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toxic·N·blue

"Die Frage nach der Massenkompatibilität stellt sich nicht!"


toxic·N·blue-Chef Daniel, in islambetuchten Ländern auch unter dem sprengenden Namen Dan d'Anyou agierend, ist das Gegenteil eines Psychowracks: Optimistisch, lebensfroh, mit einer guten Portion Humor - und einer fragwürdigen Frisi!
 
Interview: Ivo Klassmann / Marshall //                    
 

Daniel a ka Dan d'Anyou: Abstinenzler mit Frosch-Allergie und Markenfrisur

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»Ist das nicht traurig?«

Daniel beantwortet Fragen gerne mit Gegenfragen
 
 
 

toxic·N·blue
"Charm Noir"
toxic·N·blue aus Hamburg legen mit ihrem Debütalbum „Charm Noir“ eine überdeutliche Hommage an den Electro Pop der 80er Jahre vor. Die Produktion der 12 Album-Songs ist kraftvoll und grundsolide. So mancher Purist dürfte dem Oeuvre sicher nette Momente abgewinnen, doch um mehr als nur ein weiterer Epigone oder wirklich relevant zu sein, fehlt es dem Werk leider an Substanz und Eigenständigkeit. Zu sehr gemahnen die Sounds an And One und ähnliche Kollegen, zu knödelnd und starr wirkt die Stimme von Sänger Dan d‘Anyou. Nur manchmal gelingt es Authentizität und Nähe aufzubauen – so zum Beispiel in den Balladen „Uncertainties“ oder „Engel“, den heimlichen Hits des Albums, die mit Bodenständigkeit und Wärme überzeugen. Somit bleibt „Charm Noir“ ein Erstling, der nicht vollends zu überzeugen weiß, aber dennoch genug Potential besitzt, um Neugierde zu wecken. (Sally Nope)
VÖ: 17.11.10 // Synthage

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Myspace.com/toxicnblue
 
 
 
 
 
 
 

un sach doch mal: Wer schneidet dir eigentlich die Haare?
Daniel: Bis vor 8 Jahren etwa hatte ich das in einer 2 Stunden-Prozedur noch selbst hinbekommen.
BODYSTYLER: So, wie das aussieht, dachten wir, du machst das immer noch selbst.
Daniel: Mittlerweile bin ich dazu zu bequem geworden und hatte Glück, eine Friseurin in meiner Nähe zu finden, die in den 80er gelernt und sich auf „Flat‘s“ oder „Flat-Top‘s“ spezialisiert hatte. Kopfmassage inklusive, um akuten Haarwurzelschmerzen vorzubeugen.
BODYSTYLER: Aha. Naja, gut. Wir machen gern den Tabubruch populär und gerade die Namensfindung ist ja kein unschuldiges Spiel. An was genau hast Du bei der Gründung im Frühjahr 2000 gedacht? An Pfeilgiftfrösche, Kupfersalze beim illegalen Schnapsbrennen oder schlicht an deine Überdosis Viagra?
Daniel: Als Abstinenzler mit Frosch-Allergie und Haaren auf dem Kopf, die ja bei Potenzproblemen bekanntlich ausfallen sollen, hatte ich diese Gedanken eher nicht. Eigentlich fiel mir der Bandname in der Silvesternacht von 1999/2000 in Berlin ein. Ein Band-Tourbus mit Übernachtung als Party-Domizil, eine illustre Runde und meine Überlegung, wie man die Musik von TOXIC•N•BLUE und mich beschreiben könnte. So fand sich TOXIC für das „giftige, stechende“ in der Musik, BLUE für das „nachdenkliche, tiefgründige“ und das N schließlich durch meine Begeisterung für den Rock N Roll der 60er Jahre. Neben den 80ern wohl die musikalisch interessanteste und wildeste Zeit!
BODYSTYLER: Die Strategie zeitgenössischer Aussenseiter lautet daher: Minimum an Zeit, ein Maximum an Schaden. Warum musst ausgerechnet Du diese Regel umkehren?
Daniel: Es ist ja nicht so, daß ich 10 Jahre gebraucht habe, um „Charm Noir” zu schreiben.
BODYSTYLER: Aber was unterscheidet ein Debüt-Album nach 10 Jahren von einem talentierten Schnellschuß?
Daniel: Meine effektive Arbeitszeit an diesem Album waren etwa 18 Monate. Aber gerade, wenn man sich nach längerer Auszeit und dem Ausprobieren anderer interessanter Dinge, wieder aktiv der Musik stellt, will man alles „besonders“ richtig und vollkommen machen. Daher lag vom Komponieren, Texten bis hin zum Artwork des Albums alles in eigener Hand. Ob es nun ein Minimum oder Maximum an „Schaden“ war, bleibt erstmal abzuwarten, zumal „Charm Noir” ja gerade erst erschienen ist. Von „talentierten Schnellschüssen“ a la „One-Hit-Wonder“ halte ich nichts. Kommerz-Kram ohne Seele und Tiefgang!
BODYSTYLER: Apropos Tiefgang: Was entgegnest Du Mädels, die dich aufgrund des Albumnamens fragen: Wieviel zauberhafte, schwarze Armkettchenanhänger wohl in diesem seltsamen Teilchen stecken?
Daniel: Spontan?
BODYSTYLER: Ja, bitte! Was denn sonst?
Daniel: Zwölf, aber jedes nochmals mit 10.000 und mehr Noten verziert, die wie kleine glitzernde Diamanten im nächtlichen Schein des Mondes funkeln. Jeder auf seine Art einzigartig und doch Teil von etwas Großem. Romantisch, nicht?
BODYSTYLER: Geht so. Die Sprache der Popmusik ist Englisch. Kann man nach Tocotronic, Goethes Erben, Andrea Berg und And One eigentlich noch vernünftige, deutsche Texte schreiben?
Daniel: Wenn man sich an den von dir genannten Künstlern und Bands kein Beispiel nimmt, funktioniert das sogar sehr gut. Natürlich bedarf es auch etwas Verständnis für Germanistik und Lyrik. Interessanter wird es aber erst, wenn man sich dieses Verständnis zunutze macht und mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen verbindet. Für mich persönlich reicht es einfach nicht, deutsche Reime a la „Erdbeermund ist gesund“ zu schreiben. Da wäre ich auch schon wieder bei meiner vorherigen Aussage: Seele und Tiefgang!
BODYSTYLER: Und wir bei Seele, denn die Tracklist liest sich wie das Tagebuch eines einsamen Psychowracks. Sperrige Titelnamen und düstere Zeilen signalisieren Zivilisationsbrüche. Zeit für Fakten und die Frage: Wie autobiografisch ist das Ganze?
Daniel: Ich bin das ganze Gegenteil eines Psychowracks! Ein optimistischer und lebensfroher Mensch mit einer guten Portion trockenem Humor. Natürlich gibt es auch in meinem Leben die Schattenseiten mit nicht wenigen Enttäuschungen. Davor ist aber niemand gefeit und gerade als Musiker wächst man kreativ daran. Daher kann ich die Frage nach der Autobiografie klar bejahen. Aber laß uns mal in Kurzform zum Inhalt der Songs kommen.
BODYSTYLER: Wenn‘s unbedingt sein muss, bitte!
Daniel: „Don´t punish yourself” – beschreibt das Gefühl, für Fehler Anderer die Schuld bei sich selbst zu suchen.
„Borderline” – Schönheitswahn vs. natürliches Altern
„Uncertainties” – wenn du nochmal an den Anfang des eigenen Lebens zurückkehren könntest, was würde du anders machen?
„Für und Wider” – beschreibt das Wagnis und den Rückblick auf eine Beziehung
„Ship Of Martyrs” – der Traum, den bürokratisch geordneten und gesellschaftlich vorgegebenen Zwängen zu entfliehen
„Fly Tonight” – beschreibt die Gefühlslage zwischen dominanten und devoten Partnern. Nicht zu verwechseln mit SM (lacht)
„Engel” – Treue, Untreue und die Frage nach Loyalität innerhalb einer Beziehung
„Between The Lines” – die anonyme Flucht in virtuelle Welten auf der Suche nach der Liebe
„Der Weg” – verpasste Chancen im Leben
„Into My Memory” – Luxusleben vs. Real-Life
Du merkst sicher schon: Auch wenn der Sound von „Charm Noir” etwas dunkler ausgefallen ist, die Texte sind aus dem Leben gegriffen!
BODYSTYLER: Jaja, kommen wir von den Texten zur Musik. Stumpf ist grad wieder Trumpf, nicht nur im Club. Fühlt man sich da als romantisierender Synth-Popper nicht doch ein wenig in die Jahre gekommen? Ist Schwermut tatsächlich noch massenkompatibel?
Daniel: Ist das nicht traurig?
BODYSTYLER: Was denn?
Daniel: Da werden die Leute in den Clubs mit einer 140 BPM Bassdrum „befeuert“ und ein „Sänger“ gröhlt dazu meist dieselbe Textzeile oder gibt Urlaute von sich. Das man sich hier als Synth-Popper fehl am Platz fühlt, dürfte verständlich sein. Wiederum gibt es aber auch Leute, die neben der Tanzbarkeit auch Wert auf Melodien und Gesang legen oder sich eben bei einem abendlichen Glas Rotwein ihren Gedanken hingeben. Ich glaube, die Frage nach der Massenkompatibilität stellt sich dann gar nicht. Für jede Gemütslage gibt es Musik. Und Musik ist bekanntlich zeitlos!
BODYSTYLER: Jetzt noch fix ihre Meinung zu BODYSTYLER, Herr Toxic Dan, und wir haben fertig!
Daniel: BODYSTYLER ist das kleinste, entspannteste und witzigste Electro-Zine - nicht nur für Monokel-Träger! Macht weiter so, Jungs... und Mädels!
BODYSTYLER: Mal sehen, ob du das nach unserer Review zu deinem Album immer noch so siehst... muaaah! //



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Homepage:
Toxic-n-Blue.com
© 2010 // Bodystyler Electrozine //
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