"Aus Gründen der Stilsicherheit und des guten Geschmacks!"
Eine Lebensgeschichte (hüstel): Als ich ein heranwachsender Pickelträger Mitte/Ende der 80er war, trat die Ironie der Ärzte in mein Ohr, etwas später die Härte der Onkelz. Und letztendlich wurde in den 90ern mein Musikgeschmack zusätzlich elektrisch. Klar hörte man schon „immer“ Depeche Mode, aber was beispielsweise And One da machten, war doch irgendwie anders... Und warum erzählt der Typ das alles? Weil man mit diesem Gemisch in Kopf und Ohr irgendwie automatisch bei Steinkind landet. Also ma fix Sàndor F. und Phil J. am Gel-Schopf gepackt und in den Bodystyler-Verhörkeller gezerrt...
Ronny (l.) und Phil (r.) finden das witzig: Sàndor (M.) ist viel kleiner als sie
»Mein Lieblingsdepp ist unser Bundesguido. Eine erfrischende Darbietung von sorgfältiger, präziser Demontage und professionellem Mobbing!«
Sàndor hätte noch mehr Deppen aufgezählt, aber der Platz reicht hier nicht
STEINKIND
"Etappe 011"
Was passiert meistens, wenn man sich auf ein anstehendes Album einer favorisierten Band freut? 1.) Es ist voll Kacke, 2.) Das angekündigte EBM-Album wird doch wieder nur Synthpop, oder 3.) Es erfüllt die Erwartungen. Im Falle von Steinkind werden diese sogar noch durch Elemente getoppt, die man nicht erwartet hat, aber funzen. 12 Smasher (inkl. Intro), die nicht ohne weiteres dem Electro zugeordnet werden können. Die Songs wildern in verschiedenen Stilarten, nicht ohne doch immer Steinkind zu sein. Und die Hymne der inneren (Un)Ruhe „Weil nur hier oben“ wäre mit Sicherheit der richtige Kandidat für den Grand Prix gewesen - hätte die olle Lena weggeputzt. Zudem noch erwähnenswert ist, dass in der schönen Tradition der flotten Pop(p)lieder, auch Rita nichts an dem fehlt, was nicht auch Larissa und Raul schon hatten. (Daniel Theberath) VÖ: 10.06.11 // Fubak / Danse Macabre
Steinkind
„Es wird Zeit" Mann, sind die pflichtbewusst.. Erst heißt es „Es muss“ und ein paar Monate später sind die Steinkinners schon am drängeln „Es wird Zeit“! Wobei es schon ein kleines Novum im elekronischen Bereich ist, nach Erscheinen des Albums eine weitere Single auszukoppeln. Es sei denn, man nennt sich „Hurts“. Die haben ja mittlerweile fast ihr ganzes Debut nochmal einzeln auf Singles gepackt. Aber zurück zum Thema: „Es wird Zeit“ war schon auf dem Album 'ne Bombe und das zeichnet sich jetzt sogar auf dem Singlecover ab. Den ein und anderen Mix hätte man sich zwar schenken können, aber 'ne Extended Version macht sich immer gut - und der Hartung und Schleinitz-Remix zeigt, das hier verstanden wird, wie man neues schafft, ohne zu zerstören. Nachdem die Remixflut abgeebbt ist, wird hier - wo für manch anderen Künstler schon Schluss ist - nochmal voll aufgedreht: Rummelsnuff covert Steinkind und die schicken direkt im Anschluss Heidi K. ohne Schminke auf den Laufsteg. Was für ein Fest! (Daniel Theberath) VÖ: 07.10.2011 // Fubak
enn man sich die neuen Promofotos ansieht und das Album zu Gemüte führt, gewinnt man den Eindruck, das Steinkind hat frisch gebadet und war beim Putzer. Alles klingt ebenso frischer und vielfältiger. Absicht, Zufall oder Einbildung?
Sàndor F.: Ach na ja, vielfältig fanden wir uns eigentlich schon immer, nur vielleicht nicht so befreit. Wir haben diesmal bewusst versucht, jeden Song separat für sich allein stehen zu lassen, ohne von vornherein ein Konzept oder einen Rahmen fürs Album zu haben. Im Gegensatz zu den ersten beiden Platten war es diesmal ein wirklich spontanes Arbeiten. Wir haben uns zunächst auf jede Idee eingelassen, nur um mal zu gucken, was da so dabei rumkommt. Also Zufall. Dann saßen wir vor diesem Riesenhaufen von völlig unterschiedlichem Material und haben beschlossen es einfach flutschen zu lassen, ohne darauf zu achten, ob es in irgendein Konzept passt oder nicht. Wir wollten uns nirgendwo reindrängen lassen, sondern einfach eine kurzweilige unterhaltsame Platte machen. Wir beide mögen es halt sehr, wenn ein Album abwechslungs- und facettenreich ist. Wie ein guter Film quasi. Elektro, Pop, Rock`n Roll, n Schuss Punkrock, alles rein damit. Umrühren, abschmecken, fertig. Quasi ne Leipziger Soljanka. BODYSTYLER: Gut, bevor wir jetzt alle die Löffel rausholen, schnell noch ein paar Fragen: eutschland hat wieder mal gesucht und gefunden. Pitti Platsch Lombardi ist Superstar und alle kaufen den Kram blind - wie sieht's eigentlich in eurem CD-Regal aus? Sàndor F.: Bunt durcheinander. Aber prozentual gesehen haben bei mir CDs von den Beatles, Depeche Mode und NIN den höheren Anteil. Vielleicht lungert dazwischen noch mal eine Band aus Manchester mit rum aber das ist nur Kompott. Phil J.: Wenn ich dass wohl noch wüsste. Ich habe das Regal glaub ich zum letzten Mal vor 5 Jahren gewissenhaft betrachtet. Ein Glück gibt’s Discogs. Durch das viele Selbstmusizieren kommt man eben kaum noch zum unvoreingenommenen Musik-Hören. Ich kann mich aber grob erinnern, dass sich meine Vinylsammlung hauptsächlich mit elektronischer Musik und Queen befasst hat. Tolle Mischung, oder? BODYSTYLER: Keine Ahnung, weiß nich. Phil J.: Bei den CDs ist es quer durcheinander. Rammstein und Muse hatte ich mal irgendwann gekauft, aber leider nie wirklich zu Ende gehört. Demnächst kommt sicher mal ne 30SecondsToMars-Scheibe dazu. BODYSTYLER: Schön dass dieses Musikgewirr bei der neuen Platte endlich durchbricht. Ihr habt uns nun einiges vom Hier und Jetzt erzählt, was ist mir früher? Gab's da musikalische Aktivitäten vor Steinkind – oder kam alles Knall auf Fall? Phil J.: Nu ja, bei Sàndor gab’s schon die ein oder andere Band mit unterschiedlichen Musikrichtungen und ich war eher so der vor sich hin frickelnde Eigenbrödler umgeben vom Maschinenwald. Nix wirklich Erwähnenswertes. Richtig entscheidend wurde es tatsächlich erst mit STEINKIND. Das war für uns beide endlich was wirklich Greifbares. BODYSTYLER: Jupp, griffig isses. Kann man „Rita“ als Hommage an die „Spider Murphy Gang“
sehen, nicht allein aufgrund des Klanggewandes kann es einen durchaus in den Sinn kommen! Phil J.: Nö, Spiderman is out. Sàndor F.: Klar gibt’s da Parallelen, aber beim Schreiben haben wir da nicht wirklich dran gedacht. Es sollte ne Partynummer mit Surf-Rock-Touch und Elvis-Charme werden. Wenn`s um eine Hommage gegangen wär, hätten wir das Ding einfach gecovert. Nein, Rita ist eine eigenständige, emanzipierte, überaus selbstbewusste junge Frau, die das Leben liebt. Oder so ähnlich. BODYSTYLER: Auf jeden Fall knallt sie, die Rita, also musikalisch! Für das neue Album habt Ihr ja keinen guten Zeitpunkt gewählt. In diesen harten Zeiten, wo man gerade mal 15 Euronen pro Monat für 'ne CD über hat, erscheint fast zeitgleich mit euch noch das Debüt von Anders/Fahrenkrog und die neue vom Wendler! Welche überzeugenden Gründe könnt Ihr dem Musikfan nennen sich für euer Werk zu entscheiden? Sàndor F.: Aus Gründen der Stilsicherheit und des guten Geschmacks. Phil J.: Gegen den Wendler haben wir natürlich nichts vorzuweisen, da hast du Recht. Der ist in Sachen Innovation, Abwechslung und Authentizität nicht zu übertreffen. Ich sollte unser Label verklagen. Wie kann man denn nur mit so wenig Weitsicht planen? Sàndor F.: Stimmt, unfassbar!
BODYSTYLER: Sach ich doch, na ja nächstes Mal hoffentlich. In der Musikszene (egal welcher) wird immer dick Wert auf Bandfreundschaften gelegt. Wer sind eure Mukkerbuddies? Oder
seid Ihr eher Einzel(Stein)Kinder? Phil J.: Kann man so sagen. Klar verstehen wir uns mit der ein oder anderen Band echt gut und man trinkt auf Konzerten auch mal einen über den gemeinsamen Durst, zB. mit den Brigadiers der Patenwölfe, Familie Xotox oder den Schockern, aber eine echte Freundschaft wollen wir eigentlich bei dem Musikding außen vor lassen. Das ist für uns was anderes. BODYSTYLER: Wahre Worte in Zeiten, wo jeder über's Internet „Freund werden“ kann. Ich find's
frech: Jetzt habt Ihr schon euer drittes Album auf dem Markt, und trotzdem keine Rolle beim „Dark Kasperle Theater“ bekommen. Schade oder gut so? Sàndor F.: Sorry. Ich hab das noch nie gesehen. Du? Phil J.: Ich leider auch nicht, kenne nur unsere indirekte Gastrolle in einer Episode, wo Deutschlands Topterrorist S.N. in nem Steinkind-Kapuzenpullover seine Knarre schwung.
BODYSTYLER: Zu guter Letzt mal die Musik beiseite geschoben - wie sehen im Jahr 2011 eure
Deppen - und die Helden des Alltags aus? Sàndor F.: Mein Lieblingsdepp ist immer noch unser Bundesguido. Eine erfrischende Darbietung von sorgfältiger, präziser Demontage und professionellem Mobbing. Herrlich. Meine Helden? Da wird’s eng, aber ich denke mein Zahnarzt. Phil J.: Mmmh. Um alle Deppen aufzuzählen reicht der Platz hier nicht, aber wie is’n der hier: Wir sind Helden. BODYSTYLER: Meine Helden: Künstler, die unsere hoch wissenschaftlichen Fragen mit Freude
beantworten. Vielen Dank an's Steinkind! //