Phillip Boa

"Ich bin Songwriter. Die deutsche Bildungspolitik interessiert mich nicht
!"

Im Jahre 1991 war den Kennern der alternativen Musikszene der Name Phillip Boa & The Voodooclub natürlich nicht nur ein Begriff, man hechelte jeder seiner neuen Veröffentlichungen entgegen. Die ewigen Nörgler, denen seine Musik zu kommerziell wurde, waren längst abgeschüttelt. So teilte man die wunderbaren Melodien von "Helios" gerne mit einer größeren Öffentlichkeit.
 
Interview: Spider //   
 

Phillip Boa: "Songs bleiben für immer!"

 



 
 

»Die Zeiten um 'Boaphenia' waren die besten meines Lebens und ich komme damit nicht mehr zurecht, kann viele Menschen aus dieser Zeit nicht mehr sehen!«

Phillip Boa verdrängt so gut es geht
 
 
 

PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB
"Helios"
Nachdem 2006 bereits drei Alben remastered wiederveröffentlicht wurden, folgt dieses Jahr der zweite Streich der Aufarbeitung der Erfolgsgeschichte von Phillip Boa and the Voodoo Club. Wieder mit Extrasongs auf der CD und begleitender Tour. Was gibt es nun zu "Helios" zu sagen? Dass es wohl die Hochkultur des Meisters Ausflug in die anspruchsvolle Pop Musik ist. Und jeder, der es nicht kennt, den Poppes versohlt bekommt. Es gibt sicherlich ein paar Indie-Puristen, denen das Werk viel zu kommerziell ist, aber Scheiß auf die "ich hör nur Musik, die außer mir keiner kennt"-Attitüde. Zumindest in diesem Fall, weil das Album einfach durch brillante Kompositionen besticht.
Die angehängten Raritäten sind in der Ausarbeitung ein Hauch grobkörniger. Der abschließende 2011er Mix vom Klassiker "And then she kissed her" beweist, das "Helios" auch zwanzig Jahre nach Erstveröffentlichung im hellsten Licht erstrahlt. (Spider)
VÖ: 04.03.2011 Vertigo / Universal






PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB
"Boaphenia"
"Boaphenia" ist der zweite Part der diesjährigen Wiederveröffentlichungen von Phillip Boa and the Voodooclub - auch remastered. Was bei mir meist eigentlich nur bedeutet, dass man die Stereoanlage nicht mehr ganz so dolle aufdrehen muss, um einen optimal dröhnenden Sound zu haben. Diesmal höre ich allerdings mehr heraus. Sicher ist das Album eine gewisse Rückkehr zu den raueren Gitarren und wuchtigeren Percussione-Einsätzen der Boaschen Anfangstage. Doch bei dieser Neubearbeitung hört man doch so einige melodiöse Kringel mehr und detaillierter heraus. Mit dem Ergebnis einer nahtloseren Verbindung als Nachfolger zu "Helios" als es noch vor 18 Jahren schien. Von der Qualität waren die beiden Alben aber schon immer nahezu auf einem Level. Allerdings können die beigefügten Raritäten und zwei unveröffentlichte Songs nicht die hohe Messlatte des eigentlichen Albums überspringen. (Spider)
VÖ: 04.03.2011 Vertigo / Universal

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PhillipBoa.de
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

993 folgte dann die etwas ruppigere "Boaphenia". Alben, die einen Soundtrack zu zahlreichen Erinnerungen bilden - im Zuge der Wiederveröffentlichungen der Remastered Reihe, sicher auch beim Erschaffer selbst.


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BODYSTYLER: Was für Gefühle wecken die Wiederveröffentlichungen von "Helios" und "Boaphenia" in Dir? Sicher tauchen an die Zeit, als Du diese Alben aufnahmst, einige positive und vielleicht auch negative Erinnerungen auf. Was sind die prägnantesten?
Phillip Boa: Es sind Erinnerungen an eine Zeit, in der man ohne Zeitlimit und Druck im Studio zusammen rumhängen konnte und unglaubliche Freiheit fühlte - als Mensch und als Kreativer. Der Wunsch und die Vision war es, etwas Anderes zu schaffen, als andere Künstler/Vorbilder es bereits getan hatten: Soundtracks, die Gefühle jeglicher Art transportieren können. Es war magisch. Helios + Boaphenia enthalten viele Songs, die man sich erstmal erarbeiten muss, dann versteht und sie dann (hoffentlich) für immer liebt. Die Songs sind zeitlos. Es ging darum, viele kleine Facetten in 4 Minuten-Kunstform / Hörerlebnis zusammenzubringen. Negative Erinnerungen: Die Zeit war auch geprägt von viel Aggression, Wut, Verzweiflung. 1991 war es zwischen mir und Pia noch schön, bei Boaphenia war es schon nicht mehr so. Ich trieb mich in Malta und London herum und machte, was ich so gerade wollte. Boaphenia klingt also mehr nach Freiheit und Leichtigkeit
BODYSTYLER: Auf diesem Album bezeichnest Du Dich selbst als "Hyperactive Cracker". Hyperaktive Kinder müssen heutzutage als Synonym für eine gescheiterte Bildungspolitik herhalten. Hat Dir diese Charaktereigenschaft in Deiner Karriere geholfen? Siehst Du eine verfehlte Bildungspolitik in Deutschland und gibt es in Deiner zeitweiligen Wahlheimat Malta Unterschiede in dieser?
Boa: Nicht alle Songs sind autobiografisch. "Hyperactive Cracker" und "Master of Demona" schreien einfach etwas heraus: "Freiheit, Liebe, Sex, Größenwahnsinn etc.". Ich bin Songwriter und die deutsche Bildungspolitik oder die europäische interessiert mich nicht, wird sie doch von den jeweiligen Reformperioden der Parteien geprägt und nicht von Sinn und Verstand.

Im Gegensatz zu Parteien, die immer stur ihren Programmen folgen, schaut sich Phillip Boa in allen musikalischen Lagern um. Und auch wenn die Bodystyler-Leser ebenfalls kulturell äußerst vielseitig geprägt sind, macht es zuhause doch immer am meisten Spaß.
BODYSTYLER
: Du hast keine Scheu Dich mit anderen Stilrichtungen zu verknüpfen. So standest Du in der Vergangenheit beim Dark Storm-Festival mit And One und Hocico auf der Bühne. Es gibt einen Remix von VNV Nation für Deine Single "So what" und Kiew spielten Support für Dich. Waren das eher zufällige Begegnungen oder interessierst Du Dich für diese Art elektronischer Musik?
Boa: Ich interessiere mich für alle Arten von Musik. Ich mag es, wenn meine Musik von Elektronikern interpretiert wird. Ich mag das - das macht für mich Sinn. Ich selbst würde so etwas auch gern machen, höre durchaus auch Elektronik, habe mich aber für meine Rolle als Songwriter entschieden, weil ich das doch besser kann. VNV Nation, Aphex Twin, KiEw (wird noch passieren) oder Zombie Nation, LFO etc.: Das sind alles Mixe/Interpretationen, die zu meinem Lebenswerk dazugehören und das soll auch so weitergehen.

Das ist eine ordentliche Schlange an Interpretationen des Lebenswerks, aber wie sieht sich Phillip Boa selbst in seinem Leben.
BODYSTYLER
: Die Boa Constrictor ist eine monotypische Gattung. Was ist das monotypische an Boa Phillip in der Gattung der Musiker ?
Boa: Ich mag es nicht, mich selbst zu beschreiben. Vielleicht eines: Konsequenz. Ich mach immer nur das, wovon ich überzeugt bin. Und wenn ich eines Tages nicht mehr stolz in den Spiegel sehen kann, ist mein Dasein beendet.

Kürzlich endete auch das Dasein des geknechteten Eisbären Knut, der von aller Welt betrauert wurde. Andere alternative Tierstars blieben dagegen für lange Zeit unerwähnt.
BODYSTYLER
: Was ist eigentlich aus dem Hund geworden, der so charmant für das "Boaphenia" Cover posierte ?
Boa: Der geniale arme Hund namens KID ist vor etwa 10 Jahren gestorben. Er hatte einen guten Charakter und ich habe ihn sehr gemocht. Sein Herrchen konnte ich irgendwann nicht mehr sehen, weil ich als Melancholiker bei einem Treffen mit ihnen immer vor wehmütiger Erinnerung zusammengebrochen bin. Leider.

Die Zeiten um "Boaphenia" und "God" waren die besten meines Lebens und ich komme damit nicht mehr zurecht, kann viele Menschen aus dieser Zeit nicht mehr sehen, weil sie mich seelisch komplett durcheinanderbringen. Also verdränge ich es, wo es nur geht ... aber die Songs, die bleiben für immer. //


     

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