Mirrors

"Ich kann nicht für jeden Träger des Synthesizer sprechen!
"

Es geschah an einem kalten, aber freundlichen Wintermorgen. Ich führte gerade ein Telefon-Interview mittels Skype mit einem freundlichen jungen Herren aus Brighton, genannt James. Seines Zeichens Sänger der Mirrors, und bei einer Tasse Tee, bei seiner Promo-Agentur, in Hamburg sitzend. Doch unten in den dunklen Höhlen rüttelten und nagten die Orks gar fürchterlich an der Verbindung. Still und heimlich schaltete der Rekorder auf Stopp und kein gesprochenes Zeugnis war hinterlegt. Zum Glück gibt´s noch die heiße Mail-Feder. Also lehnt Euch zurück, entspannt und lest.
 
Interview: Spider //   
 

Ein freundlich verrückter Haufen aus Brighton, das alten Damen über die Straße hilft: Mirrors

 


 
 

»Es gibt mehr Verrückte pro Quadratmeter in Brighton als irgendwo sonst im Land. Ich bin einer von ihnen. Aber ein sehr freundlicher!«

Mr. James
 
 
 

Mirrors
"Lights and Offerings"
Die Meeresbrise aus Brighton bläst mit den Mirrors eine frische Brise New Romantic in den heimischen CD Spieler. Die synthetischen Klänge schlängeln sich auf der Suche nach der immer guten Welt in sehnsuchtsvollen Melodien, ohne dabei zu sehr in Pathos zu verfallen und ganz ohne Spuren vom Wandel der Trends. Nur im Gesang schwebt ein Hauch von späteren Epochen englischer Indiepop-Geschichte. Dieser zeigt sich ab und an als kleiner Schwachpunkt. Immer dann, wenn er eine Nuance zu hoch angesetzt ist. Das die Band demnächst als Support für OMD auf der Bühne steht, passt. Genau wie diese haben sie die Gabe, mit kleinen Mitteln große Melodien zu zaubern. Allerdings auch die Parallele, dass dies nicht einheitlich und gänzlich über die gesamte Albumlänge gilt. Trotzdem dürfen die Tanzflächen wieder schwarz-weiß gekachelt werden. (Spider)




Nach dem Cover meinend, die Herrschaften möchten hier Kraftwerk imitieren, klingt die CD dann eher nach der letzten OMD und ein paar anderen Sachen aus den 80ern. Der Sänger hat, insbesondere wenn er die Stimme erhebt, eine ziemliche Ähnlichkeit mit Harry Mc Veigh von den White Lies. Jedenfalls legt das Quartett hier ein wirklich sehr schönes Debut vor. Zwar haben die Jungs nicht die absoluten Killerrefrains am Start, aber das ganze Drumherum stimmt und die vielen Instrumentalpassagen, die dann doch ein wenig an Kraftwerk erinnern, sind ungewöhnlich für Popsongs und mal richtig gut geworden. Abgesehen von zwei (kleinen) Durchhängern ein wirklich cooles Album, das Fans von De/Vision oder Erasure gefallen sollte oder allgemein Menschen, die eher auf synthetische Popmusik stehen, denn auf Knicklichtgebretter. OMD können jetzt endgültig in den wohlverdienten Ruhestand gehen, die Mirrors werden das Erbe weiterführen. (Chucky)
VÖ: 18.03.2011 // PIAS

Myspace.com/MirrorsMirrorsMirrors
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

allo James, wie würdest Du die Zielgruppe beschreiben, die an Eurer Musik Freude hat?
James: Wir waren sehr überrascht, wie viele verschiedene Personentypen unsere Musik mögen. Ältere, die sich an einige der Bands, durch die wir offensichtlich beeinflusst wurden, erinnern. Aber auch jüngere, die uns als einen frischen Klang empfinden, den sie vorher noch nicht gehört haben. Unser Sound ist elektronisch, aber unsere Show besitzt ein Live-Feeling. So sind wir auch interessant für Leute, die mehr traditionelle Gitarrenmusik mögen. Es freut mich zu sagen, dass unsere Musik eine große Wirkung hat.


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Dann wollen wir doch mal schauen, mit welcher Rezeptur diese Wirkung erzielt wird. Und jetzt, Leute, lohnt es sich Block und Stift zu zücken. Es folgen genug Anregungen für mehre Geburtstags- und Weihnachts-Wunschzettel.

BODYSTYLER: Zieht Ihr Einflüsse aus Musik, Film, Literatur oder Photographie?
James: Eine sehr schwierige Frage. Ich spule erst mal meine persönliche Top 5 jeder Kategorie ab. MUSIK: Talking Heads, Kraftwerk, The Slits, Television, Iggy Pop and the Stooges. FILM: 'In the mood for love' von Wong Kar-Wai, ´Das Leben der Anderen` von Florian Henckel von Donnersmarck, 'Mystic river' von Clint Eastwood', 'Blade Runner' von Ridley Scott, 'La Haine' von Matthieu Kassovitz. PHOTOGRAPHEN: August Sander, Martin Parr, Jean Loup Sieff, William Eggleston, Henrik Knudsen. LITERATUR: William Boyd, Sebastian Faults, George Orwell, Hunter S Thompson, JG Ballard. Es ist also offensichtlich, das wir ein Interesse an diesen unterschiedlichen Kunstformen haben. Die Frage ist dabei, in welchem Zusammenhang etwas nicht Greifbares, wie zB. ein Buch, Wirkung auf die Musik hat, die wir machen. Kann man nun davon ausgehen, das dies einen Einfluss hat im Rahmen der Mirrors? Ich denke, man kann. Denn ein gesundes Interesse an diesen Dingen hat sicherlich einen positiven Einfluss auf den eigenen kreativen Output.

Da weht eine kräftige Brise Bildung aus dem englischem Seebad Brighton. Um die Heimatstadt der Band dreht sich dann flugs meine nächste Frage.
BODYSTYLER: Kennt Du den Song "Lunatics over Brighton" von den deutschen Avantgarde-Rockern Phillip Boa & The Voodoo Club? Gibt es in dem, als beschaulich geltenden Brighton, tatsächlich eine irre Seite?
James: Es gibt definitiv zwei Seiten von Brighton, das macht es zu einem interessanten Ort zum Leben. Ich habe das Lied nie gehört, aber ich kann verstehen, warum es geschrieben wurde (lacht)! Brighton gilt als friedlich und sehr liberal in England. Aber es hat eine zwielichtige Seite. Nach meiner Erfahrung gibt es mehr Verrückte pro Quadratmeter in Brighton als irgendwo sonst im Land. Ich bin zufällig auch einer von ihnen. Aber wir sind ein sehr freundlicher Haufen.
BODYSTYLER: So freundlich, wie jeder Synthpopper, die alten Damen immer über die Straße helfen?
James (lacht): Nun, ich kann nicht für jeden Träger des Synthesizer sprechen, aber die Mirrors machen das.

Ja ja, so ein Keyboard ist leicht geschultert, aber schwer ist der Weg zum Singen, oder?
BODYSTYLER: Wie bist Du dazu gekommen Sänger zu werden? Zu welchen Songs hast Du früher vor dem Spiegel gepost?

James: Ich denke nicht, das ich großen Ehrgeiz hatte, Sänger zu werden, aber ich wollte Musik schreiben und erkannte sehr früh, wie wichtig die Gesangslinie in jeder zeitgenössischen Popmusik ist. Also habe ich angefangen zu singen, zaghaft zunächst, als ich etwa 15 war. Ich denke, die ersten Songs, die ich vor dem Spiegel gesungen habe, waren von Prince. Ich habe versucht, seine Bewegungen so gut wie möglich zu imitieren, aber leider bin ich rhythmisch unbegabt.

Das Interview ist nun beendet und ja logo, ich möchte Euch, werte Leser und Leserinnen, nun zu Prince mit dem Popo wackeln seh’n. //




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