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Formalin

"Warum sollte man harte und dreckige Musik nicht auch mal in einen 'solchen', optischen Zusammenhang setzen?"


Bodystyler deckt auf: Molratten und Grottenolme reisen stets mit Schminktöpfchen! Wie es dazu kam, wozu es noch kommen wird und warum immer irgendwer, irgendwo kommt, wird in diesem Frage-Antwort-Duell, dem sich das Berliner Electro-Duo Formalin anlässlich der Veröffentlichung ihrer Debüt-Platte "Bodyminding" exklusiv mit Bodystyler stellte, (vielleicht) geklärt...
 
Interview: Frank Bentert //                    
 

Der eine holt das Bier, der andere die Zigaretten – wie bei einem vernünftigen Ehepaar in der Schwangerschaft

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»Beim Teilen der Klamotten hört die Freundschaft auf! Aber wenn einem von uns der Concealer ausgeht, hilft man sich schon mal aus!«

Auf die gute, alte "Sharing"-Frage
 
 
 

Formalin
"Bodyminding"
Bei Formalin passt auf den ersten Blick vieles nicht so zusammen, wie es das vorurteilsgeprägte Menschlein gerne hätte. Das jugendlichere Aussehen von Sänger Tominous nicht zu seiner Stimme, das Etikett „Debüt“ nicht zur „War-ich-schon-immer-Fan-von-Stimmung“, die beim Hören aufkommt und auch bekleidungstechnisch bieten die Jungs Raum für Vermutungen, die sich nicht mit dem decken, was am Ende stilistisch geboten wird. Abseits aller Voreingenommenheit wird auf Bodyminding etwas serviert, von dem ich dachte, dass es das im Zeitalter stupiden Rumgebumses nicht mehr geben wird. Die nahezu perfekte Mischung all der guten Dinge, die die schwarz geprägte Elektromusik bis heute hervor gebracht hat oder anders gesagt, eine volle Packung: Geil! Formalin lassen Vergangenheit und Zukunft unmittelbar aufeinander prallen und kreieren ihr eigenes Jetzt. Aber was sind schon Worte? Also, nicht lesen: hören! (Frank Bentert)
VO: 29.10.10 // Out Of Line

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Myspace.com/Formalin
 
 
 
 
 
 
 

lückwunsch zur ersten großen Veröffentlichung! Wie geht's euch jetzt damit? Habt Ihr euch das "Danach" so vorgestellt?
Tominous: Vielen Dank. Wir sind froh nach einem Jahr harter Arbeit das Album im Kasten zu haben. Dass die Resonanzen auf das Album derart positiv ausfallen, hätten wir so nicht erwartet. Seitdem überschlagen sich die Ereignisse.
BODYSTYLER: Welche denn z.B.?
Tominous: Nach dem Signing mit Out Of Line haben wir sofort zwei Häuser in Beverly Hills gekauft. Leider reicht das Geld jetzt nicht mehr für die Flüge!
BODYSTYLER: Ihr Armen! Es ist schon schlimm, wenn einen der Erfolg so überrollt. Ich werde das mal an Wolfram Kons weiterleiten, vielleicht macht er ein Thema daraus, für den nächsten RTL-Spendenmarathon.
Ausgereifter als Eure Kaufentscheidung klingt Bodyminding in jedem Fall, gerade für ein Erstalbum. Habt Ihr so lange an den Stücken getüftelt oder habt Ihr es schlichtweg drauf?
Gabor: Wir haben es schlichtweg drauf und können gar nicht anders! Nein im Ernst – wir sind Perfektionisten und geben uns erst zufrieden, wenn wir selber wirklich überzeugt sind. Dabei hat es uns oft geholfen, einen Song auch mal ruhen zu lassen und zu einem späteren Zeitpunkt daran weiterzuarbeiten. Dadurch bekommt man einen gesunden Abstand zur eigenen Musik. Qualitativ lassen wir uns auch auf keine Kompromisse ein. So haben wir uns für viele Songs ein professionelles Studio kosten lassen was für Newcomer sicherlich untypisch ist.
BODYSTYLER: Es scheint sich also gelohnt zu haben, das ihr das Pfandflaschengeld ins Studio statt zum Kiosk getragen habt, denn kaum ist das Album erschienen, vergleichen euch die "Fachleute" bereits mit alten Hasen wie z.B. Skinny Puppy! Das kann einerseits eine Ehre, andererseits ein Fluch sein. Fühlt Ihr Euch dadurch einem zusätzlichen Erfolgsdruck ausgesetzt?
Tomiunous: Nein, dadurch lassen wir uns nicht beeinflussen. Ich würde sagen, den Druck üben wir selber aus. Solche Vergleiche werden gezogen, gerade wenn man versucht, den Stil einer neuen Band zu beschreiben. Wir wurden schon oft mit den verschiedensten Bands verglichen, aber wirklich zutreffend sind nur einzelne Elemente. Den Stil, der unsere Musik typisch macht, habe ich so noch nicht gehört.
BODYSTYLER: Um den auch dem Publikum näher zu bringen, tourtet ihr auch als Support von Hocico durch diverse europäische Clubs. Seid ihr ganz spontan und angstfrei an die Sache rangegangen oder habt Ihr vorher zu Hause noch mal vor dem Spiegel an eurer Live Wirkung gefeilt?
Gabor: Unabhängig von der Tour haben wir an einer adäquaten Live-Umsetzung gearbeitet. Das schließt nicht nur eine ausgefeilte Choreographie mit ein (lacht) – nein, auch Schminktöpfchen und entsprechend große Spiegel müssen im Handgepäck bedacht werden.
BODYSTYLER: Und die musikalische Umsetzung?
Gabor: Natürlich ist so eine Live-Vorbereitung mit viel Aufwand verbunden, gerade was die Technik, Proben, Visuals und Outfits angeht. Wir haben uns nach dieser Phase aber schon sicher gefühlt, die Energie der Musik auch live auf das Publikum übertragen zu können.
BODYSTYLER: Wie sagte der olle Detlef, der Soost immer: "Dance! It's your Stage!" - Von Schminke sagte der zwar nix, aber schaden wird’s schon nicht. Vielleicht gibt’s am Ende noch einen Werbevertrag mit L’Oréal. Passend dazu scheint das Formalinsche Corporate Design auch auf Reinheit und Klarheit getrimmt zu sein, zumindest wirkt es sehr hochglanzmäßig. Das steht meines Erachtens nach im harten Gegensatz zu Eurem doch eher rauen und dreckig anmutenden Sound und auch zum Antlitz der Stadt, deren musikalischen Sümpfen Ihr scheinbar entstiegen seid. Ist dieser starke Kontrast von Euch bewusst gewählt?
Tominous: Klar, unsere "Corporate Identity" unterstreicht den "Unique Selling Point" – das Design sollte schon sehr "crispy" und "arty" sein, was anderes hätten wir niemals "greenlighten" können (lacht). Definitiv ist dieser Kontrast ganz bewusst gewählt und auch ein Statement dafür, dass Industrial auch Kunst und "Fashion" sein kann. Wir sind sehr beeinflusst von Design, Mode und Kunst. Warum sollte man harte und dreckige Musik nicht auch mal in einen solchen optischen Zusammenhang setzen? Ich denke, unsere Form- & Bildsprache ist genauso straight und kompromisslos wie unsere Musik. Wir haben genug von düsteren Klischees in Artworks.



Formalin wurden schon oft verglichen, aber:
»Der Stil, der unsere Musik typisch macht, den habe ich so noch nicht gehört!«



BODYSTYLER: Vive la révolution! Schauen wir mal, ob das „target“ euren „visual style“ „supported“ und der klischeebehafteten Düsternis abschwört. Ihr selbst tretet ebenfalls recht durchgestylt in Erscheinung. Tauscht Ihr Klamotten und Schminke untereinander?
Gabor: Wir sind zwar beste Freunde, aber beim Teilen der Klamotten hört die Freundschaft auf (lacht). Wenn einem mal der Concealer ausgeht, hilft man sich aber schon mal aus.
BODYSTYLER: Und wie wichtig ist die außermusikalische Darstellung der Band?
Gabor: Eine "außermusikalisch Darstellung" gibt es eigentlich nicht, denn es gibt keinen Unterschied zwischen unserem Privatleben und der Musik. Wir würden uns niemals verkleiden. Alles, was wir machen, sind 100% wir selbst.
BODYSTYLER: Stichwort Berlin-City-Industrial: Ist diese hauseigene Sound-Kategoriesierung eine Flucht nach vorn, um nicht schon von Anfang an von anderen in irgendwelche Richtungen gedrängt zu werden?
Gabor: Du sagst es.
BODYSTYLER: Sag ich, ja.
Gabor: Bevor wir in irgendwelche Schubladen gesteckt werden, in die wir nicht passen, bauen wir uns unsere eigene, in der wir tun und lassen können, was wir wollen. Es ist sehr komfortabel hier.
BODYSTYLER: Warum huldigt ihr musikalisch eigentlich ausgerechnet Berlin? Das könnte auch diskriminierend auf alle diejenigen wirken, die vielleicht nur in Brandenburg oder Bayern wohnen oder aber die Spötter auf den Plan rufen, die ohnehin gerne darauf rumreiten, dass jeder Pups, der einem Berliner Arsch entwichen ist, deutschlandweit zum Trend wird.
Tominous: Ich würde nicht sagen, dass wir der Hauptstadt huldigen.
BODYSTYLER: Aber?
Tominous: Wir lassen uns durch sie inspirieren und beeinflussen. Trotzdem gibt es sicher unzählige Orte, die wesentlich schöner sind, als der Moloch, in dem wir täglich kämpfen. Das Album ist keineswegs eine Beschreibung von Berlin. Es ist ein Stück Musik, in dem ein Berliner Flair mitschwingt. Du kannst es also auch genießen, wenn Du nicht von hier kommst.
BODYSTYLER: Gut, dass Du das sagst, haben doch sicherlich schon einige Fans die Koffer gepackt, um die heimatliche Idylle gegen Hundekacke, Schultheiss und Curry Wurst zu tauschen. Duos halten sich oftmals an eine klare Arbeitsteilung innerhalb der Band. Ist das bei Formalin auch so oder könntet ihr euch gegenseitig auch während der Schwangerschaft oder dem Urlaub vertreten?
Gabor: Ja, der eine holt das Bier, der andere die Zigaretten – wie bei einem vernünftigen Ehepaar in der Schwangerschaft. Eine klare Arbeitsteilung gibt es bei uns nicht und ich glaube nicht, dass einer den anderen vertreten könnte. Wir haben beide unsere Spezialgebiete und ziehen alles zusammen durch. Vor allem live ist man darauf angewiesen, dass jeder seinen Part beisteuert.
BODYSTYLER: Weil das immer so unglaublich informativ ist, habe ich gleich noch eine Beziehungsfrage. Wenn ihr das Haustier des jeweils anderen darstellen solltet, was wäret ihr dann?
Tominous: Ah, die Bill-Leebte Haustierfrage!
BODYSTYLER: Na ja, eigentlich haben wir die Frage erfunden, da wir das Monopol auf fragwürdige Fragen haben, aber China ist bekanntlich überall. Beschwert Euch also bei den anderen.
Tominous: Ich glaube, Gabor wäre ein Nacktmull, auch Molratte genannt.
BODYSTYLER: Aha, also ein Nagetier-Sandgräber. Und du?
Tominous: Ich? Ein Grottenolm.
BODYSTYLER: Ein Schwanzlurch? Hahaha... wenn das mal keine Liebeserklärung ist! Dafür schenkt Dir Gabor bestimmt was Schönes zu Weihnachten, 'ne Tüte Wasserasseln zum Beispiel. Bleiben wir doch gleich in thematisch feuchteren Gebieten. Also Jungens, mal Butter bei die Fische, um wie viel ist der Püppie-Anziehungsfaktor gestiegen, seid ihr offiziell gelabelte Krachmacher seid? Gibt's schon ein Liebesbrief-Postfach?
Gabor: Ja, der "Freundanfrage Akzeptieren"-Button ist schon völlig abgenutzt, die Schrift ist kaum mehr zu lesen und die Taste hat einen Wackelkontakt. Demographische Erhebungen werden im Folgejahr quartalsweise veröffentlicht. Im Ernst, das Leben eines Musikers ist schon eines der schwersten (lacht).
BODYSTYLER: Dacht’ ich mir sc
hon und Ihr tut mir deswegen auch total leid. Ehrlich! Zu guter Letzt: Charlottenburg, Friedrichshain oder Köpenick?
Tominous: Friedrichshain is the place to be!
BODYSTYLER: Was soll ich als Moabiter dazu sagen? Nix.
Deswegen ist jetzt hier auch Feierabend, Schluss mit Lustig, Ende im Gelände! Habt vielen Dank für die tiefen Einblicke in Euren musikalischen Ehealltag und allzeit gute Fahrt! //



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Homepage: Myspace.com/Formalin

© 2010 // Bodystyler Electrozine //
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