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Heimataerde

"Das Brüllen habe ich nicht verlernt!"


Kaum fallen draußen die Temperaturen und werden die Tage dunkler, versammeln sich in der heimischen Burg wieder alle ums Feuer, denn die Saga um Heimataerde und den Alter-Ego-Protagonisten Ashlar von Megalon wird weiter erzählt. Am 22. Oktober 2010 gewährt uns der untote Templer und musikalische Grenzgänger einen erneuten Einblick in sein Leben bzw. Nichtleben. Dem Schwertschwinger haben wir vorab ein paar Antworten auf schwerwiegende Fragen aus dem Kettenhemd geleiert.
 
Interview: Frank Bentert //     
 

So wurde Bodystyler-Redakteur Frank Bentert zum Interview begrüßt - da stellte er lieber vernünftige Fragen

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»Ich hoffe, Du hast nicht durch meine Fenster gesehen!«
Ash auf die Frage, ob Ritter eigentlich auch Jogginghosen tragen
 

Illustration by Norman Winter [+] Vergrössern
 
 
 
HEIMATAERDE
"Malitia Angelica"
Veronika, der Lenz ist da und jetzt kommt die Angelika! Wenn man das Latein nicht im Alltag verwendet, kann einem der Refrain des Titelsongs dieser limitierten Maxi schon ein kleines Schmunzeln entlocken. Spätestens nach dem zweiten Durchlauf schreibt der Amtsarzt dann aber  das Attest mit der Diagnose Ohrwurm aus. Böse Sache das, aber der geschmeidigen Elektronik und dem prägnanten Einsatz von Gesang bzw. gedudelten Säcken entkommt man einfach nicht so schnell. Stimmlich gibt es übrigens Unterstützung vom Mono Inc.-Martin, der bekanntlich schon so manchen Song in die Erinnerung gebrannt hat. Neben drei Versionen, die die Songelemente recht unterschiedlich gewichten, gibt es noch den Bonustrack "Nichts ist unvergänglich", der mich ein wenig an das letzte Girls Under Glass-Album erinnert. Es gibt schlechtere Referenzen. (Torsten Pape)
VÖ: 24.9.10 // Infacted Recordings

 
 
HEIMATAERDE
"Unwesen"
Elektronischer Ritter oder ritterlicher Elektroniker? Egal! Ashlar von Megalon treibt auch ohne Etikett erfolgreich sein „Unwesen“ und führt uns mit dem gleichnamigen Album erneut ohne Fehl in eine längst vergangene Zeit. Eine Zeit, voll düsterer Geschichten, geprägt vom Kreuz, mangelnder Zahnhygiene und Männern in Strumpfhosen. Natürlich wird hier alles feilgeboten, was eine gute Stampfelektro meets Mittelalter-Platte so ausmacht. Der Bass bumst, die Texte sind eingängig, Samples gibt’s obendrauf und melodisch wird dem Hörer hier auch nix vom Discounter vorgesetzt, was natürlich nicht zuletzt an den immer wieder gekonnt eingebrachten mittelalterlichen Strukturen liegt, die in Verbindung mit den harten Elektroelementen ungezügelten Bewegungsdrang auslösen. Wer schon immer mal wissen wollte, was der Ritter von Welt beim Morgenlauf im MP3-Player hatte, dem sei „Unwesen“ dringend empfohlen! (Frank Bentert)
VÖ: 22.10.2010 // Infacted Recordings

 
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Myspace.com/Heimataerde
 
 
 
 
 

it „Unwesen“ präsentierst Du uns ein sehr melodisches und von klarer Stimme geprägtes Album. Das unterscheidet sich schon sehr deutlich von den Vorgängeralben. Bist Du der allgemein gerade schwer angesagten Härte im dunklen Elektrogenre, bei der gerne auch mal in Brüllform „gesungen“ wird, überdrüssig? Oder ist das Leitmotiv 2010 bei Heimataerde einfach „Message“?
Ash: Eine Message hatte Heimataerde immer, wenn auch in einer Geschichte verborgen. Das sollte auf der Ebene bleiben, um für Interessierte greifbar und für Nichtinteressierte nicht zu aufdringlich zu sein. Message klingt nach Liedermacher. Ich denke, die musikalische Weiterentwicklung von Heimataerde ist ein logisch nachvollziehbarer Prozess, in dem sicher auch Freude an künstlerischen und technischen Entwicklungen eine Rolle spielt. Dabei den eigenen Stil so herauszufeilen, ohne sich groß von Moden beirren zu lassen, ist langfristig für mich der einzige Weg, sich musikalisch zu entwickeln. Brüllen habe ich aber nicht verlernt.
BODYSTYLER: Wenn Kevin Costner bei Dir anklingeln würde, um Dich für den Soundtrack zu einem neuen epochalen „Mittelalterfilmspektakel“ zu gewinnen, würdest Du zusagen?
Ash: Oh. Ich glaube, da würde ich eher die Finger von lassen. Seine eigenen Grenzen sollte man kennen, um nicht Dinge anzufangen, die man vielleicht nicht zu seiner Zufriedenheit erledigen kann. Vielleicht überschätze ich das ja, aber ich bin ein verantwortlicher Mensch und wäre vorsichtig in Dingen, deren Dimension ich zunächst nicht abschätzen könnte.
BODYSTYLER: Kennst Du diese Tage in Schulen, wo Erwachsene Kindern erklären, was Sie so den lieben langen Tag treiben? Nehmen wir mal an, Du müsstest so eine Grundschulklasse verklickern, was sich hinter Heimataerde verbirgt und was Du mit deiner Musik bezweckst. Was Würdest Du denen sagen?
Ash: Ich will lieber unterhalten und nicht belehren. Aber wenn ich Kinder unterhalten müsste, würde ich denen richtige Schwerter, Rüstungen usw. aus der Heimataerde-Waffenkammer mitbringen und zum Spielen verteilen. Dann müsste ich wohl nur noch wenig erklären – Kinder verstehen das sofort, die Musik kann man weglassen (lacht).
BODYSTYLER: Apropos weglassen: Gibt es Dinge, die Dich am Musikbusiness nerven?
Ash: Es scheint der Irrglaube vorzuherrschen, das ein Künstler nichts zu Essen und Trinken braucht und er bei Freunden mietfrei wohnen kann. Dem ist nicht so (grinst).


BODYSTYLER: Also nix mehr downloaden. Wie sehr bist Du im Entstehungsprozess Deiner Songs auf die bewusste oder unbewusste Mitwirkung Deines Umfelds angewiesen? Wer hat wie den größten Einfluss auf Dich und Deine Kreativität?
Ash: Ja, Kreativität lässt sich nicht aus einem Vakuum schöpfen. Dazu bedarf es immer einen Pool an Erfahrungen und erlebten Dingen. Wer den größten Einfluss dabei hat, kann ich gar nicht so genau sagen. Es sind ganz viele Impulse, die ich aus dem Leben und natürlich aus meinem näheren Umfeld erhalte, die einem Inspiration einhauchen. Solange es klappt, begebe ich mich nicht auf Brunnensuche.
BODYSTYLER: Könntest Du Dir vorstellen, aus der Geschichte von Ash mal ein gesondertes Projekt zu machen - vielleicht ein reines Hörspiel?
Ash: Das wäre eine tolle Sache. Aber man sollte sich und seine Möglichkeiten immer realistisch abstecken. Erst mal sehen, wie das Hörbuch „Unwesen“ bei den Hörern ankommt. Das war auch schon Neuland für Heimataerde. Aber genau das macht es aus. Es ist immer wieder eine tolle Sache, etwas Neues zu machen, neue Herausforderungen für sich zu finden, zu bestehen und auch manchmal zu scheitern. Das hält die kreative Arbeit immer spannend und lässt keinen Alltag entstehen. Aus der Geschichte von Ash könnte man sogar einen Film machen, nicht nur ein Hörspiel; Vorstellungen sind also eigentlich kein Problem.
BODYSTYLER: Tragen untote Ritter eigentlich während der Schaffensphase neuer musikalischer Sagen die volle Montur oder ganz ordinär die Adiletten zur Jogginghose?
Ash: Ich hoffe, du hast nicht durch meine Fenster gesehen! Also, wenigstens die geistige Rüstung sollte man anhaben, wenn man ins Studio geht. Dann wäre auch die Jogginghose kein Hindernis beim Sagenschaffen.
BODYSTYLER: Du engagierst Dich für das Projekt „Nein zu Armut Drogen & Gewalt“? Warum?
Ash: Ich habe Harald vom Projekt „Nein zu Armut Drogen und Gewalt“ ein kurzes Interview auf dem Castle Rock gegeben. Dort sagte ich, daß es ein Thema sei, für das sich mehr Leute interessieren sollten. Nach dem Motto: „Auf Worte lass auch Taten folgen“ setzte ich mich später hin und produzierte einen kleinen musikalischen Teaser für ihn.

Heimataerde in Bodystyler #38 »


BODYSTYLER: Was ist der Grund dafür, dass es für die von Dir gewählte Zusammenführung von elektronischer und historischer Musik so gut wie keine „Nachahmer“ gibt?
Ash: Gibt es nicht? Was ist mit Tanzwut? (lacht) Nein mal im Ernst. Ich denke, es liegt vielleicht daran, das es nicht so viele Menschen gibt, die musikalisch aus der Wave/Electro-Ecke kommen, trotzdem auch sehr gerne mittelalterlichen Klängen lauschen, Vampirgeschichten toll finden und zusätzlich noch das Hobby Templer-Reenactment haben. Es ist wohl auch diese Mischung, die den Heimataerde-Sound geprägt hat. Dieser Background ist aber notwendig, um das Ganze auch authentisch und nicht aufgesetzt umzusetzen. Vielleicht muss man eine ähnliche Interessenszusammensetzung haben, die so etwas hervorbringt.
BODYSTYLER: Betrachtest Du „Unwesen“ selber als konsequente musikalische Weiterentwicklung der Heimataerde-Geschichte oder spielt ein „Roter Faden” in der Diskographie für Dich keine so große Rolle? Wärst Du bereit entgegen aller Erwartungen von aussen auch mal ganz neue musikalische Wege mit Heimataerde zu gehen?
Ash: Die Heimataerde-Alben erzählen eine fassbare Geschichte. Natürlich ist da der erzählerische Ablauf sehr wichtig, auch wenn wir uns z.B. mit dem Album „Leben geben, Leben nehmen“ nicht narrativ daran geklammert haben. Wie bei allen längeren Geschichten gibt es auch mal zeitliche Hüpfer in Form von Rückblenden. Das hält die Saga lebendiger. Was die musikalische Weiterentwicklung angeht, ist Heimataerde nicht an einen Faden gebunden, der durchs Labyrinth führt. Natürlich hat Heimataerde eine musikalische Identität, die integer bleiben soll. Ich vermute, du meinst nicht nur Abweichungen im Rahmen von „härter“ oder „eingängiger“, wie man sie im Werk länger produzierender Bands findet, sondern richtige Ausreißer oder Stilbrüche. Heimataerde macht zunächst elektronische, tanzbare Musik, mit Entwicklungsperspektive, aber auch mit Horizont. Für Dinge, wie die erwähnte Filmmusik oder etwa den Eurovision Song Contest **hust** müsste man prüfen, ob die Natur der Heimataerde das erlaubt. Ich persönlich als Ash bin hingegen immer dafür, nicht in Erwartungen anderer hängen zu bleiben. Sehen wir mal, was das ergibt.



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Homepage: Heimataerde.de

© 2010 // Bodystyler Electrozine //
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