Hekate

"Hey, lasst uns Hekate auflösen!"


Hybride ist, per definitionem, wenn etwas aus ganz Verschiedenartigem zusammengesetzt ist. Böswillig kann man das griechische Ursprungswort aber auch als „Mischling“ oder „Bastard“ übersetzen. Was das mit der so gar nicht negativen Musik der deutschen Band HEKATE zu tun hat? Nun, wir waren genauso überrascht wie ihr, aber lest selbst!

 
Interview: Pippi von Schnippi //   
 

"Wenn ich uns alle fünf so ansehe, ist eigentlich niemand von der Stange", Hekate

 



 
 

»Wir mögen alle keinen Hiphop, lieben Helge Schneider und hören im Tourbus "Die drei Fragezeichen"!«

...und könnten sich vorstellen, bei Brendan Perry produzieren zu lassen
 
 
 
 

HEKATE
„Die Welt der dunklen Gärten”
Freudige Überraschung als ich "Die Welt der dunklen Gärten" in den Player lege: beinahe poppige Töne tänzeln mir entgegen, luftig-leichte Akustikgitarren an melodischem Instrumentemix und der wohligen Stimme von Axel Menz. Der Opener „Byronic Hero“ holt den Hörer an einem Punkt ab, wo er sich gerne dem Zauber Hekates hin gibt. Und so geht es weiter, das Album mit dem schwermütigen Namen: leicht und locker fallen mir als Attribute zu Musik und wechselseitigem Gesang von Susanne Grosche und Axel Menz ein. Von der getragenen Schwermut früherer Jahre ist nicht mehr viel übrig. Stattdessen freudige Melancholie mit klassischen Elementen, orientalischen und Folk-Einflüssen. Textlich bleiben sich Hekate treu: ob Historie, Naturromantik oder Adaptionen klassischer Dichtung, deutsch und anspruchsvoll ist nach wie vor das Motto. Fans von Dead Can Dance können mit diesem Album nicht viel falsch machen. (Pippi von Schnippi)
VÖ: 10.06.11 // Auerbach Tonträger

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

ie kam es, dass man so lange auf ein neues Lebenszeichen von euch warten musste?


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Axel: Oh ja, sieben Jahre sind eine wirklich lange Zeit, in denen wir nur wenige Konzerte gespielt und ein paar Sampler-Beiträge gemacht haben. Es stimmt schon, es wurde wirklich sehr ruhig um uns. Irgendwie habe ich persönlich die Auszeit gebraucht. Nach dem „Goddess“ Album 2004 war ich müde und ziemlich „gesättigt“. Wir haben 2005 noch einige Konzerte, z.B. beim Mera Luna und in Spanien, Dänemark und verschiedene Shows in Deutschland gespielt, aber dann hat Susi uns verlassen und wir konzentrierten uns alle mehr auf andere Dinge. Jeder hat parallele, vollkommen unterschiedliche musikalische Projekte am Start: Achim sein Mittelalter-Projekt, Jörg macht Ambient, Dirk spielt in einer Ska–Band und ich spielte bei Ordo Rosarius Equilibrio im Live-Programm Drums und ebenso einige Konzerte mit meinem Projekt „Cascadeur“. Irgendwann in 2009 sagte mir die Band, trotz der Rückkehr von Susi: „Hey, lasst uns Hekate auflösen!“ und da wurde mir bewusst, wie die Jahre doch vorbeigezogen sind. Aber gleichzeitig habe ich entschieden, dass das einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt ist!
BODYSTYLER: Mit den beiden letzten Alben habt ihr musikalisch eine deutliche Wandlung durchgemacht. Von der Getragenheit und Schwermut vergangener Jahre ist nicht mehr allzu viel übrig – stattdessen erscheint "Die Welt der dunklen Gärten" beinahe schon poppig und leicht zugänglich. Wie kam es zu diesem doch recht erheblichen Stilbruch?
Achim: Für uns ist die aktuelle CD, wie auch vorherige Produktionen, kein Stilbruch. Wir waren immer auf musikalische Vielfalt bedacht. Die Band ist nach unserer Ansicht auch nicht in strenge Reglementierungen von Musikgenres einzuordnen. Dafür ist wohl unsere musikalische Neugier und Experimentierfreude verantwortlich. Was die angesprochene Wandlung betrifft, so ist es eher eine Weiterentwicklung. Hekate ist hybride Musik: die Verbindung von historischen und modernen Stilelementen, hin zu einem facettenreichen Musikstil! Und ohne den Bezug zu unseren Wurzeln zu verlieren, wollen wir mit unserer Mischung aus Folk, Klassik, Liedermacher und Mittelalter eine weitaus größere Zuhörerschaft als zuvor ansprechen.
BODYSTYLER: Was bedeutet euch "Die Welt der dunklen Gärten" ganz persönlich? Wieso musste es dieses Album zu genau diesem Zeitpunkt sein?
Axel: Es ist merkwürdig, aber für mich hat dieses Album etwas mit Abschied und Neubeginn zu tun und mit der Auseinandersetzung mit dem Alter. Alle Alben hatten bisher bei uns ein
Konzept, was in erster Linie dafür da war, historische Legenden und Mythen musikalisch umzusetzen. Die „Welt der dunklen Gärten“ ist viel persönlicher und Lebenswelt-bezogener. Der Titel ist eine Metapher für die Welt, die zwischen Traum und Wirklichkeit entsteht. Dort wo die Sehnsucht, Trauer und Vergänglichkeit warten. Ich glaube, es hat etwas mit meinem Alter zu tun: ich habe das Gefühl, mit 40 Jahren, auch wenn ich mich immer noch jung genug fühle, um jeden erdenklichen Blödsinn zu machen, so ist zu der Unbeschwertheit vergangener Tage doch eine Melancholie hinzu gekommen, die sicherlich im Zusammenhang mit Verlust und Entbehrung steht, die einen -je älter man wird- eher trifft als mit zwanzig.
BODYSTYLER: Insgesamt erweckt das Album bei mir viele Assoziationen zum „Heavenly Voices“-Stil der 90er Jahre und zur Musik von Dead Can Dance. Liege ich da richtig? Sind das Vorbilder oder stilistische Mittel, die in dieses Album eingeflossen sind?
Jörg: Die "Heavenly Voices" Alben kenne ich gar nicht, dafür die Musik von "Dead Can Dance " umso besser. Grundsätzlich könnte man sagen, dass wir die Intensität und spirituelle Qualität, mit der in dieser Band musiziert wurde, und wird, sehr schätzen und uns auch sicherlich zum Vorbild nehmen, ohne jedoch ihren Stil kopieren zu wollen, oder gar zu können! Dafür besteht Hekate auch aus zu unterschiedlichen Charakteren, denen eine künstlerische Eigenständigkeit wichtig ist. Zudem sind die musikalischen Einflüsse und Strömungen in der Band sehr vielfältig, was natürlich auch unseren eigenen Stil prägt.
BODYSTYLER: Woher kommt eure Leidenschaft für nicht gerade mainstreamige Texte und Themen? Kann man sich euch auch privat so vorstellen, dass ihr euch nur mit „hoher Kunst“ befasst, oder geht ihr auch mal ins Kino und schaut einen Hollywood-Blockbuster an?
Susi: Nun, wenn ich uns alle fünf so ansehe, ist eigentlich niemand "von der Stange" - wir alle haben von Natur aus eher ungewöhnliche oder ausgefallenere Hobbys und Geschmäcker. Aber natürlich mögen wir auch "Allerweltsdinge", man kann sich denen ja gar nicht entziehen, und nicht alle davon sind schlecht! Und um auf die Frage einzugehen, unter uns gibt es auch leidenschaftliche Kinogänger, die auch die Blockbuster ansehen. Aber es stimmt schon, wir haben eine Hinwendung zu besonderen Themen oder "Nischen-Wissen". Ich vergleiche das mal mit besonders gutem Essen oder einem hervorragenden Wein: die, wie du es nennst, "hohe Kunst", die wir in unseren Liedern behandeln, will auf besondere Weise genossen und empfunden werden, eben wie eine erlesene Speise, nicht einfach nur verschlungen.
BODYSTYLER: Was soll die Welt noch unbedingt über euch als Band wissen?

Alle: Wir hoffen auf einen Auftritt bei Rock am Ring! Wir mögen alle keinen Hiphop - mit Ausnahme von einem Bandmitglied, aber wer das ist wird nicht verraten! Wir lieben Helge Schneider und hören im Tourbus „Die drei Fragezeichen“ und „John Sinclair“. Der Sänger liebt die Strandbar beim Kölner „Amphi Festival “und freut sich auf Season II „The Walking Dead“ im Herbst. Und: Wir könnten uns vorstellen, bei Brendan Perry produzieren zu lassen. Ach, hier fällt uns wirklich nur Blödsinn ein.
BODYSTYLER: Aber genau das ist doch Sinn und Zweck eines Interviews mit unserem werten Magazin. Blödsinn und ernsthafte Information: wir bedanken uns für beides! //



Homepage: Hekate.info

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