993 folgte dann die etwas ruppigere "Boaphenia". Alben, die einen Soundtrack zu zahlreichen Erinnerungen bilden - im Zuge der Wiederveröffentlichungen der Remastered Reihe, sicher auch beim Erschaffer selbst.

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BODYSTYLER: Was für Gefühle wecken die Wiederveröffentlichungen von "Helios" und "Boaphenia" in Dir? Sicher tauchen an die Zeit, als Du diese Alben aufnahmst, einige positive und vielleicht auch negative Erinnerungen auf. Was sind die prägnantesten?
Phillip Boa: Es sind Erinnerungen an eine Zeit, in der man ohne Zeitlimit und Druck im Studio zusammen rumhängen konnte und unglaubliche Freiheit fühlte - als Mensch und als Kreativer. Der Wunsch und die Vision war es, etwas Anderes zu schaffen, als andere Künstler/Vorbilder es bereits getan hatten: Soundtracks, die Gefühle jeglicher Art transportieren können. Es war magisch. Helios + Boaphenia enthalten viele Songs, die man sich erstmal erarbeiten muss, dann versteht und sie dann (hoffentlich) für immer liebt. Die Songs sind zeitlos. Es ging darum, viele kleine Facetten in 4 Minuten-Kunstform / Hörerlebnis zusammenzubringen. Negative Erinnerungen: Die Zeit war auch geprägt von viel Aggression, Wut, Verzweiflung. 1991 war es zwischen mir und Pia noch schön, bei Boaphenia war es schon nicht mehr so. Ich trieb mich in Malta und London herum und machte, was ich so gerade wollte. Boaphenia klingt also mehr nach Freiheit und Leichtigkeit
BODYSTYLER: Auf diesem Album bezeichnest Du Dich selbst als "Hyperactive Cracker". Hyperaktive Kinder müssen heutzutage als Synonym für eine gescheiterte Bildungspolitik herhalten. Hat Dir diese Charaktereigenschaft in Deiner Karriere geholfen? Siehst Du eine verfehlte Bildungspolitik in Deutschland und gibt es in Deiner zeitweiligen Wahlheimat Malta Unterschiede in dieser?
Boa: Nicht alle Songs sind autobiografisch. "Hyperactive Cracker" und "Master of Demona" schreien einfach etwas heraus: "Freiheit, Liebe, Sex, Größenwahnsinn etc.". Ich bin Songwriter und die deutsche Bildungspolitik oder die europäische interessiert mich nicht, wird sie doch von den jeweiligen Reformperioden der Parteien geprägt und nicht von Sinn und Verstand.
Im Gegensatz zu Parteien, die immer stur ihren Programmen folgen, schaut sich Phillip Boa in allen musikalischen Lagern um. Und auch wenn die Bodystyler-Leser ebenfalls kulturell äußerst vielseitig geprägt sind, macht es zuhause doch immer am meisten Spaß.
BODYSTYLER: Du hast keine Scheu Dich mit anderen Stilrichtungen zu verknüpfen. So standest Du in der Vergangenheit beim Dark Storm-Festival mit And One und Hocico auf der Bühne. Es gibt einen Remix von VNV Nation für Deine Single "So what" und Kiew spielten Support für Dich. Waren das eher zufällige Begegnungen oder interessierst Du Dich für diese Art elektronischer Musik?
Boa: Ich interessiere mich für alle Arten von Musik. Ich mag es, wenn meine Musik von Elektronikern interpretiert wird. Ich mag das - das macht für mich Sinn. Ich selbst würde so etwas auch gern machen, höre durchaus auch Elektronik, habe mich aber für meine Rolle als Songwriter entschieden, weil ich das doch besser kann. VNV Nation, Aphex Twin, KiEw (wird noch passieren) oder Zombie Nation, LFO etc.: Das sind alles Mixe/Interpretationen, die zu meinem Lebenswerk dazugehören und das soll auch so weitergehen.
Das ist eine ordentliche Schlange an Interpretationen des Lebenswerks, aber wie sieht sich Phillip Boa selbst in seinem Leben.
BODYSTYLER: Die Boa Constrictor ist eine monotypische Gattung. Was ist das monotypische an Boa Phillip in der Gattung der Musiker ?
Boa: Ich mag es nicht, mich selbst zu beschreiben. Vielleicht eines: Konsequenz. Ich mach immer nur das, wovon ich überzeugt bin. Und wenn ich eines Tages nicht mehr stolz in den Spiegel sehen kann, ist mein Dasein beendet.
Kürzlich endete auch das Dasein des geknechteten Eisbären Knut, der von aller Welt betrauert wurde. Andere alternative Tierstars blieben dagegen für lange Zeit unerwähnt.
BODYSTYLER: Was ist eigentlich aus dem Hund geworden, der so charmant für das "Boaphenia" Cover posierte ?
Boa: Der geniale arme Hund namens KID ist vor etwa 10 Jahren gestorben. Er hatte einen guten Charakter und ich habe ihn sehr gemocht. Sein Herrchen konnte ich irgendwann nicht mehr sehen, weil ich als Melancholiker bei einem Treffen mit ihnen immer vor wehmütiger Erinnerung zusammengebrochen bin. Leider.
Die Zeiten um "Boaphenia" und "God" waren die besten meines Lebens und ich komme damit nicht mehr zurecht, kann viele Menschen aus dieser Zeit nicht mehr sehen, weil sie mich seelisch komplett durcheinanderbringen. Also verdränge ich es, wo es nur geht ... aber die Songs, die bleiben für immer. //
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