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Edge Of Dawn

"Seit wir mit Rummelsnuff befreundet sind, zieht uns niemand mehr auf!"


Auch diesmal haben wir wieder keine Kosten und Mühen gescheut, um eines unserer berüchtigten und ausgeklügelten Verhöre durchzuführen. In Anbetracht der Brisanz des Ergebnisses kann vorab aber nur so viel verraten werden, dass Edge of Dawn blaue Briefmarken hässlich finden, in einer offenen Beziehung leben und moralisch wertvoller sind, was aber eine prinzipielle Käuflichkeit nicht ausschließt.
 
Interview: Frank Bentert //   Foto: Claudia Schöne //
 

Edge Of Dawn beim Beantworten unserer Fragen: "Was ist denn das für ein Intervieweinstieg?"

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8 Seiten Edge Of Dawn in
BODYSTYLER #40
»
 
 

»Ich führe eine offene Beziehung ... alle Beteiligten wissen voneinander!«

Und wichtig ist, das niemand zu kurz kommt!
 
 
 

Edge of Dawn
„Stage Fright EP“
Mit der Anzahl ihrer bisherigen Veröffentlichungen gewinnen Edge of Dawn wahrscheinlich keinen Blumentopf, mit der Qualität ihrer Songs hingegen heimsen die Jungs immer wieder reichlich Lorbeeren ein. Es muss schon ein schweres Los sein, so viel musikalisches Talent in sich zu tragen, aber einfach keine Zeit zu finden, um es in Songs manifestieren zu können. Doch genug des Mitleids, denn 2010 war ja bekanntlich musikalisch wieder ein gutes Jahr für Band und Fans. Nach dem neuen Album liefern EoD in gewisser Tradition nun wieder eine EP hinterher. Die stellt neben sehr abwechslungsreichen und harmonischen Mixen auch noch zwei bisher unveröffentlichte Songs bereit. Ist dies vielleicht als indirekte Entschuldigung an die Fans zu deuten, weil neues Material so lange auf sich warten ließ? Wir wissen es nicht! Auf jeden Fall sagen wir danke und erkennen, dass die Warterei manchmal eben doch lohnt. Anspieltipp: Capsized (Frank Bentert)
VÖ: 03.12.10 // Dependent

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Myspace.com/EdgeOfDawnde
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

arum seid ihr so gut und warum gibt es das Gute nur so selten?
Frank Spinath: Was ist das denn für ein Intervieweinstieg? (lacht)
BODYSTYLER: Ja, okay, so ’ne schneidige Frage zu Beginn kann einen schon mal aus der Bahn werfen, verstehe ich. Wir hätten vielleicht vorher klären sollen, dass die Fragen beim BODYSTYLER eben noch aus dem investigativen Instinkt heraus entwickelt werden, nach dem Motto „grad gedacht, schon gefracht“! Schonungslos und direkt, wie wir eben so sind. Also bitte...
Spinath: Okay, erst einmal danke für das Lob. Mario und ich sind Perfektionisten und nehmen uns schon deshalb viel Zeit für die Produktion unserer Songs. Außerdem muss unsere Musik am Ende so sein, dass wir sie nicht nur guten Gewissens veröffentlichen können, sondern selbst auch Spaß daran haben, sie zu hören. Wenn ich dabei regelmäßig denken würde, dass man dieses oder jenes mit etwas mehr Zeit und Liebe zum Detail deutlich hätte besser machen können, würde ich mich doch regelmäßig ärgern. Daher also lieber gleich "Wertarbeit".
BODYSTYLER: Ist Eure Veröffentlichungspolitik eine Art erzieherische Maßnahme für die Fans, quasi wie früher bei den Eltern, die einem immer weiß machen wollten, dass man Dinge von Qualität nur dann zu schätzen lernt, wenn man sie selten bekommt?
Spinath: Dass Seltenes wertvoller wird, ist für Sammler ja ein altbekanntes Phänomen. Die "Blaue Mauritius" ist ja nicht ernsthaft eine der schönsten Briefmarken der Welt, aber sie gehört aufgrund ihrer Seltenheit zu den begehrtesten. Ich habe selber mal eine Ausstellung besucht, nur um ein Exemplar dieser Marke zu sehen.
BODYSTYLER: Frank, Du kannst mich auch direkt fragen, ob Du mir mal Deine Briefmarkensammlung zeigen darfst, dafür musst Du mich nicht erst mit philatelischem Fachwissen einlullen! Nummern tauschen wir aber erst später, erst die Arbeit, dann das Vergnügen!
Spinath: Ich finde im übrigen die Zahl an Edge Of Dawn-Veröffentlichungen in den letzten Jahren gar nicht so gering, wenn man bedenkt, dass sowohl Mario als auch ich noch Vollzeitjobs nachgehen.
BODYSTYLER: Mit dieser Antwort bietest Du mir dann auch gleich eine prima Überleitung zu einer weiteren tollen Frage aus dem „Was ich schon immer wissen wollte“-Beutel. Ich bewundere Musiker, die so viel kreatives Potential in sich haben, dass Sie auf vielen Hochzeiten tanzen können. Aber mal ehrlich, kommt es da nicht auch zu Konflikten innerhalb der Projekte oder gar mit Mario? 
Spinath: Ich führe, wenn man so will, eine offene Beziehung, was die Musikprojekte angeht. Das heißt: Alle Beteiligten wissen voneinander! Wichtig ist, dass niemand den Eindruck bekommt, zu kurz zu kommen. Nebenbei gesagt verfolgt ja auch Mario weitere musikalische Aktivitäten, z.B. im Rahmen von Produktionen oder Remixen.
BODYSTYLER: Bei all der Offenheit lassen sich doch aber Konflikte nicht ganz vermeiden, also mal Butter bei die Fische, wann habt ihr denn zuletzt so richtig dolle gezofft und was war der Grund?
Spinath: Wir haben uns im Laufe unserer Bandgeschichte bislang eigentlich erst einmal richtig gezofft und dabei ging es um die endgültige Gestaltung des Covers von "Anything That Gets You Through The Night". Eigentlich witzig, wenn ich es mir jetzt so überlege, dass wir Krach bekommen haben wegen des Artworks und nicht wegen der Musik. Vermutlich ist nach einer längeren Zeit der Zusammenarbeit so etwas aber auch einfach irgendwann einmal fällig. Nachdem sich die Aufregung dann gelegt hat, gehen alle Beteiligten wieder etwas behutsamer miteinander um.
BODYSTYLER: Das ist in den meisten Ehen auch nicht anders. Nach so und so vielen Jahren muss man sich eben ab und an mal eins vor die Mütze hauen, damit es danach wieder funkt. Die Frage nach dem Versöhnungssex erspare ich mir aber an dieser Stelle. Kehren wir lieber zurück in musikalische Gefilde: Zwei Studioalben sind, gemessen an einer Bandgeschichte, die schon 1998 begründet wurde, eigentlich so nicht sonderlich viel. Werdet ihr damit von anderen Bands oft aufgezogen? 
Spinath: Seit wir mit Rummelsnuff befreundet sind, zieht uns eigentlich niemand mehr auf (lacht).
BODYSTYLER: Es hat sich also scheinbar bei Euren Kollegen noch nicht herum gesprochen, dass der Roger eigentlich ein ganz lieber und nur als Kind in den Zaubertrank gefallen ist?! Aber gut, wir wären ja nicht so erfolgreich, wenn wir nicht auch ein Geheimnis für uns behalten könnten. Also soll er Euch auch zukünftig die Lästerer vom Hals halten. Du wolltest noch etwas sagen?
Spinath: In meiner persönlichen Zeitrechnung beginnt Edge Of Dawn ja erst 2005 und 2 Alben sowie drei EPs sind aus meiner Sicht eine sehr stimmige Bilanz. Zu allem, was davor liegt, musst Du Mario direkt befragen.
BODYSTYLER: Wenn wir mal theoretisch davon ausgehen, dass ihr in den letzten Jahren trotz weniger Veröffentlichungen kontinuierlich Stücke produziert habt, müsstet Ihr eine ganze Menge Material in Petto haben, das nun auf diversen Festplatten und anderen Speichermedien vor sich hin reift. Was macht ihr damit? Würdet Ihr an Bands verkaufen, die in einem kreativen Loch stecken?
Spinath: Ja, es gibt das eine oder andere Demo, das im Laufe der Zeit entstanden und dann irgendwann auf der Strecke geblieben ist. Ich persönlich hätte auch kein Problem damit, diese Stücke weiterzugeben. Warte mal, da klopft es schon an meiner Tür... (lacht).
BODYSTYLER: Ich könnte jetzt Vermutungen anstellen, wer da vor der Tür steht, möchte der BODYSTYLER-Rechtsabteilung aber nicht noch mehr Arbeit machen, als die ohnehin schon hat.
Stattdessen interessiert mich vielmehr, wer denn gar nicht erst zu fragen bräuchte?
Spinath: Fragen dürfte erst einmal jeder.
BODYSTYLER: Das ist aber sehr sozial von Euch und freut bestimmt den einen oder anderen
mitlesenden potentiellen Käufer. Demnächst klingelt es dann also vermutlich öfter! Die Daten für unser Provisions-Konto kannst Du bei unserem Chefredaktuer Bodyhorst direkt erfragen!
Vertiefen wir die Sache mit der Mildtätigkeit noch etwas. Woher kommt eigentlich euer Faible für EPs und warum sind die bei Euch immer so reichhaltig gefüllt? 
Spinath: EPs stellen aus meiner Sicht neben Alben das optimale Format dar. Wir füllen sie so, wie wir sie uns auch von anderen wünschen: Ein Titelstück in neuem Zuschnitt, interessante alternative Versionen von ausgewählten Albumtracks sowie etwas ganz Neues. Einfach mehr Wert für's Geld und nicht ein Dutzend mehr oder weniger profillose Remixe ein- und desselben Titels.
BODYSTYLER: Diese Grundeinstellung ehrt Euch total, ehrlich! Vielleicht solltet ihr Kurse in Sachen Qualitätsstandards für Extended Player geben. Der eine oder andere Kollege wäre Euch dafür sicher dankbar, von den Fans mal ganz abgesehen.
Appropos Fans: In wie fern berührt Euch die Meinung der Öffentlichkeit in Bezug auf das, was ihr tut? Habt ihr Momente, in denen Ihr denkt "Mir doch egal, was Du sagst oder schreibst, ich find's gut"?
Spinath: Ich wünschte manchmal, "mir doch egal was Du sagst oder schreibst, ich find's gut" wäre sowas wie die allgemeine Voreinstellung meines Denkens. Mich erreicht Kritik in der Regel nämlich selbst dann, wenn ich von einer Sache voll und ganz überzeugt bin. Ist vielleicht so ein Gerechtigkeitsgedanke, dass authentisches, kreatives Schaffen immer Respekt verdient. Dann fallen mir aber üblicherweise eine Reihe von Veröffentlichungen ein, die ich selbst kaum ertragen kann und als Schreiber mit Spott überziehen würde, und ich bin wieder versöhnt: Am Ende darf jeder mögen oder nicht mögen, was er will. Und das ist auch gut so.
BODYSTYLER: Also für den Fall, dass Du noch eine weitere Nebenbeschäftigung suchst und mal ohne Scheu so richtig schön vom Leder ziehen willst, wir haben immer Interesse an guten Spöttern!
Noch ist Dein Ruf ja nicht ruiniert, deshalb kannst Du mir bestimmt auch folgende Frage beantworten. Musiker in Subkulturen haben es mit dem Promi-Faktor ja oftmals etwas schwerer, abgesehen vielleicht vom unheiligen Bernd. Wie sieht's da bei Euch aus? Werdet Ihr auf der Strasse von Fans erkannt und angesprochen?
Spinath: Ab und zu kommt das vor, aber in aller Regel sind es kurze, höfliche Begegnungen, gegen die ich überhaupt nichts einzuwenden habe. Überrascht bin ich ab und zu noch, wenn ich in meinem Beruf als Wissenschaftler auf die Musik angesprochen werde. Oder wenn, als ich kürzlich eine CD von einem amerikanischen Mailorder bestellte, aus heiterem Himmel die Portokosten erlassen werden, weil sich der Verkäufer als Fan unserer Musik entpuppte, der mir eine Freude machen wollte.
BODYSTYLER: Oh, das ist ja prima, dann werde ich zukünftig meine Pakete auch nur noch in Deinem Namen bestellen (für Leser-Sammelbestellungen bitte bei der Redaktion melden!). Ist sonst noch irgendwo was zu holen? Vielleicht bei prominenten EOD-Anhängern?
Spinath: Mich freut es, wenn andere Musiker, die ich schätze, unsere Musik mögen. Ein Lob von Daniel Myer oder Eskil freut mich beispielsweise sehr, weil ich weiß, dass sie verstehen, wie Musik tickt.
BODYSTYLER: Auch wenn die Frage Euch vielleicht belustigen wird, weil viel zu früh... einige Fans wird es wohl dennoch jetzt schon interessieren, was wann als nächstes von Euch kommt?
Spinath: Mario lernt zur Zeit Harfe spielen, um dem Sound von EOD ein noch stärkeres authentisches Feeling zu geben. Sobald er damit zu hörbaren Ergebnissen gelangt ist, stürzen wir uns in die Arbeit an neuen Songs.
BODYSTYLER: Klingt ... interessant. Falls Ihr da noch jemanden für Triangel oder Becken braucht, könnt ihr im Heft gern ’ne Anzeige schalten!
Uns bleibt da nur die Hoffnung, dass Mario wegen der Authentizität nicht erst noch auf langes blondes Engelshaar wartet. Für den Fall dass doch, empfehle ich ihm Bier und Ei ... Was er daraus jetzt macht, bleibt allerdings ihm überlassen.
Wir überlassen Euch jetzt auch Euch selbst und sagen an dieser Stelle Tschüß und vielen Dank für die Beantwortung der fragwürdigen Fragen. //



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Edgeofdawn.de
© 2011 // BODYSTYLER Electrozine //
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