In The Nursery

"Die Musik des Rhythmus kommt immer an erster Stelle
!"

In der heutigen, schnelllebigen Musikindustrie wird täglich gefeiert und gehypt, was das Zeug hält. Häufig sind die Jubilaren schon wieder in der Ursuppe verschwunden, ehe die Kerzen auf dem Kuchen erloschen sind. Im Falle von In the Nursery, die sich vor 30 Jahren zum ersten Mal anschickten Musik zu kreieren, die bis heute in keine Schublade passt, aber dafür einen Aktenschrank voller neuer Genres braucht, darf man aber schon mal ehrfürchtig den Atem anhalten.
 
Interview: Spider //   
 

Klive und Nigel Humberstone: Schöpfen sie aus der Magie des Dorian Gray?

 



 
 

»Ich möchte daran glauben, dass Musik machen wie ein Elixier auf jugendliches Aussehen wirkt!«

Leidenschaft für Musik hält jung, die Zwillinge feiern dieses Jahr ihren 50. (!)
 
 
 

IN THE NURSERY
"Blind Sound"
Die neue Studioveröffentlichung der Neo Klassik-Pioniere In The Nursery bringt meine Boxen zum Jubilieren und meine Couch zum Ächzen. Denn ich werde schwer auf diese gedrückt, während meine Seele immer leichter wird. Die schneidenden und dennoch prägnant melodiösen Keyboardlinien dringen, geleitet durch zackige Military-Drums und wuchtige Pauken, in mein Ohr und lassen vor meinem inneren Auge atemberaubende Landschaften entstehen, in denen alle Träume wahr werden können. Spätestens ab dem vierten Stück "Crepuscule", wenn Dolores C. zum ersten Mal das Mikrofon übernimmt, bin ich nur noch schwebende Harmonie - was nicht die Sangeskraft der Humberstone-Zwillinge schmälern soll und schon gar nicht das Können ihrer magischen Hände, die Melodien erschaffen, die mir Pippi in die Augen treiben. Das Album bietet zehn Kompositionen auf allerhöchstem Niveau und hat nichts mit dem aufgepoppten Mystik-Kram zu tun, den Mutti so gerne zum Entspannen hört. (Spider)
VÖ: 25.04.2011 // ITN Corporation

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InTheNursery.com
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

och bevor mir die Puste ausgeht will ich doch ein paar Sachen von den Zwillingen Nigel und Klive Humberstone erfahren.


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BODYSTYLER: Ihr habt dieses Jahr viel zu feiern. Ist Euer neues Album deshalb noch bombastischer und zeremonieller, als man es ohnehin von Euch gewohnt ist?
Klive Humberstone: Feierlicher Bombast - das klingt ganz gut. Wie etwas, das man verwendet, um eine Schostakowitsch-Sinfonie zu beschreiben. Das neue Album ist in der Tat imposant und eingängiger als einige unserer bisherigen Arbeiten. Wir entschieden uns bewusst Songs zu schreiben, die live gespielt werden können und unser Markenzeichen Percussion und marschierende Snare Drums enthalten. Aber abgesehen davon hielten wir uns daran, getreu unseren Post-Punk-Wurzeln, die Ästhetik unserer ersten Versuche des Musikmachens mit Bass, Gitarre und Gesang wieder aufzugreifen.
Nigel Humberstone: Im Wesentlichen ist das Album so geworden, weil es auf eine sehr natürliche Weise entstand. Wir haben einen seltsamen, fast unerklärlichen sechsten Sinn, was ein Song braucht, um fertig zu sein und auf unser Album zu passen. Die Kreation von "Blind Sound" war eine kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Intuition und unseren Instinkts.
BODYSTYLER: Wie entstehen Eure Songs? Habt ihr vorher die Texte oder Bilder im Kopf, die Ihr vertonen wollt, oder steht die Musik im Vordergrund? Wie wird aus den ersten Tönen ein komplexes Gebilde?
Klive: Meistens erschaffen wir zuerst die Musik. Die Texte sind immer ein nachträglicher Einfall und kommen als letztes in der Reihenfolge. Wir hören die Lieder in den verschiedenen Stadien der Komposition und entscheiden dann, zu welchen Gesang passt. Es passiert auch, dass wir ein paar Stunden Gesangsphrasen ausprobieren und die Stimme phonetisch mit mimischen Wörtern aufnehmen, die jedoch eine Gesangslinie oder eine Melodie schaffen. Dies inspiriert mich dann zu tatsächlichen Wörtern und Sätzen, die am Anfang aufgenommen werden können. Das funktioniert bei mir, aber ich weiß, das Nigel und Dolores unterschiedliche Arbeitsweisen haben. Die ersten Songs können aus vielen verschiedenen Ecken beginnen - es kann ein atmosphärischer Pad-Sound sein, der zu einer Klavier Melodie führt, oder manchmal auch eine stark rhythmische Percussion, welche die Essenz eines neuen Songs bilden.
Nigel: Die Musik des Rhythmus kommt immer an erster Stelle, wir erstellen dann den Song und fügen Gesang dazu, wenn nötig. Es ist sehr schwierig zu analysieren, wie unsere Musik komponiert ist, aber es ist faszinierend auf die Spurenelemente und Entwicklung zu blicken. Wir begannen das Material für das neue Studioalbum bereits im Juni 2010 zu schreiben und obwohl ich das Potenzial der neuen Titel sehen konnte, hatte ich nicht die Befriedigung, dass sie sich so entwickelten und wuchsen, wie ich erwartet hatte. Es ist kein Geheimnis, dass das Mitwirken von Matt Howden und seiner Violine dem Aufbau einiger Tracks ganz sicher entscheidende Impulse gab.
Eine interessante Anmerkung zu unserem Gesang auf "Blind Sound" ist, dass wir beide, Klive und ich ihn fast immer allein aufnahmen, nachdem der andere das Studio verlassen hatte und wenn es funktioniert hat, präsentieren wir das Ergebnis dem anderen am nächsten Tag. Wie auch immer, es funktionierte gut.

Was zweifellos auch gut funktioniert ist die Tatsache, dass die beiden es immer noch schaffen vital auszusehen. Zwar feiern sie dieses Jahr ihren 50. Geburtstag, aber sie scheinen den Zahn der Zeit wegzutrommeln.
BODYSTYLER
: Ihr seht mit 50 Jahren immer noch taufrisch aus. Nippt Ihr täglich am Jungbrunnen oder was ist Euer Geheimnis?
Klive: Es gibt keine Geheimnisse und es gibt keinen Jungbrunnen. Ich denke, unsere Leidenschaft für die Musik hält uns auf vielfältige Weise jung. Vor einem Publikum live zu spielen kann sich genauso anfühlen, als man 17 war. Es sind die einfachen Freuden.
Nigel: Ich möchte daran glauben, dass Musikmachen wie ein Elixier auf jugendliches Aussehen wirkt, aber das ist nicht eine Analogie, wie man an anderen Musikern, wie Keith Richards, sehen kann. Vielleicht liegt es am Bild des Dorian Gray, das wir in unserem Studio hängen haben!

Eine Verfilmung dieses Romans haben In the Nursery noch nicht vertont, im Gegensatz zu manch anderen Werken. Können sie sich, wie ihr alternder Musikerkollege Keith Richards, auch ein Einsatz VOR der Kamera vorstellen?
BODYSTYLER
: Ihr vertont häufig Filme. Wenn Ihr in einem Film mitspielen würdet, was wäre die Handlung und wer sollte die Musik dazu machen?
Klive: Ich habe dies noch nie in Erwägung gezogen, so ist die folgende Idee völlig aus dem Moment entstanden: Jean Cocteau wird im Jahr 2030 wiedergeboren. Er hat einen Zwillingsbruder, aber sie wurden bei der Geburt getrennt und leben auf gegenüberliegenden Seiten der Welt. Die Film zeichnet ihr Leben, ihre Arbeit, Irrungen und Wirrungen. Wie Cocteau einst sagte: "Ein Dichter muss mehrmals sterben, bevor er wiedergeboren werden kann". Ich würde einen der Cocteaus spielen und der Score würde in die fähigen Hände von Ennio Morricone übergeben werden.

Das hört sich doch fantastisch an. Und auch wenn Ihr, beim Lesen dieses Artikels, wahrscheinlich schon den Osterhasen jagt, würde mich doch interessieren, was der gute Klive so an Fasching getrieben hat. Nigel scheint weder schauspielerische Ambitionen, noch Interesse an deutschen Volksbräuchen zu haben.
BODYSTYLER
: In Deutschland feierte man neulich Fasching (das Interview wurde bereits vor einigen Wochen geführt - Anm.d.Red.). Kennst Du diesen Brauch? Als was würdest Du Dich verkleiden und würdest Du ordentlich einen drauf machen?

Klive: Wir haben Faschingsdienstag hier in England. Die Menschen sollen all ihren Sünden nachgeben, aber sie backen Pfannkuchen stattdessen! Ich habe eher ein Bezug zum europäischen Fasching. Man feiert den Übergang der Jahreszeiten. Ich glaube allerdings nicht, das Du mich in irgendeiner Verkleidung für diese Festlichkeiten sehen würdest.

Und das ist auch gut so. Denn In the Nursery brauchen kein Image, sie haben ihre zeitlose Musik. //

     

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InTheNursery.com
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