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Alle auf Bodystyler Online je veröffentlichte Reviews
 
 


Patenbrigade: Wolff
„Tanzveranstaltung - A Retrospective Best of 2008 – 2012“
Der Wahnsinn geht weiter! Die PATENBRIGADE, laut Eigenaussage „eine der wenigen Künstler, die sich keinem Trend anschließen müssen“, schaffen einfach ihren eigenen, indem sie vergessen geglaubte Schmuckstückchen ostdeutscher Audiokunst hervorkramen und diese- weder ostalgisch, noch anderweitig verklärend – mit feinsten neumodischen Electroklängen zu einer Promenadenmischung allererster Kajüte vermanschen. Titelnamen, verwendete Samples, die Extremitäten anregende Beats: Songs wie „Stalinallee“, „Volksarmee“, „Schallplattenunterhalter“ oder „Der Brigadier trinkt Bier!“ überzeugen auf ganzer politischer Linie und sollten unserer bescheidenen Meinung nach in Clubs viel mehr Gehör finden. Und wie bei jeder P:W Veröffentlichung wird fürs Geld richtig was geboten: schickes CD-Zuhause, fette 19 Tracks und in der Premium Edition eine pralle Zugabe, bestehend aus USB-Stick und Schlüsselband. Dafür muss man nicht mal im Tele-Lotto gewonnen haben. (Pippi von Schnippi)
Auch als limitierte Premium Version mit Lanyard + USB-Stick erhältlich! Im offiziellen Patenbrigade-Shop »
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.patenbrigade.com/

 
 


Haujobb
„New World March“
Und auf einmal sind acht Jahre rum und HAUJOBB sind zurück. Und man fragt sich, wie man die Zeit eigentlich ohne so eine Band ausgehalten hat. Auf „New World March“ zeigen Meier und Samardzic, warum sie mit Recht seit annähernd zwanzig Jahren zur Speerspitze deutscher Darc Electronic gehören: weil Kunst immer noch von Können kommt.
“Control” beginnt ruhig, fast als würde Meier mit sanfter Stimme eine Gute-Nacht-Geschichte verlesen. “Crossfire” steigert das Tempo und mit “Lets Drop Bombs”, “More Than Us” und “Machine Drum” geht es in die Vollen. “Dead Market”, zu Recht als Vorab-Single veröffentlicht, markiert zur Hälfte einen unverkennbaren Höhepunkt, ehe “Lost” zum zweiten Teil überleitet, der gefühlt etwas ruhiger daher kommt und vom wunderschönen “Little World” dominiert wird. „Echo“ bietet einen soundtrack-artigen Abschluss und bewirkt, dass sich jede Menge haujobbscher Soundschnipsel noch sehr lange wie Echos im Hirn festsetzen. (Pippi von Schnippi)
Auch als limitierte 2 Disc European Premium Version im 6-Panel-DVD-Pak erhältlich! Im offiziellen Hau-Shop »
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.haujobb-music.com/

 
 


Mediengruppe Telekommander
„Die Elite der Nächstenliebe“
„Die Elite der Nächstenliebe“ ist definitiv vielleicht der erste Release auf dem neu gegründeten Label Audioakt (Kuddelmuddel von Audiolith und Staatsakt) und vollschlimm-krassschade das letzte Erzeugnis des Trägers des Lässigkeitspreises Florian und Jungschlawiners Gerald aus dem Tollhaus Berlin (um „im Jahre 2012 eine Hühnerzuchtfarm in der Kaschubei zu übernehmen“, heißt es in der Label-Info). Nach exakt ungefähr 10 Jahren filigranen Berserkerns mit vier Alben u. a. bei Mute Records endet dieser Dschihad des Frohsinns. Tracks wie "Deine Schule", "Billig" und "Draufhalten" legen rowdyesk nach in Sachen subtile konsum- und gesellschaftskritische Ohrfeigen, eingehüllt in die Bonbonniere des Elektropunk. Poetische Ejakulate, die den Kokolores zwischen Intellekt und Pseudo-Intellekt ins Torkeln bringen und bar jeden Umschwiffs deine innere Rockerbraut rauskitzeln. Da bekommt dein Trommelfell mitnichten Cellulitis und somit cool as cool can Digga! (Daniel von Karoshi)
Label: Audioakt | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.mediengruppe-telekommander.de/

 
 


Celluloide
„Ordinosaure“
„Ordinosaure”? Sind wir jetzt im Jurassic Park? Nein, nicht ganz, aber es geht schon ein bisschen zurück in die Vergangenheit. Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, in der Kassetten ein Speichermedium für Computerdaten waren? Ja, das gab es wirklich mal und genau darum geht es in diesem Song, der eigentlich die B-Seite der letzten digitalen Single war. Der Text ist nämlich eine Art Bedienungsanleitung, charmant vorgetragen von einer selbstbewussten Französin. Also nix Refrain und natürlich auch keine Strophe. Klingt schräg und ist auch schräg. Rund um das technische Gelaber befindet sich ein zirpender und bliepender Synthiepopsong, der zusätzlich von den Labelkollegen Dekad, Foretaste und Neutral Lies in ein für sie typisches Gewand gesteckt wurde. Die spinnen, die Franzosen! Aber im Bodystyler-HQ kommt das natürlich gut an. (Torsten Pape)
Label: Boredom | VÖ: 05.10.2011 | Homepage: http://www.celluloide.online.fr/

 
 


Encephalon
„The transhuman condition“
Encephalon – das Gehirn, die Schaltzentrale - bestehend aus zwei Hälften mit unterschiedlichen Eigenschaften bzw. Funktionen. Vielleicht soll das Album der Kanadier ja genau diese Dualität widerspiegeln, da es zwischen zwei unterschiedlichen elektronischen Spielarten hin und her pendelt? Auf der einen Seite finden wir die aggressiven Harsh- oder Hellectro-Stücke, die ordentlich Härte mit sich bringen, ohne dabei zu stumpf zu wirken. Vielschichtig sind auf der anderen Seite aber auch die Songs, die mehr mit dem Synth- oder auch Future-Pop liebäugeln. In diesem Terrain schafft man es zudem schnell, mit einigen Ohrwürmern zu punkten. Leider geht bei dieser Vielfalt der eigene Charakter und eine typische sowie markante Identität etwas verloren. Aus den verwendeten Stilen machen andere Leute jedenfalls eine Hauptband und mindestens zwei/drei Nebenprojekte. Fluch und Kompliment zugleich? (Torsten Pape)
Label: Dependent | VÖ: 28.10.2011 | Homepage: http://www.encephalon.ca

 
 


Skinny Puppy
„hanDover“
Nachdem die Kanadier 2004 nach achtjähriger Pause wieder im Karussell der aktuellen Veröffentlichungen saßen, hatte man das Gefühl, dass sich vorher so manches angestaut hatte. Die beiden folgenden Alben schäumten geradezu über mit all ihren genialen Ideen und spektakulären sowie wagemutigen Experimenten. Mit dem neuen Opus scheinen die Götter des Electros nun das Steuer wieder etwas fester in der Hand zu halten. Man intoniert zwar gewohnt wütend, ja anklagend und so manch kryptische Spielerei ist natürlich ebenfalls an Bord. Allerdings gibt es keine Rap-Einlagen mehr und der Wahnsinn kommt nur noch manchmal in Form des irren Clowns, dafür umso mehr - wie in der Vergangenheit perfektioniert - düster und bedrohlich daher. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 28.10.2011 | Homepage: http://www.skinnypuppy.com

 
 


Felix Marc
„The Muse“
Bereits auf dem Album ist man der Muse nicht entkommen und nun wird man auf der vorliegenden Maxi gleich sechs Mal von ihr geknutscht. Größtenteils geht das auch mehr als in Ordnung, allein der extra lange Zungenschlag in Form des Club Mixes bringt das Blut ordentlich in Wallung. Der Video Edit ist dann der erwartete Quickie, Vasi Vallis agiert leider einen Tick zu hektisch und der Sushiboy pendelt süffisant zwischen harter und zarter Liebkosung hin und her. Fast schon unerträglich wird die Ekstase dann beim genialen Torul-Remix, der dunkel und bedrohlich die erogenen (Tanz-)Zonen umkreist. Wer hier nicht zum Höhepunkt gekommen ist, wird wohl vom Syrian Remix kalt erwischt. Wer möchte schon von Fancy aus süßen Träumen geweckt werden? Brrr! Ein versöhnliches Ende bildet der neue Song „Fallen stars” - Felix pur und in Bestform. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.felixmarc.de

 
 


Pankow
„Kunst und Wahnsinn“
EBM-Avantgarde trifft auf abgefahrene Poesie und subversive Tanzkultur. Gibt es einen prägnanteren Song als „Kunst und Wahnsinn”, um das Schaffen der Italiener – und besonders die Phase(n) mit Alex Spalck – auf den Punkt zu bringen? Da wirkt Oswald Henke doch fast schon kerngesund, oder? Der durchgeknallte Eindruck wird anhand der mitgelieferten, teils recht raren oder gar exklusiven Songs noch verstärkt, ohne jedoch an das Hitpotential des Titeltracks heranzukommen. Da blitzt kurz ein schöner Arsch auf, es steppt der mehr wollende Electropunk und auch die grandiose Verbeugung vor dem kleinen Prince oder die ungeschliffenen Livestücke werden Pankow wohl nicht zum verdienten Ruhm führen. Die verbliebene Minderheit freut sich dafür umso mehr und feiert ihre kranken Helden. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/pankow

 
 


Straftanz
„Mainstream Sellout Overground“
Die neuen Gassenhauer von der Spaßgemeinschaft der neuernannten "Funktionsmusik" sind nun auf einem zweiten Album zusammengefasst worden. "Mainstream Sellout Overground" heißt das mineralisierte und vorm Aussterben bedrohte gute Stück und weist uns wieder einmal auf den recht schwarzen, skurrilen Humor der vier Ruhrgebiets-Elektroniker hin. Dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen in Sachen Gesellschaft, Hierarchie und Macht war klar. Einmal Straftanz, immer Straftanz, oder? "Macht weiter, wie bisher, dann ist das ganze gar nicht schwer." Na, geht doch. (Manuela Seiler)
Label: Scanner | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.straftanz.de

 
 



Noisuf-X „Dead End District"      
Nun ist das sechste Album vom kleinen Bruder von  X-Fusion herausgekommen - und man darf sagen, dass es gelungen ist. Es wimmelt nicht nur so vor Ohrwürmern, Tanzschlangen und Clubkrachern, sondern beinhaltet auch einen grotesken und passenden Humor ("Strange Signal", "Clubhit"). Jan L. war auch diesmal experimentierfreudig und herausgekommen ist u.a. eine sonderbare Mischung aus EBM und Ska- "Future Ska" der besonderen Art. Aufgeschlossenheit bewährt sich. Neben der Standard- Version ist auch eine auf 888 Stück limitierte Ausführung (teilweise signiert, wenn es über die HP vorbestellt wurde) des Albums inklusive Bonus- CD mit fünf weiteren Tracks erschienen. Lasst es krachen! (Manuela Seiler)

Wenn Noisuf-X veröffentlicht, werden es wenigstens zwei CDs, und die späteren Remixe der Kollegen aus der Branche könnten auf zwei bis drei CDs Platz finden. Na ja, und manchmal wird dies als limitierte DVD veröffentlicht. Und wenn ich die Homepage des Musikers richtig verstanden habe, wird auch eine Jewel-case Versoin verfügbar sein. Nun, genug hansgewurstet! Vermißt Ihr frisch klingende technoide EBM? Hier gibt’s ausreichend für jeden! In dem Aufbau aus mehrschichtigen Chören und Samples erkennt man die Handschrift von Jan L.. Die Tracks wie „Clubhit“, „Shout loud“, „I don’t trust you“, „Hexensabbat“ werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit viel Erfolg auf der Tanzfläche haben. Diese CD wäre auch beim Sportstudium im Gymnastik Raum nützlich, energetisiert besser als Koffein und andere bedenkliche Substanzen. Nein, das ist keine Ironie, wie kann man über solche Dinge Possen reißen? Übrigens, das Album wurde nicht in fünfzehn Minuten gemacht, so wie der Name eines Tracks vermuten läßt. Ein weiterer Titel ist ‘Everyone Here Is Mad’? Im Großem und Ganzen klingt das Album interessanter als das vorige. Und die zweite CD endet ein bisschen unerwartet. Das führt dazu, dass man sich nach mehr sehnt. Versprecht mir genügend zu tanzen! (Sophie Baikalova)
Label: Pronoize | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.noisuf-x.com

 
 


Christine plays Viola
„Innocent Awareness“
La vita e bella! Das dürften zumindest auch diese vier Jungs aus Italien denken, die uns mit schrammeligen Gitarren, einer wunderbaren tiefen Stimme, evokativen Klängen, trancig-einlullender Tanznahrung und dramatischer Melancholie einzunehmen wissen. Massimo (voice), der vorher bei OBLIVIO tätig war, Fabrizio (gui, progr), Desio (bass, sinth) und Daniele (drum, sinth) haben ihre etwas eigene Art, den Dark/ New Wave zu zelebrieren. Ein wenig Cure ist dabei, klar, aber auch etwas Neues, Waberndes, Herzliches. Wer die alten Sachen mag, die Stimme von She wants Revenge betörend findet,und sie in neuen Sphären wiederfinden will, ist hier genau richtig. Digital könnt ihr euch ein paar Häppchen als Vorgeschmack anhören, aber allein des Cover wegen würde ich die physische Variante schon bevorzugen, denn sie haben sich Gedanken gemacht - und das muss honoriert werden - oder nicht? Also, lasst die Viola weiterspielen! (Manuela Seiler)
Label: AF Music | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/christineplaysviola

 
 


M83
„Hurry up, we're dreaming!“
Sind Träume immer dazu da, sie zu verwirklichen? Ist es nicht viel schöner, sich in sie zu kuscheln und in ihnen zu verweilen, um weiterschweben und -träumen zu können? Der 30jährige Südfranzose Anthony Gonzalez schuf mit seinem inzwischen sechsten Album ein Meisterwerk im Doppelpack, das das Träumen, die Retrospektive episch und in orchestraler, feinfühliger, zarter, mal auch leicht schwermütiger Atmosphäre beschreibt. Er wirkt beinahe filmisch, der 80s Synth-Pop, mit seinen wellenden Synthies, lieblichen Harmonien, glücksprühenden Sängern (neben Zola Jesus und Brad Laner hören wir auch Anthonys Bruder Yann). Viele Inspirationen, Gigs und Musiker (u.a. DeMo, Kings of Leon) sind dem jungen Mann aus Antibes seit 2001 schon begegnet - was ihm aber am wichtigsten ist? "Eine gute Aufnahme, die man auf einer guten Anlage anhören kann.” (Manuela Seiler)
Label: Naive/Indigo | VÖ: 17.10.2011 | Homepage: http://www.ilovem83.com

 
 


Autodafeh
„Act of Faith“
Wenn EBM eine Religion wäre, ja wenn, dann hätten AUTODAFEH mit „Act of Faith“ gerade ein astreines Glaubensbekenntnis zu selbigem abgelegt. Denn mit dem im September 2011 erschienenen dritten Album wird konsequent das zelebriert, was die Südschweden beinahe religiös verehren: die gute alte Electronic Body Music. Im Stile der „Väter und heiligen Geister“ FRONT 242 präsentieren Jesper, Mika und Anders mit zehn neuen und zwei überarbeiteten Songs geradlinigen EBM, allerdings ohne plump zu kopieren oder einfallslos „Bumm Bumm“ herunter zu beten. Stattdessen stecken die Stücke in modernem Soundgewand, werden auch bei mehrfachem Hören nicht langweilig und laden bereitwillig zum rituellen Abspacken ein. Und wenn die drei auch weiterhin im Rhythmus bleiben und alles geben, was drin ist, dann ist die Messe noch lange nicht zu Ende gesungen und einer Fortsetzung sehen wir sehr gerne entgegen. Amen. (Pippi von Schnippi)
Label: Scanner | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: https://www.facebook.com/autodafeh

 
 



Apparat
„The Devil's Walk“
Es ist nicht so dass das Vorgänger Album „Walls“ ein sprühendes Party Album war, trotzdem beschreitet Sascha Ring auf „The devil´s walk“ deutlich melancholischere Wege. Einen Einfluss darauf hat sicher das Heranwachsen des Projekts Apparat zur Band Apparat. Mit natürlichen Instrumenten und mehr Gesang lässt sich eindeutig eine wärmere seufzerische Mummel Atmosphäre gestalten. Dass dabei die elektronischen Spielereien weiterhin eine Rolle spielen dürfen macht die Symbiose aus Tüftelei und Komposition perfekt. Entstanden sind keine episch strukturierten Jahrhundert Songs aber ein Album mit viel Tiefgang dessen Atmosphäre beständig über einen langen Zeitraum begeistern wird. Hier finden ruhelose Gedanken eine dankbare Heimat in Texten über Glück und Enttäuschungen des Lebens die man einfach ab und an geborgen in einem Haus aus Klängen sortieren möchte. (Spider)
Label: Mute | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.apparat.net

 
 


NEO „Sindustrial“
"Faster, deeper, harder, louder." So, wie der Song heißt, könnte man auch das Album der beiden Tüftler Tandrin und Disdain beschreiben. Sie wollen Elektro-Industrial machen und experimentieren mit allen nur erdenklichen Frequenzen, Instrumenten und was es sonst noch so zu finden gibt. Dass fast jeder Song mit "Industrial" oder "electric order" beginnt, fällt dann nach x-maligem Anhören bald gar nicht mehr auf. Der Erstling wurde von X-Fusion gemastert, inhaltlich geht es eigentlich nur um die Core-Verarbeitung, Sindustrial eben, die neugeschaffene Vereinigung von Gothic und Industrial. Getanzt werden kann bis zum Umfallen zum revolutionären "E-fight", zum provokanten "Irre explodieren nicht", "Low Freak Bitch" oder auch zur Hommage an die guten alten Zeiten "Enjoy my sickness" bzw. "Hoffnung". Bringt die Clubs zum Beben! Aber hebt nicht ab, könnte kalt werden... (Manuela Seiler)
Label: Körperschall | VÖ: 07.10.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


Der Blutharsch and the infinite church of the leading hand „The Story Of The Digging Of The Hole And The Hearing Of The Sounds From Hell“
Bei der höllischen Ausgrabung zum aktuellen Album hat Der Blutharsch mit Unterstützung der infinite church of the leading hand so manche Überraschung an künstlerischer Kreativität und Vielseitigkeit frei geschaufelt. Natürlich ist auch auf dem neuen Werk erst mal gesangliche Düster-Predigt angesagt. Dazu jauchzen die Gitarren unter dem psychedelischen WahWah-Pedal und die Orgeln und Violinen sind der Untermalung schrecklicher Horror-Visionen entliehen. Dennoch komme ich nicht umhin, diesem Album ein positives und entspannendes Feeling zu verleihen. Sei es mein morbider Geist oder die immer wieder aufwabernde Hippie-Attitüde, die durch das Werk schwappt und in Melodieführung erklingt. Ja, das ist durchaus auch eine Platte für das Baden am Ostsee-Strand oder das Picknick im Wiener Wald. Man kann Vergnügen durchaus auch mit Ernsthaftigkeit verbinden. Wenn so die Stimmen in der Hölle klingen, bin ich durchaus bereit, an diese abstrakte Vorstellung zu glauben. (Spider)
Label: WKN | VÖ: 16.10.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


Der Blutharsch and the infinite church of the leading hand + Aluk Todolo
„A Collaboration"
Ohne die Jungs mit dem kryptischen und vielfältig interpretierbaren Namen wäre die EBM-Kultur definitiv um eine Attraktion ärmer. Zehn Jahre lang haben sie ordentlich Wellen geschlagen und es hat dafür gereicht, dass sie auch noch zwanzig Jahre nach Auflösung der Band ein Gesprächsthema sind und in die Klassiker-Reihe des Infacted-Labels aufgenommen werden. Stilistisch kann man sie irgendwo zwischen Front 242 und The Neon Judgement ansiedeln, wobei ein ordentlicher Schuss Avantgarde addiert werden darf. In den Songs werden Botschaften proklamiert, der Rhythmus stampft ordentlich und über all dem weht eine oft schräge, meist kühle Brise. Dabei von Hits zu sprechen wäre wohl vermessen, aber Kultiges findet man dafür en masse. Es grenzt an Wahnsinn, aus all dem veröffentlichten und unveröffentlichten Material eine repräsentative Zusammenstellung zu extrahieren, aber hier ist dies bestens gelungen. (Torsten Pape)
Label: WKN | VÖ: 01.06.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


ASP
„Wechselbalg“
Der schwarze Schmetterling ist ein Phänomen, das nicht erst seit gestern besteht. Mal war er besessen, mal war die Welt unter, mal gab es ungeschickte Liebesbriefe - ja, und mal wollte er brennen. Nun beehrt er uns seit dem 12.08. mit seiner neuesten Single "Wechselbalg" und Extramaterial wie der "AngstKathedralen"-Hymne, einem Ougenweiden-Cover sowie einer Akustik-Version (unplugged) von "Dancing" - das ist ASP. Der Vorgeschmack für das eigentliche Album im Oktober regt die tanzbaren, teils Ohrwurmcharakter besitzenden, teils düster-schleppenden, auf jeden Fall sehr vielfältigen Papillen an. Ja, manchmal kann es tatsächlich in Erfüllung gehen... (Manuela Seiler)
Label: Trisol | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.thetaleofasp.com

 
 


Mono Inc
„Revenge“
Auf Grund der enormen Hitqualitäten war es zum Glück unausweichlich, dass der Song, der auf Scheinheiligkeit im weiteren und engeren Sinne gemünzt ist, eine Single wird. Und das um ihn geschnürte Paket ist wirklich toll geworden. Als exklusiven Track gibt es „Tired of the day” - das etwas andere Schlaflied für Lebensmüde. Wer jetzt jedoch eine Ballade erwartet, liegt vollkommen falsch, denn hier wird kontrovers und mitreißend gerockt! Mitgerissen wird man auch von den anschließenden drei Livestücken und man kann sich nur atemlos fragen, wann endlich ein längst überfälliger Konzertmitschnitt erscheint. Den Abschluss der EP bilden der vollelektronische Degradation Mix sowie die balladeske Afterglow Version des Titeltracks. In beiden Fällen trifft das Prädikat „simpel, aber effektvoll” zu, denn die Granate zündet wirklich in jeder Form und das mit verheerendem Ausmaß! Sichten und vernichten – weiße Fahne – toll! (Torsten Pape)
Label: NoCut | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.monoinc.com

 
 


Industriegebiet
„Wer schön sein will, muss sterben
Leere Augen, fette Beats, wummernd, EBM vom feinsten, gespickt mit Samples, die mal auf Trancezustand eingestellt sind, mal ein Cover von Kraftwerks Robotern, was ziemlich cool rüberkommt, mal politisch angehaucht sind und zum Nachdenken anregen. Moment mal, beim Tanzen denken? Ja, das geht auch, denn man könnte ja bei einer Pause einen niveauvollen Plausch mit dem Nachbarn halten. Gerade, was das Thema Braun in schwarzer Ummantelung anbelangt (siehe WGT), was viel zuviele herunterspielen. Massimo macht‘s möglich. Wir leben in einem Traum, wir brauchen gar nicht mehr aufzuwachen, ein Traum, der nie zu Ende geht. Ach nein, wir wollen ja schön sein. Wie stirbt man am schönsten? Mit Massimo natürlich! (Manuela Seiler)
Label: Echozone | VÖ: 21.10.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/industriegebiet

 
 


Various Artists
„The Sound Of Static Magazin Germany, Vol. 1
Während die mächtigen Magazinriesen im schwarzen Deutschland ihre Cover mit immer gleichen Künstlergesichtern zieren und ihre Compilations gegen Bares aus den Geldköfferchen der mächtigen Labelriesen bestücken, regt sich im unbeugsamen schwarzen Schwabenländle der kreative Widerstand. Das Static Magazin setzt bei seiner Sammlung auf Künstler mit Qualität - aber wenig Werbebudget. Und diese kommen nicht nur aus musikalischen Subgenres, wie die Cyberpunks erschreckenden Horror Punker von Dead United und The Deep Eynde oder wie Morbid Poetry, die Gothic noch im eigentlichen Sinne düsterer Gitarrenmusik kennen und nicht als Mode-Label von Pimkie. Nein, es gibt auch Bands wie The Exploding Boy oder Pretentious, Moi, die es tatsächlich schaffen, Melodie mit Anspruch zu verbinden. Das alles und noch viel mehr gibt´s für einen schmalen Taler. Würde der Bodystyler einen Gitarrensampler machen, würde dieser so klingen. (Spider)
Label: Static Magazin Germany | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://staticmagazingermany.com/

 
 


Digital Factor „Trialog“
DIGITAL FACTOR sind Mike Langer, Guido Litke und Neuzugang Leo von Leibnitz als Ersatz für das langjährige Bandmitglied Torsten Heise. Und wie das so ist, wenn drei miteinander spielen, dann kann das kein Dialog sein. Also sprechen wir hier von einem Trialog, welcher sich musikalisch so darstellt: rhythmische Bässe, sehr präsenter Gesang, vielfältige elektronische Spielereien, stimmungsvolle Samples und Überraschungen wie klassische Anleihen zu einem Männerchor („A force of unknown people“). Ein bunter Mix musikalischer Zutaten ist es, den das Altenburger Trio auf dem jüngsten Album präsentiert. Die Annehmlichkeit dabei ist, dass es keinesfalls langweilig wird. Aber wo ein Vorteil ist, ist auch ein Nachteil, und der heißt: zu wenig Eigenständigkeit, zu sehr irgendwo zwischen KRUPPS („Links rechts links“), NIN („Steam“) und NITZER EBB („The Knife“) gefangen. Schade, denn die Fähigkeiten zu mehr haben die Drei ganz sicher. (Pippi von Schnippi)
Label: Black Rain | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.digitalfactor.de/

 
 


Nova-Spes
„Pripyat - Home of Lilith“
"Die Welt ertrinkt neben uns, doch wir haben keine Zeit - Totenstille hat ihren Sinn." Anlässlich zum 25. Jahrestag von Chernobyl und aktuell zur Nuklearkatastrophe von Fukushima diesen Jahres haben das Trio um Matthias Hübner ihr inzwischen zehntes Album dem großen und wohl diskutierfreudigsten Thema gewidmet: der Atomkraft als Konzept und seine Folgen für die Menschheit am Beispiel der Arbeiterstadt, jetzt "Stadt ohne Atem" genannt, Prypiat. Eindringlich, intensiv, schockierend,teilweise mahnend, teilweise anklagend, jedoch auch zutiefst verwirrend und verstörend. Verwirrend deshalb, weil der Synthpop so sehr zum Tanzen animiert, beispielsweise in den Songs "Wir wollen jetzt!", "Die Farbe der Saison", "Sehnsucht", bei dem auch Bruno Kramm mitgewirkt hat. Tanzt lehrreich, denn wir sind nicht unverzichtbar auf dieser Welt! (Manuela Seiler)
Label: Dance Macabre | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.nova-spes.com

 
 


à;GRUMH
„We were à;GRUMH... and you were not"
Ohne die Jungs mit dem kryptischen und vielfältig interpretierbaren Namen wäre die EBM-Kultur definitiv um eine Attraktion ärmer. Zehn Jahre lang haben sie ordentlich Wellen geschlagen und es hat dafür gereicht, dass sie auch noch zwanzig Jahre nach Auflösung der Band ein Gesprächsthema sind und in die Klassiker-Reihe des Infacted-Labels aufgenommen werden. Stilistisch kann man sie irgendwo zwischen Front 242 und The Neon Judgement ansiedeln, wobei ein ordentlicher Schuss Avantgarde addiert werden darf. In den Songs werden Botschaften proklamiert, der Rhythmus stampft ordentlich und über all dem weht eine oft schräge, meist kühle Brise. Dabei von Hits zu sprechen wäre wohl vermessen, aber Kultiges findet man dafür en masse. Es grenzt an Wahnsinn, aus all dem veröffentlichten und unveröffentlichten Material eine repräsentative Zusammenstellung zu extrahieren, aber hier ist dies bestens gelungen. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.agrumh.com/

 
 



Collapse Under The Empire
„Shoulders & Giants“
Beeindruckende Bilder majestätischer Landschaften, darüber dräuende Wolkengebilde und durch sie geteilte Sonnenstrahlen. Inmitten all dieser Schönheit steht ein Mensch. Glücklich einsam oder traurig verlassen? Friedlich oder ängstlich? Angekommen oder bereit zu gehen? All dies und noch viel mehr ist möglich, steht nebeneinander und schließt sich nicht aus. Beim Erklingen der wunderschönen, rein instrumentalen Musik dieses Hamburger Projekts erweitern sich die Sinne und die Fantasie streift durch die schier grenzenlosen Klanggebilde. Ekstatisch, hypnotisch, jubilierend, weinend und umarmend. Kalt und warm erwischen einen die perlenden, intuitiven und manchmal eruptiven Gitarrenwellen, die zarten bis harten Drums sowie die hymnisch-melodischen Synthieklänge. Ein Aufstand der Gefühle! (Torsten Pape)
Label: Sister Jack | VÖ: 21.10.2011 | Homepage: http://www.collapseundertheempire.com

 
 


Various Artists „Körperschall-Sampler Vol. 2"      
Heutzutage werden wir von allen Seiten beschallt,ob motorisiert, verbal oder musikalisch. Körperschall hat nun seinen zweiten Sampler vorgelegt, minimiert auf sechs Bands, die sich in 17 Tracks austoben können. Die Songs wiederum sind remixed von Größen in- bzw. außerhalb der Szene wie !Distain oder Lolita Komplex und erzeugen eine durchaus hörbare, stabile, vielfältige Elektro-Mischung. Natürlich gibt es selbsternannte Doktoren, die um das Wohl der Tanzenden besorgt sind. Die kann man getrost selbst beim Zahnarzt oder gar in der Mülltonne liegen lassen. Andere bestechen durch ihre Originalität wie Industriegebiet ("Wer schön sein will, muss sterben"), Diodati ("Nänie") oder Ellipse ("Ich weiß nicht mehr, wer ich bin"). Also, nehmt die Schwingungen auf - und bewegt euch! (Manuela Seiler)
Label: Echozone/ Körperschall Records | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/koerperschallrecords

 
 



De/Vision „Popgefahr - The Mix"      
Es scheint, als hätten De/Vision Angst vor ihrer eigenen Popgefahr. Warum sonst sollte man Künstler mit ordentlich Druck auf dem Rohr alles nochmal durchspülen lassen?! Die Beweggründe sind allerdings auch völlig egal, freuen wir uns doch immer, wenn was neues einer favorisierten Band erscheint, auch wenn's schon mal da war - nur halt anders. So geschieht das (fast) Unfassbare, dass beinahe alle 20 Remixe durchaus unterhaltsam sind; sich jeder Song auf den einzelnen CDs nur einmal findet. Pfiffich! Viele unbekannte Namen tummeln sich auf den beiden Silberscheibchen, doch ist dies kein Zeichen von Qualitätsmangel, denn manchmal sind's ja grad die neuen, die noch innovativ arbeiten. Illustre Namen wie T.O,Y., Mesh oder Daniel Myer runden das ganze zudem ab, aber, liebe Dewischies: die Mixe von bzw. Blitzmaschine und Solitary Experiments (von der US-Version) hättet Ihr gern noch als Bonus ins Päckchen packen können. Doppelt kaufen macht nämlich hässlich! (Daniel Theberath)
Label: Popgefahr Records | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.devision-music.de

 
 



13th Monkey „Return Of The Monkey“      
Musik frei von Samples, frei von verzerrter Bewusstlosigkeit. Das findet man auf dem neuen Album von 13th Monkey. Im Vordergrund steht die absolut zeitlose undeklinierte Schönheit aus Sphären zwischen absonderlichen Beats, eingehüllt in abstrusen Sounds, die sich zeitweilig in kleine Melodien verwandeln, dann wieder schnell verschwinden. Langeweile muss gesucht werden auf dem 10 Track starken Album, um die Suche dann aber enttäuschend aufzugeben. Neben Tracks, die für den Club gemacht sind, finden sich teils verträumte und zum anderen Teil sehr abstruse Sachen wieder. Die Scheibe bietet mehr als nur modernen Noise! „Return of the Monkey“ ist ein spannendes Album, welches immer wieder das Ohr mit neuen Sounds positiv überrascht. Trotz vergeblicher Suche nach schlechten Tracks kann man „Elektroheads“ und die, die es noch werden wollen dieses Stückwerk ans Herz legen. (Markus B.)
Label: Hands | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.13thmonkey.de/

 
 



Steinkind „Es wird Zeit"      
Mann, sind die pflichtbewusst.. Erst heißt es „Es muss“ und ein paar Monate später sind die Steinkinners schon am drängeln „Es wird Zeit“! Wobei es schon ein kleines Novum im elekronischen Bereich ist, nach Erscheinen des Albums eine weitere Single auszukoppeln. Es sei denn, man nennt sich „Hurts“. Die haben ja mittlerweile fast ihr ganzes Debut nochmal einzeln auf Singles gepackt. Aber zurück zum Thema: „Es wird Zeit“ war schon auf dem Album 'ne Bombe und das zeichnet sich jetzt sogar auf dem Singlecover ab. Den ein und anderen Mix hätte man sich zwar schenken können, aber 'ne Extended Version macht sich immer gut - und der Hartung und Schleinitz-Remix zeigt, das hier verstanden wird, wie man neues schafft, ohne zu zerstören. Nachdem die Remixflut abgeebbt ist, wird hier - wo für manch anderen Künstler schon Schluss ist - nochmal voll aufgedreht: Rummelsnuff covert Steinkind und die schicken direkt im Anschluss Heidi K. ohne Schminke auf den Laufsteg. Was für ein Fest! (Daniel Theberath)
Label: Fubak/Danse Macabre | VÖ: 07.10.2011 | Homepage: http://www.steinkind.com

 
 



Angelspit „Hello my name is"      
Ist es möglich, gleichgültig gegenüber Angelspit zu sein? Gegen ihre erstaunliche Ironie, die manchmal unerträglich ist? Gegen ihre rezitativen und neckischen Slogan Refrains, die tosenden Gitarren und Keyboards am Rande eines Fouls? Auch dieses Album tanzt nicht aus der Reihe. Aber es ist gut zum Tanzen! Der erste Track „Cubicle“ ist wie das Erwärmen eines betäubtes Gehirns, danach kommt das scharfsinnige „Counterfeit“: Zitat „If God is money, I am the Devil“. Man sieht es sehr deutlich, wenn man den Aufbau betrachtet. Goethe, kann man so am Designer sparen? No way, dieser Ansatz geht einfach nicht. Kehren Sie bitte zum stylischen Aufbau zurück, sonst werden bald kleine Kinder eine Gebühr für ihre Kleckse verlangen. Aber wenn man nicht so genau schaut und nur zuhört, gibt’s keine Tragödie. Es geht nicht unbedingt darum, was für ein Affe Amelia und Karl gebissen hat, vielleicht einer mit Waffe, aber nach dem Reim „Vermin“ und dem brummenden „Catatonic“ folgt jedenfalls ‘Monkey Bite’, welcher bemerkenswert ist wegen seinem ausdrucksvollen Schreien vor dem Chor. Das beliebte Thema der Bands bleibt dasselbe, es kehrt immer wieder zum Krankhaus zurück, damit startet die Band nackt ihren „Defibrillator“. Weiter folgen der Track „Bullet Proof“ der gut für irgendwelchen dynamischen Horror geeignet ist. Dieser wird ersetzt durch „Static“ dessen Name völlig gerechtfertigt ist. „Jailbait“ erklärt den Wunsch keine Freunde aber Leichen zu machen, danach folgen noch das Instrumental „Deadly“, und das am Ende ein bisschen geschmierte „Violence“, das sich in der kannibalischen Sexualität behauptet. Ich habe „Defibrillator“ in der täglichen Playlist und „Violence“ wird in speziellen Fällen gepostet. (Sophie Baikalova)
Label: Metropolis Records | VÖ: 11.10.2011 | Homepage: http://www.angelspit.net/

 
 


Sol Invictus „Against the modern world“
Es ist immer erstaunlich, wenn Musik, welche bereits vor Jahrzehnten veröffentlicht wurde, so klingt, als sei sie gerade erst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Neueste persönliche Entdeckung in diesem Rahmen: die Wiederveröffentlichung des legendären Debüts von SOL INVICTUS. 1987 als EP erschienen und wie die meisten Altwerke der Folk-Heroen nur schwer erhältlich, ist das Album nun Teil der opulenten "The Collected Works"-Box mit Neuauflagen des gesamten Backkatalogs. Und schon weil mit “A ship is burning” einer meiner ewigen Sol-Favoriten auf diesem Album ist, hebe ich den Daumen hoch. Den in der sich elegisch wiederholenden Textzeile “From yesterday to tomorrow” beschriebenen Zeitensprung haben Sol mit ihrem Gesamtwerk gemeistert und so gehört ihre Musik auch heute noch in die Sammlung. Dass die Neuauflage im wunderschönen Digipak, limitiert und mit neun Bonus-Track daher kommt, ist das Tüpfelchen auf dem I. (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach | VÖ: 08.07.2011 | Homepage: https://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 



Jasmin Tabatabei „Eine Frau"      
"Sie weiß, was sie will und warum sie es will. Eine Frau bleibt sich selbst immer treu, träumt ihren Traum stets neu." Passender hätte Jasmin Tabatabai es nicht singen können. Das mit David Klein arrangierte moderne Liederalbum ist gegenüber den beiden vorherigen Solo-Alben erwachsener denn je. Nonchalant oder provokant lächelnd, mal melancholisch, dann wieder humorvoll, sarkastisch oder schmeichelnd. Wir wandeln durch das Leben zahlreicher Frauen und erahnen, was Liebe, Hoffnung und Lebensglück bedeuten kann. (Manuela Seiler)
Label: Edel | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.jasmin-tabatabai.com

 
 



Roterfeld „Blood Diamond Romance“      
Simsalabim! Heutzutage braucht man anscheinend nur noch mit den Fingern zu schnipsen, um Musikstar à la Ville Valo zu werden (in diesem Fall hat es nicht ganz geklappt). Zumindest hat sich das Roterfeld so gedacht -äh, ich korrigiere, Aaron Roterfeld, der Düster-Rocker-Bond aus Voralberg (AU), mit der Mission, “seinen Dämon” umhertreiben und auf die Menschheit los zu lassen. Das Debüt des Zwanzigjährigen klingt extrem glatt, für einen Erstling arg überproduziert. Klar gibt es eine Menge toller Songs wie “Don't be afraid of the dark” , “Sick of being bored” oder “Great new life”, das Ohrwurmcharakter hat. Jedoch fehlt, was das Ganze rund und sympathisch machen würde: das gewisse Etwas, Empathie und der gewisse Hauch von Räudigkeit. (Manuela Seiler)
Label: Premium Records | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.13thmonkey.de/

 
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 Vorschau November 2011  
 


Patenbrigade: Wolff
„Tanzveranstaltung - A Retrospective Best of 2008 – 2012“
Der Wahnsinn geht weiter! Die PATENBRIGADE, laut Eigenaussage „eine der wenigen Künstler, die sich keinem Trend anschließen müssen“, schaffen einfach ihren eigenen, indem sie vergessen geglaubte Schmuckstückchen ostdeutscher Audiokunst hervorkramen und diese- weder ostalgisch, noch anderweitig verklärend – mit feinsten neumodischen Electroklängen zu einer Promenadenmischung allererster Kajüte vermanschen. Titelnamen, verwendete Samples, die Extremitäten anregende Beats: Songs wie „Stalinallee“, „Volksarmee“, „Schallplattenunterhalter“ oder „Der Brigadier trinkt Bier!“ überzeugen auf ganzer politischer Linie und sollten unserer bescheidenen Meinung nach in Clubs viel mehr Gehör finden. Und wie bei jeder P:W Veröffentlichung wird fürs Geld richtig was geboten: schickes CD-Zuhause, fette 19 Tracks und in der Premium Edition eine pralle Zugabe, bestehend aus USB-Stick und Schlüsselband. Dafür muss man nicht mal im Tele-Lotto gewonnen haben. (Pippi von Schnippi)
Auch als limitierte Premium Version mit Lanyard + USB-Stick erhältlich! Im offiziellen Patnebrigade-Shop erhältlich »
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.patenbrigade.com/

 
 


Haujobb
„New World March“
Und auf einmal sind acht Jahre rum und HAUJOBB sind zurück. Und man fragt sich, wie man die Zeit eigentlich ohne so eine Band ausgehalten hat. Auf „New World March“ zeigen Meier und Samardzic, warum sie mit Recht seit annähernd zwanzig Jahren zur Speerspitze deutscher Darc Electronic gehören: weil Kunst immer noch von Können kommt.
“Control” beginnt ruhig, fast als würde Meier mit sanfter Stimme eine Gute-Nacht-Geschichte verlesen. “Crossfire” steigert das Tempo und mit “Lets Drop Bombs”, “More Than Us” und “Machine Drum” geht es in die Vollen. “Dead Market”, zu Recht als Vorab-Single veröffentlicht, markiert zur Hälfte einen unverkennbaren Höhepunkt, ehe “Lost” zum zweiten Teil überleitet, der gefühlt etwas ruhiger daher kommt und vom wunderschönen “Little World” dominiert wird. „Echo“ bietet einen soundtrack-artigen Abschluss und bewirkt, dass sich jede Menge haujobbscher Soundschnipsel noch sehr lange wie Echos im Hirn festsetzen. (Pippi von Schnippi)
Auch als limitierte 2 Disc European Premium Version im 6-Panel-DVD-Pak erhältlich! Im offiziellen Hau-Shop erhältlich »
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.haujobb-music.com/

 
 


Northern Lite „I Like"      
Toller Titel! I like. Sagt viel aus, doch im ersten Moment nix Konkretes - und genau das ist dieses Gefühl, wenn zum ersten mal die CD in den Player geschoben wird: Unsicherheit. Na klar wird man das Album irgendwo mögen, aber haut's einen vom Hocker, oder muss man sich erst dran gewöhnen, quasi schönsaufen? Ich z.B. hatte bei diesem Album schon fast die Flasche in der Hand, bis ich plötzlich merkte „Das ist ja wie früher“! Ich hatte mich wohl zu sehr vom „Unisex“-Album blenden lassen, auf dessen Fortsetzung ich bis heute warte. Aber das hier ist wieder klar definiert – wie am Anfang halt, und da mochte ich's ja schließlich auch! Und auf einmal merkt man wie cool und straight Lieder wie „I like“, „One Soul to sell“ oder „Black Day“ rüberkommen. Soll „Unisex“ doch meinetwegen alleine in der Ecke stehen... is mir alles egal: I like! (Daniel Theberath)
Label: Una Music | VÖ: 25.11.2011 | Homepage: http://www.northernlite.de/

 
 


Blind Passengers „Electrocop"      
Über ein Jahr ist nach dem Erscheinen des Albums vergangen, da überrascht uns Nik Page mit einer weiteren Single aus „Next flight to planet earth". Im besten Marschrhythmus hebt und beugt der aufpolierte „Electrocop" die Beinchen und trampelt alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Hier wird nicht gefragt, hier wird überwacht und niedergeprügelt. Das kommt im Mix von E-Craft natürlich noch eine Spur kantiger rüber und auch der 8ight Remix ist nicht zum Spielen im Buddelkasten vorbeigekommen, auch wenn er etwas verspielter klingt. Neben den gekonnt in Szene gesetzten Bildern des beigefügten Clips, erhält der Käufer zudem noch eine 2011er Version des Passengers-Hits „Born to die". Wie die Fans aus alten Tagen ist auch dieses Lied nun erwachsen geworden. Steht ihm gut, der unterkühlte Look und die Melodie ist immer noch genial! (Torsten Pape)
Label: Wannsee | VÖ: 04.11.2011 | Homepage: http://www.blindpassenger.de/

 
 


Vlad in Tears
„Welcome to Vladyland“
Man könnte anfangs meinen, eine neue Platte von The Rasmus gegriffen zu haben. Aber nein, weit getäuscht. Ab dem zweiten Song entfaltet sich tatsächlich eine Gothic-Rock-Band, die wir in Deutschland noch nicht gemeint gehört zu haben: Vlad in Tears belehren uns eines besseren, denn bereits in diesem Jahr standen sie auf den Brettern des WGT und sorgten für Überraschung. Die drei Brüder aus Italien (plus Schlagzeuger) wollen nun ihr mittlerweile viertes Album vorstellen, dieses Mal jedoch mit Konzept. 1920, Jahrmarkt. Entfremdung, Isolation, Mut, Liebe - Unsterblichkeit? Gibt es meine eigene Welt? Oder nur das Grau da draußen? Taucht einfach ein (anspielbar: "Here comes the Rain", "Mary" oder "The Black Cat") und lasst euch von den Vlad-Brüdern Kris, Lex und Dario gefangen nehmen, vielleicht entdeckt ihr ja dann euer eigenes - Land!? (Manuela Seiler)
Label: Echozone | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.vladworld.net

 
 
 Oktober 2011  
 


NEO „Sindustrial“
"Faster, deeper, harder, louder." So, wie der Song heißt, könnte man auch das Album der beiden Tüftler Tandrin und Disdain beschreiben. Sie wollen Elektro-Industrial machen und experimentieren mit allen nur erdenklichen Frequenzen, Instrumenten und was es sonst noch so zu finden gibt. Dass fast jeder Song mit "Industrial" oder "electric order" beginnt, fällt dann nach x-maligem Anhören bald gar nicht mehr auf. Der Erstling wurde von X-Fusion gemastert, inhaltlich geht es eigentlich nur um die Core-Verarbeitung, Sindustrial eben, die neugeschaffene Vereinigung von Gothic und Industrial. Getanzt werden kann bis zum Umfallen zum revolutionären "E-fight", zum provokanten "Irre explodieren nicht", "Low Freak Bitch" oder auch zur Hommage an die guten alten Zeiten "Enjoy my sickness" bzw. "Hoffnung". Bringt die Clubs zum Beben! Aber hebt nicht ab, könnte kalt werden... (Manuela Seiler)
Label: Körperschall | VÖ: 07.10.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


Industriegebiet
„Wer schön sein will, muss sterben
Leere Augen, fette Beats, wummernd, EBM vom feinsten, gespickt mit Samples, die mal auf Trancezustand eingestellt sind, mal ein Cover von Kraftwerks Robotern, was ziemlich cool rüberkommt, mal politisch angehaucht sind und zum Nachdenken anregen. Moment mal, beim Tanzen denken? Ja, das geht auch, denn man könnte ja bei einer Pause einen niveauvollen Plausch mit dem Nachbarn halten. Gerade, was das Thema Braun in schwarzer Ummantelung anbelangt (siehe WGT), was viel zuviele herunterspielen. Massimo macht‘s möglich. Wir leben in einem Traum, wir brauchen gar nicht mehr aufzuwachen, ein Traum, der nie zu Ende geht. Ach nein, wir wollen ja schön sein. Wie stirbt man am schönsten? Mit Massimo natürlich! (Manuela Seiler)
Label: Echozone | VÖ: 21.10.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/industriegebiet

 
 


Celluloide
„Ordinosaure“
„Ordinosaure”? Sind wir jetzt im Jurassic Park? Nein, nicht ganz, aber es geht schon ein bisschen zurück in die Vergangenheit. Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, in der Kassetten ein Speichermedium für Computerdaten waren? Ja, das gab es wirklich mal und genau darum geht es in diesem Song, der eigentlich die B-Seite der letzten digitalen Single war. Der Text ist nämlich eine Art Bedienungsanleitung, charmant vorgetragen von einer selbstbewussten Französin. Also nix Refrain und natürlich auch keine Strophe. Klingt schräg und ist auch schräg. Rund um das technische Gelaber befindet sich ein zirpender und bliepender Synthiepopsong, der zusätzlich von den Labelkollegen Dekad, Foretaste und Neutral Lies in ein für sie typisches Gewand gesteckt wurde. Die spinnen, die Franzosen! Aber im Bodystyler-HQ kommt das natürlich gut an. (Torsten Pape)
Label: Boredom | VÖ: 05.10.2011 | Homepage: http://www.celluloide.online.fr/

 
 


Encephalon
„The transhuman condition“
Encephalon – das Gehirn, die Schaltzentrale - bestehend aus zwei Hälften mit unterschiedlichen Eigenschaften bzw. Funktionen. Vielleicht soll das Album der Kanadier ja genau diese Dualität widerspiegeln, da es zwischen zwei unterschiedlichen elektronischen Spielarten hin und her pendelt? Auf der einen Seite finden wir die aggressiven Harsh- oder Hellectro-Stücke, die ordentlich Härte mit sich bringen, ohne dabei zu stumpf zu wirken. Vielschichtig sind auf der anderen Seite aber auch die Songs, die mehr mit dem Synth- oder auch Future-Pop liebäugeln. In diesem Terrain schafft man es zudem schnell, mit einigen Ohrwürmern zu punkten. Leider geht bei dieser Vielfalt der eigene Charakter und eine typische sowie markante Identität etwas verloren. Aus den verwendeten Stilen machen andere Leute jedenfalls eine Hauptband und mindestens zwei/drei Nebenprojekte. Fluch und Kompliment zugleich? (Torsten Pape)
Label: Dependent | VÖ: 28.10.2011 | Homepage: http://www.encephalon.ca

 
 


Skinny Puppy
„hanDover“
Nachdem die Kanadier 2004 nach achtjähriger Pause wieder im Karussell der aktuellen Veröffentlichungen saßen, hatte man das Gefühl, dass sich vorher so manches angestaut hatte. Die beiden folgenden Alben schäumten geradezu über mit all ihren genialen Ideen und spektakulären sowie wagemutigen Experimenten. Mit dem neuen Opus scheinen die Götter des Electros nun das Steuer wieder etwas fester in der Hand zu halten. Man intoniert zwar gewohnt wütend, ja anklagend und so manch kryptische Spielerei ist natürlich ebenfalls an Bord. Allerdings gibt es keine Rap-Einlagen mehr und der Wahnsinn kommt nur noch manchmal in Form des irren Clowns, dafür umso mehr - wie in der Vergangenheit perfektioniert - düster und bedrohlich daher. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 28.10.2011 | Homepage: http://www.skinnypuppy.com

 
 


Mono Inc
„Revenge“
Auf Grund der enormen Hitqualitäten war es zum Glück unausweichlich, dass der Song, der auf Scheinheiligkeit im weiteren und engeren Sinne gemünzt ist, eine Single wird. Und das um ihn geschnürte Paket ist wirklich toll geworden. Als exklusiven Track gibt es „Tired of the day” - das etwas andere Schlaflied für Lebensmüde. Wer jetzt jedoch eine Ballade erwartet, liegt vollkommen falsch, denn hier wird kontrovers und mitreißend gerockt! Mitgerissen wird man auch von den anschließenden drei Livestücken und man kann sich nur atemlos fragen, wann endlich ein längst überfälliger Konzertmitschnitt erscheint. Den Abschluss der EP bilden der vollelektronische Degradation Mix sowie die balladeske Afterglow Version des Titeltracks. In beiden Fällen trifft das Prädikat „simpel, aber effektvoll” zu, denn die Granate zündet wirklich in jeder Form und das mit verheerendem Ausmaß! Sichten und vernichten – weiße Fahne – toll! (Torsten Pape)
Label: NoCut | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.monoinc.com

 
 


Pankow
„Kunst und Wahnsinn“
EBM-Avantgarde trifft auf abgefahrene Poesie und subversive Tanzkultur. Gibt es einen prägnanteren Song als „Kunst und Wahnsinn”, um das Schaffen der Italiener – und besonders die Phase(n) mit Alex Spalck – auf den Punkt zu bringen? Da wirkt Oswald Henke doch fast schon kerngesund, oder? Der durchgeknallte Eindruck wird anhand der mitgelieferten, teils recht raren oder gar exklusiven Songs noch verstärkt, ohne jedoch an das Hitpotential des Titeltracks heranzukommen. Da blitzt kurz ein schöner Arsch auf, es steppt der mehr wollende Electropunk und auch die grandiose Verbeugung vor dem kleinen Prince oder die ungeschliffenen Livestücke werden Pankow wohl nicht zum verdienten Ruhm führen. Die verbliebene Minderheit freut sich dafür umso mehr und feiert ihre kranken Helden. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/pankow

 
 


M83
„Hurry up, we're dreaming!“
Sind Träume immer dazu da, sie zu verwirklichen? Ist es nicht viel schöner, sich in sie zu kuscheln und in ihnen zu verweilen, um weiterschweben und -träumen zu können? Der 30jährige Südfranzose Anthony Gonzalez schuf mit seinem inzwischen sechsten Album ein Meisterwerk im Doppelpack, das das Träumen, die Retrospektive episch und in orchestraler, feinfühliger, zarter, mal auch leicht schwermütiger Atmosphäre beschreibt. Er wirkt beinahe filmisch, der 80s Synth-Pop, mit seinen wellenden Synthies, lieblichen Harmonien, glücksprühenden Sängern (neben Zola Jesus und Brad Laner hören wir auch Anthonys Bruder Yann). Viele Inspirationen, Gigs und Musiker (u.a. DeMo, Kings of Leon) sind dem jungen Mann aus Antibes seit 2001 schon begegnet - was ihm aber am wichtigsten ist? "Eine gute Aufnahme, die man auf einer guten Anlage anhören kann.” (Manuela Seiler)
Label: Naive/Indigo | VÖ: 17.10.2011 | Homepage: https://www.ilovem83.com

 
 


Der Blutharsch and the infinite church of the leading hand „The Story Of The Digging Of The Hole And The Hearing Of The Sounds From Hell“
Bei der höllischen Ausgrabung zum aktuellen Album hat Der Blutharsch mit Unterstützung der infinite church of the leading hand so manche Überraschung an künstlerischer Kreativität und Vielseitigkeit frei geschaufelt. Natürlich ist auch auf dem neuen Werk erst mal gesangliche Düster-Predigt angesagt. Dazu jauchzen die Gitarren unter dem psychedelischen WahWah-Pedal und die Orgeln und Violinen sind der Untermalung schrecklicher Horror-Visionen entliehen. Dennoch komme ich nicht umhin, diesem Album ein positives und entspannendes Feeling zu verleihen. Sei es mein morbider Geist oder die immer wieder aufwabernde Hippie-Attitüde, die durch das Werk schwappt und in Melodieführung erklingt. Ja, das ist durchaus auch eine Platte für das Baden am Ostsee-Strand oder das Picknick im Wiener Wald. Man kann Vergnügen durchaus auch mit Ernsthaftigkeit verbinden. Wenn so die Stimmen in der Hölle klingen, bin ich durchaus bereit, an diese abstrakte Vorstellung zu glauben. (Spider)
Label: WKN | VÖ: 16.10.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 



Collapse Under The Empire
„Shoulders & Giants“
Beeindruckende Bilder majestätischer Landschaften, darüber dräuende Wolkengebilde und durch sie geteilte Sonnenstrahlen. Inmitten all dieser Schönheit steht ein Mensch. Glücklich einsam oder traurig verlassen? Friedlich oder ängstlich? Angekommen oder bereit zu gehen? All dies und noch viel mehr ist möglich, steht nebeneinander und schließt sich nicht aus. Beim Erklingen der wunderschönen, rein instrumentalen Musik dieses Hamburger Projekts erweitern sich die Sinne und die Fantasie streift durch die schier grenzenlosen Klanggebilde. Ekstatisch, hypnotisch, jubilierend, weinend und umarmend. Kalt und warm erwischen einen die perlenden, intuitiven und manchmal eruptiven Gitarrenwellen, die zarten bis harten Drums sowie die hymnisch-melodischen Synthieklänge. Ein Aufstand der Gefühle! (Torsten Pape)
Label: Sister Jack | VÖ: 21.10.2011 | Homepage: http://www.collapseundertheempire.com

 
 



Steinkind „Es wird Zeit"      
Mann, sind die pflichtbewusst.. Erst heißt es „Es muss“ und ein paar Monate später sind die Steinkinners schon am drängeln „Es wird Zeit“! Wobei es schon ein kleines Novum im elekronischen Bereich ist, nach Erscheinen des Albums eine weitere Single auszukoppeln. Es sei denn, man nennt sich „Hurts“. Die haben ja mittlerweile fast ihr ganzes Debut nochmal einzeln auf Singles gepackt. Aber zurück zum Thema: „Es wird Zeit“ war schon auf dem Album 'ne Bombe und das zeichnet sich jetzt sogar auf dem Singlecover ab. Den ein und anderen Mix hätte man sich zwar schenken können, aber 'ne Extended Version macht sich immer gut - und der Hartung und Schleinitz-Remix zeigt, das hier verstanden wird, wie man neues schafft, ohne zu zerstören. Nachdem die Remixflut abgeebbt ist, wird hier - wo für manch anderen Künstler schon Schluss ist - nochmal voll aufgedreht: Rummelsnuff covert Steinkind und die schicken direkt im Anschluss Heidi K. ohne Schminke auf den Laufsteg. Was für ein Fest! (Daniel Theberath)
Label: Fubak/Danse Macabre | VÖ: 07.10.2011 | Homepage: http://www.steinkind.com

 
 



Angelspit „Hello my name is"      
Ist es möglich, gleichgültig gegenüber Angelspit zu sein? Gegen ihre erstaunliche Ironie, die manchmal unerträglich ist? Gegen ihre rezitativen und neckischen Slogan Refrains, die tosenden Gitarren und Keyboards am Rande eines Fouls? Auch dieses Album tanzt nicht aus der Reihe. Aber es ist gut zum Tanzen! Der erste Track „Cubicle“ ist wie das Erwärmen eines betäubtes Gehirns, danach kommt das scharfsinnige „Counterfeit“: Zitat „If God is money, I am the Devil“. Man sieht es sehr deutlich, wenn man den Aufbau betrachtet. Goethe, kann man so am Designer sparen? No way, dieser Ansatz geht einfach nicht. Kehren Sie bitte zum stylischen Aufbau zurück, sonst werden bald kleine Kinder eine Gebühr für ihre Kleckse verlangen. Aber wenn man nicht so genau schaut und nur zuhört, gibt’s keine Tragödie. Es geht nicht unbedingt darum, was für ein Affe Amelia und Karl gebissen hat, vielleicht einer mit Waffe, aber nach dem Reim „Vermin“ und dem brummenden „Catatonic“ folgt jedenfalls ‘Monkey Bite’, welcher bemerkenswert ist wegen seinem ausdrucksvollen Schreien vor dem Chor. Das beliebte Thema der Bands bleibt dasselbe, es kehrt immer wieder zum Krankhaus zurück, damit startet die Band nackt ihren „Defibrillator“. Weiter folgen der Track „Bullet Proof“ der gut für irgendwelchen dynamischen Horror geeignet ist. Dieser wird ersetzt durch „Static“ dessen Name völlig gerechtfertigt ist. „Jailbait“ erklärt den Wunsch keine Freunde aber Leichen zu machen, danach folgen noch das Instrumental „Deadly“, und das am Ende ein bisschen geschmierte „Violence“, das sich in der kannibalischen Sexualität behauptet. Ich habe „Defibrillator“ in der täglichen Playlist und „Violence“ wird in speziellen Fällen gepostet. (Sophie Baikalova)
Label: Metropolis Records | VÖ: 11.10.2011 | Homepage: http://www.angelspit.net/

 
 



13th Monkey „Return Of The Monkey“      
Musik frei von Samples, frei von verzerrter Bewusstlosigkeit. Das findet man auf dem neuen Album von 13th Monkey. Im Vordergrund steht die absolut zeitlose undeklinierte Schönheit aus Sphären zwischen absonderlichen Beats, eingehüllt in abstrusen Sounds, die sich zeitweilig in kleine Melodien verwandeln, dann wieder schnell verschwinden. Langeweile muss gesucht werden auf dem 10 Track starken Album, um die Suche dann aber enttäuschend aufzugeben. Neben Tracks, die für den Club gemacht sind, finden sich teils verträumte und zum anderen Teil sehr abstruse Sachen wieder. Die Scheibe bietet mehr als nur modernen Noise! „Return of the Monkey“ ist ein spannendes Album, welches immer wieder das Ohr mit neuen Sounds positiv überrascht. Trotz vergeblicher Suche nach schlechten Tracks kann man „Elektroheads“ und die, die es noch werden wollen dieses Stückwerk ans Herz legen. (Markus B.)
Label: Hands | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.13thmonkey.de/

 
 
 



Roterfeld „Blood Diamond Romance“      
Simsalabim! Heutzutage braucht man anscheinend nur noch mit den Fingern zu schnipsen, um Musikstar à la Ville Valo zu werden (in diesem Fall hat es nicht ganz geklappt). Zumindest hat sich das Roterfeld so gedacht -äh, ich korrigiere, Aaron Roterfeld, der Düster-Rocker-Bond aus Voralberg (AU), mit der Mission, “seinen Dämon” umhertreiben und auf die Menschheit los zu lassen. Das Debüt des Zwanzigjährigen klingt extrem glatt, für einen Erstling arg überproduziert. Klar gibt es eine Menge toller Songs wie “Don't be afraid of the dark” , “Sick of being bored” oder “Great new life”, das Ohrwurmcharakter hat. Jedoch fehlt, was das Ganze rund und sympathisch machen würde: das gewisse Etwas, Empathie und der gewisse Hauch von Räudigkeit. (Manuela Seiler)
Label: Premium Records | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.13thmonkey.de/

 
 
 
 September 2011  
 


Mediengruppe Telekommander
„Die Elite der Nächstenliebe“
„Die Elite der Nächstenliebe“ ist definitiv vielleicht der erste Release auf dem neu gegründeten Label Audioakt (Kuddelmuddel von Audiolith und Staatsakt) und vollschlimm-krassschade das letzte Erzeugnis des Trägers des Lässigkeitspreises Florian und Jungschlawiners Gerald aus dem Tollhaus Berlin (um „im Jahre 2012 eine Hühnerzuchtfarm in der Kaschubei zu übernehmen“, heißt es in der Label-Info). Nach exakt ungefähr 10 Jahren filigranen Berserkerns mit vier Alben u. a. bei Mute Records endet dieser Dschihad des Frohsinns. Tracks wie "Deine Schule", "Billig" und "Draufhalten" legen rowdyesk nach in Sachen subtile konsum- und gesellschaftskritische Ohrfeigen, eingehüllt in die Bonbonniere des Elektropunk. Poetische Ejakulate, die den Kokolores zwischen Intellekt und Pseudo-Intellekt ins Torkeln bringen und bar jeden Umschwiffs deine innere Rockerbraut rauskitzeln. Da bekommt dein Trommelfell mitnichten Cellulitis und somit cool as cool can Digga! (Daniel von Karoshi)
Label: Audioakt | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.mediengruppe-telekommander.de/

 
 


Nova-Spes
„Pripyat - Home of Lilith“
"Die Welt ertrinkt neben uns, doch wir haben keine Zeit - Totenstille hat ihren Sinn." Anlässlich zum 25. Jahrestag von Chernobyl und aktuell zur Nuklearkatastrophe von Fukushima diesen Jahres haben das Trio um Matthias Hübner ihr inzwischen zehntes Album dem großen und wohl diskutierfreudigsten Thema gewidmet: der Atomkraft als Konzept und seine Folgen für die Menschheit am Beispiel der Arbeiterstadt, jetzt "Stadt ohne Atem" genannt, Prypiat. Eindringlich, intensiv, schockierend,teilweise mahnend, teilweise anklagend, jedoch auch zutiefst verwirrend und verstörend. Verwirrend deshalb, weil der Synthpop so sehr zum Tanzen animiert, beispielsweise in den Songs "Wir wollen jetzt!", "Die Farbe der Saison", "Sehnsucht", bei dem auch Bruno Kramm mitgewirkt hat. Tanzt lehrreich, denn wir sind nicht unverzichtbar auf dieser Welt! (Manuela Seiler)
Label: Dance Macabre | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.nova-spes.com

 
 


Felix Marc
„The Muse“
Bereits auf dem Album ist man der Muse nicht entkommen und nun wird man auf der vorliegenden Maxi gleich sechs Mal von ihr geknutscht. Größtenteils geht das auch mehr als in Ordnung, allein der extra lange Zungenschlag in Form des Club Mixes bringt das Blut ordentlich in Wallung. Der Video Edit ist dann der erwartete Quickie, Vasi Vallis agiert leider einen Tick zu hektisch und der Sushiboy pendelt süffisant zwischen harter und zarter Liebkosung hin und her. Fast schon unerträglich wird die Ekstase dann beim genialen Torul-Remix, der dunkel und bedrohlich die erogenen (Tanz-)Zonen umkreist. Wer hier nicht zum Höhepunkt gekommen ist, wird wohl vom Syrian Remix kalt erwischt. Wer möchte schon von Fancy aus süßen Träumen geweckt werden? Brrr! Ein versöhnliches Ende bildet der neue Song „Fallen stars” - Felix pur und in Bestform. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.felixmarc.de

 
 


Straftanz
„Mainstream Sellout Overground“
Die neuen Gassenhauer von der Spaßgemeinschaft der neuernannten "Funktionsmusik" sind nun auf einem zweiten Album zusammengefasst worden. "Mainstream Sellout Overground" heißt das mineralisierte und vorm Aussterben bedrohte gute Stück und weist uns wieder einmal auf den recht schwarzen, skurrilen Humor der vier Ruhrgebiets-Elektroniker hin. Dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen in Sachen Gesellschaft, Hierarchie und Macht war klar. Einmal Straftanz, immer Straftanz, oder? "Macht weiter, wie bisher, dann ist das ganze gar nicht schwer." Na, geht doch. (Manuela Seiler)
Label: Scanner | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.straftanz.de

 
 


Autodafeh
„Act of Faith“
Wenn EBM eine Religion wäre, ja wenn, dann hätten AUTODAFEH mit „Act of Faith“ gerade ein astreines Glaubensbekenntnis zu selbigem abgelegt. Denn mit dem im September 2011 erschienenen dritten Album wird konsequent das zelebriert, was die Südschweden beinahe religiös verehren: die gute alte Electronic Body Music. Im Stile der „Väter und heiligen Geister“ FRONT 242 präsentieren Jesper, Mika und Anders mit zehn neuen und zwei überarbeiteten Songs geradlinigen EBM, allerdings ohne plump zu kopieren oder einfallslos „Bumm Bumm“ herunter zu beten. Stattdessen stecken die Stücke in modernem Soundgewand, werden auch bei mehrfachem Hören nicht langweilig und laden bereitwillig zum rituellen Abspacken ein. Und wenn die drei auch weiterhin im Rhythmus bleiben und alles geben, was drin ist, dann ist die Messe noch lange nicht zu Ende gesungen und einer Fortsetzung sehen wir sehr gerne entgegen. Amen. (Pippi von Schnippi)
Label: Scanner | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: https://www.facebook.com/autodafeh

 
 


Various Artists „Körperschall-Sampler Vol. 2"      
Heutzutage werden wir von allen Seiten beschallt,ob motorisiert, verbal oder musikalisch. Körperschall hat nun seinen zweiten Sampler vorgelegt, minimiert auf sechs Bands, die sich in 17 Tracks austoben können. Die Songs wiederum sind remixed von Größen in- bzw. außerhalb der Szene wie !Distain oder Lolita Komplex und erzeugen eine durchaus hörbare, stabile, vielfältige Elektro-Mischung. Natürlich gibt es selbsternannte Doktoren, die um das Wohl der Tanzenden besorgt sind. Die kann man getrost selbst beim Zahnarzt oder gar in der Mülltonne liegen lassen. Andere bestechen durch ihre Originalität wie Industriegebiet ("Wer schön sein will, muss sterben"), Diodati ("Nänie") oder Ellipse ("Ich weiß nicht mehr, wer ich bin"). Also, nehmt die Schwingungen auf - und bewegt euch! (Manuela Seiler)
Label: Echozone/ Körperschall Records | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/koerperschallrecords

 
 



Apparat
„The Devil's Walk“
Es ist nicht so dass das Vorgänger Album „Walls“ ein sprühendes Party Album war, trotzdem beschreitet Sascha Ring auf „The devil´s walk“ deutlich melancholischere Wege. Einen Einfluss darauf hat sicher das Heranwachsen des Projekts Apparat zur Band Apparat. Mit natürlichen Instrumenten und mehr Gesang lässt sich eindeutig eine wärmere seufzerische Mummel Atmosphäre gestalten. Dass dabei die elektronischen Spielereien weiterhin eine Rolle spielen dürfen macht die Symbiose aus Tüftelei und Komposition perfekt. Entstanden sind keine episch strukturierten Jahrhundert Songs aber ein Album mit viel Tiefgang dessen Atmosphäre beständig über einen langen Zeitraum begeistern wird. Hier finden ruhelose Gedanken eine dankbare Heimat in Texten über Glück und Enttäuschungen des Lebens die man einfach ab und an geborgen in einem Haus aus Klängen sortieren möchte. (Spider)
Label: Mute | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.apparat.net

 
 


Digital Factor „Trialog“ DIGITAL FACTOR sind Mike Langer, Guido Litke und Neuzugang Leo von Leibnitz als Ersatz für das langjährige Bandmitglied Torsten Heise. Und wie das so ist, wenn drei miteinander spielen, dann kann das kein Dialog sein. Also sprechen wir hier von einem Trialog, welcher sich musikalisch so darstellt: rhythmische Bässe, sehr präsenter Gesang, vielfältige elektronische Spielereien, stimmungsvolle Samples und Überraschungen wie klassische Anleihen zu einem Männerchor („A force of unknown people“). Ein bunter Mix musikalischer Zutaten ist es, den das Altenburger Trio auf dem jüngsten Album präsentiert. Die Annehmlichkeit dabei ist, dass es keinesfalls langweilig wird. Aber wo ein Vorteil ist, ist auch ein Nachteil, und der heißt: zu wenig Eigenständigkeit, zu sehr irgendwo zwischen KRUPPS („Links rechts links“), NIN („Steam“) und NITZER EBB („The Knife“) gefangen. Schade, denn die Fähigkeiten zu mehr haben die Drei ganz sicher. (Pippi von Schnippi)
Label: Black Rain | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.digitalfactor.de/

 
 


à;GRUMH
„We were à;GRUMH... and you were not"
Ohne die Jungs mit dem kryptischen und vielfältig interpretierbaren Namen wäre die EBM-Kultur definitiv um eine Attraktion ärmer. Zehn Jahre lang haben sie ordentlich Wellen geschlagen und es hat dafür gereicht, dass sie auch noch zwanzig Jahre nach Auflösung der Band ein Gesprächsthema sind und in die Klassiker-Reihe des Infacted-Labels aufgenommen werden. Stilistisch kann man sie irgendwo zwischen Front 242 und The Neon Judgement ansiedeln, wobei ein ordentlicher Schuss Avantgarde addiert werden darf. In den Songs werden Botschaften proklamiert, der Rhythmus stampft ordentlich und über all dem weht eine oft schräge, meist kühle Brise. Dabei von Hits zu sprechen wäre wohl vermessen, aber Kultiges findet man dafür en masse. Es grenzt an Wahnsinn, aus all dem veröffentlichten und unveröffentlichten Material eine repräsentative Zusammenstellung zu extrahieren, aber hier ist dies bestens gelungen. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.agrumh.com/

 
 



Jasmin Tabatabei „Eine Frau"      
"Sie weiß, was sie will und warum sie es will. Eine Frau bleibt sich selbst immer treu, träumt ihren Traum stets neu." Passender hätte Jasmin Tabatabai es nicht singen können. Das mit David Klein arrangierte moderne Liederalbum ist gegenüber den beiden vorherigen Solo-Alben erwachsener denn je. Nonchalant oder provokant lächelnd, mal melancholisch, dann wieder humorvoll, sarkastisch oder schmeichelnd. Wir wandeln durch das Leben zahlreicher Frauen und erahnen, was Liebe, Hoffnung und Lebensglück bedeuten kann. (Manuela Seiler)
Label: Edel | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.jasmin-tabatabai.com

 
 



De/Vision „Popgefahr - The Mix"      
Es scheint, als hätten De/Vision Angst vor ihrer eigenen Popgefahr. Warum sonst sollte man Künstler mit ordentlich Druck auf dem Rohr alles nochmal durchspülen lassen?! Die Beweggründe sind allerdings auch völlig egal, freuen wir uns doch immer, wenn was neues einer favorisierten Band erscheint, auch wenn's schon mal da war - nur halt anders. So geschieht das (fast) Unfassbare, dass beinahe alle 20 Remixe durchaus unterhaltsam sind; sich jeder Song auf den einzelnen CDs nur einmal findet. Pfiffich! Viele unbekannte Namen tummeln sich auf den beiden Silberscheibchen, doch ist dies kein Zeichen von Qualitätsmangel, denn manchmal sind's ja grad die neuen, die noch innovativ arbeiten. Illustre Namen wie T.O,Y., Mesh oder Daniel Myer runden das ganze zudem ab, aber, liebe Dewischies: die Mixe von bzw. Blitzmaschine und Solitary Experiments (von der US-Version) hättet Ihr gern noch als Bonus ins Päckchen packen können. Doppelt kaufen macht nämlich hässlich! (Daniel Theberath)
Label: Popgefahr Records | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.devision-music.de

 
 



Noisuf-X „Dead End District"      
Nun ist das sechste Album vom kleinen Bruder von X-Fusion herausgekommen - und man darf sagen, dass es gelungen ist. Es wimmelt nicht nur so vor Ohrwürmern, Tanzschlangen und Clubkrachern, sondern beinhaltet auch einen grotesken und passenden Humor ("Strange Signal", "Clubhit"). Jan L. war auch diesmal experimentierfreudig und herausgekommen ist u.a. eine sonderbare Mischung aus EBM und Ska- "Future Ska" der besonderen Art. Aufgeschlossenheit bewährt sich. Neben der Standard- Version ist auch eine auf 888 Stück limitierte Ausführung (teilweise signiert, wenn es über die HP vorbestellt wurde) des Albums inklusive Bonus- CD mit fünf weiteren Tracks erschienen. Lasst es krachen! (Manuela Seiler)

Wenn Noisuf-X veröffentlicht, werden es wenigstens zwei CDs, und die späteren Remixe der Kollegen aus der Branche könnten auf zwei bis drei CDs Platz finden. Na ja, und manchmal wird dies als limitierte DVD veröffentlicht. Und wenn ich die Homepage des berühmten Musikers richtig verstanden habe wird auch eine Jewel-case Versoin verfügbar sein. Klingt verlockend, allein die Post in diesen Land, ganz die sichere Nummer, entschied, dass sie das Juwel lieber behalten als es irgendwelchen Empfängerinen zu senden. Nun, genug hansgewurstet! Vermißt Ihr frisch klingenden technoiden EBM? Hier gibt’s ausreichend für jeden! In dem Aufbau, aus mehrschichtigen Chören und Samples erkennt man die Handschrift von Jan Lehmkämper. Die Tracks wie „Clubhit“, „Shout loud“, „I don’t trust you“, „Hexensabbat“ werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit viel Erfolg auf der Tanzfläche haben. Diese CD wäre auch beim Sportstudium im Gymnastik Raum nützlich, energetisiert besser als Koffein und andere bedenkliche Substanzen. Nein, das ist keine Ironie, wie kann man über solche Dinge Possen reißen? Übrigens, das Album wurde nicht in fünfzehn Minuten gemacht, so wie der Name eines Tracks vermuten läßt. Ein weiterer Titel ist ‘Everyone Here Is Mad’? Nun, wie wird man sich wohl fühlen, beim grundlegenden Prasseln des Albumklangs, das in schicke Keybords gefasst, meisterhaft satt und hell ist? Im Großem und Ganzen, klingt das Album interessanter, als das vorige. Und die zweite CD endet ein bisschen unerwartet. So eine Anspielung und Rätsel! So eine Einheit führt dazu, dass man sich nach mehr sehnt.Versprecht mir genügend zu tanzen!
(Sophie Baikalova)
Label: Pronoize | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.noisuf-x.com

 
 



Erasure „Tomorrow’s world“      
Mit dem neuesten Werk zeigen uns Vince Clarke und Andy Bell deutlich, dass die „Total Pop“-Hit-Shows der vergangenen Monate nicht bedeuten, dass sie sich auf den Lorbeeren der letzten 25 Jahre ausruhen wollen. Vielmehr möchten sie immer noch im Hier und Jetzt mitspielen und haben sich dieses Mal mit Vincent Frank (Frankmusic), einen aktuell angesagten Namen ins Boot geholt. Herausgekommen ist eine quirlige, frisch klingende Variation des typischen Erasure-Kosmos mit gewohnt tollen Melodien und gefühlsintensiven Texten. Dabei ist die neue Single „When I start to (break it all down)“ noch nicht einmal der größte, wenn auch ein sehr nachhallender Hit. „Be with you“, „Fill us with fire“, „I lose myself“ oder auch „Just when I thought it was ending“ bieten nämlich noch schillerndere Momente. (Torsten Pape)
Label: Mute | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.erasureinfo.com

 
 



Zynic „My Personal Kryptonite“      
Einen persönlichen Friseur – das kann ich mir vorstellen. Aber was für Kryptonit denn? Das fällt meiner Fantasie nicht so leicht. Diese EP besteht aus fünf Varianten des sechsten Tracks des Albums ‚Fire Walk With Me’, dem netten ‚Regrets’ und dem protzigen ‚Almost Silence (Campfire Version)’. Auf der Homepage werden diese als genial beschrieben. Sicher ist es ganz toll von Mesh und RoterSand Remixe zu bekommen, und ein Projekt von Olaf Wollschläger zu sein, aber, ich würde sagen, dass solche eine Selbstbewertung für die Debutanten ziemlich hoch gegriffen ist! Gerade stelle ich beiläufig fest, dass die Remixe Gummibärchen ähneln, die in aufsteigender Reihenfolge der Klanglebendigkeit angeordnet wurden. Gegessen, genossen (die Qualität ist auf jedem Fall ganz hoch, wer kauft die CD sonst?) und vergessen. Also, Tracks von dieser EP werden bei Teenie-Partys herzlich willkommen sein, bei sechzehnjährige Mädchen, die an Komplexen leiden, davon träumen können mit einem schlanken, blassen Jungen in intimen Augenkontakt zu treten und zur Unterstützung sagt ihm ruhig: ‘You’re my personal Kryptonite.` So! 3 von 6 und gute Party mit der limitierten EP, meine kleinen Zyniker! (Sophie Baikalova)
Label: Conzoom | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.zynic.de

 
 



Various „Generation Underground“      
Auf dieser wirklich randvollen Zusammenstellung wird einer Zeit gedacht, zu der der Underground noch sämtliche Musikspielarten auf einer Tanzfläche vereinen konnte. Es geht also um die 80er (mit kleinen Ausreißern nach oben und unten) und das Spektrum reicht von Punk, Wave, Indie-Rock bis hin zu elektronischen Vertretern. Dabei ist es besonders lobenswert, dass die Macher der Compilation zumeist nicht auf die bekanntesten Songs zurückgegriffen haben. An manch einem Lied kommt man wohl nicht vorbei (z.B. „Temple of love” - man wird leider nicht vor Ofra Haza gewarnt..), aber viele der anderen Bands dürfen zeigen, dass sie auch andere starke Stücke im Repertoire haben. Ausnahmsweise empfehle ich den digitalen Erwerb, da man so ein von Thomas Elbern gesprochenes Geleitwort mit vielen interessanten Infos und einen exklusiven Track seiner Band Escape With Romeo erhält. (Torsten Pape)
Label: EMI | VÖ: 02.09.2011 | Homepage: http://www.emi.de

 
 



Dead Guitars „Stranger“      
Es ist schon ein Paradoxon, dass die toten Gitarren oftmals besser klingen, als die lebendigen. Was ist jedoch eine lebende Gitarre? Und wie könnte sie sterben? Auch auf ihrem dritten Album geben uns die Herren mit der langen Musiker-Vita zumeist elegische und manchmal sogar umwerfend poppige („Mesmerized") Songs zum Besten. Einem bewegten Ozean gleich schwingt „Stranger" wellenartig auf und ab, stellt wohlige Momente neben den Aufruhr der Gefühle und gezielte Dissonanzen. Mit an Bord sind natürlich wieder die wunderschönen Texte von Carlo van Putten, aber trotz all der fantastischen Poesie bleibt sogar genug Raum für rein instrumentale Songs und ein Neil Diamond-Cover. Hier geschieht einfach alles zur rechten Zeit, illustre Gäste wie Michael Dempsey (Ex-The Cure) sind stets willkommen und der Hörgenuss ist am Ende aufregend und perfekt. (Torsten Pape)
Label: Silverbird Music | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.deadguitars.com

 
 



Fiddler's Green „Wall Of Folk“      
Na, hoppla! Da kommt aber eine wilde Hammelherde angerannt und der aufgewirbelte Staub legt sich bestimmt nicht so schnell. Es steht nämlich Speed-Folk auf dem Programm und das auch nach über 20 Jahren mit gleichbleibender Beschleunigung. Da hilft nur das schnelle Austrinken der Pints, damit nix vom guten Stout verschüttet wird, denn schon hüpft und bebt der ganze Pub. Die neuen Songs haben glücklicherweise sofort einen unverschämt hohen Mitsingfaktor und spätestens bei Klassikern wie „Irish Rover“ oder „Dirty old town“ bleibt kein Fuß mehr am Boden. Im limitierten Format wird übrigens auch noch ein großes Club-Sandwich in Form von sechs Bonustracks und einer fetten Live-DVD gereicht. (Torsten Pape)
Label: Deaf Shepherd Recordings | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.fiddlers.de

 
 



The Anix „Sleepwalker“      
Die Amis präsentieren auf ihrem neuesten Werk eine Mischung aus melodischen bis rhythmischen Gitarren, echten und synthetischen Drums sowie meist elegischen Keyboardflächen. Über all dem schwingt sich der Sänger unermüdlich zu großen, hymnischen Refrains auf. Das klingt schon oft nach Breitwandsound und die knackige Produktion aus dem Hause Die Krupps veredelt die Klänge nachhaltig. Mit „Cry little sister“ aus dem genialen „Lost boys“-Film und „Burn“ von The Cure aus dem „The crow“-Soundtrack covern die Jungs zudem die ganz gewaltigen Kaliber. Leider strotzen die eigenen Songs geradezu vor Vergleichen/Verweisen zu Muse, Placebo, Linkin Park, Julien-K oder gar Toto und NIN. Es gibt bestimmt Schlechteres, aber dadurch wirkt das Album unter dem Strich merkwürdig gesichtslos - genau wie die Gasmaskenträger auf dem Cover. (Torsten Pape)
Label: Cleopatra | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.paktprodukt.de

 
 



The Waterboys „An appointment witth Mr. Yeats”
Mike Scott und seine Waterboys haben in ihrer 28-jährigen Karriere unermüdlich an der Verschmelzung von Folk und Rock, Poesie und Pop gearbeitet und dabei so manch ein Meisterwerk erschaffen. Schon immer hatte der gebürtige Schotte Scott dabei eine Affinität zum großen irischen Literaturnobelpreisträger W.B.Yeats, dem er nun ein ganzes Album widmet. Elegisch und kraftvoll, dabei jedoch auch zärtlich und anschmiegsam erstrahlen die 14 Gedichte des Meisters in ihrem maßgeschneiderten musikalischen Gewand. Maßgeblich an dieser überzeugenden Umsetzung sind mehrere hochkarätige Musiker beteiligt, die Gesang, Flöten- oder auch Geigenklänge beisteuern. Zu dieser Verabredung kommt man doch gern, denn hier wird hohe Kunst geboten. (Torsten Pape)
Label: Proper Records | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.mikescottwaterboys.com

 
 
 


Nirvana „Nevermind – 20th anniversary deluxe edition”
Zweifelsohne ist das Album „Nevermind“ von Nirvana ein Werk, das jeder Musikliebhaber in seiner Sammlung hat - egal welchem Genre er sonst frönt. Zum zwanzigsten Jahrestag der Veröffentlichung erscheint nun eine fette Jubiläumsvariante. Noch immer berühren die Kompositionen des Originals die gleichermaßen absolut eingängig wie rotzig rockend sind. Natürlich ist dieses Werk inzwischen ein Mahnmal an den Verlust der Unschuld alternativer Musik an den Kommerz. Das dies keineswegs die Absicht oder gar Schuld der Band war, hört man an den hier ebenfalls enthaltenen B-Seiten wie Studiosessions und sogar Bandproben, welche das ganze Potential an ungehemmter Experimentierfreude dokumentieren. Zweifellos ein Stück Zeitgeschichte. Die alternativen Mixe auf dieser Sammlung kann aber wohl nur der Tontechniker von dem bis dato bekannten Material unterscheiden. Ich versinke in einem großartigen Album der Grunge-Ära, die mich ansonsten kaum berührt hat, was dessen Einzigartigkeit unterstreicht. (Spider)
Label: Geffen | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.nirvana.de/

 
 
 


Mona Mur & En Esch „Do with me what you want”
Das hört sich doch prima an. Zwei Ausnahmekünstler, mit denen man machen darf, was man will. Und vom Opener „Touch“ an wird man auch auf recht lüsterne Gedanken gebracht. Denn es steckt eine Menge Erotik in den schleppenden Beats und den knackigen Gitarrenriffs zu eiskalter Elektronik. Darüber schlängelt sich ein Duett, gebildet aus der rau lockenden Knarzestimme von En Esch und dem vollmundig liebkosendem Alt von Mona Mur. Wenn auch die Texte wie bei „Eiskalt“ beweisen, dass hinter aller Lust immer ein lauerndes Dunkel kriecht, komme ich nicht umhin, in diesem Album voller Wonne aufzugehen. Das liegt daran, dass der Liebesakt zwischen Avantgarde und Pop in einem Stadium voller Fruchtbarkeit und Stärke vollzogen wird. All die neckenden Spielereien und kleinen gewagten Experimente stimulieren - ohne von der Hauptpenetration durch tief dringende Melodie Stöße abzulenken. (Spider)
Label: Artoffact | VÖ: 13.09.2011 | Homepage: http://www.monamurenesch.de/

 
 
 



In Camera „IV + II” / Mass„Labour of love”
Für alle Schallplattenfreunde hier mal eine Rezension im Doppelpack. Das französische Label Desire veröffentlicht zwei Post-Punk-Bands aus den frühen 80er Jahren neu. Auf rare 500 Vinyl-Exemplare limitiert und original auf dem hoch geschätzten 4AD-Label erschienen. Im Falle von In Camera und ihrer Ep IV + II wird schnell klar, warum sie sich nicht in die Historie so großer Namen wie Cocteau Twins oder Bauhaus einreihen. Ob nun instrumentales Klaviergeplänkel oder experimentelles Gitarrengeschrammel mit Gesang. Beides nervt.
Das Album Labour of Love von Mass steht dem Ganzen an Grausamkeit nicht nach. Es sei denn, man steht auf Orgelkeyboardflächen, Quietschegitarren und grauselige Saxophontöne über die eine Kreuzung aus Robert Smith und Kermit singt. Ich lerne daraus: Auch legendäre Label haben ihre Leichen im Keller. (Spider)
Label: Desire | VÖ: 05.09.2011 | Homepage: http://desire-records.blogspot.com/

 
 
 


Ladytron „Gravity The Seducer”
Ladytron sind nach 2 Jahren mit ihrer neuen Veröffentlichung "Gravity the seducer" wieder da und kehren dabei stilistisch zu ihren Werken aus der Anfangszeit zurück. Die Atmosphäre und der Sound sind so in sich abgeschlossen, dass es schwierig ist, einen Schwachpunkt im Album auszumachen. Instrumentale Harmonien wie bei "Ritual" und "Altitude Blues" sind wie geschaffen für einen guten Soundtrack, den man bei seiner täglichen Routine genießen kann. Das heißt aber nicht, dass dies ein Album für Hausfrauen ist. Es ruht in seiner Mitte, aber mit Liedern wie "Ace of Hz", das man sofort bemerkt und liebt und welches als Instrumentalversion mit dem Titel "Aces High" das Albumfinale bildet und ein großartiger Filmabspann wäre. Ich weiß nicht warum, aber dieses Album versetzt mich in die 70er Jahre. Im Geiste sehe ich dazu Bilder aus dem Film "The Box". Und welche Traumlandschaften seht Ihr beim Hören? Ich bin gespannt. (Iris Wilder)
Label: Nettwerk | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.ladytron.com

 
 
 


International Moods „Frequent Traveller”
Es beginnt wie ein 70er/ 80er Jahre Krimi, ein bisschen spacig, ein bisschen schmutzig, wo die dunkle Unterwelt die Bösen und Schurken und Halunken beheimatet, schräg, unwirklich, nass-kalt. Ein bißchen Baukastenstil hier, eine Menge LSD da, wabernd, zerstörerisch, der Dauerflug nach Nirgendwo wird zum Albtraum, die einst so "willkommene wunderbare Welt des internationalen Flugverkehrs" wird zerrissen durch die Unerträglichkeit verzerrter Mansonschnipsel, Alienterror, verächtliche Regentrompeten und auseinanderfransende Problem- Stimmen - FM Einheit wird mit seiner Mannschaft zum Einheitsbrei, schade. (Manuela Seiler)
Label: Skycap | VÖ: 02.09.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/internationalmoods

 
 
 
 
 
 August 2011  
 


ASP
„Wechselbalg“
Der schwarze Schmetterling ist ein Phänomen, das nicht erst seit gestern besteht. Mal war er besessen, mal war die Welt unter, mal gab es ungeschickte Liebesbriefe - ja, und mal wollte er brennen. Nun beehrt er uns seit dem 12.08. mit seiner neuesten Single "Wechselbalg" und Extramaterial wie der "AngstKathedralen"-Hymne, einem Ougenweiden-Cover sowie einer Akustik-Version (unplugged) von "Dancing" - das ist ASP. Der Vorgeschmack für das eigentliche Album im Oktober regt die tanzbaren, teils Ohrwurmcharakter besitzenden, teils düster-schleppenden, auf jeden Fall sehr vielfältigen Papillen an. Ja, manchmal kann es tatsächlich in Erfüllung gehen... (Manuela Seiler)
Label: Trisol | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.thetaleofasp.com

 
 


Various Artists
„The Sound Of Static Magazin Germany, Vol. 1
Während die mächtigen Magazinriesen im schwarzen Deutschland ihre Cover mit immer gleichen Künstlergesichtern zieren und ihre Compilations gegen Bares aus den Geldköfferchen der mächtigen Labelriesen bestücken, regt sich im unbeugsamen schwarzen Schwabenländle der kreative Widerstand. Das Static Magazin setzt bei seiner Sammlung auf Künstler mit Qualität - aber wenig Werbebudget. Und diese kommen nicht nur aus musikalischen Subgenres, wie die Cyberpunks erschreckenden Horror Punker von Dead United und The Deep Eynde oder wie Morbid Poetry, die Gothic noch im eigentlichen Sinne düsterer Gitarrenmusik kennen und nicht als Mode-Label von Pimkie. Nein, es gibt auch Bands wie The Exploding Boy oder Pretentious, Moi, die es tatsächlich schaffen, Melodie mit Anspruch zu verbinden. Das alles und noch viel mehr gibt´s für einen schmalen Taler. Würde der Bodystyler einen Gitarrensampler machen, würde dieser so klingen. (Spider)
Label: Static Magazin Germany | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://staticmagazingermany.com/

 
 



Eisenfunk „Pentafunk“      
Wer in den letzten fünf Jahren bereits etwas von den Eisenfunkern gehört hat, weiß, dass auf ihren Alben das volle Eelctro-Cyber-Brett wartet und nix vor ihrem Humor sicher ist, was nicht bei Drei auf dem Sequenzerturm ist. Auf dem Jubiläumswerk fegt nun die Pestilenz durch das Neandertal und auch ein Urlaubstrip nach Jericho steht auf dem Programm, um im Heiligen Land das Camperglück zu suchen. Wenn man es zudem schafft, Vampire, Uncle Sam und ein Weihnachtsthema auf einem Album zu vereinen, dann kann bis jetzt wirklich nur das Musikmachen vor der Einweisung in die Klappse bewahrt haben. Wer hier nicht auf der Tanzfläche lachend und zappelnd zusammenbricht, ist ohne Frage vollkommen humorbefreit. Aber auch das Autofahren oder der heimische Genuss der 16 Songs sind mit erheblichen Gefährdungen von Leib und Leben verbunden, da die Freudentränen schon mal ordentlich den Blick trüben können. Was für ein Spaß! (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.eisenfunk.de

 
 



Vic Anselmo „In my fragile“      
Ist es ein Alb oder ein sachter Traum? Habe ich Angst oder bin ich fasziniert? Renne ich davon oder hüpfe ich den Ruinen Rigas entgegen? Wo ist Beverly? Was ist mit meinem freien Fall? Wo ist die Schlangenbrut, die mich grad noch fraß? Und wo ist das dunkle Land, das jetzt grell vor mir und durch mich leuchtet? Mal schizophren anmaßend, dann traurig mit dem Wind ziehend, mal kreischig, mal metallisch, dann wieder ruhig-balladenhaft, das ist Vic Anselmos zweites Album, den Untergang heraufbeschwörend und auf Fehler und Mißstände hinweisend, verpackt in einer etwas anderen Liebesgeschichte. Dazu kommt ein Cover von Das Ich sowie noch drei Bonus-Tracks (u.a. ein lettisches Volkslied ).Komm und lausche! (Manuela Seiler)
Label: Danse Macabre | VÖ: 19.08.2011 | Homepage: http://www.vicanselmo.com

 
 



dAVOS „Tender Loving Care“      
Kurz vor dem neuen Album der Eidgenossen erscheint zunächst die vorliegende EP und wie gewohnt, steht gitarrenverstärkter Synth-Wave-Pop auf dem Programm. Der Titelsong – auch im Remix von Andy K (Melotron) - versprüht durch seinen stakkatoartigen Charakter einen etwas spröden, wenn auch interessanten Charme. Der eigentliche Hit ist jedoch das ebenfalls neue „A hidden place“ mit seinem herrlichen 80er-Retro-Stil und den tollen, fließenden Melodien. Weiterhin gibt es noch vier Remixe bekannter Tracks, wobei die druckvollen Neubearbeitungen von „These days“ (Per-Anders Kurenbach) und „Illuminate“ (Chai von Jesus on Extasy) besonders zu gefallen wissen. Ein Video komplettiert den ordentlichen Appetithappen. (Torsten Pape)
Label: Codeline | VÖ: 05.08.2011 | Homepage: http://www.davos-music.com

 
 



The Birthday Massacre"Imaginary Monsters" (EP)
Schönheit kann so grausam sein. Schau in den Spiegel und blicke hinein und erhasche eine Nalysse - und Du wirst sehen... Mit "Imaginary Monsters" veröffentlichen die charismatischen Kanadier nun eine EP, die von Zweifeln, Ängsten, Träumen und Sehnsüchten gespeist, inspiriert und durchlebt wird - das ist zumindest der erste Teil der Geschichte. Auch fünf Remixe bekannter Songs, genauer gesagt vom letzten Album, lassen sich in neuen Gewanden wieder sehen, sei es die Mode à la Combichrist, à la Tweaker oder SKOLD, uns lassen sie staunen und auf die Tanzfläche rasen. Wir lassen uns selbst hinter uns, träumerisch, implodieren industrial und schweben ekstatisch-ravig auf das Neue zu. Denn das kommt im Herbst. Hoffentlich. (Manuela Seiler)
Label: Out Of Line | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.thebirthdaymassacre.com

 
 
 



Pakt
„Freiheit”
„PAcKT die Koffer“ soll ein gewisser Herr zwar nicht gesagt haben, aber Gio van Oli und Chris Ruiz hatten ihrerseits wohl Gründe es trotzdem zu tun. Jetzt ist beleidigt auf dem Sofa sitzen auch nicht so ihr Ding, also hat man sich zu einem PAKT zusammengeschlossen und die Tasteninstrumente gar nicht erst anstauben lassen. Es wird zwar in einem 5 Kilometer langen Brief behauptet, dass sie mit eben diesen nicht umgehen können, das allerdings klingt auf der Debut-Single dann doch anders. Allerdings erinnert mich die musikalische Ausrichtung nicht unbedingt an NDW-gewürzte EBM, was uns der Pressetext einreden möchte, sondern mehr an, Achtung, Überraschung: And One. Is' aber nicht schlimm, hat man sich bei zwei Ex-And Onnern und einem Produzenten, der mit seiner Band auch immer sehhhr nah an besagter Band war, eh schon gedacht. Abschliessend bleibt noch zu sagen, das der Bonustrack irgendwie die bessere Singlewahl gewesen wäre, aber das ist eher zweitranging, denn mal ehrlich, so interessant war doch eine öffentliche Fehde seit Rödelheim Hartreim Projekt und den Fantastischen Vier nicht mehr, oder? (Daniel Theberath)
Label: Out Of Line | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.paktprodukt.de

 
 
 


Project Pitchfork „Quantum Mechanics”
Bei diesem Album hat Project Pitchfork die Mistgabel in den Haufen gesteckt und dafür Hammer und Schraubenschlüssel in die Hand genommen. Ob's allerdings ausreicht, damit's die neue Lieblings-CD von Bob dem Baumeister und Heimwerkerkönig Tim Taylor wird, muss man sehen. Dem geneigten Electrokopp wird’s aber mit Sicherheit überzeugen. Druckvoll, düster und treibend, wie in den Anfangstagen, und trotzdem melodiös und hitlastig wie zur „Eon Eon-Zeit“. Sehr hervorzuheben sind dabei „Run for Cover“ und "Freeze in Silence". Das muss den Herren allerdings auch aufgefallen sein, gibt es von beiden Remixe on Top auf der limitierten Version des Albums. Alles in allem ein „Hammer“-Album. Und dann noch die tolle Promoidee in jedem 7. Ei einen Heimwerkerelefanten zu verstecken, das kann doch alles kein Zufall sein. (Daniel Theberath)
Label: Trisol | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.project-pitchfork.eu/

 
 
 


Ljungblut „Over skyene skinner alltid solen”
Im Gegensatz zu den vergangenen Solo-Veröffentlichungen von Zeromancer Mastermind Kim Ljung, die eher im Geiste akustischer Sessions gehalten waren, wartet die dritte Veröffentlichung von Ljungblut mit fetter Produktion und deutlich mehr Band-Attitüde auf. Die komplett in norwegisch dargebotenen Songs füllen dabei eine neue Nische in seinem künstlerischen Schaffen. Sicher haben manche die tiefe, raubeinige Melancholie aus den Tagen, als mit Seigmen alles begann, hier und da wabert ein elektronisches Geflecht seiner aktuellen Band hervor und wieder flieht er auch in die fragile Welt seiner bisherigen Solo-Werke. Aber insgesamt zelebriert er schlicht und ergreifend wunderschöne alternative Musik, die davon zehrt, dass die Essenz der Kompositionen ungefiltert dargeboten wird. Süffig und voller Würze wie ein Bier aus der Lokalbrauerei. Genau wie dieses gibt es das Album nur in limitierter Stückzahl und direkt vom Erzeuger. Zugreifen lohnt sich für jeden Musikfreund und nicht nur für die Intim-Kenner seiner bisherigen musikalischen Karriere. (Spider)
Label: Pleasuredisc | VÖ: 19.08.2011 | Homepage: http://www.ljungblut.com/

 
 
 


Blue October „Any man in America”
Nachdem sich Roter Oktober vor über zwanzig Jahren unter Sean Connerys Kommando an die Hoheitsgewässer Amerikas herantauchte, ist seit einiger Zeit nun der Blaue Oktober auf Gegenkurs Richtung Alte Welt. So langsam nimmt Europa dann auch Notiz von der Band, die zu Hause bereits einigen Erfolg vorweisen kann. Auf dem neuesten Werk wird erneut eine gelungene Mischung aus Indierock und Stadionattitüde geboten, die auf Grund der schlüssigen Melodien und der schmissigen Umsetzung punkten kann. Der Sänger glänzt zudem in schmusigem wie kräftig intonierten Gefilden und erinnert manchmal positiv an Peter Gabriel. Die Schnittmenge zwischen Kings of Leon, Creed und den Killers macht jedenfalls eine Menge Spaß und nervt nur an den Stellen, an denen man sich an der Einbindung cooler Rap-Einlagen versucht. Die Jagd auf Blauer Oktober hat begonnen. (Torsten Pape)
Label: Edel | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://www.blueoctober.com

 
 
 


Jäger 90 „Fleisch macht böse”
Mit „Fleisch macht böse“ legen Jäger 90, die wohl auffälligsten deutschsprachigen Vertreter des „New Old School EBM“, ein neues Album vor. Was man sich darunter vorstellen kann? Musik, die klingen will, als sei sie mitten in der Hoch-Zeit der Electronic Body Music entstanden. Im Falle von Jäger 90 scheint es, als hätten die ehrenwerten DAF ihre Finger im Spiel gehabt. So auch auf „Fleisch macht böse“: Nach einem recht gemächlichen Start („Stärker als Du meinst“) folgen peitschende Beats und „Mussolini“-mäßige Sequencer („Beim ersten Mal tats nicht weh“). Sozial- und gesellschaftskritische Töne erklingen bei „Immer dümmer“ und nebenbei werden auch zwischenmenschliche Phänomene wie Liebe, Fetische und der ganz alltägliche Wahnsinn thematisiert („Meine Seele voller Lust“, „Wenn es euch nicht passt dann lasst“). Alles in allem ein abwechslungsreiches Album für DAF-Fans und alle, die solcherlei Klänge mögen. (Pippi von Schnippi)
Label: Out Of Line | VÖ: 13.08.2011 | Homepage: http://www.jaeger90.com/

 
 
 


Santa Hates You „Jolly Roger”
Es hat keinen Zweck: Santa hasst uns immer noch. Obwohl wir ihm zum Ende eines jeden Jahres mit Gedichten und Gesängen Tribut zollen. Frechheit! Und was macht der alte Mann stattdessen? Er hetzt uns seine Terrorelfen Peter S. und Jinxy auf den Hals, um uns Hassgeschenke um die Ohren zu hauen. Das machen die beiden ganz o(h)rdentlich. Bei „Nothing's gonna be Allright“ beispielsweise, ebenso mit „Raise the Devil“ oder „The mad Scramble“. Alles in allem eine ziemliche Druckwelle, die allerdings statt hängengebliebenden Melodien im Ohr ein Gefühl im Magen verursacht, das dir sagt: „gleich fällt hier wieder irgendwas laut scheppernd um!“ - aber das kann ja auch ganz schön sein, sich aus dem täglichen Trott zu reißen, wer will schon diese ewige Glückseligkeit? (Daniel Theberath)
Label: Trisol | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/santahatesyou

 
 
 


I Start Counting / Fortran 5 / Komputer „An introduction to...”
Folgende Veröffentlichung spiegelt wider, was das frisch fröhliche Duo Simon Leonard und David Baker so an Unwesen und Lobdudelei in diversen Projekten seit 1982 getrieben hat. Mit I start counting übten sie sich im typischen 80er Jahre Synth Pop, der außer atmosphärischen Kleinoden wie „Still smiling“ oder pfiffigen Tanz Klanggebilden wie „Lose him“ auch viel an Banalität bot. Fürchterlich trieb man es dann in den 90ern unter dem Namen Fortran 5 mit talentfreier Sängerin und an den Nerven zerrendem Kuschel Pop und Discostampf. Erst in der Neuzeit schlug mit ihrem Projekt Komputer der Geistesblitz ein. Mit an Kraftwerk orientierten Sounds erschufen sie unvergesslich melodiöse und warme Klangkonstrukte. So fällt diese Zusammenstellung recht durchwachsen aus und rät nur bei Komputer zum blinden Album Kauf. I start counting sollte man Probehören, außer man braucht alles aus dieser Zeit und Fortran 5 ist ein Graus. Punkt. (Spider)
Label: Mute | VÖ: 22.08.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/istartcounting

 
 
 


Black Light Acension „Ashes”
Das sind die Alben, die ich liebe. Schlichtes, aber ausdrucksstarkes Cover, nur die nötigsten Infos in der Innenhülle abgedruckt. Doch die Songs auf „Ashes“ brauchen kein großes Image von außen. Sie fesseln ganz einfach durch ihre ungeschliffene Echtheit und brennen sich mit Gefühl tief in die Seele. Das Projekt von Andrew Trail folgt mit seinen Bassläufen und vor allem unbestreitbar mit dem Gesang den dunklen Spuren der Endsiebziger, als mit Joy Division eine neue Ära von Musik in Düsterkeit begann. Doch Black Light Ascension sind mehr als eine Hommage. Schließlich tingelt der Musiker nicht umsonst in zahlreichen anderen Musikprojekten diverser Genres wie Knifeladder oder Inertia. Das drückt sich vor allem in den genial arrangierten Synths aus, welche zeitlos düster eine Atmosphäre schaffen, die mancher als beklemmend empfinden mag, aber die verlorenen Seelen unter den Musikliebhabern monoton melancholisch mit dem schwarzen Licht in höchste Hörgenüsse aufsteigen lässt. (Spider)
Label: Tesco Distribution | VÖ: 19.08.2011 | Homepage: http://www.reverbnation.com/blacklightascension

 
 
 


[NON]

Dunkelschön „Zauberwort”
"Im Traum war der Weg so nah - das Glück, das mir entgleitet...Ich will auf die Suche nach ihrem Leuchten gehn...und flieg durch die stille Lande". Durch die starke, feste Stimme Vanessas, den eindringlichen, träumerischen, fast fordernden Sprechgesang Michaels, die spielerischen Form- und Klangwelten der Instrumentierung, die weich und entfesselnd, entgleitend sind. Das Septett, das verzückend, entrückend, beschwingt, beschwörend, betörend, mitreißend (nicht umsonst waren sie Support-Act bei Subway to Sally 2010), entladend, verzaubernd, in eine andere Dimension lockt, bleibt seinen Wurzeln treu, den des Celtic-Medieval-Folks. Zusatz: zwei Live- Videos aus Saarbrücken aus dem Jahre 2010! Es lebe der eigene fedrige Geiste! Es lebe der Eskapismus! (Manuela Seiler)
Label: Screaming Banshee | VÖ: 19.08.2011 | Homepage: http://www.dunkelschoen-musik.de

 
 
 


[NON]

Sol Invictus „In A Garden Green”
1999 versuchte sich Tony Wakeford als Botaniker und führte uns mit Sol Invictus in seinen grünen Garten. Dieser war mit reichlich folkloristischer Schwermut gesät und er ließ diese in seinem Gesang voll fragiler Melancholie und beißender Gesellschaftskritik begleitend von sanften Akkorden auf der Akustikgitarre wachsen. Doch jedes Ökosystem kann nur in Symbiose verschiedener Elemente gedeihen. So erblüht dieses Album durch den Gesang von Sally Doherty und Jane Howden, der sich mehr als nur unterstützend durch die Lieder rankt. Während Sally zusätzlich zarte Flötentöne streut, ist Janes Gatte Matt Howden der markanteste Blütenstempel, dessen Geigenspiel von süßester Versuchung zu heftigster Leidenschaft variiert. Das Besondere an dieser Wiederveröffentlichung ist eine zweite CD mit einem Live Konzert aus dem selbem Jahr. Da dies als Bootleg deklariert ist, werde ich die Soundqualität weder kritisieren noch in die Wertung eines großartigen Albums einpflanzen. (Spider)
Label: Auerbach Tonträger / Prophecy Prod. | VÖ: 05.08.2011 | Homepage: http://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 
 


[NON]

Sol Invictus „Lex Talionis”
Über zwanzig Jahre ist es her, dass diese Wiederveröffentlichung erstmals das Licht der Welt erblickte. Und immer noch bekomme ich Gänsehaut beim Hören. Sol Invictus führten mich damals mit dieser CD in eine völlig neue Welt, in der ich erstmals die hypnotische Wirkung von experimenteller elektronischer Musik erfuhr, die gepaart mit echten Instrumenten und hypnotischen Gesang über apokalyptische Themen einen stark zeremoniellen Charakter besitzt. Dieses Album lässt mich voller Ehrfurcht in meiner Sitzgelegenheit erstarren und zwingt einen voller magischer Energie in sein Innerstes zu gehen. Hier geht es nur um den Ton und die Empfindung. Aus fragilen Einzelteilen wird ein machtvolles Gebilde zusammengefügt. Darin eingebettet sind bereits die dunklen Dark Folk Elemente wie bei „Tooth and Claw“, die Tony Wakefords Band bis heute an die Spitze dieser Stilrichtung setzt. Doch ich werde ewig dankbar sein für dieses „andere“ Album, das mir bis heute beweist, warum ich mich von dunklen Tönen so angezogen fühle. (Spider)
Label: Auerbach Tonträger / Prophecy Prod. | VÖ: 05.08.2011 | Homepage: http://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 
 


Imperative Reaction „s/t”
Obwohl die US Elektroniker von Imperative Reaction schon einige Alben auf ihrem Arbeitszeugnis haben, war die Nachfrage hierzulande für eine Anstellung des CD-Players mit ihren Werken bisher nicht allzu groß. Mit diesem selbst betitelten Silberling will man einen neuen Versuch wagen. Die Band hat durchaus genügend Druck auf dem Kessel, um einem ihre Basslinien und Rhythmen gleich einer al dente Spaghetti ins Ohr zu kleben. Und bei Songs wie „Siphon“ bleibt auch der feine Melodiegeschmack haften. Der „Song of the martyr“ hat ein rockendes Steinpilz Aroma. Das überzeugt und lässt vergessen, dass an dem ein oder anderen Titel ein wenig das Gewürz fehlt, um dem Geschmack von Zunge in Langzeitgedächtnis zu befördern. Die Single „Surface“ offenbart stellvertretend für andere Stücke ein Team, das ein solides Power Electro-Gericht köchelt, aber die letzte Finesse in Gesang und Songwriting nicht immer in 5 Sterne Qualität bewerkstelligt. (Spider)
Label: Dependent | VÖ: ?? | Homepage: http://www.myspace.com/imperativereaction

 
 
 


Imperative Reaction „Surface”
Der Song „Surface“ ist sicher der eingängiste auf dem neuen Album von Imperative Reaction. So ist es nachvollziehbar ihn als Single zu wählen, obwohl er den Stil des Gesamtwerks nicht gänzlich vertritt. Die Club-Variante lässt das Stück schweißtreibend zwischen Future Pop- und Harsh Electro-Elementen pendeln und macht es damit sogar stärker als die Albumversion. Es ist löblich, dass die Pull out kings und RoterSand die Band auch in Kreisen publik machen wollen, in denen man mit Pullunder über der Schulter zu House tanzt. Meine Begeisterung über ihre Remixe gestaltet sich trotzdem flau. Daumen hoch aber für Sebastian Komor, der es diesmal nur dezent rumpeln lässt und dafür eine prickelnde Electro Rock-Nummer gestaltet. Bleiben noch zwei ordentliche, aber nicht spektakuläre Remixe von Scandy und Shoks Zeitmahl. Die Club-Version von „What is left to say“ hingegen sollte man nicht zu ernst nehmen, wie tausend hau auf die vier Fabrikate zuvor auch nicht. (Spider)
Label: Dependent (nur digital/download) | VÖ: 05.08.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/imperativereaction

 
 
 


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Coma Divine „Dead End Circle”
Hört man das Debüt Album "Dead end circle" von Coma Divine gleicht dies dem Öffnen einer Schachtel, deren Deckel mit dem Bildnis einer toten zerbrochenen Puppe recht furchterregend aussieht. Und man täuscht sich nicht. "Burn, sister" explodiert mit der knallerstarken Stimme von Sonja Kraushofer, bekannt als Sängerin von L' Âme Immortelle und Persephone. Der Sturm der Leidenschaft aus Stimme und einer guten Kombination aus tiefem melodischen Bass- und Cello-Sounds, die zeigen, dass dies richtig sexy Instrumente sind (wie bei "The Odd one out") und der harten Gitarre, die ab und an in melodische Riffs wechselt, an denen man das Spiel von Ashley Dayour erkennt (ok vielleicht nur als großer Whispers in the shadow-Fan, wie ich), erzeugt den vollen Rückstoß dessen, was die Truppe uns geben will. Alle Seiten des Lebens und der Liebe in allen Bedeutungen wie Macht, Leidenschaft, Sanftheit, Wahnsinn und manchmal sogar Verzweiflung. Ein großartiger Mix aus Professionalität und Herz und Seele in einem passenden Sound, der das Gefühl der Modernität vermittelt. (Iris Wilder)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://www.coma-divine.com

 
 
 


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Klee „Aus lauter Liebe”
Vermutlich liegt es an den romantischen Gefühlen aus lauter Liebe, dass Klee ihr Instrumentarium abgespeckt haben. Akustische Gitarre, Piano, Streicher und Gesang dominieren. Bei aller Liebe: Das funktioniert nicht so optimal, mag auch manch einer sagen, die Band ist erwachsen geworden. Ich meine, dass ist mir zu nah am Schlager. Nicht ganz so platt, aber das musikalische Gewand ist mir zu plätschernd und die Texte zu gewollt philosophisch. Nur selten blitzt ihre alte, naive Unbekümmertheit auf, wie in den Songs „Nimm Dein Leben in die Hand“ oder „Außen Atem“. Das ist die Stärke der Band: Einfache Melodien, charmant darbieten. Vielleicht hat man auch die Songs in ungünstiger Reihenfolge auf die CD gepackt, denn nach einem sehr mühseligen Auftakt packen einen die Lieder - teilweise. Natürlich hat man nicht immer die passende Fluffikus-Stimmung dafür, aber wenn man gedanklich, oder real, über eine Sommerwiese tanzen will, sollte man Klee dazu pflücken. (Spider)
Label: Universal | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://www.kleemusik.de

 
 
 
 
 
 Juli 2011  
 


Sol Invictus „Against the modern world“
Es ist immer erstaunlich, wenn Musik, welche bereits vor Jahrzehnten veröffentlicht wurde, so klingt, als sei sie gerade erst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Neueste persönliche Entdeckung in diesem Rahmen: die Wiederveröffentlichung des legendären Debüts von SOL INVICTUS. 1987 als EP erschienen und wie die meisten Altwerke der Folk-Heroen nur schwer erhältlich, ist das Album nun Teil der opulenten "The Collected Works"-Box mit Neuauflagen des gesamten Backkatalogs. Und schon weil mit “A ship is burning” einer meiner ewigen Sol-Favoriten auf diesem Album ist, hebe ich den Daumen hoch. Den in der sich elegisch wiederholenden Textzeile “From yesterday to tomorrow” beschriebenen Zeitensprung haben Sol mit ihrem Gesamtwerk gemeistert und so gehört ihre Musik auch heute noch in die Sammlung. Dass die Neuauflage im wunderschönen Digipak, limitiert und mit neun Bonus-Track daher kommt, ist das Tüpfelchen auf dem I. (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach | VÖ: 08.07.2011 | Homepage: https://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 

Various „XtraX Clubtrax Vol. 3“
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch, denn der Szeneausstatter XtraX wird 20! Und für die dazugehörige Party wurde ein randvolles Paket illustrer Musik auf die vorliegende Doppel-CD geb(r)annt. Die weite Spannbreite der Stile von Electro/Synthpop über Gothic-/Black-Metal bis hin zu Wave/Dunkelrock und Horrorpunk ist am Ende wohl Garant dafür, dass wirklich alle potentiellen Käuferschichten zum Tanz erscheinen. Für meinen Geschmack gibt es nur wenige Totalausfälle und erstaunlich viel hochkarätiges oder wenigstens recht hörbares Material. Am Ende sind es wohl wirklich die persönlichen Vorlieben, die über Kauf oder Nichtkauf entscheiden. Exklusives oder gar Informatives bietet dieser Sampler jedenfalls nicht. (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 15.07.2011 | Homepage: http://www.dansemacabre-group.com

 
 
 


Sol Invistus „In The Rain”
„In the Rain“ heißt das 1995 erschienene Album von SOL INVICTUS und dass es im Sommer 2011 wiederveröffentlicht wird, passt wettertechnisch wie Arsch auf Eimer. Kommt es einem doch an gefühlten 3 von 4 Tagen so vor, als stünde man mitten im Regen. Aber - und hier wendet sich unsere winzige Realsatire zum Guten - das ist das passende Wetter für diese CD! Die musikalische Romantik, die Wakeford & Co. auf ihrem Frühwerk bieten, verlangt förmlich danach, sich zuhause einzuschließen und die Welt draußen Welt sein zu lassen. Lyrics und Stimme, Gitarre und Cello, Piano und Keyboards, Violinen und Bass, Drums und Percussion, alle Einzelkomponenten gehen auf „In the Rain“ eine beinahe perfekte Symbiose ein. So nahe an Perfektion, dass nicht wenige sagen, dies sei Sol Invictus´ bestes Album. - Die Neuauflage gibt’s im auf 700 Stck. limitierten Digipak mit neuem Artwork und zwei Bonus-Tracks („Hedda Gabbler“, „Did You See“). (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach | VÖ: 08.07.2011 | Homepage: http://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 
 


Solar Fake „Frontiers”
Über die Jahre hat Sven Friedrich eindrucksvoll bewiesen, dass man mit seinem Namen eine der besten Stimmen des Dunkelrocks sowie ein Gespür für großartige Melodien assoziieren muss. Auch mit seinem elektronischen Solo-Projekt und dessen zweitem Langspieler macht er diesem Ruf nun wieder alle Ehre. Erneut präsentiert er ein musikalisch sehr breit gefächertes Spektrum. Sanfte Klänge, treibende Rhythmen, trancige Flächen oder aggressive Noise-Attacken – beim Hören darf man mit all dem rechnen. Grenzen gibt es - titelgerecht – keine. Alles wird mal probiert und am Ende mit Bedacht und technischem Können ins Klanguniversum integriert. Sei es Sehnen, sei es Wut, sei es die Lust am Leben oder die pure Verzweiflung. Als Hörer hat man beste Chancen sich in diesem Album und seinen Stimmungen wiederzufinden und verstanden zu fühlen. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 22.07.2011 | Homepage: http://www.solarfake.de/

 
 
 


Unitary „Safe From harm”
Safe from harm… der Name ist Programm! An der Produktion ist nichts zu ruckeln und die Arrangements passen sauber zusammen. Die drei Uptempo-Nummern könnten vielleicht sogar in dem einen oder anderen Club zum Einsatz kommen, wenn da nicht der eher kärgliche Rest des Albums wäre. So wie die Titel „Travesty“ und „Renitent“ sich mit Stücken aus dem Hause Apop oder Neuroticfish messen lassen, so belanglos gestaltet sich der Rest der insgesamt 12 Songs. Monoton und aalglatt plätschern vor allem die Downtempo-Nummern vor sich hin. Die A Moll-Taste den kompletten Song über festhalten und den Gater einschalten zeugt nicht zwingend von Genialität. Auch die weiteren Artgenossen des neuen Release dümpeln eher halbherzig vor sich hin. Zeitweise ist man sich als Hörer nicht mal sicher in welchem Part eines Liedes man gerade steckt. Breaks, Bridges oder ein gekonnter Akkordwechsel ist unnötiger Zierrat und wird eigentlich auch total überbewertet. (Oliver Herwich)
Label: Infacted | VÖ: 29.07.2011 | Homepage: http://www.unitary.net

 
 
 


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Enter Shikari „Live From Planet Earth”
Nach zwei Studioalben erfreuen Enter Shikari die Fangemeinde mit einem massiven Zeugnis ihrer Live-Qualitäten. Das Paket besteht aus einer CD und zwei DVDs. Da im Verkaufspreis nur die CD berechnet ist, kann man getrost von einem sommerlichen Weihnachtsgeschenk sprechen. Vielleicht deshalb, weil das Konzert auf dem Audiosilberling zu just diesem Feiertage 2010 in Hatfield gespielt wurde. Natürlich beginnt eine Band, die für ihre einzigartige wilde Mixtur aus Hardcore Riffs und Trance Techno-Sounds bekannt ist, mit einem waschechten Festtags-Chor als Intro, bevor sie dann den Baum wackeln lässt. Dieses Album macht geil auf einen Konzertbesuch. Man möchte mitwippen beim Sprechgesang, mitgröhlen bei den Gesangslinien. Man möchte zum Gitarrenbrett moshen und sich von der verrückten Elektronik mitreißen lassen. Purer Spaß trifft auf kreatives Können. Was will man mehr und im September sind die Jungs auf Deutschland Tour. (Spider)
Label: Ambush Reality | VÖ: 22.07.2011 | Homepage: http://www.entershikari.com/

 
 
 


Camping im Keller „Suende EP”
Sommerzeit – Campingzeit... echt schlau von den beiden Kellerkindern Ron und Matt gerade jetzt 'ne neue EP rauszubringen. Zwar leider wieder nicht zum Anfassen, sondern nur digital, aber so kann sie immerhin nicht im Zeltlager verloren gehen. Mann, sind die pfiffig. Also, den digitalen Plattenteller angeworfen und los geht’s: Der Titelsong zieht sich gleich durch die Ohren bis in die Beinmuskulatur und brennt wie'n ABC-Pflaster. Das geht einem im Übrigen bei der kompletten EP so, die auch tatsächlich mal eine ist - nur immer anders. So bricht zum Beispiel „Armselig“ im Duett, inklusive Schmachtrefrain und 'ner Prise Punk, genauso aus dem losen Rahmen wie die Akustikversion von „Suende“. Aber auch die anderen 3 Songs haben darüber hinaus durchaus was Hörenswertes. Da kann man nur noch schön laut aufdrehen und 'n altes Extrabreit-Album zitieren: „Das grenzt schon an Musik“. (Daniel Theberath)
Label: iTunes/Amazon | VÖ: 29.07.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/kellercamping

 
 
 


Klive „Sweaty Psalms”
Der Isländer Ulfur Hansson lässt es mit seinem Solo-Projekt Klive ordentlich plätschern, knarren, blubbern und klappern. Es ist elektronische, dennoch organische Musik, die nach mehrmaligen Genuss in ihrer anfänglichen Verworrenheit allmählich Form bekommt. Verworren, weil in den Liedern so viel passiert. Es folgen Gesangsstimmen, die bei „Common Wealth“ an CocoRosie erinnern. Bei „Don't Give Up The Ghost“ hören wir kraftvolles Schlagen auf Töpfe, welches von einer aufgebrachten Menschenmenge vor dem isländischen Parlament performt wurde. So entwickelt dieses Album eine eigenartige Magie zwischen Zufriedenheit und innerer Aufgewühltheit. Hansson, der auch Live-Musiker bei Jónsi (Sigur Rós) ist, vermittelt hier viel Detailverliebtheit. Er hat es geschafft, die Musik aus ihren vorgegebenen Bahnen zu heben, um sie anschließend einer neuen Hörbarkeit zuzuführen. Ein Hochgenuss für audiophile Menschen, der mal wieder zeigt, dass Musik alles darf. (Sir Raze)
Label: Mille Plateaux | VÖ: 01.07.2011 | Homepage: http://myspace.com/kliveisklive

 
 
 



Architect „Upload Select Remix“ 
Wer sich ernsthaft mit elektronischer Musik beschäftigt und nicht mindestens drei qualifizierte Aussagen zu Daniel Myer machen kann, nun, der stelle sich jetzt mal in die Ecke und schäme sich! Denn Bands wie Haujobb, Destroid oder Architect muss man kennen, wenn man mitreden will. Nicht schämen dagegen muss sich Onkel Myer selbst: er hat mit letztgenanntem Projekt eine Scheibe am Start, die alles andere als Kindergeburtstag ist. Heqc, Andre Winter, Subheim, For A Space, Stendeck u.a. haben als Stargäste an der Remix-Party teilgenommen und mit ihren musikalischen Ergebnisse erste Sahne abgeliefert. Es scheint, als ob in 2011 alle mitfeiern wollen mit dem Mann, dessen Präsenz als Support von Alan Wilder's RECOIL-Tour ihn endlich dahin gebracht hat, wo er hingehört: auf den Thron deutscher Electronica. Punktabzug gibt’s lediglich dafür, dass keine neuen Stücke dabei sind – aber wann hätte er die auch einspielen sollen? (Pippi von Schnippi)
Label: Hymen | VÖ: 08.07.2011 | Homepage: http://www.architect-music.com/

 
 
 



Noyce™ „Past:Ique“ 
"Past:Ique" Vor 15 Jahren wurde Klon-Schaf Dolly gezüchtet, Deutschland war nach einem Golden Goal Europameister und alle Welt hat zu „Children“ von Robert Miles getanzt. Damals hat sich auch die Düsseldorfer Band Noyce™ zusammengefunden, und so wie vorige Fakts zeigen, dass seitdem viel Wasser den Rhein runtergeflossen ist, so war es für die NRW-Hauptstädter Zeit für eine Retrospektive der geleisteten Arbeit. Mit “past:ique”legen die Jungs um Sänger Florian Schäfer eine auf 1.000 Einheiten limitierte Zusammenstellung unveröffentlichter, remixter und nicht mehr erhältlicher Tracks vor, die für Fans ein Muss, für Liebhaber elektro-synthiger Klänge eine interessante Sammlungsergänzung und für Neuhörer einen guten Einsteig in die musikalische Welt der „Noycer“ darstellt. Die Songauswahl kann ebenso überzeugen wie das Mastering durch Olaf Wollschläger (Mesh, In Strict Confidence). Anspieltipps: Inschallah, Coma[tose], Comawalker, Clinical White Noise (Pippi von Schnippi)
Label: IN-D. | VÖ: 01.07.2011 | Homepage: http://www.noycetm.de/

 
 
 



Various Artists „Born /// Evolve /// Progress /// 3“ 
Das schwedische Label Progress Productions steht für handverlesene Qualitätserzeugnisse statt Massenware. So weckt eine gemischte Probierpackung der aktuellen Produkte eine gewisse Vorfreude. Zumal hier nur Frisches oder Rares in Songs und Remixen abgepackt wird. Der Auftakt mit den Post-Punk-Klängen von Henric de la Cour ist zwar überraschend, aber ganz hervorragend. Auch die folgenden fröhlichen Synth Popper von Kite überzeugen. Danach geht’s mit etwas biederen Electropop-Songs weiter. In diese Kategorie fällt für mich auch Covenants „Lightbringer“. Deren Single-Mitstreiter Necro Facility stellen dafür mit dem Remix von „Do you feel the same“ das Knallerbonbon der CD - dachte ich jedenfalls beim Lesen der Tracklist. Doch leider stellt sich dieser als lahme House-Ente dar. Alles in allem ist diese Werkschau ordentlich, aber stellenweise auch eine Mogelpackung, die mit Mommy Hurt My Head wenigstens so ordentlich aufhört, wie sie begonnen hatte. (Spider)
Label: Progress Prod. | VÖ: 06.07.2011 | Homepage: http://www.progress-productions.com/

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 


Christine plays Viola
„Innocent Awareness“
La vita e bella! Das dürften zumindest auch diese vier Jungs aus Italien denken, die uns mit schrammeligen Gitarren, einer wunderbaren tiefen Stimme, evokativen Klängen, trancig-einlullender Tanznahrung und dramatischer Melancholie einzunehmen wissen. Massimo (voice), der vorher bei OBLIVIO tätig war, Fabrizio (gui, progr), Desio (bass, sinth) und Daniele (drum, sinth) haben ihre etwas eigene Art, den Dark/ New Wave zu zelebrieren. Ein wenig Cure ist dabei, klar, aber auch etwas Neues, Waberndes, Herzliches. Wer die alten Sachen mag, die Stimme von She wants Revenge betörend findet,und sie in neuen Sphären wiederfinden will, ist hier genau richtig. Digital könnt ihr euch ein paar Häppchen als Vorgeschmack anhören, aber allein des Cover wegen würde ich die physische Variante schon bevorzugen, denn sie haben sich Gedanken gemacht - und das muss honoriert werden - oder nicht? Also, lasst die Viola weiterspielen! (Manuela Seiler)
Label: AF Music | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/christineplaysviola

 
 


Der Blutharsch and the infinite church of the leading hand + Aluk Todolo
„A Collaboration"
Ohne die Jungs mit dem kryptischen und vielfältig interpretierbaren Namen wäre die EBM-Kultur definitiv um eine Attraktion ärmer. Zehn Jahre lang haben sie ordentlich Wellen geschlagen und es hat dafür gereicht, dass sie auch noch zwanzig Jahre nach Auflösung der Band ein Gesprächsthema sind und in die Klassiker-Reihe des Infacted-Labels aufgenommen werden. Stilistisch kann man sie irgendwo zwischen Front 242 und The Neon Judgement ansiedeln, wobei ein ordentlicher Schuss Avantgarde addiert werden darf. In den Songs werden Botschaften proklamiert, der Rhythmus stampft ordentlich und über all dem weht eine oft schräge, meist kühle Brise. Dabei von Hits zu sprechen wäre wohl vermessen, aber Kultiges findet man dafür en masse. Es grenzt an Wahnsinn, aus all dem veröffentlichten und unveröffentlichten Material eine repräsentative Zusammenstellung zu extrahieren, aber hier ist dies bestens gelungen. (Torsten Pape)
Label: WKN | VÖ: 01.06.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


Incite „Dare to Dance”
Wer sich schon immer mal gefragt hat, was passiert, wenn ADS’ler nächtelang Videospiele
durchkloppen, sich dabei von energetisch aufgeladenem Gummibärchensaft und Zuckerwürfeln ernähren und anschliessend eine Platte machen, der wird auf dem Album „Dare to Dance“ des hamburger Elektroprojekts incite/ die wahre Erleuchtung finden. Denn das nunmehr zweite Album der nordischen Soundstricker muss eindeutig nach einer solchen oder wahrscheinlich mehreren solchen Nächten entstanden sein. Anders kann ich mir diese abgefahren gute Mischung verschiedenster Klangelemente nicht erklären. 10 Songs, die in sich so ziehmlich alles vereinen, was Synthesizer und Drum Machine ausspuckten, dabei aber dennoch ein absolut stimmiges Klanbild ergeben. Vielleicht nicht unbedingt ein Album für den Club, definitiv aber ein Album um sich mal wieder den Dreck aus dem Mittelohr zu pusten. Also alle, denen bisher gehörtes zu ausgelutscht und deren Nachbarn scheinbar schon alles gewohnt sind, ran an incite/ und ran an „Dare to Dance“! (Frank Bentert)
Label: Hands | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.incite.fragmentedmedia.org

 
 
 


This Morn Omina „L'Unification Des Forces Opposantes”
Da ist es wieder, das Safri Duo des Industrials. Mit diesem Doppelalbum wird nun auch die Nyan-Trilogie abgeschlossen und das auf beeindruckende Art und Weise. Wie es der Titel bereits impliziert, vereinen sich natürlich auch die musikalischen Elemente, die auf den Vorgängern noch strikter voneinander getrennt waren. Die düsteren und bedrohlichen Klanglandschaften verschmelzen mit den typisch treibenden Electrorhythmen sowie den aufwühlenden Ethno-Drums und -Percussions. Schnell verfällt der Hörer in einen tranceartigen Zustand und das Bewusstsein lässt sich in andere Sphären treiben. All jenen, die auch die inhaltlichen Komponenten ergründen wollen, liefern allein die Songtitel, aber natürlich auch die Texte reichlich Ausgangspunkte. Hier verbirgt sich der Stoff wochenlanger spiritueller, historischer und religiöser Fortbildungen. Wie immer gelingt den Belgiern der Kunstgriff, gleichwohl Stoff für das Club-Publikum, wie auch die nach Tiefe und Klang suchenden Industrial-Freaks zu erschaffen. Bravo! (Torsten Pape)
Label: Ant-Zen | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.mikagoedrijk.be/

 
 
 


Steinkind „Etappe 011”
Was passiert meistens, wenn man sich auf ein anstehendes Album einer favorisierten Band freut? 1.) Es ist voll Kacke, 2.) Das angekündigte EBM-Album wird doch wieder nur Synthpop, oder 3.) Es erfüllt die Erwartungen. Im Falle von Steinkind werden diese sogar noch durch Elemente getoppt, die man nicht erwartet hat, aber funzen. 12 Smasher (inkl. Intro), die nicht ohne weiteres dem Electro zugeordnet werden können. Die Songs wildern in verschiedenen Stilarten, nicht ohne doch immer Steinkind zu sein. Und die Hymne der inneren (Un)Ruhe „Weil nur hier oben“ wäre mit Sicherheit der richtige Kandidat für den Grand Prix gewesen - hätte die olle Lena weggeputzt. Zudem noch erwähnenswert ist, dass in der schönen Tradition der flotten Pop(p)lieder, auch Rita nichts an dem fehlt, was nicht auch Larissa und Raul schon hatten. (Daniel Theberath)
Label: Fubak | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.steinkind.com

 
 
 


Nullvektor „I Walk Alone”
Aus dem Grundkurs Mathe wissen wir doch alle: „Der Nullvektor ist eindeutig – es gibt keine zwei Nullvektoren im gleichen Raum“ Ebendies gilt auch im musischen Sinne. Stilsicher zwischen den Welten des Techno und des gepflegten Krachs liegt der Nullvektor fest verankert. Bewegungsfordernder Rhytmic Noise wechselt spielerisch mit Dub und Ambientelementen – wobei die härtere Gangart gnadenlos dominiert. Warum Track 4 allerdings „4 Liter Ouzo“ heißt und wie eine sehr freie Interpretation des Tetris-Themas klingt, weiß der Schöpfer wohl nur selbst – vielleicht ist es einfach Stefans Beitrag zur griechischen Wirtschaftsförderung. Es scheppert und knarzt, das es eine wahre Freude ist. Durchdachte Beats, treibende Tempi und knackige Hooklines ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Stücke und die LFO’s werden bis zum letzten beansprucht. Es ist höchste Zeit für eine „Kühlgestellte Sinneswahrnehmung“ Jammas! (Oliver Herwich)
Label: Hands | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.bodyfunk.de

 
 
 


Felix Marc „Parallel Worlds”
Es ist schon beeindruckend, wie der Felix in den letzten drei Jahren die kreativen Pausen zwischen Frozen Plasma und Diorama genutzt hat. Sein zweites Solo-Werk ist so ein formidables Album geworden, dass es zum einen bestens unterhält, die Spielzeit aber auch wie im Fluge vergehen lässt. Der musikalische Bogen spannt sich dabei von faszinierenden Melodien und 80er Jahre-Stilistiken bis hin zu feinsten Synthiepop- und Electrostrukturen. Der Weg wird dabei von Ohrwürmern, lesenswerten Texten, einem stets gefühlvollen und angenehmem Gesang sowie einem tollen Layout gesäumt. Hier stimmt einfach alles und Hits wie „Repair“, „The muse“ (tolles Video!), „Modern talking“, „The garden of light“ und „Ghost“ (mein absoluter Favorit) sollten in vielen Welten funktionieren und die Zeit überdauern. (Torsten Pape)
Label: Infacted Recordings | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.felixmarc.de

 
 
 


Doktryn „All U Need Is Love”
Wenn das erste Sample in einem Song die Worte ‘Fuckers’ und ‚Screwheads’ enthält, kann die Botschaft „All u need is love“ nicht ganz so positiv gemeint sein. Wenn dann auch noch dunkle und wabernde Electroklänge sowie teils schleppende bis treibende Rhythmen ins Spiel kommen, ist das Blumenkind endgültig verreckt und der modrige, schmerzhafte Keller der verrucht-wütenden Liebe hat die Pforten geöffnet. Die vier Tracks dieser Download-EP klingen bedrohlich und angriffslustig und sie verbinden Tradition und Moderne auf meist stimmige Art und Weise. Die Band kommt aus Frankreich, klingt oft belgisch, findet Inspiration im Black Metal und verwendet englischsprachige Filmsamples. Ist doch mal ein Ansatz, aber in Sachen Umsetzung auch noch Luft nach oben. (Torsten Pape)
Label: Doktryn Himself | VÖ: 29.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/doktrynparis

 
 
 


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Faun „Eden”
Unter der Erde brennt ein ewiges Feuer, ohne dass es jahrhundertelang je erkannt wird. Man kann sogar auf ihr ganze Dörfer bauen – bis man sich wundert, dass sie eines Tages nachgibt und alles in einem wunderschönen Licht des Infernos verschlingt – so schlummert die Unvollkommenheit Adams in uns. Auf ihrem neuen Konzept-Album, das beinahe vier Jahre lang auf sich warten ließ, thematisiert das Münchener Mittelalter-Ensemble den Garten Eden in all seinen Facetten, musikalisch wie kulturell wie mythologisch. Mit großem Fein – und Klanggefühl besticht die Band auf Anhieb, lädt nicht nur den Zeitgeist auf die Reise ins alte Rom ein, sondern läßt alte Bekanntschaften entstauben und zu neuem Glanz erstrahlen. Für eingefleischte Fans gibt’s es noch ein Sahnehäubchen obendrauf: alles erscheint in einer Deluxe-Edition mit Digipack im Schuber und 70-seitigem Artbook mit interessamtem Hintergrundwissen zu Songs, Texten, Entstehung, Erklärungen, Illustrationen etc. Wenn das mal nix ist! (Manuela Seiler)
Label: Screaming Banshee | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.faune.de

 
 
 



John Maus „We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves“ 
Bei den Alben von John Maus hat man immer das Gefühl einer alten Demokassette aus den 80ern zu lauschen. Die Synthie-Sounds scheinen wenig bis gar nicht nachbearbeitet worden zu sein und der Hall in seiner Stimme scheint unendlich. Für jeden Tontechniker die Hölle auf Erden. Auch bei seinem neuen Album liefert Maus ähnliches Resultat. Musikalisch überzeugt dieser Mann ganz klar durch sein Können. Seine Lieder liegen irgendwo zwischen Minimal-Synth und Post Punk. Sie besitzen Seele, auch wenn sie kaum die Länge von 3 Minuten überschreiten. Ein Hauch von Italo-Disco liegt in der Luft, wenn „Head For The Country“ oder „Keep Pushing On“ erklingen. Und wer bisher dachte, man könne zu einem Lied mit dem Titel „Cop Killer“ nicht schmusen, der kann sich hier eines Besseren belehren lassen. So hat der Chairlift-Keyboarder und ex-Panda Bear Maus mal wieder hervorragende Arbeit abgeliefert, welche nicht nur den Nostalgikern gefallen dürfte. (Sir Raze)
Label: Upset The Rhythm | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.mausspace.com


 
 
 



Andreas Dorau „Todesmelodien“ 
Keine Sorge, Andreas Dorau macht nicht auf Düsterpop, auch wenn der Name des Albums es andeuten könnte. Schon beim ersten Ton ist es ein unverkennbar typisches Dorau-Album. Seine Stimme hat noch immer diese Tonlage, als würde er einem Baby oder der Muschi von nebenan etwas vorsingen. Also irgendwo zwischen niedlich und grenzdebil. Die „Todesmelodien“ sind von dem Electro-Duo Die Vögel komponiert worden und verfügen über diesen fiesen Ohrwurmcharakter. Ihr wisst schon, wie der eines Kinderliedes, was sich hartnäckig in der Erinnerung hält. Ich weiss immer nicht, ob ich die Künstler für solche Lieder lieben oder hassen soll. Bei Dorau tendiere ich jedoch zum lieben. Und da Liebe keinem Land, sondern ausschließlich Personen zuteil werden sollte, nahm sich Dorau bei „Schwarz, Rot, Gold“ die Stereo Total - Fronteuse Françoise Cactus als Gastsängerin. So entwickelt sich das Album von Lied zu Lied zu einem entzückenden, künstlerisch anspruchsvollen 8. Akt in der unheilvertreibenden Geschichtenwelt des Andreas Dorau. (Sir Raze)
Label: Staatsakt | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.architect-music.com/

 
 
 



Dekad „New Religion” 
Nach dem grandiosen „So sorry” bekommt nun der Albumopener seine digitale Single-Chance. Nimmt einen das Original gefangen, kann der hier eröffnende Alternative Mix leider nicht überzeugen. Die einzigartige Kombination aus Durchschlagskraft und Wärme geht in der neuen Form fast vollkommen verloren. Da ist der Ansatz der Version von Buddha in Trouble schon vielversprechender. Hier werden nämlich die Akustikgitarre sowie sanfte Synthie-/Streichertupfer ausgepackt und die zarte Komponente – immerhin ist „New religion” eine Ode an den Nachwuchs von Herrn Lacassagne – kommt grandios zur Geltung. Als Bonus gibt es weiterhin das bekannte „Don't try” - hier: Neutralised by Neutral Lies, das etwas verspielter wirkt. Die zweite Stimme ist zudem eine nette Idee. Der vierte und neue Song „Ordinary love” hätte das Zeug zum Sommerhit gehabt, hüllt sich jedoch in einen unauffälligen, grauen Mantel. Hier wurde viel Potential verschenkt. Schade. (Torsten Pape)
Label: Boredom | VÖ: 27.06.2011 | Homepage: http://www.dekad.online.fr/

 
 
 



Distain „Why (Bootlicking Hypocrites)” 
Mit diesem Song koppeln die beiden Synthiepopper auf digitale Weise eine sehr beschwingte Komposition und einen der Ohrwürmer des aktuellen Albums aus. Da lauscht man doch gern und gespannt den verschiedenen Versionen. Der Laux Remix stampft gemütlich seine Runden und es werden ein paar zusätzliche Effekte durch die Kanäle gejagt. Den Discoglam by Elmodic tanzt man im Folgenden gern und zackig mit, obwohl der The Talion Law Perhaps Mix durch seine gleichförmigen Beats sogar noch mehr Tanzalarm verbreitet. Als Krönung der Single gibt es zwei vollkommen neue Songs auf die Ohren. „White shadow” überzeugt durch bombastische Pauken(?)sounds, gediegene Atmosphäre und einen zweisprachigen, schönen Text. „Instructed by the devil” im SD Mix kommt zum Abschluss kurz, knackig und electro-affin daher. Super! Fazit: Tolle Songs, nix vermixt und ganz viel Exklusives! (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://distain.de

 
 
 



Emmon „Nomme” 
Ein Silberling in einer schlicht gestalteten Hülle präsentiert uns die Schwedin Emma Nylén, die unter dem Projektnamen Emmon musiziert. Legt man diesen in die Musikanlage und drückt auf Start, vernimmt man einige minimalistische elektronische Töne und denkt sich: Ok, mal wieder ein Werk, das mehr Kult als Können ist. Just in diesem Moment setzen gleich einer Sinnesexplosion die Beats und Melodien ein und alles ist Disco. Man springt auf und hofft, dass man ein paar gewagte Moves hinbekommt, während man sich von Emmas Stimme leiten lässt, die gleichermaßen zuckersüß als auch kühl betörend ist. Wie schafft es dieses skandinavische Völkchen nur immer wieder gleichzeitig so herrlich poppig und charakteristisch zu sein? Vielleicht kommt's von dem leichten Schuss Melancholie, der stets beigefügt wird und so lebensnah ist. Wer ist nicht schon mal morgens auf dem Flur aufgewacht und hat seine Sorgen im „Ghost dance“ abgeschüttelt. (Spider)
Label: Wonderland | VÖ: 07.06.2011 | Homepage: http://www.emmon.se

 
 
 


Krystal System „Nuclear” 
Was für ein Cover! Erinnert sofort an 80er-Platten. Leider an die der schlechten Sorte: grossformatiges Foto vom Interpreten, genau wie bei Phil Collins, Marius Müller-Grönemeyer und anderen grauenhaften Vertretern der Popkultur. Eingeschüchtert frage ich mich, ob's auch so klingt?! Glücklicherweise fliegt einem hier aber ein Album um die Ohren, das den Hintern mit Tabasco pudert. Unterschiedlich unterhaltsam ist's auch noch. So klingt „Le Chaos“ im „Radio Edit“ als ob Marilyn Männchen zu viel Kreide gefressen hat, während „Automatic Ideology“ mit Streifenleggins und Lederjacke daherkommt. Nur taucht leider mein altes Problem wieder auf. Nach dem Album bleibt nix ausser Rauschen im Ohr, obwohl das Hören desselbigen immer wieder Spass macht... seltsam! Und zu einer Erkenntnis bin ich am Schluss dann doch noch gekommen: Die Vielzahl der Künstler, an die man auf diesem Album erinnert wird, hätten auf dem Albumcover sowieso keinen Platz gehabt. So gesehen ist es dann doch schon wieder cool. (Daniel Theberath)
Label: Alfa Matrix | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/krystalfoundation

 
 
 


Siva Six „The Twin Moons”
Mit der Harsh Electro-Brause von Siva Six ist es ein bisschen wie mit dem Sixpack Bier: Eigentlich hat man dieses Gesöff schon bis zum Abwinken in sich hinein geschüttet, schmecken tut es aber trotzdem immer wieder. Und dieses Scheibchen ist alles andere als schal. Die Jungs brauen strikt nach Reinheitsgebot mit harten, schnellen Beats, pulsierenden Synth-Sequenzen und aggressiven Gesang. Doch die Stammwürze variiert mit prickelnden Ideen, wie zB. mal ein paar fette mystische Orchestersounds. Für die Becks Gold-Trinker mit den bunten Plastik-Zöpfen gibt’s ab und an einen reinen Hüpf Track. Für Zuhause hat man dafür glücklicherweise die Fernbedienung in Reichweite der Couch. Mir haben es mehr die psychedelischen Düster-Nummern des Albums angetan, die mit kalten Händchen präsentiert werden. Danach gönne ich mir durchaus auch mal schwüle Gefühle zu Klischee Stompern wie „Serpent Whore“. (Spider)
Label: Alfa Matrix | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/sivasix

 
 
 


Haujobb „Dead Market”
„Manipulate the puls“ singt der Myer, aber weiß er, was er damit auslöst? Herzinfarktartige Freudenkrämpfe bei der Ankündigung, dass Haujobb zurückkehren, und nun diese EP, die meinen Herz-Kreislauf-Rhythmus KO schlägt. Schon die Originalversion von „Dead Market“ knackt, knarzt und elektronisiert, dass es zum Puls-Stakkato reicht. Und jeder beteiligte Remixer schafft es, dem großartigen Original eine eigene Note zu verleihen. Hervorzuheben insbesondere Nomenklatür, die es mit ihrer Version auf hoffentlich jede Electro-Club-Tanzfläche dieser Welt schaffen. Als finalen Kreislaufanreger haben Myer und Samardzic die Nightmare-Version von „Letting The Demons Sleep“ dazu gepackt, welche in leicht abgewandelter Form bereits auf dem Old School Electrology-Sampler erschienen ist. „Dead Market” ist eine Elektro-Bombe und hinterlässt das Gefühl, dass ich zum Album-Release besser einen persönlichen Zivi bereithalte, der die Freudentränchen aus dem Gesicht wischt und die vor Aufregung vollgemachten Windeln rechtzeitig wechselt. (Pippi von Schnippi)

Eigentlich ganz schön doof. Da kehrt Haujobb zurück ins Musik-Business und der Markt ist tot. Doch mit ihrer neuen EP packen sie den Bullen bei den Hörnern und pusten ihm neue Lebenskraft in die Backen. Die rote Linie ihres letzten Albums „Vertical Theory“ wird beibehalten und konsequent verfeinert. „Dead market“ ist ein schmissiger Song mit wuchtigem Basslauf und vielen Soundexperimenten, die begeistern, ohne von der Hook abzulenken und sich schnell und beständig ins Langzeitgedächtnis fräsen. Ungewöhnlich und eine Rarität auf EPs ist, dass hier kein einziger Remix enttäuscht. Im Gegenteil: sie beleuchten alle grandios die verschiedenen Facetten des Stücks. Selbst die mir sonst so verhasste Dub Variante ist hier richtig groovig. Aber besonders begeistert mich die filigrane Soundkitzelei von Absolute Body Control. Haujobb brechen zum Marsch auf und wir werden ihnen alle folgen! (Spider)

Komplexe Kälte - Vielfalt der Klänge – Bladerunner-Atmosphäre. Haujobb melden sich mit einem gewaltigen Paukenschlag zurück. Alles ist wie gewohnt und wie gewohnt besser denn je. "Dead Market" ist eine Nummer, die sich zunächst sperrig, aber ebenso hartnäckig ihren Weg ins Hirn der Electrofetischisten bahnt und dort zusehends zum Hit mutiert. Die bandeigene Extended Version hilft dabei nicht unwesentlich mit und die vertretenen fünf Remixe bringen die Soundgewalt endgültig zur Kulmination. Mein Favorit stammt dabei von The Horrorist. Hier wird das Stück am beeindruckendsten mit spannenden Klängen sowie neuen Rhythmusstrukturen versehen. Aber auch Exes, Nomenklatür, Absolute Body Control und Paul Kendall liefern erstklassigen Stoff ab. Kein Wunder, sie mussten ja über den Prüfstand der Electrogötter. Die knochentrockene Nightmare-Version von "Letting the demons sleep" komplettiert perfekt diesen schmackhaften Appetithappen auf das anstehende Album Ende September. (Torsten Pape)

Video: http://www.youtube.com/watch?v=KUOeibCly70
Info: Erscheint auch als Premium Edition mit Special Outer Packaging, Aufnäher und Outdoor-Sticker: http://Hau-Shop.com
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://haujobb-music.com

 
 
 


Patenbrigade: Wolff „Der Schallplattenunterhalter”
Da sind sie wieder, unsere Lieblingskollegen, und erneut haben sie Wahnwitz und Ostalgie, aber auch - wie gewohnt - musikalische Finesse im Gepäck. Die Sprachsamples der VoPos, ABVs oder IMs wirken geradezu irrsinnig und man mag kaum glauben, dass man mit solchen Hirnamputierten im gleichen Käfig gelebt und sich nicht angesteckt hat. Da ist es doch schön, beim „Tele Lotto” auf eine seltsame Weise Heimatgefühle zu entwickeln, obwohl man damals doch noch gar nicht spielberechtigt war. Zwischendurch wird dem Hörer noch ins Hirn gestanzt, dass der Brigadier Bier trinkt, nur um am Ende vor den „Blauen Fliesen” zu sitzen und entspannten Wohlfühlklängen zu lauschen. Je nach Medikation schafft man es so noch vor Löschen des Lichts die liebevollen Details auf der Hülle der Quartett-, äh Quintett-Single zu lesen, bevor man sanft in Träume von bildhübschen SPUs entgleitet. (Torsten Pape)

In meiner dörflichen Schule in Süddeutschland lernte ich als Kind, dass es in der DDR absolut keine Vergnügungen gab. Nun lehrt mich die Patenbrigade: Wolff, dass dies Bockmist ist! Es gab die begnadeten Schallplattenunterhalter, zu denen nicht nur der Brigadier am Feierabend gerne zu frischen Technobeats über die Tanzfläche steppte. Natürlich trank er dabei Bier, das aber am liebsten zu harter EBM-Mugge. Die Tanzveranstaltungen waren legendär. Und lange bevor die Obrigkeit soziale Netzwerk-Partys fürchtete, trieben die sozialistischen Delirium-Tanz-Vergnügen ihr Unwesen gegen die Staatssicherheit, während der brave Bürger zuhause auf ein Tele Lotto-Gewinn hoffte. Ich habe also einiges gelernt. Nur ob der Genuss von Vita Cola mit Fit Spülmittel das Betrachten von blauen Fliesen sphärischer gestaltet - das muss ich im Selbstversuch noch testen. (Spider)
Info: Erscheint nur als limitierte Edition (500 Stück) im 18 x 18 cm DDR-Retro 7" Vinyl-Design: http://Patenbrigade.com/Shop
Label: Zweieck Recordings | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://Patenbrigade.com/

 
 
 


Proyecto Mirage „Slaves Of Capital”
Es ist wahrlich kein Trugbild. Wir sind alle Sklaven des Kapitals. Der Industrial der alten Schule setzt daher auf absolute Nicht-Kommerzialität seiner Produkte. Zugegeben, die neue Generation von Proyecto Mirage klingt auch nicht massentauglich. Allerdings gehöre ich zu dem Teil der Masse, dem ein ständiger Loop an Breakbeats oder ein gleichförmiger Technobeat eher an den Nerven zerrt. So versetzt mich dieses Album nicht in helle Begeisterung, auch wenn mir die Noise-Elemente und der verzerrte weibliche Gesang wie bei „The blade of god“ zusagen. Ein wenig erstaunt es mich schon, dass die revolutionäre Message des Albumtitels als reines Tanzfutter verarbeitet wird. Aber es scheint bei diesem Werk mehr um den Sound zu gehen, als um eine rote Linie. So tauchte in der Mitte plötzlich die alleinstehende smoothe Minimalnummer „Flexitrack“ auf. Als Fazit bleibt: Zu technoid und zerissen für meinen Geschmack. (Spider)
Label: Ant-Zen | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.proyecto-mirage.com

 
 
 


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Matt Howden „Robot World (O.S.T.)"
Die magische Geige von Matt hat eine neue Aufgabe. Diesmal nicht in heidnischen Gefilden, wie bei seinem Projekt Sieben, oder als Gast bei Sol Invictus, nein, sie hilft bei der Instrumentierung eines Dokumentarfilms über den Werdegang von Robotern. Es ist nicht ganz einfach etwas über einen Soundtrack zu schreiben, wenn man den Film noch nicht gesehen hat. Die Musik an sich ist wunderschön. Die träumerische Violine wird in atmosphärische Loops gepackt und von einem dezenten Piano-Spiel umrahmt. Dabei kommen mir nicht unbedingt stählerne und technoide Wesen in den Sinn. Aber in dem Film geht es um Evolution, vom mechanischen Somnabulisten bis zum autonomen Sensorium. Und dazu scheint die Musik perfekt zu passen. Bis zum Erscheinen des Films wird diese CD mich sicher noch einige Male auf der Couch erfreuen. Ob ich dabei immer an metallische Greifarme denke, weiß ich nicht. Ich werde aber sicherlich sehr entspannt sein. (Spider)
Label: Redroom | VÖ: 06.06.2011 | Homepage: http://www.matthowden.com/

 
 
 


Depeche Mode „Remixes 2: 81-11 (Box Set)”
Nachdem das letzte Album samt Tour und DVD dazu nun schon wieder etwas her ist, giert der Fan an sich schon wieder danach, seine ersparten Kröten im unersättlichen Depeche Mode-Schlund zu entsorgen. Dafür gibt’s ne Remix-CD in allen Variationen. Ich bespreche hier mal die vollständige 3 CD-Variante (es gibt auch noch eine einzelne CD mit einer Auswahl der „Kostbarkeiten“). Ich komme nicht umhin, mit ein paar grauseligen House-Zerstückelungen meiner geliebten Originale im Kopf, vom Rip off zu sprechen. CD 1 wartet nur mit den bereits bekannten Highlights von Stargate, M83 und U.N.K.L.E. auf. CD 2 zielt dann mehr auf die Mitte Techno-Kids. Man erkennt die Originale noch, aber die Tiefe der Songs wurde durch hippen Sound ersetzt. Schnell die Tür wieder zu und die Leute mit ihren Caipirinhas nicht stören. Auf CD 3 wartet dann Vince Clarke mit seiner Version von „Behind the wheel“. Mit schallenden Trompeten angekündigt, aber laaaaaaaangweilig. Besser macht es Ex-DeMo Kollege Alan Wilder, der „In Chains“ zu einem hypnotischen Recoil-Stück umwandelt. Insgesamt sind die ruhigen Remixe die ganz klaren Gewinner der CD. Neben bereits genannten vor allem die Varianten von „When the body speaks“ und „Puppets“. Dennoch bleibt als nüchternes Fazit: Diese Box erfreut nur die Sammler und Tonstudio-Fanatiker. Der simple Hörer und Musikliebhaber bleibt klar auf der Strecke. (Spider)
Label: Mute | VÖ: 03.06.2011 | Homepage: http://www.depechemode.de

 
 
 


Die Funkhausgruppe „Mono-Poly”
„Minimal“ mal von einer Big Band präsentiert. Schließlich treten sich für die Funkhausgruppe die Mitglieder von Hertzinfarkt, Sonnenbrandt, Die Perlen und Welle Erdball auf die Füße. Doch eigentlich wirft man sich nur das Mikro zu. Musikalisch gleicht das Werk eher einem gemeinsamen Sampler der vier Projekte, als einer neuen Fusion. Damit pendelt die Qualität zwischen kreativen Höhenflügen, so rar wie der Sauerstoff auf dem Mount Everest, und grausamen Tiefen. Von fetzenden, perlenden Electropunk zu der ewig gleichen, analog sendenden Welle, mit komischen Texten, bis zu völlig banalem Schlager mit Hertzbrandt-Risiko. Und irgendwie klingt es so, als ob Blutengel auf LSD auch noch im Studio waren. Man sieht sich selbst als Reunion der Neuen Deutschen Welle - und das stimmt. Ein Hauch Genialität, ein Hauch Witzigkeit und einer ordentlichen Prise fremdschämen.(Spider)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.funkhausgruppe.de/

 
 
 


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The House Of Usher „Pandora's Box“
Wenn für die Gäste des Hauses Usher Pandora´s Büchse geöffnet wird, erwarten diese ein recht düsteres Gebräu kredenzt zu bekommen. Doch wie es so ist, in den alten Sagen: man sollte immer auf überraschende Wendungen gefasst sein. Denn nicht wenige der aktuellen Songs beinhalten relaxt groovende Drums, mit eher lichten Keyboard-Melodien und duftend kuschelweichen New Wave-Gitarren. Nur die Texte und deren Vortrag durch Jörg Kleudgen wandern nach wie vor stetig im Tal des dunklen Timbre. Mir läuft das Ganze sehr schmackhaft runter, denn das Bouquet bleibt schwer und ist typisch für die Band. Dazu sind die Kompositionen wesentlich fruchtiger als auf dem Vorgänger „Angst“, der mich nicht so vollständig berauschte wie dieses Werk. Natürlich freut sich die Leseratte in mir über die traditionell im Booklet abgedruckte Kurzgeschichte, welche, begleitend zu den Liedern, eine wohltuende, okkulte Ganzseelen-Massage bietet. (Spider)
Label: Equinoxe | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.the-house-of-usher.de/

 
 
 


Dismantled „The War Inside Me”
Was hab ich bittere Tränen über den Tod von Dismantled vergossen. Doch Gary Zon ist auferstanden, mit dem Handicap eines Krieges in sich. Und der brummt mit „Insecthead“ direkt ins Ohr. Mit all der brachialen Elektronik und all dem leidenschaftlichen Gesang, welches dieses Projekt so auszeichnet und abhebt. Mit (i´m a fucking) „Disease“ wird der wohlbekannte Leitspruch vertont. Was für eine willkommene Krankheit. Kalte Sequenzen, die einem in wohliges Schwitzen bringen und Texte, die den Schmerz und die Wut ausrotzen. Die Songs von Dismantled sind deutlich härter geworden, treten aber immer noch der Monotonie kräftig in den Arsch. Experimente scheut man nicht. So bietet „The bathroom floor“ musikalisch und textlich Diskussionsstoff, wenn zu scheppernden Beats vermeintlich über die Vorzüge von Drogenkonsum sinniert wird. Doch Vorsicht! Die Ausschweifungen von Dismantled sind stets vieldeutig und hintergründig und machen, im positiven Sinne, süchtig. (Spider)
Label: Dependent | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://dismantled.org/

 
 
 


Mina Harker „Bittersüß”
Sie ruft: „Ich hab’ nichts mehr zu verliern!“ Verlust und Wiedergeburt, Traurigkeit und Leere, Dunkelheit und Stille - alles ist bittersüß. Jeder Atem mag stechen, innere Zerrissenheit, Weglauftendenz, Erlösung ist so nah. Sie sieht ein weißes Licht. „Wach doch auf!“ War das erste Album noch sehr introvertiert und düster, nimmt dieses nun den Hörer bei der Hand, provoziert, umschmeichelt – verführt ihn. Es ist deutlich elektronischer, zeigt viel Liebe zum Detail (#3, #5) und hitverdächtig und tanzbeinschwingend ist der Titeltrack an die Front gestellt worden. Die bessere Produktion mag zum guten Klag und Hörgenuss noch das I-Tüpfelchen beigetragen haben - und ganz nebenbei gibt es noch eine Bonus-CD mit zwei exklusiven Songs und zwei Remixen. Ist das nicht bittersüß? (Manuela Seiler)
Label: Out Of Line | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.minaharker.com

 
 
 


Army Of The Universe „Mother Ignorance”
Armee des Universums – welch Größenwahn! Da hört man doch glatt noch ein bisschen genauer hin, ob die Mailänder Jungs es mit der Namensgebung nicht doch ein bisschen übertrieben haben. Versucht man sich zunächst noch am guten Imitieren der frühen NIN, kommen ab dem dritten Song neue Facetten ins Spiel. Geradlinige und fast schon freundliche Melodien werden nämlich ab sofort mit sägenden Gitarren und feschen, industriellen Klängen verschraubt. Das funktioniert erstaunlich gut und findet den Höhepunkt in einer strammen Björk-Adaption (“Army of me“). Den bandeigenen Höhepunkt stellt für meinen Geschmack dann „8 flowers“ dar, ein schwarzhumoriger Hit vom Feinsten. Wer so was produziert, darf auch größenwahnsinnig sein. Dreck trifft auf Glamour und eine 1A-Produktion aus dem Hause Chris Vrenna. (Torsten Pape)
Label: Metropolis | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/armyoftheuniverse

 
 
 


Atari Teenage Riot „Is This Hyperreal?”
Mehr als zehn Jahre sind seit dem letzten Atari Teenage Riot-Album vergangen. Erwartungsgemäß hat sich unsere Gesellschaft nicht zum Besseren gewandelt. So ist es erfreulich und notwendig, dass die drei Electro-Anarchos ihre Musik mal wieder als Waffe verwenden. Ihre wütenden Shouts hauen gibt’s ohne pathetisches Rumgelaber direkt auf die Glocke. Freiheit ist das Stichwort. Lasst Euch nicht von der Regierung und ihren Gesetzen für dumm verkaufen. Macht Euch außerdem frei von der virtuellen Realität und denkt selbst. Gleiches gilt für die Regeln des Musik-Business. Konsequent fahren sie ihre eigene Schiene. Diese besteht aus wilden Break Beats und Samples aus allem, was schön Krach macht. Die Sounds sind etwas greifbarer geworden und schaffen mehr musikalische Atmosphäre, wenn es nötig ist, auch mal ruhiger, wie beim Titeltrack „Ist his hyperreal?“. In diesem rufen sie zum revolutionären Marsch gen Bundestag. Keine Frage, ich bin dabei! (Spider)
Label: Digital Hardcore | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.atari-teenage-riot.com/

 
 
 


Accessory „Underbeat”
Kann sich noch jemand an Out Of Line's Versuch ein neues Genre zu definieren erinnern? TBM = Techno Body Music hieß das damals und hat's nie über Vol.1 hinaus geschafft. Wenn man das dieser Tage erscheinende Accessory-Album hört, und sich plötzlich nicht mehr erinnert, was man gerade gekauft und in den Player gedrückt hat, könnte man denken, es gibt endlich einen zweiten Teil. Seltsamerweise waren Accessory auf dem Sampler gar nicht mit dabei. Jetzt haben sie ihren eigenen. Denn genauso kommt es rüber: wie ein Sampler. So abwechslungsreich das klingt, so verstörend kann es sein. Dennoch gibt es einige Electro/EBM-Stampfer wie auch Techno-Tracks, die überzeugen können. Allen voran das herausragende Johnny Cash-Cover „Folsom Prison Blues“ oder auch die Neuversion von „I Say Go“. Und für alle, die während des Hörens dann immer noch rätseln, welchen Sinn dieses Album hat, geben Accessory in den beiden deutschen Stücken den entscheidenen Hinweis: die Tanzfläche! (Daniel Theberath)
Label: Out Of Line | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/accessoryweb

 
 
 


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Hekate „Die Welt der dunklen Gärten
Freudige Überraschung als ich "Die Welt der dunklen Gärten" in den Player lege: beinahe poppige Töne tänzeln mir entgegen, luftig-leichte Akustikgitarren an melodischem Instrumentemix und der wohligen Stimme von Axel Menz. Der Opener „Byronic Hero“ holt den Hörer an einem Punkt ab, wo er sich gerne dem Zauber Hekates hin gibt. Und so geht es weiter, das Album mit dem schwermütigen Namen: leicht und locker fallen mir als Attribute zu Musik und wechselseitigem Gesang von Susanne Grosche und Axel Menz ein. Von der getragenen Schwermut früherer Jahre ist nicht mehr viel übrig. Stattdessen freudige Melancholie mit klassischen Elementen, orientalischen und Folk-Einflüssen. Textlich bleiben sich Hekate treu: ob Historie, Naturromantik oder Adaptionen klassischer Dichtung, deutsch und anspruchsvoll ist nach wie vor das Motto. Fans von Dead Can Dance können mit diesem Album nicht viel falsch machen. (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach Tonträger | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.hekate.info/

 
 
 


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Sol Invictus „The Cruellest Month
Mit Tony Wakeford, seines Zeichens Kopf und Herz und Fleisch von Sol Invictus, kehrt ein echtes Schwergewicht der Neofolk-Szene auf die Bühnen dieser Welt zurück. Nach langen sechs Jahren und dem zwischenzeitlich verkündeten Ende der Band (nach dem 2005er Album 'The Devil's Steed') legt er mit "The Cruellest Month" nicht nur irgendein Comeback-Album vor, sondern eines, das dem Begriff „Schwergewicht“ in musikalischer Form alle Ehre macht! Wir sprechen von 13 Songs, die alle Ecken, Kanten und Stärken Wakefords zum Vorschein kommen lassen: kämpferisch, melancholisch, schmerzhaft und textlich zynisch (wie fast immer) präsentiert sich der Engländer in Bestform. Und dabei macht er es dem Hörer nicht leicht: beim ersten Anhören erschließt sich das Album nicht, sondern braucht mehrere Anläufe, um seine volle Vielfalt zu präsentieren. Dann aber hängt es drin im Gehörgang, und hängt und hängt und... (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach Tonträger | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/solinvictushq

 
 
 


Compact Space „Nameless“
Anstatt Daves Wackelpopo zu bewundern, setzten sich die Depeche Mode-Gastmusiker Christian Eigner und Daryl Bamonte gemeinsam mit Sänger Florian Kraemmer auf ihre eigenen vier Buchstaben, um elf Synth Pop-Kosmen zu komponieren. Sie erschaffen sich ihre eigene Vorstellung eines Klanguniversums. Die verschlängelten Soundschnuppen werden von einer klar leuchtenden Melodiestraße zusammengehalten und der harmonische Gesang bringt nicht nur den Mann im Mond zum Lächeln. Wurmlöcher zu Parallel-Universen Richtung Basildon öffnen sich reichlich. Aber das Reisen durch diese birgt einen reinen Wohlfühlfaktor und ist keineswegs mit Plagiats-Bauchschmerzen verbunden. Ab und an erforscht man auch noch namenlose Welten, wenn man etwa einen „Lonely star“ wachrockt. Eine aufregende und intensive Odyssee durch warme synthetische Welten. (Spider)
Label: Ferryhouse Prod | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.compactspaceworld.com

 
 




V.A. „Alfa Matrix Re:Covered vol. 2 – a tribute to Depeche Mode“
Ja ich weiß, der x-te Depeche Mode Cover-Sampler scheint ungefähr so interessant, wie die Hochzeit von Prinz William. Doch auf der Gästeliste dieser CD befinden sich teils versprechende Namen. Aber nicht nur Unter Null, Kant Kino und Leaether Strip waren vor der Feier einen heben und reihern ihre Varianten in den Champagnerkübel. Bis zum neunten Titel würde ich jede Kapelle von der Bühne prügeln bis Implant etwas „This is fun“ erzeugen. Die Bands mit guten Ansätzen, wie zB. Essence of Mind, scheinen ihre Einladung recht kurzfristig erhalten zu haben, mit etwas mehr Zeit wäre im Studio aus "Puppets" ein Electrorock-Kracher geworden. Selten gab es über eine Doppel-CD so wenig zu schreiben. Als bekennender Junggeselle und Fan der Jungs aus Basildon muß ich sagen: Hochzeiten und Depeche Mode-Cover-Sampler sind Rotz! (Spider)
Label: Alfa Matrix | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.alfa-matrix.com/

 
 


Peter Murphy "Ninth"
Den obersten Bauhaus-Kurator Peter Murphy muss man der Fachwelt nicht detailliert vorstellen. Seine Verdienste an der Gothic- und Post-Punk-Kultur sind wohlbekannt und unbestritten. So kann er auf seinem neunten Werk auch völlig leger aufspielen. Das tut er dann auch. Mit einer gehörigen Hommage an seine musikalischen Anfangstage, bestehend aus psychedelischen 70er Rock und einer ordentlichen Portion New Wave. Die Songs sind lange nicht mehr so sphärisch wie auf den Vorgängerwerken. Doch die knackig auf den Punkt gebrachten und sehr treibenden Stücke fesseln den Hörer mit ihren Melodien nach wie vor. Natürlich ist auch dieses Werk von der charismatischen und ergreifenden Sangesstimme des nie alternden dunklem Herren geprägt. Das sich dessen Stimmung aber auch lichten kann, beweist er mit Titeln wie "Memory go", das sich als Clubklopfer in jeder anspruchsvollen Indiedisco eignet, oder der straighten Rocknummer "The prince old lady shade" (Spider)
Label: Nettwerk | VÖ: 06.06.2011 | Homepage: http://www.PeterMurphy.info
 
 


Kellermensch "Kellermensch"
Sechs Dänen laden zur Fete in den Keller- Mensch ! Da wird zu bretternden Gitarren über den Fußboden gesteppt und so mancher Aquavit gekippt. Die Wände beben von der Stampede der krachenden Musik, die gekonnt zwischen dreckigem Alternativrock und sauberen Indie Melodien wankt. Der Staub rieselt von der Decke und dringt geschmeidig in die Kehle von Sänger Sebastian Wolff, der seine Emotionen ins Mikrofon heult und seine Wut, in rauen Wolken, herausspuckt. Eine Feier mit viel lauter Euphorie und leisen Momenten, die man bis zum Morgengrauen genießt. So eilt herbei ihr Freunde handgemachter Musik, egal ob ihr sonst auf Metal-, Alternativ-, New Wave- oder Blues Partys schwooft, die Bowle hier hat alle Zutaten und viel Kellergeist. (Spider)
Label: Vertigo/Universal | VÖ: 03.06.2011 | Homepage: http://www.kellermensch.com
 
 

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Ikon "In The Shadow Of The Angel"
Vor sage und schreibe 17 Jahren erschien das Debüt der Aussies und enthält mindestens drei Evergreens, die bis heute im Liveset präsent sind: „Condemnation“, „Black roses“ und das kongeniale Death in June-Cover „Fall apart“ sind Klassiker des Gothic-Rocks (Post Punks?!?). Kraftvoll, mit sprödem Charme und viel Dunkelheit versehen, können jedoch auch alle anderen Kompositionen nach heutigen Maßstäben überzeugen (noch dazu in remasterter Form!). Auf der Bonus-CD finden sich Stücke der nur ein Jahr jüngeren Compilation „A moment in time“ sowie Songs von damaligen Singles. Meines Wissens nach kennt man drei der vier (angeblich) unveröffentlichten Tracks, aber allein das geniale – und dem Rezensenten wirklich unbekannte - „The unmarked grave“ lässt diese Ungereimtheit schnell vergessen. (Torsten Pape)

Zum zwanzigjährigen Bandjubiläum der australischen Wave Rocker Ikon wagen diese einen Blick zurück und veröffentlichen nochmals ihr Debüt Album. Das ist prima für alle Neueinsteiger in dieses Genre, denn dieses Werk ist ein Klassiker. Es ist gespickt mit Post Punk-Brechern und melancholischen Goth-Perlen. Kaum eine andere Band hat es so perfekt verstanden, die minimalen, kalten Elemente der Ära um Joy Division mit dem pathetischen Düsterrock der 90er zu einem eigenen unverwechselbaren Stil zu verbinden. Doch auch alle Schwarzkittel, die das Album bereits in ihrer Sammlung haben, sollten aufhorchen. Denn es enthält eine zweite CD. Gefüllt mit rarem und unveröffentlichten Material. Diese zeigt Ikon etwas von ihrer ungeschliffenen Seite, jedoch in ausgezeichneter Klangqualität. Die Songs dieses Albums führen direkt in nostalgische Erinnerungen an lange morbide Nächte und dichte Nebelschwaden über der Tanzfläche. (Spider)
Label: Echozone | VÖ: 03.06.2011 | Homepage: http://www.ikondomain.com

 
 

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Ikon "Flowers For The Gathering"
Das zweite Album der australischen Gothic-Band Ikon kann man ohne Zweifel als Klassiker bezeichnen. Es schlug nach dem dunklen, berauschenden Debüt eine filigrane Richtung ein, die teils akustische Songperlen hervorbrachte, ohne die kräftigen Gitarren über Bord zu werfen. Außerdem enthält es den ersten Song, den Chris McCarter, der spätere Sänger, schrieb und vortrug („In trust I return“). Auf der remasterten Neuauflage findet man zusätzlich alle Stücke der damaligen, limitierten Bonus-CD sowie die B-Seiten der großartigen Auskopplung „Life without end“, eine B-Seite der späteren Single „Subversion“, einen Track der „Dawn of the Ikonoclast“ und ein unveröffentlichtes, schönes Instrumental namens „The gathering“. Wer dieses Werk noch nicht besitzt, sollte sofort Einkaufen gehen! (Torsten Pape)

Dies ist der zweite Streich der Wiederveröffentlichungs-Geburtstagsparty von Ikon. Das erstmals 1996 veröffentlichte Album "Flowers for the gathering", remastered und mit Bonus CD. Fünf Jahre nach ihrem Erstling kehrte die Band zurück ins Studio, um ihren Hang zur Melancholie erneut zu vertonen. Diesmal jedoch mit veränderten Stilmitteln. Die düsteren Rockriffs wurden überwiegend durch zarte akustische Gitarrenklänge getauscht und es kamen Keyboards, für eine träumerische Hintergrundfläche, zum Einsatz. Dadurch bekam auch der Gesang eine wichtigere, tragendere Rolle. Auf dem zweiten Silberling findet man die B-Seiten diverser Eps dieser Zeit und Session-Material zum Album. Darin offenbart sich die ganze Qualität dieser Band. Denn diese Stücke sind genauso hörenswert. Ab und an werden auf diesen ein paar kleinere, abweichende Experimente gewagt. Man darf gespannt sein, was Ikon in Zukunft noch aus ihren Archiven zaubern. (Spider)
Label: Echozone | VÖ: 03.06.2011 | Homepage: http://www.ikondomain.com

 
 VÖ: Mai 2011    
 
 


Neon Judgement „Early Tapes”
Die Jungs von Neon Judgement sind entweder sehr Nostalgieversessen oder haben die Rechte an ihren Songs in der Vergangenheit an x Labels abgetreten. Jedenfalls wird man von ihnen mit CD-Historien regelrecht beschossen. Diesmal sind es die „Early Tapes“. Würde mir heutzutage eine unbekannte Band solch ein Tape in die Hand drücken. wäre ich begeistert von dieser genialen Minimalscheiße. Natürlich bin ich dies auch mit dem Wissen, dass dies mir die bereits bekannten Neon Judgement sind. Denn zweifellos waren und sind die Belgier große Künstler in diesem Genre. Doch in ihrem Fall greife ich eben dann doch auf die späteren CDs zurück, auf denen ich die wichtigsten Perlen in besserer Aufnahme Qualität vorfinde - ohne dass ihnen durch die Studioprozedur der Glanz abgeschliffen wurde. Allerdings mit dem Wunsch eine Zeitmaschine zu besitzen, um zu den Konzerten zu reisen, bei denen die Liveversion von „Schyzophrenic Freddy“ aufgenommen wurde. (Spider)
Label: Onderstroom | VÖ: 19.05.2011 | Homepage: http://www.theneonjudgement.com

 
 
 


Clan Of Xymox „The Darkesthour”
Trotz seiner Jahrzehnte umfassenden Bandgeschichte, gehört der Clan of Xymox nach wie vor zu den aktivsten Bands der schwarzen Szene. Kontinuierlich versorgt das Künstlerkollektiv um Ronny Morrings die Herrscharen von Fans, seit vielen Jahren mit Konzerten und bis ins Detail ausgeklügelten Plattenproduktionen. So auch 2011, mit ihrem neuen Album „The Darkesthour“. Dieses reiht sich qualitativ nahtlos in die CoX-Diskografie ein, weiß aber dennoch gekonnt zu überraschen. Ronny, Moica und Co. präsentieren sich hierauf gefühlt weniger düster und wavig als es der Albumtitel und frühere Veröffentlichungen vermuten lassen. Und auch Songs wie z.B. „She did not answer“ werden ihr Übriges dazu beitragen, den Clan endgültig aus der Nische heraus, auf den Dancefloors und in den Gehörgängen des dunkelelektronischen Publikums zu etablieren. Dennoch ist die textlich- und melodisch-filigrane Handschrift des Clans unverkennbar. Schwarz bleibt eben Schwarz und der Clan bleibt Hörgenuss, auch 2011. (Frank Bentert)
Label: Trisol | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.clanofxymox.com

 
 
 


Compilation „Forms of Hands 11”
Ein Label, ein Sampler, ein Kult! Und, es gibt einen neuen! Die Nummer 11 um genau zu sein. Spätestens an dieser Stelle werden all die Stroboskopfreaks und Brausepulverschniefer aufhören zu lesen, wissen sie doch was kommt ... natürlich ... denn der erste Satz sagt ja eigentlich schon alles. 12 Interpreten, 12 Tracks, von hart bis weich bis schräg bis richtig schräg, ist mal wieder alles dabei, was das ausgehungerte Elektroherz hoch, runter und auch in sämtliche andere Richtungen springen lässt. Anspieltipps? Eigentlich alles! Aber für die schmusigen unter Euch, die ein paar laute Stunden mit dem Schatz im Keller verbringen möchten, hier zwei Sahnestücke: Kritische Masse von Greyhound und Maschinenkrieger Kr52 vs. Disraptor mit Cold Shutdown. Wie sagten die Cowboys ... yeehaw! (Frank Bentert)
Label: Hands | VÖ: 06.05.2011 | Homepage: http://www.formsofhands.de/foh

 
 
 


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23 Trublion 23 „Chants et danses au temps de Graffen Walder”
Der Live-Trommler der französischen Experimental-Folker Gae Bolg hat für sein drittes Album im Vorfeld einen gewaltigen Schluck Selbstvertrauen getankt. So wird uns das beste Hippie Industrial Red Folk-Album aller Zeiten angekündigt. Nach einem Intro, das eher von Weinseeligen Gesängen geprägt ist, kann der Song „Le seigneur des mouches“ der großspurigen Ankündigung nicht wirklich folgen. Ein nettes Mitsumm-Folk-Stückchen mit ein paar schrillen Trompeten-Attacken zum Fußwippen. Was danach folgt ist durchaus solide und schmeichelt den Lauschern, setzt aber keine neuen revolutionären Akzente in diesem Genre. Zugegeben: die experimentellen Songs sind recht witzig; vor allem, was die klamaukartigen Gesangseinlagen und Chöre betrifft. Aber das kennt man eben auch schon von Gae Bolg, der hier neben vielen anderen Mitstreitern auch mitwirkt und auf seinen eigenen Alben dieses besondere Extra Epos besitzt, das diesem Werk etwas fehlt. Aber ne Flöte im Arsch wie auffem Cover ist irgendwie cool. (Spider)
Label: Le Cluricaun/Dark Vinyl | VÖ: 23.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/23trublion23

 
 
 


Homo Futura „Der neue Mensch”
Man kann nicht gerade behaupten, dass es zur Zeit besonders langweilig wäre im Funkhaus-Labor. Mit diesem Album wird nun aus einer Formel-Idee der letzten Jahre ein schäumendes Gebräu und ein anderes Präparat löst sich zischend auf. Hin und wieder wird eine gute Portion Welle:Erdball oder auch eine Neue Deutsche Welle beigemischt, wobei ordentlich analog piepsender Rauch entsteht, aber die brennende Scharfzüngigkeit nicht annähernd gelöscht wird. Eher wird sie noch von einem ordentlichen Schuss Das Ich genährt und wir lernen, dass die Kombination von Honig und Plastik manchmal sogar einen neuen Menschen erzeugen kann. Am Ende ergibt das ganz viel meist leckeren, giftig grünen Schleim, dessen pH-Wert jedoch leider nicht immer positiv ist. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.homo-futura.de/

 
 
 


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Skold „Anomie“ 
„Das Leben ist eine Reise“ - wohin führt sie Tim Skold? Von Kingpin zu Shotgun Messiah über KMFDM/MDFMK und Marilyn Manson und schließlich und zuletzt zu Skold selbst. Wohin bringt sie ihn, den Dämon in Engelsflügeln, den Abtrünnigen, der verloren nach dem rechten Wege sucht, der harte Soldat, dessen weicher Kern vor Hunger um Sicherheit knurrt und schreit? Anomie, der Gesetzlose zeigt das Dissoziative, das Deviante auf, verknüpft Vergangenes Schwaches mit Gegenwärtigem Fehlendem. Trancig, trashig, grotesk, coole Melodik und einmalige Gitarrenriffs – doch wohin führt die Reise nun? „Oculos eius dinumera sed noli voltum adspicere“ - zur Wahrheit? (Manuela Seiler)
Label: Dependent | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.skold.com

 
 
 



Austra „Feel It Break” 
Wer bereits Platten von The Knife oder Zola Jesus im Schrank stehen hat, wird das Debüt Album von Austra sicher nicht übers Knie brechen. Denn es schmeichelt mit luftigen synthetischen Pop-Melodien, die dank sanft eingebauter Quietschetöne und einer nicht zu angepassten und guten Sangesstimme niemals auf trivialen Pfaden wandeln. Damit landet Austra in der anspruchsvollen Schublade ohne bahnbrechend zu sein. Das Werk erreicht den Höhepunkt mit Dampf auf dem Kessel, wie bei den Stücken „The villain“ oder „The choke“, die es ansatzweise schaffen, ein bisschen aus der Gleichförmigkeit der Platte auszubrechen. Gerne beim nächsten Mal mit mehr als nur einer Prise Electro-Folk wie bei „Shoot the water“. Dieses Album hört sich wohl am Besten während einer entspannt geistigen Tätigkeit, denn die volle Konzentration, um in Ekstase darin aufzugehen, bedarf es nicht. Hier musiziert keine frustrierte Subkultur, sondern die sozial abgesicherte Avantgarde. (Spider)
Label: Domino | VÖ: 16.05.2011 | Homepage: http://www.austramusic.com

 
 
 


Hidden Place „Weather Station – Early Works” 
Keine so schlechte Idee, eine Kollektion früher Werke in Assoziation mit einer Wetter Station zu bringen. Schließlich gibt’s in jeder Karriere Hoch und Tiefs. So lange währt diese allerdings noch nicht. Die Band gründete sich erst 2004. Stilistisch sind sie aber durchaus zehn Jahre früher in der großen Zeit des Dark Wave anzusiedeln. Wie es sich für italienische Tastendrücker gehört, ist man deutlich durch Kirlian Camera beeinflusst, kommt aber nicht ganz so schwermütig daher. Denn ab und zu entlässt man ein paar flotte Dur-Hüpfer aus den Keyboards. Weitere Parallelen zu dem Vorbild sind der nicht immer tonsichere aber charismatische Gesang von Sängerin SaraLux. Die männlichen Kollegen tun sich bei der gelegentlichen Unterstützung noch schwerer. Sie sollten immer sprechen wie beim überzeugenden deutschen Titel „Helden“. Dieser glänzt außerdem mit dem Markenzeichen und großer Stärke des Albums: Sphäre, Sphäre und nochmals Sphäre. (Spider)
Label: Twilight | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/hiddenplaceitalia

 
 
 


Hidden Place „Fantasia Meccanica” 
Nach der Erstveröffentlichung 2008 brechen die Italiener Hidden Place mit diesem Re-Release zum zweiten Mal mit ihrer mechanischen Gerätschaft zu einer fantastischen Reise auf. Kennt man die frühen Demos der Band, klingt das technische Gerät deutlich aufgepeppt. Doch weder der New Age-lastige Instrumental Opener „Spazio zero“, noch das darauf folgende Synth Pop-Plätschern „Window still“ überzeugen. Die Band scheint zu diesem Debüt alle alten Ideen über Bord geworfen zu haben. Somit auch jede Menge Entdeckergeist und die Stärke atmosphärische Klangwelten zu schaffen. Geblieben ist der nicht immer überzeugende weibliche Gesang. Somit geht dieses Album relativ unspektakulär seinen Gang. Hat man sich mit „The Frozen Autumn“ auch eine herausragende Band des Genres zum Remixen geholt, lassen sich diese vom trägen Gesamtbild beim Werkeln anstecken. Und so kommt es wie es kommen muss: das Album geht einem zum Schluss hin auf den Zünder. (Spider)
Label: Twilight | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/hiddenplaceitalia

 
 
 


John Foxx And The Maths „Interplay”
Ein Album wie aus den 80ern, was die 42 Min. Spielzeit angeht. Stilistisch passt diese Formel allerdings nicht ganz. Ex-Ultravox Sänger John Foxx ist zwar eine Ikone aus dieser Zeit, er befindet sich auf diesem Album aber im Wechselspiel mit Ben „Benge“ Edwards, seines Zeichens elektronischer Komponist und Synthesizer-Sammler. So wabert die Musik auch recht zeitlos aus den Boxen. Von einfach gestrickten Popnummer, über kalte EBM-Einflüsse, bis zu unbequemen Experimental-Tracks ist alles dabei. Die Sounds sind teilweise sphärisch, teilweise wummern sie einem hart in die Magengrube. Der Gesang passt sich homogen der jeweiligen Stimmungslage an. Produktionstechnisch auf höchsten Niveau können die Kompositionen dieses Level nicht ganz halten, auch wenn diese durchaus überzeugen. Ein sehr berechnendes Album, das für Theoretiker ein Höhepunkt ist und die Gefühlsmenschen sanft am Bauch kitzelt. (Spider)
Label: Metamatic | VÖ: 09.05.2011 | Homepage: http://www.johnfoxxandthemaths.com

 
 
 


Captain Capa „Saved My Life”
Unerhört! Auf dem Cover von Captain Capa wird geknutscht. Oder ist es doch Mund zu Mund-Beatmung zur Lebensrettung? Ich weiß nur, würde ich am Strand röcheln, mit Salzwasser in den Lungen, hätte ich anstatt der Plastik-Titten von Pamela Anderson lieber ne Prise netten Plastik-Pop von den Jungs aus dem Kyffhäuser Wald. Die hilft nämlich prima schleunigst wieder fröhlich über den Strand zu hoppeln - die Lunge aufgepäppelt, mit einer Mixtur aus Electro, 80ies, Funk bis Punk und Indie. Auch mit ner ordentlichen Packung Mainstream fürs Arschgeweih – na und? Ich höre in diesem Metier lieber ne Band, die dass selbstbewusst beherrscht, als heulende Robben mit komischen Kinnbart. Lästige Discokugeln, die ab und an aufblitzen, werden  durch freakige Trasher wie „Yamaha Deathrays“ oder flotte Mitwipp-Smasher wie „Something that you wanted“ flugs wieder im Sande verbuddelt. Das ist ne Partyplatte, zu der ich meine Badehose über dem Kopf kreiseln lasse. (Spider)
Label: Audiolith | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://captaincapa.de/wordpress/

 
 
 


Haus Arafna „New York Rhapsody”
Es ist eine überraschende Tatsache, dass das aktuelle Album von Haus Arafna 2009 auf der Fashion week in New York zur Show von Katie Gallagher präsentiert wurde. Musikalisch wird nicht ganz so mit krachender Nähmaschine gearbeitet, wie man es von früheren Kollektionen gewohnt ist. Aber ich kann mir beim besten Willen keinen federnden Catwalk zu dem liebevollen Patchwork-Muster aus verzwickten Soundspielereien vorstellen - auch wenn mit „I did it for you“ oder „Heart beats blood flows“ tanzbarer Cold Wave-Stoff der alten Mode geschaffen wurde. Allerdings passen die im Booklet abgebildeten Models in ihren zeitgemäßen Varianten des kurzen Schwarzen perfekt zu der kühlen Atmosphäre des Albums, das einen gleichzeitig in warmes Moll einmummelt. Mrs. und Mr. Arafna haben ihre Anstalt verlassen, um ihre Kultur in den Zeitgeist zu bringen. Nicht ausschließlich zerstörend, aber für immer prägend. (Spider)
Label: Galakthorró | VÖ: 19.05.2011 | Homepage: http://www.hausarafna.de

 
 
 


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My Dying Bride „Evinta“
Ich habe mich heute schick gemacht für die Oper. Gespielt wird die sterbende Metal-Braut Evinta. Eine großartige Idee der Briten, ihre Stücke in diesem fragil-pompösen Gewand zu präsentieren. Denn diese haben schon im Original neben allem Gedeathe und Gedoome wunderschön-melancholische Melodien, die das Hühnerfell erzittern lassen. Und so kann die klassische Aufführung in der Instrumentierung nur als Geniestreich betrachtet werden. Die zarten Violinenläufe und fragilen Klavier-Töne, gebettet auf dunklen Keyboard Flächen, zerschmelzen mit dem klagenden Gesang und der beschwörenden Sprachdarbietung von Aaron Stainthorpe zu einer fantastischen Sinfonie, die nicht von dieser Welt scheint. Es ist konsequent, dass phasenweise eine echte Opern-Sängerin mitwirkt. Das schmälert meinen Hörgenuss etwas, denn ich komme an die Art dieses Gesangs einfach nicht ran. Doch wenn nach neun Akten der Vorhang fällt, ist dem Ensemble stürmischer Applaus gewiss.(Spider)
Label: Peaceville | VÖ: 24.05.2011 | Homepage: http://www.mydyingbride.org/

 
 
 


Effter „Bilateral 602”
Es gibt keine 602-Varianten des Begriffs Bilateral, aber man kann ihn, je nach Themengebiet, vielseitig gebrauchen. Abwechslungsreiche Klänge versprechen uns auch Effter. Sie legen mit „J.P.N.“ auch ordentlich los. Zackige Gitarrensamples treffen, eingebettet in perlende Elektronik, auf einen Bass, der in den Magen haut, während ein irrwitziger Gnom ins Mikrofon kreischt. „Godless“ betet diesen Mix etwas eingängiger aber noch erleuchtender. Über längere Distanz aber bleiben die Italiener in ihrem Konzept hängen, auch wenn versucht wird, durch Tempowechsel etwas Abwechslung zu schaffen. Doch ab Mitte des Albums landet man bei überwiegend langweiligen Soundtüfteleien. Ab und an blitzen zwar durchaus noch Genialitäten wie klassische Pianoläufe oder mitreißende Gitarrenbretter auf, aber vieles geht einem auch einfach auf den Sack. Zum Beispiel die penetranten Billig-Techno Drums. Teilweise lecker, aber zuviel Geschmacksverstärker. (Spider)
Label: Danse Macabre | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.effter.com

 
 
 


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The Spiritual Bat „Cruel Machine“
Och, was weint denn dat (B)engelchen auf dem Cover so? Hat Dich die Fledermaus erschreckt oder das Zeugnis ihrer grausamen Maschine? Musikalisch gibt’s jedenfalls nichts zum Betrauern. Die Gitarren jauchzen und heulen in bester Deathrock-Manier zu einem lässig gezupften Bass und die nette Rosy beschwört mit ihrem Gesang die wohlklingende Göttin aller Goten. Klar ist das nicht das neue große Ding, aber es ist eine angenehme Brise voller geliebter Klänge. Weil das Duo die melodienreiche Variante in ihrer Fledermaus Höhle bevorzugt, stört deren dumpfer Klangwiderhall etwas die Produktion. Aber wer bemerkt das schon, während man mit Gänsehaut zu düsteren Meisterwerken wie „Tormented Body“ schwelgt oder melancholisch auf „The other side“ driftet. Da steigt selbst Edgar Allan Poe aus seinem Grab und wagt ein Tänzchen. Spätestens bei dem rockig mitreißenden „Chance“ sollte jeder Schwarzkittel schwingen. Manchmal sind Klischees echt knorke. (Spider)
Label: Danse Macabre | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/thespiritualbat

 
 
 


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Eyes Shut Tight „Fairground Zero“
Vor ziemlich genau einem Jahr erschien das Debüt der Hamburger Rumpelstilzchen. Rau und ungeschliffen rockten sie sich durch den Crossover-Garten, so dass es einem danach an keiner Stelle mehr juckte. Jetzt hat sich zu dem kratzigen Element eine deutlich souveränere Produktion gesellt, aber auch die elektronischen Töne und ruhigen Elemente (oder andersrum) sind stärker vertreten. Alles wirkt ein wenig zielsicherer und die beileibe nicht verrauchte Wut kommt so noch brachialer zum Ausbruch. Ein wirklicher Hit wie ihn die großen Vorbilder im Repertoire haben fehlt zwar immer noch, aber das dunkle „Gone” bleibt wenigstens schon mal wegen seiner Andersartigkeit hängen und „Revenge” klopft schon mal an der Hi(n)t(er)-Tür. (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.eyesshuttight.com

 
 
 


Der Klinke „Square Moon”
Ganz so unbeholfen, wie der Bandname vermuten lässt, kommt diese belgische Band dann doch nicht daher. In den meisten Songs agiert man sogar recht souverän und beschwört erfolgreich die Ahnen düster-elektronischer Musikerzeugung. Manchmal klingt das martialisch, oft industriell, meistens kühl bis kalt und nicht selten hypnotisch. Der eher rezitative Männergesang wird dabei an sehr passenden Stellen von einer deutlich mehr Wärme ausstrahlenden Frauenstimme unterstützt oder - im Fall von „Where it ends“ - vom Sänger der kultigen The Arch („Babsi ist tot“, „Ribdancer“ etc.). Mein Favorit ist übrigens das ein wenig an Clock DVA erinnernde „Clear mind“ – es braucht manchmal nicht viel, um mega-cool zu sein. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/derklinkebe

 
 
 


Wieloryb „Empty”
Mit Wieloryb macht sich eine hierzulande bisher noch recht unbekannte Band aus Polen daran, den Markt für Industrial und Noise zu erobern. Und die Vorzeichen dafür stehen nicht schlecht: So ist die Formation aus Gdansk seit den frühen 90er Jahren musikalisch aktiv, hat bereits mehrere Alben veröffentlicht, ist schon zusammen mit Größen wie Jimi Tenor und Pan Sonic aufgetreten und hat nun mit Hands Productions einen 1A-Labelpartner hinter sich, der einige der Großen derselben Stilrichtung (Winterkälte, Ah Cama-Sotz, Mono No Aware, MS Gentur) unter Vertrag hat und für qualitativ hochwertige Veröffentlichungen bekannt ist. Und so überrascht es nicht, dass „Empty“ zu überzeugen weiß. 15 Tracks in der (positiven!) Grauzone zwischen Rhythm’n’Noise und industriellen IDM, eine knappe Stunde rhythmischer Terror, 15 Mal voll auf die Zwölf! Für Fans des Genres gibt’s hier nicht viel falsch zu machen! (Pippi von Schnippi)
Label: Hands | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/wieloryb2009

 
 
 


Headless „imperfect:[mensch]”
So, so - in der Lausitz ist man also kopflos oder gar seinen Kopf los. Trotzdem musizieren sich die drei Laus(-itzer)buben gar nicht so verkehrt durch elektronische Gefilde, die mal synthie-, mal future-ver:pop:t anmuten und haben dabei so manch markante Melodie an Bord. Der Klang stimmt auch, kein Wunder, es hat ja auch der Oswald Kolle, äh Kolja Trelle von Soman produziert. Hat man sich zu guter Letzt an den etwas nasalen Gesang gewöhnt und die Sympathiepunkte für den Ost-Rock-Koffer „Als ich fortging“ (im Original von Karussell) vergeben – ist das Eis endgültig gebrochen. Bei mir friert es zwar leider an manchen Stellen angesichts des ausbaufähigen Umgangs mit der englischen Sprache wieder zu, aber das muss ja nicht zwangsläufig jeden stören. Passt eigentlich auch wieder irgendwie zum Albumtitel... (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/headless1

 
 
 


Mesh „An Alternative Solution”
Allzu oft gab es das noch nicht. Ein komplettes Album wird von befreundeten Bands in die Mangel genommen und neu interpretiert. Jeder bekommt einen Song, die Reihenfolge wird beibehalten und wirklich nichts geht dabei zu Bruch - so geschehen mit „A perfect solution“ von Mesh aus dem Jahre 2009. Vielmehr erstrahlt der an sich schon schillernde Strauß Blumen nun in noch bunteren Farben und bietet so wahrlich eine lohnende Alternative. Besonders spannend wird es natürlich, wenn mal nicht Synthiepop auf Synthiepop trifft, wie bei den Neubearbeitungen von Zeromancer, Daniel Myer oder Portion Control. Die Fusionen funktionieren perfekt und stehen den „sanfteren“ Adaptionen auf Augenhöhe gegenüber. Die Bonus-CD enthält neben von Maxis und Vinyl bekannten Songs und Remixen sogar weitere zwei (bei iTunes vier) exklusive und lohnenswerte Tracks. (Torsten Pape)

Label: Dependent | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.mesh.co.uk

 
 
 


oHgr „Undeveloped”
Nach dem sehr zornigen und rauen Album „Devil in my details” aus dem Jahre 2008 erscheint der spontane Zugang zum neuen Werk etwas leichter. Die vielschichtigen Klanggebilde wirken, nun ja, nicht gerade freundlich, aber doch etwas luftiger. Kleine, feine Melodien verbreiten eine trügerische Ruhe und der zynische Märchenonkel vermag nur die ganz Müden in den Schlaf zu lullen. Alle anderen sitzen starr in der Erwartung der bösen Hexe. Hin und wieder nimmt das Album etwas Fahrt auf, aber immer wieder dominiert das Schwelen des faszinierend bedrohlichen Gebräus, den Rauchschwaden auf dem Cover gleich, die fast wie unter Wasser dahin wabern. Sogar der ein oder andere Verweis auf Ogres Hauptband Skinny Puppy erscheint im Nebel und der Gedanke kommt auf, dass die Kollaboration mit Mark Walk mittlerweile fast die Genialität der mit cEvin Key erreicht haben könnte. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.wdihtf.com

 
 
 


Seventh Harmonic „Garden of Dilmun“
Die Nachtelfe schwebt herbei – es ist Sommer. Der Abend surrt. Transparent, kristallklar beginnt jeder zu träumen, der in den Garten von Dilmun tritt, Enkis erschaffenes Paradies Mesopotamiens. Der Ort ist rein. Und man weiß, wo und wer man ist. Das Kernduo Caroline und Ann-Mari baut gekonnt mit den ätherisch, teils auch verspielten, teils entrückten Stimmen eine Geschichtsspannung auf, die zarter und verzauberter nicht sein kann – an manchen Stellen erinnert sie an die Sage von den drei Steinen (Jade, Opal, Ambre). Mit neoklassischen und folkloristischen Elementen wird ein Grundgerüst aufgebaut, das z.T. an Faun und, durch manch pompöse und mystische Anwandlung auch an Vangelis erinnern lässt. Aber nur ein bißchen. Denn natürlich ist Harmonie drin, wenn Harmonie draufsteht, ne? (Manuela Seiler)
Label: Out Of Line | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.seventhharmonic.com

 
 
 



The Prodigy „World's On Fire"
Die Welt brennt. Katastrophen, Diskussionen um Atomstrom, tote Terroristen, William & Kate -  gerade rechtzeitig erscheint dieser Tage der passende Soundtrack: das erste Livealbum von The Prodigy. Is' mir gar nicht aufgefallen, das es da noch nie eins gab, wurde man doch mit diversen Liveschnipseln auf DVDs und CDs die letzten Jahre immer mal wieder versorgt. Jetzt könnte man Bilder der genannten Ereignisse oder andere kopieren und als Diashow laufen lassen, und dazu das Livealbum auflegen oder aber auch einfacher haben – kommt das ganze doch im Set mit DVD. Inhaltlich werden die großen Prodigy-Knüller  abgefeuert, leider aber nur die üblichen Verdächtigen. „Narayan“ mit Fanchor wäre sicher auch schön gewesen - kannste nix machen. Aber dafür gibt’s obendrauf noch 'n Bonuswort: FUCK - sogar in verschiedenen Variationen. Ein absolutes Feierstarterpaket! (Daniel Theberath)
Label: Vertigo | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.theprodigy.com/

 
 
 



Pail „Faith in the void“
Dann wollen wir uns doch mal einen Kübel Electronic Body Music gönnen. Aufgesetzt in der dritten Generation, beeinflusst von der zweiten Generation und weit entfernt von der ersten Generation dieser Stilrichtung. Textlich sehr ansprechend, reisen wir in eine Cyperpunk-Welt einer sich selbst zerstörenden Generation. Musikalisch saugt man einen angenehmen Geschmack durch den Strohhalm, aber eine besondere Note eines unverwechselbaren Aromas vermisst man etwas. Und warum die Band in ihrem Schriftzug derart das Nine Inch Nails Logo-kopiert, ist mir schlicht ein Rätsel. Doch während diesem Gedanken werde ich von Pail in die „Hyper Reality“ zurück geholt, ein Song, der ihre Fähigkeit beweist, eine Schippe draufzulegen. Ich denke, es lohnt sich das Album zu erwerben, denn es ist definitiv ein Werk, in das man sich hineinhören kann. Ob sich Abnehmer für die zusätzliche, limitierte Variante zu 50 Euro finden, mag ich bezweifeln. (Spider)
Label: Caustic | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.causticrecords.com/

 
 
 



Com Truise „Fairlight“
Diese EP bietet für Schreiberlinge genügend Stoff. Allein der Künstlername des New Yorker Synthie-Tüfftler Seth Haley lässt Rückschlüsse auf Filmvorlieben zu. Vielleicht ist dieser einfallsreiche Name aus einer Trinklaune entstanden. Die Vermutung liegt nahe. Zudem hat Haley eine Vorliebe für alte digitale Klangerzeuger. Sehr löblich. "Fairlight" wurde also höchstwahrscheinlich nicht zufällig als Titel der EP gewählt, war doch 1979 der "Fairlight CMI" der erste digitale Synthesizer mit Sampling Technik. So überrascht die Musik des Herrn Haley auch nicht. Instrumentaler 80s-Electro-Funk mit Break Beat-Einflüssen. Geschickt und abwechslungsreich bekommt man hier einen funkelnden Vorgeschmack auf das im Juli erscheinende Album "Galactic Melt". Besonders empfehlenswert sticht neben dem Titeltrack auf dieser 3-Track EP der Song "Polyhurt" heraus. Er wäre sicher ein guter Soundtrack für einen Film - nennen wir ihn einfach mal "Synthology - Der Klang der Zukunft". (Sir Raze)
Hier gibts noch ein Video: http://comtruise.com/2011/01/fairlight-official-video/

Label: Ghostly International | VÖ: 02.05.2011 | Homepage: http://www.leichenwetter.de

 
 
 


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Amorphis „The Beginning Of Times
Mit ihrem mittlerweile zehnten Studioalbum präsentieren die Finnen einen wahren Koloss. Thematisch wurde man mal wieder vom schier unerschöpflichen Nationalepos Kalevala inspiriert, widmet sich jedoch erstmals der Hauptfigur Väinämöinen. Das ist schöner, aber auch schön schwerer Stoff, der musikalisch äußerst vielseitig umgesetzt wird. Man kann im Grunde behaupten, dass wirklich alle Facetten der über zwanzigjährigen Bandgeschichte bedacht wurden. Folkloristische Elemente treffen auf (todes-) metallische Ausbrüche und dunkle bis hymnische Atmosphären wechseln sich mit progressiven Elementen ab. Alle Songs wirken kraftvoll, das Songwriting ist exzellent und das Vorhandensein toller Melodien versteht sich von selbst. Mächtig und gewaltig! (Torsten Pape)
Label: Nuclear Blast | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.amorphis.net

 
 
 


!distain „on/off“
Mit ihrem sechsten Album bietet das süddeutsche Duo erneut ein unterhaltsames Menü synthetischer Klänge. Fast jeder Ton geht dabei geschmeidig ins Ohr und beim ersten Kontakt entsteht zunächst ein sehr fluffiger, fast schon etwas handzahmer Eindruck. Mit jedem Durchlauf schälen sich jedoch neue Ecken und Kanten heraus. Sei es ein kritischer Text, der im sanften Vortrag zunächst unterging („why („bootlicking hypocrites“), eine fetzige EBM-Annäherung („values of trust“) oder die schmissige 90er Hymne „mediaevil presence“. Dieses Mal ist der Anteil deutscher Texte übrigens deutlich höher als gewohnt und manch einer wird dabei, aber auch bei „my god“, Schlagernähe wittern. Sei’s drum! Am Ende siegt deutlich und verdient der Synthiepop und das mitgelieferte Augenzwinkern lässt einen lässig zurückblinzeln. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.distain.de

 
 


Necro Facility „Wintermute“
Hört man die ersten zwei Songs des Albums, könnte man denken, es würde „All what you want“ oder so ähnlich heissen, drehen sich doch beide darum, was irgendwer will. Und was will man generell bei Necro Facilty? Genau: man will auf die Mütze bekommen, dabei das Bein schwingen oder gelegentlich abschweifen - gelingt bei der neuen Platte ziemlich ordentlich, ist sie vielschichtiger, mit mehr Blick über den Tellerrand, als je zuvor, und vollgepackt mit Überraschungen. Zum Beispiel Electropopnummern wie „Fall Apart“... seltsame Spähren, während auf Schnee gewartet wird, und Peitsche mit Zuckerbrot („Do you feel the Same“). Natürlich gibt es wie bei (fast) allen Alben (egal von wem) kleine Ausfälle, nur fallen diese bei grade 10 Tracks halt mehr auf. Aber sonst echt 'n Ding, das mich überzeugt. Reifeprozess Deluxe kann man da nur sagen. (Daniel Theberath)
Label: Progress Prod. | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/necrofacility

 
 


100Blumen „Surveillance“
Pünktlich zum Frühlingsbeginn 2011 lässt das Düsseldorfer Projekt 100BLUMEN auf der Spielwiese ant-zen sein neues Album spriessen. Die frühere One-Man-Show ist mittlerweile zum Duo der „Blumenkinder“ Marcel und Chris erblüht und der Zuwachs bringt noch mehr musikalische Vielseitigkeit in den bunten Strauß der neun Albumtracks ein. Von Industrial über Punk, von Ambient bis Noise: von allem ein wenig und das gut gemixt scheint die Devise. Und damit will man nicht zu hoch hinaus: „Surveillance“ ist eine solide produzierte Platte, deren Anspruch es ist, musikalisch nicht eingeschränkte Lauscher zu erreichen. Szenegrenzen waren gestern – 100BLUMEN beweisen, dass es erst dann wirklich interessant wird, wenn man sich über diese gekonnt hinwegzusetzen vermag. (Pippi von Schnippi)
Label: Ant-Zen | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.100blumen.com/

 
 


Whore "Whore"
Wer auf schnelle, dreckige und harte Nummern steht, wird von Whore befriedigt. Obwohl noch ganz frisch im Geschäft, kennt das Duo alle Methoden, um den geilem Industrialrocker Befriedung zu verschaffen. Die dominanten Brettergitarren zeichnen die Gangart, während der überhitzte Drumcomputer die gezielten Stöße setzt. Pulsierende elektronische Sequenzen sorgen für zusätzliche Reizpunkte. Dazu grollt und kreischt die Gesangsstimme unter einem Knebel voller Wollust. Hart und direkt kommt man zur Sache. Auf verpoppte, niedliche Melodiespielereien steht man nicht und dennoch kann man zu Songs wie "Counterrevolt" lasziv an der Stange tanzen - und in Ekstase auch mal das Haar schütteln. Doch trotz aller Hilfsmittel: der Hauptfetish liegt in der Elektronik und ist das Viagra für alle, die schon Jahrzehnte zu Bands wie Ministy oder Numb ihren Mann stehen. Aber auch für alle anderen, steht hier ein heißer Feger am Bordstein bereit. (Spider)
Label: DSBP | VÖ: 10.05.2011 | Homepage: http://www.whoresound.com/
 
 


White Rose Transmission "Spinning Webs At Night"
Das vorliegende Album ist ein Zeugnis der Live-Qualitäten von White Rose Transmission. Handwerklich fruchtet das in semi-akustischen Indie Pop mit New Wave-Einflüssen. Durchaus eine Stilrichtung, bei der man sein Chakra durch den Konzertsaal fliegen lassen kann. Und bei dieser Band stehen gestandene Musiker auf der Bühne, welche der dunklen Szene aus Holland über Jahrzehnte mit The Convent, Dead Guitars oder Clan of Xymox Leben eingehaucht haben. Leider wurde auf dieser Aufnahme die Qualität der Songs nicht hundertprozentig eingefangen. Teilweise ist der Sound doch etwas blechern und die Abmischung der Instrumente ist nicht optimal. Besonders die Stücke, die nur aus Gesang und akustischer Gitarre bestehen, leiden darunter. Diese Live CD eignet sich zum Erschnuppern der Band. Zugreifen lohnt sich aber eher bei den Studioalben oder bei einem Konzertbesuch. (Spider)
Label: Echozone | VÖ: 06.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/whiterosetransmission
 
 


Decree "Fateless"
Chris Peterson vollführt auf der neuen Veröffentlichung von Decree eine Kehrtwende. Anstatt dem elektronischen Gefriemel der ersten beiden Alben übernehmen hier überwiegend die Gitarren das Führungszepter. Langsam sägend dringen sie bis ins Mark und steigern sich im Laufe der Songs vom Stoner Rock-Grummeln zum Industrial Rock-Gewitter. Natürlich sind die Synthesizer nicht gänzlich verbannt und geben dem Werk die nötige Würze und Rhythmik. Besonders gelungen und prägnant gleich im Opener „Finite years“, der mit seinen pompösen Sounds an sein Projekt "Will" erinnert, dass er in den 90er Jahren mit Rhys Fulber erschuf. Auch die schmetternde Sangesstimme wurde davon übernommen, die mit erfrischend wenig technischer Bearbeitung überzeugt. Ein Album, zum sich-darin-vertiefen und über sein eigenes Schicksal zu sinnieren. Das mit „Faded glory“ genauso brillant brachial endet, wie es begann. (Spider)
Label: Artoffact | VÖ: 03.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/decreemomentofsilence
 
 



Kirlian Camera “Ghlór Ar An Oíche / Nightglory”
Die 4-Track-Single bezaubert mit lyrischem Namen und abwechslungsreichem Inhalt. Der Titeltrack ist folgerichtig in doppelter Fassung vertreten: einmal elektronisch und als Kontrast in einer Piano-getragenen „Camera Version“, bei welcher Elenas wundervolle Stimme phantastisch zur Geltung kommt. Beide Versionen überzeugen mit elegischem Gesang und Gänehautrefrain. „After Winter MMXI“ klingt vertraut und stellt sich als neue Version eines bereits 1998 erschienen Songs heraus. „I’ll give you wings, I’ll give you dead“ rundet als exklusives Instrumentalstück, von welchem auf dem kommenden Album eine Version mit Gesang zu finden sein wird, das Tracklisting ab. Das gute Stückchen erscheint im edlen CD-Digipak und als limitierte 12“ Picture-Vinyl. (Pippi von Schnippi)

Wie ein Mahnmal gegen das Einheitsprodukt, den schlechten Geschmack und die musikalische Einöde, erhebt sich dann und wann und dennoch scheinbar immer im richtigen Moment diese Band aus dem Nebel der Masse, um daran zu erinnern, das Qualität keine Frage der Verkaufszahlen sondern einzig und allein des Könnens ist. Dieses Können stellen sie auch auf dem Vorboten zum neuen Album eindrucksvoll zu Gehör. Nightglory einfach als Song zu betiteln wäre viel zu banal, es ist vielmehr eine Hymne in klassicher KC-Tradition. Die musikalische Basis treibend und zugleich fordernd, ausgeklügelt arrangiert, mit epischen Grundzügen, dazu eine gesangliche Darbeitung in Höchstform. Auch die vertretene Neuinterpretation von „After Winter“ steht dem als düsteres und bedrohliches Gegenstück qualitativ in nichts nach und macht ebenso hungrig auf das hoffentlich bald folgende Album. Nightglory erscheint als limitierte Single in edlem Digipak und als streng limitierte 12“ Picture Vinyl. Ein Muss für Fans und eigentlich alle... (Frank Bentert)
Label: Out Of Line | VÖ: 05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/kirliancamerafront

 
 


Lolita Komplex „Le Cabaret des Marionnettes“
Mit einem Lolita Komplex verbindet man das starke erotische oder sexuelle Verlangen von Männern mittleren Alters zu sogenannten Kindsfrauen („Nymphophilie“). Damit hat diese Band, bestehend aus sechs Mitgliedern, nicht wirklich etwas zu tun, auch wenn es den Anschein hat, als würden sie durch ihr teils viktorianisches Auftreten sich dem Annähern wollen. Musikalisch senkt das Werk wohl eher die geistige Libido. Denn auch wenn die Texte mehrsprachig gehalten sind, so kann dieses Debüt die Zutaten diverser Herkunft nicht stimmig verbinden; ein bisschen Schweinerock hier, 69-Eyes-Gesprengsel hier, ne Prise aus der Rocky Horror Show da und ein paar abgelatschte Ramones hier und fertig ist die Suppe à la Lolita Komplex. Klar, es hört sich mal verspielt und verrückt an (#6), aber das ist wohl eher etwas für die Jugendgeneration ab 12 aufwärts. Insofern passt der Bandname dann doch wieder ganz gut zum Sextett – zumindest letzter Teil. Man sollte vielleicht Jugendkomplex daraus machen? Ist für die 12jährigen einfacher zu verstehen... mein ja nur... (Manuela Seiler)
Label: Echozone | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/lolitakomplex

 
 


Vendemmian "One In A Million"
Die Band,mit dem Zungenbrechernamen Vendemmian trieb ihr Unwesen bereits zwischen 1993 und 1997. Dann löste man sich auf, wohlwissend,dass Reunions irgendwann mal als coole, erfreuliche Sache gelten würden. Und so ist man seit 2008 wieder unterwegs. Auf ihrem aktuellen Werk gefallen sie mit sperrigem Wave Rock. Über eingängige Melodien legen sie treibende Gitarren, die sich durchaus auch mal im Feedback verirren dürfen. Sänger Mark Douglas scheint nach einer durchzechten Nacht ungeniert all seinen Ärger und Frust herausnöhlen zu wollen. Es macht Spaß melancholische Musik auch mal bodenständig und kernig präsentiert zu bekommen. Zumal die Nummern Ohrwürmer sind, die man zu Hause sofort nachsingen kann. Als Beispiel sind hier "Shine on" und "Walk away" zu nennen, die beide aber keine Coverversionen sind. Man ist den Song-Namensvettern qualitätsmäßig aber dicht auf den Fersen. (Spider)
Label: Echozone | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/vendemmianofficial
 
 


Omega Lithium "Kinetik"
Habe ich ein Herz? Oder bin ich doch nur mit lauter metallenen Einzelteilen bestückt? Verblute ich? Oder ist es nur das Öl, das da aus mir heraustropft? The kinetic flow within...das Uhrwerk unter meiner Haut...Befassten sich die vier kroatischen Musiker von Omega Lithium in ihrem Debüt „Dreams in Formaline“ noch mit für viele schwerer zugänglichen Themen und Sounds, so entfaltet sich dieses Mal eine massenkompatiblere Blume, deren Duft zu bezirzen weiß. Myas Stimme besticht und man ist bei jedem Song auf's Neue von ihr fasziniert. Die Platte ist tanzbar, mal provokant, mal ironisch-witzig( #2, #11), mal eindringlich, mal schwebend-düster, die Ecken und Kanten vom Debüt sind abgeschliffen und dadurch harmonischer. Die Ernsthaftigkeit aber bleibt („Kinetik“). Ein rundum gelungenes Werk aus Rock-, Metal- und Gothelementen. Bleibt weiter in Bewegung! Die headbangenden Fans tun's bereits! (Manuela Seiler)
Label: Drakkar | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/omegalithium
 
 


Dekad "Monophonic"
Nach der tollen Vorab-Single war ich ungemein gespannt auf den Longplayer des Soloprojektes des Franzosen Jb Lacassagne. Und, was soll ich sagen? Die CD eroberte mich im Sturm. Bereits der erste Song “New religion” ist eine tolle Komposition und bietet eine so fette Produktion, dass man sich einfach nur anschnallen muss. Der Stil von “Monophonic” erscheint im weiteren kraftvoll und doch melodiös und nicht nur einmal schießen mir zwei Vergleiche durch den Kopf. Das Album klingt nämlich ein wenig so, als hätte man die Wärme und Klangvielfalt eines “Violator”-Albums mit der Produktion und Rhythmusästhetik der mittleren bis späten Front 242 kombiniert. Na, wenn das nichts ist! Natürlich gibt es auch ein paar wohldosierte Schmachtnummern, aber auch ein paar scharfe Ecken und Kanten und am Ende passt alles genauso wie es ist. (Torsten Pape)
Label: Boredom Product | VÖ: 02.05.2011 | Homepage: http://www.boredomproduct.online.fr
 
 
 
 
 VÖ: April 2011  
 


Val Denham & O Paradis „Transform Thyself”
Auf Grund des CD-Covers lässt sich wahrlich nicht erahnen, dass Val Denham durchaus einen Namen als kreative, bildende Künstlerin hat. Unter anderem für Psychic Tv, von denen sie auch musikalische Einflüsse mitgenommen hat, obwohl mich die Art ihres Gesangs eher an den Tonfall von David Tibet erinnert. Kenner dieser Namen wissen nun, dass dieses Album deutlich im experimentellen Umfeld anzusiedeln ist. Die etwas moderateren Lounge-Töne, die sich mit einmischen, sind Demian Recio und der musikalischen Vision von O Paradis zuzuordnen. Mag ich zu Beginn auch noch voller Interesse diesem ungewöhnlichen Mix gelauscht haben, musste ich schnell feststellen, dass er mich nicht mitreißt und sogar recht schnell auf den Sack geht. Sicher ist diese schrille Fusion aus Noise und Smooth Jazz irgendwie künstlerisch wertvoll. Wer also gern aus Imagegründen Musik hört, kann hier getrost zugreifen. Wer Musik eher fühlt und lebt, bekommt hier Schwierigkeiten. (Spider)
Label: Tesco | VÖ: 08.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/valdenham
| http://www.myspace.com/oparadis

 
 
 


Grausame Töchter „Mein eigentliches Element”
Eigentlich sollte Mann das Album beleidigt mit einem „PÖH!“ in die Ecke feuern und wieder Bodypop hören! Haben doch vor allem die Kerle bei Aranea Peel und Gespielinnen einfach mal verschissen. Beim intensiveren Hören stellt auch Mann allerdings bald fest, das diesem Debüt auf jeden Fall eine Chance gebührt und seine Berechtigung hat. Eiskalt und knallhart hauen uns GRAUSAME TÖCHTER ihre Wahrheiten zu treibender Industrialrhythmik um die Ohren. Mal subtil, mal gnadenlos offen steuert Aranea durch ihren Egotrip einer dominanten Lackträgerin. Verspieltheit oder Weiblichkeit im romantischen Sinne sucht man bei der postmodernen Chansonniere vergebens. Nur klinische Strukturen gepaart mit Hass und Verachtung formen das eigentliche Element, welches sich in 12 Teilen schonungslos entfaltet. „Bis das Blut fließt“ kann hier wörtlich genommen werden. Der Authentizität verpflichtet, werden keine Kompromisse gemacht in Sachen Emotion, Extase, Sex und Konsequenz. (Oliver Herwich)
Label: Scanner | VÖ: 01.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/grausametoechter

 
 
 


[NON]

Henke „Seelenfütterung”
Uhren essen die Zeit, wir leben im Zoo der Träume, wo es um Finden und Streicheln, um endlos herbeigesehnte, neidvolle Augenblick des Unendlichkusses, um Schlüssel und Sommertode geht. In jedem Haar hängt ein Mensch, man weiß, man wird erwachen. Die Seelenfütterung hat längst begonnen, Illusionen, Leere, das letzte Warten vor der Tür - eine Zukunft gibt es nicht - nur manisch-aggressiv, vom A bis zum F. Träumt rückwärts, bevor das Licht erlischt! (Manuela Seiler)
Label: Oblivion/SPV | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.oswald-henke.de

 
 
 


[NON]

Whispers In The Shadow „The Lightbringer EP”
Der Magick Cult ist wieder zurück! Die neue Whispers in the shadow Ep "The Lightbringer" lässt sie nicht vermissen bis das neue Album erscheint. Die verschiedene Seiten von Ashley Dayour Gesang, hypnotische Gitarren und psychedelische Keyboards mit atmosphärischem Hintergrund, lassen einen Tagträumen und der Strom der Töne nimmt Dich weit weg mit auf eine magische Reise. Zusätzlich zum Titelstück gibt es eine neue Gothic Rock-Version des Leonard Cohen Hit "First we take Manhattan", einen bisher nicht veröffentlichten Track ("Moments of hope and despair") und einige elektronische und akustische Versionen der zuletzt veröffentlichten Werke der Jungs. Ist das nicht ein leckeres Appetit Häppchen? Wir sind bestens aufgewärmt für die Fortsetzung des Konzeptzyklus, der sich um den alchemistischen Prozess der Transformation dreht. Die Mitte wurde bereits erreicht. (Iris Wilder)
Label: Echozone | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.noizeart.com

 
 
 



Endless Shame „Generation Blind” 
Die Jungs von Endless Shame müssen wohl viel Buße tun, denn der erste Song „Painkiller“ startet mit Kirchenorgel. Danach findet man recht schnell eine nicht alltägliche musikalische Mischung vor. Relaxte Elektronik trifft auf 70er Psychedelic Rock und Alternativ Pop-Melodien wie sie die skandinavischen Nachbarn von Apoptygma Berzerk auf den letzten Alben anschlugen. Das klappt recht durchwachsen, weil die Kompositionen nicht immer zünden und der Sänger teilweise etwas zu viel Musical Timbre in seinem Gesang hat. Packend wird’s, wenn die Band aus dem Mid Tempo ausbricht und die Gitarren zum Brettern bringt. Doch leider nutzt man zu viele Schmuse Nummern als Lückenfüller. Bei deren Wirkung für den Liebes Akt wird selbst der Wintermantel noch anbehalten. Grundsätzliche ist es mir ein Rätsel, warum man die ersten vier Tracks mächtig crossovert, um dann nur noch banalen Synth Pop-Einheitsbrei zu fabrizieren. Da wären wir wieder bei der Buße… (Spider)
Label: EK Product | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://endlessshame.com

 
 
 


[NON]

Samael „Lux Mundi”
Lux Mundi klingt phonetisch wie ein Freund von Salamander Lurchi. Aber natürlich weiß der Lateiner, dass es hier um glorreiches Licht geht. Und in diesem tanzen sämtliche sympathische Höllengestalten in apokalyptischen Lyriken zu kalten, brutalen Gitarren Riffs. Was unterscheidet aber nun die Schweizer Beelzebuben im Vergleich zu anderen bösen Black Metal Combos? Es ist wie in jedem anderen Genre. Qualität lässt sich nicht in Schubladen packen. Die Jungs können nicht nur moshen, sie können auch komponieren. Und sie haben diesmal wieder einen ganzen Ständer Keyboards dabei, die auch im Hochsommer dunkel-frostige Eiskristalle aus den Boxen klirren lassen. Sänger Vorph singt so grimmig schön wie der Klingone Worf immer guckt. Dieses Album ist eine hammermäßige Empfehlung von Metal Manfred dem Dosenbier Trink Body von Horst. (Spider)
Label: Nuclear Blast | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.samael.info

 
 
 


[NON]

Morrissey „Very Best Of“
Da hat sich der Morrissey sein vergnügliches Bad aber redlich verdient. Schließlich gönnt er uns ein dickes Quietsche-Entchen mit achtzehn ausgesuchten Quakereien - alle blitzsauber. Von den wohlig melancholischen Schaumbad-Relaxern, über die unter der Dusche Mitträller-Nummern, bis hin zu den krachenden Indie-Stücken zum Haare trocken schütteln ist alles geboten. Allerdings mit einem Wermutstropfen im Wasser. Diese Zusammenstellung ist kein Vollbad. Es fehlen alle Perlen seiner Neuzeit. Denn diese Zusammenstellung ist ein nostalgischer Rückblick auf den Waschzuber von EMI aus den Neunzigern. Dauerkarten-Inhaber von Morrissey werden das Scheibchen also nicht so euphorisch begrüßen. Ich hingegen finde es höchst vergnüglich und auch die beiliegende Live-DVD ist für mich noch Neuland vor meiner Badeinsel. (Spider)
Label: EMI | VÖ: 22.04.2011 | Homepage: http://www.morrissey-solo.com/

 
 
 


[NON]

Laissez Faire „No Land For Escape“
Was kommt wohl dabei heraus, wenn man sechs Griechen ein paar Instrumente in die Hand drückt und sie einfach mal machen lässt (s.Bandname)? Angedüsterte Rockmusik ist wohl das Letzte, was der im Minimum durchschnittlich begabte Musikexperte erwarten würde. Ist aber dabei rausgekommen und nix mit Sirtaki oder sonnigen Gemütern. Die Gefahr beim „einfach mal so rummachen“ ist aber auch, dass neben ein paar netten und vielleicht sogar recht (er)frischen(den) Momenten kein rechter Höhepunkt erreicht wird. So verfliegt die halbe Stunde Musik, ohne nennenswerte Spuren zu hinterlassen. Es findet sich einfach kein Song für’s Mixtape oder den mp3-Shuffle, sondern ausschließlich ordentliches Handwerk. Reicht ja auch für den Anfang. Weiter rummachen und dabei steigern bitte! (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.laissezfaireband.com

 
 
 


[NON]

Gates Of Dawn „Lucid Dreaming
Was erwartet uns, wenn wir durch das Tor der Dämmerung schreiten? Wenn wir die Stunde zwischen Tag und Nacht, zwischen Ruhe und Stille, die Stunde zwischen Nichts und Sein betreten? Dichte Nebel voller Rhythmen und Melodien, Klanggebilde, die aussehen wie Geranien, saftig und kräftig, Rock und Eleganz vermischen sich in dem mittlerweile dritten Album des Sextetts, dessen Besetzung ein paar Mal „Bäumchen Wechsel Dich" gespielt hat, Kreativität und Individualität vereint durch das Duo Matthias und Martina – sie besticht durch ihre raue und kratzige, er durch seine zirpende, musical-artige Stimmengewalt. Auch wenn die Samples nicht wirklich zu verstehen sind (Vielleicht gewollt? Um das Mysteriöse zu steigern?), so ist dieses Werk doch eine kleine Überraschung, die großen Hörgenuss bietet. (Manuela Seiler)

Label: Sonorium | VÖ: 08.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/gatesofdawnmusic

 
 
 



The Chemical Sweet Kid „Tears Of Pain“
Die französischen Electro-Kinder schlüpfen aus dem Chemie-Versuchskasten. Daher ist ihnen der Vorgang des Klonens durchaus geläufig. Deswegen werden sie in den gängigen Clubs sicher alle erfreuen, denen der Bandname grundsätzlich egal ist, solange sie ihre zuhause vor dem Spiegel eingeübten Industrial Dance-Schritte zum gewohnten Beat Tempo darbieten können. Was bleibt ist die Frage: Was wäre, wenn es nicht Massen von anspruchslosem Vergnügungspublikum in der Harsh Electro-Szene gäbe? Würde es Bands wie „The Chemical Sweet Kid“ anspornen, ihre durchaus gelungenen Ansätze in eine Formel aus kreativ sprühenden Funkenregen umzuwandeln? Oder würden sie sich ein anderes Betätigungsfeld suchen, in dem gute Handwerker gefragt sind? Vielleicht begehen sie aber nur den gleichen Fehler wie ich früher bei der Chemieklausur. Die Arbeit wurde zu schnell abgegeben, ohne die vielen Flüchtigkeitsfehler zu korrigieren. (Spider)

Label: Advoxya Records | VÖ: 01.04.2011 | Homepage: www.myspace.com/chemicalsweetkid

 
 
 



Die Frieda Gold „Juwel“
Der geneigte Leser möge mir die platte Einleitung verzeihen, aber mit dem Album „Juwel“ haben FRIDA GOLD ein solches in musikalische Form gegossen. Und das sagt sich über ein Debütalbum mal nicht eben so! Aber die jung-dynamische Truppe um die model-eske Frontfrau Alina hat ein so zuckersüßes Stückchen Musik verewigt, dass man es schon nach dem ersten Hören kaum mehr aus der Hand legen will. Musikalische Harmonica, unwiderstehliche Refrains, tanzbare Beats, melodische Fröhlichkeit, elektropoppige Ohrwürmer und melancholische Balladenhäppchen – alles da und noch viel mehr. Hier scheint ein neuer Stern am deutschen Pophimmel aufzugehen! Nicht umsonst war das Quartett gerade als Supportact von Kylie Minogue unterwegs und Sängerin Alina in die Jury des Eurovision Song Contests berufen. Ein Karrierestart, wie er mit Brandbeschleuniger nicht besser hätte funktionieren können. (Pippi von Schnippi)

Label: Warner | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.fridagold.com

 
 
 



Chainreactor „Insomnia“
Die Geschichte endet hier. Und beginnt auch genau hier von Neuem. War das Debüt noch kompromisslos und hart, so ist „Insomniac" zwingend, treibend, nachdenklich-aggressiv. Auch beim zweiten fehlen nicht die Wurzeln Jens Minors aus der Hardcoretechnoszene, fette Beats, diverse Samples und das Fünkchen mysteriöse Lebhaftigkeit der Schlaflosigkeit, die die geballte Energie der Ruhelosen auf die Tanzflächen der nächstliegenden Clubs schleudert. Die Remixe von u.a. [x]-RX, Xotox und [Organic Cage] tun ihr übriges! Wohl auf denn! Die Geschichte endet (noch) nicht! (Manuela Seiler)

Label: Dark Dimensions | VÖ: 01.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/chainreactorxxx

 
 
 


Centhron „Dominator“
Aus dem Nichts hat Elmar Schmidt sich 2001 hochgearbeitet und steht nun dort, wo er mit „Dominator“, seinem neuesten Werk ist – nämlich ganz oben, zwischen all den großen Sternchen wie Agonoize, Kiew, Reaper, Soman, Xotox. Das Trio, das den Hellectro wahrlich feiert, derweil Anflüge hat, zum Nachdenken anregende Texte einzuflechten („Kopfschuss“ u.a.), schwirrt leider jedoch größtenteils auf dieser Platte deutlich unter der Gürtellinie herum und treibt dort sein Unwesen. Der neue Slogan der Stunde lautet: Fick, wie oft und wo Du kannst! Prima! Da wird sich die katholische Kirche aber freuen! (Manuela Seiler)
Label: Scanner | VÖ: 01.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/centhron

 
 


Fliehende Stürme „Warten auf Raketen“
Neulich war der 1. Mai. Dort schlenderte ich los, auf das alljährliche „Rhythm against racism“ Festival, das bei mir vor der Haustür stattfindet und am Abend ging’s zur lokalen Gothic Party „Monochrom“. Punk trifft auf Düsternis. Fliehende Stürme  bieten exakt dieselbe Kombination. Auch auf dem aktuellen Album der Band nimmt uns Andreas Löhr mit in seine Welt aus melancholisch, nachdenklichen Geschichten und wütender Protest Pamphlete. Dabei orientiert er sich textlich, ohne Klischees, an der Realität. Konsequent unterstützt und auf Kurs gehalten durch einen Gitarrensound, der von der melodiösen Punk- und New Wave-Ära geprägt ist. Präsentiert auf einem Bett dunkler Basslinien und einem dumpf treibendem Schlagzeug. Mit diesem Album lohnt sich jedes Warten, nicht nur auf Raketen. Das ist verdammt beruhigend in einer Zeit deutschsprachiger, dunkler Musik, in der Grafen das Eis zur Banalität brechen. (Spider)
Label: Metropolis | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/fliehendestuerme

 
 


Caustic „The golden vagina of fame and profit“
Matt Fanale ist mit seinem Projekt Caustic heißer Anwärter auf den Albumtitel des Jahres: die goldene Vagina des Ruhm und Profits. Was für eine treffende Beschreibung der aktuellen Electroszene. So sind seine Songs auch Wegweiser, wie es richtig gemacht wird. Im Opener „666 on the crucifix“ wird im Text gleich erklärt, wie man notwendige Klischees mit simplen Kompositionsmethoden verknüpft, um in „Carpe Rectum“ dann aufzuzeigen, wohin diese gehören. Musikalisch schwankt er zwischen flotten Old School-Klopfern, über Dark Dance-Nummern, zu eher banalen Hellelectro-Sounds. Über melodische Schwächen trösten die Texte voll schlüpfrigem Klamauk. Schade, dass hier nicht ein wenig mehr auf neue Stil-Kreationen hingearbeitet wurde, wie auf dem groovenden Electro Grunz- und Hip Hop-Duett „Chum the waters“ mit Ned Kirby von Stromkern. Oder wie bei dem Song, der letztendlich das Album treffend charakterisiert „Floor whore disco“. (Spider)
Label: Metropolis | VÖ: 12.04.2011 | Homepage: http://www.tellmeaboutmyuterus.com/

 
 


Sleepwalk „Revenge of the lost“
Sleepwalk ist ein recht passender Name für eine Band aus der Schweiz. Schließlich sind die Eidgenossen eher für eine etwas langsamere Wesensart bekannt. Eher gemächlich beginnt auch die neue Ep. Mit einem plätschernden Instrumental zu Beginn hat man eher verloren. Die folgenden Songs „Blindness“ und „Man machine“ weisen zwar durchaus einen netten, düsteren, elektronischen Sound auf. und man hat sich Mühe gegeben, eine abwechslungsreiche Struktur zu schaffen, doch so richtig bringt dies mich nicht zum Wippen. „Dig your grave“ lässt kurz aufhorchen, ähnelt aber letztendlich zu sehr Massen von anderen Titeln, um über die Schnelllebigkeit der Tanzfläche hinaus im Gedächtnis zu bleiben. Trotzdem, oder deswegen, gibt es noch drei Bassklopfer-Remixe des Stücks - von den üblichen Verdächtigen. (Spider)
Label: Scanner | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/sleepwalkch

 
 




Distain "Mein Weg"
Im Zusammenhang mit !distain gibt es ein Phänomen und mit ihrer neuen EP ist es mir doch prompt wieder begegnet. Man weiß, dass einen wohl wieder smarter SynthPop erwartet, der höchstwahrscheinlich mit einem ordentlichen Schuss Kitsch-Zuckerguss versehen ist. Trotzdem verzieht man nach dem ersten Bissen das Gesicht, da die Süße zunächst und gerade wegen des deutschen Textes fast schon unerträglich erscheint. Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch an den Geschmack und übrig bleibt ein bandtypischer Ohrwurm, der auch in verschiedenen Mixgewändern zu gefallen weiß. Garniert wird das Ganze durch das ehrerbietige Camouflage-Cover „neighbours“, das exklusive, leichtfüßige „elements“ und eine elegische „mandragore“-Version vom Ex-Bandmitglied Oliver Faig. Abzüge gibt’s für Instrumental, Albumversion und den Albumbonustrack. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.distain.de
 
 


Ahnst Anders “Home”
Wie gerne hätte ich diesen Text mit einem locker-flockigen Spruch zur „Anders“-Artigkeit des zu besprechenden Künstlernamens begonnen! Aber da Namen Schall und Rauch sind, lieber gleich und schnell zu dem, um das es wirklich geht: die Musik. Da präsentiert Herr Anders eine Sammlung von ambienten Reise- und Bewusstseins-Impressionen, die sich mit der Idee des Nach-Hause-Kommens beschäftigen. Ein Heim als grundlegendes Bedürfnis, Liebe und Hass, die einem darin begegnen können, Einsamkeit und Heimweh – diese und noch viel mehr menschliche Charakteristika werden in eingängig-musikalischer Weise verarbeitet und klangvoll-delikat präsentiert. Ein Album für die „blue hours“, die Stunden, in denen man seine Gedanken melancholisch-beklommen einfach nur treiben lassen will. (Pippi von Schnippi) 
Label: Ant-Zen | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.ahnst-anders.de/

 
 


Amnistia "Egotrap"
Kinderärzte warnen schon ewig vor einer enormen Zunahme von Entwicklungsstörungen und sozialer Auffälligkeit, und auch die Bodywaver aus der Leipziger Tieflandsbucht vergeben sich nicht die Chance einer druckvollen Rekultivierung wider dem langweiligem Wildwuchs im subkulturell geprägtem Gehörschadengenerator. Ohne falsche Rücksicht auf eingeschliffene Hörgewohnheiten verquicken sie erneut den liebgewordenen Ritus der harshen Elektronik mit verdammt frischen Impulsen. Wer unbedarft zugreift und lediglich musikalische Untermalung beim Heizölhacken suchte, der dürfte immens überrascht sein, wie abwechslungsreich er fortan sein Tagwerk verrichten kann und einer nachhaltigen Weiterentwicklung zum Sample-Connaisseur steht danach kaum noch etwas im Wege. Ergo, Pflichtprogramm... auch ohne namenhafte Gastsänger oder gar einer extra Remix-Scheiblette der Güteklasse AAA. Beides gibt's aber trotzdem. Sind halt Ossis und keine Kinderärzte. (Ivo Klassmann)
Label: Scanner | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.Amnistia.de
     
 


Zynic "Fire Walk With Me"
Immer wieder liest man die Labelinfos: "...eine Reise in die 80er ...Charme der 80er ...Omma 80", etc., und wie oft stimmt's dann? Verzweifelt sucht man Elemente, die irgendwie an diese Zeiten erinnern, und hat man mal eins gefunden, wird's sofort wieder mit verzerrtem Gesang oder sonstigem Gewurste verrotzt. Auch die Infos, die über Zynic im Vorfeld verteilt wurden, geizen nicht mit Verweisen auf das goldene Jahrzehnt. Mit Recht! ...stell ich überrascht fest. Klingt, als ob das uneheliche Kind von Dave G. und Marianne Gold bei seinen Pet Shop-Onkels Musikunterricht genommen hat. Zu hören sind 10 lupenreine Electropophits, inklusive eine Coverversion einer unbekannten Band, und 4 Remixe der 4 besten Songs des Albums... als hätte man's geahnt! Aber nur auf 500 Stück limitiert, also antesten und ranhalten. Ach so... und wenn man sich einige Tage vorher die digital erschienene EP zu Gemüte führt, kann man mit der Extended Version von „Dreams in Black and White“ sogar eine Maxiversion hören, die denen der besagten Epoche verdammt nahe kommt. (Daniel Theberath)
Label: Conzoom | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/zynicmusic
 
 

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KMFDM "WTF?!"
Menno! KMFDM immer mit ihren Abkürzungen. Was soll der Albumtitel denn nun schon wieder bedeuten, verfickt nochmal? Echt "Krank", so der Titel des Openers, welcher auf der Singlevariante etwas brachialer und industrialrockiger rüberkam. Insgesamt ist man auf dem Gesamtwerk elektronischer als auf den Vorgängeralben. Und zwar in einer Experimentierfreude, die an ganz frühe Werke wie "UAIOE" erinnert. Diese Zeit Ende der 80er war, meiner Ansicht nach, aber nicht ihre stärkste. Und da ich gerade am Maulen bin, muss ich hinzufügen, dass mir der zusätzliche Einsatz der liebgewonnen harten Gitarrenriffs auf dieser CD zwar auffällt, aber dieser zu sporadisch ist. Nichts gegen eine Weiterentwicklung oder das Tummeln auf neuen Spielplätzen, aber ich finde diese Ausflüge ins Midtempo eher lahm. Doch trotz enttäuschender Punktausbeute gibt's keine Pfiffe. Eine Band wie KMFDM darf sich auch mal ein schwächeres Spiel erlauben. (Spider)

Käpt‘n K. und seine Kumpels sind sich auch bei der neuerlichen Ausgabe des wütenden Anstinkens gegen so ziemlich alles und jeden namens WTF?! treu geblieben. Lang ist es her, dass KMFDM wirklich zu überraschen wussten, auch wenn diese Überraschungen stets innerhalb eng gesetzter Grenzen verortet waren. WTF?! überrascht nicht. Solider KMFDM-Sound, bei dem es wie immer darum geht, eine grimmige oder epochale Klangwelt aus analogen Synthesizern solange piepsen und blubbern zu lassen, bis die Gitarren, Drums und Percussion der „Ruhe“ ein Ende setzen und im Zweifel das Hauptwort mit K oder gerolltem R drastisch untermalen. Auch der Hit aus der Reihe „Sprachen dieser Welt“ fehlt nicht auf WTF?! mit dem auf italienisch vorgetragenen „Panzerfaust“. KMFDM setzen also im wahrsten Sinne des Wortes dort an, wo sie mit „Blitz“ 2009 aufgehört haben. Nicht mehr, nicht weniger. (Kurt Zarig)
Label: Dependent | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.kmfdm.net

     
 


In The Nursery "Blind Sound"
Die neue Studioveröffentlichung der Neo Klassik-Pioniere In The Nursery bringt meine Boxen zum Jubilieren und meine Couch zum Ächzen. Denn ich werde schwer auf diese gedrückt, während meine Seele immer leichter wird. Die schneidenden und dennoch prägnant melodiösen Keyboardlinien dringen, geleitet durch zackige Military-Drums und wuchtige Pauken, in mein Ohr und lassen vor meinem inneren Auge atemberaubende Landschaften entstehen, in denen alle Träume wahr werden können. Spätestens ab dem vierten Stück "Crepuscule", wenn Dolores C. zum ersten Mal das Mikrofon übernimmt, bin ich nur noch schwebende Harmonie - was nicht die Sangeskraft der Humberstone-Zwillinge schmälern soll und schon gar nicht das Können ihrer magischen Hände, die Melodien erschaffen, die mir Pippi in die Augen treiben. Das Album bietet zehn Kompositionen auf allerhöchstem Niveau und hat nichts mit dem aufgepoppten Mystik-Kram zu tun, den Mutti so gerne zum Entspannen hört. (Spider)
Label: ITN Corporation | VÖ: 25.04.2011 | Homepage: http://www.InTheNursery.com
 
 


Wumpscut "Schrekk & Grauss"
Tief im Süden sitzt der Rudy und freut sich. Darüber, dass er den Jahresrhythmus des Erscheinens seiner CDs eingehalten hat. Darüber, dass er, anstelle von Angst und Schrecken ab sofort „Schrekk & Grauss“ verbreitet. Darüber, dass er wohl kaum Werbung benötigt, um sein neuestes Werk in allen erdenklichen Versionen an den Mann zu bringen. Und vielleicht schleicht sich auch ein Grinsen in sein Gesicht, da er bereits vor der Veröffentlichung davon ausgehen konnte, dass aus einigen Ecken des Electro-Universums Gemecker und Geschrei erschallen wird. „S&G“ ist ein Album, das beschäftigt, zum Nachdenken und Wundern anregt. Wenn man es denn lässt. Es ist böse, melodiös, hart, sperrig, mal nahrhaft, mal schwer verdaulich, oft skurril und hin und wieder grausam. Es bedient sich bei Geschichte und Geschichten, haut nicht drauf, sondern total hin. (Torsten Pape)
Label: Beton Kopf Media | VÖ: 22.04.2011 | Homepage: http://www.wumpscut.de
 
 


Bohren & Der Club Of Gore "Beileid"
Man muss zu Bohren & Der Club Of Gore eigentlich nicht mehr viel sagen. Ihre Musik scheint direkt aus einem der finstersten David Lynch-Filmen entsprungen zu sein und ihre einst etwas härtere Gangart hört man auf "Beileid" mitnichten heraus. Bis auf die Tatsache, dass die Jungs doch glatt keine Berührungsängste mit einer Band namens Warlock haben. Jawohl, die Band um Heavy-Metal-Grazie Doro Pesch wird hier gecovert. Und noch eine Verwunderung stellt sich beim hören von "Catch My Heart" ein - die Stimme, welche erstmalig ein Lied des Clubs ziert, gehört niemand Geringeren als Mike Patton. Der Mike Patton von Mr.Bungle, Faith No More, Fantomas und und und. Wow! Was soll man da noch sagen? Auf alle Fälle braucht man mit den Düster-Jazzern aus dem Ruhrpott kein Mitleid haben, denn mit ihren drei Songs und über 35 Minuten-"Beileid" haben sie es erneut geschafft die tiefsten Abgründe und sexyiesten Sounds ihren Instrumenten zu ent- und warlocken. Ganz großes Kopfkino! (Sir Raze)
Label: Pias | VÖ: 22.04.2011 |
 
 

1.
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A-Ha "Ending On A High Note - The Final Concert"
25 Jahre Synthie-Pop, der die Welt berührt hat. 75 Mal Platz 1 der Charts. Titel, die Superlativen gleichen: The Sun Always Shines On TV. Move To Memphis. The Blood That Moves The Body. Scoundrel Days. The Swing Of Things. Forever Not Yours. Stay On These Roads. Manhattan Skyline. Hunting High And Low. We're Looking For The Whales. Butterfly, Butterfly (The Last Hurrah). Crying In The Rain. Minor Earth, Major Sky. Summer Moved On. I've Been Losing You. Foot Of The Mountain. Cry Wolf. Analogue. The Living Daylights. Take On Me... Vielleicht ist es nicht kreativ, für eine Rezension die Tracklist einer CD abzuschreiben. Aber bei dieser Band sagen Titel mehr als Worte. Und a-ha machen mit dieser CD das schönste Abschiedsgeschenk, was sich Fans wünschen können: ihre Hits in einer von Melancholie über das Band-Ende geprägten Live-Aufnahme de luxe. (Pippi von Schnippi)

Das Problem mit finalen Touren bzw. Konzerten und damit einhergehenden Veröffentlichungen ist zumeist, dass sie gar nicht so final sind wie sie versprechen. Dies führt leider auch unweigerlich dazu, dass man oftmals nur die Gier nach schnödem Mammon dahinter vermutet, wodurch natürlich wehmütige Ansätze in den Hintergrund treten und wahre Abschiede banal erscheinen. Bei A-HA allerdings, sollte sich meiner Ansicht nach jeder pauschal aber mindestens eine Solidaritätsträne aus den müden Augen drücken, „verlässt“ hier doch einer der großartigsten Skandinavienexporte das aktive musikalische Feld. Ob nun endgültig oder nicht, ist dabei erstmal egal, denn das Live-Album zum „letzten“ Konzert in Oslo, welches es auch als DeLuxe DVD-Box gibt, ist schlicht und ergreifend gut geworden. So gut, dass man beim hören den Gedanken nicht aus dem Kopf bekommt, für die nächste Abschiedstour unbedingt auch mal ’ne Karte besorgen zu müssen. Das Trio arbeitet sich gewohnt gefühlvoll und mit goldener Stimme durch die letzten 25 A-HA Jahre und lässt den Hörer am Ende mit dem Wunsch zurück, dass dieser Abschied, nur dieses eine mal, doch nur dazu gut ist, die Urlaubskasse von Morton und Co. aufzubessern und ein Comeback schon in Planung ist. Kauftipp! (Frank Bentert)
Label: Universal | VÖ: 22.04.2011 | Homepage: http://www.a-ha.com/
 
 


Celluloide "Imprévisible"
Nach “Coeur 8-bit” kommt nun bereits der zweite Song aus dem Album “Hexagonal” als Single daher. “Imprévisible” ist eine schöne, vor sich hin groovende Nummer, die schlicht gute Laune verbreitet. Der Eventuel Mix spielt zu Beginn mit den uralten “Duracell”-Sounds, was den genannten Effekt nur verstärkt. Irgendwie sieht man ständig die kleinen Plüschhäschen hoppeln. Sühüüüß! Da geht es bei “Autodestruction” (Alternative) schon deutlich kantiger zu. Das von der Bonus-Disc des Albums bekannte Stück wurde von allen lieblichen Blieps befreit und funktioniert trotzdem wunderbar. Das vollkommen neue “Ordinosaure” kombiniert Sprachsamples mit fetten Bässen und knarzenden Sounds und stellt so die typische B-Seite dar, bei der auch mal experimentiert werden darf. Am Ende gibt’s noch den my.head remix des Titelsongs, der dunkel vor sich hin wabert und keinen rechten Sinn ergibt. (Torsten Pape)
Label: Boredom Product | VÖ: 18.04.2011 | Homepage: http://www.celluloide.online.fr/
 
 


Akanoid "Evo EP"
So richtig kann ich es nicht fassen, dass diese deutsche Band mit ihrem fluffig-griffigen Indie-Pop-Rock-Gemisch bis heute bei der breiten Masse nur bedingt punkten konnte. Mindestens ihren Überhit „Usual freak“ sollte einfach jeder kennen. Ob nun die erneute Verwertung ihres zugegeben famosen Werkes „Civil demon“ aus dem Jahre 2009 die beste Lösung zum Erreichen des verdienten Erfolges ist, wage ich zu bezweifeln. Die vorliegende EP bietet vier Neueinspielungen bekannter Albumtracks und besonders „All the noise“ und „Jump into the hive“ wissen erneut zu gefallen. Drei etwas kantigere oder auch elektronische Remixe beenden die gelungene Vorstellung. Ich hoffe, dass dieser erneute Aufguss nur der Anfang von etwas Großem und vor allem Neuen ist. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.akanoid.de
 
 


Mechanical Cabaret "Disco Vandalism"
Mit ihrem aktuellen Remix-Album in der Tasche stürmen die Vandalen von Mechanical Cabaret die Disco. Damit sorgen sie für mächtig Wirbel und pusten den Staub von den Boxen. Denn bei der Neubearbeitung der Originale wurde darauf geachtet, ihr musikalisches Markenzeichen zu unterstützen anstatt zu zerstören. Somit bekommt man Ohrwürmer aus New Wave inspirierten Melodien geboten, deren Soundmischung aus analogen Tönen und modernen Electro-Klängen sofort sämtliche Glieder zum Zappeln bringt. Dabei beschreiten sie glücklicherweise nicht den geraden, immer harmonischen, Synthpop-Weg, sondern halten sich gerne auch mal in krachigen und experimentellen Gefilden auf. Über allem liegt die charismatische Stimme von Roi Robertson, die durchaus auf einer Wellenlänge mit Größen wie Marc Almond liegt. Der Geniestreich ist kein Wunder, hat man doch nur Freunden oder sich selbst in den Neuinterpretationen vertraut. (Spider)
Label: Soiled | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.mechanicalcabaret.com
 
 


[De:ad:cibel] "Too tired to consume"
Mit der vorliegenden EP hat man es nun endgültig geschafft, fast alle Songs des fantastischen Debüts “Klondike in alternativen Versionen zu präsentieren. Den Titeltrack hat man sich gleich drei Mal vorgeknöpft und die Lethargie-Hymne bekommt ein paar herrliche Tritte in den Allerwertesten. Einzig der trockene End the DJ Remix kann den hohen Standard nicht ganz halten. Der Bass Machine Music Mix von “Monster train”, aber auch die eckige und piepende Retro Version von “Between my headphones” sowie “Geteert und gefedert” im Chrome Cage Mix aktivieren jedoch wieder die Tieftöner auf's Feinste. Ein einziger, tanzbarer (An-)Schlag auf die Magengegend! Das Schlusslicht bildet das neue Stück “Attack authorization”, ein gefährlicher mit Sprachsamplen gespickter Bolide. (Torsten Pape)
Label: Echozome | VÖ: 08.04.2011 | Homepage: http://www.deadcibel.com
 
 
 VÖ: März 2011  
 



Veto „Everything Is Amplified” 
Ein Veto dagegen oder ein Votum dafür. Auf dieses Ergebnis einer Bodystyler-Rezension wartet jede Band mit zittrigen Knien. Mit ihrer Aussage im Opener „You´re hard to get“ liegen die Dänen gar nicht so falsch. Sie mögen zwar der Spur des Electronic-Rock folgen, welche von Landsmännern wie Carpark North oder Duné bereits deutlich Richtung Erfolg gelegt wurde. Sie selbst erreichen dieses Ziel aber nicht. Sie haben die Melancholie ersterer, aber eben nicht so unter die Haut gehend, und die Spielfreude der zweit genannten, aber eben nicht so fetzig. So mühen sich die Jungs mit allerlei interessanten Synth Soundspielereien zwar redlich, es hakt aber an den Kompositionen die, genauso wie der Gesang, einfach nicht unter die Haut dringen können. Anstatt den Zuhörer mitzureißen, sinkt dieser in eine Art Trägheit, etwas wohlig, aber zu sehr ermüdend. (Spider)
Label: Sony | VÖ: 25.03.2011 | Homepage: http://www.vetonet.dk

 
 
 


[NON]

Mephisto Walz „IIIrd Incarnation“
Vor 26 Jahren ertönten die ersten Takte des teuflischen Walzers und 2004 die vorerst letzten. Nun meldet sich Bandgründer Bari-Bari zurück und als langjähriger Fan bin ich zunächst zerrissen, wenn es um die Beurteilung des neuen Werkes geht. Natürlich erhebt sich mein Herz freudig aus dem Sumpf der Trauer, denn es darf wieder den hinreißend quietschenden, zerrenden Künsten des Gitarrengottes lauschen. Wo sonst jedoch etwas modrige und gleichzeitig herrlich entrückte Stimmung herrschte, sind jetzt – auch durch die neue Sängerin - ungewohnte Frische und Klarheit eingekehrt. Jeder anderen Band hätte ich sofort ein gutes Album mit tollen Referenzen bescheinigt. Unter dem altgedienten Banner muss man sich jedoch zuerst von der Vergangenheit lösen und den Neuanfang wagen. (Torsten Pape)
Label: Black Lagoon | VÖ: 15.03.2011 | Homepage: http://www.mephistowalz.com

 
 
 



Duran Duran „All You Need Is Now“
Was haben Das Ich mit Duran Duran gemein? Nichts. Gestern habe ich jedoch erfahren, wer während des Das Ich-Konzerts auf der "Insel" in Berlin, Anfang der 90er, in voller Absicht den Stecker zog. Die Band schob wohl den Ausfall der Instrumente auf das Kondenswasser im Raum. Jedenfalls erzählte diese Person mitunter vom neuen Duran Duran-Album. Tatsächlich überrascht die Band mit Liedern, die das New Wave-Herz höher schlagen lässt. Besonders "Being Followed" erinnert irgendwie an "Planet Earth". Auch "Girl Panic" lässt Erinnerungen an alte "Arena"-Glanzzeiten wach werden. Es muss für eine Band schon seltsam sein, wenn man sich mit neuen Sounds weiterentwickeln möchte, damit wenig Erfolg hat, sich dann musikalisch zurück besinnt und plötzlich wahre Begeisterungsstürme entfesselt. Aber so funktioniert das Musikgeschäft für das einfache Volk. Und sind wir mal ehrlich - mit dem Vorgänger "Red Carpet Massacre" konnten Duran Duran nicht wirklich überzeugen. Doch das ist nun vorbei. (Sir Raze)

Label: Ear Music | VÖ: 18.03.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/chainreactorxxx

 
 
 


Blancmange „Blanc burn“
Nach einer langen Ruhepause versuchen Blancmange die Glut ihrer Erfolge aus den 80ern neu zu entfachen. Der Opener „Drive me“ kann mit seinen Midtempo-Breakbeats und dem Sprechgesang erstmal nicht entflammen. Das folgende „Probaly nothing“ feuert mit etwas mehr Melodie, doch der Song ist doch zu hölzern und erzeugt nur ein kurzes Flackern. Erst mit „The Western“ beginnt ein kleines heimeliges Synth Pop-Flämmchen zu züngeln. Doch ob daraus noch ein prächtiges Lagerfeuer wird? Eher nicht, auch wenn bei „Don´t let these days“ schon die Akustik-Gitarre ausgepackt wird. Dafür sprühen die Songs des Albums einfach zu wenig Funken. (Spider)
Label: Proper Rec | VÖ: 11.03.2011 | Homepage: http://www.blancmange.co.uk

 
 


Nils Frahm and Anne Müller "7fingers"
Als Musikjunkie kommt man um den Berliner Pianist Nils Frahm nur schwer herum. So zeigte er durch diverse Kollaborationen mit Künstlern wie F. S. Blumm und Peter Broderick, sowie im Vorprogramm von Shearwater oder Olafúr Arnalds sein musikalisches Talent. Zusammen mit der Berliner Cellistin Anne Müller nahm Frahm nun dieses Album auf, bei dem das Klavier allerdings etwas
in den Hintergrund tritt. Jedoch braucht man auch nicht ganz auf das Klavier zu verzichten. Stilsicher verbindet sich auf "7fingers" Neo-Klassik mit elektronischer Loungemusik. Mitunter wurden Cello-Loops verarbeitet, die stellenweise aufheulen, um dann von verfrickelten Drums völlig stressfrei zerhackt zu werden. Dabei entführen uns Müller und Frahm in eine wohlig-wärmende Klangwelt, die durch unvorhersehbare Brüche, klangliche Eleganz und Soundspielerei gekennzeichnet ist und mit "Long Enough", dem einzigen Song mit Gesang, fulminant endet. Ein wirklich empfehlenswertes und sehr angenehmes Werk. (Sir Raze)
Label: Erased Tapes | VÖ: 11.03.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/nilsfrahm

 
 


King Creosote & Jon Hopkins "Diamond Mine"
Es ist Frühling. Jetzt mal ehrlich Leute, wer möchte da nicht mit Freunden, geliebten Menschen oder potenziellen Sexualpartnern über Felder, durch aufblühende Wälder und Wiesen oder hochgradig geschädigte Industriegebiete tanzen. Zum Tanzen ist die Musik von King Creosote und Jon Hopkins zwar nur bedingt geeignet, jedoch strahlt sie wie die wärmende Frühlingssonne eine Magie aus, wie sie der O.T.O. oder andere Bruderschaften des „dunklen Lichts“ gerne ihr Eigen nennen würden. Der Schotte King Creosote begeistert auch diesmal mit seiner charismatischen Stimme. Mit „Diamond Mine“ liegt nun ein Ambient-Folk-Album vor, welches man schon jetzt mit großer Sicherheit zu den schönsten Alben 2011 zählen kann. Klavier, Vogelgezwitscher, Meeresrauschen und klassische Gitarren zaubern eine behagliche Atmosphäre, die unbedingt durch viel Liebe, Geknutsche, laue Frühlingsluft und einen geflochtenen Kranz aus Blumen ausgebaut werden sollte. Ein Frühlingstraum. Anspieltipps: „John Taylor's Month Away“, „Bats In The Attic“, „Bubble“. (Sir Raze)
Label: Domino Records / GoodToGo | VÖ: 28.03.2011 | Homepage: http://www.kingcreosote.com
 
 


The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble "From The Stairwell"
The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble gehören zur Speerspitze des Slomo-Doom-Jazz. Die Niederländer, welche sich auch The Mount Fuji Doomjazz Corporation nennen, veröffentlichen mit "From The Stairwell", wie ich finde, ihr bestes Album. Kein Wunder, ist es doch unter finanzieller Mithilfe der Fans entstanden. Diese Tatsache ließ sicherlich ein entspanntes und vor allem freies Arbeiten zu, was man auch zu hören meint. So kann man durch einen düsteren Klangkosmos schweben, dessen Lieder mit Namen wie "White Eyes", "Cocaine", "Celladoor" oder "Les Etoiles Mutantes" betitelt sind. Besonders letztgenannter Song sollte mit viel Aufmerksamkeit gehört werden. Zudem hören wir tiefe, elektronische Flächensounds, welche neben Piano, Cello, Trompeten, Saxophon und natürlich dem schleppenden Spiel der Jazz-Drums ertönen. Dazu die fragil anmutende Stimme von Sängerin Charlotte Cegarra. Kein Zweifel, dies ist ein herzzerreißendes Werk, was mit Ambient-Industrial-Slomo-Jazz alles zu bieten hat. (Sir Raze)
Label: Denovali | VÖ: 25.03.2011 | Homepage: http://www.whoresound.com/
 
 


Mono Inc "Viva Hades"
Man wird sie einfach nicht los. Ist man einmal infiziert, verfolgen einen die Ohrwürmer der vergangenen Mono Inc-Alben gnadenlos. Man summt sie vor sich her und sie schwirren sogar durch die wunderbare Phase kurz vor dem Einschlafen. Mit dem neuen Opus sind die Nordlichter nun endgültig bei der totalen Hitdichte angekommen. Ob nun die mitreißende „Symphony of pain“, das grandiose „Revenge“ oder eine der anrührenden Balladen (allen voran „When all my cards are played“), diese Platte strotzt vor großen Momenten und großen Melodien. Dabei wirkt wirklich alles authentisch und das Herzblut tropft zart bis hart aus jeder Note. Da folgt man doch gern in die heiligen Hallen des Hades! (Torsten Pape)
Label: No Cut | VÖ: 18.03.2011 | Homepage: http://www.mono-inc.com
 
 


OMD "History Of Modern (Part 1)"
Endlich ist es soweit. Mein absoluter Favorit vom aktuellen OMD-Album wird als Single auf die Menschheit losgelassen. Dieser Song ist schlicht grandios und funktioniert auf Grund der tollen Melodie sogar ohne gesungenen Refrain! Weiterhin wurden meine Gebete erhört, da die Mehrzahl der Remixe wirklich hörenswert ist (allen voran die klassische Extended Version!). Mein Herz jubiliert und kriegt sich im Folgenden angesichts der Tatsache gar nicht mehr ein, dass neben dem bekannten Part II auch noch Part III und IV sowie alle B-Seiten der 2010 erschienenen Singles mit an Bord sind. Wenn schlussendlich den genialen The XX mit einer Coverversion ("VCR") Tribut gezollt wird, kann man echt nicht mehr meckern. Eine 12-Track-Single zum mit der Zunge schnalzen! (Torsten Pape)
Label: Blue Noise | VÖ: 11.03.2011 | Homepage: http://www.omd.uk.com
 
 


Angelzoom "Everyone Cares"
Ich bin sicher nicht der Einzige, der trotz Besitzes des aktuellen Angelzoom-Albums nicht hätte sagen können, an welcher Stelle der Tracklist sich „Everyone cares“ befindet. Das liegt nicht an mangelnder Qualität des Tracks, sondern vielmehr am gleichbleibend hohen Niveau des Longplayers. Nun wird einem diese tolle Nummer in Form einer Single präsentiert und entfaltet sich im vollmundigen Radio Edit zu voller Blüte. So klingt ein perfekter Popsong und das auch nach dem x-ten Hören! Die beiden anderen, ruhigeren Mixe sind ebenfalls gelungen und lassen zusammen mit dem Instrumental „Battle Angel Chapter VI“, die Maxi leider viel zu schnell ausklingen. (Torsten Pape)
Label: Wannsee | VÖ: 04.03.2011 | Homepage: http://www.angelzoom.com
 
 
 VÖ: Februar 2011  
 


dAVOS „2004 - 2010 Promo”
Bevor die Österreicher mit ihrer neuen Maxi und ihrem zweiten Longplayer in den Startlöchern stehen, präsentieren sie sich mit einer Auswahl ihrer Songs aus den letzten Jahren. Eigentlich war diese Zusammenstellung nur für DJs gedacht, aber nun findet man sie doch im Handel. Enthalten sind (logischerweise) eher die beschwingten Stücke und das Hörerlebnis ist sehr kurzweilig. Gefällige, meist synthetische Melodien gibt es nämlich bei fast allen Liedern, oftmals gepaart mit einem leicht angerauten, wavigen Charme in Gestalt von Gesang und Gitarrenspiel. Remixe von Psyche und L’ame Immortelle sowie der sehr günstige Kaufpreis runden das sympathische Bild ab. Meine Anspieltipps: „Crime“, „For heaven’s sake“, “My new pearl” und “Lass es sein”. (Torsten Pape)
Label: Ionium | VÖ: 04.02.2011 | Homepage: http://www.solarfake.de/

 
 
 


Das Ich "Egodram"
Nicht wenige sind der Meinung, dass „Egodram“ neben den ersten Alben das wichtigste Werk von Das Ich ist. Sei es die Neuartigkeit im Klang, die Genialität der Texte oder das schlichte Vorhandensein des größten Clubhits namens „Destillat“ - alles bezeugt die Größe und Bedeutung dieses Tondokuments aus dem Jahr 1997. Nun liegt das verschollene, weil bis dato nicht mehr regulär erhältliche Werk in neuem Glanz vor und kann auch nach all der Zeit in vollem Maße überzeugen. Das Booklet wurde übrigens wunderbar aufgepeppt und eine Bonus-CD gibt es obendrein. Fans dürften das dort enthaltene Material zwar größtenteils von Maxis oder Compilations kennen, aber vier Demos sind wirklich unveröffentlicht. Obendrauf darf man sich zudem am „Destillat“-Clip erfreuen. Fazit: Auf ganzer Linie gibt es ein lautes Juchu! (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 25.02.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/dasich
   
 


Dekad "So Sorry"
Mit dieser ausschließlich digital erhältlichen Single kündigt das französische Projekt Dekad seinen neuen Langspieler an. “So sorry” macht auch prompt Lust auf mehr, denn es ist ein wahrhafter Ohrwurm geworden. Die prägnante Melodie der Alternative Version, der unterkühlte und doch melancholische, männliche Gesang, die fette Programmierung sowie die laszive Gaststimme von Lover_XX (Foretaste) gehen sofort ins Langzeitgedächtnis. Im Oxyde Mix erscheint der Song etwas spröder und rhythmusbetonter, jedoch nicht minder hochwertig. Der Non-Albumtrack “Stupid game” besticht durch einen hämmernden Rhythmus und erinnert mich ein wenig an alte Assemblage 23-Tracks. Sehr schön. Am Ende findet man noch den No|reaction Mix von “What if”, der feinste Minimal-Analog-Ästhetik bietet, die tolle Melodie jedoch etwas entschärft. (Torsten Pape)
Label: Boredom Product | VÖ: 28.02.2011 | Homepage: http://www.boredomproduct.online.fr
 
 
 VÖ: November 2010  
 


[De:ad:cibel] "Jerusalem Syndrome / Human product EP"
Mit "Jerusalem Syndrome" kommt im Nachhinein einer der Tanzflächenkracher des Debüts zu separaten Ehren. Schon in der Albumversion konnten die flirrenden Sequenzen, der stramme Beat sowie der prägnante Text begeistern. Nun wird im E-Thik-Remix mit (future-)poppigen Elementen aufgespritzt, was unerwartet gut funktioniert. Der Atheist Dance Mix arbeitet hingegen mit deutlich mehr Noise-Elementen und Soundspielereien, geht aber trotzdem gut ab. "Human product" wird als letztes Stück des Longplayers vielleicht gern übersehen und nun ebenfalls in zwei neuen Versionen präsentiert. Marschiert das Original noch bedrohlich im kanadischen Midtempo, wirkt der Fabious Corpus Act Remix etwas leichtfüßiger, jedoch nicht minder dräuend. Der Utz-Utz-Utzi Mix kombiniert Schwere mit einem stechenden Sound – fies, aber geil. Den Abschluss bildet der davNtage-Remix von "Nobody hurts me like I do" mit einer sehr schönen Kombination aus stampfendem Beat, Streicherklängen, Flächensounds und tollen Stimmeffekten. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 05.11.2010 | Homepage: http://www.deadcibel.com
 
 
 VÖ: 2006  
 


V.A. "Do electric sheep dream of androids"
Im Zuge des kürzlich geführten Laudanum-Interviews, wurde diese Download-Compilation aus dem Jahre 2006 ans Bodystyler-Gestade gespült. Damals und bis jetzt fristete sie eher ein Schattendasein, was aber nicht unbedingt der gebotenen Qualität geschuldet ist. Sicherlich sind nicht die ganz großen Namen der Electro-Pop-Szene dabei, aber Bands wie Superikone, D.-Pressiv, F.P., F.O.D., The Promise, Cue to Recall (heute Substaat) und eben Laudanum haben bis heute bereits einige Fans gewinnen können. Demoaufnahmen stehen neben sehr professionellen Beiträgen, nicht alles ist am Ende perfekt, aber einen Totalausfall sucht man ebenfalls vergebens. Hört mal rein und unterstützt bei Gefallen ein kleines, aber feines Underground-Label. (Torsten Pape)
Label: Formalhaut Records | VÖ: 05.05.2006 | Homepage: http://www.formalhaut.net