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Psyche

"Wir waren beide sehr zerbrechlich!"


Dwayne Goettel wurde im August 1995 tot in der Wohnung seiner Eltern aufgefunden. Im Alter von 31 Jahren war es eine Überdosis Heroin, die sein Leben beendete. Über weitere Hintergründe kann natürlich spekuliert werden, aber sicher ist, dass die (Musik-)Welt an diesem Tag eine wichtige Persönlichkeit verlor.

 
Interview: Torsten Pape //     
 

Psyche Tagebuch 1993: "Wie ein Wissenschaftler verhalten!" (Fahre mit der Maus über das Bild)

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» Wir waren eine Band, die mit Drogen nichts am Hut hatte. Die Jungs von Skinny Puppy waren da ganz anders drauf!«
Darrin Huss
 
 
 
PSYCHE
"Re-membering Dwayne"
Wer sich in Psyches Bandhistorie auskennt, wird schnell dahinter kommen, auf wen der Titel dieses Albums anspielt. Der vor 15 Jahren zu früh verstorbene Dwayne Goettel war lange Mitglied bei Skinny Puppy und mischte eben auch kurze Zeit bei den Huss-Brüdern mit. Dies geschah zu einer Zeit, als diese sich noch den düsteren Klanglandschaften fernab des Synthiepops verschrieben hatten. Perlen aus jener Schaffensphase wie „Torture“, „Krieg“ oder die überragenden „The crawler“ und „Eye of the hurricane“ lassen Nostalgikerherzen höher schlagen. Den Sprung in die Neuzeit versucht man auf dieser Zusammenstellung mit Hilfe von Remixen, wobei Dead When I Found Her, PNE und Controlled Collapse gute Arbeit leisten. Fazit: Historisch wertvoll, obwohl zwei/drei Ausgrabungen verzichtbar gewesen wären! (Torsten Pape)
VÖ: 07.09.10 // Art Of Fact

 
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Myspace.com/Psyche
 
 
 
 

un, 15 Jahre später, soll ein Album der Band PSYCHE an diesen Menschen erinnern - teilweise als memento mori, teilweise als Abschluss und Befreiung seitens des damaligen wie heutigen Bandkopfes Darrin Huss. 25 Jahre nach dem Debütalbum wird nun ein Bogen zu den Anfängen geschlagen und ein Kreis scheint sich zu schließen...

BODYSTYLER: Es gibt von Psyche schon einige Veröffentlichungen, die sich mit rarem und unveröffentlichtem Material beschäftigen. Nimmt man sich all eure exklusiven Samplerbeiträge dazu, müsste man vermuten, dass die Archive bald leer sind...
Darrin Huss: Ha ha, ja so ist es! Mittlerweile ist wirklich alles auf dem Markt, was ich je aufgenommen habe, abgesehen von zahlreichen Live-Aufnahmen. Mit "Re-Membering Dwayne" habe ich außerdem endlich einen Platz für "Fragility" und "Nightmare" gefunden, für die ich zuvor keine passende Verwendung hatte.

BODYSTYLER: Zu welchem der nun veröffentlichten Stücken kannst du nach all den Jahren die größte emotionale Verbindung herstellen und wie sieht es mit einer Liveumsetzung des Materials aus?
Darrin Huss: Wir spielen immer noch ab und zu "The Crawler". Ich finde, dieser Song setzte damals wichtige Maßstäbe für den Sound von Psyche. Momentan hat es übrigens "Krieg" zum allerersten Mal seit der Studioaufnahme ins Live-Programm geschafft. Ich kann mich nach all den Jahren noch erstaunlich gut mit Sound und Text identifizieren. "Torture" höre ich mir lieber nur an und kann mir im Moment nicht vorstellen, das Lied zu singen, da es wohl etwas zu skurril für unser aktuelles Programm ist.

BODYSTYLER: Ist es richtig, wenn ich vermute, dass du "Fragility" aus der Sicht von Dwayne singst? Beschreibe doch bitte noch einmal kurz, was du mit diesem Stück zum Ausdruck bringen möchtest!
Darrin Huss: Ich habe den Song für Dwayne geschrieben und beschreibe darin unsere Beziehung zu der Zeit. Damals war alles sehr intensiv. Ich denke, dass wir beide sehr zerbrechlich waren und er sogar noch mehr als ich dachte. Als ich gehört hatte, dass er gestorben war, wollte ich ihm diesen Song als eine Art Hilfeschrei widmen.

BODYSTYLER: Gibt oder gab es eigentlich längeren Kontakt zu den anderen Mitgliedern von Skinny Puppy? Stellte Dwayne zu Lebzeiten eine Verbindung zwischen beiden Bands her? Welchen Bezug hast du zum Schaffen von Skinny Puppy?
Darrin Huss: Nein, ich habe die Band nie getroffen. Wir sahen sie damals als Konkurrenz an und als Dwayne plötzlich bei ihnen als neues Mitglied auftauchte, waren unsere Wut und die Enttäuschung groß. Es hat ewig gedauert, sie als Kollegen zu akzeptieren. Zunächst war Psyche der einzige Horror-Synth-Act und Dwayne hatte mit unserer Präsentation eigentlich ein Problem. Welche Ironie, dass er dann bei Skinny Puppy eingestiegen ist! Wir waren zudem eine Band, die mit Drogen nichts am Hut hatte und haben zu diesem Thema "Brain collapses" geschrieben. Die Jungs von Skinny Puppy waren da ganz anders drauf, wenn man den Geschichten glaubt, die ich gehört habe.

BODYSTYLER: Meinst du, dass Dwayne heutzutage bei Psyche eine Rolle hätte spielen können?
Darrin Huss: Es ist bedauerlich, dass ich das nicht mehr herausfinden kann. Falls er Skinny Puppy in den 90ern verlassen hätte, wäre es interessant gewesen, mit ihm darüber zu diskutieren, aber ich habe ihn seit 1984 nie wieder gesehen.


Dwayne und Darrin: der einzige Horror-Synth-Act
»Es hat ewig gedauert, Skinny Puppy zu akzeptieren!«


BODYSTYLER:
Wie kam es zum Kontakt zu den einzelnen Remixern? Kanntest du sie bereits vor dieser Zusammenarbeit?
Darrin Huss: "Dead When I Found Her" ist ein neuer Act, der bei unserem Label Artoffact erschienen ist. Von daher fanden wir es passend, dass sie ein Update machen. Mit "Controlled Collapse" bin ich schon länger befreundet und "PNE" kamen dazu, weil sie sehr gut die spätere Industrial-Generation repräsentieren. The Phantom Skins habe ich auch erst letztens kennengelernt und ihr Mix ist eine Art Debüt.

BODYSTYLER: Warum habt ihr „Cheated“ mit auf die Platte genommen, das soundtechnisch als einziges Stück wahren Demo-Charakter hat?
Darrin Huss: Ich habe lange nach einer besseren Version gesucht, aber leider nur den Track von unserer DVD „Imaginary life“ gefunden. Der Song durfte jedoch auf keinen Fall fehlen, weil es einer der letzten Titel ist, die wir mit Dwayne geschrieben haben.

BODYSTYLER: Wann ist wieder mit brandneuem Material zu rechnen? Kannst du schon andeuten, was man davon erwarten darf?
Darrin Huss: Zurzeit macht es mir so viel Spaß "Re-Membering Dwayne" anzuhören, dass ich mich frage, ob es nicht einen modernen Weg gibt, um daran anzuknüpfen. Bei Psyche verhalte ich mich oft wie ein Wissenschaftler. Ich habe kein neues Album seit "The 11th Hour" gemacht, weil ich dachte, dass es seitdem nichts mehr zu sagen oder entdecken gibt. Nun forsche ich und bastele nach fünf Jahren langsam wieder an einem neuen Statement. Ich will das Publikum immer wieder überraschen und versuche, der Zeit voraus zu sein. Es wird jedoch immer schwieriger etwas Einzigartiges zu erschaffen und trotzdem damit erfolgreich zu sein. Im nächsten Jahr bringen wir in Vorbereitung auf ein neues Album zunächst "Insomnia Theatre" auf Vinyl heraus und eventuell noch ein Remaster von "The Influence". Auf jeden Fall suche ich die ultimative Mischung aus Harmonie und Experimentellem und bin genauso gespannt auf das Ergebnis wie die Fans, die auf ein neues Psyche-Album warten.



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Homepage: Psyche-HQ.de

© 2010 // Bodystyler Electrozine //
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