergleiche, das wir zur Zeit von „Confidential tears” benutzt haben, hat sich gar nicht so viel verändert. Es sind nur ein paar Synthesizer (z.B. Dave Smith Mopho und Alesis Micron) dazu gekommen. Man darf vielleicht auch nicht vergessen, dass ich es mir und allen anderen beweisen wollte, dass ich es alleine schaffe.
BODYSTYLER: Glaubst Du eigentlich, dass es möglich ist, etwas komplett Neues zu erschaffen?
Lacassagne: Natürlich gibt es immer Einflüsse, aber man muss versuchen, sich von ihnen zu lösen. Schau Dir zum Beispiel das erste Album „Sin_lab” an. Das war ein Mix unserer unterschiedlichen Vorlieben und Einflüsse. Zu dieser Zeit stand Seb total auf Synthie-Pop und Yoyo, der Gitarrist, auf Joy Division und The Cure. Ich war damals ein großer Fan von DAF, Nitzer Ebb, Front 242 und Kraftwerk. Wenn Du Dir einen Song wie „Electro freak” nimmst, kannst Du starke New Order-Bezüge feststellen. Bei „Poor child” wird dagegen der Einfluss früher Indochine-Alben deutlich. Erst bei der Arbeit an „Confidential tears” wurde mir klar, wie Dekad wirklich klingen sollte.
BODYSTYLER: In Deinen Texten beschäftigst Du Dich oft mit Besessenheit, Abhängigkeit und dem Zerbrechen von Beziehungen. Darf ich fragen, ob das Themen sind, mit denen Du selbst in letzter Zeit konfrontiert warst oder bist Du da mehr der Beobachter?
Lacassagne: Menschliche Beziehungen waren schon immer mein Lieblingsthema. Ohne zu viel von meinem Privatleben zu verraten, kann ich wohl sagen, dass die letzten Jahre emotional sehr aufwühlend gewesen sind. Ein paar der Songs gehen deshalb auch auf meine persönlichen Erlebnisse zurück. Andere hingegen sind aus der Sicht des Beobachters geschrieben. Ich glaube, dass ich gar nicht in der Lage bin, Lieder über Politik, Kriege oder Umweltzerstörung zu schreiben.
BODYSTYLER: Ich bin mir nicht sicher, ob der Grundtenor des Albums nun eher optimistisch oder pessimistisch, mehr kraftvoll oder doch eher fatalistisch ist. Kannst Du Dich da festlegen?
Lacassagne: Von Natur aus bin ich wohl eher weniger der optimistische Typ, und es bringt mir nichts, mich über Glück und Zufriedenheit auszulassen. Ich glaube auch nicht, dass das zu Electro-Pop passen würde, das interessiert doch keinen. Trotzdem findet man auf der neuen Platte den positivsten Song, den ich je geschrieben habe, aber auch die verzweifeltesten. Es ist doch ganz natürlich, dass Dein Leben, das, was man hasst und liebt, eine Goldgrube der Inspiration darstellt. Wir leben bestimmt nicht in einem Märchenland und die Stimmung des Albums reflektiert sicherlich auch die Tatsache, dass ich es allein erschaffen habe.
BODYSTYLER: Das Album beginnt zunächst mit einem sehr positiven Track. Darf ich fragen, über wen Du in diesem Lied singst? Eine Frau, einen Mann oder gar ein Kind?
Lacassagne: Richtig. „New religion” ist wirklich sehr optimistisch und fröhlich, und ich freue mich, dass Du das bemerkt hast. Der Song ist meinem dreijährigen Sohn gewidmet.
BODYSTYLER: Der Text von „Untouchable” hat mich von Anfang an fasziniert. Besonders die Zeile „Your fading beauty is no more attractive, give me more time, I'm dying too” macht mich neugierig. Magst Du mir den Hintergrund dieses Liedes erzählen?
Lacassagne: In diesem Song geht es um Liebe und Besessenheit und das kann sich an eine Frau oder einen Mann richten. Es geht um die Art von Menschen, die sich anderen überlegen fühlen und stets versuchen, ihr Umfeld zu manipulieren. In der Vergangenheit kannte ich solche Leute. Heute sind sie alt und leben allein.
BODYSTYLER: Die erste Single „So sorry” ist mit seiner tollen Melodie und der wunderbaren Kombination aus männlichem und weiblichen Gesang ein perfekter Ohrwurm. Was kannst Du mir über diesen Song erzählen?
Lacassagne: Danke für das Lob! Bereits als ich den Text schrieb, war mir klar, dass das ein Duett werden müsse. Ich hatte das Gefühl, diesen Song mit jemandem teilen zu müssen. Ich bin Sylvie sehr dankbar für den Anteil, den sie geleistet hat. Ich liebe einfach ihre Stimme, und es ist total unkompliziert, mit ihr zu arbeiten. Pierre, mein anderer Freund von Foretaste war übrigens verantwortlich für das Video. Das ist also eine wahre Teamarbeit gewesen.
BODYSTYLER: Gibt es eigentlich Pläne für Live-Auftritte? Letztens kam mir die Idee, dass es doch großartig wäre, ein kleines französisches Paket mit allen Bands Eures Labels Boredom zu schnüren. Ihr arbeitet doch sowieso alle eng zusammen und könntet Euch so auch auf der Bühne unterstützen.
Lacassagne: Was Dekad anbelangt, wird es wohl keine Gigs geben. Es sei denn, ich finde einen Sänger, der sich auf die Bühne stellt. Ich sehe mich eher als Komponisten und nicht als Performer. Ich mag es wirklich sehr, mit Foretaste als Keyboarder auf der Bühne zu stehen und Sylvie bei ihrer Show zuzusehen, wage jedoch zu bezweifeln, dass ich das toppen könnte. Die Idee von einem Boredom-Festival gefällt mir aber trotzdem! //

Homepage: Dekad.online.fr
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