"Krupps-Fans sind keine oberflächlichen Musikhörer - auf die ist Verlass!"
Bereits seit ein paar Jahren schwelt das Feuer in den KRUPPS-Werken wieder. Auch ein kurzes Aufflackern konnte zwischenzeitlich bemerkt werden – angefacht durch den Wind gelungener Wiederveröffentlichungen sowie neuer Stücke auf der Werkschau "Too much history". In diesen Tagen ist die Flamme der EBM-Pioniere nun wieder am Lodern und die neue EP "Als wären wir für immer" eine echte Hausnummer.
»Das Amis denken, alles ist gut und schön, habe ich noch nicht gehört. Kritik ist hier viel hörbarer als drüben!«
Wahl-Ami Engler weiß, wovon er redet
Die Krupps
"Als wären wir für immer" Was hab' ich mich gefreut, als ich von der neuen Krupps E.P. gehört hab, hängen mir doch immer noch Lebenszeichen wie "5 Millionen" und "Der Amboss" mit Client im Ohr. Und jetzt? Ein Gefühl wie Socken zu Weihnachten! Man macht keine Luftsprünge, aber brauchen kann man's trotzdem. Sind ja auch ein paar passable Sachen dabei. Allen voran das Propaganda-Cover "Dr. Mabuse" in zwei Versionen, die beide zu überzeugen wissen, sowie "Als wären wir für immer" und "The Chamelion Man" im Vigilante-Remix, die wenigstens etwas in die oben genannte Richtung gehen. Der Rest ist halt alles irgendwie Krupps, aber knackt nicht so schön. Ach so... und für Mutti ist noch 'n "Abenteuerland"-Remix von Unheilig dabei, das ist doch was, oder? (Daniel Theberath) VÖ: 19.11.10 // Synthetic Symphony
Die Krupps
„Stahlwerksynfonie“ Vom Punk kommend, hätte es mit den Krupps nach diesem Debüt auch schnell in die Avantgarde-Krach-Ecke gehen können. Die Geschichte belegt andere Wege, aber wahrscheinlich hat es diesen Urknall gebraucht, um die Band zu werden, die man heute ist. Mit der neu- und einzigartigen Mischung aus Industriegeräuschen und echten Instrumenten (Schlagzeug; Gitarre, Bass und Saxophon) entfesselte man vor drei Jahrzehnten den organisierten Lärm. Die Neuauflage bietet nun nicht nur den überarbeiteten Sound, sondern ebenso einige Raritäten. Das Ur-Werk klingt noch nicht so kraftvoll und brachial, eher minimal und knarzig. Die Live-Aufnahme von 1981 gab es bereits als Japan-Import und präsentiert u.a. vier Stücke, die auf keinem regulären Album zu finden sind. Für Sammler und Industrialfetischisten gibt es also ein paar Kaufgründe, der Fan der späteren Krupps kommt auch ohne diese Doppel-CD aus. (Torsten Pape) VÖ: 19.11.10 // Synthetic Symphony
enn man Jürgen Engler glauben darf, könnte sich seine Band sogar wieder zum Dauerbrenner entwickeln. Das Erfüllen von Erwartungshaltungen gehört jedoch weiterhin nicht zu den Aufgaben der Stahlwerker.
BODYSTYLER: Zunächst einmal: Schön, dass ihr wieder da seid! Warum war es euch wichtig, in guter alter Tradition einen Vorboten zum Album zu veröffentlichen? Jürgen Engler: Das sollte kein Vorbote gewesen sein. Ich persönlich finde es viel spannender, alle sechs Monate Mini-Alben ohne Lückenfüller zu veröffentlichen, um den Leuten den aktuellen Stand im Hause KRUPPS aufzuzeigen und keine langen Wartezeiten mehr zu verursachen, die so eine Produktion für ein komplettes Album braucht. BODYSTYLER: Hinter dem Titel der EP könnte man – nicht nur als Schalk und besonders in Verbindung mit dem verschmolzenen Logo – ein riesengroßes Augenzwinkern sehen. Könnt ihr über euch selbst schmunzeln oder war das eher eine vorweggenommene Reaktion auf Stimmen im Sinne von "Die sind ja einfach nicht tot zu kriegen." oder "Ach, die schon wieder!"? Engler: Ja, so kann man das sehen. Wir können sehr wohl über uns selber lachen! Dass wir nicht totzukriegen sind, haben wir ja außerdem schon mehrfach bewiesen und live sind wir auch alles andere als eine Schlafkapelle. DIE KRUPPS sind eben einfach aus einem anderem Eisen geschmiedet (lacht). BODYSTYLER: Wie lange hat es eigentlich gedauert, euer Logo so "hinzubiegen"? Engler: Ich hab die Idee dazu ganz spontan gehabt, quasi als Assoziation zum Songtitel "Als wären wir für immer", und habe dann eine Zeichnung für die Grafikerin angefertigt. Das ging dann eigentlich relativ schnell. BODYSTYLER: Warum habt ihr das Titelstück nicht an den Anfang gestellt? Das wäre doch ein Auftritt mit Pauken und Trompeten gewesen. So wird man ja eher gemütlich an die neuen Stücke herangeführt. Engler: Das mag schon sein, aber bei den KRUPPS ist eben immer alles ein wenig anders. Da werden die besten Stücke mal nicht am Anfang eines Albums besonders herausgestellt, sondern es bleibt dem Hörer überlassen, diese zu entdecken. Das war damals bei "To The Hilt" und "Fatherland" genauso. KRUPPS-Fans sind keine oberflächlichen Musikhörer, auf die ist Verlass! BODYSTYLER: Zwei der vier neuen Stücke haben einen deutschen, die andern beiden einen englischen Text. Beim Cover mischt es sich dann sogar. Ist das Kalkül oder Zufall und wie wird die Gewichtung der Sprachen auf dem neuen Album ausfallen? Wie oft sprecht ihr im Alltag deutsch und wie oft englisch? Engler: Ich spreche hier in den USA natürlich mehr Englisch, aber spreche trotzdem auch ständig Deutsch mit meinen Mitstreitern, vor allem mit Chris, mit dem ich ja alle Produktionen mache. Wir telefonieren alle relativ häufig. Ansonsten ist die Wahl der Sprache eigentlich kein Kalkül, sondern ergibt sich meist aus der Stimmung des Songs heraus oder wo der Text geschrieben wird. Die Texte zu "Die Macht" und den Titel-Song habe ich noch in Deutschland verfasst. Das passte einfach besser zu diesen teutonisch-wuchtigen Nummern. Und da es mir wichtig war, dass man in Deutschland die Texte zu gerade diesen beiden Songs versteht, war es einfach vorgegeben. BODYSTYLER: Ist die deutsche Sprache doch besser, wenn man politische oder sozialkritische Texte schreiben will? Was macht ihr, damit der Rest der Welt euch auch versteht? Wär doch schade, wenn zum Beispiel die Amis wirklich weiterhin denken, dass alles für immer gut und schön bleibt... Engler: Die deutsche Sprache ist besser, wenn man Texte mit wichtigem Inhalt den Leuten in Deutschland nahebringen möchte. Und Englisch, wenn man möchte, dass einen der Rest der Welt versteht. Dass Amis denken, dass alles gut und schön ist, habe ich noch nicht gehört. Hier ist Kritik viel hörbarer als drüben, das kriegt man nur in Deutschland nicht mit, weil die Nachrichten dermaßen zensiert sind, wie es eben in die Propaganda-Maschinerie passt. Man soll ja selbst immer am besten dastehen. Da bleibt natürlich viel Wahrheit auf der Strecke! Ich weiß, wovon ich rede, da ich Meldungen aus dem U.S.-amerikanischen und deutschen Fernsehen, das ich hier in allen Programen sehe, vergleichen kann. Sehr krass, kann ich nur sagen! BODYSTYLER: Bei eurer Version vom "Dr. Mabuse" habt ihr sozusagen den Turbo angeworfen. Warum war euch dieser spezielle Kick und die Kombination alter Songelemente in neuem Gewand wichtig? Engler: Wir haben den Song schon seit Anfang der 90er im Programm, und zwar in ähnlicher Version, wie er jetzt auf dem Album zu hören ist. Ich wollte ihn nur noch bombastischer und moderner zurechtbiegen, was, glaube ich, funktioniert und somit den Song ins neue Millenium gerettet hat. Ich denke, dass viele jüngere Fans ihn hier zum ersten Mal hören, und aufgrund des aktuellen Sounds auch mögen werden. BODYSTYLER: Ihr habt ja nun recht intensiv mit den Jungs von Vigilante zusammengearbeitet, einen ihrer Songs "geklaut", den Sänger eingespannt und sie dann auch noch gezwungen einen Remix anzufertigen. Das geht ja fast schon in die Richtung der Remix-Wars. Wie kam dieser produktive Krieg zustande und ist jemand verletzt worden? Engler: Die ganze Sache hatte ihren Ursprung vor vier Jahren, als mich der Sänger Ivan anschrieb, um mir zu sagen, dass er der größte KRUPPS-Fan auf dem Planeten ist (lacht). Er wollte gerne, dass ich mir Musik von seinen beiden Bands VIGILANTE und HOPELESS anhöre, was ich dann bei Gelegenheit auch mal gemacht habe. Ich war ziemlich beeindruckt von der Qualität und Eigenständikeit der Musik, was mich neugierig machte. Wir trafen uns dann irgendwann auf ihrer Europa-Tour vor einigen Jahren, und damit fing quasi dieser ständige Austausch an. Mittlerweile hat Ivan mehrere Remixe angefertigt, und ich schon bei mehreren seiner Songs gesungen, gerade aktuell bei "New Resistance" vom neuen Album, das im März erscheint. Davon können sich einige bekannte Bands eine Riesenscheibe abschneiden. Die Jungs sind gut, extrem gut! BODYSTYLER: Zum Schluss noch eine Leserfrage: Um das Riesenloch im südthüringischen Schmalkalden aufzufüllen, sollten 2000 Lkw-Ladungen Kies reingekippt werden. Die Krupps hätten doch sicherlich eine bessere Lösung auf Lager gehabt, oder? Engler: Wozu zuschütten? Meine Idee wäre, das Loch noch größer zu machen, so etwa bis auf die Größe der Cave Of Swallows in Mexiko, damit man deutschen Extreme-Fallschirmspringern die lange Flugreise ersparen kann! Für ein paar Euro kann dann jeder mal. Und wenn das Interesse nachlässt, kann man darin auch jede Menge Unnützliches versenken. Davon gibt es immer genug! //