urz vor dem Auftakt der umfangreichen Konzertreise durch die USA erwischte der Bodystyler den sympathischen Sänger in Florida, um unter anderem ein paar Informationen zum fantastischen neuen Album „Tomorrow’s world“ zu erfragen.

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BODYSTYLER: In den letzten Monaten habt Ihr ein neues Album aufgenommen, jede Menge Shows in Europa und Südamerika gespielt und Du warst zudem in der TV-Show „Popstar to Operastar“ dabei. Fragst Du Dich manchmal, wenn Du Dein Tagebuch liest, ob Dein Tag wirklich nur 24 Stunden hat?
Andy Bell: Das frage ich mich wirklich manchmal, besonders an Tagen wie diesem. Wir haben in den letzten Tagen bereits ein paar Mal mit der Band geprobt, die nächste Show steht morgen an und gerade eben habe ich schon ein paar Radiointerviews gegeben. Außerdem habe ich all meine Klamotten verloren, meinen Computer, mein iPhone und meine Kreditkarten.
BODYSTYLER: Das klingt nach einer Menge Stress und ziemlich großem Pech...
Bell: Genau. Und wie immer passiert einem alles auf einmal. Es zeigt mir jedoch mal wieder, wie abhängig man von einigen Dingen heutzutage ist, besonders von der ganzen Technik.
BODYSTYLER: Wie bei den „Total Pop“-Shows der letzten Zeit geschehen, scheint es mittlerweile notwendig zu sein, dass Ihr Eure alten Hits von den aktuellen Inspirationen und Songs trennt. Empfindet Ihr es manchmal als Fluch, dass Ihr so ein großes Repertoire an Hits habt, aus dem Ihr für die Konzerte auswählen müsst?
Bell: Manchmal ist das schon schwierig. Es gibt gewisse Lieder, die die Leute hören wollen und die ich auch gerne singe. Dazu gehören „Blue Savannah“, „A little respect“ oder „Sometimes“. Andererseits gibt es ungewöhnlichere Anfragen der Fans wie zum Beispiel nach „Star“, „Don’t say your love is killing me“ oder „I could fall in love with you“. Wir versuchen am Ende, es möglichst vielen Leuten recht zu machen. Auf der aktuellen Tour war es mal wieder schön „Heavenly action“ von unserem ersten Album zu spielen, aber wenn Du es Abend für Abend singst, wird es auch schnell wieder langweilig. Das ist schon manchmal verzwickt und leider können wir nicht spontan etwas Neues einbauen, weil alles erst programmiert und geübt werden muss. Vince braucht einfach zu Beginn einer Tour eine gewisse Auswahl an Liedern, so dass man im Verlauf nicht sehr flexibel sein kann. Da fühlt man sich schon mal wie der Affe auf dem Leierkasten (lacht).
BODYSTYLER: Dann nehme ich mal an, dass Du es kaum erwarten kannst, die neuen Songs zu spielen?
Bell: Ja, natürlich. Sie scheinen auch gut mit den alten Songs zu harmonieren. Mit den bisherigen Testläufen sind wir jedenfalls sehr zufrieden.
BODYSTYLER: Auf den Setlists der letzten Konzerte tauchte bereits „You’ve got to save me right now“ auf. Warum habt Ihr Euch für diesen Song entschieden, der ja nicht so typisch für den Sound des neuen Albums ist?
Bell: Das geschah deshalb, weil wir diesen Song zunächst zur ersten Single machen wollten. Er hat ja dieses Gospel-Feeling und klingt vielleicht deshalb am typischsten für Erasure. Letztendlich haben wir uns ja dann doch für „When I start to (break it all down)“ entschieden (lacht).
BODYSTYLER: Was ebenfalls eine gute Wahl ist, beide klingen toll.
Andy Bell: Oh, dankeschön.
BODYSTYLER: Wie lange braucht es eigentlich bis ein neuer Song in Fleisch und Blut übergeht und Ihr Euch in der Lage fühlt, Ihn der Welt zu präsentieren?
Bell: Zum Glück hatten wir vor der Tour die Möglichkeit einer Studiosession, bei der wir alle Lieder vier Mal durchgegangen sind. Gestern waren wir noch einmal im Studio und haben alle noch vier Mal geprobt. Mittlerweile passt alles schon recht gut zusammen und dadurch fühlen sie sich schon wie richtige Erasure-Songs an. Ich bringe jedoch immer noch die Texte durcheinander, was mir allerdings auch mit den alten Songs passiert (lacht). Da geht es manchmal ganz schön drunter und drüber, weshalb ich ja auch die Fans immer bitte schön aufzupassen, um mir rechtzeitig helfen zu können...
BODYSTYLER: Und ich denke, sie verzeihen Dir das nur zu gern...
Bell: Ja klar. Das kommt halt davon, dass ich auch auf der Bühne dazu neige, vor mich hin träumen...
BODYSTYLER: Mit Frankmusik habt Ihr dieses Mal mit einem blutjungen Musiker zusammen gearbeitet und ich habe gehört, dass er Euch geradezu überrannt hat mit seiner Kreativität und Arbeitsgeschwindigkeit. War er so eine Art Katalysator, der frischen Wind gebracht hat?
Bell: Er ist einfach sehr talentiert und erinnert mich manchmal an Phil Spector. Er legt so unglaublich viele Tonspuren übereinander, dass sogar Vince Bauklötze gestaunt hat. Es waren manchmal bis zu 148. So etwas haben wir noch nie gesehen. Du kannst Dir vorstellen, dass es am Ende wiederum eine Herausforderung war, das Ganze für die Live-Shows zurück in ein praktikables Format zu bringen (lacht). Es war jedenfalls erfrischend, jemanden zu erleben, der so begeisterungsfähig ist und so viele Dinge ausprobieren möchte. Ich verbringe ja nicht so viel Zeit im Studio, da das ja eher der Part von Vince ist, aber es hat wirklich Spaß gemacht. Leider war mein Gesang immer ziemlich schnell im Kasten...
BODYSTYLER: Kannst Du Dir eigentlich vorstellen, wie „Tomorrow’s world“ ohne seine Mithilfe geklungen hätte?
Bell: So genau kann ich das gar nicht sagen, aber es hätte bestimmt sehr anders geklungen. Wahrscheinlich einfach mehr nach den alten Erasure.
BODYSTYLER: Mit „Be with you“ und anderen Songs vermittelt Ihr ein unglaublich intensives Gefühl wie beim ersten Verliebtsein. Man spürt förmlich die Schmetterlinge im Bauch. Was ist Euer Geheimnis, dass diese Dinge so frisch und aufregend klingen?
Bell: Ähm, vielleicht liegt das daran, dass ich frisch verliebt bin (lacht) Als Sänger muss man einfach diese Sehnsucht nach dem Leben in sich tragen und sich gut in andere Leute hineinversetzen können. Man muss die Dinge fühlen und sie in seine Songs einfließen lassen.
BODYSTYLER: Dann vermute ich mal, dass Du auch ein guter Beobachter bist...
Bell: Absolut. Ich würde mich sogar als leidenschaftlichen Voyeur bezeichnen.
BODYSTYLER: Auf der anderen Seite gibt es auf dem neuen Album Songs wie „What will I say when you’re gone“ oder das fantastische „Just when I thought it was ending“, die sich mit der Angst vor einem Verlust und Trennungen auseinandersetzen. Würdest Du sagen, dass es manchmal vielleicht sogar wichtig ist, solche Emotionen und Situationen zu durchleben?
Bell: Ja, das glaube ich wirklich. Ich hab übrigens versucht, das Tarot zu lernen, um zu wissen, was in der Zukunft geschehen wird. Auf dem ursprünglichen Cover für das Album sollte deshalb eine Tarotkarte sein, auf der ein Herz zu sehen ist, in dem drei Schwerter stecken. Das kann zum Beispiel symbolisieren, dass jeder einen gewissen Schmerz in sich trägt. Viele haben eine Last zu tragen und schließen den Schmerz tief in sich ein.
BODYSTYLER: Vor kurzem habe ich mir Deinen Beitrag zu „Popstar to operastar“ angeschaut und ich war wirklich beeindruckt. Du hast so wunderbar gesungen und es war wirklich schade, dass Du nicht länger dabei warst. Hast Du mittlerweile genug Abstand gewonnen, um zu sagen, was diese Erfahrung für Dich als Musiker oder auch als Privatperson bedeutet?
Bell: Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, bei dieser Sendung mitzumachen, allein schon deshalb, weil ich Opern wirklich liebe. Außerdem habe ich dort unglaublich viel gelernt, was Gesang und Technik anbelangt. Andererseits habe ich gedacht, dass es ein viel spannenderer Einblick in die Opernwelt sein würde, aber letztendlich war es eben nur eine Fernsehsendung. Man hatte einfach nicht genug Zeit und musste sich auf seine Rolle als TV-Star konzentrieren. Dafür bin ich jedoch einfach zu offenherzig und emotional. Um diese Rolle auszufüllen, muss man sich viel mehr verstellen können und kann nicht man selbst sein. Das ist einfach nicht mein Ding.
BODYSTYLER: Wenn man sich Eure drei letzten Albumcover anschaut, wurde aus der nachtblauen Periode eine Vermischung von blau und pink und hellt sich jetzt auf zu einer wahren Farbenpracht.
Bell: Okay. Fantastisch.
BODYSTYLER: Sind Eure Herzen und Gedanken gerade hell und farbenfroh?
Bell: Das ist eine sehr schöne Beschreibung und Du hast wirklich recht damit. Da muss ich noch mal in Ruhe drüber nachdenken. Hört sich ja fast nach einer Farbentherapie an (lacht). //

Web: ErasureInfo.com
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