Felix Marc

"Dann wird das kein Verkaufsschlager!"


Es gibt keinen kreativen Stillstand, zumindest nicht bei Felix Marc. Wenn er nicht bei Diorama das Keyboard bedient oder bei Frozen Plasma das Mikrofon füttert, rührt er eben im Topf seines Solo-Projektes ein delikates Süppchen zusammen. Zwölf erlesene Zutaten, sprich Songs sind darin enthalten und dürften dem Chefkoch der Synthie-Pop-Küche seinen wohlverdienten Stern einbringen. Also heraus mit dem guten Geschirr, die Kelle gezückt, den Löffel gefasst und mit geschlossenen Augen das vollmundige Aroma genossen.

 
Interview: Torsten Pape //   
 

Frankreich, Autobahngebühren und Lichterketten: Peter's Popshow-Fan Felix Marc mit Impulsgeber

 



 
 

»Die französischen 80s-Hits von Mylène Farmer oder France Gall sind nach wie vor der Knaller. In der Richtung kann ich mir vorstellen fürs nächste Album was zu machen!«

Temporärer Arbeitsplatz Frankreich
 
 
 
 

FELIX MARC
"Parallel Worlds"
Es ist schon beeindruckend, wie der Felix in den letzten drei Jahren die kreativen Pausen zwischen Frozen Plasma und Diorama genutzt hat. Sein zweites Solo-Werk ist so ein formidables Album geworden, dass es zum einen bestens unterhält, die Spielzeit aber auch wie im Fluge vergehen lässt. Der musikalische Bogen spannt sich dabei von faszinierenden Melodien und 80er Jahre-Stilistiken bis hin zu feinsten Synthiepop- und Electrostrukturen. Der Weg wird dabei von Ohrwürmern, lesenswerten Texten, einem stets gefühlvollen und angenehmem Gesang sowie einem tollen Layout gesäumt. Hier stimmt einfach alles und Hits wie „Repair“, „The muse“ (tolles Video!), „Modern talking“, „The garden of light“ und „Ghost“ (mein absoluter Favorit) sollten in vielen Welten funktionieren und die Zeit überdauern. (Torsten Pape)
VÖ: 10.06.11 // Infacted Recordings

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

ei Deinen vielen Projekten, Deinem normalen (?) Job und Deiner kleinen Familie stellt sich die Frage, wie viele Parallelwelten es in deinem Universum noch gibt?


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Felix Marc: Aktuell zähle ich drei Parallelwelten – also die, die Du oben aufgezählt hast. Der Fixstern dabei ist natürlich die Familie mit den Job- und Musikplaneten, die darum kreisen. Ob das normal ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen, da ich es eigentlich nie anders kennengelernt habe. Aber mit drei Musikprojekten und der zunehmenden Verantwortung in Beruf und Familie wird die Zeit so langsam echt knapp.
BODYSTYLER: Welche Art des Reisens zwischen den Welten bevorzugst Du und wie bereitest Du Dich auf den Eintritt in die jeweils anderen vor? Gibt es Rituale oder bewährte Techniken?
Felix Marc: Seitdem ich in Paris lebe, habe ich das Düsenflugzeug als adäquates Transportmedium zu schätzen gelernt. Es ist weitaus angenehmer als vormals die Reisen mit dem Auto quer durch die Republik, wo man relativ geplättet am Auftrittsort ankommt. Als Ritual vor den Reisen in die Parallelwelt hat sich bewährt, sich vorzubereiten bzw. das Erlebte nachzubereiten. So habe ich jetzt im Vorfeld auf das 2-tägige Nordstern Festival in Hamburg eine alte Covenant-DVD ausgegraben, um mich einzustimmen und den Jobstress abzuschalten. Hinzu kommt die ordinäre Probe am Keyboard und am Mikrofon. Nach der Rückkehr bietet sich oftmals an, direkt ein neues Musikstück oder einen Ansatz zu komponieren, in dem das Erlebte eingeht. Wie ein musikalisches Tagebuch sozusagen. Die Familie fungiert so oder so als Auffangnetz, aus welcher Welt man auch immer zuhause landet.
BODYSTYLER: Wie wär's denn mal mit einer Zeitreise in die Achtziger Jahre und einem damit verbundenen Auftritt in einer Show Deiner Wahl? Wo würde man Dich am ehesten sehen: Formel Eins, Musikladen, Eurotops oder Peters Popshow?
Felix Marc: Also Peters Popshow hat mich damals immer am meisten fasziniert. Das war quasi der Vorbote von „The Dome“ in großen Hallen mit halbwegs realistischen Bühnen und enthusiastischem Publikum. Da würde ich mich sicher als erstes Hinbeamen.
BODYSTYLER: Beim Hören Deiner Songs fällt des Öfteren auf, dass Du den Stereo-Effekt gern auch so nutzt, verschiedene Sounds und Klänge auf den linken und rechten Kanal zu legen. Mich würde interessieren, ob das rein intuitiv geschieht oder was bei der „Positionierung” eine Rolle spielt?
Felix Marc: Das Ziel ist, den Mix transparent und breit zu machen und dabei habe ich meine eigene Vorgehensweise. Da passiert viel intuitiv, aber in der finalen Phase dann geordnet nach zusammenspielenden Sounds, die analog im Stereobild verteilt werden.
BODYSTYLER: Du lebst seit einiger Zeit in Frankreich. Wäre es da nicht auch mal interessant, einen französischen Liedtext zu schreiben bzw. zu verwenden?
Felix Marc: Du wirst lachen, aber das habe ich bereits gemacht. Bereits vor zehn Jahren war ich schon mal für längere Zeit für ein Praktikum in Frankreich und habe mich zu einem französischen Lied hinreißen lassen. Der Song heißt „Le Ciel“, aber den lassen wir besser mal in den Untiefen meiner Festplatte. Die französischen 80s Hits von Mylène Farmer oder France Gall sind nach wie vor der Knaller und in der Richtung kann ich mir eher vorstellen fürs nächste Album was zu machen.
BODYSTYLER: Ist Frankreich nur der Ort, an dem einige Deiner Songs entstehen oder ist es für Dich auch ein Musikmarkt oder gar ein Land, in dem Du Auftritte planst?
Felix Marc: Frankreich als Musikmarkt ist ein sehr individuelles und protektioniertes Konstrukt. Da gibt es fest vorgeschriebene Quoten für französisch-sprachige Lieder in Funk und Fernsehen. Megakonzerte von Weltstars in Paris und Pillepalle-Shows von No-name Bands in der Provinz. Ehrlich gesagt, sehe ich mich hier nicht auftreten. Für das aktuelle Album sind lediglich zwei Songs hier entstanden. Frankreich ist für mich temporärer Arbeitsplatz. Die Inspiration für die Musik stammt woanders her. Meine Auftritte plane ich lieber in anderen Ländern.
BODYSTYLER: Bekommst Du eigentlich etwas von der französischen Musikszene mit? Was kannst Du berichten?
Felix Marc: Natürlich. Ich konsultiere ab und an die Radiosender und entdecke melodiöse Kleinode. Es gibt viele Stars und alte Haudegen, die viel Respekt genießen, aber mit Ihren Chansons beim deutschen Hörer wohl schnell Tiefschlaf auslösen dürften. Dann gibt es viel Singer-Songwriter mit Klavier-Gitarrenmusik und 3-Tagebart, sowie insbesondere in den Ballungsräumen den gesellschaftsspaltenden HipHop. Man muss in Frankreich sein, um diese Musikszene zu erleben. Aus Deutschland heraus kennt man da so gut wie nichts. Das ist aber in Europa allenthalben so. Jedes Land dieser Währungsgemeinschaft hat seinen eigenen Musikmarkt bewahrt und irgendwie ist das auch gut so.
BODYSTYLER: 'Big scar – where are you from' ist ein grandioser Liedanfang. Später geht es um Clubs und Tanzen, eine ausschweifende Nacht. Magst Du etwas zu „MoscowParis” erzählen?
Felix Marc: Na, da bin ich ja beruhigt, denn das war ursprünglich der Anfang vom 2. Vers. Der Track soll die Leute zuallererst zum Feiern animieren. Nebenbei beschreibt er die Reisen zwischen den Welten – beispielhaft dargestellt durch West- und Osteuropa, die Musik, die beide doch immer noch so unterschiedliche Welten verbindet - zumindest für einen Augenblick, eine Nacht lang. Der Song beschreibt auch die Sicht des Musikers, der von einem Konzert zum nächsten hetzt, um dann auf Knopfdruck sein Programm abzuspielen. Als Souvenir bleibt dann die metaphorisch angesprochene Narbe zurück. Eine Hymne an unsere Clubkultur.
BODYSTYLER: War es schwer für Dich, Deine Gedanken/Beschreibungen zum Buch „Der Sammler” in einen Liedtext zu bannen?
Felix Marc: Ehrlich gesagt nein. Die Textvorlage ist bereits so bildhaft und inspirierend, dass ich das Buch nur zweimal lesen musste und nebenbei Notizen zu Schlüsselstellen und Zitaten gemacht habe. Diese habe ich dann anschließend zu dem finalen Text zusammengesetzt. Ähnlich einem Puzzle. Ich freue mich, dass mir das so gut von der Hand ging.
BODYSTYLER: Neben poetischen Textzeilen und Songtiteln wie „Fields of grey” oder „The garden of light” wirkt ein Song wie „Life is porn” zunächst wie ein Elefant im Porzellanladen. In welche Parallelwelt bist Du denn da geraten?
Felix Marc: Na, in die Welt der Autobahngebühren. Das erkennt der geneigte Hörer an dem eingebauten Sample. Es stammt von einer uralten Kassette, die ich anno 1993 in den USA gekauft habe von keinem Geringeren als Adam Sandler. Die Kurzgeschichte heißt „Toll Booth Willie“ und man darf miterleben, wie ihn alle Kunden, die bei ihm die Maut entrichten müssen, unfassbar demütigen und ihm nichts anderes übrig bleibt, als den wegfahrenden Leuten übelste Schimpfwörter hinterher zu schreien. Bei dem Song war mir wichtig, dass die Message so plakativ wie möglich rüber kommt. Also musste bereits der Titel herhalten. Das Leben hat so viele Ausprägungen und Höhen und Tiefen, aber letztendlich kommt es darauf an, was man selbst aus der Situation macht. Das Leben kann Dich übelst ficken, aber es gibt zumeist einen Ausweg. Du kannst riskieren aus Deiner Mautzahlstelle herauszutreten unter der Gefahr, dass Dich die Autos überfahren, aber konsternieren sollte man auf gar keinen Fall.
BODYSTYLER: Die wirklich unerwartete, coole Version von „Mystify” wirft die Frage auf, was Dir die Band INXS bedeutet? War es dieser eine Song, der Dich faszinierte oder gab es mehrere Kandidaten aus dem Bandkatalog? „Tiny daggers”, „Shine like it does” oder „Same direction” hätten doch vielleicht auch ins Marc'sche Universum gepasst, oder?
Felix Marc: Ein Remake ist immer ein riskantes Spiel. Man sollte den Style des Originals nicht opfern und gleichzeitig seinen eigenen Touch reinbringen. Gleichsam sollte man nicht zu viele Remakes machen, um sich nicht selbst in Frage zu stellen. Klar finde ich noch andere Songs von denen klasse, aber „Mystify“ ist einer der Top3 und außerdem gibt es eine Vorgeschichte. Der Song lief in Moskau im Radio auf dem Weg zum Flughafen nach einem Konzert. In dem Eindruck des Konzerts und des Trips nach Moskau fand ich den Titel „Mystify“ und die Message des Songs einfach passend.
BODYSTYLER: Zu Deiner Fotoserie stellt sich die Frage, ob Du keine Kerzen mehr im Haus hattest, damit es im Bett romantisch wird? Die Bondage-Lichterkette ist jedoch bestimmt noch patentfrei. Anmeldung geplant?

Felix Marc: Also ich muss das noch an weiteren Probandinnen testen, denn wenn die Bondage-Lichterkette nachhaltig auf alle Frauen eine dermaßen resignierende Wirkung erzielt, wie bei dem Model auf den Albumfotos, dann wird das kein Verkaufsschlager. Ich hoffe ganz im Gegenteil zum neuen Album. Haha. //



Homepage: FelixMarc.de
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