Mephisto Walz

"Ich denke schon, dass ich ein lustiger Typ bin!"


Der Name Mephisto Walz ist in den letzten 25 Jahren untrennbar mit dem Begriff des American Gothic verschmolzen. Besonders charakteristisch für den Sound der Band ist die typische Gitarren-Spielweise, die schon bei Christian Death für Furore sorgte, als Chefdenker und –lenker Barry Galvin alias Bari-Bari dort noch Mitglied war. Nach sieben Jahren Abstinenz kehrt er nun auf die teuflische Tanzfläche zurück und alles scheint plötzlich anders zu sein.
 
Interview: Torsten Pape //   
 

Bari-Bari (r.) weiß seinen schwarzen Humor zu schätzen

 



 
 

»Ich hätte meinen Gesang schon viel früher einbringen sollen!«

Bari-Bari
 
 
 
 

MEPHISTO WALZ
„IIIrd Incarnation”
Vor 26 Jahren ertönten die ersten Takte des teuflischen Walzers und 2004 die vorerst letzten. Nun meldet sich Bandgründer Bari-Bari zurück und als langjähriger Fan bin ich zunächst zerrissen, wenn es um die Beurteilung des neuen Werkes geht. Natürlich erhebt sich mein Herz freudig aus dem Sumpf der Trauer, denn es darf wieder den hinreißend quietschenden, zerrenden Künsten des Gitarrengottes lauschen. Wo sonst jedoch etwas modrige und gleichzeitig herrlich entrückte Stimmung herrschte, sind jetzt – auch durch die neue Sängerin - ungewohnte Frische und Klarheit eingekehrt. Jeder anderen Band hätte ich sofort ein gutes Album mit tollen Referenzen bescheinigt. Unter dem altgedienten Banner muss man sich jedoch zuerst von der Vergangenheit lösen und den Neuanfang wagen. (Torsten Pape)
VÖ: 15.03.11 // Black Lagoon

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

er Maitre singt selbst, die Frontfrau ist ausgetauscht und das neue Opus „IIIrd Incarnation“ klingt ungewohnt aggressiv und glänzt mit einer für Bandverhältnisse geradezu glasklaren Produktion. Wäre da nur nicht das anbetungswürdige Klangschema der Gitarrensaiten, man könnte glatt eine andere Band hinter den tollen Songs vermuten. Barry antwortete in rekordverdächtigem Tempo auf die drängenden Fragen.


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BODYSTYLER: Niemand hätte wohl von Euch ein Album mit so vielen neuen Facetten erwartet. Man könnte sogar behaupten, dass bis auf den Namen und die typischen Gitarrenklänge alles neu ist. Würdest Du dem zustimmen wollen?
Bari-Bari: Bis zu einem gewissen Punkt würde ich Dir Recht geben. Bass und Gitarre erklingen wie gewohnt. Einige der Songs entstanden grob bereits vor einigen Jahren und wurden jetzt nur vollendet, andere sind vollkommen neu und wurden in den sechs Monaten des Aufnahmeprozesses geschrieben.
BODYSTYLER: Was war ausschlaggebend dafür, dass Ihr trotz der Veränderungen mit dem Namen Mephisto Walz weiter macht?
Bari-Bari: Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, den Namen zu ändern, aber durch den Albumtitel „IIIrd Incarnation“ scheint alles wieder zu passen, da die Band über die Jahre schon einige Änderungen im Erscheinungsbild und Stil erfahren hat. Außerdem finde ich, dass der teilweise aggressive und raue Sound auf unsere Anfangstage verweist.
BODYSTYLER: Das Album ist mittlerweile seit ein paar Wochen erhältlich. Was kannst Du über die Reaktionen von Fans und Presse berichten?
Bari-Bari: Alles läuft wirklich großartig für uns. Ich war mir nicht sicher, was ich erwarten durfte und freue mich daher umso mehr, dass den Leuten die neuen Songs gefallen. Außerdem denke ich, dass gerade die Lieder gen Ende des Albums mit der Zeit im Bewusstsein der Hörer noch wachsen werden. 15 neue Songs sind vielleicht ganz schön viel auf einmal (lacht).
BODYSTYLER: Wie hat Sara (Reid) das sicherlich große Erbe von Christianna, die ja sehr lange Sängerin von Mephisto Walz war, angetreten? Fiel es Ihr leicht, sich in die Band einzufügen?
Bari-Bari: Ich habe festgestellt, dass es Sara gelingt, die neuen Lieder in ihrem eigenen Stil zu singen, einige der alten Tracks jedoch sehr originalgetreu zu interpretieren vermag. Sie hatte zunächst etwas Angst davor und war sich nicht sicher, ob sie dazu in der Lage sein würde.
BODYSTYLER: Was darf denn das Publikum von Euren zukünftigen Auftritten erwarten?
Bari-Bari: Was die Liveshows anbelangt, sind wir endlich in der Lage, die alten Tracks zu präsentieren, da Myriam Samples von den alten Aufnahmebändern spielen wird. Da das meistens Gitarrenspuren sind, kann ich folglich noch mehr live spielen. Zusammen mit Saras Fähigkeit melodiös, aber auch punkig zu singen – je nachdem, was am besten zum Song passt – wird also einiges anders sein.
BODYSTYLER: Ich muss gestehen, dass ich den Klang Eurer früheren Alben sehr mochte. Sie klangen immer sehr düster und gespenstisch, manchmal schräg oder gar etwas modrig und dumpf, immer jedoch verbunden mit einer gewissen Entrücktheit. Mit dem neuen Werk präsentiert Ihr einen sehr kräftigen, geradlinigen und klaren Sound. War das eine bewusste Kurskorrektur, eine Frage der Möglichkeiten oder gar Zufall?
Bari-Bari: Ich habe immer noch Songs in der Schublade, die schräg klingen, aber auf diesem Album wollten wir bewusst diese etwas aggressivere Stimmung. Die Songs selbst bestimmten die Richtung und das Endergebnis entstand so ganz natürlich. Jetzt, wo ich meine Aggressionen losgeworden bin, kann es ja wieder etwas gespenstischer zugehen (lacht).
BODYSTYLER: Barry, es hat bestimmt nicht nur mich überrascht, dass Du nach 25 Jahren Bandgeschichte selbst zum Mikrofon gegriffen hast. Da hast Du ja richtig Anlauf genommen. Was wäre denn an dieser Stelle Dein Ratschlag für junge Gitarristen? Sollten sie ihre Stimme frühzeitig austesten, um einen solch späten Rollenwechsel zu vermeiden?
Bari-Bari: Ja, vielleicht sollten sie das. Ich hätte meinen Gesang jedenfalls schon viel früher einbringen sollen. Als sich Christiannas Beitrag langsam gen Null reduzierte, musste ich natürlich eine Alternative finden. In der Vergangenheit hatte ich bereits einige Gesangsideen zu Papier gebracht und habe diese nun einfach vollendet. Auf lange Sicht ist das sogar toll, da ich ab jetzt meine Gedanken und Gefühle direkt durch meine Stimme ausdrücken kann. Bevor ich bei Christian Death war, habe ich übrigens bereits in mehreren Bands gesungen.
BODYSTYLER: In den letzten Jahren warst du bei drei weiteren Bands/Produktionen (Scarlet’s Remains, Pins and Needles und Hatesex, Anm. d. Red.) )involviert. Darf ich fragen, ob es noch mehr Anfragen gab? Was hast Du in der restlichen Zeit gemacht?
Bari-Bari: Die meiste Energie habe ich wohl in Scarlet’s Remains investiert, aber die Probleme der Band haben mich von anderen Projekten abgehalten. Ich habe auch die ganze Zeit Songs geschrieben, aber wie die meisten Leute habe ich einen Job, der viel Aufmerksamkeit verlangte. Man kann eben nicht immer das tun, was man gern tun möchte.

BODYSTYLER: Anhand der Songtitel und wohl auch den Texten von „Keep me from walking“, „Damaged art hippy“ oder „When come the vultures“ zeigt Ihr Eure ironische oder gar humorvolle Seite. Würdest Du zum Abschluss etwas über diese Songs sagen wollen?
Bari-Bari: Ich denke schon, dass ich ein lustiger Typ bin und schwarzen Humor zu schätzen weiß. Diese Songs spiegeln meine verdrehte Sicht des Lebens und Sterbens wider. Es war amüsant und interessant, diese Texte zu schreiben. //




Homepage: MephistoWalz.com

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