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Moon.74

"Ich unterhalte mich sehr gern über Musik!"


Vor ein paar Wochen ging ein neuer Mond im Musikgeschäft auf. Es klebte eine "74" daran und sein Licht schien auf mehrere musikalische Felder, wie die des Synthie-Pops und des wohltemperierten Rocks. Im Gespräch merkt man schnell, dass es Dominic Hein, dem alleinigen Bandmitglied, ernst ist, viele Ambitionen in seinem Projekt stecken und er einen langen Weg hinter sich hat. Die Strapazen der Reise haben sich jedoch gelohnt, denn das Neugeborene ist wohlgeraten.
 
Interview: Torsten Pape //                    
 

Kommt der Schlüpfer des Grauens vielleicht aus dem unsozialen Umfeld?

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»2001 war dann nach drei nie veröffentlichten Alben die Luft raus!«

Dominic Hein
 
 
 

Moon 74
“Newborn”
Man kann Dominic Hein anstandslos bescheinigen, dass er ein Tausendsassa ist. Fast im Alleingang spielte er sein Debütalbum ein und übernahm dabei Gesang, Synthesizer- und Gitarrenarbeit. Ist es Rock? Ist es Pop? Eigentlich egal, denn es sind stets gute Songs, die sofort ins Ohr gehen und im besten Sinne vielschichtig sind. Die meisten von ihnen haben einen eher sanften Grundcharakter und beinhalten schöne Stimmungsbögen. Ein Paradebeispiel hierfür ist sicherlich der Titelsong. So entwickelt sich mit der Zeit ein wirklich angenehmer Hörgenuss im Spannungsfeld einiger hochkarätiger Acts. Hin und wieder hätte es vielleicht nicht geschadet, noch ein paar (mehr) Grenzbereiche auszuloten, wie zum Beispiel beim Cover geschehen, das ein echtes Schaf im Wolfspelz ist. Sic! (Torsten Pape)
VÖ: 01.10.10 // Echozone

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Moon74.de
 
 
 
 
 
 
 

lle Instrumente auf "Newborn" selbst einzuspielen, kann man sich bestimmt als Mammutprojekt vorstellen. Wie verläuft ein – sagen wir: durchschnittlicher – Kompositions- und Aufnahmeprozess? Ich denke mal nicht, dass du wie einer dieser Straßen- oder Zirkusmusikanten mehrere Instrumente gleichzeitig spielen kannst, oder?
Dominic: Nein das kann ich leider wirklich nicht. Aber das würde den Prozess sicherlich um einiges beschleunigen. Zunächst ist da meist eine Songidee, die ich erst einmal mit meinem MP3-Player aufnehme, damit ich sie nicht wieder vergesse. Irgendwann geht es dann ins Studio um die Idee umzusetzen, das Arrangement zu erstellen, einzelne Spuren einzuspielen usw. Danach kommt der Feinschliff. Zu diesem Zeitpunkt stehen meist schon der Refrain und einzelne Textphrasen. Nachdem ich dann den kompletten Text geschrieben habe, singe ich den Song ein. Insgesamt kann sich das natürlich über einen größeren Zeitraum erstrecken. Je nachdem, wie viel Zeit ich gerade habe oder wie komplex der Song ist.
BODYSTYLER: Von deinem Äußeren, aber auch vom Artwork des Albums sind nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Art deiner Musik möglich. Man könnte ebenso auch ein strammes Crossover-/Rock-Werk erwarten. Da das Merchandise bereits recht umfangreich und vielfältig ist, gehe ich mal davon aus, dass du auch hier viel Zeit und Überlegung investiert hast. Erkläre doch bitte einfach mal das optische Erscheinungsbild deines Projektes!
Dominic: Das optische Erscheinungsbild war mir, genauso wie die Musik, natürlich sehr wichtig und zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Darstellungsformen wie Coverartwork, Homepage, Internet usw. Und da ich das alles in Eigenregie umsetze, kann man sich vorstellen, wie viel Zeit man da noch zusätzlich zur Musik investieren muss. Auf dem Artwork bin ich selbst zu sehen, also besteht zwangsläufig eine Verbindung zu meiner Musik. Ich denke, gerade bei einem Debüt-Album sollte man sich schon so interessant wie möglich präsentieren, um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen. Sicher hätte es auch noch andere Möglichkeiten der Darstellung gegeben, aber ich bin damit sehr zufrieden.
BODYSTYLER: Wenn ich dich auf der Straße treffen würde, käme mir wohl als Smalltalkthema am ehesten Fußball in den Sinn. Kämen wir da zu einem interessanten Plausch?
Dominic: Mit Sicherheit. Überhaupt bin ich sehr sportinteressiert. Fußball wäre aber schon mal ein guter Einstieg. Ich unterhalte mich allerdings, wen wundert's, auch sehr gerne über Musik und denke, auch da würden wir genügend Gesprächsstoff finden.
BODYSTYLER: In einem anderen Interview habe ich gerade gelernt, dass der Saturn 47 Monde hat. Wo findet man denn den mit der Nummer 74? Oder war das ein Zahlendreher?
Dominic: Dann würde ich wohl SATURN.47 heißen!?! Nein. Die 74 steht einfach nur für mein Geburtsjahr. Für den Mond habe ich mich entschieden, da er geheimnisvoll, mystisch und melancholisch ist und mich schon immer irgendwie fasziniert hat. Und diese Eigenschaften passen sehr gut zu meiner Musik, wie ich finde. Ursprünglich war MOON.74 einfach nur mein Profilname in diversen Internet-Foren und hat sich dann schlussendlich bis zum Projektnamen entwickelt.
BODYSTYLER: Du sprichst in deiner Biographie unter anderem von Inspirationen aus deinem unsozialen Umfeld. Da wird der Skandalreporter in mir aber sehr, sehr neugierig. Beispiele bitte!
Dominic: Ich fand die Wortspielerei einfach interessant und irgendwo stimmt das ja auch. Nicht alle Menschen sind gut zu einem und wollen nur dein Bestes. Ich schreibe meine Texte nicht nur über persönliche Gefühlsdinge wie Liebe, Schmerz, Enttäuschung oder Hoffnung, sondern auch gerne über gesellschaftskritische Themen. Das können Dinge sein, die mich beschäftigen oder auch ärgern. Umwelt, Politik, Ereignisse usw. Alles ist erlaubt.
BODYSTYLER: Deinen musikalischen Werdegang kann man mit den Stichworten Depeche Mode, Hard Trance/Techno, lange kreative Pause, Geburt deiner Tochter, Bekanntschaft/Tour mit De/Vision umreißen. Was findet man wie und wie sehr – direkt oder indirekt - in "Newborn" wieder?
Dominic: Depeche Mode waren zwar der erste Anreiz selbst Musik zu machen, angefangen erste Tracks zu komponieren habe ich dann jedoch im Techno/Trance-Bereich. Dann - nach zwei produktiven Jahren in diesem Genre habe ich begonnen, meine ersten Songs und Texte im Synthpop-Bereich zu schreiben und bin seitdem diesem Musikstil treu geblieben. 2001 war dann nach drei nie veröffentlichten Alben die Luft raus und ich habe die Musik an den Nagel gehängt. Schließlich, durch einen Zufall, die Geburt meiner Tochter und die damit verbundene neue Inspiration, habe ich wieder Blut geleckt. Ich wollte einfach für mich selbst herausfinden, wie weit ich es mit meiner Musik schaffen kann. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Geschichte von „Newborn“. Quasi ein Rückblick auf die letzten Jahre, die Entstehung von MOON.74 und einiges, was sich in dieser Zeit in meinem Leben ergeben und verändert hat. „Newborn“ ist daher ein sehr persönliches und emotionales Album geworden, ein Teil von mir.
BODYSTYLER: Wie sehr wärst du bereit, Einflüsse oder Hilfe von anderen Musikern bei MOON.74 zuzulassen? Besonders auf der Bühne gibt es doch bestimmt noch einige ausbaufähige Elemente, oder? Übrigens bewundere ich deinen Mut, dich da oben ganz allein zu präsentieren!
Dominic: Das ist gar nicht so schwierig, sich alleine auf die Bühne zu stellen. So habe ich wenigstens alles unter Kontrolle und das gibt wiederum enorme Sicherheit. Aber Du hast absolut recht, gerade live ist MOON.74 durchaus noch ausbaufähig und Überlegungen in die Richtung, MOON.74 noch durch Live-Musiker zu ergänzen, gibt es schon seit geraumer Zeit. Ansonsten, was die Produktion von Songs angeht, hole ich mir natürlich Meinungen und Anregungen von außen ein und es wird in Zukunft bestimmt noch einige Kooperationen mit anderen Künstlern geben. Aber MOON.74 ist und wird in jedem Fall ein Soloprojekt bleiben.
BODYSTYLER: Deinen Songs merkt man an, dass sie vielschichtig sind und Zeit hatten zu reifen. Es gibt soundtechnisch viele Details zu entdecken und die Stimmugen/Instrumentierungen/Tempi wechseln (sanft) oft auch innerhalb eines Liedes. Kurz gesagt: Es wird nicht langweilig. Wie schnell entwickelt ein Song bei dir diese Facetten und musst du manchmal auch wieder etwas wegnehmen/streichen?
Dominic: Schön, dass es noch Leute gibt, denen sowas überhaupt auffällt bei der Masse an Musik. Also ich muss sagen, dass ich schon bei der ersten Idee zu einem Song sehr genaue Vorstellungen vom späteren Endergebnis habe. Sicherlich kommt auch noch mal was hinzu oder ändert sich an der Dramaturgie eines Liedes. Aber das Grundgerüst ist meist sehr schnell in meinem Kopf und muss dann nur noch dementsprechend realisiert werden. Den Prozess allerdings, wie sich ein Song im Laufe einer Produktion entwickelt, kann man immer nur schwer vorhersagen.
BODYSTYLER: Es fällt auf, dass einige Texte erst durch den gesanglichen Vortrag Sinn ergeben. Nur gelesen, wirken sie manchmal etwas fragmentarisch und sind damit schwer verständlich. Kannst du das nachvollziehen? Was sagst du zu diesem Eindruck?
Dominic: Ein auf jeden Fall sehr interessanter Eindruck, der mir bisher allerdings neu ist. Allerdings weiß ich ja auch genau, wovon ich singe und da ist es natürlich schwer, die Songs mit dem gewissen Abstand zu betrachten. Aber ich denke, wichtig ist, dass Musik, Texte und Gesang im Einklang genau das aussagen, was ich den Zuhörern vermitteln möchte. Und wenn ich dem zahlreichen Feedback von Fans und Journalisten glauben kann, dann haben doch sehr viele verstanden, worum es mir geht. Sie haben einen Zugang zu meiner Musik gefunden und das ist das größte Kompliment, das man mir machen kann.
BODYSTYLER: Einige Songinhalte wirken zornig und wütend. Oft wird das jedoch musikalisch eher kontrapunktiert, da Musik und Ausdruck des Gesang vergleichsweise recht sanft ausfallen. Wie kam es zu diesem Gegensatz?
Dominic: Hier wäre ein Beispiel nicht schlecht, welchen Song Du genau damit meinst.
BODYSTYLER: "Gun" und "Strange convention" sind mir in diesem Sinne aufgefallen. Eventuell auch noch "Dirty mind", das zwar härter ist, aber es hätte eben auch noch aggressiverer Gesang gepasst.
Dominic: Also ich finde das gar nicht. Wenn man weiß, worum es geht, dann passt das. Fakt ist jedoch sicherlich, dass ich stimmlich mehr die ruhigen Töne anschlage und nicht so aus mir rausgehe oder "aggressiv" bin wie vielleicht andere. Aber so bin ich auch privat. In der Regel ist es so, dass ich schon versuche Themen so darzustellen, wie ich sie fühle. Und das kann auch ein zorniger Text sein, nur zornig auf wen oder was?! Oft spielen in solchen Songs auch Hoffnung oder Hilflosigkeit eine große Rolle und dann passt es wieder. Viele Texte können von Menschen auch unterschiedlich interpretiert werden. Sie schnappen Textzeilen auf und projizieren das auf Ihr Leben und schon hat der Song vielleicht eine ganz andere Aussage. Das erlebe ich immer wieder und finde es sehr spannend, Songs zu schreiben, die je nach Blickwinkel, verschieden aufgefasst und interpretiert werden können.
BODYSTYLER: Die Textzeile "Every slip could bring me back to hell" scheint ja direkt aus dem Rotlichtmilieu zu stammen. Was hat es denn mit dem Schlüpfer des Grauens auf sich?
Dominic: Haha, das hat mit dem Rotlicht-Milieu reichlich wenig zu tun. Wohl eher mit der eigenen Hölle oder den eigenen Dämonen, die wir sicher alle irgendwo haben. Es beschreibt die Gratwanderung zwischen richtigen und falschen Entscheidungen und die Angst zu versagen bzw. etwas sehr wichtiges zu verlieren. //



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© 2011 // Bodystyler Electrozine //
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