QEK Junior

"Der typische QEK Junior-Fan ist meistens männlich oder weiblich und zwischen 16 und 55 Jahre alt!"


In aller Freundschaft schieben die New Wave-Minimalisten von Qek Junior ihr neues Album unter den Tannenbaum. Da gibt es für uns natürlich so manches zu erkunden zwischen analogen Sequenzen und Texten über das menschliche Dasein in einer kalten und sterilen Welt. Da aber kurz vor Weihnachten jeder so im Stress ist, haben wir den Qeker Junioren Dominic Daub mit etwas angelockt und fürs Interview erwärmt, dem ein Musiker selbst im größten Trubel nicht widerstehen kann...

 
Interview: Spider //      
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Qek Junior bestaunen die Höchstleistungen der E-Jugend der Jugendspielgemeinschaft Külz Hunsrück

 



 
 

»Ein mieser Song bleibt ein mieser Song, auch wenn er mit moderner Technik auf Hochglanz poliert wird. Das ist wie mit Hundescheiße: Die bleibt im Kern immer Hundescheiße - auch wenn man sie mit Puderzucker bestäubt und ein Deko-Schirmchen reinpiekst!«

 
 
 
 

QEK Junior
"Druschba"
Wenn der Junior quiekt, dann kann dies ganz unterschiedliche Gründe haben. Um diese zu erfahren, empfehle ich die Lektüre von Familie & Co. Was aber, wenn der Junior qekt? Dann erkennt der Bodystyler, seines Zeichens Fachzeitschrift für elektronische Töne, minimalistisches. Dieses Werturteil bezieht sich aber auf die reine Klangerzeugung, was heißen soll: die Töne klingen nach Instrumenten aus der Zeit als die Herstellung von strombetriebenen Tasteninstrumenten noch in den Kinderschuhen steckte. Dem Kenner fällt auf, dass die Melodieführung dabei zumeist melodischer ausgefallen ist als auf dem Vorgänger "Ausverkauf". Die lyrische Aussage dieses Werks schwankt zwischen persönlichen Alltagsgeschichten und philosophischen Kleinoden. Wie in dieser Stilrichtung oftmals üblich sinniert man auch über die Misstände einer hochtechnisierten Welt wie in "Kontrolle ist besser". Doch trotz aller trostlosen Grundstimmung, welche Titel und Thesen beherrscht, spürt man den funkelnden Willen der tapferen Musiker den Kampf dagegen aufzunehmen. (Spider)
VÖ: 21.12.2011 // Kernkrach





 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

ollen wir trotz der frühlingshaften Temperaturen zusammen einen Glühwein trinken und ein Weihnachtslied singen, in froher Erwartung Eures kommenden Albums?


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DOMINIC DAUB: Frühlingshafte Temperaturen? Herr im Himmel... Wo wohnst Du denn? Ich glaube, Preussisch-Sibirien liegt im Hunsrück... Hier hat es seit Tagen nicht mehr als 5° Celsius. Und daher fließt der gute alte Glühwein schon in Strömen! Und Weihnachtslieder singen - na ja, weißt Du - wir sind ja nicht sonderlich musikalisch...
Ach wir verwöhnten Deutschen jammern schon über +5°C und schlottern uns einen ab, oder ist es einfach nur ein Vorwand Glühwein zu trinken? Aber es ist schon richtig, Weihnachtslieder singen ist wirklich genauso scheußlich wie -30°C im echten Sibirien. Deswegen gleich ran ans gar nicht so unmusikalische Eingemachte.
BODYSTYLER: Der Titel "Druschba" bedeutet Freundschaft. Warum dieser Albumtitel bei der doch eher düster-skeptischen Grundstimmung der Albumtexte?
DOMINIC DAUB: Öhm - um ehrlich zu sein: Wir hatten ziemliche Probleme, einen Termin für ein Promophotoshooting zu finden. Dann war das Album plötzlich im Kasten und gemastered - und wir hatten kein Photo. Zuerst sollte auf das Cover ja nur eine Betonstruktur... Und dann hatten wir die Idee - warum machen wir es nicht wie die Dead Kennedys und packen einfach ein „fremdes Bild“ auf das Cover? Tja, und da waren wir schon beim Bruderkussphoto. Der Entwurf unseres Grafikers Jens Freibert gefiel uns dann so gut, dass wir es auf die Frontseite statt auf die Rückseite packen mussten. Der Titel „Druschba“ war dann nur noch die letzte Konsequenz - und kam am Schluss dazu. Wegen der freundlich knutschenden älteren Herren! Eigentlich sollte das Album ja mal „Herrengedeck“ heißen.
Nein, der Glühwein muss reichen. Ein Herrengedeck schenke ich jetzt nicht auch noch aus, schließlich wollen wir uns nun den Tiefen der Lyrik widmen.
BODYSTYLER: In Euren Texten schwankt Ihr zwischen klaren Aussagen und philosophischen Ausschweifungen. Schizophrenie oder Unentschlossenheit?
DOMINIC DAUB: Klare Aussagen sind mir dann wichtig, wenn mir irgendwas so richtig auf den Zeiger geht. Wie zum Beispiel bei „Kontrolle ist besser!“, das sich mit Vorratsdatenspeicherung auseinander setzt. Stücke wie „Genug ist genug“ lassen Interpretationsspielräume, und manchmal macht es einfach Spaß, eine grundsätzliche Aussage auf ein, zwei Zeilen zu verdichten -wie bei „Rest“. Ob das jetzt philosophisch ist? Keine Ahnung. Pseudointellektuelle Betroffenheitslyrik und „rein-raus-Nikolaus“-Texte wären auf Dauer ja auch nicht wirklich schön.
BODYSTYLER: Im Song "Tick Tick Tick" sprengt Ihr das Zeitgefüge. Was ist cooler? 24-Stunden-Tag oder 24-Stunden-Nacht oder funktioniert das nur im Wechselspiel?
DOMINIC DAUB: Also mein Therapeut meint ja, dass gerade in meiner jetzigen Situation klare Strukturen ganz, ganz wichtig für mich sind - also achte ich schon darauf, dass ich nach ner Party auch acht Stunden Schlaf bekomme. Prinzipiell bin ich ja nachtaktiv, nachts hab ich die besten Ideen. Oder unter der Dusche. Manchmal aber auch beim Laufen. Und um ehrlich zu sein - dass ich das letzte Mal 24 Stunden durch gemacht habe, ist wohl Jahre her. Das Alter...
BODYSTYLER: Apropos Alter, warum spielt Ihr eigentlich auf so alten Tasteninstrumenten? Die neuen Dinger haben doch viel mehr Wumms für "4 on the floor"?
DOMINIC DAUB: Ach, Wumms wird total überbewertet. Außerdem haben analoge Synthies und Drumcomputer auch ein ganz schönes Pfund. Und die können neben Wumms sogar noch Fieps und Schlonz! Wir sind ja gar nicht soooo innovationsfeindlich - „Rest“ zum Beispiel ist komplett auf einem Nintendo DS mit „Korg DS 10“ entstanden. Und bei „Song 047“ ist nur ein Korg Kaossilator mit ein paar Effekten zu hören - diese „freiwillige Selbstbeschränkung“ führt dazu, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, ohne uns in irgendwelche endlosen Diskussionen über dieses oder jenes Plug-In oder die perfekte Studiotechnik zu verstricken. Ich meine - wir machen ja quasi „Homerecording“ und nehmen alles mit einem 8-Spurer und zusammengekauften Second-Hand-Geräten auf. Die ganzen Perfektionisten, die sich heute mit „Recording“ beschäftigen, würden wahrscheinlich das kalte Kotzen bekommen, wenn sie unsere Instrumente, unser „Studio“ und unsere Arbeitsweise sehen würden. Wir haben ja auch gar nicht den Anspruch, „perfekt“ zu klingen. Und um ehrlich zu sein: Ein mieser Song bleibt ein mieser Song, auch wenn er mit moderner Technik auf Hochglanz poliert wird. Das ist wie mit Hundescheiße: Die bleibt im Kern immer Hundescheiße - auch wenn man sie mit Puderzucker bestäubt und ein Deko-Schirmchen reinpiekst.
Und ein Qek Junior bleibt ein schnukeliger Wohnwagen und wird auch mit feuerrotem Anstrich nicht zum Wohnmobil.
BODYSTYLER: Verbringt Ihr Euren Urlaub immer im Wohnwagen?
DOMINIC DAUB: Nö. Die letzten Jahre waren wir in Tschechien, Österreich und auf Rügen unterwegs. Tobias fährt gern nach Portugal. Das wär auch mit dem QEK zu weit. Den nutz ich lieber für Kurztrips in die nähere Region. Oder zum Kreativwochenende mit Dosenbier.
BODYSTYLER: Wie sieht eigentlich ein typischer QEK Junior-Fan (also von der Band, nicht vom Wohnwagen) aus?
DOMINIC DAUB: Der typische QEK Junior-Fan ist meistens männlich oder weiblich und zwischen 16 und 55 Jahre alt. Er oder sie trägt meistens geblümte Unterwäsche und darüber Oberbekleidung in gedeckten Farben, bläulich oder rot mit einer leichten Tendenz zum Grünen. Viele sind Vegetarier, einige mögen aber auch Rinderfilets oder aber auch ein traditionelles Eintopfgericht mit Wursteinlage. Sie arbeiten in Fabriken oder Büros oder aber auf dem Bau, manche auch an Universitäten oder in medizinischen Forschungseinrichtungen. Ansonsten verbindet sie wenig. Nach unseren Facebook-Statistiken reden übrigens mehr Frauen als Männer über QEK Junior. Aber das scheint ja in der Natur der Sache zu liegen und muss nicht unbedingt mit uns zusammen zu hängen.
Als Mann ist man tatsächlich mit seinen limitierten 1000 Wörtern täglich etwas benachteiligt. Gehen deshalb so manchem Musikjournalisten die Schubladen aus?
BODYSTYLER: Wenn Gitarren-Bands Musik machen, die von der guten alten Zeit beeinflusst ist, nennt man das bedeutungsschwanger "Post-Punk", die Elektroniker sind einfach nur „minimal”. Ist das gerecht?
DOMINIC DAUB: Nein, definitiv nicht. Ich würde schon sagen, dass wir Post Punk machen. Oder aber New Wave - weil ich in der Schule gelernt habe, dass New Wave die Überwindung des Punks mit anderen Mitteln ist. Und ne gewisse Punk-Attitüde haben wir schon - musikalisch, aber auch von den Texten her. Das schönste Lob war mal das eines Punks, der uns auf dem Kernkrach-Festival live gesehen hat und mit Elektronik kaum was zu tun hatte. Der meinte, wir würden ihn an „Fliehende Stürme“ erinnern. Das fand ich toll!
Die Fliehenden Stürme haben dem Bodystyler übrigens ein Interview verweigert. Grund genug noch mehr in die Nähe von Qek Junior zu rücken.
BODYSTYLER: Nennt mir doch bitte drei Gründe nach Külz Hunsrück zu ziehen?
DOMINIC DAUB: Also der Bäcker macht den besten Hefezopf nordwestlich von Simmern. Der Trainer der E-Jugend der Jugendspielgemeinschaft ist sehr engagiert und treibt die Jungs zu Höchstleistungen an. Und dann wird Külz für seine regenerative Energiepolitik gelobt. Das kann man jetzt gut finden, muss man aber nicht.
Doch wir finden regernative Energie klasse, das kann nur noch durch sprühenden Wortwitz und leuchtende Schlagkraft in unserem Finale getoppt werden.
BODYSTYLER: Zum Abschluss ein paar Entweder- Oder-Fragen:
Bakterielle Infektion oder Gesund und Munter?
DOMINIC DAUB: Bakterielle Infektion schätze ich sehr, aber wenn es geht, bleib ich doch gesund und munter.
BODYSTYLER: Schwarze Balken oder Bunte Kreise?
DOMINIC DAUB: Bunte Kreise - am liebsten auf 70er-Jahre Textilien im Ilja-Richter-Style. Licht aus - Spot an!
BODYSTYLER: Blockflöte oder Akkordeon?
DOMINIC DAUB: Akkordeon - wie bei Nouvelle Vagues Version von „Fade to grey“. Saugeil.
BODYSTYLER: Der Graf oder Andrea Berg?
DOMINIC DAUB: Beide. Im Duett bei Hansi Hinterseers „Hüttenzauber in den weihnachtlichen Alpen“ - und bitte, bitte: Ave Maria! Ich glaube, die deutsche Jugend braucht wieder Idole, an denen sie sich orientieren kann. Gerade jetzt, wo Stefanie Hertel und Stefan Mross getrennte Wege gehen. Das hat mich ja auch sehr, sehr betroffen gemacht.
BODYSTYLER: Bauhaus oder Ikea?
DOMINIC DAUB: Ich glaub Ikea hat mit seiner „preiswerte, funktionale Möbel für alle“-Philosophie ziemlich viel vom Bauhaus übernommen. Billy ist toll!
BODYSTYLER: Knutschen oder Sex?
DOMINIC DAUB: Iiiiiiih. Schweinkram!
BODYSTYLER: Baby oder Stern?
Stern? Das waren doch die mit den Tagebüchern... „Baby“ hab ich noch nie gelesen!
Macht nichts, die Lektüre des Bodystylers reicht völlig. Wir danken fürs Interview und verabschieden uns mit einem dicken Schmatzer. Siehe das Cover des aktuellen Qek Junior Albums "Druschba". //



Web: QEK-Junior.com

© 2011 // BODYSTYLER Electrozine //

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