ch sehe schlecht aus, wie? Dann noch dieses laute, pickelige Gezücht an der Haltestelle.
Nico Wache: Ja. Es ist gerade Schulschluss.
BODYSTYLER: Wie, hier gibt‘s ne Schule?
Wache: Ja, aber nur in der Woche.
BODYSTYLER: Sieh an. Dann warst Du sicher auch einst ein Schulkind in Luckenwalde? Warum bist Du später nicht deinen Bandmitgliedern in eine größere Stadt gefolgt? Stattdessen wohnst Du noch immer hier, wo doch nichts ist, außer geräuschintensive Plagen, Alkoholiker und ein Turm aus Felssteinen.
Wache: Der Grund ist, dass ich hier in Luckenwalde mein Lohn und Brot verdiene und da ist es eben praktisch keine längeren Anfahrtswege zu haben.
BODYSTYLER: Wenigstens gibt es noch Arbeit. Die anderen NTF-Mitglieder wohnen aber nicht mehr in Luckenwalde, was? Wie macht ihr das mit den Proben? Probt eine Electro-Band überhaupt?
Wache: Selbstverständlich muss auch eine Electro-Band proben. Es ist ja nicht so, dass eine Taste gedrückt wird und alles passiert von allein.
BODYSTYLER: Da überschätzt du aber anscheinend die Arbeitsweise einiger anderer Electro-Bands.
Wache: Mag sein. Bei uns ist eben noch einiges oldschool und wir haben Spaß daran live spielen zu können. Irgendwann haben wir schließlich mal die Instrumente erlernt. Die Proben sind aufgrund der Entfernung in den letzten Jahren etwas seltener geworden. Unser Sänger Henning wohnt in Hamburg, Matze in Potsdam und ich bin hier zurückgeblieben in der Pampa.
BODYSTYLER: Das rumänische Wort „Walachei“ wäre auch treffend. Nun ist euer neues Album „Prepared Lies“ mit einer Verspätung von einem Jahr erschienen. Wieso diese Verzögerung? Brauchte die Postkutsche so lange, um das Master zum Presswerk zu bringen?
Wache: Unser letztes Album haben wir 2003 auf den Markt geschmissen. Damals war noch nicht abzusehen, dass es 8 Jahre bis zum nächsten Album dauern würde. Wir hatten ursprünglich 2005 für den Nachfolger gewählt, allerdings sind da einige Sachen wie Beruf und Studium dazwischen gekommen. Außerdem hat sich unsere Aufnahmetechnik in der Zeit verändert. Wir haben uns beispielsweise ein neues Studiomikrofon zugelegt und uns infolgedessen dazu entschlossen, den Gesang noch einmal komplett neu aufzunehmen. Deshalb die Verzögerung. Lieber ein bisschen später, als nie. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass unser nächstes Album auch wieder 8 Jahre bis zum Release braucht. Wir geben das Master beim nächsten Mal dem Busfahrer mit. Der Bus scheint ja schneller zu sein, als die Kutsche.

Sir Raze (r.) beim Interview, noch völlig benommen, bekommt von Nico Wache erklärt, wie man ein Interview richtig führt:
»Wenigstens gibt es noch Arbeit!«
BODYSTYLER: Habt ihr eurer Meinung nach eine musikalische Veränderung gegenüber dem letzten Album vollzogen? Wie reflektiert ihr selbst eure Musik?
Wache: Soundtechnisch auf alle Fälle. Die neuen Lieder sind hörbar druckvoller. Es gibt auch einige Titel auf dem Album, die aus der Zeit des letzten Albums stammen. Das werden vielleicht einige unserer Fans feststellen. Allerdings haben wir damit kein Problem, denn 8 Jahre sind eine Zeit, die eine Entwicklung durchaus widerspiegeln können. Wer unser altes Album mochte, wird mit Sicherheit unser neues Album gut finden. Wir haben den Spagat versucht, die etwas kernigeren Lieder mit den melancholisch-ruhigen Liedern zu verbinden. Dabei bleiben wir immer rhythmisch. Diesmal haben wir auch kein Instrumentalstück dabei. Insgesamt sind wir bei unserem Stil geblieben, also nicht experimenteller geworden.
BODYSTYLER: Schade.
Wache: Nicht unbedingt. Soundbasteleien sind natürlich nach wie vor dabei. Es bleibt hörenswerter, kerniger Electro. Jeder der elektronische Musik mag, wird Nothing To Fear mögen. Da geht kein Weg daran vorbei.
BODYSTYLER: Da hasst Du recht. Ihr gehört nach Zelle 40 und vor Patenbrigade Wolff sicherlich zur Brandenburger Crème de la Crème der Electroszene (lachen) - (Ich schalte mich zum Lachen dazwischen - Anm. v. Chefred. Bodyhorst). Aber wieso werdet ihr dann noch immer als Newcomer gehandelt? Ihr seid seit über 10 Jahren am Start und Du hast eine riesige Uhr am Handgelenk.
Wache: Das ist eine Frage, die wir uns immer selbst stellen. Allerdings liegt es sicherlich daran, dass wir promotiontechnisch noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Wir sind da manchmal zu selbstkritisch und zögerlich. Im Schnitt haben wir vier Auftritte im Jahr, was nicht gerade viel ist und bedeutend mehr sein könnte. Das ist in Zukunft sicherlich verbesserungswürdig. Aber mit der neuen CD im Gepäck sind wir so zufrieden, dass wir es jetzt nochmal wissen wollen. Die Zeit tickt und die große Uhr symbolisiert das sozusagen.
BODYSTYLER: Ich finde Armbanduhren generell stressig. Der Mensch wird ständig gehetzt bzw. meint keine Zeit zu haben. Ist doch krass. Überall hängen Uhren rum, von den Kameras ganz zu schweigen. Hier glücklicherweise noch nicht. Aber wir driften ab...
Ihr seid beim selben Management wie Dance Or Die. Gab es mal Überlegungen gemeinsam mit denen, oder mit Sara Noxx, die ja auch ein Kind der Stadt Luckenwalde ist, zu spielen?
Wache: Mit Sara Noxx hatten wir bereits einen Auftritt. Das wäre sicherlich kein Problem, nochmal was gemeinsam auf die Beine zu stellen, aber momentan konzentrieren wir uns auf unsere CD-Veröffentlichung, spielen am 19.03. auf unserer Release-Party in der „Wunderbar“ in Luckenwalde zusammen mit Negative Sex, einem Nebenprojekt von mir, und schauen danach, wie es live mit NTF weiter geht.

Das 'niedliche Geschöpf Eddie' hatte seine ganz eigene Meinung zum Raze‘schem Interviewstil:
»Aus dem Tierheim gerettet!«
BODYSTYLER: Ein niedlicher Hund sitzt da hinter mir. Der ist doch neu.
Wache: Ja, dieses niedliche Geschöpf im Hundekörbchen haben wir Eddie getauft und er ist von uns aus dem Tierheim gerettet worden. Er war in der Zeitung abgebildet und hat mit seinem Charme und der Ausstrahlung gleich gepunktet.
BODYSTYLER: Abschließend die Frage, ob du etwas von mir wissen möchtest?
Wache: Du kamst ja mit dem Bus. Mich würde interessieren, wie dein erster Eindruck war, als du die Tore von Luckenwalde passiert hast.
BODYSTYLER: Das ist ja bereits einige Zeit her. Ossistadt fiel mir als erstes ein. Begründet durch den Häuserleerstand, die kleinen Straßen und die verkommene Jugend. Ich fühle mich wohl. Vielleicht ziehe ich ja mal her.
Wache: Ja, da gibt es nichts zu beschönigen. Es gibt hier aber noch andere Ecken. //
BODYSTYLER empfiehlt:
Nothing To Fear-Record Release-Party am 19.03.2011 in der "WunderBar" Luckenwalde »
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Homepage: NothingToFear.de
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