Ikon

"Ich bin dankbar einen Markt zu haben, anstatt überall nicht hinein zu passen!"


Das britische Wochenblättchen "The Economist" erkor das australische Städtchen Melbourne im letzten Jahrzehnt gleich dreimal zur lebenswertesten Stadt der Welt. Neben einem prima Klima und duften Lebenshaltungskosten, dürfte vor allem das soziale Umfeld gepunktet haben. Kängurus mag schließlich jeder.
 
Interview: Spider //   
 

Australier, die in Deutschland auf die Gnade des Bookers hoffen: Ikon

 



 
 

»Ich bin ein Musiker, kein Dichter, so dass dieser Aspekt des Songwriting nie ein Teil meiner Seele war!«

Ikon
 
 
 

 

IKON
„In The Shadow Of the Angel“
Vor sage und schreibe 17 Jahren erschien das Debüt der Aussies und enthält mindestens drei Evergreens, die bis heute im Liveset präsent sind: „Condemnation“, „Black roses“ und das kongeniale Death in June-Cover „Fall apart“ sind Klassiker des Gothic-Rocks (Post Punks?!?). Kraftvoll, mit sprödem Charme und viel Dunkelheit versehen, können jedoch auch alle anderen Kompositionen nach heutigen Maßstäben überzeugen (noch dazu in remasterter Form!). Auf der Bonus-CD finden sich Stücke der nur ein Jahr jüngeren Compilation „A moment in time“ sowie Songs von damaligen Singles. Meines Wissens nach kennt man drei der vier (angeblich) unveröffentlichten Tracks, aber allein das geniale – und dem Rezensenten wirklich unbekannte - „The unmarked grave“ lässt diese Ungereimtheit schnell vergessen. (Torsten Pape)


Zum zwanzigjährigen Bandjubiläum der australischen Wave Rocker Ikon wagen diese einen Blick zurück und veröffentlichen nochmals ihr Debüt Album. Das ist prima für alle Neueinsteiger in dieses Genre, denn dieses Werk ist ein Klassiker. Es ist gespickt mit Post Punk-Brechern und melancholischen Goth-Perlen. Kaum eine andere Band hat es so perfekt verstanden, die minimalen, kalten Elemente der Ära um Joy Division mit dem pathetischen Düsterrock der 90er zu einem eigenen unverwechselbaren Stil zu verbinden. Doch auch alle Schwarzkittel, die das Album bereits in ihrer Sammlung haben, sollten aufhorchen. Denn es enthält eine zweite CD. Gefüllt mit rarem und unveröffentlichten Material. Diese zeigt Ikon etwas von ihrer ungeschliffenen Seite, jedoch in ausgezeichneter Klangqualität. Die Songs dieses Albums führen direkt in nostalgische Erinnerungen an lange morbide Nächte und dichte Nebelschwaden über der Tanzfläche. (Spider)
VÖ: 03.06.11 // Echozone

 
 
 

 

IKON
„Flowers For The Gathering“
Das zweite Album der australischen Gothic-Band Ikon kann man ohne Zweifel als Klassiker bezeichnen. Es schlug nach dem dunklen, berauschenden Debüt eine filigrane Richtung ein, die teils akustische Songperlen hervorbrachte, ohne die kräftigen Gitarren über Bord zu werfen. Außerdem enthält es den ersten Song, den Chris McCarter, der spätere Sänger, schrieb und vortrug („In trust I return“). Auf der remasterten Neuauflage findet man zusätzlich alle Stücke der damaligen, limitierten Bonus-CD sowie die B-Seiten der großartigen Auskopplung „Life without end“, eine B-Seite der späteren Single „Subversion“, einen Track der „Dawn of the Ikonoclast“ und ein unveröffentlichtes, schönes Instrumental namens „The gathering“. Wer dieses Werk noch nicht besitzt, sollte sofort Einkaufen gehen! (Torsten Pape)


Dies ist der zweite Streich der Wiederveröffentlichungs-Geburtstagsparty von Ikon. Das erstmals 1996 veröffentlichte Album "Flowers for the gathering", remastered und mit Bonus CD. Fünf Jahre nach ihrem Erstling kehrte die Band zurück ins Studio, um ihren Hang zur Melancholie erneut zu vertonen. Diesmal jedoch mit veränderten Stilmitteln. Die düsteren Rockriffs wurden überwiegend durch zarte akustische Gitarrenklänge getauscht und es kamen Keyboards, für eine träumerische Hintergrundfläche, zum Einsatz. Dadurch bekam auch der Gesang eine wichtigere, tragendere Rolle. Auf dem zweiten Silberling findet man die B-Seiten diverser Eps dieser Zeit und Session-Material zum Album. Darin offenbart sich die ganze Qualität dieser Band. Denn diese Stücke sind genauso hörenswert. Ab und an werden auf diesen ein paar kleinere, abweichende Experimente gewagt. Man darf gespannt sein, was Ikon in Zukunft noch aus ihren Archiven zaubern. (Spider)
VÖ: 03.06.11 // Echozone

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

ch bin mir aber ziemlich sicher, dass die Kategorie der kulturellen Gegebenheiten den Sieg gebracht hat. Denn in der ansässigen High School begann der musikalische Werdegang von Ikon. Anlässlich der Neuauflage der ersten beiden Alben der Band, reisen wir mit Mastermind Chris McCarter durch die Zeit.


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BODYSTYLER: Fast zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Kannst Du Dich noch erinnern wie es war, Euer erstes Album "In the shadow of the angel" aufzunehmen? Fühlt es sich noch genauso an, wenn Ihr heute ins Studio geht?
McCarter: Ja, fast zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Und nur das Sichten der Demos und Mastertapes für die Wiederveröffentlichungen verhalf mir, mich daran zu erinnern, was unser damaliger Angriffsplan war. Wir gingen ins Studio, um unsere neue Single "Lord of darkness" aufzunehmen, aber dies endete mit der Arbeit an acht Songs. Als wir mit dem Ergebnis zufrieden waren, entschied ich mich, dies fortzuführen und ein ganzes Album aufzunehmen. Wir waren lange überfällig für einen Longplayer und jedes Mal, wenn wir ins Studio gingen, konnten wir nicht genug Material aufnehmen, damit dies gelang. Wir beendeten es und schickten es an ein paar Labels und der Rest ist Geschichte, könnte man wohl sagen. Ich fühle mich heute viel sicherer und mehr unter Kontrolle als damals, als wir 1994 ins Studio gingen. Ich weiß, welchen Sound ich suche, wir spielen viel besser und es ist kein Vergleich zwischen den Songs. Ich bin jetzt aufgeregt und gehe mit einem Plan ins Studio, anstatt nervös zu sein und mit einem Ergebnis zu enden, das ich nicht wirklich will.
BODYSTYLER: Man kann Euch getrost als Goth Rock-Legende bezeichnen. Auch wenn ihr Euch nie in eine Schublade pressen lassen wolltet. Der Wechsel auf "Flowers for the gathering" zu mehr akustischen und melancholischem Sound beweist das. Wie kam es dazu?
McCarter: Wir haben nichts dagegen als Goth Band bezeichnet zu werden. Wir sind in dieser Szene seit über siebzehn Jahren. Ich bin dankbar einen Markt zu haben, anstatt überall nicht hinein zu passen, wie wir es am Anfang hatten. Als ich anfing Songs zu schreiben, nachdem "In the Shadow of the Angel" erschien, klang es wie Teil 2 dieses Albums und das wollte ich wirklich nicht. Ich verschrottete alle Songs von Anfang 1995 und startete erneut. Ich stieß mein Songwriting in Grenzen, um mit etwas anderem zu kommen. Es war ein besseres Ambiente, wir hatten eine gute Ausrüstung zu dieser Zeit, ich schrieb auch auf einem Sequenzer, zuvor war es eine Drum-Maschine. Ich denke, "Flowers of the gathering" wurde ein sehr atmosphärisches und vielschichtiges Album und hebt sich von anderen Werken dieser Zeitperiode ab. Als ich "Life without end" schrieb, erinnere ich mich, dass ich dachte, das ist es, wonach ich suche. Ich war zur nächsten Ebene vorgedrungen und konnte schließlich an den Songs arbeiten - sie verändern, wenn nötig. Dies war etwas, das ich in der Vergangenheit nicht getan habe.

Konnte sich Chris anfangs noch ganz aufs Komponieren konzentrieren, stand er plötzlich vor der unerfreulichen Tatsache, dass der ursprüngliche Sänger Michael Carrodus die Band verließ. Anstatt nach Ersatz zu suchen, übernahm er selber die Rolle als Sangespoet.
BODYSTYLER: Deine Texte drehen sich meist eher um die unerfreulichen Aspekte des Lebens. Woraus ziehst Du Deine Inspiration für diese?
McCarter: Ich denke, die meisten dunklen Texte betreffen die unangenehmen Seiten des Lebens. Ich neige dazu, über die Erfahrungen im Leben zu schreiben, wie ich die Welt sehe - ich kenne keine andere Weise. Diese Art von Musik tendiert meist zu melancholischen Melodien und Themen, da schließen sich die Texte diesem Gebiet an. Ich habe erst angefangen Texte zu schreiben, nachdem Michael die Band im Jahr 1997 verließ, ich hatte keine Wahl. Dies kostete mich Mühe und ich wurde viel besser im Laufe der Jahre. Ich bin ein Musiker kein Dichter, so dass dieser Aspekt des Songwriting nie ein Teil meiner Seele war.
BODYSTYLER: Wirst Du wegen Deiner Texte manchmal für einen Griesgram gehalten? Würdest Du aus dem Stehgreif einen Witz erzählen, um zu beweisen das Du keiner bist?
McCarter: Nein, überhaupt nicht. Niemals hat jemand gedacht, ich sei ein schlecht gelaunter Mensch und es sei schwer mit mir umzugehen etc. Wenn ich Songs schreibe, gibt es einen Teil Theatralik, die bis zu einem gewissen Grad mit mir als Verfasser verbunden ist. Ich werde bei vielen Gelegenheiten "Mr. Serious" genannt. Und ich denke, so komme ich auch insgesamt daher. Live-Auftritte waren etwas, das mich immer erschreckte, vor allem der Gedanke live zu singen. Ich habe die Angst vor langer Zeit überwunden, so denke ich nun, das dies mehr ein ernsthafter Anspruch an die Band ist.

Da wurde der geforderte Witz vom Anspruch verschluckt. Aber soviel Zeit muss sein: Warum sieht man nie ein Känguru am Hauptbahnhof? Weil sie Angst vor Taschendieben haben! Wer diesen Witz schon für schlecht hält, sollte sich nie mit dem Verhalten der Düsterszene, in Bezug auf Konzertbesuche, beschäftigen.
BODYSTYLER: Ich habe Euch 2009 auf Eurer letzten Tour in Berlin gesehen. Das Konzert war großartig, aber leider nur mäßig besucht. Packt einen da manchmal nicht die kalte Wut, wenn man sieht wie andere, sogenannte dunkle, Acts die Massen anziehen?
McCarter: Nun, das Geheimnis gut besuchter Konzerte kann so einfach sein. Eine gute Werbung oder zumindest etwas Werbung. Die besten Konzerte sind diejenigen, die durch Promotion gepusht werden. Wir haben keine Kontrolle darüber, wenn wir den ganzen Weg aus Australien kommen, sind wir von der Gnade unseres Bookers abhängig und wenn es sich um einen lokalen Veranstalter handelt, gibt es die oft nicht. Mich ärgert nicht die Tatsache, dass andere Bands mehr Besucher haben. Mich ärgert, dass wir nicht die gleichen Chancen wie diese haben.

Das ist sie, die kalte Welt des Musikbusiness. Ich denke die Welt von Chris präsentiert sich da heimeliger.
BODYSTYLER: Was sind die wichtigsten Dinge, die Du immer bei Dir trägst und welche Dinge die in Deiner Wohnung spiegeln Deinen Charakter am meisten wider? Welche Dinge zeigst Du nicht allen Besuchern?
McCarter: Eines der wichtigsten Dinge für mich, ist meine Plattensammlung. Ich habe mit dreizehn angefangen zu sammeln, also führt sie bis in meine Kindheit. Ich kann mich erinnern, wie ich eine Menge von LPs gekauft habe und was ich damals tat. Ich habe auch so ziemlich alles, was IKON jemals veröffentlicht hat, seit 1991, so dass sich im Laufe der Zeit eine eigene Sammlung daraus entwickelt hat. Ich neige nicht dazu alles mit mir herumzutragen, wie z.B. materielle Dinge.

Ein Schallplattensammler ohne Geheimnisse - sehr sympathisch. //




Homepage: IkonDomain.com

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