Mythologie, Heidentum, glänzende Emotionen, feurige Träume der Hoffnungen und Aszendenz, gespeist von den Tönen der Schöpfung: das sind Seventh Harmonic, Kernduo Caroline Jago und Ann-Mari Thim.
Interview: Manuela Seiler //
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“Sich zu erinnern, was im Leben wichtig ist, ist eine wahre Fähigkeit”: Caroline Jago und Ann-Mari Thim
»Musik zu machen ist das, was ich glaube, machen zu müssen. Ich habe es nie hinterfragt!«
Seventh Harmonic
„Garden of Dilmun“ Die Nachtelfe schwebt herbei – es ist Sommer. Der Abend surrt. Transparent, kristallklar beginnt jeder zu träumen, der in den Garten von Dilmun tritt, Enkis erschaffenes Paradies Mesopotamiens. Der Ort ist rein. Und man weiß, wo und wer man ist. Das Kernduo Caroline und Ann-Mari baut gekonnt mit den ätherisch, teils auch verspielten, teils entrückten Stimmen eine Geschichtsspannung auf, die zarter und verzauberter nicht sein kann – an manchen Stellen erinnert sie an die Sage von den drei Steinen (Jade, Opal, Ambre). Mit neoklassischen und folkloristischen Elementen wird ein Grundgerüst aufgebaut, das z.T. an Faun und, durch manch pompöse und mystische Anwandlung auch an Vangelis erinnern lässt. Aber nur ein bißchen. Denn natürlich ist Harmonie drin, wenn Harmonie draufsteht, ne? (Manuela Seiler) VÖ: 13.05.2011 // Out Of Line
reudig war vor vielen Jahren / Eifrig so der Geist bestrebt / Zu erforschen, zu erfahren / Wie Natur im Schaffen lebt. / Und es ist das ewig Eine, / Das sich vielfach offenbart: / Klein das Große, groß das Kleine, / Alles nach der eignen Art ./ Immer wechselnd, fest sich haltend. / Nah und fern und fern und nah, / So gestaltend, umgestaltend - / Zum Erstaunen bin ich da.
BODYSTYLER: Warum macht Ihr Musik?
Ann- Mari: Ich wählte den Gesang, weil das die Kunst des Ausdruckes ist, das ich liebe. Für mich ist es ganz selbstverständlich. An oberster Stelle steht jedoch das Verlangen, einer Sucht gleich, Lyrics zu schreiben und Harmonien herzustellen. Es treibt mich weiter auf der Reise dieses Lebens. Caroline: Musik zu machen ist das, was ich glaube, machen zu müssen – ich habe es nie hinterfragt.
Es ist die wundervollste Form der Kommunikation, frei von sämtlichen Barrieren der Sprache und Wörter. BODYSTYLER: Seit 1999 existiert Seventh Harmonics als ein weibliches neoklassizistisches Ensemble. Bedingt durch andere Solo-Projekte kam es zu einer Pause. Caroline, was hast, bevor Du die Band mit Eilish McCracken gründetest, gemacht? Caroline: Ich spielte in vielen anderen Bands, an deren Musik ich glaubte – und auf diesem Weg habe ich wertvolle Lehren mitgenommen. All das waren letztendlich die Sprossen der Leiter, die uns allmählich zu Seventh Harmonic geführt haben. Eilish hat mit mir in einigen dieser Bands mitgespielt und sie war es auch, die mich dazu ermutigte, doch eine eigene Band zu gründen, mit meiner eigenen Musik. BODYSTYLER: Die Verbindung der griechischen Musen, der nordischen Riten und – zuletzt – das sogenannte “mesopotamische Eden” - ist sehr kurios, rätselhaft und faszinierend. Woher stammt eure Inspriation? Ann-Mari: Der Name “Garden of Dilmun” kommt von der Sumerischen Schöpfungsgeschichte und meint “den Ort, wo die Sonne aufgeht” und “das Land des Lebens”. Als wir sie auf unser Album nahmen,benutzten wir dies als Metapher für einen bestimmten Geisteszustand und eine Phase im Leben, wenn Dinge einleuchten und alles seine Bedeutung hat. Die Album-Lyrics basieren auf drei Konzepten, die wir versucht haben, in eins zu zwängen. Das sind die Jahreszeiten des Herzens, die Jahreszeiten an sich (die “Pagan-Festivitäten”) und die drei Original-Musen aus der griechischen Mythologie. BODYSTYLER: Was wollt ihr euren Fans, basierend auf den vielfältigen und tiefgründigen Themen, zeigen? Ann-Mari: Die Gedanken sind dazu bestimmt, sich ineinander zu einem Weg zu verweben, all jene Symbole enthaltend, welche der Zuhörer auf einer Musikreise sowohl durch Dürre - wie Blütezeiten benötigt. Auch habe ich versucht, die Passagen des Prologs und des Epiloges zu illustrieren, die ich für das Album verfasst habe – dies kann man natürlich im Booklet bewundern. BODYSTYLER: Warum eröffnet Aiode im weitesten Sinne den Garten Dilmuns? Warum nicht die Muse der Meditation, Melete? Ann-Mari: Valensanimi ist der Opener des Albums. Bevor ich die Lyrics beendete, hatte Caroline die meisten Lieder bereits fertig gestellt. So gingen wir die Reihenfolge der Songs für das Album durch, als ich noch beim Verfassen von “Valensanimi” war. Ich dachte, dass “von dem dunkelsten Grab bis zu der leuchtendsten Lichtung” würde eine tolle Einleitung für das Album abgeben und ein sehr starkes Gefühl positiver Grundhaltung übermitteln. BODYSTYLER: Und warum steht Mneme (Muse der Erinnerung, Anm.der Red.) nicht am Ende des Albums? Ann-Mari: Mneme sollte immer präsent sein, vom Anfang bis zum Ende. Daher ist die Position ihres Songs nicht wirklich relevant. Erinnerung ist immer eine laufende Arbeit und sehr wichtig. Sich zu erinnern, was im Leben wichtig ist, ist eine wahre Fähigkeit. BODYSTYLER: Wie lange hat es gedauert, bis ihr das Album fertiggestellt habt? Caroline: Das Album entstand relativ schnell, was natürlich sehr stressig war, aber ich habe immer daran geglaubt, dass wir die Songs erfassen, solange sie rein und pur sind, nicht alt und abgestanden aufgrund endloser Wiederholungen und dem Versuch sie perfekt zu machen. BODYSTYLER: Was sagt ihr zu dem Vergleich mit Dead Can Dance? Würdet ihr dem zustimmen? Fühlt ihr euch geehrt? Ann-Mari: Ich selbst höre selten Dead Can Dance und daher bin ich überrascht, wenn unsere Musik mit der von ihnen oder meine Stimme mit der von Lisa Gerrard verglichen wird. Wie dem auch sei, die Musik von Dead Can Dance ist wunderschön und Lisa ist eine einmalige Künstlerin, so kann ich mich nur geehrt fühlen! Caroline: Selbstverständlich schmeichelt einen das! Dead Can Dance machen die reinste und bewegendste Musik, die ich jemals gehört habe. Aber wir sind so unterschiedlich, und ich ziehe es vor den Vergleich auf einer anderen Ebene zu sehen, denn sie nahmen viele verschiedene Formen an und schraken niemals davor zurück Neues auszuprobieren. BODYSTYLER: Träumt ihr oft von euren Songs? Ann-Mari: Ich habe niemals wirklich als solches von unseren Songs geträumt, aber sie gehen mir manchmal nächtelang durch den Kopf, während ich an den Melodien arbeitete oder für das Album aufzeichnete. Caroline: Die Songs sind relativ häufig in meinem Kopf, ja. Ich sehe sie inzwischen durchaus als wesentlichen Teil von mir. BODYSTYLER: Einige Musikelemente scheinen nach Vangelis zu klingen. Seid ihr heimliche Verehrer? Caroline: Genau genommen kenne ich gar nicht so viele Vangelis-Songs, aber vielleicht sollte ich das jetzt ändern, wo Du den Vergleich hergestellt hast. //