Sol Invictus

"Wenn Du entdeckst, das jemand Abschaum ist, dann kann das schon entmutigend sein!"


Sein Name ist mit der internationalen Neofolk-Szene untrennbar verbunden, und dennoch interessiert ihn dieser Schmus überhaupt nicht. Was Tony Wakeford alias Sol Invictus stattdessen so antreibt und welche Rolle Kekse und die frühen Genesis in seinem Leben spielen, hat der Meister uns in einem ironisch-witzigen Interview verraten.
 
Interview: Pippi von Schnippi //   
 

Angst, dass es sich zum absoluten Gegenteil entwickelt: Tony Wakeford (3.v.r.)

 



 
 

»Ich hoffe, dass ich das Label nicht allzu schnell in den Konkurs reiße!«

Über sein neues Label Prophecy Productions
 
 
 
 

SOL INVICTUS
"The Cruellest Month"
Mit Tony Wakeford, seines Zeichens Kopf und Herz und Fleisch von Sol Invictus, kehrt ein echtes Schwergewicht der Neofolk-Szene auf die Bühnen dieser Welt zurück. Nach langen sechs Jahren und dem zwischenzeitlich verkündeten Ende der Band (nach dem 2005er Album 'The Devil's Steed') legt er mit "The Cruellest Month" nicht nur irgendein Comeback-Album vor, sondern eines, das dem Begriff „Schwergewicht“ in musikalischer Form alle Ehre macht! Wir sprechen von 13 Songs, die alle Ecken, Kanten und Stärken Wakefords zum Vorschein kommen lassen: kämpferisch, melancholisch, schmerzhaft und textlich zynisch (wie fast immer) präsentiert sich der Engländer in Bestform. Und dabei macht er es dem Hörer nicht leicht: beim ersten Anhören erschließt sich das Album nicht, sondern braucht mehrere Anläufe, um seine volle Vielfalt zu präsentieren. Dann aber hängt es drin im Gehörgang, und hängt und hängt und... (Pippi von Schnippi)
VÖ: 10.06.11 // Prophecy Prod.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

ie viel von dem bedeutungsschwangeren historischen Ausspruch “Der König ist tot, es lebe der König” kann mit der aktuellen „Wiederauferstehung“ von Sol Invictus in Zusammenhang gebracht werden?


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Tony Wakeford: Schon ein ganzes Stück, denke ich. Besonders wenn man mich als den König darin betrachtet, was natürlich alle vernünftigen Menschen tun. Insbesondere in dem Zusammenhang, dass sich die Band auch weiterhin verändert. Mit dem Öffnen der band-eigenen „Pandora's Box” dachte ich eigentlich, es wäre an der Zeit, um Sol zu beenden. Aber stattdessen geht das Leben mit uns einen ganz anderen Weg entlang... und Peng! Hier stehen wir jetzt und sind wieder zurück.
Lesley (Malone, Anm. d. Red.) und Caroline (Jago) sind nach wie vor ein Teil von Sol. Caroline wird neben dem Bass künftig auch Gitarre spielen. M (Reeve „M“ Malka, Musiker, Multi-Instrumentalist, Produzent und Toningenieur) übernimmt weiterhin die Produktion, und Elish (McCraken), der uns schon live begleitet hat, wird ebenso wie Jo (Quail) ein vollwertiges Bandmitglied werden.
Ich plane das neue Material mehr in einer Art wirklicher Band-Konstellation aufzunehmen und es auch live auszutesten, bevor wir es final aufnehmen. Es bleibt also spannend, es tun sich Gefahren aber auch einige neue Möglichkeiten auf. Und natürlich mehr Proben und Aufnahmen, und das wiederum bedeutet mehr Tee, Kuchen und Gebäck. Und das ist ganz und gar nichts Schlechtes.
BODYSTYLER: Was waren die Gründe, 2005 das Ende von Sol Invictus auszurufen, und warum ist genau jetzt die richtige Zeit, um zurück zu kommen?
Wakeford: Es war eine schwierige Zeit. Wenn Du entdeckst, das jemand, mit dem Du lange und eng zusammengearbeitet hast, nun ja, lass es mich einigermaßen diplomatisch ausdrücken, eigentlich Abschaum ist, dann kann das schon sehr, sehr entmutigend sein.
Gottseidank, sei es durch Glück oder Schicksal, habe ich in der Zeit davor und danach eine ganze Menge tolle Musiker getroffen und mit einigen gearbeitet: M, Guy (Harries), Caroline, Lesley, und später Andrew (King), welche mir geholfen haben, die Dinge positiver zu sehen. Dazu kam, dass Prophecy Productions mich mit diesem Angebot kontaktierte, welchem ich einfach nicht widerstehen konnte. Das war so ein bisschen wie, wenn sich nach einem wirklich heftigen Gewitter die Regenwolken lichten und die Sonne erstmals wieder herauskommt.
BODYSTYLER: Wie hat sich das Album "The Cruellest Month" entwickelt? Wann gab es die Idee, ein neues Album zu machen, wie ging die Produktion vor sich, und bist Du mit dem Resultat zufrieden?
Wakeford: Ich habe eigentlich an einem Solo-Projekt namens “Aprilis” gearbeitet. Ich wollte ein rein instrumentales Album herausbringen, welches hauptsächlich aus Keyboardsounds und Loops bestehen sollte. Drei der dafür geplanten Stücke haben stattdessen nun ihre Verwendung als Ambient-Backgrounds auf „The Cruellest Month“ gefunden.
Der Produktionsprozess selbst war ziemlich chaotisch, insbesondere da sich einige Dinge einfach irgendwie entwickelt haben, aber insbesondere M war mir eine riesige Hilfe, da er ein großartiger Produzent ist und instinktiv weiß, wofür Equalizer und Microfone da sind. Ich selbst stand da mit einer Gitarre und meiner Stimme und dann haben wir gemeinsam unsere unglücksseligen Mitmusiker ins Studio gezerrt und mit den Aufnahmen begonnen. Einzig Joanne von der Band Nevus, die uns bei “The Fools Ship” auf dem Akkordeon begleitet hat, hat ihren Part zuhause aufgenommen, die Glückliche.
BODYSTYLER: Mein Eindruck ist, dass das Album sehr kraftvoll und autark ist. Würdest Du zustimmen, dass "The Cruellest Month" eines, wenn nicht das stärkste, Album Deiner bisherigen Karriere ist?
Wakeford: Oh ja, das würde ich sofort unterschreiben. Um ehrlich zu sein: als wir mit den ersten Versuchen für dieses Album gestartet sind, hatte ich eher die Angst, dass es sich zum absoluten Gegenteil entwickeln könnte. Aber ich denke diese Angst war im Nachhinein doch unbegründet. Aber ich muss auch betonen, dass das Album insbesondere dank M und den anderen großartigen Künstlern das Ergebnis geworden ist, was wir releast haben. Ohne diese ganze einzigartige Crew wäre es wirklich nur ein Schatten dessen, was es geworden ist.
Ich bin sehr stolz darauf und ebenso auf die Tatsache, dass wir es bei Prophecy veröffentlichen konnten. Die Jungs und Mädels dort haben eine Menge Zeit und Mühe investiert und es sieht so aus, als würde diese Zusammenarbeit auch in der Zukunft gut funktionieren. Es ist ein großer Vorteil, so eine Unterstützung hinter einem zu wissen. Und ich hoffe, dass ich das Label nicht allzu schnell in den Konkurs reiße! (lacht)
Aber auch auf einem eher persönlichen Level: Ich denke "The Cruellest Month" ist ein großer Schritt nach vorne, insbesondere was das Songwriting betrifft. Es geht hier weniger um den Mond und irgendwelche Runen-Reime, was –seien wir ehrlich- einfach eine wirklich positive Entwicklung ist. BODYSTYLER: Wie stark bist Du in die aktuelle Musik- und Neofolk-Szene involviert? Ziehst Du daraus Inspiration?


Wakeford: Ganz ehrlich: Ich bin überhaupt nicht darin involviert. Abgesehen von ein paar Ausnahmekünstlern interessiert mich das einfach nicht. Ich verstehe schon, dass die Leute Künstler und Musiker gerne mit einem Label versehen oder sie in eine bestimmte Schublade packen wollen, und ich breche auch ganz bestimmt nicht in Tränen aus, wenn man uns nachsagt, dass wir Teil dessen sind oder da eine Entwicklung mitbestimmt haben. Aber es ist dennoch kein Bereich, dem ich oder die Band uns besonders zugehörig fühlen. Das zeigt sich auch bei dem, was mich musikalisch inspiriert: in meinen eigenen vier Wänden würde ich eher Sachen wie Tull, Faust, Can oder Genesis hören. Aber – Gott bewahre: die FRÜHEN! Genesis, nichts sonst! //




Homepage: Myspace.com/Solinvictushq

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