icht nur zehn Jahre im Musikgeschäft liegen hinter ihr, sondern auch das wundersame Schaffen der Schauspielerei (man denke an Filme wie “Bandits”, “Gripsholm” oder “Elementarteilchen”). Ihr am 16.09. erscheinendes drittes Album “Eine Frau”, das sie zusammen mit David Klein als modernes Liederalbum verfasste, ist Anlass unseres Treffens. Die 44-jährige widmet sich offen und aufgeschlossen all unseren neugierigen Fragen, sodass wir bereits bei der Vorstellung als Electro-Fanzine schnell auf das Thema Electro und elektronische Remixe kommen.

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BODYSTYLER: Du könntest es also spannend finden, Deine Lieder elektronisch zu untermalen?
Jasmin Tabatabai: Ja, klar. Ich liebe elektronische Musik. Für mich war nie wichtig, welche Stilrichtigung etwas hat. Für mich zählt einfach: es gibt gute Musik und weniger gute. Ich find's super, wenn jemand dahingehend seine Inspiration findet und zum Beispiel mal einen richtig guten Remix macht. Ich denke, dass sich meine Songs gut dafür eignen.
BODYSTYLER: Könntest Du Dir auch vorstellen, mal mit Bands wie Schiller oder Blank & Jones zu kooperieren, denn die arbeiten ja auch viel mit verschiedenen Sänger/innen und Stimmungen?
Tabatabai: Ja, ich bin offen für alles. Für mich war die Arbeit an der Platte eine Art Wiederentdeckung meiner Selbst als Sängerin, weil ich das erste Mal seit zehn Jahren nicht selbst geschrieben oder produziert, sondern einfach alles aus der Hand gegeben habe. Ich vertraue David Klein absolut und konnte mich einfach auf den Gesang konzentriern. Das war herrlich. Denn wenn man bisher immer alles selbst gemacht hat, dann ist es ganz toll, sich wieder darauf zu besinnen, was man eigentlich macht, nämlich Lieder interpretieren, einfach nur singen.
BODYSTYLER: Es war jetzt aber nicht so, dass Du auf David Klein gestoßen bist und ihr sofort das Album aufgenommen habt. Er hat ja, glaube ich, auch eine ganze Weile angefragt...?
Tabatabai: Ja, wir haben eine lange Geschichte zusammen. Wir haben vor zwölf Jahren den „Gripsholm”-Soundtrack gemacht, und ich fand, das waren tolle Lieder, die wir da kreiert haben. Das war etwas Besonders, so zeitlos. Also meinte er: Komm, wir machen mal ne Jazz-Platte zusammen. Dann hatten wir für das „Selma”-Projekt, das er gemacht hat, ein Lied aufgenommen und es kam immer wieder mal zu einem Gespräch. Vor drei Jahren schickte er mir dann die ersten Demos. Da war ich grad am Drehen und bis ich dazu kam, die zu hören, verging auch wieder Zeit. Aber dann war ich so begeistert, dass ich ihm sofort zugesagt habe. Ohne Wenn und Aber, da hatte ich total Bock drauf! Das war genau das, was ich in dem Moment suchte! Etwas Reduziertes, Einfaches, Reines, wo ich nicht den ganzen technischen Apparat schultere. Ich wollte einfach nur singen, einfach was Akustisches, ganz ruhig - nur ich, als Sängerin, das war perfekt.
BODYSTYLER: Es gibt ein Zitat von Dir, Deutsch zu singen sei eine große Herausforderung, der zu stellen Du Dich damals nicht gewagt hattest?
Tabatabai: Zu singen vielleicht nicht, zu schreiben schon eher. Einen deutschen Text zu schreiben finde ich viel schwieriger, gerade in der Popmusik, weil Englisch die soviel dankbarere Sprache ist. Als Sängerin ist es natürlich ebenfalls eine große Herausforderung, denn im Deutschen hört man genau hin, es muss auf den Punkt genau sein. Und da hilft mir meine Schauspielerei sehr, denn das machen Schauspieler tagaus tagein. Sie nehmen sich einen fremden Text, machen sich ihn zueigen und bringen ihn dann so rüber, dass er einigermaßen überzeugend ist. Die Kollegin, die vorher da war, ließ mich Fragen beantworten, ob ich allen Ernstes die Frau sei aus dem Lied "Brautkleid" oder "Eine Frau" - aber gut. Ich bin Euch jedenfalls dankbar, dass Ihr NOCH nicht die Frage gestellt habt, ob ich Sängerin oder Schauspielerin sei, denn ich kann sie nicht mehr hören! (lacht!)
BODYSTYLER: Wollten wir zum Glück auch nicht fragen. Vielmehr stellt sich die Frage, ob Dir die fremden deutschen Texte jetzt den Schritt zu den eigenen deutschen, vielleicht sogar humorvollen Texten vereinfacht haben?
Tabatabai: Ja, sicherlich. Vielleicht schreibe ich die irgendwann, aber es gibt bereits so viele wunderbare Sachen. Ich singe nämlich genauso gerne einen fremden Text, das ist mir total egal.
BODYSTYLER: Das waren ja nun alles Texte, die musikalisch nicht jungfräulich waren. Wie sehr bremst einen das? Ich denke da an "Die Augen einer Großstadt" von Udo Lindenberg.
Tabatabai: Ich habe schon immer wahnsinnig gerne gecovert. Das war ja schon so bei Even Cowgirls get the Blues und auch bei den Bandits. Ich habe da so meine eigene Methodik, ich höre mir andere Versionen einfach NICHT an, also so wenig wie möglich. Nur so kann ich einen relativ neuen Zugang, zu dem, was ich dann selber mache, bekommen. Natürlich habe ich die bestimmt schon alle mal gehört, aber Du musst es einfach außen vor lassen oder auch verdrängen.
BODYSTYLER: Gibt es Dinge, wie zum Beispiel Kunst, Kulturen, Epochen oder ähnliches, die Dich überhaupt nicht interessieren/ inspirieren?
Tabatabai: Ja, ganz viel. Beim Film ist es zum Beispiel das Regieführen. Diesen ganzen Apparat zu befehligen und eine Million Fragen weiterzuleiten oder von Schauspielern zu erhalten - solche Sachen interessieren mich überhaupt nicht. Musikalisch gesehen gibt es natürlich viele Stile, nimm nur Rap. Natürlich habe ich als Kind auch mal “Rapper's delight” auswendig gelernt, aber ich liebe eben Harmonien. Das würde mir auf Dauer einfach wahnsinnig fehlen. Einige Techno-Richtungen, die man nur auf Droge aushält, müssen auch nicht sein. Marsch ist vielleicht auch nicht ganz so mein Ding (lacht). Was gibt's denn noch? Humorlosen Rock, mag ich auch nicht.
BODYSTYLER: Kommen wir nun zum Album. Je länger man sich mit "Eine Frau" auseinandersetzt, umso prägnanter erscheint es - und alles passt wunderbar zusammen: Songauswahl, Titel etc. Es beinhaltet eine starke Aussage, steht für Selbstbewusstsein und Selbständigkeit und zeigt viele Facetten einer Frau auf. Als was siehst Du Dein Album? Was willst Du damit vermitteln?
Tabatabai: Das ist eine ganz tolle Interpretation. Ich meine, der Künstler sollte nicht sagen, was die Leute denken sollten, aber wenn ihr das so empfindet, dann bin ich super happy damit. Ich versuche immer, einen relativ neutralen Rahmen zu finden. David und ich sagen immer, das ist ein modernes Liederalbum, weil heutzutage keiner mehr Liederalben macht. Andererseits ist es toll, wenn man eins macht und es ist modern, aber trotzdem zeitlos. Ich denke, es ist erwachsen und fände es toll, wenn es auch so rüberkäme.
BODYSTYLER: Was auffällt, ist, dass Deine Stimme deutlich selbstbewusster, geerdeter, fester, irgendwie angekommener rüberkommt, im Gegensatz zu den anderen beiden Solo-Alben.
Tabatabai: Aha, toll. Ja, das ist das Schöne an dem Beruf, am Singen, das Tolle am Gesang und auch so einer gesangsorientierten Richtung wie Jazz. Du singst mit 40 anders als mit 20, weil die Stimme einfach noch ehrlicher, noch unbewusster mitaltert. Du kannst sie nicht einfach manipulieren, dass sie nicht verrät, was Du erlebt hast und was nicht. Weißt Du, wovon Du redest oder weißt Du es nicht? Du hörst es einem Sänger einfach an, was für einen Charakter er hat, wie er gelebt hat.
BODYSTYLER: Was hilft Dir in die richtige Stimmung zu kommen?
Tabatabai: Ganz ruhig und entspannt atmen zu können. Konzentrieren. Da brauch ich ganz viel Harmonie. Viele Kollegen können am besten über Streit arbeiten, das kann ich überhaupt nicht, da mache ich zu, werde sauer und bockig - da kommt dann wohl mein persischer Stolz heraus.
BODYSTYLER: Welches Lied gefällt Dir am besten auf "Eine Frau"?
Tabatabai: Das wechselt immer wieder. Ich bin eher Melancholie-Liebhaber. Im Moment finde ich die traurigen Lieder sehr schön, wie zum Beispiel "Chanson d'Hélène", “Menschen, die sich lieben” und “Nachts”.
BODYSTYLER: Wir haben gehört, Du bist Mitglied beim FC St. Pauli, ist das richig? Andererseits hast Du Dich aber als FC Bayern-Fan geoutet. Wie passt das zusammen?
Tabatabai: Der FC Bayern ist auf jeden Fall mein Verein. Aber der FC St. Pauli ist dazu kein Widerspruch. Das ist ein Verein, den man unterstützt und den man auch cool findet. Ich komme nun mal aus München! Ich bin damit aufgewachsen! So ist das halt. Aber man muss dazu stehen. Und ich mach das auch in Berlin und glaub mir, das ist nicht leicht. Es gibt hier nur Bayern-Hasser. Mein Freund hat schon als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen. Gott sei Dank sind wir uns da einig! Das ist mein Verein und der bleibt es auch!
BODYSTYLER: Würdest Du für Bayern oder für St. Pauli einen Stadionsong schreiben?
Tabatabai: Einen Stadionsong würde ich eher für St. Pauli schreiben und zum Glück kommen sich die beiden so schnell ja nicht mehr in die Quere. Man darf aber auch nicht vergessen, das die Bayern St. Pauli finanziell einmal den Arsch gerettet haben. Jaja, das vergisst man schnell.
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Web: Jasmin-Tabatabai.com
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