ntgegen der landläufigen Meinung verbreitet Pandora´s Box nicht nur Plagen und Dunkelheit. Sie hat auch den Hauch der Hoffnung freigelassen - von daher passt Euer Albumtitel. Natürlich sind Eure Kompositionen genau das Gegenteil von Plagen, aber rein textlich geht es doch recht dunkel zu, während Eure Musik im Gegensatz zum Vorgänger ANGST geradezu positiv und beschwingt klingt. Welche Veränderungen innerhalb der Band, und Unterschiede in der Arbeitsweise, gab es in der Zeitspanne zwischen den beiden Alben?

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Jörg Kleudgen: An so einem Album arbeiten wir ja im Durchschnitt drei Jahre und alles Persönliche fließt irgendwie in die Musik mit ein, ob wir es nun wollen oder nicht. „Pandora´s box“ ist unter vollkommen anderen Vorzeichen als seine Vorgänger entstanden. Jeder einzelne von uns hat sich verändert, aber auch unsere Beziehung zueinander, das Material, mit dem wir gearbeitet, das Ziel, das wir verfolgt haben. Seit „Angst“ hat sich so viel verändert, dass wir quasi eine „neue“ Band sind. Wir werden ständig von unserer Umwelt neu programmiert und „upgedatet“. An der Hardware „The House of Usher“ hat sich nur wenig geändert. Die Software war für „Pandora´s Box“ eine ganz andere. Bei jedem von uns ist ein ganz anderes Programm abgelaufen. Ein gemeinsames Ziel zu finden ist es, was dann am Ende eine Band ausmacht.
Festes Bestandteil der Hardware ist das kombinierte Sing- und Schreibprogramm Kleudgens.
BODYSTYLER: Jörg, wie entstehen Deine Kurzgeschichten in Euren Alben-Booklets? Existiert zuerst die Geschichte und daraus entstehen die Songs als musikalische Kapitel oder ist die Geschichte eine Zusammenfassung der Songs?
Kleudgen: Es ist ein Wechselspiel! Aus den ersten Songs ergibt sich meistens ein Thema, das ich in einer Geschichte aufgreife. Diese Geschichte entwickelt meist rasch ein Eigenleben und bringt neue Aspekte ein, die mir Stoff für Songtexte bieten. Wenn sich am Ende ein stimmiges Bild ergibt, in das auch Artwork und Bandfotos hineinpassen, dann ist das Album gut.
Gut tut dem Album auch das lässige Bass-Spiel vom dunklen Ralf. Es zeichnet ihn außerdem aus, dass er dabei durchaus noch Zeit für tief schürfende Gedanken findet.
BODYSTYLER: Warum sind so alte Mythen, wie die Geschichte der Pandora, vom Kern der Aussage so mühelos auf die heutige Zeit übertragbar?
Ralf Dunkel: Übertragbar deshalb, weil das Wesen des Menschen sich in den letzten paar tausend Jahren nicht geändert hat, weshalb auch die kleineren und größeren Katastrophen immer präsent sein werden.
BODYSTYLER: Warum schwelgen so viele Menschen in Endzeitstimmung, setzen sich aber nicht dafür ein, die Welt zu verbessern?
Dunkel: Endzeitstimmung ist relativ. Ich denke, selbst mit dem Frevel, den unsere Industriegesellschaften sich leisten, wird die Erde noch ein paar Generationen aushalten. Und schwelgen deshalb, weil’s halt Spaß macht. Wenn ich in meiner Jugend Bock auf Mainstream gehabt hätte, wäre ich zum Tanzkurs und zur Bundeswehr gegangen. Bin ich aber nicht und hab’ mit meinen Szene-Kumpels Spaß mit anderen Sachen gehabt, welche alle eine gewisse endzeitmäßige Grundeinstellung vorausgesetzt haben…
Kleudgen: Klar, ein Endzeit-Thema ist natürlich viel spannender als die Tupperware-Party der Kollegin. So sind wir halt veranlagt. Und was Sagen wie die um Pandora betrifft: die halten sich so lange, weil sie einfach allgemeingültig sind. Wenn sie irgendwann an Aktualität verloren hätten, wären sie längst vergessen worden.
Ja, Tanzkurs und Bundeswehr sind wirklich für’n Arsch. Aber unterschätzt die gute Tupperware mal nicht. Darin lässt sich so manche Leckerlei verpacken, die man Häppchenweise vor der Glotze naschen kann.
BODYSTYLER: Jörg, mal angenommen, ein privater Fernsehsender böte Dir eine ordentliche Summe für ein Drehbuch zu einer Daily Soap mit Charakteren aus Poe- und Lovecraft-Geschichten. Wer würde in der ersten Folge auftauchen und wie sähe die Handlung aus?
Kleudgen: Oh, das wäre erst mal sehr schade, denn ich habe gar keinen Fernseher und könnte die Serie selber von zu Hause aus nicht mitverfolgen. Aber, interessante Charaktere? Da fallen mir spontan Charles Dexter Ward und Arthur Gordon Pym ein. Oder dachtest Du eher an etwas Lustiges? Der Große Cthulhu steppt im Gummianzug durchs Bild und Shub-Niggurath meckert dazu? Aber das ist ja alles nicht mehr neu. Es gibt inzwischen so zahlreiche Verfilmungen und Adaptionen. Interessanter fände ich es, wenn richtig alte Fernsehserien wieder ausgegraben würden, um die es ja auch in meinen Geschichten zu den letzten beiden Alben geht, und an die sich keiner erinnern kann… „Die Eingeweihten von Eleusis“ oder auch „Sie kommen aus Agarthi“. Oder wenn sich jemand fände, der meine „Büchse der Pandora“-Story verfilmen möchte...
Der Große Cthulhu trägt einen Gummianzug? Interessant, da muss ich im nächsten VNV Nation-Interview Ronan Harris, den Erfinder dieser Mode, zu befragen. Nun aber zu einer anderen Geschichte, die mein schöpferisches Leben schrieb.
BODYSTYLER: Wie es der Zufall will, recherchiere ich gerade nicht nur über die Klänge von „The House of Usher“, sondern auch über die Klänge von „Haus Arafna“. Ein ganz anderes Genre zwar, aber könnt Ihr Euch dafür begeistern?
Dunkel: Prinzipiell kann ich mich im Zeitalter verblödender Casting-Shows für jeden begeistern, der noch richtig schönen krachig-subversiven Lärm produziert. Ansonsten bin ich eher kein Fan von elektronischer Musik im allgemeinen und Industrial im besonderen, sieht man mal von einigen Kraftwerk- , Laibach-, SPK- und Nine Circles-Sachen ab, insofern würde ich deren Machwerke nicht konsumieren, es sei, denn sie tauchen aus Versehen in einem Computerspiel auf. Diese Art von Musik ist mir zu unharmonisch und weckt keine guten Gefühle in mir. Also Klassenziel voll erreicht, und das brauch ich „in meinem Alter“ nicht mehr.
BODYSTYLER: Die aktuelle Haus Arafna-CD wurde erstmals zu einer Designer Show bei der Fashion Week in New York präsentiert. Wo und zu welcher Gelegenheit würdet Ihr gerne erstmalig ein neues Album präsentieren?
Dunkel: Wir präsentieren Songs vom neuen Album demnächst vor dem Restbestand der Helden unserer Jugend, den Chameleons bzw. der abgespeckten Chameleons Vox, und ich denke, das ist schon ziemlich nah dran an unseren Wunschträumen.
Kleudgen: Ja, klingt vielleicht ein bisschen unspektakulär, stimmt aber. Für mich steht bei einem Konzert die Musik im Vordergrund. Klar, die wirkt an manchen Orten besser als an anderen. Ein altes Kino oder Theater wäre perfekt. Wir können das ja mal fürs nächste Album ins Auge fassen.
Also liebe Leser, wenn Ihr ein altes Kino oder Theater bei Euch rumstehen habt, bitte melden! Bevor es Cinema Strange tun oder wurden die inzwischen vom Cthulhu gefressen? //

Homepage: The-House-Of-Usher.de
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