ir baten den Hauptverantwortlichen auf den Verhörsessel und stellten ihm mehrere 50-Euro-Fragen. Am Ende konnte er sich keine mehr leisten, stand mit leeren Taschen da und bekam auch noch Ärger mit dem Finanzamt.

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BODYSTYLER: Getreu dem Titel des Albums beschäftigst Du Dich nicht nur musikalisch, sondern auch in Deinen Texten mit Grenzen, stellst sie in Frage bzw. reißt sie bei Gelegenheit gern mal ein. Welche Grenzen sind für Dich im Leben am entbehrlichsten, welche am sinnvollsten?
Sven Friedrich: Oh, ich denke entbehrlich sind vor allem die, die sich im Kopf abspielen. Ich finde es wirklich spannend, Dinge in Gedanken durchzuspielen und dabei jegliche Konventionen abzulegen. Das gibt einem teilweise wirklich neue Perspektiven und man entdeckt seltsame Seiten an sich selbst. Sinnvoll finde ich Grenzen, die im Umgang mit Menschen, Tieren oder der Umwelt existieren sollten. Ich habe letztens mal nebenbei am Nachmittag ferngesehen. Was einem da geboten wird, ist so unfassbar, dass man sich fragt, ob überhaupt noch jemand vor einem anderen Wesen Respekt haben kann, wenn einem permanent vorgemacht wird, dass sich alle nur gegenseitig anbrüllen, beleidigen und beschimpfen (Niveau – ist das nicht die Creme in der blauen Dose?). Ich schätze, die Zukunft wird wirklich unerträglich.
BODYSTYLER: Du bist in der Electro-Szene – zumindest, was den aktiven Part anbelangt - ja ein Quereinsteiger. Kannst Du Dich noch an die Zeit erinnern, als die Grenzen (!) zwischen den Subkulturen der Subkultur noch nicht so streng bewacht wurden?
Friedrich: Also ehrlich gesagt fand ich es schon mal deutlich schlimmer. Aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass unsere Fans einfach nicht so sehr engstirnig sind und keinen so schmalen Musikgeschmack haben. Jedenfalls hören viele Zeraphine-Fans auch Electro, was ich natürlich sehr begrüße.
BODYSTYLER: Auf wie viel Toleranz bzw. Intoleranz bist Du bis jetzt in der Electro-Gemeinde gestoßen und siehst Du es als Ziel an, den Geist der alten (toleranteren?) Tage wieder mit neuem Leben zu füllen?
Friedrich: Ich kann mich eigentlich überhaupt nicht beschweren. Auf der Tour mit VNV Nation wurden wir sehr gut aufgenommen und auch auf verschiedensten Electro-Festivals passen wir echt gut ins Gefüge. Bisher hat sich noch niemand darüber beschwert, dass ich auch Gitarrenmusik mache. Wär ja auch irgendwie n bisschen sehr albern, oder?
BODYSTYLER: Zu albern kommen wir noch später! Ich war ja schon immer ein Fan der elektronischen Remixe von Zeraphine-Songs wie „Die Wirklichkeit” oder „Be my rain”. Wird es das mit der Entdeckung Deiner neuen Spielwiese nicht mehr geben?
Friedrich: Das würde ich nicht sagen. Beim letzten Zeraphine-Album "Whiteout" fehlte mir einfach die Zeit. Solche Remixes machen mir nach wie vor riesigen Spaß.
BODYSTYLER: Wenn man Dich persönlich kennt, ist man seit jeher erstaunt, welche Facetten in Deinem Gesang zum Vorschein kommen. Bei Solar Fake ist die Spannweite zwischen dem ruhig und ausgeglichen wirkenden Menschen und dem aggressiven Gesang sogar noch größer. Wie nimmst Du das selbst wahr?
Friedrich: Mir selbst fällt das gar nicht so auf. Die gebrüllten Parts gehören für mich genauso zu meinem Gesangs-Stil wie die gesungenen. Ich merke auch, dass mir die Ausgeglichenheit in letzter Zeit etwas abhanden kommt und ich mich dann und wann auch mal wirklich über Dinge aufrege. Vielleicht kommt das gerade bei Solar Fake etwas mehr zum Tragen.
BODYSTYLER: Nach einer von Dir kürzlich abgegebenen Beschreibung könnte man Frank als den Andy Fletcher von Solar Fake bezeichnen. Einverstanden?
Friedrich: Also die echte Rolle von Andy Fletcher kenn ich natürlich nicht. Frank ist für mich eine gute künstlerische Kontroll-Instanz, er liefert kreativen Input, gibt mir promptes Feedback zu den Songs und er nimmt mir außerdem einige organisatorische Dinge ab. Er ist ein wichtiger Bestandteil von Solar Fake, auch wenn ich die Songs schreibe und produziere.
BODYSTYLER: Kann es sein, dass Du nach „Your hell is here” und der „Craving”-Version wieder verstärkt mit Pianoklängen arbeitest? Das rückt ein paar Songs ja fast schon wieder in die Nähe der Shadows. Schließt sich da (paradoxerweise?) ein Kreis?
Friedrich: Ach, Piano mag ich einfach sehr gerne und verwende es generell sehr viel. Auch direkt nach den Shadows auf jedem Zeraphine-Album. Vielleicht ist es einfach ein immer wiederkehrendes Element. Es ist zeitlos und wird nie unmodern, im Gegensatz zu Synth-Sounds.
BODYSTYLER: Bis jetzt hast Du nur mit dem Rudy von :wumpscut: Remixe ausgetauscht. Wie kam es zu diesem Kontakt?
Friedrich: Erstaunlicherweise hat er nach dem Remix-Exchange gefragt. Ich war ziemlich perplex, weil ich sein Schaffen bereits seit den Anfangstagen stetig verfolge. Insofern war es für mich eine Ehre, einen Remix für ihn zu machen und dazu noch einen von ihm zu bekommen.
BODYSTYLER: Wie findest Du, dass er seit kurzem „Schrekk & Graus” verbreitet?
Friedrich: "Schrekk & Graus" ist mal wieder wirklich genial geworden. Ein tolles Gesamtkunstwerk und absolut zu empfehlen, finde ich.
BODYSTYLER: Die Gerüchte verdichten sich, dass schon bald weitere Remixe anstehen. Was kannst Du zum Stand der Dinge berichten?
Friedrich: Ja, von Peter Spilles (Project Pitchfork) habe ich gerade den Remix bekommen. Daniel Myer (Covenant, Destroid, Haujobb, Architect) ist momentan dabei und Krischan von Rotersand hat auch bereits zugesagt. Bin sehr gespannt auf die Ergebnisse. Der Remix von Peter ist mal Hammer.
BODYSTYLER: Dein Online-Shop bietet ja grandiose Ideen des Merchandises, die auch schon im Forum heiß diskutiert wurden. Von den Badelatschen bis hin zum Baby-Shirt bleibt kein Wunsch offen. Wie kam es zu diesen famosen Ideen?
Friedrich: Naja, ich finde ein breites Merchandise-Angebot irgendwie interessanter, als das übliche, das kaum über Textilien, Buttons und Feuerzeuge hinauskommt. So gibt's wenigstens die Möglichkeit, sich auch mal was Außergewöhnliches zu gönnen. Das sind alles Print-On-Demand Artikel, d.h. die werden erst nach Bestellung hergestellt. Ansonsten könnte ich es mir gar nicht leisten, solche Sachen im Voraus produzieren zu lassen. Ich verdiene daran übrigens so gut wie nichts, weil einem das ja gerne mal vorgeworfen wird. Dafür kostet es mich auch nicht so viel, außer die Zeit, die Motive zu entwerfen und einzustellen.
BODYSTYLER: „Erwachsenwerden? Ich mach ja viel Scheiß mit, aber nicht jeden!”, „Ich bin kein Junge!”/”Ich bin kein Mädchen!” oder „If I promise not to kill you – Can I have a hug?” - wie kommt man auf diese Sprüche? Da bist Du ja sofort im Bodystyler-Aufsichtsrat aufgenommen und sitzt direkt neben dem Bodyhorst!
Friedrich: Ach, es gibt so viele dämliche Motto-Shirts und nicht so viele gute, wobei das Zillo in der Beziehung echt weit vorn ist, wenn ich das hier mal so sagen darf.
BODYSTYLER: Darfst Du!
Friedrich: Ich hatte eigentlich vor, noch ne ganze Motto-Reihe zu machen, aber nachdem einige Leute derart humorbefreit auf ein paar Artikel reagiert haben, hab ich den Gedanken wieder verworfen. Grinsen kann halt nicht jeder. Sieht ja auch uncool aus - bei einigen. Naja, da hab ich jedenfalls auch keine Lust, mir das Gemecker anzutun. Dann gibt’s das eben nicht. Hätte es lustig gefunden, aber ärgern kann ich mich auch über andere Sachen. Finanzamt oder so.
BODYSTYLER: Bei so viel Humor ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis Dein erstes Fun-Projekt ins Tageslicht tritt. Polar Quake? Zera-Biene? Und Bodyhorst am Saxofon?
Friedrich: Nee nee, das glaub ich nicht. Aber ich hab ein wirklich feines deutsches Anagramm auf Solar Fake gefunden - das ist auch im Album- Booklet versteckt. Muss man ein wenig suchen, aber das reicht dann auch erstmal.
BODYSTYLER: Hättest Du es Dir eigentlich jemals träumen lassen, dass Du gemeinsam mit Ian Curtis die Titelseiten eines "großen Magazins" bevölkerst?
Friedrich: Nee, aber das ist schon großartig. Andererseits bin ich am weitesten von ihm entfernt, er ist ganz vorne, ich ganz hinten. Aber technisch ist es der gleiche Druckbogen. Kann auch nicht jeder von sich behaupten.
BODYSTYLER: Was kann jetzt noch kommen?
Friedrich: Naja, Robert Smith oder Brian Molko könnten fragen, ob wir mal einen Song zusammen machen. Aber das ist wohl ziemlich unwahrscheinlich, schätze ich.
BODYSTYLER: Ich hab ja gestaunt, wie viele Cover es von „Such a shame” gibt. Ich kannte bis dato nur das von Sandra. Wie sah das bei dir aus?
Friedrich: Ich kannte überhaupt keins. Daher hielt ich es für eine tolle Idee. Ich hab mich ran gesetzt und erst danach nach anderen Coverversionen gesucht. Ja, das hat mich dann auch überrascht. Aber ich hab mich nicht wirklich davon abschrecken lassen, weil ich fand, dass die Solar Fake-Version wirklich gut funktioniert. //


Homepage: SolarFake.de
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