Metallspürhunde

"Wir haben keine Angst mehr vor Schubladisierungen
!"

Die Metallspürhunde können in diesen Tagen für eine kleine Überraschung sorgen. Waren sie bis dato eher in rauerem, oft schwer zugänglichem Territorium unterwegs, gefällt ihr neues Werk durch angenehme Melodien und einen fluffigen Indieeinschlag.
 
Interview: Manuele Seiler / Torsten Pape //   
 

Metallspürhunde sind keine verbissenen Siegertypen: "Wir wissen auch, wie sich Scheitern anfühlt!"

 



 
 

»Ich habe mit meiner besten Freundin oft im Wald hinter dem haus gespielt – und da haben wir uns viele Dinge zusammengereimt!«

Marion
 
 
 

Metallspürhunde
"Moloch"
Diese Band ging bis jetzt recht spurlos an mir vorbei, da einzeln gehörte Tracks kaum mein Interesse wecken konnten. Erinnere ich mich richtig, empfand ich die Musik als unangenehm verbissen und sperrig. Das neue Album geleitet mich hingegen geradezu sanft in die Sphären des Molochs. Schmissige Melodien, entspannte Kompositionen und gefälliger (m/w-Duett-)Gesang spinnen ein feines Netz, das das interessante Konzept zusammenhält. Manchmal ist weniger an den richtigen Stellen eben einfach mehr. Einige Passagen nerven mich zwar noch ein wenig, aber der Gesamteindruck ist schon stimmig. Wahrscheinlich kann sich die Band mit ihrer Mischung aus Electro, Mythologie, Indierock, Sozialkritik und NDW sogar neue Hörerschichten erschließen. Alte Fans dürfen sich über eine Bonus-CD mit Remixen alter Perlen freuen. (Torsten Pape)
VÖ: 01.04.2011 // Danse Macabre

Myspace.com/Metallspuerhunde
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

eine Angst, allein der Titel „Moloch“, das stimmige Artwork und natürlich die immer noch deutschen Texte lassen schnell die Gewissheit einkehren, dass den Vierbeinern bei weitem noch nicht alle Zähne abhanden gekommen sind. Der Bodystyler rief in den Schweizer Berg und bekam von Marion und Michel Antwort.


Anzeige | Eigene schalten »




BODYSTYLER: Ersteinmal möchten wir Euch zu Eurem schicken neuen Album gratulieren.
Metallspürhunde: DANKE!
BODYSTYLER: Wie oft habt Ihr bereits beim Aufspüren von Metall auf Granit gebissen?
Metallspürhunde: Das ist uns insbesondere während der Produktion zu "Moloch" mehrmals passiert: Man denkt, man ist auf glänzendes Edelmetall gestossen, aber dann ist es doch nur kalter Stein. Insbesondere schade, wenn so was im zwischenmenschlichen Bereich passiert.
BODYSTYLER: Was befähigt Hunde zum Aufspüren von Metall? Riecht doch gar nicht, oder?
Metallspürhunde: Der Begriff ist insofern ein bisschen irreführend, als er ja eigentlich Minensuchhunde meint. Und diese Hunde riechen den Sprengstoff in der Mine. Übrigens hat man kürzlich herausgefunden, dass sich Ratten auch sehr gut für diese Tätigkeit eignen. Man arbeitet jedoch nur mit weißen Tieren, da sich das involvierte menschliche Personal offenbar weniger graust vor weißen Ratten...
BODYSTYLER: Irgendwo stand geschrieben, dass Ihr früher keine Pop-Pflänzchen sprießen lassen konntet oder wolltet. Was macht Euch heute zu besseren (toleranteren?) Botanikern?
Metallspürhunde: Wir tolerieren diese Pflänzchen nicht nur, wir erfreuen uns auch von Herzen daran! Unser Selbstbewusstsein ist im Laufe der Jahre gewachsen, und wir haben heute keine Angst mehr vor Schubladisierungen. Früher hatten wir da vielleicht einfach mehr Bedenken, denn in der hiesigen Szene ist Pop ja etwas verpönt. Der letztjährige Besetzungswechsel war zudem ein guter Dünger für neue Gewächse. Und wenn man dann noch weiß, dass Michel ein grosser Pet Shop Boys-Fan ist, dann erklärt das vielleicht das ein oder andere...
BODYSTYLER: Welche musikalischen Vorbilder dürft ihr die Euren nennen?
Metallspürhunde: Vorbilder sind eigentlich eher hinderlich für die eigene musikalische Entwicklung und es gibt tatsächlich niemanden, dem wir konkret nacheifern. Aber natürlich gibt es Künstler, die wir bewundern für das, was sie geschafft haben und welche wir sehr mögen. Hier seien zum hundersten Mal die unvermeidlichen Die Krupps genannt, und natürlich die Pet Shop Boys!
BODYSTYLER: Eure Texte sind ja sehr direkt, sehr aussagekräftig und stark, was wir sehr schön finden. Nicht jeder spricht heutzutage das aus, was er denkt. Wie kommt es, dass Ihr zu Beginn eurer Karriere Deutsch als Gesangssprache ausgesucht habt?
Metallspürhunde: Eigentlich müsste die Frage doch lauten, wieso man NICHT Deutsch singt, wenn Deutsch doch die Muttersprache ist (zumindest fast, in unserem Fall). Die Frage überrascht uns immer wieder! Wir wollten nie, dass unsere Texte lediglich Beiwerk zur Musik sind. Das bedeutet, dass wir sie in einer Sprache verfassen müssen, die wir perfekt beherrschen. Und das ist nun mal Deutsch. Vielleicht klängen die Songs ja interessanter in Suaheli, aber Exotik war nie unser Ziel. Bei vielen deutschsprachigen Bands klingt es ja auch sehr exotisch, wenn sie z.B. Englisch singen, allerdings wohl eher unfreiwillig... Bei entsprechenden Versuchen unsererseits klang es ähnlich, also haben wir es definitiv sein gelassen!
BODYSTYLER: Gibt es nur positive Resonanzen zu Euren Texten oder auch Widerspruch?
Metallspürhunde: Uns fällt generell auf, dass deutsche Texte kritischer bewertet werden. Sie werden von allen verstanden und darum überhaupt schneller bewertet als z.B. englische Texte, bei denen sich halt viele mehr reinknien müssten, um sie zu verstehen. Und bei denen viele auch passen müssen, weil sie keine Fremdsprachen sprechen. Bei unseren Texten fasziniert uns zudem die Bandbreite der Kritik. Von "brilliant", "hohe Textkunst" bis hin zu "platt" ist alles vertreten. Offenbar polarisieren wir ziemlich, was wir ziemlich lustig finden.
BODYSTYLER: Was bedeutet für euch Scheitern – im Persönlichen? Ist es für euch auch keine Option, so wie ihr es im Song „Es wird gestorben“ besingt? Ist der Tod nicht manchmal auch irgendwo ein Scheitern?
Metallspürhunde: Wir gehören nicht zu diesen verbissenen Siegertypen, und wir wissen auch, wie sich Scheitern anfühlt. Wichtig ist einfach, dass man nach einer Niederlage nicht im Frust versinkt! Wir versuchen immer, etwas daraus zu lernen - privat, wie auch als Band. Zudem sehen wir die Welt nicht nur in Schwarz/Weiß, es gibt nicht nur Sieg oder Tod, es gibt auch Zwischentöne. Die Lyrics von "Es wird gestorben" sind in diesem Kontext eher sarkastisch gemeint. Der Tod an sich ist kein Scheitern, denn es gibt ja keine Alternative dazu. Man sollte generell das Leben nicht mit einem Wettkampf verwechseln, wie das leider viele tun.
BODYSTYLER: Trägt die Stadt, die in eurem Booklet zu sehen ist, auch einen Namen? Oder soll sie einfach die Vielfalt des Begriffes „Moloch“ darstellen?
Metallspürhunde: Nein, es ist eine Fantasiestadt, aber die Skyline gibt sehr gut wieder, was wir uns unter einem städtischen Moloch vorstellen. Und auf dem Albumcover verwandelt sich die Skyline in die Reisszähne eines gigantischen Schlunds, der wiederum eine andere Art von Moloch symbolisiert. Quasi der Moloch im Moloch! Diese Idee von unserer Artworkerin Christina Mey hat uns sehr gut gefallen.
BODYSTYLER: Was genau fasziniert euch an diesem Moloch und für was steht dieses Wort in Eurem Kontext (mystisch-religiös für eine phönizische Gottheit -> Opferung von Kindern durch Feuer, Bezeichnung für Metropolen, Gibbonart (ha!) etc.pp.)?
Metallspürhunde: Echt, Gibbonart auch? Ist ja kurios. Das zeigt, wie vielfältig der Begriff ist, haha! Und genau das machte ihn auch interessant für unser Album. Der Moloch ist schwer fassbar, aber er löst tendenziell ungute Gefühle aus. Die Stadt kann einen verschlingen, das Opferritual kann einen töten; das hat viel mit den Gefühlen zu tun, die wir während der Albumproduktion durchlebten. Wir haben tatsächlich viel geopfert, und wir wanderten durch tiefe Täler. Aber am Ende wurden wir wieder geboren, in neuer Gestalt und mit neuer Kraft!
BODYSTYLER: Meint ihr, man kann diesen Begriff irgendwann einmal positivieren?
Metallspürhunde: Die Gibbons sind doch schon mal ganz süß und positiv, oder nicht??
BODYSTYLER: Welches Fabelwesen hat euch in der Kindheit am meisten geängstigt? Und wie sieht es heute damit aus?
Marion: Vor Hexen hatte ich großen Respekt! Ich habe mit meiner besten Freundin oft im Wald hinterm Haus gespielt, und da haben wir uns viele Dinge zusammengereimt. Wir hörten z.B. oft den Specht klopfen und stellten uns dann immer vor, dass das eine böse Hexe ist. Sie klopft mit dem Finger an den Baumstamm, um uns mitzuteilen, dass sie ganz in der Nähe ist. Ich hatte wirklich Schiss vor dieser Hexe!

Michel: Ich war ein grosser Fan von Horror-Comics (hmmm, eigentlich bin ich das heute auch noch). Ich habe diese Heftchen verschlungen. Nachts habe ich mir dann natürlich fast in die Hosen gemacht. War das ein Kitzel! Heute habe ich vor ganz profanen Dingen, wie zum Beispiel der Tagesschau Schiss. Der pure Horror!!
BODYSTYLER: Wie sieht (sah?), eurer Meinung nach, das perfekte Faschingskostüm dieses Jahr für euch aus?
Metallspürhunde: Dazu braucht es nicht soviel. Einen Anzug, eine Brille, viel Gelatine in die Haare, streng nach hinten kämmen und einen adeligen Blick aufsetzen. Fertig! //




Homepage:
MSHunde.ch
© 2011 // BODYSTYLER Electrozine //



Das kostenlose Electro-Abo von BODYSTYLER! Immer die neueste Ausgabe als e-Book in Deinen E-Mail-Briefkasten? E-Mail:


 
 
Anzeigen | Eigene schalten »