Peter Murphy

"Ich halte mich für richtungsweisend!
"

Wer auch im Sommer die Haut gerne elegant blassweiß trägt, schlendert dieser Tage schon mal im Bauhaus vorbei, um sich eine neue Markise zu besorgen. Unter dieser kann man entspannt bei einer Flasche Merlot die gesammelten Werke von Peter Murphy genießen. Besonders interessiert uns natürlich seine Neunte. Nicht nur, weil es die aktuellste ist, aber lest selbst!
 
Interview: Spider //   Foto: Thomas Tadeus Bak //   
 

Peter Murphy: "Mr. Moonlight lebt und ist wohlauf"

 



 
 

»Die Mannschaft dachte, dass sie dem Kapitän etwas anhaben könnte, aber wenn der Kapitän das Meer selbst ist...«

Peter Murphy
 
 
 

 

Peter Murphy
"Ninth"
Den obersten Bauhaus-Kurator Peter Murphy muss man der Fachwelt nicht detailliert vorstellen. Seine Verdienste an der Gothic- und Post-Punk-Kultur sind wohlbekannt und unbestritten. So kann er auf seinem neunten Werk auch völlig leger aufspielen. Das tut er dann auch. Mit einer gehörigen Hommage an seine musikalischen Anfangstage, bestehend aus psychedelischen 70er Rock und einer ordentlichen Portion New Wave. Die Songs sind lange nicht mehr so sphärisch wie auf den Vorgängerwerken. Doch die knackig auf den Punkt gebrachten und sehr treibenden Stücke fesseln den Hörer mit ihren Melodien nach wie vor. Natürlich ist auch dieses Werk von der charismatischen und ergreifenden Sangesstimme des nie alternden dunklem Herren geprägt. Das sich dessen Stimmung aber auch lichten kann, beweist er mit Titeln wie "Memory go", das sich als Clubklopfer in jeder anspruchsvollen Indiedisco eignet, oder der straighten Rocknummer "The prince old lady shade" (Spider)
VÖ: 06.06.11 // Nettwerk

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ein aktuelles Werk hört sich an wie eine Zeitreise durch Deinen musikalischen Werdegang. Insgesamt klingen die Stücke aber sehr vital und rockig. In was für einer Stimmung sind sie entstanden? Spiegeln sie Deinen aktuellen Status Quo wider?


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Peter Murphy: Was mein gegenwärtiger Status quo ist? Da habe ich keine Idee, was das bedeutet. „Ninth“ ist eine Reihe von neuen Liedern, unbelastet, wie immer bei meinen neuen Arbeiten. Ich mochte die Richtung der Lieder, die sich entwickelten, als ich an ihnen schrieb, und wie sie immer mehr an Form gewannen. Ich schrieb sie größtenteils mit David Baron, meinem Co-Produzent, und ein Lied mit Mark Gemini Thwaite, der seit langer Zeit mein Lead-Gitarrist ist, und eins mit meinem alten Kollegen Paul Statham. Wir probten alle Lieder in einer Session, innerhalb nur einer Woche, in einer Wohnung, in einem umgewandelten Kirchenstudio. Dieses wurde übrigens nicht gewählt wegen einem modischen 'dunklen' Zusammenhang, sondern einfach, weil es dort eine fantastische natürliche Akkustik gab. Ich wollte mit meinen Musikern „in einem Zimmer“ zusammenspielen und dieses Besondere in die Aufnahme einfließen lassen. Die Songs an sich standen schon - mit oder ohne Session. Schlüsselwörter: Stolzieren; schöne Dichtung, in den Arsch tretend.

Das sind klare und unmissverständliche Worte. So einfach ist es mit manchem Songtitel nicht.
BODYSTYLER
: Deine Single "I spit roses" lässt viel Platz für Interpretation. Der Damenwelt mag das gefallen, aber kratzt das nicht im Hals? Da sind wir doch auf die Geschichte hinter den Lyrics gespannt.
Murphy: Damen? Die Geschichte handelt von einer gewaltigen Meuterei, die nicht funktionierte. Die Mannschaft dachte, dass sie dem Kapitän etwas anhaben könnte, aberwas ist, wenn der Kapitän das Meer selbst ist? Dann, als sie das Schiff versenkten, versenkten sie sich selbst. Mr. Moonlight lebt und ist wohlauf.

Das hört sich fast nach „Fluch der Karibik“ an, tatsächlich wirkte Peter Murphy aber in einem anderen Blockbuster mit.
BODYSTYLER: Du hattest eine Gastrolle als Vampir in „Twilight – Eclipse“. Hast Du hinter den Kulissen die jungen Vampire übers Knie gelegt und ihnen Manieren beigebracht?
Murphy: Nein.

Toleranz für Nachwuchs Vampire. Mal schaun, ob auch für die eigene Gilde.
BODYSTYLER: Deine Band Bauhaus hat ein ganzes Genre geprägt. Welchen aktuellen Bands traust Du Ähnliches zu und welche Bands aus Eurer Ära hältst Du nach wie vor für richtungweisend?
Murphy: Mich.

Keine anderen Götter unter der Markise. Auf der ist übrigens eine Krähe gelandet und hat mich mit ihrem Gekrächze so erschreckt, dass ich glatt, vor lauter Schreck, den kostbaren Kristallkelch vom Tisch gefegt und zerdeppert habe.
BODYSTYLER: Ich, als ausgesprochener Schussel, werde häufig mit Murphys Law konfrontiert. Passiert Dir das auch oder schützt Dich Dein Nachname?
Murphy: Wenn es passiert, ist es lustig, erfreulich und beabsichtigt. Ich glaube, dass mein eigenes Gesetz mich nicht betrifft. Ein guter Gedanke.

So wohl behütet, können wir Peter Murphy beruhigt entlassen und uns an seinem neuen Album erfreuen. Es war bestimmt nicht das letzte. //




Homepage: PeterMurphy.info

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