Pail

"Jeder Mann sollte wissen, wie man mindestens grundlegende Mahlzeiten kocht!"


In Spanien gibt es wahrlich den einen oder anderen Hohlraum vornehmlich in den Köppen. Wie kämen die Menschen sonst dazu in der Stierkampfarena das Massaker an wehrlosen Kreaturen zu bejubeln oder die eigenen schönen Inseln für Massen johlender und prolliger Sauf Touristen freizugeben. Doch ausgerechnet ein Herr, der sich selbst Manix nennt, hat weitaus feinsinnigeres im Köpfchen und lässt uns mit seinem Projekt Pail auch daran teilhaben.

 
Interview: Spider //
 

Manix – ein Elektroniker, der auch zur Gitarre und Kochlöffel greift

 



 
 

»Meine Lieblingsfilme sind Metropolis, Lost Highway, V For Vendetta, Brazil, Blade Runner, Amanece Que No Es Poco (Spanish), Clockwork Orange, High Fidelity, Braindead, Crash, Wild At Heart, In The Soup, Videodrome, 12 Monkeys, Bad Lieutenant, Elephant, eXistenZ, The Wave, The experiment, Ghost in the Shell...«

...und wäre die Batterie unseres Tonband nicht leer gewesen, hätten wir noch sicherlich viel mehr tolle Filme erfahren!
 
 
 
 

PAIL
"Faith In The World"
Dann wollen wir uns doch mal einen Kübel Electronic Body Music gönnen. Aufgesetzt in der dritten Generation, beeinflusst von der zweiten Generation und weit entfernt von der ersten Generation dieser Stilrichtung. Textlich sehr ansprechend, reisen wir in eine Cyperpunk-Welt einer sich selbst zerstörenden Generation. Musikalisch saugt man einen angenehmen Geschmack durch den Strohhalm, aber eine besondere Note eines unverwechselbaren Aromas vermisst man etwas.

Und warum die Band in ihrem Schriftzug derart das Nine Inch Nails Logo-kopiert, ist mir schlicht ein Rätsel. Doch während diesem Gedanken werde ich von Pail in die „Hyper Reality“ zurück geholt, ein Song, der ihre Fähigkeit beweist, eine Schippe draufzulegen. Ich denke, es lohnt sich das Album zu erwerben, denn es ist definitiv ein Werk, in das man sich hineinhören kann. Ob sich Abnehmer für die zusätzliche, limitierte Variante zu 50 Euro finden, mag ich bezweifeln. (Spider)
VÖ: 20.05.11 // Caustic

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

ein Song „Hyper Reality“ beschreibt Deine Welt recht gut. Kalte, dunkle, aber dennoch harmonische Sequenzen sind der Soundtrack zu Deinen Texten über eine sich selbst zerstörende Gesellschaft. Wie erschaffst Du Deine Klangwelten?


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Manix: Es sind die Sounds meiner eigenen Synths, die mich anregen, jedes Lied auf den Weg zu bringen. Ich liebe es, in meinem Studio zu sitzen und neue Töne mit meinen Maschinen zu schaffen, sie bis zur Grenze auszureizen. Das ist der Grundstein für jeden Song von Pail. PAIL frisst natürlich von allen Musikeinflüssen, hauptsächlich von EBM oder Electro und Industrial, aus der Zeit Ende der achtziger Jahre und den neunziger Jahren, die auch größtenteils von Literatur und Film beeinflusst sind. Die 90er Jahre waren die ruhmvollste Periode des EBM, wo Bands wie FLA, Skynny Puppy, Individual Totem, Numb, Leather Strip, Wumpscut, Mentallo and the Fixer, X-Marks the Pedwalk, VAC, Hocico, Nitzer Ebb, Haujobb, Project Pitchfork... ihre besten Alben machten. Viele davon haben mich beeinflusst.
BODYSTYLER: Das war jetzt Musik. Und Literatur?
Manix: Bezüglich Literatur lese ich Essays oder Philosophiebücher, habe aber auch ein Auge auf Genres wie Romane, Biografien, Cyberpunk, Beat Generation usw. geworfen. Meine Lieblingsautoren sind Nietzsche, Michel Onfray, Noam Chomsky, William Gibson, Kerouac, George Orwell, Arthur C. Clarke, Philip K. Dick.
BODYSTYLER: Okay, Musik und Literatur haben wir abgehakt...
Manix: Bezüglich Filme habe ich kein bevorzugtes Genre, so lange es ein gut gemachter Film ist, der eine Geschichte interessant genug erzählt. Meine Lieblingsfilme sind Metropolis, Lost Highway, V For Vendetta, Brazil, Blade Runner, Amanece Que No Es Poco (Spanish), Clockwork Orange, High Fidelity, Braindead, Crash, Wild At Heart, In The Soup, Videodrome, 12 Monkeys, Bad Lieutenant, Elephant, eXistenZ, The Wave, The experiment, Ghost in the Shell...

Großartige Einflüsse, wohl wahr. Aber so eine Latte muss erstmal verarbeitet werden. Da bleibt nicht viel Platz für Eigeninterpretation in meinem überhitzten Hirn, deswegen ganz direkt:
BODYSTYLER: In welchem Zusammenhang ist der Albumtitel „Faith in the void“ zu sehen?
Manix: Der Titel "Faith in the void" greift nach dem Thema der Texte auf dem Album. Ich glaube, dass diese Gesellschaft ein blindes Vertrauen auf eine vorbestimmte Weise hat, die wichtigsten Aspekte unseres Lebens zu sehen oder zu verstehen, die uns als Menschen modelliert. Ich beziehe mich auf Religionen, auf das feststehende globale Wirtschaftsmodell, auf den Zugang und Empfang der Informationen, auf die soziale Abhängigkeit, die auf Erfolg und Verbrauch basiert. Die Gutgläubigkeit an diese Modelle hindert uns daran von einer gesunden freidenkerischen Tätigkeit Gebrauch zu machen und entfremdet uns völlig. Das ist, was ich mit dem "Glauben an die Leere" meine. Für mich ist dies ein Glauben an die Leere oder nichts.

Bei soviel Hintergedanken ist wohl anzunehmen, dass meine erste Assoziation zum Bandnamen nicht korrekt ist.
BODYSTYLER: Wie kamst Du auf den Bandnamen? Ich hoffe, er steht nicht im Zusammenhang mit der Deutschen liebsten spanischen Insel Mallorca, auf welcher der Wein im Eimer serviert wird und man diesen mit Strohhalmen trinkt.
Manix: Nein, er hat weder zu Mallorca noch dem Inselwein einen Bezug! PAIL ist ein Projekt, das alle meine künstlerischen Interessen zusammenbringt, damit alles in der Musik verbunden wird - in Kombination mit Grafik und Fotografie. Sowie inhaltlich meine Sorgen in Bezug auf Politik. Es ist meine kritische Analyse zu wirtschaftlichen, sozialen, religiösen Aspekten, die uns umgeben. Und Pail ist ein Eimer, in dem alle diese Aspekte gesammelt werden.

Da kommt mir inhaltlich und grafisch ein anderes Projekt in den Sinn.
BODYSTYLER: Warum ähnelt Dein Logo so sehr dem der Nine Inch Nails?
Manix: Ich gab diesen Bereich in die Hände meines Grafikdesigners. Meine einzige Richtlinie war, dass das Logo einfach und voller visueller Stärke sein sollte. Der Vorschlag war das gegenwärtige Logo, das ich sofort mochte. Ich denke, dass es Zufall war, dass es wie das von NIN aussieht und wahrscheinlich gibt es noch viele wie dieses.Es war nichts vorher Überlegtes.

Aber dafür hab ich mir was überlegt.
BODYSTYLER: Der Song „Silence“ brilliert mit einer gelungenen Verbindung aus Akkustikgitarre und Elektronik. Könntest Du Dir vorstellen ein Unplugged-Album aus Deinen Songs zu machen?
Manix: Bereits in jungen Jahren war ich Gitarrenspieler und die Wahrheit, ist, dass ich mich vollkommen in diese Rolle einfüge und die Möglichkeit habe, meine Songs akustisch zu spielen. Tatsächlich wurden einige auf der Akkustikgitarre entwickelt, wie im Fall von "Silence", aber auch anderen. Ich denke, dass es nicht sehr kompliziert sein würde.

Da wir gerade beim unkomplizierten Entwickeln und typischen Rollenverhalten sind.
BODYSTYLER: Bist Du ein begabter Heimwerker und denkst Du, ein Mann sollte auch kochen können?
Manix: Natürlich denke ich, dass die Unabhängigkeit einer Person durch seine Fähigkeit geschaffen wird, für sich selbst in allen Aspekten des Lebens zu sorgen, und da ist Essen einer davon und kochen sehr wichtig. Ich bin ein großer Liebhaber guten Essens. Ich koche gern, ich habe nur leider wenig Zeit, um mich auf diesem Gebiet zu verbessern. Die besten Köche der Welt sind Männer. Zumindest sollte jeder Mann wissen, wie man mindestens grundlegende Mahlzeiten kocht.

Ganz meiner Meinung und genauso wie ich ist er wohl nicht so ein begnadeter Bastler. Weder von Ikea-Schränken noch virtuellen Heimstätten.
BODYSTYLER: Bin ich zu blöd oder ist es wirklich so knifflig, Informationen zu Pail im Internet zu finden?
Manix: Du kannst auf folgender Internetseite Informationen zu Pail finden: www.causticrecords.com

Und ab sofort und unwiderruflich auf der geliebten Bodystyler-Seite, auf der alles so heiß serviert wird wie es gekocht wurde. //




Homepage: CausticRecords.com

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