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Alle auf Bodystyler Online je veröffentlichte Reviews
 
 


Patenbrigade: Wolff
„Tanzveranstaltung - A Retrospective Best of 2008 – 2012“
Der Wahnsinn geht weiter! Die PATENBRIGADE, laut Eigenaussage „eine der wenigen Künstler, die sich keinem Trend anschließen müssen“, schaffen einfach ihren eigenen, indem sie vergessen geglaubte Schmuckstückchen ostdeutscher Audiokunst hervorkramen und diese- weder ostalgisch, noch anderweitig verklärend – mit feinsten neumodischen Electroklängen zu einer Promenadenmischung allererster Kajüte vermanschen. Titelnamen, verwendete Samples, die Extremitäten anregende Beats: Songs wie „Stalinallee“, „Volksarmee“, „Schallplattenunterhalter“ oder „Der Brigadier trinkt Bier!“ überzeugen auf ganzer politischer Linie und sollten unserer bescheidenen Meinung nach in Clubs viel mehr Gehör finden. Und wie bei jeder P:W Veröffentlichung wird fürs Geld richtig was geboten: schickes CD-Zuhause, fette 19 Tracks und in der Premium Edition eine pralle Zugabe, bestehend aus USB-Stick und Schlüsselband. Dafür muss man nicht mal im Tele-Lotto gewonnen haben. (Pippi von Schnippi)
Auch als limitierte Premium Version mit Lanyard + USB-Stick erhältlich! Im offiziellen Patenbrigade-Shop »
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.patenbrigade.com/

 
 


Haujobb
„New World March“
Und auf einmal sind acht Jahre rum und HAUJOBB sind zurück. Und man fragt sich, wie man die Zeit eigentlich ohne so eine Band ausgehalten hat. Auf „New World March“ zeigen Meier und Samardzic, warum sie mit Recht seit annähernd zwanzig Jahren zur Speerspitze deutscher Darc Electronic gehören: weil Kunst immer noch von Können kommt.
“Control” beginnt ruhig, fast als würde Meier mit sanfter Stimme eine Gute-Nacht-Geschichte verlesen. “Crossfire” steigert das Tempo und mit “Lets Drop Bombs”, “More Than Us” und “Machine Drum” geht es in die Vollen. “Dead Market”, zu Recht als Vorab-Single veröffentlicht, markiert zur Hälfte einen unverkennbaren Höhepunkt, ehe “Lost” zum zweiten Teil überleitet, der gefühlt etwas ruhiger daher kommt und vom wunderschönen “Little World” dominiert wird. „Echo“ bietet einen soundtrack-artigen Abschluss und bewirkt, dass sich jede Menge haujobbscher Soundschnipsel noch sehr lange wie Echos im Hirn festsetzen. (Pippi von Schnippi)
Auch als limitierte 2 Disc European Premium Version im 6-Panel-DVD-Pak erhältlich! Im offiziellen Hau-Shop »
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.haujobb-music.com/

 
 


Mediengruppe Telekommander
„Die Elite der Nächstenliebe“
„Die Elite der Nächstenliebe“ ist definitiv vielleicht der erste Release auf dem neu gegründeten Label Audioakt (Kuddelmuddel von Audiolith und Staatsakt) und vollschlimm-krassschade das letzte Erzeugnis des Trägers des Lässigkeitspreises Florian und Jungschlawiners Gerald aus dem Tollhaus Berlin (um „im Jahre 2012 eine Hühnerzuchtfarm in der Kaschubei zu übernehmen“, heißt es in der Label-Info). Nach exakt ungefähr 10 Jahren filigranen Berserkerns mit vier Alben u. a. bei Mute Records endet dieser Dschihad des Frohsinns. Tracks wie "Deine Schule", "Billig" und "Draufhalten" legen rowdyesk nach in Sachen subtile konsum- und gesellschaftskritische Ohrfeigen, eingehüllt in die Bonbonniere des Elektropunk. Poetische Ejakulate, die den Kokolores zwischen Intellekt und Pseudo-Intellekt ins Torkeln bringen und bar jeden Umschwiffs deine innere Rockerbraut rauskitzeln. Da bekommt dein Trommelfell mitnichten Cellulitis und somit cool as cool can Digga! (Daniel von Karoshi)
Label: Audioakt | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.mediengruppe-telekommander.de/

 
 


Celluloide
„Ordinosaure“
„Ordinosaure”? Sind wir jetzt im Jurassic Park? Nein, nicht ganz, aber es geht schon ein bisschen zurück in die Vergangenheit. Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, in der Kassetten ein Speichermedium für Computerdaten waren? Ja, das gab es wirklich mal und genau darum geht es in diesem Song, der eigentlich die B-Seite der letzten digitalen Single war. Der Text ist nämlich eine Art Bedienungsanleitung, charmant vorgetragen von einer selbstbewussten Französin. Also nix Refrain und natürlich auch keine Strophe. Klingt schräg und ist auch schräg. Rund um das technische Gelaber befindet sich ein zirpender und bliepender Synthiepopsong, der zusätzlich von den Labelkollegen Dekad, Foretaste und Neutral Lies in ein für sie typisches Gewand gesteckt wurde. Die spinnen, die Franzosen! Aber im Bodystyler-HQ kommt das natürlich gut an. (Torsten Pape)
Label: Boredom | VÖ: 05.10.2011 | Homepage: http://www.celluloide.online.fr/

 
 


Encephalon
„The transhuman condition“
Encephalon – das Gehirn, die Schaltzentrale - bestehend aus zwei Hälften mit unterschiedlichen Eigenschaften bzw. Funktionen. Vielleicht soll das Album der Kanadier ja genau diese Dualität widerspiegeln, da es zwischen zwei unterschiedlichen elektronischen Spielarten hin und her pendelt? Auf der einen Seite finden wir die aggressiven Harsh- oder Hellectro-Stücke, die ordentlich Härte mit sich bringen, ohne dabei zu stumpf zu wirken. Vielschichtig sind auf der anderen Seite aber auch die Songs, die mehr mit dem Synth- oder auch Future-Pop liebäugeln. In diesem Terrain schafft man es zudem schnell, mit einigen Ohrwürmern zu punkten. Leider geht bei dieser Vielfalt der eigene Charakter und eine typische sowie markante Identität etwas verloren. Aus den verwendeten Stilen machen andere Leute jedenfalls eine Hauptband und mindestens zwei/drei Nebenprojekte. Fluch und Kompliment zugleich? (Torsten Pape)
Label: Dependent | VÖ: 28.10.2011 | Homepage: http://www.encephalon.ca

 
 


Skinny Puppy
„hanDover“
Nachdem die Kanadier 2004 nach achtjähriger Pause wieder im Karussell der aktuellen Veröffentlichungen saßen, hatte man das Gefühl, dass sich vorher so manches angestaut hatte. Die beiden folgenden Alben schäumten geradezu über mit all ihren genialen Ideen und spektakulären sowie wagemutigen Experimenten. Mit dem neuen Opus scheinen die Götter des Electros nun das Steuer wieder etwas fester in der Hand zu halten. Man intoniert zwar gewohnt wütend, ja anklagend und so manch kryptische Spielerei ist natürlich ebenfalls an Bord. Allerdings gibt es keine Rap-Einlagen mehr und der Wahnsinn kommt nur noch manchmal in Form des irren Clowns, dafür umso mehr - wie in der Vergangenheit perfektioniert - düster und bedrohlich daher. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 28.10.2011 | Homepage: http://www.skinnypuppy.com

 
 


Felix Marc
„The Muse“
Bereits auf dem Album ist man der Muse nicht entkommen und nun wird man auf der vorliegenden Maxi gleich sechs Mal von ihr geknutscht. Größtenteils geht das auch mehr als in Ordnung, allein der extra lange Zungenschlag in Form des Club Mixes bringt das Blut ordentlich in Wallung. Der Video Edit ist dann der erwartete Quickie, Vasi Vallis agiert leider einen Tick zu hektisch und der Sushiboy pendelt süffisant zwischen harter und zarter Liebkosung hin und her. Fast schon unerträglich wird die Ekstase dann beim genialen Torul-Remix, der dunkel und bedrohlich die erogenen (Tanz-)Zonen umkreist. Wer hier nicht zum Höhepunkt gekommen ist, wird wohl vom Syrian Remix kalt erwischt. Wer möchte schon von Fancy aus süßen Träumen geweckt werden? Brrr! Ein versöhnliches Ende bildet der neue Song „Fallen stars” - Felix pur und in Bestform. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.felixmarc.de

 
 


Pankow
„Kunst und Wahnsinn“
EBM-Avantgarde trifft auf abgefahrene Poesie und subversive Tanzkultur. Gibt es einen prägnanteren Song als „Kunst und Wahnsinn”, um das Schaffen der Italiener – und besonders die Phase(n) mit Alex Spalck – auf den Punkt zu bringen? Da wirkt Oswald Henke doch fast schon kerngesund, oder? Der durchgeknallte Eindruck wird anhand der mitgelieferten, teils recht raren oder gar exklusiven Songs noch verstärkt, ohne jedoch an das Hitpotential des Titeltracks heranzukommen. Da blitzt kurz ein schöner Arsch auf, es steppt der mehr wollende Electropunk und auch die grandiose Verbeugung vor dem kleinen Prince oder die ungeschliffenen Livestücke werden Pankow wohl nicht zum verdienten Ruhm führen. Die verbliebene Minderheit freut sich dafür umso mehr und feiert ihre kranken Helden. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/pankow

 
 


Straftanz
„Mainstream Sellout Overground“
Die neuen Gassenhauer von der Spaßgemeinschaft der neuernannten "Funktionsmusik" sind nun auf einem zweiten Album zusammengefasst worden. "Mainstream Sellout Overground" heißt das mineralisierte und vorm Aussterben bedrohte gute Stück und weist uns wieder einmal auf den recht schwarzen, skurrilen Humor der vier Ruhrgebiets-Elektroniker hin. Dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen in Sachen Gesellschaft, Hierarchie und Macht war klar. Einmal Straftanz, immer Straftanz, oder? "Macht weiter, wie bisher, dann ist das ganze gar nicht schwer." Na, geht doch. (Manuela Seiler)
Label: Scanner | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.straftanz.de

 
 



Noisuf-X „Dead End District"      
Nun ist das sechste Album vom kleinen Bruder von  X-Fusion herausgekommen - und man darf sagen, dass es gelungen ist. Es wimmelt nicht nur so vor Ohrwürmern, Tanzschlangen und Clubkrachern, sondern beinhaltet auch einen grotesken und passenden Humor ("Strange Signal", "Clubhit"). Jan L. war auch diesmal experimentierfreudig und herausgekommen ist u.a. eine sonderbare Mischung aus EBM und Ska- "Future Ska" der besonderen Art. Aufgeschlossenheit bewährt sich. Neben der Standard- Version ist auch eine auf 888 Stück limitierte Ausführung (teilweise signiert, wenn es über die HP vorbestellt wurde) des Albums inklusive Bonus- CD mit fünf weiteren Tracks erschienen. Lasst es krachen! (Manuela Seiler)

Wenn Noisuf-X veröffentlicht, werden es wenigstens zwei CDs, und die späteren Remixe der Kollegen aus der Branche könnten auf zwei bis drei CDs Platz finden. Na ja, und manchmal wird dies als limitierte DVD veröffentlicht. Und wenn ich die Homepage des Musikers richtig verstanden habe, wird auch eine Jewel-case Versoin verfügbar sein. Nun, genug hansgewurstet! Vermißt Ihr frisch klingende technoide EBM? Hier gibt’s ausreichend für jeden! In dem Aufbau aus mehrschichtigen Chören und Samples erkennt man die Handschrift von Jan L.. Die Tracks wie „Clubhit“, „Shout loud“, „I don’t trust you“, „Hexensabbat“ werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit viel Erfolg auf der Tanzfläche haben. Diese CD wäre auch beim Sportstudium im Gymnastik Raum nützlich, energetisiert besser als Koffein und andere bedenkliche Substanzen. Nein, das ist keine Ironie, wie kann man über solche Dinge Possen reißen? Übrigens, das Album wurde nicht in fünfzehn Minuten gemacht, so wie der Name eines Tracks vermuten läßt. Ein weiterer Titel ist ‘Everyone Here Is Mad’? Im Großem und Ganzen klingt das Album interessanter als das vorige. Und die zweite CD endet ein bisschen unerwartet. Das führt dazu, dass man sich nach mehr sehnt. Versprecht mir genügend zu tanzen! (Sophie Baikalova)
Label: Pronoize | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.noisuf-x.com

 
 


Christine plays Viola
„Innocent Awareness“
La vita e bella! Das dürften zumindest auch diese vier Jungs aus Italien denken, die uns mit schrammeligen Gitarren, einer wunderbaren tiefen Stimme, evokativen Klängen, trancig-einlullender Tanznahrung und dramatischer Melancholie einzunehmen wissen. Massimo (voice), der vorher bei OBLIVIO tätig war, Fabrizio (gui, progr), Desio (bass, sinth) und Daniele (drum, sinth) haben ihre etwas eigene Art, den Dark/ New Wave zu zelebrieren. Ein wenig Cure ist dabei, klar, aber auch etwas Neues, Waberndes, Herzliches. Wer die alten Sachen mag, die Stimme von She wants Revenge betörend findet,und sie in neuen Sphären wiederfinden will, ist hier genau richtig. Digital könnt ihr euch ein paar Häppchen als Vorgeschmack anhören, aber allein des Cover wegen würde ich die physische Variante schon bevorzugen, denn sie haben sich Gedanken gemacht - und das muss honoriert werden - oder nicht? Also, lasst die Viola weiterspielen! (Manuela Seiler)
Label: AF Music | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/christineplaysviola

 
 


M83
„Hurry up, we're dreaming!“
Sind Träume immer dazu da, sie zu verwirklichen? Ist es nicht viel schöner, sich in sie zu kuscheln und in ihnen zu verweilen, um weiterschweben und -träumen zu können? Der 30jährige Südfranzose Anthony Gonzalez schuf mit seinem inzwischen sechsten Album ein Meisterwerk im Doppelpack, das das Träumen, die Retrospektive episch und in orchestraler, feinfühliger, zarter, mal auch leicht schwermütiger Atmosphäre beschreibt. Er wirkt beinahe filmisch, der 80s Synth-Pop, mit seinen wellenden Synthies, lieblichen Harmonien, glücksprühenden Sängern (neben Zola Jesus und Brad Laner hören wir auch Anthonys Bruder Yann). Viele Inspirationen, Gigs und Musiker (u.a. DeMo, Kings of Leon) sind dem jungen Mann aus Antibes seit 2001 schon begegnet - was ihm aber am wichtigsten ist? "Eine gute Aufnahme, die man auf einer guten Anlage anhören kann.” (Manuela Seiler)
Label: Naive/Indigo | VÖ: 17.10.2011 | Homepage: http://www.ilovem83.com

 
 


Autodafeh
„Act of Faith“
Wenn EBM eine Religion wäre, ja wenn, dann hätten AUTODAFEH mit „Act of Faith“ gerade ein astreines Glaubensbekenntnis zu selbigem abgelegt. Denn mit dem im September 2011 erschienenen dritten Album wird konsequent das zelebriert, was die Südschweden beinahe religiös verehren: die gute alte Electronic Body Music. Im Stile der „Väter und heiligen Geister“ FRONT 242 präsentieren Jesper, Mika und Anders mit zehn neuen und zwei überarbeiteten Songs geradlinigen EBM, allerdings ohne plump zu kopieren oder einfallslos „Bumm Bumm“ herunter zu beten. Stattdessen stecken die Stücke in modernem Soundgewand, werden auch bei mehrfachem Hören nicht langweilig und laden bereitwillig zum rituellen Abspacken ein. Und wenn die drei auch weiterhin im Rhythmus bleiben und alles geben, was drin ist, dann ist die Messe noch lange nicht zu Ende gesungen und einer Fortsetzung sehen wir sehr gerne entgegen. Amen. (Pippi von Schnippi)
Label: Scanner | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: https://www.facebook.com/autodafeh

 
 



Apparat
„The Devil's Walk“
Es ist nicht so dass das Vorgänger Album „Walls“ ein sprühendes Party Album war, trotzdem beschreitet Sascha Ring auf „The devil´s walk“ deutlich melancholischere Wege. Einen Einfluss darauf hat sicher das Heranwachsen des Projekts Apparat zur Band Apparat. Mit natürlichen Instrumenten und mehr Gesang lässt sich eindeutig eine wärmere seufzerische Mummel Atmosphäre gestalten. Dass dabei die elektronischen Spielereien weiterhin eine Rolle spielen dürfen macht die Symbiose aus Tüftelei und Komposition perfekt. Entstanden sind keine episch strukturierten Jahrhundert Songs aber ein Album mit viel Tiefgang dessen Atmosphäre beständig über einen langen Zeitraum begeistern wird. Hier finden ruhelose Gedanken eine dankbare Heimat in Texten über Glück und Enttäuschungen des Lebens die man einfach ab und an geborgen in einem Haus aus Klängen sortieren möchte. (Spider)
Label: Mute | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.apparat.net

 
 


NEO „Sindustrial“
"Faster, deeper, harder, louder." So, wie der Song heißt, könnte man auch das Album der beiden Tüftler Tandrin und Disdain beschreiben. Sie wollen Elektro-Industrial machen und experimentieren mit allen nur erdenklichen Frequenzen, Instrumenten und was es sonst noch so zu finden gibt. Dass fast jeder Song mit "Industrial" oder "electric order" beginnt, fällt dann nach x-maligem Anhören bald gar nicht mehr auf. Der Erstling wurde von X-Fusion gemastert, inhaltlich geht es eigentlich nur um die Core-Verarbeitung, Sindustrial eben, die neugeschaffene Vereinigung von Gothic und Industrial. Getanzt werden kann bis zum Umfallen zum revolutionären "E-fight", zum provokanten "Irre explodieren nicht", "Low Freak Bitch" oder auch zur Hommage an die guten alten Zeiten "Enjoy my sickness" bzw. "Hoffnung". Bringt die Clubs zum Beben! Aber hebt nicht ab, könnte kalt werden... (Manuela Seiler)
Label: Körperschall | VÖ: 07.10.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


Der Blutharsch and the infinite church of the leading hand „The Story Of The Digging Of The Hole And The Hearing Of The Sounds From Hell“
Bei der höllischen Ausgrabung zum aktuellen Album hat Der Blutharsch mit Unterstützung der infinite church of the leading hand so manche Überraschung an künstlerischer Kreativität und Vielseitigkeit frei geschaufelt. Natürlich ist auch auf dem neuen Werk erst mal gesangliche Düster-Predigt angesagt. Dazu jauchzen die Gitarren unter dem psychedelischen WahWah-Pedal und die Orgeln und Violinen sind der Untermalung schrecklicher Horror-Visionen entliehen. Dennoch komme ich nicht umhin, diesem Album ein positives und entspannendes Feeling zu verleihen. Sei es mein morbider Geist oder die immer wieder aufwabernde Hippie-Attitüde, die durch das Werk schwappt und in Melodieführung erklingt. Ja, das ist durchaus auch eine Platte für das Baden am Ostsee-Strand oder das Picknick im Wiener Wald. Man kann Vergnügen durchaus auch mit Ernsthaftigkeit verbinden. Wenn so die Stimmen in der Hölle klingen, bin ich durchaus bereit, an diese abstrakte Vorstellung zu glauben. (Spider)
Label: WKN | VÖ: 16.10.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


Der Blutharsch and the infinite church of the leading hand + Aluk Todolo
„A Collaboration"
Ohne die Jungs mit dem kryptischen und vielfältig interpretierbaren Namen wäre die EBM-Kultur definitiv um eine Attraktion ärmer. Zehn Jahre lang haben sie ordentlich Wellen geschlagen und es hat dafür gereicht, dass sie auch noch zwanzig Jahre nach Auflösung der Band ein Gesprächsthema sind und in die Klassiker-Reihe des Infacted-Labels aufgenommen werden. Stilistisch kann man sie irgendwo zwischen Front 242 und The Neon Judgement ansiedeln, wobei ein ordentlicher Schuss Avantgarde addiert werden darf. In den Songs werden Botschaften proklamiert, der Rhythmus stampft ordentlich und über all dem weht eine oft schräge, meist kühle Brise. Dabei von Hits zu sprechen wäre wohl vermessen, aber Kultiges findet man dafür en masse. Es grenzt an Wahnsinn, aus all dem veröffentlichten und unveröffentlichten Material eine repräsentative Zusammenstellung zu extrahieren, aber hier ist dies bestens gelungen. (Torsten Pape)
Label: WKN | VÖ: 01.06.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


ASP
„Wechselbalg“
Der schwarze Schmetterling ist ein Phänomen, das nicht erst seit gestern besteht. Mal war er besessen, mal war die Welt unter, mal gab es ungeschickte Liebesbriefe - ja, und mal wollte er brennen. Nun beehrt er uns seit dem 12.08. mit seiner neuesten Single "Wechselbalg" und Extramaterial wie der "AngstKathedralen"-Hymne, einem Ougenweiden-Cover sowie einer Akustik-Version (unplugged) von "Dancing" - das ist ASP. Der Vorgeschmack für das eigentliche Album im Oktober regt die tanzbaren, teils Ohrwurmcharakter besitzenden, teils düster-schleppenden, auf jeden Fall sehr vielfältigen Papillen an. Ja, manchmal kann es tatsächlich in Erfüllung gehen... (Manuela Seiler)
Label: Trisol | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.thetaleofasp.com

 
 


Mono Inc
„Revenge“
Auf Grund der enormen Hitqualitäten war es zum Glück unausweichlich, dass der Song, der auf Scheinheiligkeit im weiteren und engeren Sinne gemünzt ist, eine Single wird. Und das um ihn geschnürte Paket ist wirklich toll geworden. Als exklusiven Track gibt es „Tired of the day” - das etwas andere Schlaflied für Lebensmüde. Wer jetzt jedoch eine Ballade erwartet, liegt vollkommen falsch, denn hier wird kontrovers und mitreißend gerockt! Mitgerissen wird man auch von den anschließenden drei Livestücken und man kann sich nur atemlos fragen, wann endlich ein längst überfälliger Konzertmitschnitt erscheint. Den Abschluss der EP bilden der vollelektronische Degradation Mix sowie die balladeske Afterglow Version des Titeltracks. In beiden Fällen trifft das Prädikat „simpel, aber effektvoll” zu, denn die Granate zündet wirklich in jeder Form und das mit verheerendem Ausmaß! Sichten und vernichten – weiße Fahne – toll! (Torsten Pape)
Label: NoCut | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.monoinc.com

 
 


Industriegebiet
„Wer schön sein will, muss sterben
Leere Augen, fette Beats, wummernd, EBM vom feinsten, gespickt mit Samples, die mal auf Trancezustand eingestellt sind, mal ein Cover von Kraftwerks Robotern, was ziemlich cool rüberkommt, mal politisch angehaucht sind und zum Nachdenken anregen. Moment mal, beim Tanzen denken? Ja, das geht auch, denn man könnte ja bei einer Pause einen niveauvollen Plausch mit dem Nachbarn halten. Gerade, was das Thema Braun in schwarzer Ummantelung anbelangt (siehe WGT), was viel zuviele herunterspielen. Massimo macht‘s möglich. Wir leben in einem Traum, wir brauchen gar nicht mehr aufzuwachen, ein Traum, der nie zu Ende geht. Ach nein, wir wollen ja schön sein. Wie stirbt man am schönsten? Mit Massimo natürlich! (Manuela Seiler)
Label: Echozone | VÖ: 21.10.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/industriegebiet

 
 


Various Artists
„The Sound Of Static Magazin Germany, Vol. 1
Während die mächtigen Magazinriesen im schwarzen Deutschland ihre Cover mit immer gleichen Künstlergesichtern zieren und ihre Compilations gegen Bares aus den Geldköfferchen der mächtigen Labelriesen bestücken, regt sich im unbeugsamen schwarzen Schwabenländle der kreative Widerstand. Das Static Magazin setzt bei seiner Sammlung auf Künstler mit Qualität - aber wenig Werbebudget. Und diese kommen nicht nur aus musikalischen Subgenres, wie die Cyberpunks erschreckenden Horror Punker von Dead United und The Deep Eynde oder wie Morbid Poetry, die Gothic noch im eigentlichen Sinne düsterer Gitarrenmusik kennen und nicht als Mode-Label von Pimkie. Nein, es gibt auch Bands wie The Exploding Boy oder Pretentious, Moi, die es tatsächlich schaffen, Melodie mit Anspruch zu verbinden. Das alles und noch viel mehr gibt´s für einen schmalen Taler. Würde der Bodystyler einen Gitarrensampler machen, würde dieser so klingen. (Spider)
Label: Static Magazin Germany | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://staticmagazingermany.com/

 
 


Digital Factor „Trialog“
DIGITAL FACTOR sind Mike Langer, Guido Litke und Neuzugang Leo von Leibnitz als Ersatz für das langjährige Bandmitglied Torsten Heise. Und wie das so ist, wenn drei miteinander spielen, dann kann das kein Dialog sein. Also sprechen wir hier von einem Trialog, welcher sich musikalisch so darstellt: rhythmische Bässe, sehr präsenter Gesang, vielfältige elektronische Spielereien, stimmungsvolle Samples und Überraschungen wie klassische Anleihen zu einem Männerchor („A force of unknown people“). Ein bunter Mix musikalischer Zutaten ist es, den das Altenburger Trio auf dem jüngsten Album präsentiert. Die Annehmlichkeit dabei ist, dass es keinesfalls langweilig wird. Aber wo ein Vorteil ist, ist auch ein Nachteil, und der heißt: zu wenig Eigenständigkeit, zu sehr irgendwo zwischen KRUPPS („Links rechts links“), NIN („Steam“) und NITZER EBB („The Knife“) gefangen. Schade, denn die Fähigkeiten zu mehr haben die Drei ganz sicher. (Pippi von Schnippi)
Label: Black Rain | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.digitalfactor.de/

 
 


Nova-Spes
„Pripyat - Home of Lilith“
"Die Welt ertrinkt neben uns, doch wir haben keine Zeit - Totenstille hat ihren Sinn." Anlässlich zum 25. Jahrestag von Chernobyl und aktuell zur Nuklearkatastrophe von Fukushima diesen Jahres haben das Trio um Matthias Hübner ihr inzwischen zehntes Album dem großen und wohl diskutierfreudigsten Thema gewidmet: der Atomkraft als Konzept und seine Folgen für die Menschheit am Beispiel der Arbeiterstadt, jetzt "Stadt ohne Atem" genannt, Prypiat. Eindringlich, intensiv, schockierend,teilweise mahnend, teilweise anklagend, jedoch auch zutiefst verwirrend und verstörend. Verwirrend deshalb, weil der Synthpop so sehr zum Tanzen animiert, beispielsweise in den Songs "Wir wollen jetzt!", "Die Farbe der Saison", "Sehnsucht", bei dem auch Bruno Kramm mitgewirkt hat. Tanzt lehrreich, denn wir sind nicht unverzichtbar auf dieser Welt! (Manuela Seiler)
Label: Dance Macabre | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.nova-spes.com

 
 


à;GRUMH
„We were à;GRUMH... and you were not"
Ohne die Jungs mit dem kryptischen und vielfältig interpretierbaren Namen wäre die EBM-Kultur definitiv um eine Attraktion ärmer. Zehn Jahre lang haben sie ordentlich Wellen geschlagen und es hat dafür gereicht, dass sie auch noch zwanzig Jahre nach Auflösung der Band ein Gesprächsthema sind und in die Klassiker-Reihe des Infacted-Labels aufgenommen werden. Stilistisch kann man sie irgendwo zwischen Front 242 und The Neon Judgement ansiedeln, wobei ein ordentlicher Schuss Avantgarde addiert werden darf. In den Songs werden Botschaften proklamiert, der Rhythmus stampft ordentlich und über all dem weht eine oft schräge, meist kühle Brise. Dabei von Hits zu sprechen wäre wohl vermessen, aber Kultiges findet man dafür en masse. Es grenzt an Wahnsinn, aus all dem veröffentlichten und unveröffentlichten Material eine repräsentative Zusammenstellung zu extrahieren, aber hier ist dies bestens gelungen. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.agrumh.com/

 
 



Collapse Under The Empire
„Shoulders & Giants“
Beeindruckende Bilder majestätischer Landschaften, darüber dräuende Wolkengebilde und durch sie geteilte Sonnenstrahlen. Inmitten all dieser Schönheit steht ein Mensch. Glücklich einsam oder traurig verlassen? Friedlich oder ängstlich? Angekommen oder bereit zu gehen? All dies und noch viel mehr ist möglich, steht nebeneinander und schließt sich nicht aus. Beim Erklingen der wunderschönen, rein instrumentalen Musik dieses Hamburger Projekts erweitern sich die Sinne und die Fantasie streift durch die schier grenzenlosen Klanggebilde. Ekstatisch, hypnotisch, jubilierend, weinend und umarmend. Kalt und warm erwischen einen die perlenden, intuitiven und manchmal eruptiven Gitarrenwellen, die zarten bis harten Drums sowie die hymnisch-melodischen Synthieklänge. Ein Aufstand der Gefühle! (Torsten Pape)
Label: Sister Jack | VÖ: 21.10.2011 | Homepage: http://www.collapseundertheempire.com

 
 


Various Artists „Körperschall-Sampler Vol. 2"      
Heutzutage werden wir von allen Seiten beschallt,ob motorisiert, verbal oder musikalisch. Körperschall hat nun seinen zweiten Sampler vorgelegt, minimiert auf sechs Bands, die sich in 17 Tracks austoben können. Die Songs wiederum sind remixed von Größen in- bzw. außerhalb der Szene wie !Distain oder Lolita Komplex und erzeugen eine durchaus hörbare, stabile, vielfältige Elektro-Mischung. Natürlich gibt es selbsternannte Doktoren, die um das Wohl der Tanzenden besorgt sind. Die kann man getrost selbst beim Zahnarzt oder gar in der Mülltonne liegen lassen. Andere bestechen durch ihre Originalität wie Industriegebiet ("Wer schön sein will, muss sterben"), Diodati ("Nänie") oder Ellipse ("Ich weiß nicht mehr, wer ich bin"). Also, nehmt die Schwingungen auf - und bewegt euch! (Manuela Seiler)
Label: Echozone/ Körperschall Records | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/koerperschallrecords

 
 



De/Vision „Popgefahr - The Mix"      
Es scheint, als hätten De/Vision Angst vor ihrer eigenen Popgefahr. Warum sonst sollte man Künstler mit ordentlich Druck auf dem Rohr alles nochmal durchspülen lassen?! Die Beweggründe sind allerdings auch völlig egal, freuen wir uns doch immer, wenn was neues einer favorisierten Band erscheint, auch wenn's schon mal da war - nur halt anders. So geschieht das (fast) Unfassbare, dass beinahe alle 20 Remixe durchaus unterhaltsam sind; sich jeder Song auf den einzelnen CDs nur einmal findet. Pfiffich! Viele unbekannte Namen tummeln sich auf den beiden Silberscheibchen, doch ist dies kein Zeichen von Qualitätsmangel, denn manchmal sind's ja grad die neuen, die noch innovativ arbeiten. Illustre Namen wie T.O,Y., Mesh oder Daniel Myer runden das ganze zudem ab, aber, liebe Dewischies: die Mixe von bzw. Blitzmaschine und Solitary Experiments (von der US-Version) hättet Ihr gern noch als Bonus ins Päckchen packen können. Doppelt kaufen macht nämlich hässlich! (Daniel Theberath)
Label: Popgefahr Records | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.devision-music.de

 
 



13th Monkey „Return Of The Monkey“      
Musik frei von Samples, frei von verzerrter Bewusstlosigkeit. Das findet man auf dem neuen Album von 13th Monkey. Im Vordergrund steht die absolut zeitlose undeklinierte Schönheit aus Sphären zwischen absonderlichen Beats, eingehüllt in abstrusen Sounds, die sich zeitweilig in kleine Melodien verwandeln, dann wieder schnell verschwinden. Langeweile muss gesucht werden auf dem 10 Track starken Album, um die Suche dann aber enttäuschend aufzugeben. Neben Tracks, die für den Club gemacht sind, finden sich teils verträumte und zum anderen Teil sehr abstruse Sachen wieder. Die Scheibe bietet mehr als nur modernen Noise! „Return of the Monkey“ ist ein spannendes Album, welches immer wieder das Ohr mit neuen Sounds positiv überrascht. Trotz vergeblicher Suche nach schlechten Tracks kann man „Elektroheads“ und die, die es noch werden wollen dieses Stückwerk ans Herz legen. (Markus B.)
Label: Hands | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.13thmonkey.de/

 
 



Steinkind „Es wird Zeit"      
Mann, sind die pflichtbewusst.. Erst heißt es „Es muss“ und ein paar Monate später sind die Steinkinners schon am drängeln „Es wird Zeit“! Wobei es schon ein kleines Novum im elekronischen Bereich ist, nach Erscheinen des Albums eine weitere Single auszukoppeln. Es sei denn, man nennt sich „Hurts“. Die haben ja mittlerweile fast ihr ganzes Debut nochmal einzeln auf Singles gepackt. Aber zurück zum Thema: „Es wird Zeit“ war schon auf dem Album 'ne Bombe und das zeichnet sich jetzt sogar auf dem Singlecover ab. Den ein und anderen Mix hätte man sich zwar schenken können, aber 'ne Extended Version macht sich immer gut - und der Hartung und Schleinitz-Remix zeigt, das hier verstanden wird, wie man neues schafft, ohne zu zerstören. Nachdem die Remixflut abgeebbt ist, wird hier - wo für manch anderen Künstler schon Schluss ist - nochmal voll aufgedreht: Rummelsnuff covert Steinkind und die schicken direkt im Anschluss Heidi K. ohne Schminke auf den Laufsteg. Was für ein Fest! (Daniel Theberath)
Label: Fubak/Danse Macabre | VÖ: 07.10.2011 | Homepage: http://www.steinkind.com

 
 



Angelspit „Hello my name is"      
Ist es möglich, gleichgültig gegenüber Angelspit zu sein? Gegen ihre erstaunliche Ironie, die manchmal unerträglich ist? Gegen ihre rezitativen und neckischen Slogan Refrains, die tosenden Gitarren und Keyboards am Rande eines Fouls? Auch dieses Album tanzt nicht aus der Reihe. Aber es ist gut zum Tanzen! Der erste Track „Cubicle“ ist wie das Erwärmen eines betäubtes Gehirns, danach kommt das scharfsinnige „Counterfeit“: Zitat „If God is money, I am the Devil“. Man sieht es sehr deutlich, wenn man den Aufbau betrachtet. Goethe, kann man so am Designer sparen? No way, dieser Ansatz geht einfach nicht. Kehren Sie bitte zum stylischen Aufbau zurück, sonst werden bald kleine Kinder eine Gebühr für ihre Kleckse verlangen. Aber wenn man nicht so genau schaut und nur zuhört, gibt’s keine Tragödie. Es geht nicht unbedingt darum, was für ein Affe Amelia und Karl gebissen hat, vielleicht einer mit Waffe, aber nach dem Reim „Vermin“ und dem brummenden „Catatonic“ folgt jedenfalls ‘Monkey Bite’, welcher bemerkenswert ist wegen seinem ausdrucksvollen Schreien vor dem Chor. Das beliebte Thema der Bands bleibt dasselbe, es kehrt immer wieder zum Krankhaus zurück, damit startet die Band nackt ihren „Defibrillator“. Weiter folgen der Track „Bullet Proof“ der gut für irgendwelchen dynamischen Horror geeignet ist. Dieser wird ersetzt durch „Static“ dessen Name völlig gerechtfertigt ist. „Jailbait“ erklärt den Wunsch keine Freunde aber Leichen zu machen, danach folgen noch das Instrumental „Deadly“, und das am Ende ein bisschen geschmierte „Violence“, das sich in der kannibalischen Sexualität behauptet. Ich habe „Defibrillator“ in der täglichen Playlist und „Violence“ wird in speziellen Fällen gepostet. (Sophie Baikalova)
Label: Metropolis Records | VÖ: 11.10.2011 | Homepage: http://www.angelspit.net/

 
 


Sol Invictus „Against the modern world“
Es ist immer erstaunlich, wenn Musik, welche bereits vor Jahrzehnten veröffentlicht wurde, so klingt, als sei sie gerade erst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Neueste persönliche Entdeckung in diesem Rahmen: die Wiederveröffentlichung des legendären Debüts von SOL INVICTUS. 1987 als EP erschienen und wie die meisten Altwerke der Folk-Heroen nur schwer erhältlich, ist das Album nun Teil der opulenten "The Collected Works"-Box mit Neuauflagen des gesamten Backkatalogs. Und schon weil mit “A ship is burning” einer meiner ewigen Sol-Favoriten auf diesem Album ist, hebe ich den Daumen hoch. Den in der sich elegisch wiederholenden Textzeile “From yesterday to tomorrow” beschriebenen Zeitensprung haben Sol mit ihrem Gesamtwerk gemeistert und so gehört ihre Musik auch heute noch in die Sammlung. Dass die Neuauflage im wunderschönen Digipak, limitiert und mit neun Bonus-Track daher kommt, ist das Tüpfelchen auf dem I. (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach | VÖ: 08.07.2011 | Homepage: https://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 



Jasmin Tabatabei „Eine Frau"      
"Sie weiß, was sie will und warum sie es will. Eine Frau bleibt sich selbst immer treu, träumt ihren Traum stets neu." Passender hätte Jasmin Tabatabai es nicht singen können. Das mit David Klein arrangierte moderne Liederalbum ist gegenüber den beiden vorherigen Solo-Alben erwachsener denn je. Nonchalant oder provokant lächelnd, mal melancholisch, dann wieder humorvoll, sarkastisch oder schmeichelnd. Wir wandeln durch das Leben zahlreicher Frauen und erahnen, was Liebe, Hoffnung und Lebensglück bedeuten kann. (Manuela Seiler)
Label: Edel | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.jasmin-tabatabai.com

 
 



Roterfeld „Blood Diamond Romance“      
Simsalabim! Heutzutage braucht man anscheinend nur noch mit den Fingern zu schnipsen, um Musikstar à la Ville Valo zu werden (in diesem Fall hat es nicht ganz geklappt). Zumindest hat sich das Roterfeld so gedacht -äh, ich korrigiere, Aaron Roterfeld, der Düster-Rocker-Bond aus Voralberg (AU), mit der Mission, “seinen Dämon” umhertreiben und auf die Menschheit los zu lassen. Das Debüt des Zwanzigjährigen klingt extrem glatt, für einen Erstling arg überproduziert. Klar gibt es eine Menge toller Songs wie “Don't be afraid of the dark” , “Sick of being bored” oder “Great new life”, das Ohrwurmcharakter hat. Jedoch fehlt, was das Ganze rund und sympathisch machen würde: das gewisse Etwas, Empathie und der gewisse Hauch von Räudigkeit. (Manuela Seiler)
Label: Premium Records | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.13thmonkey.de/

 
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 Vorschau November 2011  
 


Patenbrigade: Wolff
„Tanzveranstaltung - A Retrospective Best of 2008 – 2012“
Der Wahnsinn geht weiter! Die PATENBRIGADE, laut Eigenaussage „eine der wenigen Künstler, die sich keinem Trend anschließen müssen“, schaffen einfach ihren eigenen, indem sie vergessen geglaubte Schmuckstückchen ostdeutscher Audiokunst hervorkramen und diese- weder ostalgisch, noch anderweitig verklärend – mit feinsten neumodischen Electroklängen zu einer Promenadenmischung allererster Kajüte vermanschen. Titelnamen, verwendete Samples, die Extremitäten anregende Beats: Songs wie „Stalinallee“, „Volksarmee“, „Schallplattenunterhalter“ oder „Der Brigadier trinkt Bier!“ überzeugen auf ganzer politischer Linie und sollten unserer bescheidenen Meinung nach in Clubs viel mehr Gehör finden. Und wie bei jeder P:W Veröffentlichung wird fürs Geld richtig was geboten: schickes CD-Zuhause, fette 19 Tracks und in der Premium Edition eine pralle Zugabe, bestehend aus USB-Stick und Schlüsselband. Dafür muss man nicht mal im Tele-Lotto gewonnen haben. (Pippi von Schnippi)
Auch als limitierte Premium Version mit Lanyard + USB-Stick erhältlich! Im offiziellen Patnebrigade-Shop erhältlich »
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.patenbrigade.com/

 
 


Haujobb
„New World March“
Und auf einmal sind acht Jahre rum und HAUJOBB sind zurück. Und man fragt sich, wie man die Zeit eigentlich ohne so eine Band ausgehalten hat. Auf „New World March“ zeigen Meier und Samardzic, warum sie mit Recht seit annähernd zwanzig Jahren zur Speerspitze deutscher Darc Electronic gehören: weil Kunst immer noch von Können kommt.
“Control” beginnt ruhig, fast als würde Meier mit sanfter Stimme eine Gute-Nacht-Geschichte verlesen. “Crossfire” steigert das Tempo und mit “Lets Drop Bombs”, “More Than Us” und “Machine Drum” geht es in die Vollen. “Dead Market”, zu Recht als Vorab-Single veröffentlicht, markiert zur Hälfte einen unverkennbaren Höhepunkt, ehe “Lost” zum zweiten Teil überleitet, der gefühlt etwas ruhiger daher kommt und vom wunderschönen “Little World” dominiert wird. „Echo“ bietet einen soundtrack-artigen Abschluss und bewirkt, dass sich jede Menge haujobbscher Soundschnipsel noch sehr lange wie Echos im Hirn festsetzen. (Pippi von Schnippi)
Auch als limitierte 2 Disc European Premium Version im 6-Panel-DVD-Pak erhältlich! Im offiziellen Hau-Shop erhältlich »
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.haujobb-music.com/

 
 


Northern Lite „I Like"      
Toller Titel! I like. Sagt viel aus, doch im ersten Moment nix Konkretes - und genau das ist dieses Gefühl, wenn zum ersten mal die CD in den Player geschoben wird: Unsicherheit. Na klar wird man das Album irgendwo mögen, aber haut's einen vom Hocker, oder muss man sich erst dran gewöhnen, quasi schönsaufen? Ich z.B. hatte bei diesem Album schon fast die Flasche in der Hand, bis ich plötzlich merkte „Das ist ja wie früher“! Ich hatte mich wohl zu sehr vom „Unisex“-Album blenden lassen, auf dessen Fortsetzung ich bis heute warte. Aber das hier ist wieder klar definiert – wie am Anfang halt, und da mochte ich's ja schließlich auch! Und auf einmal merkt man wie cool und straight Lieder wie „I like“, „One Soul to sell“ oder „Black Day“ rüberkommen. Soll „Unisex“ doch meinetwegen alleine in der Ecke stehen... is mir alles egal: I like! (Daniel Theberath)
Label: Una Music | VÖ: 25.11.2011 | Homepage: http://www.northernlite.de/

 
 


Blind Passengers „Electrocop"      
Über ein Jahr ist nach dem Erscheinen des Albums vergangen, da überrascht uns Nik Page mit einer weiteren Single aus „Next flight to planet earth". Im besten Marschrhythmus hebt und beugt der aufpolierte „Electrocop" die Beinchen und trampelt alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Hier wird nicht gefragt, hier wird überwacht und niedergeprügelt. Das kommt im Mix von E-Craft natürlich noch eine Spur kantiger rüber und auch der 8ight Remix ist nicht zum Spielen im Buddelkasten vorbeigekommen, auch wenn er etwas verspielter klingt. Neben den gekonnt in Szene gesetzten Bildern des beigefügten Clips, erhält der Käufer zudem noch eine 2011er Version des Passengers-Hits „Born to die". Wie die Fans aus alten Tagen ist auch dieses Lied nun erwachsen geworden. Steht ihm gut, der unterkühlte Look und die Melodie ist immer noch genial! (Torsten Pape)
Label: Wannsee | VÖ: 04.11.2011 | Homepage: http://www.blindpassenger.de/

 
 


Vlad in Tears
„Welcome to Vladyland“
Man könnte anfangs meinen, eine neue Platte von The Rasmus gegriffen zu haben. Aber nein, weit getäuscht. Ab dem zweiten Song entfaltet sich tatsächlich eine Gothic-Rock-Band, die wir in Deutschland noch nicht gemeint gehört zu haben: Vlad in Tears belehren uns eines besseren, denn bereits in diesem Jahr standen sie auf den Brettern des WGT und sorgten für Überraschung. Die drei Brüder aus Italien (plus Schlagzeuger) wollen nun ihr mittlerweile viertes Album vorstellen, dieses Mal jedoch mit Konzept. 1920, Jahrmarkt. Entfremdung, Isolation, Mut, Liebe - Unsterblichkeit? Gibt es meine eigene Welt? Oder nur das Grau da draußen? Taucht einfach ein (anspielbar: "Here comes the Rain", "Mary" oder "The Black Cat") und lasst euch von den Vlad-Brüdern Kris, Lex und Dario gefangen nehmen, vielleicht entdeckt ihr ja dann euer eigenes - Land!? (Manuela Seiler)
Label: Echozone | VÖ: 11.11.2011 | Homepage: http://www.vladworld.net

 
 
 Oktober 2011  
 


NEO „Sindustrial“
"Faster, deeper, harder, louder." So, wie der Song heißt, könnte man auch das Album der beiden Tüftler Tandrin und Disdain beschreiben. Sie wollen Elektro-Industrial machen und experimentieren mit allen nur erdenklichen Frequenzen, Instrumenten und was es sonst noch so zu finden gibt. Dass fast jeder Song mit "Industrial" oder "electric order" beginnt, fällt dann nach x-maligem Anhören bald gar nicht mehr auf. Der Erstling wurde von X-Fusion gemastert, inhaltlich geht es eigentlich nur um die Core-Verarbeitung, Sindustrial eben, die neugeschaffene Vereinigung von Gothic und Industrial. Getanzt werden kann bis zum Umfallen zum revolutionären "E-fight", zum provokanten "Irre explodieren nicht", "Low Freak Bitch" oder auch zur Hommage an die guten alten Zeiten "Enjoy my sickness" bzw. "Hoffnung". Bringt die Clubs zum Beben! Aber hebt nicht ab, könnte kalt werden... (Manuela Seiler)
Label: Körperschall | VÖ: 07.10.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


Industriegebiet
„Wer schön sein will, muss sterben
Leere Augen, fette Beats, wummernd, EBM vom feinsten, gespickt mit Samples, die mal auf Trancezustand eingestellt sind, mal ein Cover von Kraftwerks Robotern, was ziemlich cool rüberkommt, mal politisch angehaucht sind und zum Nachdenken anregen. Moment mal, beim Tanzen denken? Ja, das geht auch, denn man könnte ja bei einer Pause einen niveauvollen Plausch mit dem Nachbarn halten. Gerade, was das Thema Braun in schwarzer Ummantelung anbelangt (siehe WGT), was viel zuviele herunterspielen. Massimo macht‘s möglich. Wir leben in einem Traum, wir brauchen gar nicht mehr aufzuwachen, ein Traum, der nie zu Ende geht. Ach nein, wir wollen ja schön sein. Wie stirbt man am schönsten? Mit Massimo natürlich! (Manuela Seiler)
Label: Echozone | VÖ: 21.10.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/industriegebiet

 
 


Celluloide
„Ordinosaure“
„Ordinosaure”? Sind wir jetzt im Jurassic Park? Nein, nicht ganz, aber es geht schon ein bisschen zurück in die Vergangenheit. Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, in der Kassetten ein Speichermedium für Computerdaten waren? Ja, das gab es wirklich mal und genau darum geht es in diesem Song, der eigentlich die B-Seite der letzten digitalen Single war. Der Text ist nämlich eine Art Bedienungsanleitung, charmant vorgetragen von einer selbstbewussten Französin. Also nix Refrain und natürlich auch keine Strophe. Klingt schräg und ist auch schräg. Rund um das technische Gelaber befindet sich ein zirpender und bliepender Synthiepopsong, der zusätzlich von den Labelkollegen Dekad, Foretaste und Neutral Lies in ein für sie typisches Gewand gesteckt wurde. Die spinnen, die Franzosen! Aber im Bodystyler-HQ kommt das natürlich gut an. (Torsten Pape)
Label: Boredom | VÖ: 05.10.2011 | Homepage: http://www.celluloide.online.fr/

 
 


Encephalon
„The transhuman condition“
Encephalon – das Gehirn, die Schaltzentrale - bestehend aus zwei Hälften mit unterschiedlichen Eigenschaften bzw. Funktionen. Vielleicht soll das Album der Kanadier ja genau diese Dualität widerspiegeln, da es zwischen zwei unterschiedlichen elektronischen Spielarten hin und her pendelt? Auf der einen Seite finden wir die aggressiven Harsh- oder Hellectro-Stücke, die ordentlich Härte mit sich bringen, ohne dabei zu stumpf zu wirken. Vielschichtig sind auf der anderen Seite aber auch die Songs, die mehr mit dem Synth- oder auch Future-Pop liebäugeln. In diesem Terrain schafft man es zudem schnell, mit einigen Ohrwürmern zu punkten. Leider geht bei dieser Vielfalt der eigene Charakter und eine typische sowie markante Identität etwas verloren. Aus den verwendeten Stilen machen andere Leute jedenfalls eine Hauptband und mindestens zwei/drei Nebenprojekte. Fluch und Kompliment zugleich? (Torsten Pape)
Label: Dependent | VÖ: 28.10.2011 | Homepage: http://www.encephalon.ca

 
 


Skinny Puppy
„hanDover“
Nachdem die Kanadier 2004 nach achtjähriger Pause wieder im Karussell der aktuellen Veröffentlichungen saßen, hatte man das Gefühl, dass sich vorher so manches angestaut hatte. Die beiden folgenden Alben schäumten geradezu über mit all ihren genialen Ideen und spektakulären sowie wagemutigen Experimenten. Mit dem neuen Opus scheinen die Götter des Electros nun das Steuer wieder etwas fester in der Hand zu halten. Man intoniert zwar gewohnt wütend, ja anklagend und so manch kryptische Spielerei ist natürlich ebenfalls an Bord. Allerdings gibt es keine Rap-Einlagen mehr und der Wahnsinn kommt nur noch manchmal in Form des irren Clowns, dafür umso mehr - wie in der Vergangenheit perfektioniert - düster und bedrohlich daher. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 28.10.2011 | Homepage: http://www.skinnypuppy.com

 
 


Mono Inc
„Revenge“
Auf Grund der enormen Hitqualitäten war es zum Glück unausweichlich, dass der Song, der auf Scheinheiligkeit im weiteren und engeren Sinne gemünzt ist, eine Single wird. Und das um ihn geschnürte Paket ist wirklich toll geworden. Als exklusiven Track gibt es „Tired of the day” - das etwas andere Schlaflied für Lebensmüde. Wer jetzt jedoch eine Ballade erwartet, liegt vollkommen falsch, denn hier wird kontrovers und mitreißend gerockt! Mitgerissen wird man auch von den anschließenden drei Livestücken und man kann sich nur atemlos fragen, wann endlich ein längst überfälliger Konzertmitschnitt erscheint. Den Abschluss der EP bilden der vollelektronische Degradation Mix sowie die balladeske Afterglow Version des Titeltracks. In beiden Fällen trifft das Prädikat „simpel, aber effektvoll” zu, denn die Granate zündet wirklich in jeder Form und das mit verheerendem Ausmaß! Sichten und vernichten – weiße Fahne – toll! (Torsten Pape)
Label: NoCut | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.monoinc.com

 
 


Pankow
„Kunst und Wahnsinn“
EBM-Avantgarde trifft auf abgefahrene Poesie und subversive Tanzkultur. Gibt es einen prägnanteren Song als „Kunst und Wahnsinn”, um das Schaffen der Italiener – und besonders die Phase(n) mit Alex Spalck – auf den Punkt zu bringen? Da wirkt Oswald Henke doch fast schon kerngesund, oder? Der durchgeknallte Eindruck wird anhand der mitgelieferten, teils recht raren oder gar exklusiven Songs noch verstärkt, ohne jedoch an das Hitpotential des Titeltracks heranzukommen. Da blitzt kurz ein schöner Arsch auf, es steppt der mehr wollende Electropunk und auch die grandiose Verbeugung vor dem kleinen Prince oder die ungeschliffenen Livestücke werden Pankow wohl nicht zum verdienten Ruhm führen. Die verbliebene Minderheit freut sich dafür umso mehr und feiert ihre kranken Helden. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/pankow

 
 


M83
„Hurry up, we're dreaming!“
Sind Träume immer dazu da, sie zu verwirklichen? Ist es nicht viel schöner, sich in sie zu kuscheln und in ihnen zu verweilen, um weiterschweben und -träumen zu können? Der 30jährige Südfranzose Anthony Gonzalez schuf mit seinem inzwischen sechsten Album ein Meisterwerk im Doppelpack, das das Träumen, die Retrospektive episch und in orchestraler, feinfühliger, zarter, mal auch leicht schwermütiger Atmosphäre beschreibt. Er wirkt beinahe filmisch, der 80s Synth-Pop, mit seinen wellenden Synthies, lieblichen Harmonien, glücksprühenden Sängern (neben Zola Jesus und Brad Laner hören wir auch Anthonys Bruder Yann). Viele Inspirationen, Gigs und Musiker (u.a. DeMo, Kings of Leon) sind dem jungen Mann aus Antibes seit 2001 schon begegnet - was ihm aber am wichtigsten ist? "Eine gute Aufnahme, die man auf einer guten Anlage anhören kann.” (Manuela Seiler)
Label: Naive/Indigo | VÖ: 17.10.2011 | Homepage: https://www.ilovem83.com

 
 


Der Blutharsch and the infinite church of the leading hand „The Story Of The Digging Of The Hole And The Hearing Of The Sounds From Hell“
Bei der höllischen Ausgrabung zum aktuellen Album hat Der Blutharsch mit Unterstützung der infinite church of the leading hand so manche Überraschung an künstlerischer Kreativität und Vielseitigkeit frei geschaufelt. Natürlich ist auch auf dem neuen Werk erst mal gesangliche Düster-Predigt angesagt. Dazu jauchzen die Gitarren unter dem psychedelischen WahWah-Pedal und die Orgeln und Violinen sind der Untermalung schrecklicher Horror-Visionen entliehen. Dennoch komme ich nicht umhin, diesem Album ein positives und entspannendes Feeling zu verleihen. Sei es mein morbider Geist oder die immer wieder aufwabernde Hippie-Attitüde, die durch das Werk schwappt und in Melodieführung erklingt. Ja, das ist durchaus auch eine Platte für das Baden am Ostsee-Strand oder das Picknick im Wiener Wald. Man kann Vergnügen durchaus auch mit Ernsthaftigkeit verbinden. Wenn so die Stimmen in der Hölle klingen, bin ich durchaus bereit, an diese abstrakte Vorstellung zu glauben. (Spider)
Label: WKN | VÖ: 16.10.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 



Collapse Under The Empire
„Shoulders & Giants“
Beeindruckende Bilder majestätischer Landschaften, darüber dräuende Wolkengebilde und durch sie geteilte Sonnenstrahlen. Inmitten all dieser Schönheit steht ein Mensch. Glücklich einsam oder traurig verlassen? Friedlich oder ängstlich? Angekommen oder bereit zu gehen? All dies und noch viel mehr ist möglich, steht nebeneinander und schließt sich nicht aus. Beim Erklingen der wunderschönen, rein instrumentalen Musik dieses Hamburger Projekts erweitern sich die Sinne und die Fantasie streift durch die schier grenzenlosen Klanggebilde. Ekstatisch, hypnotisch, jubilierend, weinend und umarmend. Kalt und warm erwischen einen die perlenden, intuitiven und manchmal eruptiven Gitarrenwellen, die zarten bis harten Drums sowie die hymnisch-melodischen Synthieklänge. Ein Aufstand der Gefühle! (Torsten Pape)
Label: Sister Jack | VÖ: 21.10.2011 | Homepage: http://www.collapseundertheempire.com

 
 



Steinkind „Es wird Zeit"      
Mann, sind die pflichtbewusst.. Erst heißt es „Es muss“ und ein paar Monate später sind die Steinkinners schon am drängeln „Es wird Zeit“! Wobei es schon ein kleines Novum im elekronischen Bereich ist, nach Erscheinen des Albums eine weitere Single auszukoppeln. Es sei denn, man nennt sich „Hurts“. Die haben ja mittlerweile fast ihr ganzes Debut nochmal einzeln auf Singles gepackt. Aber zurück zum Thema: „Es wird Zeit“ war schon auf dem Album 'ne Bombe und das zeichnet sich jetzt sogar auf dem Singlecover ab. Den ein und anderen Mix hätte man sich zwar schenken können, aber 'ne Extended Version macht sich immer gut - und der Hartung und Schleinitz-Remix zeigt, das hier verstanden wird, wie man neues schafft, ohne zu zerstören. Nachdem die Remixflut abgeebbt ist, wird hier - wo für manch anderen Künstler schon Schluss ist - nochmal voll aufgedreht: Rummelsnuff covert Steinkind und die schicken direkt im Anschluss Heidi K. ohne Schminke auf den Laufsteg. Was für ein Fest! (Daniel Theberath)
Label: Fubak/Danse Macabre | VÖ: 07.10.2011 | Homepage: http://www.steinkind.com

 
 



Angelspit „Hello my name is"      
Ist es möglich, gleichgültig gegenüber Angelspit zu sein? Gegen ihre erstaunliche Ironie, die manchmal unerträglich ist? Gegen ihre rezitativen und neckischen Slogan Refrains, die tosenden Gitarren und Keyboards am Rande eines Fouls? Auch dieses Album tanzt nicht aus der Reihe. Aber es ist gut zum Tanzen! Der erste Track „Cubicle“ ist wie das Erwärmen eines betäubtes Gehirns, danach kommt das scharfsinnige „Counterfeit“: Zitat „If God is money, I am the Devil“. Man sieht es sehr deutlich, wenn man den Aufbau betrachtet. Goethe, kann man so am Designer sparen? No way, dieser Ansatz geht einfach nicht. Kehren Sie bitte zum stylischen Aufbau zurück, sonst werden bald kleine Kinder eine Gebühr für ihre Kleckse verlangen. Aber wenn man nicht so genau schaut und nur zuhört, gibt’s keine Tragödie. Es geht nicht unbedingt darum, was für ein Affe Amelia und Karl gebissen hat, vielleicht einer mit Waffe, aber nach dem Reim „Vermin“ und dem brummenden „Catatonic“ folgt jedenfalls ‘Monkey Bite’, welcher bemerkenswert ist wegen seinem ausdrucksvollen Schreien vor dem Chor. Das beliebte Thema der Bands bleibt dasselbe, es kehrt immer wieder zum Krankhaus zurück, damit startet die Band nackt ihren „Defibrillator“. Weiter folgen der Track „Bullet Proof“ der gut für irgendwelchen dynamischen Horror geeignet ist. Dieser wird ersetzt durch „Static“ dessen Name völlig gerechtfertigt ist. „Jailbait“ erklärt den Wunsch keine Freunde aber Leichen zu machen, danach folgen noch das Instrumental „Deadly“, und das am Ende ein bisschen geschmierte „Violence“, das sich in der kannibalischen Sexualität behauptet. Ich habe „Defibrillator“ in der täglichen Playlist und „Violence“ wird in speziellen Fällen gepostet. (Sophie Baikalova)
Label: Metropolis Records | VÖ: 11.10.2011 | Homepage: http://www.angelspit.net/

 
 



13th Monkey „Return Of The Monkey“      
Musik frei von Samples, frei von verzerrter Bewusstlosigkeit. Das findet man auf dem neuen Album von 13th Monkey. Im Vordergrund steht die absolut zeitlose undeklinierte Schönheit aus Sphären zwischen absonderlichen Beats, eingehüllt in abstrusen Sounds, die sich zeitweilig in kleine Melodien verwandeln, dann wieder schnell verschwinden. Langeweile muss gesucht werden auf dem 10 Track starken Album, um die Suche dann aber enttäuschend aufzugeben. Neben Tracks, die für den Club gemacht sind, finden sich teils verträumte und zum anderen Teil sehr abstruse Sachen wieder. Die Scheibe bietet mehr als nur modernen Noise! „Return of the Monkey“ ist ein spannendes Album, welches immer wieder das Ohr mit neuen Sounds positiv überrascht. Trotz vergeblicher Suche nach schlechten Tracks kann man „Elektroheads“ und die, die es noch werden wollen dieses Stückwerk ans Herz legen. (Markus B.)
Label: Hands | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.13thmonkey.de/

 
 
 



Roterfeld „Blood Diamond Romance“      
Simsalabim! Heutzutage braucht man anscheinend nur noch mit den Fingern zu schnipsen, um Musikstar à la Ville Valo zu werden (in diesem Fall hat es nicht ganz geklappt). Zumindest hat sich das Roterfeld so gedacht -äh, ich korrigiere, Aaron Roterfeld, der Düster-Rocker-Bond aus Voralberg (AU), mit der Mission, “seinen Dämon” umhertreiben und auf die Menschheit los zu lassen. Das Debüt des Zwanzigjährigen klingt extrem glatt, für einen Erstling arg überproduziert. Klar gibt es eine Menge toller Songs wie “Don't be afraid of the dark” , “Sick of being bored” oder “Great new life”, das Ohrwurmcharakter hat. Jedoch fehlt, was das Ganze rund und sympathisch machen würde: das gewisse Etwas, Empathie und der gewisse Hauch von Räudigkeit. (Manuela Seiler)
Label: Premium Records | VÖ: 14.10.2011 | Homepage: http://www.13thmonkey.de/

 
 
 
 September 2011  
 


Mediengruppe Telekommander
„Die Elite der Nächstenliebe“
„Die Elite der Nächstenliebe“ ist definitiv vielleicht der erste Release auf dem neu gegründeten Label Audioakt (Kuddelmuddel von Audiolith und Staatsakt) und vollschlimm-krassschade das letzte Erzeugnis des Trägers des Lässigkeitspreises Florian und Jungschlawiners Gerald aus dem Tollhaus Berlin (um „im Jahre 2012 eine Hühnerzuchtfarm in der Kaschubei zu übernehmen“, heißt es in der Label-Info). Nach exakt ungefähr 10 Jahren filigranen Berserkerns mit vier Alben u. a. bei Mute Records endet dieser Dschihad des Frohsinns. Tracks wie "Deine Schule", "Billig" und "Draufhalten" legen rowdyesk nach in Sachen subtile konsum- und gesellschaftskritische Ohrfeigen, eingehüllt in die Bonbonniere des Elektropunk. Poetische Ejakulate, die den Kokolores zwischen Intellekt und Pseudo-Intellekt ins Torkeln bringen und bar jeden Umschwiffs deine innere Rockerbraut rauskitzeln. Da bekommt dein Trommelfell mitnichten Cellulitis und somit cool as cool can Digga! (Daniel von Karoshi)
Label: Audioakt | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.mediengruppe-telekommander.de/

 
 


Nova-Spes
„Pripyat - Home of Lilith“
"Die Welt ertrinkt neben uns, doch wir haben keine Zeit - Totenstille hat ihren Sinn." Anlässlich zum 25. Jahrestag von Chernobyl und aktuell zur Nuklearkatastrophe von Fukushima diesen Jahres haben das Trio um Matthias Hübner ihr inzwischen zehntes Album dem großen und wohl diskutierfreudigsten Thema gewidmet: der Atomkraft als Konzept und seine Folgen für die Menschheit am Beispiel der Arbeiterstadt, jetzt "Stadt ohne Atem" genannt, Prypiat. Eindringlich, intensiv, schockierend,teilweise mahnend, teilweise anklagend, jedoch auch zutiefst verwirrend und verstörend. Verwirrend deshalb, weil der Synthpop so sehr zum Tanzen animiert, beispielsweise in den Songs "Wir wollen jetzt!", "Die Farbe der Saison", "Sehnsucht", bei dem auch Bruno Kramm mitgewirkt hat. Tanzt lehrreich, denn wir sind nicht unverzichtbar auf dieser Welt! (Manuela Seiler)
Label: Dance Macabre | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.nova-spes.com

 
 


Felix Marc
„The Muse“
Bereits auf dem Album ist man der Muse nicht entkommen und nun wird man auf der vorliegenden Maxi gleich sechs Mal von ihr geknutscht. Größtenteils geht das auch mehr als in Ordnung, allein der extra lange Zungenschlag in Form des Club Mixes bringt das Blut ordentlich in Wallung. Der Video Edit ist dann der erwartete Quickie, Vasi Vallis agiert leider einen Tick zu hektisch und der Sushiboy pendelt süffisant zwischen harter und zarter Liebkosung hin und her. Fast schon unerträglich wird die Ekstase dann beim genialen Torul-Remix, der dunkel und bedrohlich die erogenen (Tanz-)Zonen umkreist. Wer hier nicht zum Höhepunkt gekommen ist, wird wohl vom Syrian Remix kalt erwischt. Wer möchte schon von Fancy aus süßen Träumen geweckt werden? Brrr! Ein versöhnliches Ende bildet der neue Song „Fallen stars” - Felix pur und in Bestform. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.felixmarc.de

 
 


Straftanz
„Mainstream Sellout Overground“
Die neuen Gassenhauer von der Spaßgemeinschaft der neuernannten "Funktionsmusik" sind nun auf einem zweiten Album zusammengefasst worden. "Mainstream Sellout Overground" heißt das mineralisierte und vorm Aussterben bedrohte gute Stück und weist uns wieder einmal auf den recht schwarzen, skurrilen Humor der vier Ruhrgebiets-Elektroniker hin. Dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen in Sachen Gesellschaft, Hierarchie und Macht war klar. Einmal Straftanz, immer Straftanz, oder? "Macht weiter, wie bisher, dann ist das ganze gar nicht schwer." Na, geht doch. (Manuela Seiler)
Label: Scanner | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.straftanz.de

 
 


Autodafeh
„Act of Faith“
Wenn EBM eine Religion wäre, ja wenn, dann hätten AUTODAFEH mit „Act of Faith“ gerade ein astreines Glaubensbekenntnis zu selbigem abgelegt. Denn mit dem im September 2011 erschienenen dritten Album wird konsequent das zelebriert, was die Südschweden beinahe religiös verehren: die gute alte Electronic Body Music. Im Stile der „Väter und heiligen Geister“ FRONT 242 präsentieren Jesper, Mika und Anders mit zehn neuen und zwei überarbeiteten Songs geradlinigen EBM, allerdings ohne plump zu kopieren oder einfallslos „Bumm Bumm“ herunter zu beten. Stattdessen stecken die Stücke in modernem Soundgewand, werden auch bei mehrfachem Hören nicht langweilig und laden bereitwillig zum rituellen Abspacken ein. Und wenn die drei auch weiterhin im Rhythmus bleiben und alles geben, was drin ist, dann ist die Messe noch lange nicht zu Ende gesungen und einer Fortsetzung sehen wir sehr gerne entgegen. Amen. (Pippi von Schnippi)
Label: Scanner | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: https://www.facebook.com/autodafeh

 
 


Various Artists „Körperschall-Sampler Vol. 2"      
Heutzutage werden wir von allen Seiten beschallt,ob motorisiert, verbal oder musikalisch. Körperschall hat nun seinen zweiten Sampler vorgelegt, minimiert auf sechs Bands, die sich in 17 Tracks austoben können. Die Songs wiederum sind remixed von Größen in- bzw. außerhalb der Szene wie !Distain oder Lolita Komplex und erzeugen eine durchaus hörbare, stabile, vielfältige Elektro-Mischung. Natürlich gibt es selbsternannte Doktoren, die um das Wohl der Tanzenden besorgt sind. Die kann man getrost selbst beim Zahnarzt oder gar in der Mülltonne liegen lassen. Andere bestechen durch ihre Originalität wie Industriegebiet ("Wer schön sein will, muss sterben"), Diodati ("Nänie") oder Ellipse ("Ich weiß nicht mehr, wer ich bin"). Also, nehmt die Schwingungen auf - und bewegt euch! (Manuela Seiler)
Label: Echozone/ Körperschall Records | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/koerperschallrecords

 
 



Apparat
„The Devil's Walk“
Es ist nicht so dass das Vorgänger Album „Walls“ ein sprühendes Party Album war, trotzdem beschreitet Sascha Ring auf „The devil´s walk“ deutlich melancholischere Wege. Einen Einfluss darauf hat sicher das Heranwachsen des Projekts Apparat zur Band Apparat. Mit natürlichen Instrumenten und mehr Gesang lässt sich eindeutig eine wärmere seufzerische Mummel Atmosphäre gestalten. Dass dabei die elektronischen Spielereien weiterhin eine Rolle spielen dürfen macht die Symbiose aus Tüftelei und Komposition perfekt. Entstanden sind keine episch strukturierten Jahrhundert Songs aber ein Album mit viel Tiefgang dessen Atmosphäre beständig über einen langen Zeitraum begeistern wird. Hier finden ruhelose Gedanken eine dankbare Heimat in Texten über Glück und Enttäuschungen des Lebens die man einfach ab und an geborgen in einem Haus aus Klängen sortieren möchte. (Spider)
Label: Mute | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.apparat.net

 
 


Digital Factor „Trialog“ DIGITAL FACTOR sind Mike Langer, Guido Litke und Neuzugang Leo von Leibnitz als Ersatz für das langjährige Bandmitglied Torsten Heise. Und wie das so ist, wenn drei miteinander spielen, dann kann das kein Dialog sein. Also sprechen wir hier von einem Trialog, welcher sich musikalisch so darstellt: rhythmische Bässe, sehr präsenter Gesang, vielfältige elektronische Spielereien, stimmungsvolle Samples und Überraschungen wie klassische Anleihen zu einem Männerchor („A force of unknown people“). Ein bunter Mix musikalischer Zutaten ist es, den das Altenburger Trio auf dem jüngsten Album präsentiert. Die Annehmlichkeit dabei ist, dass es keinesfalls langweilig wird. Aber wo ein Vorteil ist, ist auch ein Nachteil, und der heißt: zu wenig Eigenständigkeit, zu sehr irgendwo zwischen KRUPPS („Links rechts links“), NIN („Steam“) und NITZER EBB („The Knife“) gefangen. Schade, denn die Fähigkeiten zu mehr haben die Drei ganz sicher. (Pippi von Schnippi)
Label: Black Rain | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.digitalfactor.de/

 
 


à;GRUMH
„We were à;GRUMH... and you were not"
Ohne die Jungs mit dem kryptischen und vielfältig interpretierbaren Namen wäre die EBM-Kultur definitiv um eine Attraktion ärmer. Zehn Jahre lang haben sie ordentlich Wellen geschlagen und es hat dafür gereicht, dass sie auch noch zwanzig Jahre nach Auflösung der Band ein Gesprächsthema sind und in die Klassiker-Reihe des Infacted-Labels aufgenommen werden. Stilistisch kann man sie irgendwo zwischen Front 242 und The Neon Judgement ansiedeln, wobei ein ordentlicher Schuss Avantgarde addiert werden darf. In den Songs werden Botschaften proklamiert, der Rhythmus stampft ordentlich und über all dem weht eine oft schräge, meist kühle Brise. Dabei von Hits zu sprechen wäre wohl vermessen, aber Kultiges findet man dafür en masse. Es grenzt an Wahnsinn, aus all dem veröffentlichten und unveröffentlichten Material eine repräsentative Zusammenstellung zu extrahieren, aber hier ist dies bestens gelungen. (Torsten Pape)
Label: Infacted | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.agrumh.com/

 
 



Jasmin Tabatabei „Eine Frau"      
"Sie weiß, was sie will und warum sie es will. Eine Frau bleibt sich selbst immer treu, träumt ihren Traum stets neu." Passender hätte Jasmin Tabatabai es nicht singen können. Das mit David Klein arrangierte moderne Liederalbum ist gegenüber den beiden vorherigen Solo-Alben erwachsener denn je. Nonchalant oder provokant lächelnd, mal melancholisch, dann wieder humorvoll, sarkastisch oder schmeichelnd. Wir wandeln durch das Leben zahlreicher Frauen und erahnen, was Liebe, Hoffnung und Lebensglück bedeuten kann. (Manuela Seiler)
Label: Edel | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.jasmin-tabatabai.com

 
 



De/Vision „Popgefahr - The Mix"      
Es scheint, als hätten De/Vision Angst vor ihrer eigenen Popgefahr. Warum sonst sollte man Künstler mit ordentlich Druck auf dem Rohr alles nochmal durchspülen lassen?! Die Beweggründe sind allerdings auch völlig egal, freuen wir uns doch immer, wenn was neues einer favorisierten Band erscheint, auch wenn's schon mal da war - nur halt anders. So geschieht das (fast) Unfassbare, dass beinahe alle 20 Remixe durchaus unterhaltsam sind; sich jeder Song auf den einzelnen CDs nur einmal findet. Pfiffich! Viele unbekannte Namen tummeln sich auf den beiden Silberscheibchen, doch ist dies kein Zeichen von Qualitätsmangel, denn manchmal sind's ja grad die neuen, die noch innovativ arbeiten. Illustre Namen wie T.O,Y., Mesh oder Daniel Myer runden das ganze zudem ab, aber, liebe Dewischies: die Mixe von bzw. Blitzmaschine und Solitary Experiments (von der US-Version) hättet Ihr gern noch als Bonus ins Päckchen packen können. Doppelt kaufen macht nämlich hässlich! (Daniel Theberath)
Label: Popgefahr Records | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.devision-music.de

 
 



Noisuf-X „Dead End District"      
Nun ist das sechste Album vom kleinen Bruder von X-Fusion herausgekommen - und man darf sagen, dass es gelungen ist. Es wimmelt nicht nur so vor Ohrwürmern, Tanzschlangen und Clubkrachern, sondern beinhaltet auch einen grotesken und passenden Humor ("Strange Signal", "Clubhit"). Jan L. war auch diesmal experimentierfreudig und herausgekommen ist u.a. eine sonderbare Mischung aus EBM und Ska- "Future Ska" der besonderen Art. Aufgeschlossenheit bewährt sich. Neben der Standard- Version ist auch eine auf 888 Stück limitierte Ausführung (teilweise signiert, wenn es über die HP vorbestellt wurde) des Albums inklusive Bonus- CD mit fünf weiteren Tracks erschienen. Lasst es krachen! (Manuela Seiler)

Wenn Noisuf-X veröffentlicht, werden es wenigstens zwei CDs, und die späteren Remixe der Kollegen aus der Branche könnten auf zwei bis drei CDs Platz finden. Na ja, und manchmal wird dies als limitierte DVD veröffentlicht. Und wenn ich die Homepage des berühmten Musikers richtig verstanden habe wird auch eine Jewel-case Versoin verfügbar sein. Klingt verlockend, allein die Post in diesen Land, ganz die sichere Nummer, entschied, dass sie das Juwel lieber behalten als es irgendwelchen Empfängerinen zu senden. Nun, genug hansgewurstet! Vermißt Ihr frisch klingenden technoiden EBM? Hier gibt’s ausreichend für jeden! In dem Aufbau, aus mehrschichtigen Chören und Samples erkennt man die Handschrift von Jan Lehmkämper. Die Tracks wie „Clubhit“, „Shout loud“, „I don’t trust you“, „Hexensabbat“ werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit viel Erfolg auf der Tanzfläche haben. Diese CD wäre auch beim Sportstudium im Gymnastik Raum nützlich, energetisiert besser als Koffein und andere bedenkliche Substanzen. Nein, das ist keine Ironie, wie kann man über solche Dinge Possen reißen? Übrigens, das Album wurde nicht in fünfzehn Minuten gemacht, so wie der Name eines Tracks vermuten läßt. Ein weiterer Titel ist ‘Everyone Here Is Mad’? Nun, wie wird man sich wohl fühlen, beim grundlegenden Prasseln des Albumklangs, das in schicke Keybords gefasst, meisterhaft satt und hell ist? Im Großem und Ganzen, klingt das Album interessanter, als das vorige. Und die zweite CD endet ein bisschen unerwartet. So eine Anspielung und Rätsel! So eine Einheit führt dazu, dass man sich nach mehr sehnt.Versprecht mir genügend zu tanzen!
(Sophie Baikalova)
Label: Pronoize | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.noisuf-x.com

 
 



Erasure „Tomorrow’s world“      
Mit dem neuesten Werk zeigen uns Vince Clarke und Andy Bell deutlich, dass die „Total Pop“-Hit-Shows der vergangenen Monate nicht bedeuten, dass sie sich auf den Lorbeeren der letzten 25 Jahre ausruhen wollen. Vielmehr möchten sie immer noch im Hier und Jetzt mitspielen und haben sich dieses Mal mit Vincent Frank (Frankmusic), einen aktuell angesagten Namen ins Boot geholt. Herausgekommen ist eine quirlige, frisch klingende Variation des typischen Erasure-Kosmos mit gewohnt tollen Melodien und gefühlsintensiven Texten. Dabei ist die neue Single „When I start to (break it all down)“ noch nicht einmal der größte, wenn auch ein sehr nachhallender Hit. „Be with you“, „Fill us with fire“, „I lose myself“ oder auch „Just when I thought it was ending“ bieten nämlich noch schillerndere Momente. (Torsten Pape)
Label: Mute | VÖ: 30.09.2011 | Homepage: http://www.erasureinfo.com

 
 



Zynic „My Personal Kryptonite“      
Einen persönlichen Friseur – das kann ich mir vorstellen. Aber was für Kryptonit denn? Das fällt meiner Fantasie nicht so leicht. Diese EP besteht aus fünf Varianten des sechsten Tracks des Albums ‚Fire Walk With Me’, dem netten ‚Regrets’ und dem protzigen ‚Almost Silence (Campfire Version)’. Auf der Homepage werden diese als genial beschrieben. Sicher ist es ganz toll von Mesh und RoterSand Remixe zu bekommen, und ein Projekt von Olaf Wollschläger zu sein, aber, ich würde sagen, dass solche eine Selbstbewertung für die Debutanten ziemlich hoch gegriffen ist! Gerade stelle ich beiläufig fest, dass die Remixe Gummibärchen ähneln, die in aufsteigender Reihenfolge der Klanglebendigkeit angeordnet wurden. Gegessen, genossen (die Qualität ist auf jedem Fall ganz hoch, wer kauft die CD sonst?) und vergessen. Also, Tracks von dieser EP werden bei Teenie-Partys herzlich willkommen sein, bei sechzehnjährige Mädchen, die an Komplexen leiden, davon träumen können mit einem schlanken, blassen Jungen in intimen Augenkontakt zu treten und zur Unterstützung sagt ihm ruhig: ‘You’re my personal Kryptonite.` So! 3 von 6 und gute Party mit der limitierten EP, meine kleinen Zyniker! (Sophie Baikalova)
Label: Conzoom | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.zynic.de

 
 



Various „Generation Underground“      
Auf dieser wirklich randvollen Zusammenstellung wird einer Zeit gedacht, zu der der Underground noch sämtliche Musikspielarten auf einer Tanzfläche vereinen konnte. Es geht also um die 80er (mit kleinen Ausreißern nach oben und unten) und das Spektrum reicht von Punk, Wave, Indie-Rock bis hin zu elektronischen Vertretern. Dabei ist es besonders lobenswert, dass die Macher der Compilation zumeist nicht auf die bekanntesten Songs zurückgegriffen haben. An manch einem Lied kommt man wohl nicht vorbei (z.B. „Temple of love” - man wird leider nicht vor Ofra Haza gewarnt..), aber viele der anderen Bands dürfen zeigen, dass sie auch andere starke Stücke im Repertoire haben. Ausnahmsweise empfehle ich den digitalen Erwerb, da man so ein von Thomas Elbern gesprochenes Geleitwort mit vielen interessanten Infos und einen exklusiven Track seiner Band Escape With Romeo erhält. (Torsten Pape)
Label: EMI | VÖ: 02.09.2011 | Homepage: http://www.emi.de

 
 



Dead Guitars „Stranger“      
Es ist schon ein Paradoxon, dass die toten Gitarren oftmals besser klingen, als die lebendigen. Was ist jedoch eine lebende Gitarre? Und wie könnte sie sterben? Auch auf ihrem dritten Album geben uns die Herren mit der langen Musiker-Vita zumeist elegische und manchmal sogar umwerfend poppige („Mesmerized") Songs zum Besten. Einem bewegten Ozean gleich schwingt „Stranger" wellenartig auf und ab, stellt wohlige Momente neben den Aufruhr der Gefühle und gezielte Dissonanzen. Mit an Bord sind natürlich wieder die wunderschönen Texte von Carlo van Putten, aber trotz all der fantastischen Poesie bleibt sogar genug Raum für rein instrumentale Songs und ein Neil Diamond-Cover. Hier geschieht einfach alles zur rechten Zeit, illustre Gäste wie Michael Dempsey (Ex-The Cure) sind stets willkommen und der Hörgenuss ist am Ende aufregend und perfekt. (Torsten Pape)
Label: Silverbird Music | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.deadguitars.com

 
 



Fiddler's Green „Wall Of Folk“      
Na, hoppla! Da kommt aber eine wilde Hammelherde angerannt und der aufgewirbelte Staub legt sich bestimmt nicht so schnell. Es steht nämlich Speed-Folk auf dem Programm und das auch nach über 20 Jahren mit gleichbleibender Beschleunigung. Da hilft nur das schnelle Austrinken der Pints, damit nix vom guten Stout verschüttet wird, denn schon hüpft und bebt der ganze Pub. Die neuen Songs haben glücklicherweise sofort einen unverschämt hohen Mitsingfaktor und spätestens bei Klassikern wie „Irish Rover“ oder „Dirty old town“ bleibt kein Fuß mehr am Boden. Im limitierten Format wird übrigens auch noch ein großes Club-Sandwich in Form von sechs Bonustracks und einer fetten Live-DVD gereicht. (Torsten Pape)
Label: Deaf Shepherd Recordings | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.fiddlers.de

 
 



The Anix „Sleepwalker“      
Die Amis präsentieren auf ihrem neuesten Werk eine Mischung aus melodischen bis rhythmischen Gitarren, echten und synthetischen Drums sowie meist elegischen Keyboardflächen. Über all dem schwingt sich der Sänger unermüdlich zu großen, hymnischen Refrains auf. Das klingt schon oft nach Breitwandsound und die knackige Produktion aus dem Hause Die Krupps veredelt die Klänge nachhaltig. Mit „Cry little sister“ aus dem genialen „Lost boys“-Film und „Burn“ von The Cure aus dem „The crow“-Soundtrack covern die Jungs zudem die ganz gewaltigen Kaliber. Leider strotzen die eigenen Songs geradezu vor Vergleichen/Verweisen zu Muse, Placebo, Linkin Park, Julien-K oder gar Toto und NIN. Es gibt bestimmt Schlechteres, aber dadurch wirkt das Album unter dem Strich merkwürdig gesichtslos - genau wie die Gasmaskenträger auf dem Cover. (Torsten Pape)
Label: Cleopatra | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.paktprodukt.de

 
 



The Waterboys „An appointment witth Mr. Yeats”
Mike Scott und seine Waterboys haben in ihrer 28-jährigen Karriere unermüdlich an der Verschmelzung von Folk und Rock, Poesie und Pop gearbeitet und dabei so manch ein Meisterwerk erschaffen. Schon immer hatte der gebürtige Schotte Scott dabei eine Affinität zum großen irischen Literaturnobelpreisträger W.B.Yeats, dem er nun ein ganzes Album widmet. Elegisch und kraftvoll, dabei jedoch auch zärtlich und anschmiegsam erstrahlen die 14 Gedichte des Meisters in ihrem maßgeschneiderten musikalischen Gewand. Maßgeblich an dieser überzeugenden Umsetzung sind mehrere hochkarätige Musiker beteiligt, die Gesang, Flöten- oder auch Geigenklänge beisteuern. Zu dieser Verabredung kommt man doch gern, denn hier wird hohe Kunst geboten. (Torsten Pape)
Label: Proper Records | VÖ: 23.09.2011 | Homepage: http://www.mikescottwaterboys.com

 
 
 


Nirvana „Nevermind – 20th anniversary deluxe edition”
Zweifelsohne ist das Album „Nevermind“ von Nirvana ein Werk, das jeder Musikliebhaber in seiner Sammlung hat - egal welchem Genre er sonst frönt. Zum zwanzigsten Jahrestag der Veröffentlichung erscheint nun eine fette Jubiläumsvariante. Noch immer berühren die Kompositionen des Originals die gleichermaßen absolut eingängig wie rotzig rockend sind. Natürlich ist dieses Werk inzwischen ein Mahnmal an den Verlust der Unschuld alternativer Musik an den Kommerz. Das dies keineswegs die Absicht oder gar Schuld der Band war, hört man an den hier ebenfalls enthaltenen B-Seiten wie Studiosessions und sogar Bandproben, welche das ganze Potential an ungehemmter Experimentierfreude dokumentieren. Zweifellos ein Stück Zeitgeschichte. Die alternativen Mixe auf dieser Sammlung kann aber wohl nur der Tontechniker von dem bis dato bekannten Material unterscheiden. Ich versinke in einem großartigen Album der Grunge-Ära, die mich ansonsten kaum berührt hat, was dessen Einzigartigkeit unterstreicht. (Spider)
Label: Geffen | VÖ: 16.09.2011 | Homepage: http://www.nirvana.de/

 
 
 


Mona Mur & En Esch „Do with me what you want”
Das hört sich doch prima an. Zwei Ausnahmekünstler, mit denen man machen darf, was man will. Und vom Opener „Touch“ an wird man auch auf recht lüsterne Gedanken gebracht. Denn es steckt eine Menge Erotik in den schleppenden Beats und den knackigen Gitarrenriffs zu eiskalter Elektronik. Darüber schlängelt sich ein Duett, gebildet aus der rau lockenden Knarzestimme von En Esch und dem vollmundig liebkosendem Alt von Mona Mur. Wenn auch die Texte wie bei „Eiskalt“ beweisen, dass hinter aller Lust immer ein lauerndes Dunkel kriecht, komme ich nicht umhin, in diesem Album voller Wonne aufzugehen. Das liegt daran, dass der Liebesakt zwischen Avantgarde und Pop in einem Stadium voller Fruchtbarkeit und Stärke vollzogen wird. All die neckenden Spielereien und kleinen gewagten Experimente stimulieren - ohne von der Hauptpenetration durch tief dringende Melodie Stöße abzulenken. (Spider)
Label: Artoffact | VÖ: 13.09.2011 | Homepage: http://www.monamurenesch.de/

 
 
 



In Camera „IV + II” / Mass„Labour of love”
Für alle Schallplattenfreunde hier mal eine Rezension im Doppelpack. Das französische Label Desire veröffentlicht zwei Post-Punk-Bands aus den frühen 80er Jahren neu. Auf rare 500 Vinyl-Exemplare limitiert und original auf dem hoch geschätzten 4AD-Label erschienen. Im Falle von In Camera und ihrer Ep IV + II wird schnell klar, warum sie sich nicht in die Historie so großer Namen wie Cocteau Twins oder Bauhaus einreihen. Ob nun instrumentales Klaviergeplänkel oder experimentelles Gitarrengeschrammel mit Gesang. Beides nervt.
Das Album Labour of Love von Mass steht dem Ganzen an Grausamkeit nicht nach. Es sei denn, man steht auf Orgelkeyboardflächen, Quietschegitarren und grauselige Saxophontöne über die eine Kreuzung aus Robert Smith und Kermit singt. Ich lerne daraus: Auch legendäre Label haben ihre Leichen im Keller. (Spider)
Label: Desire | VÖ: 05.09.2011 | Homepage: http://desire-records.blogspot.com/

 
 
 


Ladytron „Gravity The Seducer”
Ladytron sind nach 2 Jahren mit ihrer neuen Veröffentlichung "Gravity the seducer" wieder da und kehren dabei stilistisch zu ihren Werken aus der Anfangszeit zurück. Die Atmosphäre und der Sound sind so in sich abgeschlossen, dass es schwierig ist, einen Schwachpunkt im Album auszumachen. Instrumentale Harmonien wie bei "Ritual" und "Altitude Blues" sind wie geschaffen für einen guten Soundtrack, den man bei seiner täglichen Routine genießen kann. Das heißt aber nicht, dass dies ein Album für Hausfrauen ist. Es ruht in seiner Mitte, aber mit Liedern wie "Ace of Hz", das man sofort bemerkt und liebt und welches als Instrumentalversion mit dem Titel "Aces High" das Albumfinale bildet und ein großartiger Filmabspann wäre. Ich weiß nicht warum, aber dieses Album versetzt mich in die 70er Jahre. Im Geiste sehe ich dazu Bilder aus dem Film "The Box". Und welche Traumlandschaften seht Ihr beim Hören? Ich bin gespannt. (Iris Wilder)
Label: Nettwerk | VÖ: 09.09.2011 | Homepage: http://www.ladytron.com

 
 
 


International Moods „Frequent Traveller”
Es beginnt wie ein 70er/ 80er Jahre Krimi, ein bisschen spacig, ein bisschen schmutzig, wo die dunkle Unterwelt die Bösen und Schurken und Halunken beheimatet, schräg, unwirklich, nass-kalt. Ein bißchen Baukastenstil hier, eine Menge LSD da, wabernd, zerstörerisch, der Dauerflug nach Nirgendwo wird zum Albtraum, die einst so "willkommene wunderbare Welt des internationalen Flugverkehrs" wird zerrissen durch die Unerträglichkeit verzerrter Mansonschnipsel, Alienterror, verächtliche Regentrompeten und auseinanderfransende Problem- Stimmen - FM Einheit wird mit seiner Mannschaft zum Einheitsbrei, schade. (Manuela Seiler)
Label: Skycap | VÖ: 02.09.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/internationalmoods

 
 
 
 
 
 August 2011  
 


ASP
„Wechselbalg“
Der schwarze Schmetterling ist ein Phänomen, das nicht erst seit gestern besteht. Mal war er besessen, mal war die Welt unter, mal gab es ungeschickte Liebesbriefe - ja, und mal wollte er brennen. Nun beehrt er uns seit dem 12.08. mit seiner neuesten Single "Wechselbalg" und Extramaterial wie der "AngstKathedralen"-Hymne, einem Ougenweiden-Cover sowie einer Akustik-Version (unplugged) von "Dancing" - das ist ASP. Der Vorgeschmack für das eigentliche Album im Oktober regt die tanzbaren, teils Ohrwurmcharakter besitzenden, teils düster-schleppenden, auf jeden Fall sehr vielfältigen Papillen an. Ja, manchmal kann es tatsächlich in Erfüllung gehen... (Manuela Seiler)
Label: Trisol | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.thetaleofasp.com

 
 


Various Artists
„The Sound Of Static Magazin Germany, Vol. 1
Während die mächtigen Magazinriesen im schwarzen Deutschland ihre Cover mit immer gleichen Künstlergesichtern zieren und ihre Compilations gegen Bares aus den Geldköfferchen der mächtigen Labelriesen bestücken, regt sich im unbeugsamen schwarzen Schwabenländle der kreative Widerstand. Das Static Magazin setzt bei seiner Sammlung auf Künstler mit Qualität - aber wenig Werbebudget. Und diese kommen nicht nur aus musikalischen Subgenres, wie die Cyberpunks erschreckenden Horror Punker von Dead United und The Deep Eynde oder wie Morbid Poetry, die Gothic noch im eigentlichen Sinne düsterer Gitarrenmusik kennen und nicht als Mode-Label von Pimkie. Nein, es gibt auch Bands wie The Exploding Boy oder Pretentious, Moi, die es tatsächlich schaffen, Melodie mit Anspruch zu verbinden. Das alles und noch viel mehr gibt´s für einen schmalen Taler. Würde der Bodystyler einen Gitarrensampler machen, würde dieser so klingen. (Spider)
Label: Static Magazin Germany | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://staticmagazingermany.com/

 
 



Eisenfunk „Pentafunk“      
Wer in den letzten fünf Jahren bereits etwas von den Eisenfunkern gehört hat, weiß, dass auf ihren Alben das volle Eelctro-Cyber-Brett wartet und nix vor ihrem Humor sicher ist, was nicht bei Drei auf dem Sequenzerturm ist. Auf dem Jubiläumswerk fegt nun die Pestilenz durch das Neandertal und auch ein Urlaubstrip nach Jericho steht auf dem Programm, um im Heiligen Land das Camperglück zu suchen. Wenn man es zudem schafft, Vampire, Uncle Sam und ein Weihnachtsthema auf einem Album zu vereinen, dann kann bis jetzt wirklich nur das Musikmachen vor der Einweisung in die Klappse bewahrt haben. Wer hier nicht auf der Tanzfläche lachend und zappelnd zusammenbricht, ist ohne Frage vollkommen humorbefreit. Aber auch das Autofahren oder der heimische Genuss der 16 Songs sind mit erheblichen Gefährdungen von Leib und Leben verbunden, da die Freudentränen schon mal ordentlich den Blick trüben können. Was für ein Spaß! (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.eisenfunk.de

 
 



Vic Anselmo „In my fragile“      
Ist es ein Alb oder ein sachter Traum? Habe ich Angst oder bin ich fasziniert? Renne ich davon oder hüpfe ich den Ruinen Rigas entgegen? Wo ist Beverly? Was ist mit meinem freien Fall? Wo ist die Schlangenbrut, die mich grad noch fraß? Und wo ist das dunkle Land, das jetzt grell vor mir und durch mich leuchtet? Mal schizophren anmaßend, dann traurig mit dem Wind ziehend, mal kreischig, mal metallisch, dann wieder ruhig-balladenhaft, das ist Vic Anselmos zweites Album, den Untergang heraufbeschwörend und auf Fehler und Mißstände hinweisend, verpackt in einer etwas anderen Liebesgeschichte. Dazu kommt ein Cover von Das Ich sowie noch drei Bonus-Tracks (u.a. ein lettisches Volkslied ).Komm und lausche! (Manuela Seiler)
Label: Danse Macabre | VÖ: 19.08.2011 | Homepage: http://www.vicanselmo.com

 
 



dAVOS „Tender Loving Care“      
Kurz vor dem neuen Album der Eidgenossen erscheint zunächst die vorliegende EP und wie gewohnt, steht gitarrenverstärkter Synth-Wave-Pop auf dem Programm. Der Titelsong – auch im Remix von Andy K (Melotron) - versprüht durch seinen stakkatoartigen Charakter einen etwas spröden, wenn auch interessanten Charme. Der eigentliche Hit ist jedoch das ebenfalls neue „A hidden place“ mit seinem herrlichen 80er-Retro-Stil und den tollen, fließenden Melodien. Weiterhin gibt es noch vier Remixe bekannter Tracks, wobei die druckvollen Neubearbeitungen von „These days“ (Per-Anders Kurenbach) und „Illuminate“ (Chai von Jesus on Extasy) besonders zu gefallen wissen. Ein Video komplettiert den ordentlichen Appetithappen. (Torsten Pape)
Label: Codeline | VÖ: 05.08.2011 | Homepage: http://www.davos-music.com

 
 



The Birthday Massacre"Imaginary Monsters" (EP)
Schönheit kann so grausam sein. Schau in den Spiegel und blicke hinein und erhasche eine Nalysse - und Du wirst sehen... Mit "Imaginary Monsters" veröffentlichen die charismatischen Kanadier nun eine EP, die von Zweifeln, Ängsten, Träumen und Sehnsüchten gespeist, inspiriert und durchlebt wird - das ist zumindest der erste Teil der Geschichte. Auch fünf Remixe bekannter Songs, genauer gesagt vom letzten Album, lassen sich in neuen Gewanden wieder sehen, sei es die Mode à la Combichrist, à la Tweaker oder SKOLD, uns lassen sie staunen und auf die Tanzfläche rasen. Wir lassen uns selbst hinter uns, träumerisch, implodieren industrial und schweben ekstatisch-ravig auf das Neue zu. Denn das kommt im Herbst. Hoffentlich. (Manuela Seiler)
Label: Out Of Line | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.thebirthdaymassacre.com

 
 
 



Pakt
„Freiheit”
„PAcKT die Koffer“ soll ein gewisser Herr zwar nicht gesagt haben, aber Gio van Oli und Chris Ruiz hatten ihrerseits wohl Gründe es trotzdem zu tun. Jetzt ist beleidigt auf dem Sofa sitzen auch nicht so ihr Ding, also hat man sich zu einem PAKT zusammengeschlossen und die Tasteninstrumente gar nicht erst anstauben lassen. Es wird zwar in einem 5 Kilometer langen Brief behauptet, dass sie mit eben diesen nicht umgehen können, das allerdings klingt auf der Debut-Single dann doch anders. Allerdings erinnert mich die musikalische Ausrichtung nicht unbedingt an NDW-gewürzte EBM, was uns der Pressetext einreden möchte, sondern mehr an, Achtung, Überraschung: And One. Is' aber nicht schlimm, hat man sich bei zwei Ex-And Onnern und einem Produzenten, der mit seiner Band auch immer sehhhr nah an besagter Band war, eh schon gedacht. Abschliessend bleibt noch zu sagen, das der Bonustrack irgendwie die bessere Singlewahl gewesen wäre, aber das ist eher zweitranging, denn mal ehrlich, so interessant war doch eine öffentliche Fehde seit Rödelheim Hartreim Projekt und den Fantastischen Vier nicht mehr, oder? (Daniel Theberath)
Label: Out Of Line | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.paktprodukt.de

 
 
 


Project Pitchfork „Quantum Mechanics”
Bei diesem Album hat Project Pitchfork die Mistgabel in den Haufen gesteckt und dafür Hammer und Schraubenschlüssel in die Hand genommen. Ob's allerdings ausreicht, damit's die neue Lieblings-CD von Bob dem Baumeister und Heimwerkerkönig Tim Taylor wird, muss man sehen. Dem geneigten Electrokopp wird’s aber mit Sicherheit überzeugen. Druckvoll, düster und treibend, wie in den Anfangstagen, und trotzdem melodiös und hitlastig wie zur „Eon Eon-Zeit“. Sehr hervorzuheben sind dabei „Run for Cover“ und "Freeze in Silence". Das muss den Herren allerdings auch aufgefallen sein, gibt es von beiden Remixe on Top auf der limitierten Version des Albums. Alles in allem ein „Hammer“-Album. Und dann noch die tolle Promoidee in jedem 7. Ei einen Heimwerkerelefanten zu verstecken, das kann doch alles kein Zufall sein. (Daniel Theberath)
Label: Trisol | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.project-pitchfork.eu/

 
 
 


Ljungblut „Over skyene skinner alltid solen”
Im Gegensatz zu den vergangenen Solo-Veröffentlichungen von Zeromancer Mastermind Kim Ljung, die eher im Geiste akustischer Sessions gehalten waren, wartet die dritte Veröffentlichung von Ljungblut mit fetter Produktion und deutlich mehr Band-Attitüde auf. Die komplett in norwegisch dargebotenen Songs füllen dabei eine neue Nische in seinem künstlerischen Schaffen. Sicher haben manche die tiefe, raubeinige Melancholie aus den Tagen, als mit Seigmen alles begann, hier und da wabert ein elektronisches Geflecht seiner aktuellen Band hervor und wieder flieht er auch in die fragile Welt seiner bisherigen Solo-Werke. Aber insgesamt zelebriert er schlicht und ergreifend wunderschöne alternative Musik, die davon zehrt, dass die Essenz der Kompositionen ungefiltert dargeboten wird. Süffig und voller Würze wie ein Bier aus der Lokalbrauerei. Genau wie dieses gibt es das Album nur in limitierter Stückzahl und direkt vom Erzeuger. Zugreifen lohnt sich für jeden Musikfreund und nicht nur für die Intim-Kenner seiner bisherigen musikalischen Karriere. (Spider)
Label: Pleasuredisc | VÖ: 19.08.2011 | Homepage: http://www.ljungblut.com/

 
 
 


Blue October „Any man in America”
Nachdem sich Roter Oktober vor über zwanzig Jahren unter Sean Connerys Kommando an die Hoheitsgewässer Amerikas herantauchte, ist seit einiger Zeit nun der Blaue Oktober auf Gegenkurs Richtung Alte Welt. So langsam nimmt Europa dann auch Notiz von der Band, die zu Hause bereits einigen Erfolg vorweisen kann. Auf dem neuesten Werk wird erneut eine gelungene Mischung aus Indierock und Stadionattitüde geboten, die auf Grund der schlüssigen Melodien und der schmissigen Umsetzung punkten kann. Der Sänger glänzt zudem in schmusigem wie kräftig intonierten Gefilden und erinnert manchmal positiv an Peter Gabriel. Die Schnittmenge zwischen Kings of Leon, Creed und den Killers macht jedenfalls eine Menge Spaß und nervt nur an den Stellen, an denen man sich an der Einbindung cooler Rap-Einlagen versucht. Die Jagd auf Blauer Oktober hat begonnen. (Torsten Pape)
Label: Edel | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://www.blueoctober.com

 
 
 


Jäger 90 „Fleisch macht böse”
Mit „Fleisch macht böse“ legen Jäger 90, die wohl auffälligsten deutschsprachigen Vertreter des „New Old School EBM“, ein neues Album vor. Was man sich darunter vorstellen kann? Musik, die klingen will, als sei sie mitten in der Hoch-Zeit der Electronic Body Music entstanden. Im Falle von Jäger 90 scheint es, als hätten die ehrenwerten DAF ihre Finger im Spiel gehabt. So auch auf „Fleisch macht böse“: Nach einem recht gemächlichen Start („Stärker als Du meinst“) folgen peitschende Beats und „Mussolini“-mäßige Sequencer („Beim ersten Mal tats nicht weh“). Sozial- und gesellschaftskritische Töne erklingen bei „Immer dümmer“ und nebenbei werden auch zwischenmenschliche Phänomene wie Liebe, Fetische und der ganz alltägliche Wahnsinn thematisiert („Meine Seele voller Lust“, „Wenn es euch nicht passt dann lasst“). Alles in allem ein abwechslungsreiches Album für DAF-Fans und alle, die solcherlei Klänge mögen. (Pippi von Schnippi)
Label: Out Of Line | VÖ: 13.08.2011 | Homepage: http://www.jaeger90.com/

 
 
 


Santa Hates You „Jolly Roger”
Es hat keinen Zweck: Santa hasst uns immer noch. Obwohl wir ihm zum Ende eines jeden Jahres mit Gedichten und Gesängen Tribut zollen. Frechheit! Und was macht der alte Mann stattdessen? Er hetzt uns seine Terrorelfen Peter S. und Jinxy auf den Hals, um uns Hassgeschenke um die Ohren zu hauen. Das machen die beiden ganz o(h)rdentlich. Bei „Nothing's gonna be Allright“ beispielsweise, ebenso mit „Raise the Devil“ oder „The mad Scramble“. Alles in allem eine ziemliche Druckwelle, die allerdings statt hängengebliebenden Melodien im Ohr ein Gefühl im Magen verursacht, das dir sagt: „gleich fällt hier wieder irgendwas laut scheppernd um!“ - aber das kann ja auch ganz schön sein, sich aus dem täglichen Trott zu reißen, wer will schon diese ewige Glückseligkeit? (Daniel Theberath)
Label: Trisol | VÖ: 12.08.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/santahatesyou

 
 
 


I Start Counting / Fortran 5 / Komputer „An introduction to...”
Folgende Veröffentlichung spiegelt wider, was das frisch fröhliche Duo Simon Leonard und David Baker so an Unwesen und Lobdudelei in diversen Projekten seit 1982 getrieben hat. Mit I start counting übten sie sich im typischen 80er Jahre Synth Pop, der außer atmosphärischen Kleinoden wie „Still smiling“ oder pfiffigen Tanz Klanggebilden wie „Lose him“ auch viel an Banalität bot. Fürchterlich trieb man es dann in den 90ern unter dem Namen Fortran 5 mit talentfreier Sängerin und an den Nerven zerrendem Kuschel Pop und Discostampf. Erst in der Neuzeit schlug mit ihrem Projekt Komputer der Geistesblitz ein. Mit an Kraftwerk orientierten Sounds erschufen sie unvergesslich melodiöse und warme Klangkonstrukte. So fällt diese Zusammenstellung recht durchwachsen aus und rät nur bei Komputer zum blinden Album Kauf. I start counting sollte man Probehören, außer man braucht alles aus dieser Zeit und Fortran 5 ist ein Graus. Punkt. (Spider)
Label: Mute | VÖ: 22.08.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/istartcounting

 
 
 


Black Light Acension „Ashes”
Das sind die Alben, die ich liebe. Schlichtes, aber ausdrucksstarkes Cover, nur die nötigsten Infos in der Innenhülle abgedruckt. Doch die Songs auf „Ashes“ brauchen kein großes Image von außen. Sie fesseln ganz einfach durch ihre ungeschliffene Echtheit und brennen sich mit Gefühl tief in die Seele. Das Projekt von Andrew Trail folgt mit seinen Bassläufen und vor allem unbestreitbar mit dem Gesang den dunklen Spuren der Endsiebziger, als mit Joy Division eine neue Ära von Musik in Düsterkeit begann. Doch Black Light Ascension sind mehr als eine Hommage. Schließlich tingelt der Musiker nicht umsonst in zahlreichen anderen Musikprojekten diverser Genres wie Knifeladder oder Inertia. Das drückt sich vor allem in den genial arrangierten Synths aus, welche zeitlos düster eine Atmosphäre schaffen, die mancher als beklemmend empfinden mag, aber die verlorenen Seelen unter den Musikliebhabern monoton melancholisch mit dem schwarzen Licht in höchste Hörgenüsse aufsteigen lässt. (Spider)
Label: Tesco Distribution | VÖ: 19.08.2011 | Homepage: http://www.reverbnation.com/blacklightascension

 
 
 


[NON]

Dunkelschön „Zauberwort”
"Im Traum war der Weg so nah - das Glück, das mir entgleitet...Ich will auf die Suche nach ihrem Leuchten gehn...und flieg durch die stille Lande". Durch die starke, feste Stimme Vanessas, den eindringlichen, träumerischen, fast fordernden Sprechgesang Michaels, die spielerischen Form- und Klangwelten der Instrumentierung, die weich und entfesselnd, entgleitend sind. Das Septett, das verzückend, entrückend, beschwingt, beschwörend, betörend, mitreißend (nicht umsonst waren sie Support-Act bei Subway to Sally 2010), entladend, verzaubernd, in eine andere Dimension lockt, bleibt seinen Wurzeln treu, den des Celtic-Medieval-Folks. Zusatz: zwei Live- Videos aus Saarbrücken aus dem Jahre 2010! Es lebe der eigene fedrige Geiste! Es lebe der Eskapismus! (Manuela Seiler)
Label: Screaming Banshee | VÖ: 19.08.2011 | Homepage: http://www.dunkelschoen-musik.de

 
 
 


[NON]

Sol Invictus „In A Garden Green”
1999 versuchte sich Tony Wakeford als Botaniker und führte uns mit Sol Invictus in seinen grünen Garten. Dieser war mit reichlich folkloristischer Schwermut gesät und er ließ diese in seinem Gesang voll fragiler Melancholie und beißender Gesellschaftskritik begleitend von sanften Akkorden auf der Akustikgitarre wachsen. Doch jedes Ökosystem kann nur in Symbiose verschiedener Elemente gedeihen. So erblüht dieses Album durch den Gesang von Sally Doherty und Jane Howden, der sich mehr als nur unterstützend durch die Lieder rankt. Während Sally zusätzlich zarte Flötentöne streut, ist Janes Gatte Matt Howden der markanteste Blütenstempel, dessen Geigenspiel von süßester Versuchung zu heftigster Leidenschaft variiert. Das Besondere an dieser Wiederveröffentlichung ist eine zweite CD mit einem Live Konzert aus dem selbem Jahr. Da dies als Bootleg deklariert ist, werde ich die Soundqualität weder kritisieren noch in die Wertung eines großartigen Albums einpflanzen. (Spider)
Label: Auerbach Tonträger / Prophecy Prod. | VÖ: 05.08.2011 | Homepage: http://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 
 


[NON]

Sol Invictus „Lex Talionis”
Über zwanzig Jahre ist es her, dass diese Wiederveröffentlichung erstmals das Licht der Welt erblickte. Und immer noch bekomme ich Gänsehaut beim Hören. Sol Invictus führten mich damals mit dieser CD in eine völlig neue Welt, in der ich erstmals die hypnotische Wirkung von experimenteller elektronischer Musik erfuhr, die gepaart mit echten Instrumenten und hypnotischen Gesang über apokalyptische Themen einen stark zeremoniellen Charakter besitzt. Dieses Album lässt mich voller Ehrfurcht in meiner Sitzgelegenheit erstarren und zwingt einen voller magischer Energie in sein Innerstes zu gehen. Hier geht es nur um den Ton und die Empfindung. Aus fragilen Einzelteilen wird ein machtvolles Gebilde zusammengefügt. Darin eingebettet sind bereits die dunklen Dark Folk Elemente wie bei „Tooth and Claw“, die Tony Wakefords Band bis heute an die Spitze dieser Stilrichtung setzt. Doch ich werde ewig dankbar sein für dieses „andere“ Album, das mir bis heute beweist, warum ich mich von dunklen Tönen so angezogen fühle. (Spider)
Label: Auerbach Tonträger / Prophecy Prod. | VÖ: 05.08.2011 | Homepage: http://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 
 


Imperative Reaction „s/t”
Obwohl die US Elektroniker von Imperative Reaction schon einige Alben auf ihrem Arbeitszeugnis haben, war die Nachfrage hierzulande für eine Anstellung des CD-Players mit ihren Werken bisher nicht allzu groß. Mit diesem selbst betitelten Silberling will man einen neuen Versuch wagen. Die Band hat durchaus genügend Druck auf dem Kessel, um einem ihre Basslinien und Rhythmen gleich einer al dente Spaghetti ins Ohr zu kleben. Und bei Songs wie „Siphon“ bleibt auch der feine Melodiegeschmack haften. Der „Song of the martyr“ hat ein rockendes Steinpilz Aroma. Das überzeugt und lässt vergessen, dass an dem ein oder anderen Titel ein wenig das Gewürz fehlt, um dem Geschmack von Zunge in Langzeitgedächtnis zu befördern. Die Single „Surface“ offenbart stellvertretend für andere Stücke ein Team, das ein solides Power Electro-Gericht köchelt, aber die letzte Finesse in Gesang und Songwriting nicht immer in 5 Sterne Qualität bewerkstelligt. (Spider)
Label: Dependent | VÖ: ?? | Homepage: http://www.myspace.com/imperativereaction

 
 
 


Imperative Reaction „Surface”
Der Song „Surface“ ist sicher der eingängiste auf dem neuen Album von Imperative Reaction. So ist es nachvollziehbar ihn als Single zu wählen, obwohl er den Stil des Gesamtwerks nicht gänzlich vertritt. Die Club-Variante lässt das Stück schweißtreibend zwischen Future Pop- und Harsh Electro-Elementen pendeln und macht es damit sogar stärker als die Albumversion. Es ist löblich, dass die Pull out kings und RoterSand die Band auch in Kreisen publik machen wollen, in denen man mit Pullunder über der Schulter zu House tanzt. Meine Begeisterung über ihre Remixe gestaltet sich trotzdem flau. Daumen hoch aber für Sebastian Komor, der es diesmal nur dezent rumpeln lässt und dafür eine prickelnde Electro Rock-Nummer gestaltet. Bleiben noch zwei ordentliche, aber nicht spektakuläre Remixe von Scandy und Shoks Zeitmahl. Die Club-Version von „What is left to say“ hingegen sollte man nicht zu ernst nehmen, wie tausend hau auf die vier Fabrikate zuvor auch nicht. (Spider)
Label: Dependent (nur digital/download) | VÖ: 05.08.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/imperativereaction

 
 
 


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Coma Divine „Dead End Circle”
Hört man das Debüt Album "Dead end circle" von Coma Divine gleicht dies dem Öffnen einer Schachtel, deren Deckel mit dem Bildnis einer toten zerbrochenen Puppe recht furchterregend aussieht. Und man täuscht sich nicht. "Burn, sister" explodiert mit der knallerstarken Stimme von Sonja Kraushofer, bekannt als Sängerin von L' Âme Immortelle und Persephone. Der Sturm der Leidenschaft aus Stimme und einer guten Kombination aus tiefem melodischen Bass- und Cello-Sounds, die zeigen, dass dies richtig sexy Instrumente sind (wie bei "The Odd one out") und der harten Gitarre, die ab und an in melodische Riffs wechselt, an denen man das Spiel von Ashley Dayour erkennt (ok vielleicht nur als großer Whispers in the shadow-Fan, wie ich), erzeugt den vollen Rückstoß dessen, was die Truppe uns geben will. Alle Seiten des Lebens und der Liebe in allen Bedeutungen wie Macht, Leidenschaft, Sanftheit, Wahnsinn und manchmal sogar Verzweiflung. Ein großartiger Mix aus Professionalität und Herz und Seele in einem passenden Sound, der das Gefühl der Modernität vermittelt. (Iris Wilder)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://www.coma-divine.com

 
 
 


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Klee „Aus lauter Liebe”
Vermutlich liegt es an den romantischen Gefühlen aus lauter Liebe, dass Klee ihr Instrumentarium abgespeckt haben. Akustische Gitarre, Piano, Streicher und Gesang dominieren. Bei aller Liebe: Das funktioniert nicht so optimal, mag auch manch einer sagen, die Band ist erwachsen geworden. Ich meine, dass ist mir zu nah am Schlager. Nicht ganz so platt, aber das musikalische Gewand ist mir zu plätschernd und die Texte zu gewollt philosophisch. Nur selten blitzt ihre alte, naive Unbekümmertheit auf, wie in den Songs „Nimm Dein Leben in die Hand“ oder „Außen Atem“. Das ist die Stärke der Band: Einfache Melodien, charmant darbieten. Vielleicht hat man auch die Songs in ungünstiger Reihenfolge auf die CD gepackt, denn nach einem sehr mühseligen Auftakt packen einen die Lieder - teilweise. Natürlich hat man nicht immer die passende Fluffikus-Stimmung dafür, aber wenn man gedanklich, oder real, über eine Sommerwiese tanzen will, sollte man Klee dazu pflücken. (Spider)
Label: Universal | VÖ: 26.08.2011 | Homepage: http://www.kleemusik.de

 
 
 
 
 
 Juli 2011  
 


Sol Invictus „Against the modern world“
Es ist immer erstaunlich, wenn Musik, welche bereits vor Jahrzehnten veröffentlicht wurde, so klingt, als sei sie gerade erst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Neueste persönliche Entdeckung in diesem Rahmen: die Wiederveröffentlichung des legendären Debüts von SOL INVICTUS. 1987 als EP erschienen und wie die meisten Altwerke der Folk-Heroen nur schwer erhältlich, ist das Album nun Teil der opulenten "The Collected Works"-Box mit Neuauflagen des gesamten Backkatalogs. Und schon weil mit “A ship is burning” einer meiner ewigen Sol-Favoriten auf diesem Album ist, hebe ich den Daumen hoch. Den in der sich elegisch wiederholenden Textzeile “From yesterday to tomorrow” beschriebenen Zeitensprung haben Sol mit ihrem Gesamtwerk gemeistert und so gehört ihre Musik auch heute noch in die Sammlung. Dass die Neuauflage im wunderschönen Digipak, limitiert und mit neun Bonus-Track daher kommt, ist das Tüpfelchen auf dem I. (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach | VÖ: 08.07.2011 | Homepage: https://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 

Various „XtraX Clubtrax Vol. 3“
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch, denn der Szeneausstatter XtraX wird 20! Und für die dazugehörige Party wurde ein randvolles Paket illustrer Musik auf die vorliegende Doppel-CD geb(r)annt. Die weite Spannbreite der Stile von Electro/Synthpop über Gothic-/Black-Metal bis hin zu Wave/Dunkelrock und Horrorpunk ist am Ende wohl Garant dafür, dass wirklich alle potentiellen Käuferschichten zum Tanz erscheinen. Für meinen Geschmack gibt es nur wenige Totalausfälle und erstaunlich viel hochkarätiges oder wenigstens recht hörbares Material. Am Ende sind es wohl wirklich die persönlichen Vorlieben, die über Kauf oder Nichtkauf entscheiden. Exklusives oder gar Informatives bietet dieser Sampler jedenfalls nicht. (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 15.07.2011 | Homepage: http://www.dansemacabre-group.com

 
 
 


Sol Invistus „In The Rain”
„In the Rain“ heißt das 1995 erschienene Album von SOL INVICTUS und dass es im Sommer 2011 wiederveröffentlicht wird, passt wettertechnisch wie Arsch auf Eimer. Kommt es einem doch an gefühlten 3 von 4 Tagen so vor, als stünde man mitten im Regen. Aber - und hier wendet sich unsere winzige Realsatire zum Guten - das ist das passende Wetter für diese CD! Die musikalische Romantik, die Wakeford & Co. auf ihrem Frühwerk bieten, verlangt förmlich danach, sich zuhause einzuschließen und die Welt draußen Welt sein zu lassen. Lyrics und Stimme, Gitarre und Cello, Piano und Keyboards, Violinen und Bass, Drums und Percussion, alle Einzelkomponenten gehen auf „In the Rain“ eine beinahe perfekte Symbiose ein. So nahe an Perfektion, dass nicht wenige sagen, dies sei Sol Invictus´ bestes Album. - Die Neuauflage gibt’s im auf 700 Stck. limitierten Digipak mit neuem Artwork und zwei Bonus-Tracks („Hedda Gabbler“, „Did You See“). (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach | VÖ: 08.07.2011 | Homepage: http://www.facebook.com/solinvictus.official

 
 
 


Solar Fake „Frontiers”
Über die Jahre hat Sven Friedrich eindrucksvoll bewiesen, dass man mit seinem Namen eine der besten Stimmen des Dunkelrocks sowie ein Gespür für großartige Melodien assoziieren muss. Auch mit seinem elektronischen Solo-Projekt und dessen zweitem Langspieler macht er diesem Ruf nun wieder alle Ehre. Erneut präsentiert er ein musikalisch sehr breit gefächertes Spektrum. Sanfte Klänge, treibende Rhythmen, trancige Flächen oder aggressive Noise-Attacken – beim Hören darf man mit all dem rechnen. Grenzen gibt es - titelgerecht – keine. Alles wird mal probiert und am Ende mit Bedacht und technischem Können ins Klanguniversum integriert. Sei es Sehnen, sei es Wut, sei es die Lust am Leben oder die pure Verzweiflung. Als Hörer hat man beste Chancen sich in diesem Album und seinen Stimmungen wiederzufinden und verstanden zu fühlen. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 22.07.2011 | Homepage: http://www.solarfake.de/

 
 
 


Unitary „Safe From harm”
Safe from harm… der Name ist Programm! An der Produktion ist nichts zu ruckeln und die Arrangements passen sauber zusammen. Die drei Uptempo-Nummern könnten vielleicht sogar in dem einen oder anderen Club zum Einsatz kommen, wenn da nicht der eher kärgliche Rest des Albums wäre. So wie die Titel „Travesty“ und „Renitent“ sich mit Stücken aus dem Hause Apop oder Neuroticfish messen lassen, so belanglos gestaltet sich der Rest der insgesamt 12 Songs. Monoton und aalglatt plätschern vor allem die Downtempo-Nummern vor sich hin. Die A Moll-Taste den kompletten Song über festhalten und den Gater einschalten zeugt nicht zwingend von Genialität. Auch die weiteren Artgenossen des neuen Release dümpeln eher halbherzig vor sich hin. Zeitweise ist man sich als Hörer nicht mal sicher in welchem Part eines Liedes man gerade steckt. Breaks, Bridges oder ein gekonnter Akkordwechsel ist unnötiger Zierrat und wird eigentlich auch total überbewertet. (Oliver Herwich)
Label: Infacted | VÖ: 29.07.2011 | Homepage: http://www.unitary.net

 
 
 


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Enter Shikari „Live From Planet Earth”
Nach zwei Studioalben erfreuen Enter Shikari die Fangemeinde mit einem massiven Zeugnis ihrer Live-Qualitäten. Das Paket besteht aus einer CD und zwei DVDs. Da im Verkaufspreis nur die CD berechnet ist, kann man getrost von einem sommerlichen Weihnachtsgeschenk sprechen. Vielleicht deshalb, weil das Konzert auf dem Audiosilberling zu just diesem Feiertage 2010 in Hatfield gespielt wurde. Natürlich beginnt eine Band, die für ihre einzigartige wilde Mixtur aus Hardcore Riffs und Trance Techno-Sounds bekannt ist, mit einem waschechten Festtags-Chor als Intro, bevor sie dann den Baum wackeln lässt. Dieses Album macht geil auf einen Konzertbesuch. Man möchte mitwippen beim Sprechgesang, mitgröhlen bei den Gesangslinien. Man möchte zum Gitarrenbrett moshen und sich von der verrückten Elektronik mitreißen lassen. Purer Spaß trifft auf kreatives Können. Was will man mehr und im September sind die Jungs auf Deutschland Tour. (Spider)
Label: Ambush Reality | VÖ: 22.07.2011 | Homepage: http://www.entershikari.com/

 
 
 


Camping im Keller „Suende EP”
Sommerzeit – Campingzeit... echt schlau von den beiden Kellerkindern Ron und Matt gerade jetzt 'ne neue EP rauszubringen. Zwar leider wieder nicht zum Anfassen, sondern nur digital, aber so kann sie immerhin nicht im Zeltlager verloren gehen. Mann, sind die pfiffig. Also, den digitalen Plattenteller angeworfen und los geht’s: Der Titelsong zieht sich gleich durch die Ohren bis in die Beinmuskulatur und brennt wie'n ABC-Pflaster. Das geht einem im Übrigen bei der kompletten EP so, die auch tatsächlich mal eine ist - nur immer anders. So bricht zum Beispiel „Armselig“ im Duett, inklusive Schmachtrefrain und 'ner Prise Punk, genauso aus dem losen Rahmen wie die Akustikversion von „Suende“. Aber auch die anderen 3 Songs haben darüber hinaus durchaus was Hörenswertes. Da kann man nur noch schön laut aufdrehen und 'n altes Extrabreit-Album zitieren: „Das grenzt schon an Musik“. (Daniel Theberath)
Label: iTunes/Amazon | VÖ: 29.07.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/kellercamping

 
 
 


Klive „Sweaty Psalms”
Der Isländer Ulfur Hansson lässt es mit seinem Solo-Projekt Klive ordentlich plätschern, knarren, blubbern und klappern. Es ist elektronische, dennoch organische Musik, die nach mehrmaligen Genuss in ihrer anfänglichen Verworrenheit allmählich Form bekommt. Verworren, weil in den Liedern so viel passiert. Es folgen Gesangsstimmen, die bei „Common Wealth“ an CocoRosie erinnern. Bei „Don't Give Up The Ghost“ hören wir kraftvolles Schlagen auf Töpfe, welches von einer aufgebrachten Menschenmenge vor dem isländischen Parlament performt wurde. So entwickelt dieses Album eine eigenartige Magie zwischen Zufriedenheit und innerer Aufgewühltheit. Hansson, der auch Live-Musiker bei Jónsi (Sigur Rós) ist, vermittelt hier viel Detailverliebtheit. Er hat es geschafft, die Musik aus ihren vorgegebenen Bahnen zu heben, um sie anschließend einer neuen Hörbarkeit zuzuführen. Ein Hochgenuss für audiophile Menschen, der mal wieder zeigt, dass Musik alles darf. (Sir Raze)
Label: Mille Plateaux | VÖ: 01.07.2011 | Homepage: http://myspace.com/kliveisklive

 
 
 



Architect „Upload Select Remix“ 
Wer sich ernsthaft mit elektronischer Musik beschäftigt und nicht mindestens drei qualifizierte Aussagen zu Daniel Myer machen kann, nun, der stelle sich jetzt mal in die Ecke und schäme sich! Denn Bands wie Haujobb, Destroid oder Architect muss man kennen, wenn man mitreden will. Nicht schämen dagegen muss sich Onkel Myer selbst: er hat mit letztgenanntem Projekt eine Scheibe am Start, die alles andere als Kindergeburtstag ist. Heqc, Andre Winter, Subheim, For A Space, Stendeck u.a. haben als Stargäste an der Remix-Party teilgenommen und mit ihren musikalischen Ergebnisse erste Sahne abgeliefert. Es scheint, als ob in 2011 alle mitfeiern wollen mit dem Mann, dessen Präsenz als Support von Alan Wilder's RECOIL-Tour ihn endlich dahin gebracht hat, wo er hingehört: auf den Thron deutscher Electronica. Punktabzug gibt’s lediglich dafür, dass keine neuen Stücke dabei sind – aber wann hätte er die auch einspielen sollen? (Pippi von Schnippi)
Label: Hymen | VÖ: 08.07.2011 | Homepage: http://www.architect-music.com/

 
 
 



Noyce™ „Past:Ique“ 
"Past:Ique" Vor 15 Jahren wurde Klon-Schaf Dolly gezüchtet, Deutschland war nach einem Golden Goal Europameister und alle Welt hat zu „Children“ von Robert Miles getanzt. Damals hat sich auch die Düsseldorfer Band Noyce™ zusammengefunden, und so wie vorige Fakts zeigen, dass seitdem viel Wasser den Rhein runtergeflossen ist, so war es für die NRW-Hauptstädter Zeit für eine Retrospektive der geleisteten Arbeit. Mit “past:ique”legen die Jungs um Sänger Florian Schäfer eine auf 1.000 Einheiten limitierte Zusammenstellung unveröffentlichter, remixter und nicht mehr erhältlicher Tracks vor, die für Fans ein Muss, für Liebhaber elektro-synthiger Klänge eine interessante Sammlungsergänzung und für Neuhörer einen guten Einsteig in die musikalische Welt der „Noycer“ darstellt. Die Songauswahl kann ebenso überzeugen wie das Mastering durch Olaf Wollschläger (Mesh, In Strict Confidence). Anspieltipps: Inschallah, Coma[tose], Comawalker, Clinical White Noise (Pippi von Schnippi)
Label: IN-D. | VÖ: 01.07.2011 | Homepage: http://www.noycetm.de/

 
 
 



Various Artists „Born /// Evolve /// Progress /// 3“ 
Das schwedische Label Progress Productions steht für handverlesene Qualitätserzeugnisse statt Massenware. So weckt eine gemischte Probierpackung der aktuellen Produkte eine gewisse Vorfreude. Zumal hier nur Frisches oder Rares in Songs und Remixen abgepackt wird. Der Auftakt mit den Post-Punk-Klängen von Henric de la Cour ist zwar überraschend, aber ganz hervorragend. Auch die folgenden fröhlichen Synth Popper von Kite überzeugen. Danach geht’s mit etwas biederen Electropop-Songs weiter. In diese Kategorie fällt für mich auch Covenants „Lightbringer“. Deren Single-Mitstreiter Necro Facility stellen dafür mit dem Remix von „Do you feel the same“ das Knallerbonbon der CD - dachte ich jedenfalls beim Lesen der Tracklist. Doch leider stellt sich dieser als lahme House-Ente dar. Alles in allem ist diese Werkschau ordentlich, aber stellenweise auch eine Mogelpackung, die mit Mommy Hurt My Head wenigstens so ordentlich aufhört, wie sie begonnen hatte. (Spider)
Label: Progress Prod. | VÖ: 06.07.2011 | Homepage: http://www.progress-productions.com/

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 


Christine plays Viola
„Innocent Awareness“
La vita e bella! Das dürften zumindest auch diese vier Jungs aus Italien denken, die uns mit schrammeligen Gitarren, einer wunderbaren tiefen Stimme, evokativen Klängen, trancig-einlullender Tanznahrung und dramatischer Melancholie einzunehmen wissen. Massimo (voice), der vorher bei OBLIVIO tätig war, Fabrizio (gui, progr), Desio (bass, sinth) und Daniele (drum, sinth) haben ihre etwas eigene Art, den Dark/ New Wave zu zelebrieren. Ein wenig Cure ist dabei, klar, aber auch etwas Neues, Waberndes, Herzliches. Wer die alten Sachen mag, die Stimme von She wants Revenge betörend findet,und sie in neuen Sphären wiederfinden will, ist hier genau richtig. Digital könnt ihr euch ein paar Häppchen als Vorgeschmack anhören, aber allein des Cover wegen würde ich die physische Variante schon bevorzugen, denn sie haben sich Gedanken gemacht - und das muss honoriert werden - oder nicht? Also, lasst die Viola weiterspielen! (Manuela Seiler)
Label: AF Music | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/christineplaysviola

 
 


Der Blutharsch and the infinite church of the leading hand + Aluk Todolo
„A Collaboration"
Ohne die Jungs mit dem kryptischen und vielfältig interpretierbaren Namen wäre die EBM-Kultur definitiv um eine Attraktion ärmer. Zehn Jahre lang haben sie ordentlich Wellen geschlagen und es hat dafür gereicht, dass sie auch noch zwanzig Jahre nach Auflösung der Band ein Gesprächsthema sind und in die Klassiker-Reihe des Infacted-Labels aufgenommen werden. Stilistisch kann man sie irgendwo zwischen Front 242 und The Neon Judgement ansiedeln, wobei ein ordentlicher Schuss Avantgarde addiert werden darf. In den Songs werden Botschaften proklamiert, der Rhythmus stampft ordentlich und über all dem weht eine oft schräge, meist kühle Brise. Dabei von Hits zu sprechen wäre wohl vermessen, aber Kultiges findet man dafür en masse. Es grenzt an Wahnsinn, aus all dem veröffentlichten und unveröffentlichten Material eine repräsentative Zusammenstellung zu extrahieren, aber hier ist dies bestens gelungen. (Torsten Pape)
Label: WKN | VÖ: 01.06.2011 | Homepage: http://www.derblutharsch.com/

 
 


Incite „Dare to Dance”
Wer sich schon immer mal gefragt hat, was passiert, wenn ADS’ler nächtelang Videospiele
durchkloppen, sich dabei von energetisch aufgeladenem Gummibärchensaft und Zuckerwürfeln ernähren und anschliessend eine Platte machen, der wird auf dem Album „Dare to Dance“ des hamburger Elektroprojekts incite/ die wahre Erleuchtung finden. Denn das nunmehr zweite Album der nordischen Soundstricker muss eindeutig nach einer solchen oder wahrscheinlich mehreren solchen Nächten entstanden sein. Anders kann ich mir diese abgefahren gute Mischung verschiedenster Klangelemente nicht erklären. 10 Songs, die in sich so ziehmlich alles vereinen, was Synthesizer und Drum Machine ausspuckten, dabei aber dennoch ein absolut stimmiges Klanbild ergeben. Vielleicht nicht unbedingt ein Album für den Club, definitiv aber ein Album um sich mal wieder den Dreck aus dem Mittelohr zu pusten. Also alle, denen bisher gehörtes zu ausgelutscht und deren Nachbarn scheinbar schon alles gewohnt sind, ran an incite/ und ran an „Dare to Dance“! (Frank Bentert)
Label: Hands | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.incite.fragmentedmedia.org

 
 
 


This Morn Omina „L'Unification Des Forces Opposantes”
Da ist es wieder, das Safri Duo des Industrials. Mit diesem Doppelalbum wird nun auch die Nyan-Trilogie abgeschlossen und das auf beeindruckende Art und Weise. Wie es der Titel bereits impliziert, vereinen sich natürlich auch die musikalischen Elemente, die auf den Vorgängern noch strikter voneinander getrennt waren. Die düsteren und bedrohlichen Klanglandschaften verschmelzen mit den typisch treibenden Electrorhythmen sowie den aufwühlenden Ethno-Drums und -Percussions. Schnell verfällt der Hörer in einen tranceartigen Zustand und das Bewusstsein lässt sich in andere Sphären treiben. All jenen, die auch die inhaltlichen Komponenten ergründen wollen, liefern allein die Songtitel, aber natürlich auch die Texte reichlich Ausgangspunkte. Hier verbirgt sich der Stoff wochenlanger spiritueller, historischer und religiöser Fortbildungen. Wie immer gelingt den Belgiern der Kunstgriff, gleichwohl Stoff für das Club-Publikum, wie auch die nach Tiefe und Klang suchenden Industrial-Freaks zu erschaffen. Bravo! (Torsten Pape)
Label: Ant-Zen | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.mikagoedrijk.be/

 
 
 


Steinkind „Etappe 011”
Was passiert meistens, wenn man sich auf ein anstehendes Album einer favorisierten Band freut? 1.) Es ist voll Kacke, 2.) Das angekündigte EBM-Album wird doch wieder nur Synthpop, oder 3.) Es erfüllt die Erwartungen. Im Falle von Steinkind werden diese sogar noch durch Elemente getoppt, die man nicht erwartet hat, aber funzen. 12 Smasher (inkl. Intro), die nicht ohne weiteres dem Electro zugeordnet werden können. Die Songs wildern in verschiedenen Stilarten, nicht ohne doch immer Steinkind zu sein. Und die Hymne der inneren (Un)Ruhe „Weil nur hier oben“ wäre mit Sicherheit der richtige Kandidat für den Grand Prix gewesen - hätte die olle Lena weggeputzt. Zudem noch erwähnenswert ist, dass in der schönen Tradition der flotten Pop(p)lieder, auch Rita nichts an dem fehlt, was nicht auch Larissa und Raul schon hatten. (Daniel Theberath)
Label: Fubak | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.steinkind.com

 
 
 


Nullvektor „I Walk Alone”
Aus dem Grundkurs Mathe wissen wir doch alle: „Der Nullvektor ist eindeutig – es gibt keine zwei Nullvektoren im gleichen Raum“ Ebendies gilt auch im musischen Sinne. Stilsicher zwischen den Welten des Techno und des gepflegten Krachs liegt der Nullvektor fest verankert. Bewegungsfordernder Rhytmic Noise wechselt spielerisch mit Dub und Ambientelementen – wobei die härtere Gangart gnadenlos dominiert. Warum Track 4 allerdings „4 Liter Ouzo“ heißt und wie eine sehr freie Interpretation des Tetris-Themas klingt, weiß der Schöpfer wohl nur selbst – vielleicht ist es einfach Stefans Beitrag zur griechischen Wirtschaftsförderung. Es scheppert und knarzt, das es eine wahre Freude ist. Durchdachte Beats, treibende Tempi und knackige Hooklines ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Stücke und die LFO’s werden bis zum letzten beansprucht. Es ist höchste Zeit für eine „Kühlgestellte Sinneswahrnehmung“ Jammas! (Oliver Herwich)
Label: Hands | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.bodyfunk.de

 
 
 


Felix Marc „Parallel Worlds”
Es ist schon beeindruckend, wie der Felix in den letzten drei Jahren die kreativen Pausen zwischen Frozen Plasma und Diorama genutzt hat. Sein zweites Solo-Werk ist so ein formidables Album geworden, dass es zum einen bestens unterhält, die Spielzeit aber auch wie im Fluge vergehen lässt. Der musikalische Bogen spannt sich dabei von faszinierenden Melodien und 80er Jahre-Stilistiken bis hin zu feinsten Synthiepop- und Electrostrukturen. Der Weg wird dabei von Ohrwürmern, lesenswerten Texten, einem stets gefühlvollen und angenehmem Gesang sowie einem tollen Layout gesäumt. Hier stimmt einfach alles und Hits wie „Repair“, „The muse“ (tolles Video!), „Modern talking“, „The garden of light“ und „Ghost“ (mein absoluter Favorit) sollten in vielen Welten funktionieren und die Zeit überdauern. (Torsten Pape)
Label: Infacted Recordings | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.felixmarc.de

 
 
 


Doktryn „All U Need Is Love”
Wenn das erste Sample in einem Song die Worte ‘Fuckers’ und ‚Screwheads’ enthält, kann die Botschaft „All u need is love“ nicht ganz so positiv gemeint sein. Wenn dann auch noch dunkle und wabernde Electroklänge sowie teils schleppende bis treibende Rhythmen ins Spiel kommen, ist das Blumenkind endgültig verreckt und der modrige, schmerzhafte Keller der verrucht-wütenden Liebe hat die Pforten geöffnet. Die vier Tracks dieser Download-EP klingen bedrohlich und angriffslustig und sie verbinden Tradition und Moderne auf meist stimmige Art und Weise. Die Band kommt aus Frankreich, klingt oft belgisch, findet Inspiration im Black Metal und verwendet englischsprachige Filmsamples. Ist doch mal ein Ansatz, aber in Sachen Umsetzung auch noch Luft nach oben. (Torsten Pape)
Label: Doktryn Himself | VÖ: 29.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/doktrynparis

 
 
 


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Faun „Eden”
Unter der Erde brennt ein ewiges Feuer, ohne dass es jahrhundertelang je erkannt wird. Man kann sogar auf ihr ganze Dörfer bauen – bis man sich wundert, dass sie eines Tages nachgibt und alles in einem wunderschönen Licht des Infernos verschlingt – so schlummert die Unvollkommenheit Adams in uns. Auf ihrem neuen Konzept-Album, das beinahe vier Jahre lang auf sich warten ließ, thematisiert das Münchener Mittelalter-Ensemble den Garten Eden in all seinen Facetten, musikalisch wie kulturell wie mythologisch. Mit großem Fein – und Klanggefühl besticht die Band auf Anhieb, lädt nicht nur den Zeitgeist auf die Reise ins alte Rom ein, sondern läßt alte Bekanntschaften entstauben und zu neuem Glanz erstrahlen. Für eingefleischte Fans gibt’s es noch ein Sahnehäubchen obendrauf: alles erscheint in einer Deluxe-Edition mit Digipack im Schuber und 70-seitigem Artbook mit interessamtem Hintergrundwissen zu Songs, Texten, Entstehung, Erklärungen, Illustrationen etc. Wenn das mal nix ist! (Manuela Seiler)
Label: Screaming Banshee | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.faune.de

 
 
 



John Maus „We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves“ 
Bei den Alben von John Maus hat man immer das Gefühl einer alten Demokassette aus den 80ern zu lauschen. Die Synthie-Sounds scheinen wenig bis gar nicht nachbearbeitet worden zu sein und der Hall in seiner Stimme scheint unendlich. Für jeden Tontechniker die Hölle auf Erden. Auch bei seinem neuen Album liefert Maus ähnliches Resultat. Musikalisch überzeugt dieser Mann ganz klar durch sein Können. Seine Lieder liegen irgendwo zwischen Minimal-Synth und Post Punk. Sie besitzen Seele, auch wenn sie kaum die Länge von 3 Minuten überschreiten. Ein Hauch von Italo-Disco liegt in der Luft, wenn „Head For The Country“ oder „Keep Pushing On“ erklingen. Und wer bisher dachte, man könne zu einem Lied mit dem Titel „Cop Killer“ nicht schmusen, der kann sich hier eines Besseren belehren lassen. So hat der Chairlift-Keyboarder und ex-Panda Bear Maus mal wieder hervorragende Arbeit abgeliefert, welche nicht nur den Nostalgikern gefallen dürfte. (Sir Raze)
Label: Upset The Rhythm | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.mausspace.com


 
 
 



Andreas Dorau „Todesmelodien“ 
Keine Sorge, Andreas Dorau macht nicht auf Düsterpop, auch wenn der Name des Albums es andeuten könnte. Schon beim ersten Ton ist es ein unverkennbar typisches Dorau-Album. Seine Stimme hat noch immer diese Tonlage, als würde er einem Baby oder der Muschi von nebenan etwas vorsingen. Also irgendwo zwischen niedlich und grenzdebil. Die „Todesmelodien“ sind von dem Electro-Duo Die Vögel komponiert worden und verfügen über diesen fiesen Ohrwurmcharakter. Ihr wisst schon, wie der eines Kinderliedes, was sich hartnäckig in der Erinnerung hält. Ich weiss immer nicht, ob ich die Künstler für solche Lieder lieben oder hassen soll. Bei Dorau tendiere ich jedoch zum lieben. Und da Liebe keinem Land, sondern ausschließlich Personen zuteil werden sollte, nahm sich Dorau bei „Schwarz, Rot, Gold“ die Stereo Total - Fronteuse Françoise Cactus als Gastsängerin. So entwickelt sich das Album von Lied zu Lied zu einem entzückenden, künstlerisch anspruchsvollen 8. Akt in der unheilvertreibenden Geschichtenwelt des Andreas Dorau. (Sir Raze)
Label: Staatsakt | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.architect-music.com/

 
 
 



Dekad „New Religion” 
Nach dem grandiosen „So sorry” bekommt nun der Albumopener seine digitale Single-Chance. Nimmt einen das Original gefangen, kann der hier eröffnende Alternative Mix leider nicht überzeugen. Die einzigartige Kombination aus Durchschlagskraft und Wärme geht in der neuen Form fast vollkommen verloren. Da ist der Ansatz der Version von Buddha in Trouble schon vielversprechender. Hier werden nämlich die Akustikgitarre sowie sanfte Synthie-/Streichertupfer ausgepackt und die zarte Komponente – immerhin ist „New religion” eine Ode an den Nachwuchs von Herrn Lacassagne – kommt grandios zur Geltung. Als Bonus gibt es weiterhin das bekannte „Don't try” - hier: Neutralised by Neutral Lies, das etwas verspielter wirkt. Die zweite Stimme ist zudem eine nette Idee. Der vierte und neue Song „Ordinary love” hätte das Zeug zum Sommerhit gehabt, hüllt sich jedoch in einen unauffälligen, grauen Mantel. Hier wurde viel Potential verschenkt. Schade. (Torsten Pape)
Label: Boredom | VÖ: 27.06.2011 | Homepage: http://www.dekad.online.fr/

 
 
 



Distain „Why (Bootlicking Hypocrites)” 
Mit diesem Song koppeln die beiden Synthiepopper auf digitale Weise eine sehr beschwingte Komposition und einen der Ohrwürmer des aktuellen Albums aus. Da lauscht man doch gern und gespannt den verschiedenen Versionen. Der Laux Remix stampft gemütlich seine Runden und es werden ein paar zusätzliche Effekte durch die Kanäle gejagt. Den Discoglam by Elmodic tanzt man im Folgenden gern und zackig mit, obwohl der The Talion Law Perhaps Mix durch seine gleichförmigen Beats sogar noch mehr Tanzalarm verbreitet. Als Krönung der Single gibt es zwei vollkommen neue Songs auf die Ohren. „White shadow” überzeugt durch bombastische Pauken(?)sounds, gediegene Atmosphäre und einen zweisprachigen, schönen Text. „Instructed by the devil” im SD Mix kommt zum Abschluss kurz, knackig und electro-affin daher. Super! Fazit: Tolle Songs, nix vermixt und ganz viel Exklusives! (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://distain.de

 
 
 



Emmon „Nomme” 
Ein Silberling in einer schlicht gestalteten Hülle präsentiert uns die Schwedin Emma Nylén, die unter dem Projektnamen Emmon musiziert. Legt man diesen in die Musikanlage und drückt auf Start, vernimmt man einige minimalistische elektronische Töne und denkt sich: Ok, mal wieder ein Werk, das mehr Kult als Können ist. Just in diesem Moment setzen gleich einer Sinnesexplosion die Beats und Melodien ein und alles ist Disco. Man springt auf und hofft, dass man ein paar gewagte Moves hinbekommt, während man sich von Emmas Stimme leiten lässt, die gleichermaßen zuckersüß als auch kühl betörend ist. Wie schafft es dieses skandinavische Völkchen nur immer wieder gleichzeitig so herrlich poppig und charakteristisch zu sein? Vielleicht kommt's von dem leichten Schuss Melancholie, der stets beigefügt wird und so lebensnah ist. Wer ist nicht schon mal morgens auf dem Flur aufgewacht und hat seine Sorgen im „Ghost dance“ abgeschüttelt. (Spider)
Label: Wonderland | VÖ: 07.06.2011 | Homepage: http://www.emmon.se

 
 
 


Krystal System „Nuclear” 
Was für ein Cover! Erinnert sofort an 80er-Platten. Leider an die der schlechten Sorte: grossformatiges Foto vom Interpreten, genau wie bei Phil Collins, Marius Müller-Grönemeyer und anderen grauenhaften Vertretern der Popkultur. Eingeschüchtert frage ich mich, ob's auch so klingt?! Glücklicherweise fliegt einem hier aber ein Album um die Ohren, das den Hintern mit Tabasco pudert. Unterschiedlich unterhaltsam ist's auch noch. So klingt „Le Chaos“ im „Radio Edit“ als ob Marilyn Männchen zu viel Kreide gefressen hat, während „Automatic Ideology“ mit Streifenleggins und Lederjacke daherkommt. Nur taucht leider mein altes Problem wieder auf. Nach dem Album bleibt nix ausser Rauschen im Ohr, obwohl das Hören desselbigen immer wieder Spass macht... seltsam! Und zu einer Erkenntnis bin ich am Schluss dann doch noch gekommen: Die Vielzahl der Künstler, an die man auf diesem Album erinnert wird, hätten auf dem Albumcover sowieso keinen Platz gehabt. So gesehen ist es dann doch schon wieder cool. (Daniel Theberath)
Label: Alfa Matrix | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/krystalfoundation

 
 
 


Siva Six „The Twin Moons”
Mit der Harsh Electro-Brause von Siva Six ist es ein bisschen wie mit dem Sixpack Bier: Eigentlich hat man dieses Gesöff schon bis zum Abwinken in sich hinein geschüttet, schmecken tut es aber trotzdem immer wieder. Und dieses Scheibchen ist alles andere als schal. Die Jungs brauen strikt nach Reinheitsgebot mit harten, schnellen Beats, pulsierenden Synth-Sequenzen und aggressiven Gesang. Doch die Stammwürze variiert mit prickelnden Ideen, wie zB. mal ein paar fette mystische Orchestersounds. Für die Becks Gold-Trinker mit den bunten Plastik-Zöpfen gibt’s ab und an einen reinen Hüpf Track. Für Zuhause hat man dafür glücklicherweise die Fernbedienung in Reichweite der Couch. Mir haben es mehr die psychedelischen Düster-Nummern des Albums angetan, die mit kalten Händchen präsentiert werden. Danach gönne ich mir durchaus auch mal schwüle Gefühle zu Klischee Stompern wie „Serpent Whore“. (Spider)
Label: Alfa Matrix | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/sivasix

 
 
 


Haujobb „Dead Market”
„Manipulate the puls“ singt der Myer, aber weiß er, was er damit auslöst? Herzinfarktartige Freudenkrämpfe bei der Ankündigung, dass Haujobb zurückkehren, und nun diese EP, die meinen Herz-Kreislauf-Rhythmus KO schlägt. Schon die Originalversion von „Dead Market“ knackt, knarzt und elektronisiert, dass es zum Puls-Stakkato reicht. Und jeder beteiligte Remixer schafft es, dem großartigen Original eine eigene Note zu verleihen. Hervorzuheben insbesondere Nomenklatür, die es mit ihrer Version auf hoffentlich jede Electro-Club-Tanzfläche dieser Welt schaffen. Als finalen Kreislaufanreger haben Myer und Samardzic die Nightmare-Version von „Letting The Demons Sleep“ dazu gepackt, welche in leicht abgewandelter Form bereits auf dem Old School Electrology-Sampler erschienen ist. „Dead Market” ist eine Elektro-Bombe und hinterlässt das Gefühl, dass ich zum Album-Release besser einen persönlichen Zivi bereithalte, der die Freudentränchen aus dem Gesicht wischt und die vor Aufregung vollgemachten Windeln rechtzeitig wechselt. (Pippi von Schnippi)

Eigentlich ganz schön doof. Da kehrt Haujobb zurück ins Musik-Business und der Markt ist tot. Doch mit ihrer neuen EP packen sie den Bullen bei den Hörnern und pusten ihm neue Lebenskraft in die Backen. Die rote Linie ihres letzten Albums „Vertical Theory“ wird beibehalten und konsequent verfeinert. „Dead market“ ist ein schmissiger Song mit wuchtigem Basslauf und vielen Soundexperimenten, die begeistern, ohne von der Hook abzulenken und sich schnell und beständig ins Langzeitgedächtnis fräsen. Ungewöhnlich und eine Rarität auf EPs ist, dass hier kein einziger Remix enttäuscht. Im Gegenteil: sie beleuchten alle grandios die verschiedenen Facetten des Stücks. Selbst die mir sonst so verhasste Dub Variante ist hier richtig groovig. Aber besonders begeistert mich die filigrane Soundkitzelei von Absolute Body Control. Haujobb brechen zum Marsch auf und wir werden ihnen alle folgen! (Spider)

Komplexe Kälte - Vielfalt der Klänge – Bladerunner-Atmosphäre. Haujobb melden sich mit einem gewaltigen Paukenschlag zurück. Alles ist wie gewohnt und wie gewohnt besser denn je. "Dead Market" ist eine Nummer, die sich zunächst sperrig, aber ebenso hartnäckig ihren Weg ins Hirn der Electrofetischisten bahnt und dort zusehends zum Hit mutiert. Die bandeigene Extended Version hilft dabei nicht unwesentlich mit und die vertretenen fünf Remixe bringen die Soundgewalt endgültig zur Kulmination. Mein Favorit stammt dabei von The Horrorist. Hier wird das Stück am beeindruckendsten mit spannenden Klängen sowie neuen Rhythmusstrukturen versehen. Aber auch Exes, Nomenklatür, Absolute Body Control und Paul Kendall liefern erstklassigen Stoff ab. Kein Wunder, sie mussten ja über den Prüfstand der Electrogötter. Die knochentrockene Nightmare-Version von "Letting the demons sleep" komplettiert perfekt diesen schmackhaften Appetithappen auf das anstehende Album Ende September. (Torsten Pape)

Video: http://www.youtube.com/watch?v=KUOeibCly70
Info: Erscheint auch als Premium Edition mit Special Outer Packaging, Aufnäher und Outdoor-Sticker: http://Hau-Shop.com
Label: Zweieck / Basic Unit Prod. | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://haujobb-music.com

 
 
 


Patenbrigade: Wolff „Der Schallplattenunterhalter”
Da sind sie wieder, unsere Lieblingskollegen, und erneut haben sie Wahnwitz und Ostalgie, aber auch - wie gewohnt - musikalische Finesse im Gepäck. Die Sprachsamples der VoPos, ABVs oder IMs wirken geradezu irrsinnig und man mag kaum glauben, dass man mit solchen Hirnamputierten im gleichen Käfig gelebt und sich nicht angesteckt hat. Da ist es doch schön, beim „Tele Lotto” auf eine seltsame Weise Heimatgefühle zu entwickeln, obwohl man damals doch noch gar nicht spielberechtigt war. Zwischendurch wird dem Hörer noch ins Hirn gestanzt, dass der Brigadier Bier trinkt, nur um am Ende vor den „Blauen Fliesen” zu sitzen und entspannten Wohlfühlklängen zu lauschen. Je nach Medikation schafft man es so noch vor Löschen des Lichts die liebevollen Details auf der Hülle der Quartett-, äh Quintett-Single zu lesen, bevor man sanft in Träume von bildhübschen SPUs entgleitet. (Torsten Pape)

In meiner dörflichen Schule in Süddeutschland lernte ich als Kind, dass es in der DDR absolut keine Vergnügungen gab. Nun lehrt mich die Patenbrigade: Wolff, dass dies Bockmist ist! Es gab die begnadeten Schallplattenunterhalter, zu denen nicht nur der Brigadier am Feierabend gerne zu frischen Technobeats über die Tanzfläche steppte. Natürlich trank er dabei Bier, das aber am liebsten zu harter EBM-Mugge. Die Tanzveranstaltungen waren legendär. Und lange bevor die Obrigkeit soziale Netzwerk-Partys fürchtete, trieben die sozialistischen Delirium-Tanz-Vergnügen ihr Unwesen gegen die Staatssicherheit, während der brave Bürger zuhause auf ein Tele Lotto-Gewinn hoffte. Ich habe also einiges gelernt. Nur ob der Genuss von Vita Cola mit Fit Spülmittel das Betrachten von blauen Fliesen sphärischer gestaltet - das muss ich im Selbstversuch noch testen. (Spider)
Info: Erscheint nur als limitierte Edition (500 Stück) im 18 x 18 cm DDR-Retro 7" Vinyl-Design: http://Patenbrigade.com/Shop
Label: Zweieck Recordings | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://Patenbrigade.com/

 
 
 


Proyecto Mirage „Slaves Of Capital”
Es ist wahrlich kein Trugbild. Wir sind alle Sklaven des Kapitals. Der Industrial der alten Schule setzt daher auf absolute Nicht-Kommerzialität seiner Produkte. Zugegeben, die neue Generation von Proyecto Mirage klingt auch nicht massentauglich. Allerdings gehöre ich zu dem Teil der Masse, dem ein ständiger Loop an Breakbeats oder ein gleichförmiger Technobeat eher an den Nerven zerrt. So versetzt mich dieses Album nicht in helle Begeisterung, auch wenn mir die Noise-Elemente und der verzerrte weibliche Gesang wie bei „The blade of god“ zusagen. Ein wenig erstaunt es mich schon, dass die revolutionäre Message des Albumtitels als reines Tanzfutter verarbeitet wird. Aber es scheint bei diesem Werk mehr um den Sound zu gehen, als um eine rote Linie. So tauchte in der Mitte plötzlich die alleinstehende smoothe Minimalnummer „Flexitrack“ auf. Als Fazit bleibt: Zu technoid und zerissen für meinen Geschmack. (Spider)
Label: Ant-Zen | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.proyecto-mirage.com

 
 
 


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Matt Howden „Robot World (O.S.T.)"
Die magische Geige von Matt hat eine neue Aufgabe. Diesmal nicht in heidnischen Gefilden, wie bei seinem Projekt Sieben, oder als Gast bei Sol Invictus, nein, sie hilft bei der Instrumentierung eines Dokumentarfilms über den Werdegang von Robotern. Es ist nicht ganz einfach etwas über einen Soundtrack zu schreiben, wenn man den Film noch nicht gesehen hat. Die Musik an sich ist wunderschön. Die träumerische Violine wird in atmosphärische Loops gepackt und von einem dezenten Piano-Spiel umrahmt. Dabei kommen mir nicht unbedingt stählerne und technoide Wesen in den Sinn. Aber in dem Film geht es um Evolution, vom mechanischen Somnabulisten bis zum autonomen Sensorium. Und dazu scheint die Musik perfekt zu passen. Bis zum Erscheinen des Films wird diese CD mich sicher noch einige Male auf der Couch erfreuen. Ob ich dabei immer an metallische Greifarme denke, weiß ich nicht. Ich werde aber sicherlich sehr entspannt sein. (Spider)
Label: Redroom | VÖ: 06.06.2011 | Homepage: http://www.matthowden.com/

 
 
 


Depeche Mode „Remixes 2: 81-11 (Box Set)”
Nachdem das letzte Album samt Tour und DVD dazu nun schon wieder etwas her ist, giert der Fan an sich schon wieder danach, seine ersparten Kröten im unersättlichen Depeche Mode-Schlund zu entsorgen. Dafür gibt’s ne Remix-CD in allen Variationen. Ich bespreche hier mal die vollständige 3 CD-Variante (es gibt auch noch eine einzelne CD mit einer Auswahl der „Kostbarkeiten“). Ich komme nicht umhin, mit ein paar grauseligen House-Zerstückelungen meiner geliebten Originale im Kopf, vom Rip off zu sprechen. CD 1 wartet nur mit den bereits bekannten Highlights von Stargate, M83 und U.N.K.L.E. auf. CD 2 zielt dann mehr auf die Mitte Techno-Kids. Man erkennt die Originale noch, aber die Tiefe der Songs wurde durch hippen Sound ersetzt. Schnell die Tür wieder zu und die Leute mit ihren Caipirinhas nicht stören. Auf CD 3 wartet dann Vince Clarke mit seiner Version von „Behind the wheel“. Mit schallenden Trompeten angekündigt, aber laaaaaaaangweilig. Besser macht es Ex-DeMo Kollege Alan Wilder, der „In Chains“ zu einem hypnotischen Recoil-Stück umwandelt. Insgesamt sind die ruhigen Remixe die ganz klaren Gewinner der CD. Neben bereits genannten vor allem die Varianten von „When the body speaks“ und „Puppets“. Dennoch bleibt als nüchternes Fazit: Diese Box erfreut nur die Sammler und Tonstudio-Fanatiker. Der simple Hörer und Musikliebhaber bleibt klar auf der Strecke. (Spider)
Label: Mute | VÖ: 03.06.2011 | Homepage: http://www.depechemode.de

 
 
 


Die Funkhausgruppe „Mono-Poly”
„Minimal“ mal von einer Big Band präsentiert. Schließlich treten sich für die Funkhausgruppe die Mitglieder von Hertzinfarkt, Sonnenbrandt, Die Perlen und Welle Erdball auf die Füße. Doch eigentlich wirft man sich nur das Mikro zu. Musikalisch gleicht das Werk eher einem gemeinsamen Sampler der vier Projekte, als einer neuen Fusion. Damit pendelt die Qualität zwischen kreativen Höhenflügen, so rar wie der Sauerstoff auf dem Mount Everest, und grausamen Tiefen. Von fetzenden, perlenden Electropunk zu der ewig gleichen, analog sendenden Welle, mit komischen Texten, bis zu völlig banalem Schlager mit Hertzbrandt-Risiko. Und irgendwie klingt es so, als ob Blutengel auf LSD auch noch im Studio waren. Man sieht sich selbst als Reunion der Neuen Deutschen Welle - und das stimmt. Ein Hauch Genialität, ein Hauch Witzigkeit und einer ordentlichen Prise fremdschämen.(Spider)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.funkhausgruppe.de/

 
 
 


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The House Of Usher „Pandora's Box“
Wenn für die Gäste des Hauses Usher Pandora´s Büchse geöffnet wird, erwarten diese ein recht düsteres Gebräu kredenzt zu bekommen. Doch wie es so ist, in den alten Sagen: man sollte immer auf überraschende Wendungen gefasst sein. Denn nicht wenige der aktuellen Songs beinhalten relaxt groovende Drums, mit eher lichten Keyboard-Melodien und duftend kuschelweichen New Wave-Gitarren. Nur die Texte und deren Vortrag durch Jörg Kleudgen wandern nach wie vor stetig im Tal des dunklen Timbre. Mir läuft das Ganze sehr schmackhaft runter, denn das Bouquet bleibt schwer und ist typisch für die Band. Dazu sind die Kompositionen wesentlich fruchtiger als auf dem Vorgänger „Angst“, der mich nicht so vollständig berauschte wie dieses Werk. Natürlich freut sich die Leseratte in mir über die traditionell im Booklet abgedruckte Kurzgeschichte, welche, begleitend zu den Liedern, eine wohltuende, okkulte Ganzseelen-Massage bietet. (Spider)
Label: Equinoxe | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.the-house-of-usher.de/

 
 
 


Dismantled „The War Inside Me”
Was hab ich bittere Tränen über den Tod von Dismantled vergossen. Doch Gary Zon ist auferstanden, mit dem Handicap eines Krieges in sich. Und der brummt mit „Insecthead“ direkt ins Ohr. Mit all der brachialen Elektronik und all dem leidenschaftlichen Gesang, welches dieses Projekt so auszeichnet und abhebt. Mit (i´m a fucking) „Disease“ wird der wohlbekannte Leitspruch vertont. Was für eine willkommene Krankheit. Kalte Sequenzen, die einem in wohliges Schwitzen bringen und Texte, die den Schmerz und die Wut ausrotzen. Die Songs von Dismantled sind deutlich härter geworden, treten aber immer noch der Monotonie kräftig in den Arsch. Experimente scheut man nicht. So bietet „The bathroom floor“ musikalisch und textlich Diskussionsstoff, wenn zu scheppernden Beats vermeintlich über die Vorzüge von Drogenkonsum sinniert wird. Doch Vorsicht! Die Ausschweifungen von Dismantled sind stets vieldeutig und hintergründig und machen, im positiven Sinne, süchtig. (Spider)
Label: Dependent | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://dismantled.org/

 
 
 


Mina Harker „Bittersüß”
Sie ruft: „Ich hab’ nichts mehr zu verliern!“ Verlust und Wiedergeburt, Traurigkeit und Leere, Dunkelheit und Stille - alles ist bittersüß. Jeder Atem mag stechen, innere Zerrissenheit, Weglauftendenz, Erlösung ist so nah. Sie sieht ein weißes Licht. „Wach doch auf!“ War das erste Album noch sehr introvertiert und düster, nimmt dieses nun den Hörer bei der Hand, provoziert, umschmeichelt – verführt ihn. Es ist deutlich elektronischer, zeigt viel Liebe zum Detail (#3, #5) und hitverdächtig und tanzbeinschwingend ist der Titeltrack an die Front gestellt worden. Die bessere Produktion mag zum guten Klag und Hörgenuss noch das I-Tüpfelchen beigetragen haben - und ganz nebenbei gibt es noch eine Bonus-CD mit zwei exklusiven Songs und zwei Remixen. Ist das nicht bittersüß? (Manuela Seiler)
Label: Out Of Line | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.minaharker.com

 
 
 


Army Of The Universe „Mother Ignorance”
Armee des Universums – welch Größenwahn! Da hört man doch glatt noch ein bisschen genauer hin, ob die Mailänder Jungs es mit der Namensgebung nicht doch ein bisschen übertrieben haben. Versucht man sich zunächst noch am guten Imitieren der frühen NIN, kommen ab dem dritten Song neue Facetten ins Spiel. Geradlinige und fast schon freundliche Melodien werden nämlich ab sofort mit sägenden Gitarren und feschen, industriellen Klängen verschraubt. Das funktioniert erstaunlich gut und findet den Höhepunkt in einer strammen Björk-Adaption (“Army of me“). Den bandeigenen Höhepunkt stellt für meinen Geschmack dann „8 flowers“ dar, ein schwarzhumoriger Hit vom Feinsten. Wer so was produziert, darf auch größenwahnsinnig sein. Dreck trifft auf Glamour und eine 1A-Produktion aus dem Hause Chris Vrenna. (Torsten Pape)
Label: Metropolis | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/armyoftheuniverse

 
 
 


Atari Teenage Riot „Is This Hyperreal?”
Mehr als zehn Jahre sind seit dem letzten Atari Teenage Riot-Album vergangen. Erwartungsgemäß hat sich unsere Gesellschaft nicht zum Besseren gewandelt. So ist es erfreulich und notwendig, dass die drei Electro-Anarchos ihre Musik mal wieder als Waffe verwenden. Ihre wütenden Shouts hauen gibt’s ohne pathetisches Rumgelaber direkt auf die Glocke. Freiheit ist das Stichwort. Lasst Euch nicht von der Regierung und ihren Gesetzen für dumm verkaufen. Macht Euch außerdem frei von der virtuellen Realität und denkt selbst. Gleiches gilt für die Regeln des Musik-Business. Konsequent fahren sie ihre eigene Schiene. Diese besteht aus wilden Break Beats und Samples aus allem, was schön Krach macht. Die Sounds sind etwas greifbarer geworden und schaffen mehr musikalische Atmosphäre, wenn es nötig ist, auch mal ruhiger, wie beim Titeltrack „Ist his hyperreal?“. In diesem rufen sie zum revolutionären Marsch gen Bundestag. Keine Frage, ich bin dabei! (Spider)
Label: Digital Hardcore | VÖ: 17.06.2011 | Homepage: http://www.atari-teenage-riot.com/

 
 
 


Accessory „Underbeat”
Kann sich noch jemand an Out Of Line's Versuch ein neues Genre zu definieren erinnern? TBM = Techno Body Music hieß das damals und hat's nie über Vol.1 hinaus geschafft. Wenn man das dieser Tage erscheinende Accessory-Album hört, und sich plötzlich nicht mehr erinnert, was man gerade gekauft und in den Player gedrückt hat, könnte man denken, es gibt endlich einen zweiten Teil. Seltsamerweise waren Accessory auf dem Sampler gar nicht mit dabei. Jetzt haben sie ihren eigenen. Denn genauso kommt es rüber: wie ein Sampler. So abwechslungsreich das klingt, so verstörend kann es sein. Dennoch gibt es einige Electro/EBM-Stampfer wie auch Techno-Tracks, die überzeugen können. Allen voran das herausragende Johnny Cash-Cover „Folsom Prison Blues“ oder auch die Neuversion von „I Say Go“. Und für alle, die während des Hörens dann immer noch rätseln, welchen Sinn dieses Album hat, geben Accessory in den beiden deutschen Stücken den entscheidenen Hinweis: die Tanzfläche! (Daniel Theberath)
Label: Out Of Line | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/accessoryweb

 
 
 


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Hekate „Die Welt der dunklen Gärten
Freudige Überraschung als ich "Die Welt der dunklen Gärten" in den Player lege: beinahe poppige Töne tänzeln mir entgegen, luftig-leichte Akustikgitarren an melodischem Instrumentemix und der wohligen Stimme von Axel Menz. Der Opener „Byronic Hero“ holt den Hörer an einem Punkt ab, wo er sich gerne dem Zauber Hekates hin gibt. Und so geht es weiter, das Album mit dem schwermütigen Namen: leicht und locker fallen mir als Attribute zu Musik und wechselseitigem Gesang von Susanne Grosche und Axel Menz ein. Von der getragenen Schwermut früherer Jahre ist nicht mehr viel übrig. Stattdessen freudige Melancholie mit klassischen Elementen, orientalischen und Folk-Einflüssen. Textlich bleiben sich Hekate treu: ob Historie, Naturromantik oder Adaptionen klassischer Dichtung, deutsch und anspruchsvoll ist nach wie vor das Motto. Fans von Dead Can Dance können mit diesem Album nicht viel falsch machen. (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach Tonträger | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.hekate.info/

 
 
 


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Sol Invictus „The Cruellest Month
Mit Tony Wakeford, seines Zeichens Kopf und Herz und Fleisch von Sol Invictus, kehrt ein echtes Schwergewicht der Neofolk-Szene auf die Bühnen dieser Welt zurück. Nach langen sechs Jahren und dem zwischenzeitlich verkündeten Ende der Band (nach dem 2005er Album 'The Devil's Steed') legt er mit "The Cruellest Month" nicht nur irgendein Comeback-Album vor, sondern eines, das dem Begriff „Schwergewicht“ in musikalischer Form alle Ehre macht! Wir sprechen von 13 Songs, die alle Ecken, Kanten und Stärken Wakefords zum Vorschein kommen lassen: kämpferisch, melancholisch, schmerzhaft und textlich zynisch (wie fast immer) präsentiert sich der Engländer in Bestform. Und dabei macht er es dem Hörer nicht leicht: beim ersten Anhören erschließt sich das Album nicht, sondern braucht mehrere Anläufe, um seine volle Vielfalt zu präsentieren. Dann aber hängt es drin im Gehörgang, und hängt und hängt und... (Pippi von Schnippi)
Label: Auerbach Tonträger | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/solinvictushq

 
 
 


Compact Space „Nameless“
Anstatt Daves Wackelpopo zu bewundern, setzten sich die Depeche Mode-Gastmusiker Christian Eigner und Daryl Bamonte gemeinsam mit Sänger Florian Kraemmer auf ihre eigenen vier Buchstaben, um elf Synth Pop-Kosmen zu komponieren. Sie erschaffen sich ihre eigene Vorstellung eines Klanguniversums. Die verschlängelten Soundschnuppen werden von einer klar leuchtenden Melodiestraße zusammengehalten und der harmonische Gesang bringt nicht nur den Mann im Mond zum Lächeln. Wurmlöcher zu Parallel-Universen Richtung Basildon öffnen sich reichlich. Aber das Reisen durch diese birgt einen reinen Wohlfühlfaktor und ist keineswegs mit Plagiats-Bauchschmerzen verbunden. Ab und an erforscht man auch noch namenlose Welten, wenn man etwa einen „Lonely star“ wachrockt. Eine aufregende und intensive Odyssee durch warme synthetische Welten. (Spider)
Label: Ferryhouse Prod | VÖ: 24.06.2011 | Homepage: http://www.compactspaceworld.com

 
 




V.A. „Alfa Matrix Re:Covered vol. 2 – a tribute to Depeche Mode“
Ja ich weiß, der x-te Depeche Mode Cover-Sampler scheint ungefähr so interessant, wie die Hochzeit von Prinz William. Doch auf der Gästeliste dieser CD befinden sich teils versprechende Namen. Aber nicht nur Unter Null, Kant Kino und Leaether Strip waren vor der Feier einen heben und reihern ihre Varianten in den Champagnerkübel. Bis zum neunten Titel würde ich jede Kapelle von der Bühne prügeln bis Implant etwas „This is fun“ erzeugen. Die Bands mit guten Ansätzen, wie zB. Essence of Mind, scheinen ihre Einladung recht kurzfristig erhalten zu haben, mit etwas mehr Zeit wäre im Studio aus "Puppets" ein Electrorock-Kracher geworden. Selten gab es über eine Doppel-CD so wenig zu schreiben. Als bekennender Junggeselle und Fan der Jungs aus Basildon muß ich sagen: Hochzeiten und Depeche Mode-Cover-Sampler sind Rotz! (Spider)
Label: Alfa Matrix | VÖ: 10.06.2011 | Homepage: http://www.alfa-matrix.com/

 
 


Peter Murphy "Ninth"
Den obersten Bauhaus-Kurator Peter Murphy muss man der Fachwelt nicht detailliert vorstellen. Seine Verdienste an der Gothic- und Post-Punk-Kultur sind wohlbekannt und unbestritten. So kann er auf seinem neunten Werk auch völlig leger aufspielen. Das tut er dann auch. Mit einer gehörigen Hommage an seine musikalischen Anfangstage, bestehend aus psychedelischen 70er Rock und einer ordentlichen Portion New Wave. Die Songs sind lange nicht mehr so sphärisch wie auf den Vorgängerwerken. Doch die knackig auf den Punkt gebrachten und sehr treibenden Stücke fesseln den Hörer mit ihren Melodien nach wie vor. Natürlich ist auch dieses Werk von der charismatischen und ergreifenden Sangesstimme des nie alternden dunklem Herren geprägt. Das sich dessen Stimmung aber auch lichten kann, beweist er mit Titeln wie "Memory go", das sich als Clubklopfer in jeder anspruchsvollen Indiedisco eignet, oder der straighten Rocknummer "The prince old lady shade" (Spider)
Label: Nettwerk | VÖ: 06.06.2011 | Homepage: http://www.PeterMurphy.info
 
 


Kellermensch "Kellermensch"
Sechs Dänen laden zur Fete in den Keller- Mensch ! Da wird zu bretternden Gitarren über den Fußboden gesteppt und so mancher Aquavit gekippt. Die Wände beben von der Stampede der krachenden Musik, die gekonnt zwischen dreckigem Alternativrock und sauberen Indie Melodien wankt. Der Staub rieselt von der Decke und dringt geschmeidig in die Kehle von Sänger Sebastian Wolff, der seine Emotionen ins Mikrofon heult und seine Wut, in rauen Wolken, herausspuckt. Eine Feier mit viel lauter Euphorie und leisen Momenten, die man bis zum Morgengrauen genießt. So eilt herbei ihr Freunde handgemachter Musik, egal ob ihr sonst auf Metal-, Alternativ-, New Wave- oder Blues Partys schwooft, die Bowle hier hat alle Zutaten und viel Kellergeist. (Spider)
Label: Vertigo/Universal | VÖ: 03.06.2011 | Homepage: http://www.kellermensch.com
 
 

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Ikon "In The Shadow Of The Angel"
Vor sage und schreibe 17 Jahren erschien das Debüt der Aussies und enthält mindestens drei Evergreens, die bis heute im Liveset präsent sind: „Condemnation“, „Black roses“ und das kongeniale Death in June-Cover „Fall apart“ sind Klassiker des Gothic-Rocks (Post Punks?!?). Kraftvoll, mit sprödem Charme und viel Dunkelheit versehen, können jedoch auch alle anderen Kompositionen nach heutigen Maßstäben überzeugen (noch dazu in remasterter Form!). Auf der Bonus-CD finden sich Stücke der nur ein Jahr jüngeren Compilation „A moment in time“ sowie Songs von damaligen Singles. Meines Wissens nach kennt man drei der vier (angeblich) unveröffentlichten Tracks, aber allein das geniale – und dem Rezensenten wirklich unbekannte - „The unmarked grave“ lässt diese Ungereimtheit schnell vergessen. (Torsten Pape)

Zum zwanzigjährigen Bandjubiläum der australischen Wave Rocker Ikon wagen diese einen Blick zurück und veröffentlichen nochmals ihr Debüt Album. Das ist prima für alle Neueinsteiger in dieses Genre, denn dieses Werk ist ein Klassiker. Es ist gespickt mit Post Punk-Brechern und melancholischen Goth-Perlen. Kaum eine andere Band hat es so perfekt verstanden, die minimalen, kalten Elemente der Ära um Joy Division mit dem pathetischen Düsterrock der 90er zu einem eigenen unverwechselbaren Stil zu verbinden. Doch auch alle Schwarzkittel, die das Album bereits in ihrer Sammlung haben, sollten aufhorchen. Denn es enthält eine zweite CD. Gefüllt mit rarem und unveröffentlichten Material. Diese zeigt Ikon etwas von ihrer ungeschliffenen Seite, jedoch in ausgezeichneter Klangqualität. Die Songs dieses Albums führen direkt in nostalgische Erinnerungen an lange morbide Nächte und dichte Nebelschwaden über der Tanzfläche. (Spider)
Label: Echozone | VÖ: 03.06.2011 | Homepage: http://www.ikondomain.com

 
 

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Ikon "Flowers For The Gathering"
Das zweite Album der australischen Gothic-Band Ikon kann man ohne Zweifel als Klassiker bezeichnen. Es schlug nach dem dunklen, berauschenden Debüt eine filigrane Richtung ein, die teils akustische Songperlen hervorbrachte, ohne die kräftigen Gitarren über Bord zu werfen. Außerdem enthält es den ersten Song, den Chris McCarter, der spätere Sänger, schrieb und vortrug („In trust I return“). Auf der remasterten Neuauflage findet man zusätzlich alle Stücke der damaligen, limitierten Bonus-CD sowie die B-Seiten der großartigen Auskopplung „Life without end“, eine B-Seite der späteren Single „Subversion“, einen Track der „Dawn of the Ikonoclast“ und ein unveröffentlichtes, schönes Instrumental namens „The gathering“. Wer dieses Werk noch nicht besitzt, sollte sofort Einkaufen gehen! (Torsten Pape)

Dies ist der zweite Streich der Wiederveröffentlichungs-Geburtstagsparty von Ikon. Das erstmals 1996 veröffentlichte Album "Flowers for the gathering", remastered und mit Bonus CD. Fünf Jahre nach ihrem Erstling kehrte die Band zurück ins Studio, um ihren Hang zur Melancholie erneut zu vertonen. Diesmal jedoch mit veränderten Stilmitteln. Die düsteren Rockriffs wurden überwiegend durch zarte akustische Gitarrenklänge getauscht und es kamen Keyboards, für eine träumerische Hintergrundfläche, zum Einsatz. Dadurch bekam auch der Gesang eine wichtigere, tragendere Rolle. Auf dem zweiten Silberling findet man die B-Seiten diverser Eps dieser Zeit und Session-Material zum Album. Darin offenbart sich die ganze Qualität dieser Band. Denn diese Stücke sind genauso hörenswert. Ab und an werden auf diesen ein paar kleinere, abweichende Experimente gewagt. Man darf gespannt sein, was Ikon in Zukunft noch aus ihren Archiven zaubern. (Spider)
Label: Echozone | VÖ: 03.06.2011 | Homepage: http://www.ikondomain.com

 
 VÖ: Mai 2011    
 
 


Neon Judgement „Early Tapes”
Die Jungs von Neon Judgement sind entweder sehr Nostalgieversessen oder haben die Rechte an ihren Songs in der Vergangenheit an x Labels abgetreten. Jedenfalls wird man von ihnen mit CD-Historien regelrecht beschossen. Diesmal sind es die „Early Tapes“. Würde mir heutzutage eine unbekannte Band solch ein Tape in die Hand drücken. wäre ich begeistert von dieser genialen Minimalscheiße. Natürlich bin ich dies auch mit dem Wissen, dass dies mir die bereits bekannten Neon Judgement sind. Denn zweifellos waren und sind die Belgier große Künstler in diesem Genre. Doch in ihrem Fall greife ich eben dann doch auf die späteren CDs zurück, auf denen ich die wichtigsten Perlen in besserer Aufnahme Qualität vorfinde - ohne dass ihnen durch die Studioprozedur der Glanz abgeschliffen wurde. Allerdings mit dem Wunsch eine Zeitmaschine zu besitzen, um zu den Konzerten zu reisen, bei denen die Liveversion von „Schyzophrenic Freddy“ aufgenommen wurde. (Spider)
Label: Onderstroom | VÖ: 19.05.2011 | Homepage: http://www.theneonjudgement.com

 
 
 


Clan Of Xymox „The Darkesthour”
Trotz seiner Jahrzehnte umfassenden Bandgeschichte, gehört der Clan of Xymox nach wie vor zu den aktivsten Bands der schwarzen Szene. Kontinuierlich versorgt das Künstlerkollektiv um Ronny Morrings die Herrscharen von Fans, seit vielen Jahren mit Konzerten und bis ins Detail ausgeklügelten Plattenproduktionen. So auch 2011, mit ihrem neuen Album „The Darkesthour“. Dieses reiht sich qualitativ nahtlos in die CoX-Diskografie ein, weiß aber dennoch gekonnt zu überraschen. Ronny, Moica und Co. präsentieren sich hierauf gefühlt weniger düster und wavig als es der Albumtitel und frühere Veröffentlichungen vermuten lassen. Und auch Songs wie z.B. „She did not answer“ werden ihr Übriges dazu beitragen, den Clan endgültig aus der Nische heraus, auf den Dancefloors und in den Gehörgängen des dunkelelektronischen Publikums zu etablieren. Dennoch ist die textlich- und melodisch-filigrane Handschrift des Clans unverkennbar. Schwarz bleibt eben Schwarz und der Clan bleibt Hörgenuss, auch 2011. (Frank Bentert)
Label: Trisol | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.clanofxymox.com

 
 
 


Compilation „Forms of Hands 11”
Ein Label, ein Sampler, ein Kult! Und, es gibt einen neuen! Die Nummer 11 um genau zu sein. Spätestens an dieser Stelle werden all die Stroboskopfreaks und Brausepulverschniefer aufhören zu lesen, wissen sie doch was kommt ... natürlich ... denn der erste Satz sagt ja eigentlich schon alles. 12 Interpreten, 12 Tracks, von hart bis weich bis schräg bis richtig schräg, ist mal wieder alles dabei, was das ausgehungerte Elektroherz hoch, runter und auch in sämtliche andere Richtungen springen lässt. Anspieltipps? Eigentlich alles! Aber für die schmusigen unter Euch, die ein paar laute Stunden mit dem Schatz im Keller verbringen möchten, hier zwei Sahnestücke: Kritische Masse von Greyhound und Maschinenkrieger Kr52 vs. Disraptor mit Cold Shutdown. Wie sagten die Cowboys ... yeehaw! (Frank Bentert)
Label: Hands | VÖ: 06.05.2011 | Homepage: http://www.formsofhands.de/foh

 
 
 


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23 Trublion 23 „Chants et danses au temps de Graffen Walder”
Der Live-Trommler der französischen Experimental-Folker Gae Bolg hat für sein drittes Album im Vorfeld einen gewaltigen Schluck Selbstvertrauen getankt. So wird uns das beste Hippie Industrial Red Folk-Album aller Zeiten angekündigt. Nach einem Intro, das eher von Weinseeligen Gesängen geprägt ist, kann der Song „Le seigneur des mouches“ der großspurigen Ankündigung nicht wirklich folgen. Ein nettes Mitsumm-Folk-Stückchen mit ein paar schrillen Trompeten-Attacken zum Fußwippen. Was danach folgt ist durchaus solide und schmeichelt den Lauschern, setzt aber keine neuen revolutionären Akzente in diesem Genre. Zugegeben: die experimentellen Songs sind recht witzig; vor allem, was die klamaukartigen Gesangseinlagen und Chöre betrifft. Aber das kennt man eben auch schon von Gae Bolg, der hier neben vielen anderen Mitstreitern auch mitwirkt und auf seinen eigenen Alben dieses besondere Extra Epos besitzt, das diesem Werk etwas fehlt. Aber ne Flöte im Arsch wie auffem Cover ist irgendwie cool. (Spider)
Label: Le Cluricaun/Dark Vinyl | VÖ: 23.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/23trublion23

 
 
 


Homo Futura „Der neue Mensch”
Man kann nicht gerade behaupten, dass es zur Zeit besonders langweilig wäre im Funkhaus-Labor. Mit diesem Album wird nun aus einer Formel-Idee der letzten Jahre ein schäumendes Gebräu und ein anderes Präparat löst sich zischend auf. Hin und wieder wird eine gute Portion Welle:Erdball oder auch eine Neue Deutsche Welle beigemischt, wobei ordentlich analog piepsender Rauch entsteht, aber die brennende Scharfzüngigkeit nicht annähernd gelöscht wird. Eher wird sie noch von einem ordentlichen Schuss Das Ich genährt und wir lernen, dass die Kombination von Honig und Plastik manchmal sogar einen neuen Menschen erzeugen kann. Am Ende ergibt das ganz viel meist leckeren, giftig grünen Schleim, dessen pH-Wert jedoch leider nicht immer positiv ist. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.homo-futura.de/

 
 
 


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Skold „Anomie“ 
„Das Leben ist eine Reise“ - wohin führt sie Tim Skold? Von Kingpin zu Shotgun Messiah über KMFDM/MDFMK und Marilyn Manson und schließlich und zuletzt zu Skold selbst. Wohin bringt sie ihn, den Dämon in Engelsflügeln, den Abtrünnigen, der verloren nach dem rechten Wege sucht, der harte Soldat, dessen weicher Kern vor Hunger um Sicherheit knurrt und schreit? Anomie, der Gesetzlose zeigt das Dissoziative, das Deviante auf, verknüpft Vergangenes Schwaches mit Gegenwärtigem Fehlendem. Trancig, trashig, grotesk, coole Melodik und einmalige Gitarrenriffs – doch wohin führt die Reise nun? „Oculos eius dinumera sed noli voltum adspicere“ - zur Wahrheit? (Manuela Seiler)
Label: Dependent | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.skold.com

 
 
 



Austra „Feel It Break” 
Wer bereits Platten von The Knife oder Zola Jesus im Schrank stehen hat, wird das Debüt Album von Austra sicher nicht übers Knie brechen. Denn es schmeichelt mit luftigen synthetischen Pop-Melodien, die dank sanft eingebauter Quietschetöne und einer nicht zu angepassten und guten Sangesstimme niemals auf trivialen Pfaden wandeln. Damit landet Austra in der anspruchsvollen Schublade ohne bahnbrechend zu sein. Das Werk erreicht den Höhepunkt mit Dampf auf dem Kessel, wie bei den Stücken „The villain“ oder „The choke“, die es ansatzweise schaffen, ein bisschen aus der Gleichförmigkeit der Platte auszubrechen. Gerne beim nächsten Mal mit mehr als nur einer Prise Electro-Folk wie bei „Shoot the water“. Dieses Album hört sich wohl am Besten während einer entspannt geistigen Tätigkeit, denn die volle Konzentration, um in Ekstase darin aufzugehen, bedarf es nicht. Hier musiziert keine frustrierte Subkultur, sondern die sozial abgesicherte Avantgarde. (Spider)
Label: Domino | VÖ: 16.05.2011 | Homepage: http://www.austramusic.com

 
 
 


Hidden Place „Weather Station – Early Works” 
Keine so schlechte Idee, eine Kollektion früher Werke in Assoziation mit einer Wetter Station zu bringen. Schließlich gibt’s in jeder Karriere Hoch und Tiefs. So lange währt diese allerdings noch nicht. Die Band gründete sich erst 2004. Stilistisch sind sie aber durchaus zehn Jahre früher in der großen Zeit des Dark Wave anzusiedeln. Wie es sich für italienische Tastendrücker gehört, ist man deutlich durch Kirlian Camera beeinflusst, kommt aber nicht ganz so schwermütig daher. Denn ab und zu entlässt man ein paar flotte Dur-Hüpfer aus den Keyboards. Weitere Parallelen zu dem Vorbild sind der nicht immer tonsichere aber charismatische Gesang von Sängerin SaraLux. Die männlichen Kollegen tun sich bei der gelegentlichen Unterstützung noch schwerer. Sie sollten immer sprechen wie beim überzeugenden deutschen Titel „Helden“. Dieser glänzt außerdem mit dem Markenzeichen und großer Stärke des Albums: Sphäre, Sphäre und nochmals Sphäre. (Spider)
Label: Twilight | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/hiddenplaceitalia

 
 
 


Hidden Place „Fantasia Meccanica” 
Nach der Erstveröffentlichung 2008 brechen die Italiener Hidden Place mit diesem Re-Release zum zweiten Mal mit ihrer mechanischen Gerätschaft zu einer fantastischen Reise auf. Kennt man die frühen Demos der Band, klingt das technische Gerät deutlich aufgepeppt. Doch weder der New Age-lastige Instrumental Opener „Spazio zero“, noch das darauf folgende Synth Pop-Plätschern „Window still“ überzeugen. Die Band scheint zu diesem Debüt alle alten Ideen über Bord geworfen zu haben. Somit auch jede Menge Entdeckergeist und die Stärke atmosphärische Klangwelten zu schaffen. Geblieben ist der nicht immer überzeugende weibliche Gesang. Somit geht dieses Album relativ unspektakulär seinen Gang. Hat man sich mit „The Frozen Autumn“ auch eine herausragende Band des Genres zum Remixen geholt, lassen sich diese vom trägen Gesamtbild beim Werkeln anstecken. Und so kommt es wie es kommen muss: das Album geht einem zum Schluss hin auf den Zünder. (Spider)
Label: Twilight | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/hiddenplaceitalia

 
 
 


John Foxx And The Maths „Interplay”
Ein Album wie aus den 80ern, was die 42 Min. Spielzeit angeht. Stilistisch passt diese Formel allerdings nicht ganz. Ex-Ultravox Sänger John Foxx ist zwar eine Ikone aus dieser Zeit, er befindet sich auf diesem Album aber im Wechselspiel mit Ben „Benge“ Edwards, seines Zeichens elektronischer Komponist und Synthesizer-Sammler. So wabert die Musik auch recht zeitlos aus den Boxen. Von einfach gestrickten Popnummer, über kalte EBM-Einflüsse, bis zu unbequemen Experimental-Tracks ist alles dabei. Die Sounds sind teilweise sphärisch, teilweise wummern sie einem hart in die Magengrube. Der Gesang passt sich homogen der jeweiligen Stimmungslage an. Produktionstechnisch auf höchsten Niveau können die Kompositionen dieses Level nicht ganz halten, auch wenn diese durchaus überzeugen. Ein sehr berechnendes Album, das für Theoretiker ein Höhepunkt ist und die Gefühlsmenschen sanft am Bauch kitzelt. (Spider)
Label: Metamatic | VÖ: 09.05.2011 | Homepage: http://www.johnfoxxandthemaths.com

 
 
 


Captain Capa „Saved My Life”
Unerhört! Auf dem Cover von Captain Capa wird geknutscht. Oder ist es doch Mund zu Mund-Beatmung zur Lebensrettung? Ich weiß nur, würde ich am Strand röcheln, mit Salzwasser in den Lungen, hätte ich anstatt der Plastik-Titten von Pamela Anderson lieber ne Prise netten Plastik-Pop von den Jungs aus dem Kyffhäuser Wald. Die hilft nämlich prima schleunigst wieder fröhlich über den Strand zu hoppeln - die Lunge aufgepäppelt, mit einer Mixtur aus Electro, 80ies, Funk bis Punk und Indie. Auch mit ner ordentlichen Packung Mainstream fürs Arschgeweih – na und? Ich höre in diesem Metier lieber ne Band, die dass selbstbewusst beherrscht, als heulende Robben mit komischen Kinnbart. Lästige Discokugeln, die ab und an aufblitzen, werden  durch freakige Trasher wie „Yamaha Deathrays“ oder flotte Mitwipp-Smasher wie „Something that you wanted“ flugs wieder im Sande verbuddelt. Das ist ne Partyplatte, zu der ich meine Badehose über dem Kopf kreiseln lasse. (Spider)
Label: Audiolith | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://captaincapa.de/wordpress/

 
 
 


Haus Arafna „New York Rhapsody”
Es ist eine überraschende Tatsache, dass das aktuelle Album von Haus Arafna 2009 auf der Fashion week in New York zur Show von Katie Gallagher präsentiert wurde. Musikalisch wird nicht ganz so mit krachender Nähmaschine gearbeitet, wie man es von früheren Kollektionen gewohnt ist. Aber ich kann mir beim besten Willen keinen federnden Catwalk zu dem liebevollen Patchwork-Muster aus verzwickten Soundspielereien vorstellen - auch wenn mit „I did it for you“ oder „Heart beats blood flows“ tanzbarer Cold Wave-Stoff der alten Mode geschaffen wurde. Allerdings passen die im Booklet abgebildeten Models in ihren zeitgemäßen Varianten des kurzen Schwarzen perfekt zu der kühlen Atmosphäre des Albums, das einen gleichzeitig in warmes Moll einmummelt. Mrs. und Mr. Arafna haben ihre Anstalt verlassen, um ihre Kultur in den Zeitgeist zu bringen. Nicht ausschließlich zerstörend, aber für immer prägend. (Spider)
Label: Galakthorró | VÖ: 19.05.2011 | Homepage: http://www.hausarafna.de

 
 
 


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My Dying Bride „Evinta“
Ich habe mich heute schick gemacht für die Oper. Gespielt wird die sterbende Metal-Braut Evinta. Eine großartige Idee der Briten, ihre Stücke in diesem fragil-pompösen Gewand zu präsentieren. Denn diese haben schon im Original neben allem Gedeathe und Gedoome wunderschön-melancholische Melodien, die das Hühnerfell erzittern lassen. Und so kann die klassische Aufführung in der Instrumentierung nur als Geniestreich betrachtet werden. Die zarten Violinenläufe und fragilen Klavier-Töne, gebettet auf dunklen Keyboard Flächen, zerschmelzen mit dem klagenden Gesang und der beschwörenden Sprachdarbietung von Aaron Stainthorpe zu einer fantastischen Sinfonie, die nicht von dieser Welt scheint. Es ist konsequent, dass phasenweise eine echte Opern-Sängerin mitwirkt. Das schmälert meinen Hörgenuss etwas, denn ich komme an die Art dieses Gesangs einfach nicht ran. Doch wenn nach neun Akten der Vorhang fällt, ist dem Ensemble stürmischer Applaus gewiss.(Spider)
Label: Peaceville | VÖ: 24.05.2011 | Homepage: http://www.mydyingbride.org/

 
 
 


Effter „Bilateral 602”
Es gibt keine 602-Varianten des Begriffs Bilateral, aber man kann ihn, je nach Themengebiet, vielseitig gebrauchen. Abwechslungsreiche Klänge versprechen uns auch Effter. Sie legen mit „J.P.N.“ auch ordentlich los. Zackige Gitarrensamples treffen, eingebettet in perlende Elektronik, auf einen Bass, der in den Magen haut, während ein irrwitziger Gnom ins Mikrofon kreischt. „Godless“ betet diesen Mix etwas eingängiger aber noch erleuchtender. Über längere Distanz aber bleiben die Italiener in ihrem Konzept hängen, auch wenn versucht wird, durch Tempowechsel etwas Abwechslung zu schaffen. Doch ab Mitte des Albums landet man bei überwiegend langweiligen Soundtüfteleien. Ab und an blitzen zwar durchaus noch Genialitäten wie klassische Pianoläufe oder mitreißende Gitarrenbretter auf, aber vieles geht einem auch einfach auf den Sack. Zum Beispiel die penetranten Billig-Techno Drums. Teilweise lecker, aber zuviel Geschmacksverstärker. (Spider)
Label: Danse Macabre | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.effter.com

 
 
 


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The Spiritual Bat „Cruel Machine“
Och, was weint denn dat (B)engelchen auf dem Cover so? Hat Dich die Fledermaus erschreckt oder das Zeugnis ihrer grausamen Maschine? Musikalisch gibt’s jedenfalls nichts zum Betrauern. Die Gitarren jauchzen und heulen in bester Deathrock-Manier zu einem lässig gezupften Bass und die nette Rosy beschwört mit ihrem Gesang die wohlklingende Göttin aller Goten. Klar ist das nicht das neue große Ding, aber es ist eine angenehme Brise voller geliebter Klänge. Weil das Duo die melodienreiche Variante in ihrer Fledermaus Höhle bevorzugt, stört deren dumpfer Klangwiderhall etwas die Produktion. Aber wer bemerkt das schon, während man mit Gänsehaut zu düsteren Meisterwerken wie „Tormented Body“ schwelgt oder melancholisch auf „The other side“ driftet. Da steigt selbst Edgar Allan Poe aus seinem Grab und wagt ein Tänzchen. Spätestens bei dem rockig mitreißenden „Chance“ sollte jeder Schwarzkittel schwingen. Manchmal sind Klischees echt knorke. (Spider)
Label: Danse Macabre | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/thespiritualbat

 
 
 


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Eyes Shut Tight „Fairground Zero“
Vor ziemlich genau einem Jahr erschien das Debüt der Hamburger Rumpelstilzchen. Rau und ungeschliffen rockten sie sich durch den Crossover-Garten, so dass es einem danach an keiner Stelle mehr juckte. Jetzt hat sich zu dem kratzigen Element eine deutlich souveränere Produktion gesellt, aber auch die elektronischen Töne und ruhigen Elemente (oder andersrum) sind stärker vertreten. Alles wirkt ein wenig zielsicherer und die beileibe nicht verrauchte Wut kommt so noch brachialer zum Ausbruch. Ein wirklicher Hit wie ihn die großen Vorbilder im Repertoire haben fehlt zwar immer noch, aber das dunkle „Gone” bleibt wenigstens schon mal wegen seiner Andersartigkeit hängen und „Revenge” klopft schon mal an der Hi(n)t(er)-Tür. (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.eyesshuttight.com

 
 
 


Der Klinke „Square Moon”
Ganz so unbeholfen, wie der Bandname vermuten lässt, kommt diese belgische Band dann doch nicht daher. In den meisten Songs agiert man sogar recht souverän und beschwört erfolgreich die Ahnen düster-elektronischer Musikerzeugung. Manchmal klingt das martialisch, oft industriell, meistens kühl bis kalt und nicht selten hypnotisch. Der eher rezitative Männergesang wird dabei an sehr passenden Stellen von einer deutlich mehr Wärme ausstrahlenden Frauenstimme unterstützt oder - im Fall von „Where it ends“ - vom Sänger der kultigen The Arch („Babsi ist tot“, „Ribdancer“ etc.). Mein Favorit ist übrigens das ein wenig an Clock DVA erinnernde „Clear mind“ – es braucht manchmal nicht viel, um mega-cool zu sein. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/derklinkebe

 
 
 


Wieloryb „Empty”
Mit Wieloryb macht sich eine hierzulande bisher noch recht unbekannte Band aus Polen daran, den Markt für Industrial und Noise zu erobern. Und die Vorzeichen dafür stehen nicht schlecht: So ist die Formation aus Gdansk seit den frühen 90er Jahren musikalisch aktiv, hat bereits mehrere Alben veröffentlicht, ist schon zusammen mit Größen wie Jimi Tenor und Pan Sonic aufgetreten und hat nun mit Hands Productions einen 1A-Labelpartner hinter sich, der einige der Großen derselben Stilrichtung (Winterkälte, Ah Cama-Sotz, Mono No Aware, MS Gentur) unter Vertrag hat und für qualitativ hochwertige Veröffentlichungen bekannt ist. Und so überrascht es nicht, dass „Empty“ zu überzeugen weiß. 15 Tracks in der (positiven!) Grauzone zwischen Rhythm’n’Noise und industriellen IDM, eine knappe Stunde rhythmischer Terror, 15 Mal voll auf die Zwölf! Für Fans des Genres gibt’s hier nicht viel falsch zu machen! (Pippi von Schnippi)
Label: Hands | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/wieloryb2009

 
 
 


Headless „imperfect:[mensch]”
So, so - in der Lausitz ist man also kopflos oder gar seinen Kopf los. Trotzdem musizieren sich die drei Laus(-itzer)buben gar nicht so verkehrt durch elektronische Gefilde, die mal synthie-, mal future-ver:pop:t anmuten und haben dabei so manch markante Melodie an Bord. Der Klang stimmt auch, kein Wunder, es hat ja auch der Oswald Kolle, äh Kolja Trelle von Soman produziert. Hat man sich zu guter Letzt an den etwas nasalen Gesang gewöhnt und die Sympathiepunkte für den Ost-Rock-Koffer „Als ich fortging“ (im Original von Karussell) vergeben – ist das Eis endgültig gebrochen. Bei mir friert es zwar leider an manchen Stellen angesichts des ausbaufähigen Umgangs mit der englischen Sprache wieder zu, aber das muss ja nicht zwangsläufig jeden stören. Passt eigentlich auch wieder irgendwie zum Albumtitel... (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/headless1

 
 
 


Mesh „An Alternative Solution”
Allzu oft gab es das noch nicht. Ein komplettes Album wird von befreundeten Bands in die Mangel genommen und neu interpretiert. Jeder bekommt einen Song, die Reihenfolge wird beibehalten und wirklich nichts geht dabei zu Bruch - so geschehen mit „A perfect solution“ von Mesh aus dem Jahre 2009. Vielmehr erstrahlt der an sich schon schillernde Strauß Blumen nun in noch bunteren Farben und bietet so wahrlich eine lohnende Alternative. Besonders spannend wird es natürlich, wenn mal nicht Synthiepop auf Synthiepop trifft, wie bei den Neubearbeitungen von Zeromancer, Daniel Myer oder Portion Control. Die Fusionen funktionieren perfekt und stehen den „sanfteren“ Adaptionen auf Augenhöhe gegenüber. Die Bonus-CD enthält neben von Maxis und Vinyl bekannten Songs und Remixen sogar weitere zwei (bei iTunes vier) exklusive und lohnenswerte Tracks. (Torsten Pape)

Label: Dependent | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.mesh.co.uk

 
 
 


oHgr „Undeveloped”
Nach dem sehr zornigen und rauen Album „Devil in my details” aus dem Jahre 2008 erscheint der spontane Zugang zum neuen Werk etwas leichter. Die vielschichtigen Klanggebilde wirken, nun ja, nicht gerade freundlich, aber doch etwas luftiger. Kleine, feine Melodien verbreiten eine trügerische Ruhe und der zynische Märchenonkel vermag nur die ganz Müden in den Schlaf zu lullen. Alle anderen sitzen starr in der Erwartung der bösen Hexe. Hin und wieder nimmt das Album etwas Fahrt auf, aber immer wieder dominiert das Schwelen des faszinierend bedrohlichen Gebräus, den Rauchschwaden auf dem Cover gleich, die fast wie unter Wasser dahin wabern. Sogar der ein oder andere Verweis auf Ogres Hauptband Skinny Puppy erscheint im Nebel und der Gedanke kommt auf, dass die Kollaboration mit Mark Walk mittlerweile fast die Genialität der mit cEvin Key erreicht haben könnte. (Torsten Pape)
Label: Synthetic Symphony | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.wdihtf.com

 
 
 


Seventh Harmonic „Garden of Dilmun“
Die Nachtelfe schwebt herbei – es ist Sommer. Der Abend surrt. Transparent, kristallklar beginnt jeder zu träumen, der in den Garten von Dilmun tritt, Enkis erschaffenes Paradies Mesopotamiens. Der Ort ist rein. Und man weiß, wo und wer man ist. Das Kernduo Caroline und Ann-Mari baut gekonnt mit den ätherisch, teils auch verspielten, teils entrückten Stimmen eine Geschichtsspannung auf, die zarter und verzauberter nicht sein kann – an manchen Stellen erinnert sie an die Sage von den drei Steinen (Jade, Opal, Ambre). Mit neoklassischen und folkloristischen Elementen wird ein Grundgerüst aufgebaut, das z.T. an Faun und, durch manch pompöse und mystische Anwandlung auch an Vangelis erinnern lässt. Aber nur ein bißchen. Denn natürlich ist Harmonie drin, wenn Harmonie draufsteht, ne? (Manuela Seiler)
Label: Out Of Line | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.seventhharmonic.com

 
 
 



The Prodigy „World's On Fire"
Die Welt brennt. Katastrophen, Diskussionen um Atomstrom, tote Terroristen, William & Kate -  gerade rechtzeitig erscheint dieser Tage der passende Soundtrack: das erste Livealbum von The Prodigy. Is' mir gar nicht aufgefallen, das es da noch nie eins gab, wurde man doch mit diversen Liveschnipseln auf DVDs und CDs die letzten Jahre immer mal wieder versorgt. Jetzt könnte man Bilder der genannten Ereignisse oder andere kopieren und als Diashow laufen lassen, und dazu das Livealbum auflegen oder aber auch einfacher haben – kommt das ganze doch im Set mit DVD. Inhaltlich werden die großen Prodigy-Knüller  abgefeuert, leider aber nur die üblichen Verdächtigen. „Narayan“ mit Fanchor wäre sicher auch schön gewesen - kannste nix machen. Aber dafür gibt’s obendrauf noch 'n Bonuswort: FUCK - sogar in verschiedenen Variationen. Ein absolutes Feierstarterpaket! (Daniel Theberath)
Label: Vertigo | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.theprodigy.com/

 
 
 



Pail „Faith in the void“
Dann wollen wir uns doch mal einen Kübel Electronic Body Music gönnen. Aufgesetzt in der dritten Generation, beeinflusst von der zweiten Generation und weit entfernt von der ersten Generation dieser Stilrichtung. Textlich sehr ansprechend, reisen wir in eine Cyperpunk-Welt einer sich selbst zerstörenden Generation. Musikalisch saugt man einen angenehmen Geschmack durch den Strohhalm, aber eine besondere Note eines unverwechselbaren Aromas vermisst man etwas. Und warum die Band in ihrem Schriftzug derart das Nine Inch Nails Logo-kopiert, ist mir schlicht ein Rätsel. Doch während diesem Gedanken werde ich von Pail in die „Hyper Reality“ zurück geholt, ein Song, der ihre Fähigkeit beweist, eine Schippe draufzulegen. Ich denke, es lohnt sich das Album zu erwerben, denn es ist definitiv ein Werk, in das man sich hineinhören kann. Ob sich Abnehmer für die zusätzliche, limitierte Variante zu 50 Euro finden, mag ich bezweifeln. (Spider)
Label: Caustic | VÖ: 20.05.2011 | Homepage: http://www.causticrecords.com/

 
 
 



Com Truise „Fairlight“
Diese EP bietet für Schreiberlinge genügend Stoff. Allein der Künstlername des New Yorker Synthie-Tüfftler Seth Haley lässt Rückschlüsse auf Filmvorlieben zu. Vielleicht ist dieser einfallsreiche Name aus einer Trinklaune entstanden. Die Vermutung liegt nahe. Zudem hat Haley eine Vorliebe für alte digitale Klangerzeuger. Sehr löblich. "Fairlight" wurde also höchstwahrscheinlich nicht zufällig als Titel der EP gewählt, war doch 1979 der "Fairlight CMI" der erste digitale Synthesizer mit Sampling Technik. So überrascht die Musik des Herrn Haley auch nicht. Instrumentaler 80s-Electro-Funk mit Break Beat-Einflüssen. Geschickt und abwechslungsreich bekommt man hier einen funkelnden Vorgeschmack auf das im Juli erscheinende Album "Galactic Melt". Besonders empfehlenswert sticht neben dem Titeltrack auf dieser 3-Track EP der Song "Polyhurt" heraus. Er wäre sicher ein guter Soundtrack für einen Film - nennen wir ihn einfach mal "Synthology - Der Klang der Zukunft". (Sir Raze)
Hier gibts noch ein Video: http://comtruise.com/2011/01/fairlight-official-video/

Label: Ghostly International | VÖ: 02.05.2011 | Homepage: http://www.leichenwetter.de

 
 
 


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Amorphis „The Beginning Of Times
Mit ihrem mittlerweile zehnten Studioalbum präsentieren die Finnen einen wahren Koloss. Thematisch wurde man mal wieder vom schier unerschöpflichen Nationalepos Kalevala inspiriert, widmet sich jedoch erstmals der Hauptfigur Väinämöinen. Das ist schöner, aber auch schön schwerer Stoff, der musikalisch äußerst vielseitig umgesetzt wird. Man kann im Grunde behaupten, dass wirklich alle Facetten der über zwanzigjährigen Bandgeschichte bedacht wurden. Folkloristische Elemente treffen auf (todes-) metallische Ausbrüche und dunkle bis hymnische Atmosphären wechseln sich mit progressiven Elementen ab. Alle Songs wirken kraftvoll, das Songwriting ist exzellent und das Vorhandensein toller Melodien versteht sich von selbst. Mächtig und gewaltig! (Torsten Pape)
Label: Nuclear Blast | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.amorphis.net

 
 
 


!distain „on/off“
Mit ihrem sechsten Album bietet das süddeutsche Duo erneut ein unterhaltsames Menü synthetischer Klänge. Fast jeder Ton geht dabei geschmeidig ins Ohr und beim ersten Kontakt entsteht zunächst ein sehr fluffiger, fast schon etwas handzahmer Eindruck. Mit jedem Durchlauf schälen sich jedoch neue Ecken und Kanten heraus. Sei es ein kritischer Text, der im sanften Vortrag zunächst unterging („why („bootlicking hypocrites“), eine fetzige EBM-Annäherung („values of trust“) oder die schmissige 90er Hymne „mediaevil presence“. Dieses Mal ist der Anteil deutscher Texte übrigens deutlich höher als gewohnt und manch einer wird dabei, aber auch bei „my god“, Schlagernähe wittern. Sei’s drum! Am Ende siegt deutlich und verdient der Synthiepop und das mitgelieferte Augenzwinkern lässt einen lässig zurückblinzeln. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.distain.de

 
 


Necro Facility „Wintermute“
Hört man die ersten zwei Songs des Albums, könnte man denken, es würde „All what you want“ oder so ähnlich heissen, drehen sich doch beide darum, was irgendwer will. Und was will man generell bei Necro Facilty? Genau: man will auf die Mütze bekommen, dabei das Bein schwingen oder gelegentlich abschweifen - gelingt bei der neuen Platte ziemlich ordentlich, ist sie vielschichtiger, mit mehr Blick über den Tellerrand, als je zuvor, und vollgepackt mit Überraschungen. Zum Beispiel Electropopnummern wie „Fall Apart“... seltsame Spähren, während auf Schnee gewartet wird, und Peitsche mit Zuckerbrot („Do you feel the Same“). Natürlich gibt es wie bei (fast) allen Alben (egal von wem) kleine Ausfälle, nur fallen diese bei grade 10 Tracks halt mehr auf. Aber sonst echt 'n Ding, das mich überzeugt. Reifeprozess Deluxe kann man da nur sagen. (Daniel Theberath)
Label: Progress Prod. | VÖ: 13.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/necrofacility

 
 


100Blumen „Surveillance“
Pünktlich zum Frühlingsbeginn 2011 lässt das Düsseldorfer Projekt 100BLUMEN auf der Spielwiese ant-zen sein neues Album spriessen. Die frühere One-Man-Show ist mittlerweile zum Duo der „Blumenkinder“ Marcel und Chris erblüht und der Zuwachs bringt noch mehr musikalische Vielseitigkeit in den bunten Strauß der neun Albumtracks ein. Von Industrial über Punk, von Ambient bis Noise: von allem ein wenig und das gut gemixt scheint die Devise. Und damit will man nicht zu hoch hinaus: „Surveillance“ ist eine solide produzierte Platte, deren Anspruch es ist, musikalisch nicht eingeschränkte Lauscher zu erreichen. Szenegrenzen waren gestern – 100BLUMEN beweisen, dass es erst dann wirklich interessant wird, wenn man sich über diese gekonnt hinwegzusetzen vermag. (Pippi von Schnippi)
Label: Ant-Zen | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.100blumen.com/

 
 


Whore "Whore"
Wer auf schnelle, dreckige und harte Nummern steht, wird von Whore befriedigt. Obwohl noch ganz frisch im Geschäft, kennt das Duo alle Methoden, um den geilem Industrialrocker Befriedung zu verschaffen. Die dominanten Brettergitarren zeichnen die Gangart, während der überhitzte Drumcomputer die gezielten Stöße setzt. Pulsierende elektronische Sequenzen sorgen für zusätzliche Reizpunkte. Dazu grollt und kreischt die Gesangsstimme unter einem Knebel voller Wollust. Hart und direkt kommt man zur Sache. Auf verpoppte, niedliche Melodiespielereien steht man nicht und dennoch kann man zu Songs wie "Counterrevolt" lasziv an der Stange tanzen - und in Ekstase auch mal das Haar schütteln. Doch trotz aller Hilfsmittel: der Hauptfetish liegt in der Elektronik und ist das Viagra für alle, die schon Jahrzehnte zu Bands wie Ministy oder Numb ihren Mann stehen. Aber auch für alle anderen, steht hier ein heißer Feger am Bordstein bereit. (Spider)
Label: DSBP | VÖ: 10.05.2011 | Homepage: http://www.whoresound.com/
 
 


White Rose Transmission "Spinning Webs At Night"
Das vorliegende Album ist ein Zeugnis der Live-Qualitäten von White Rose Transmission. Handwerklich fruchtet das in semi-akustischen Indie Pop mit New Wave-Einflüssen. Durchaus eine Stilrichtung, bei der man sein Chakra durch den Konzertsaal fliegen lassen kann. Und bei dieser Band stehen gestandene Musiker auf der Bühne, welche der dunklen Szene aus Holland über Jahrzehnte mit The Convent, Dead Guitars oder Clan of Xymox Leben eingehaucht haben. Leider wurde auf dieser Aufnahme die Qualität der Songs nicht hundertprozentig eingefangen. Teilweise ist der Sound doch etwas blechern und die Abmischung der Instrumente ist nicht optimal. Besonders die Stücke, die nur aus Gesang und akustischer Gitarre bestehen, leiden darunter. Diese Live CD eignet sich zum Erschnuppern der Band. Zugreifen lohnt sich aber eher bei den Studioalben oder bei einem Konzertbesuch. (Spider)
Label: Echozone | VÖ: 06.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/whiterosetransmission
 
 


Decree "Fateless"
Chris Peterson vollführt auf der neuen Veröffentlichung von Decree eine Kehrtwende. Anstatt dem elektronischen Gefriemel der ersten beiden Alben übernehmen hier überwiegend die Gitarren das Führungszepter. Langsam sägend dringen sie bis ins Mark und steigern sich im Laufe der Songs vom Stoner Rock-Grummeln zum Industrial Rock-Gewitter. Natürlich sind die Synthesizer nicht gänzlich verbannt und geben dem Werk die nötige Würze und Rhythmik. Besonders gelungen und prägnant gleich im Opener „Finite years“, der mit seinen pompösen Sounds an sein Projekt "Will" erinnert, dass er in den 90er Jahren mit Rhys Fulber erschuf. Auch die schmetternde Sangesstimme wurde davon übernommen, die mit erfrischend wenig technischer Bearbeitung überzeugt. Ein Album, zum sich-darin-vertiefen und über sein eigenes Schicksal zu sinnieren. Das mit „Faded glory“ genauso brillant brachial endet, wie es begann. (Spider)
Label: Artoffact | VÖ: 03.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/decreemomentofsilence
 
 



Kirlian Camera “Ghlór Ar An Oíche / Nightglory”
Die 4-Track-Single bezaubert mit lyrischem Namen und abwechslungsreichem Inhalt. Der Titeltrack ist folgerichtig in doppelter Fassung vertreten: einmal elektronisch und als Kontrast in einer Piano-getragenen „Camera Version“, bei welcher Elenas wundervolle Stimme phantastisch zur Geltung kommt. Beide Versionen überzeugen mit elegischem Gesang und Gänehautrefrain. „After Winter MMXI“ klingt vertraut und stellt sich als neue Version eines bereits 1998 erschienen Songs heraus. „I’ll give you wings, I’ll give you dead“ rundet als exklusives Instrumentalstück, von welchem auf dem kommenden Album eine Version mit Gesang zu finden sein wird, das Tracklisting ab. Das gute Stückchen erscheint im edlen CD-Digipak und als limitierte 12“ Picture-Vinyl. (Pippi von Schnippi)

Wie ein Mahnmal gegen das Einheitsprodukt, den schlechten Geschmack und die musikalische Einöde, erhebt sich dann und wann und dennoch scheinbar immer im richtigen Moment diese Band aus dem Nebel der Masse, um daran zu erinnern, das Qualität keine Frage der Verkaufszahlen sondern einzig und allein des Könnens ist. Dieses Können stellen sie auch auf dem Vorboten zum neuen Album eindrucksvoll zu Gehör. Nightglory einfach als Song zu betiteln wäre viel zu banal, es ist vielmehr eine Hymne in klassicher KC-Tradition. Die musikalische Basis treibend und zugleich fordernd, ausgeklügelt arrangiert, mit epischen Grundzügen, dazu eine gesangliche Darbeitung in Höchstform. Auch die vertretene Neuinterpretation von „After Winter“ steht dem als düsteres und bedrohliches Gegenstück qualitativ in nichts nach und macht ebenso hungrig auf das hoffentlich bald folgende Album. Nightglory erscheint als limitierte Single in edlem Digipak und als streng limitierte 12“ Picture Vinyl. Ein Muss für Fans und eigentlich alle... (Frank Bentert)
Label: Out Of Line | VÖ: 05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/kirliancamerafront

 
 


Lolita Komplex „Le Cabaret des Marionnettes“
Mit einem Lolita Komplex verbindet man das starke erotische oder sexuelle Verlangen von Männern mittleren Alters zu sogenannten Kindsfrauen („Nymphophilie“). Damit hat diese Band, bestehend aus sechs Mitgliedern, nicht wirklich etwas zu tun, auch wenn es den Anschein hat, als würden sie durch ihr teils viktorianisches Auftreten sich dem Annähern wollen. Musikalisch senkt das Werk wohl eher die geistige Libido. Denn auch wenn die Texte mehrsprachig gehalten sind, so kann dieses Debüt die Zutaten diverser Herkunft nicht stimmig verbinden; ein bisschen Schweinerock hier, 69-Eyes-Gesprengsel hier, ne Prise aus der Rocky Horror Show da und ein paar abgelatschte Ramones hier und fertig ist die Suppe à la Lolita Komplex. Klar, es hört sich mal verspielt und verrückt an (#6), aber das ist wohl eher etwas für die Jugendgeneration ab 12 aufwärts. Insofern passt der Bandname dann doch wieder ganz gut zum Sextett – zumindest letzter Teil. Man sollte vielleicht Jugendkomplex daraus machen? Ist für die 12jährigen einfacher zu verstehen... mein ja nur... (Manuela Seiler)
Label: Echozone | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/lolitakomplex

 
 


Vendemmian "One In A Million"
Die Band,mit dem Zungenbrechernamen Vendemmian trieb ihr Unwesen bereits zwischen 1993 und 1997. Dann löste man sich auf, wohlwissend,dass Reunions irgendwann mal als coole, erfreuliche Sache gelten würden. Und so ist man seit 2008 wieder unterwegs. Auf ihrem aktuellen Werk gefallen sie mit sperrigem Wave Rock. Über eingängige Melodien legen sie treibende Gitarren, die sich durchaus auch mal im Feedback verirren dürfen. Sänger Mark Douglas scheint nach einer durchzechten Nacht ungeniert all seinen Ärger und Frust herausnöhlen zu wollen. Es macht Spaß melancholische Musik auch mal bodenständig und kernig präsentiert zu bekommen. Zumal die Nummern Ohrwürmer sind, die man zu Hause sofort nachsingen kann. Als Beispiel sind hier "Shine on" und "Walk away" zu nennen, die beide aber keine Coverversionen sind. Man ist den Song-Namensvettern qualitätsmäßig aber dicht auf den Fersen. (Spider)
Label: Echozone | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/vendemmianofficial
 
 


Omega Lithium "Kinetik"
Habe ich ein Herz? Oder bin ich doch nur mit lauter metallenen Einzelteilen bestückt? Verblute ich? Oder ist es nur das Öl, das da aus mir heraustropft? The kinetic flow within...das Uhrwerk unter meiner Haut...Befassten sich die vier kroatischen Musiker von Omega Lithium in ihrem Debüt „Dreams in Formaline“ noch mit für viele schwerer zugänglichen Themen und Sounds, so entfaltet sich dieses Mal eine massenkompatiblere Blume, deren Duft zu bezirzen weiß. Myas Stimme besticht und man ist bei jedem Song auf's Neue von ihr fasziniert. Die Platte ist tanzbar, mal provokant, mal ironisch-witzig( #2, #11), mal eindringlich, mal schwebend-düster, die Ecken und Kanten vom Debüt sind abgeschliffen und dadurch harmonischer. Die Ernsthaftigkeit aber bleibt („Kinetik“). Ein rundum gelungenes Werk aus Rock-, Metal- und Gothelementen. Bleibt weiter in Bewegung! Die headbangenden Fans tun's bereits! (Manuela Seiler)
Label: Drakkar | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/omegalithium
 
 


Dekad "Monophonic"
Nach der tollen Vorab-Single war ich ungemein gespannt auf den Longplayer des Soloprojektes des Franzosen Jb Lacassagne. Und, was soll ich sagen? Die CD eroberte mich im Sturm. Bereits der erste Song “New religion” ist eine tolle Komposition und bietet eine so fette Produktion, dass man sich einfach nur anschnallen muss. Der Stil von “Monophonic” erscheint im weiteren kraftvoll und doch melodiös und nicht nur einmal schießen mir zwei Vergleiche durch den Kopf. Das Album klingt nämlich ein wenig so, als hätte man die Wärme und Klangvielfalt eines “Violator”-Albums mit der Produktion und Rhythmusästhetik der mittleren bis späten Front 242 kombiniert. Na, wenn das nichts ist! Natürlich gibt es auch ein paar wohldosierte Schmachtnummern, aber auch ein paar scharfe Ecken und Kanten und am Ende passt alles genauso wie es ist. (Torsten Pape)
Label: Boredom Product | VÖ: 02.05.2011 | Homepage: http://www.boredomproduct.online.fr
 
 
 
 
 VÖ: April 2011  
 


Val Denham & O Paradis „Transform Thyself”
Auf Grund des CD-Covers lässt sich wahrlich nicht erahnen, dass Val Denham durchaus einen Namen als kreative, bildende Künstlerin hat. Unter anderem für Psychic Tv, von denen sie auch musikalische Einflüsse mitgenommen hat, obwohl mich die Art ihres Gesangs eher an den Tonfall von David Tibet erinnert. Kenner dieser Namen wissen nun, dass dieses Album deutlich im experimentellen Umfeld anzusiedeln ist. Die etwas moderateren Lounge-Töne, die sich mit einmischen, sind Demian Recio und der musikalischen Vision von O Paradis zuzuordnen. Mag ich zu Beginn auch noch voller Interesse diesem ungewöhnlichen Mix gelauscht haben, musste ich schnell feststellen, dass er mich nicht mitreißt und sogar recht schnell auf den Sack geht. Sicher ist diese schrille Fusion aus Noise und Smooth Jazz irgendwie künstlerisch wertvoll. Wer also gern aus Imagegründen Musik hört, kann hier getrost zugreifen. Wer Musik eher fühlt und lebt, bekommt hier Schwierigkeiten. (Spider)
Label: Tesco | VÖ: 08.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/valdenham
| http://www.myspace.com/oparadis

 
 
 


Grausame Töchter „Mein eigentliches Element”
Eigentlich sollte Mann das Album beleidigt mit einem „PÖH!“ in die Ecke feuern und wieder Bodypop hören! Haben doch vor allem die Kerle bei Aranea Peel und Gespielinnen einfach mal verschissen. Beim intensiveren Hören stellt auch Mann allerdings bald fest, das diesem Debüt auf jeden Fall eine Chance gebührt und seine Berechtigung hat. Eiskalt und knallhart hauen uns GRAUSAME TÖCHTER ihre Wahrheiten zu treibender Industrialrhythmik um die Ohren. Mal subtil, mal gnadenlos offen steuert Aranea durch ihren Egotrip einer dominanten Lackträgerin. Verspieltheit oder Weiblichkeit im romantischen Sinne sucht man bei der postmodernen Chansonniere vergebens. Nur klinische Strukturen gepaart mit Hass und Verachtung formen das eigentliche Element, welches sich in 12 Teilen schonungslos entfaltet. „Bis das Blut fließt“ kann hier wörtlich genommen werden. Der Authentizität verpflichtet, werden keine Kompromisse gemacht in Sachen Emotion, Extase, Sex und Konsequenz. (Oliver Herwich)
Label: Scanner | VÖ: 01.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/grausametoechter

 
 
 


[NON]

Henke „Seelenfütterung”
Uhren essen die Zeit, wir leben im Zoo der Träume, wo es um Finden und Streicheln, um endlos herbeigesehnte, neidvolle Augenblick des Unendlichkusses, um Schlüssel und Sommertode geht. In jedem Haar hängt ein Mensch, man weiß, man wird erwachen. Die Seelenfütterung hat längst begonnen, Illusionen, Leere, das letzte Warten vor der Tür - eine Zukunft gibt es nicht - nur manisch-aggressiv, vom A bis zum F. Träumt rückwärts, bevor das Licht erlischt! (Manuela Seiler)
Label: Oblivion/SPV | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.oswald-henke.de

 
 
 


[NON]

Whispers In The Shadow „The Lightbringer EP”
Der Magick Cult ist wieder zurück! Die neue Whispers in the shadow Ep "The Lightbringer" lässt sie nicht vermissen bis das neue Album erscheint. Die verschiedene Seiten von Ashley Dayour Gesang, hypnotische Gitarren und psychedelische Keyboards mit atmosphärischem Hintergrund, lassen einen Tagträumen und der Strom der Töne nimmt Dich weit weg mit auf eine magische Reise. Zusätzlich zum Titelstück gibt es eine neue Gothic Rock-Version des Leonard Cohen Hit "First we take Manhattan", einen bisher nicht veröffentlichten Track ("Moments of hope and despair") und einige elektronische und akustische Versionen der zuletzt veröffentlichten Werke der Jungs. Ist das nicht ein leckeres Appetit Häppchen? Wir sind bestens aufgewärmt für die Fortsetzung des Konzeptzyklus, der sich um den alchemistischen Prozess der Transformation dreht. Die Mitte wurde bereits erreicht. (Iris Wilder)
Label: Echozone | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.noizeart.com

 
 
 



Endless Shame „Generation Blind” 
Die Jungs von Endless Shame müssen wohl viel Buße tun, denn der erste Song „Painkiller“ startet mit Kirchenorgel. Danach findet man recht schnell eine nicht alltägliche musikalische Mischung vor. Relaxte Elektronik trifft auf 70er Psychedelic Rock und Alternativ Pop-Melodien wie sie die skandinavischen Nachbarn von Apoptygma Berzerk auf den letzten Alben anschlugen. Das klappt recht durchwachsen, weil die Kompositionen nicht immer zünden und der Sänger teilweise etwas zu viel Musical Timbre in seinem Gesang hat. Packend wird’s, wenn die Band aus dem Mid Tempo ausbricht und die Gitarren zum Brettern bringt. Doch leider nutzt man zu viele Schmuse Nummern als Lückenfüller. Bei deren Wirkung für den Liebes Akt wird selbst der Wintermantel noch anbehalten. Grundsätzliche ist es mir ein Rätsel, warum man die ersten vier Tracks mächtig crossovert, um dann nur noch banalen Synth Pop-Einheitsbrei zu fabrizieren. Da wären wir wieder bei der Buße… (Spider)
Label: EK Product | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://endlessshame.com

 
 
 


[NON]

Samael „Lux Mundi”
Lux Mundi klingt phonetisch wie ein Freund von Salamander Lurchi. Aber natürlich weiß der Lateiner, dass es hier um glorreiches Licht geht. Und in diesem tanzen sämtliche sympathische Höllengestalten in apokalyptischen Lyriken zu kalten, brutalen Gitarren Riffs. Was unterscheidet aber nun die Schweizer Beelzebuben im Vergleich zu anderen bösen Black Metal Combos? Es ist wie in jedem anderen Genre. Qualität lässt sich nicht in Schubladen packen. Die Jungs können nicht nur moshen, sie können auch komponieren. Und sie haben diesmal wieder einen ganzen Ständer Keyboards dabei, die auch im Hochsommer dunkel-frostige Eiskristalle aus den Boxen klirren lassen. Sänger Vorph singt so grimmig schön wie der Klingone Worf immer guckt. Dieses Album ist eine hammermäßige Empfehlung von Metal Manfred dem Dosenbier Trink Body von Horst. (Spider)
Label: Nuclear Blast | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.samael.info

 
 
 


[NON]

Morrissey „Very Best Of“
Da hat sich der Morrissey sein vergnügliches Bad aber redlich verdient. Schließlich gönnt er uns ein dickes Quietsche-Entchen mit achtzehn ausgesuchten Quakereien - alle blitzsauber. Von den wohlig melancholischen Schaumbad-Relaxern, über die unter der Dusche Mitträller-Nummern, bis hin zu den krachenden Indie-Stücken zum Haare trocken schütteln ist alles geboten. Allerdings mit einem Wermutstropfen im Wasser. Diese Zusammenstellung ist kein Vollbad. Es fehlen alle Perlen seiner Neuzeit. Denn diese Zusammenstellung ist ein nostalgischer Rückblick auf den Waschzuber von EMI aus den Neunzigern. Dauerkarten-Inhaber von Morrissey werden das Scheibchen also nicht so euphorisch begrüßen. Ich hingegen finde es höchst vergnüglich und auch die beiliegende Live-DVD ist für mich noch Neuland vor meiner Badeinsel. (Spider)
Label: EMI | VÖ: 22.04.2011 | Homepage: http://www.morrissey-solo.com/

 
 
 


[NON]

Laissez Faire „No Land For Escape“
Was kommt wohl dabei heraus, wenn man sechs Griechen ein paar Instrumente in die Hand drückt und sie einfach mal machen lässt (s.Bandname)? Angedüsterte Rockmusik ist wohl das Letzte, was der im Minimum durchschnittlich begabte Musikexperte erwarten würde. Ist aber dabei rausgekommen und nix mit Sirtaki oder sonnigen Gemütern. Die Gefahr beim „einfach mal so rummachen“ ist aber auch, dass neben ein paar netten und vielleicht sogar recht (er)frischen(den) Momenten kein rechter Höhepunkt erreicht wird. So verfliegt die halbe Stunde Musik, ohne nennenswerte Spuren zu hinterlassen. Es findet sich einfach kein Song für’s Mixtape oder den mp3-Shuffle, sondern ausschließlich ordentliches Handwerk. Reicht ja auch für den Anfang. Weiter rummachen und dabei steigern bitte! (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.laissezfaireband.com

 
 
 


[NON]

Gates Of Dawn „Lucid Dreaming
Was erwartet uns, wenn wir durch das Tor der Dämmerung schreiten? Wenn wir die Stunde zwischen Tag und Nacht, zwischen Ruhe und Stille, die Stunde zwischen Nichts und Sein betreten? Dichte Nebel voller Rhythmen und Melodien, Klanggebilde, die aussehen wie Geranien, saftig und kräftig, Rock und Eleganz vermischen sich in dem mittlerweile dritten Album des Sextetts, dessen Besetzung ein paar Mal „Bäumchen Wechsel Dich" gespielt hat, Kreativität und Individualität vereint durch das Duo Matthias und Martina – sie besticht durch ihre raue und kratzige, er durch seine zirpende, musical-artige Stimmengewalt. Auch wenn die Samples nicht wirklich zu verstehen sind (Vielleicht gewollt? Um das Mysteriöse zu steigern?), so ist dieses Werk doch eine kleine Überraschung, die großen Hörgenuss bietet. (Manuela Seiler)

Label: Sonorium | VÖ: 08.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/gatesofdawnmusic

 
 
 



The Chemical Sweet Kid „Tears Of Pain“
Die französischen Electro-Kinder schlüpfen aus dem Chemie-Versuchskasten. Daher ist ihnen der Vorgang des Klonens durchaus geläufig. Deswegen werden sie in den gängigen Clubs sicher alle erfreuen, denen der Bandname grundsätzlich egal ist, solange sie ihre zuhause vor dem Spiegel eingeübten Industrial Dance-Schritte zum gewohnten Beat Tempo darbieten können. Was bleibt ist die Frage: Was wäre, wenn es nicht Massen von anspruchslosem Vergnügungspublikum in der Harsh Electro-Szene gäbe? Würde es Bands wie „The Chemical Sweet Kid“ anspornen, ihre durchaus gelungenen Ansätze in eine Formel aus kreativ sprühenden Funkenregen umzuwandeln? Oder würden sie sich ein anderes Betätigungsfeld suchen, in dem gute Handwerker gefragt sind? Vielleicht begehen sie aber nur den gleichen Fehler wie ich früher bei der Chemieklausur. Die Arbeit wurde zu schnell abgegeben, ohne die vielen Flüchtigkeitsfehler zu korrigieren. (Spider)

Label: Advoxya Records | VÖ: 01.04.2011 | Homepage: www.myspace.com/chemicalsweetkid

 
 
 



Die Frieda Gold „Juwel“
Der geneigte Leser möge mir die platte Einleitung verzeihen, aber mit dem Album „Juwel“ haben FRIDA GOLD ein solches in musikalische Form gegossen. Und das sagt sich über ein Debütalbum mal nicht eben so! Aber die jung-dynamische Truppe um die model-eske Frontfrau Alina hat ein so zuckersüßes Stückchen Musik verewigt, dass man es schon nach dem ersten Hören kaum mehr aus der Hand legen will. Musikalische Harmonica, unwiderstehliche Refrains, tanzbare Beats, melodische Fröhlichkeit, elektropoppige Ohrwürmer und melancholische Balladenhäppchen – alles da und noch viel mehr. Hier scheint ein neuer Stern am deutschen Pophimmel aufzugehen! Nicht umsonst war das Quartett gerade als Supportact von Kylie Minogue unterwegs und Sängerin Alina in die Jury des Eurovision Song Contests berufen. Ein Karrierestart, wie er mit Brandbeschleuniger nicht besser hätte funktionieren können. (Pippi von Schnippi)

Label: Warner | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.fridagold.com

 
 
 



Chainreactor „Insomnia“
Die Geschichte endet hier. Und beginnt auch genau hier von Neuem. War das Debüt noch kompromisslos und hart, so ist „Insomniac" zwingend, treibend, nachdenklich-aggressiv. Auch beim zweiten fehlen nicht die Wurzeln Jens Minors aus der Hardcoretechnoszene, fette Beats, diverse Samples und das Fünkchen mysteriöse Lebhaftigkeit der Schlaflosigkeit, die die geballte Energie der Ruhelosen auf die Tanzflächen der nächstliegenden Clubs schleudert. Die Remixe von u.a. [x]-RX, Xotox und [Organic Cage] tun ihr übriges! Wohl auf denn! Die Geschichte endet (noch) nicht! (Manuela Seiler)

Label: Dark Dimensions | VÖ: 01.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/chainreactorxxx

 
 
 


Centhron „Dominator“
Aus dem Nichts hat Elmar Schmidt sich 2001 hochgearbeitet und steht nun dort, wo er mit „Dominator“, seinem neuesten Werk ist – nämlich ganz oben, zwischen all den großen Sternchen wie Agonoize, Kiew, Reaper, Soman, Xotox. Das Trio, das den Hellectro wahrlich feiert, derweil Anflüge hat, zum Nachdenken anregende Texte einzuflechten („Kopfschuss“ u.a.), schwirrt leider jedoch größtenteils auf dieser Platte deutlich unter der Gürtellinie herum und treibt dort sein Unwesen. Der neue Slogan der Stunde lautet: Fick, wie oft und wo Du kannst! Prima! Da wird sich die katholische Kirche aber freuen! (Manuela Seiler)
Label: Scanner | VÖ: 01.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/centhron

 
 


Fliehende Stürme „Warten auf Raketen“
Neulich war der 1. Mai. Dort schlenderte ich los, auf das alljährliche „Rhythm against racism“ Festival, das bei mir vor der Haustür stattfindet und am Abend ging’s zur lokalen Gothic Party „Monochrom“. Punk trifft auf Düsternis. Fliehende Stürme  bieten exakt dieselbe Kombination. Auch auf dem aktuellen Album der Band nimmt uns Andreas Löhr mit in seine Welt aus melancholisch, nachdenklichen Geschichten und wütender Protest Pamphlete. Dabei orientiert er sich textlich, ohne Klischees, an der Realität. Konsequent unterstützt und auf Kurs gehalten durch einen Gitarrensound, der von der melodiösen Punk- und New Wave-Ära geprägt ist. Präsentiert auf einem Bett dunkler Basslinien und einem dumpf treibendem Schlagzeug. Mit diesem Album lohnt sich jedes Warten, nicht nur auf Raketen. Das ist verdammt beruhigend in einer Zeit deutschsprachiger, dunkler Musik, in der Grafen das Eis zur Banalität brechen. (Spider)
Label: Metropolis | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/fliehendestuerme

 
 


Caustic „The golden vagina of fame and profit“
Matt Fanale ist mit seinem Projekt Caustic heißer Anwärter auf den Albumtitel des Jahres: die goldene Vagina des Ruhm und Profits. Was für eine treffende Beschreibung der aktuellen Electroszene. So sind seine Songs auch Wegweiser, wie es richtig gemacht wird. Im Opener „666 on the crucifix“ wird im Text gleich erklärt, wie man notwendige Klischees mit simplen Kompositionsmethoden verknüpft, um in „Carpe Rectum“ dann aufzuzeigen, wohin diese gehören. Musikalisch schwankt er zwischen flotten Old School-Klopfern, über Dark Dance-Nummern, zu eher banalen Hellelectro-Sounds. Über melodische Schwächen trösten die Texte voll schlüpfrigem Klamauk. Schade, dass hier nicht ein wenig mehr auf neue Stil-Kreationen hingearbeitet wurde, wie auf dem groovenden Electro Grunz- und Hip Hop-Duett „Chum the waters“ mit Ned Kirby von Stromkern. Oder wie bei dem Song, der letztendlich das Album treffend charakterisiert „Floor whore disco“. (Spider)
Label: Metropolis | VÖ: 12.04.2011 | Homepage: http://www.tellmeaboutmyuterus.com/

 
 


Sleepwalk „Revenge of the lost“
Sleepwalk ist ein recht passender Name für eine Band aus der Schweiz. Schließlich sind die Eidgenossen eher für eine etwas langsamere Wesensart bekannt. Eher gemächlich beginnt auch die neue Ep. Mit einem plätschernden Instrumental zu Beginn hat man eher verloren. Die folgenden Songs „Blindness“ und „Man machine“ weisen zwar durchaus einen netten, düsteren, elektronischen Sound auf. und man hat sich Mühe gegeben, eine abwechslungsreiche Struktur zu schaffen, doch so richtig bringt dies mich nicht zum Wippen. „Dig your grave“ lässt kurz aufhorchen, ähnelt aber letztendlich zu sehr Massen von anderen Titeln, um über die Schnelllebigkeit der Tanzfläche hinaus im Gedächtnis zu bleiben. Trotzdem, oder deswegen, gibt es noch drei Bassklopfer-Remixe des Stücks - von den üblichen Verdächtigen. (Spider)
Label: Scanner | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/sleepwalkch

 
 




Distain "Mein Weg"
Im Zusammenhang mit !distain gibt es ein Phänomen und mit ihrer neuen EP ist es mir doch prompt wieder begegnet. Man weiß, dass einen wohl wieder smarter SynthPop erwartet, der höchstwahrscheinlich mit einem ordentlichen Schuss Kitsch-Zuckerguss versehen ist. Trotzdem verzieht man nach dem ersten Bissen das Gesicht, da die Süße zunächst und gerade wegen des deutschen Textes fast schon unerträglich erscheint. Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch an den Geschmack und übrig bleibt ein bandtypischer Ohrwurm, der auch in verschiedenen Mixgewändern zu gefallen weiß. Garniert wird das Ganze durch das ehrerbietige Camouflage-Cover „neighbours“, das exklusive, leichtfüßige „elements“ und eine elegische „mandragore“-Version vom Ex-Bandmitglied Oliver Faig. Abzüge gibt’s für Instrumental, Albumversion und den Albumbonustrack. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.distain.de
 
 


Ahnst Anders “Home”
Wie gerne hätte ich diesen Text mit einem locker-flockigen Spruch zur „Anders“-Artigkeit des zu besprechenden Künstlernamens begonnen! Aber da Namen Schall und Rauch sind, lieber gleich und schnell zu dem, um das es wirklich geht: die Musik. Da präsentiert Herr Anders eine Sammlung von ambienten Reise- und Bewusstseins-Impressionen, die sich mit der Idee des Nach-Hause-Kommens beschäftigen. Ein Heim als grundlegendes Bedürfnis, Liebe und Hass, die einem darin begegnen können, Einsamkeit und Heimweh – diese und noch viel mehr menschliche Charakteristika werden in eingängig-musikalischer Weise verarbeitet und klangvoll-delikat präsentiert. Ein Album für die „blue hours“, die Stunden, in denen man seine Gedanken melancholisch-beklommen einfach nur treiben lassen will. (Pippi von Schnippi) 
Label: Ant-Zen | VÖ: 27.05.2011 | Homepage: http://www.ahnst-anders.de/

 
 


Amnistia "Egotrap"
Kinderärzte warnen schon ewig vor einer enormen Zunahme von Entwicklungsstörungen und sozialer Auffälligkeit, und auch die Bodywaver aus der Leipziger Tieflandsbucht vergeben sich nicht die Chance einer druckvollen Rekultivierung wider dem langweiligem Wildwuchs im subkulturell geprägtem Gehörschadengenerator. Ohne falsche Rücksicht auf eingeschliffene Hörgewohnheiten verquicken sie erneut den liebgewordenen Ritus der harshen Elektronik mit verdammt frischen Impulsen. Wer unbedarft zugreift und lediglich musikalische Untermalung beim Heizölhacken suchte, der dürfte immens überrascht sein, wie abwechslungsreich er fortan sein Tagwerk verrichten kann und einer nachhaltigen Weiterentwicklung zum Sample-Connaisseur steht danach kaum noch etwas im Wege. Ergo, Pflichtprogramm... auch ohne namenhafte Gastsänger oder gar einer extra Remix-Scheiblette der Güteklasse AAA. Beides gibt's aber trotzdem. Sind halt Ossis und keine Kinderärzte. (Ivo Klassmann)
Label: Scanner | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.Amnistia.de
     
 


Zynic "Fire Walk With Me"
Immer wieder liest man die Labelinfos: "...eine Reise in die 80er ...Charme der 80er ...Omma 80", etc., und wie oft stimmt's dann? Verzweifelt sucht man Elemente, die irgendwie an diese Zeiten erinnern, und hat man mal eins gefunden, wird's sofort wieder mit verzerrtem Gesang oder sonstigem Gewurste verrotzt. Auch die Infos, die über Zynic im Vorfeld verteilt wurden, geizen nicht mit Verweisen auf das goldene Jahrzehnt. Mit Recht! ...stell ich überrascht fest. Klingt, als ob das uneheliche Kind von Dave G. und Marianne Gold bei seinen Pet Shop-Onkels Musikunterricht genommen hat. Zu hören sind 10 lupenreine Electropophits, inklusive eine Coverversion einer unbekannten Band, und 4 Remixe der 4 besten Songs des Albums... als hätte man's geahnt! Aber nur auf 500 Stück limitiert, also antesten und ranhalten. Ach so... und wenn man sich einige Tage vorher die digital erschienene EP zu Gemüte führt, kann man mit der Extended Version von „Dreams in Black and White“ sogar eine Maxiversion hören, die denen der besagten Epoche verdammt nahe kommt. (Daniel Theberath)
Label: Conzoom | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/zynicmusic
 
 

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KMFDM "WTF?!"
Menno! KMFDM immer mit ihren Abkürzungen. Was soll der Albumtitel denn nun schon wieder bedeuten, verfickt nochmal? Echt "Krank", so der Titel des Openers, welcher auf der Singlevariante etwas brachialer und industrialrockiger rüberkam. Insgesamt ist man auf dem Gesamtwerk elektronischer als auf den Vorgängeralben. Und zwar in einer Experimentierfreude, die an ganz frühe Werke wie "UAIOE" erinnert. Diese Zeit Ende der 80er war, meiner Ansicht nach, aber nicht ihre stärkste. Und da ich gerade am Maulen bin, muss ich hinzufügen, dass mir der zusätzliche Einsatz der liebgewonnen harten Gitarrenriffs auf dieser CD zwar auffällt, aber dieser zu sporadisch ist. Nichts gegen eine Weiterentwicklung oder das Tummeln auf neuen Spielplätzen, aber ich finde diese Ausflüge ins Midtempo eher lahm. Doch trotz enttäuschender Punktausbeute gibt's keine Pfiffe. Eine Band wie KMFDM darf sich auch mal ein schwächeres Spiel erlauben. (Spider)

Käpt‘n K. und seine Kumpels sind sich auch bei der neuerlichen Ausgabe des wütenden Anstinkens gegen so ziemlich alles und jeden namens WTF?! treu geblieben. Lang ist es her, dass KMFDM wirklich zu überraschen wussten, auch wenn diese Überraschungen stets innerhalb eng gesetzter Grenzen verortet waren. WTF?! überrascht nicht. Solider KMFDM-Sound, bei dem es wie immer darum geht, eine grimmige oder epochale Klangwelt aus analogen Synthesizern solange piepsen und blubbern zu lassen, bis die Gitarren, Drums und Percussion der „Ruhe“ ein Ende setzen und im Zweifel das Hauptwort mit K oder gerolltem R drastisch untermalen. Auch der Hit aus der Reihe „Sprachen dieser Welt“ fehlt nicht auf WTF?! mit dem auf italienisch vorgetragenen „Panzerfaust“. KMFDM setzen also im wahrsten Sinne des Wortes dort an, wo sie mit „Blitz“ 2009 aufgehört haben. Nicht mehr, nicht weniger. (Kurt Zarig)
Label: Dependent | VÖ: 29.04.2011 | Homepage: http://www.kmfdm.net

     
 


In The Nursery "Blind Sound"
Die neue Studioveröffentlichung der Neo Klassik-Pioniere In The Nursery bringt meine Boxen zum Jubilieren und meine Couch zum Ächzen. Denn ich werde schwer auf diese gedrückt, während meine Seele immer leichter wird. Die schneidenden und dennoch prägnant melodiösen Keyboardlinien dringen, geleitet durch zackige Military-Drums und wuchtige Pauken, in mein Ohr und lassen vor meinem inneren Auge atemberaubende Landschaften entstehen, in denen alle Träume wahr werden können. Spätestens ab dem vierten Stück "Crepuscule", wenn Dolores C. zum ersten Mal das Mikrofon übernimmt, bin ich nur noch schwebende Harmonie - was nicht die Sangeskraft der Humberstone-Zwillinge schmälern soll und schon gar nicht das Können ihrer magischen Hände, die Melodien erschaffen, die mir Pippi in die Augen treiben. Das Album bietet zehn Kompositionen auf allerhöchstem Niveau und hat nichts mit dem aufgepoppten Mystik-Kram zu tun, den Mutti so gerne zum Entspannen hört. (Spider)
Label: ITN Corporation | VÖ: 25.04.2011 | Homepage: http://www.InTheNursery.com
 
 


Wumpscut "Schrekk & Grauss"
Tief im Süden sitzt der Rudy und freut sich. Darüber, dass er den Jahresrhythmus des Erscheinens seiner CDs eingehalten hat. Darüber, dass er, anstelle von Angst und Schrecken ab sofort „Schrekk & Grauss“ verbreitet. Darüber, dass er wohl kaum Werbung benötigt, um sein neuestes Werk in allen erdenklichen Versionen an den Mann zu bringen. Und vielleicht schleicht sich auch ein Grinsen in sein Gesicht, da er bereits vor der Veröffentlichung davon ausgehen konnte, dass aus einigen Ecken des Electro-Universums Gemecker und Geschrei erschallen wird. „S&G“ ist ein Album, das beschäftigt, zum Nachdenken und Wundern anregt. Wenn man es denn lässt. Es ist böse, melodiös, hart, sperrig, mal nahrhaft, mal schwer verdaulich, oft skurril und hin und wieder grausam. Es bedient sich bei Geschichte und Geschichten, haut nicht drauf, sondern total hin. (Torsten Pape)
Label: Beton Kopf Media | VÖ: 22.04.2011 | Homepage: http://www.wumpscut.de
 
 


Bohren & Der Club Of Gore "Beileid"
Man muss zu Bohren & Der Club Of Gore eigentlich nicht mehr viel sagen. Ihre Musik scheint direkt aus einem der finstersten David Lynch-Filmen entsprungen zu sein und ihre einst etwas härtere Gangart hört man auf "Beileid" mitnichten heraus. Bis auf die Tatsache, dass die Jungs doch glatt keine Berührungsängste mit einer Band namens Warlock haben. Jawohl, die Band um Heavy-Metal-Grazie Doro Pesch wird hier gecovert. Und noch eine Verwunderung stellt sich beim hören von "Catch My Heart" ein - die Stimme, welche erstmalig ein Lied des Clubs ziert, gehört niemand Geringeren als Mike Patton. Der Mike Patton von Mr.Bungle, Faith No More, Fantomas und und und. Wow! Was soll man da noch sagen? Auf alle Fälle braucht man mit den Düster-Jazzern aus dem Ruhrpott kein Mitleid haben, denn mit ihren drei Songs und über 35 Minuten-"Beileid" haben sie es erneut geschafft die tiefsten Abgründe und sexyiesten Sounds ihren Instrumenten zu ent- und warlocken. Ganz großes Kopfkino! (Sir Raze)
Label: Pias | VÖ: 22.04.2011 |
 
 

1.
2.



A-Ha "Ending On A High Note - The Final Concert"
25 Jahre Synthie-Pop, der die Welt berührt hat. 75 Mal Platz 1 der Charts. Titel, die Superlativen gleichen: The Sun Always Shines On TV. Move To Memphis. The Blood That Moves The Body. Scoundrel Days. The Swing Of Things. Forever Not Yours. Stay On These Roads. Manhattan Skyline. Hunting High And Low. We're Looking For The Whales. Butterfly, Butterfly (The Last Hurrah). Crying In The Rain. Minor Earth, Major Sky. Summer Moved On. I've Been Losing You. Foot Of The Mountain. Cry Wolf. Analogue. The Living Daylights. Take On Me... Vielleicht ist es nicht kreativ, für eine Rezension die Tracklist einer CD abzuschreiben. Aber bei dieser Band sagen Titel mehr als Worte. Und a-ha machen mit dieser CD das schönste Abschiedsgeschenk, was sich Fans wünschen können: ihre Hits in einer von Melancholie über das Band-Ende geprägten Live-Aufnahme de luxe. (Pippi von Schnippi)

Das Problem mit finalen Touren bzw. Konzerten und damit einhergehenden Veröffentlichungen ist zumeist, dass sie gar nicht so final sind wie sie versprechen. Dies führt leider auch unweigerlich dazu, dass man oftmals nur die Gier nach schnödem Mammon dahinter vermutet, wodurch natürlich wehmütige Ansätze in den Hintergrund treten und wahre Abschiede banal erscheinen. Bei A-HA allerdings, sollte sich meiner Ansicht nach jeder pauschal aber mindestens eine Solidaritätsträne aus den müden Augen drücken, „verlässt“ hier doch einer der großartigsten Skandinavienexporte das aktive musikalische Feld. Ob nun endgültig oder nicht, ist dabei erstmal egal, denn das Live-Album zum „letzten“ Konzert in Oslo, welches es auch als DeLuxe DVD-Box gibt, ist schlicht und ergreifend gut geworden. So gut, dass man beim hören den Gedanken nicht aus dem Kopf bekommt, für die nächste Abschiedstour unbedingt auch mal ’ne Karte besorgen zu müssen. Das Trio arbeitet sich gewohnt gefühlvoll und mit goldener Stimme durch die letzten 25 A-HA Jahre und lässt den Hörer am Ende mit dem Wunsch zurück, dass dieser Abschied, nur dieses eine mal, doch nur dazu gut ist, die Urlaubskasse von Morton und Co. aufzubessern und ein Comeback schon in Planung ist. Kauftipp! (Frank Bentert)
Label: Universal | VÖ: 22.04.2011 | Homepage: http://www.a-ha.com/
 
 


Celluloide "Imprévisible"
Nach “Coeur 8-bit” kommt nun bereits der zweite Song aus dem Album “Hexagonal” als Single daher. “Imprévisible” ist eine schöne, vor sich hin groovende Nummer, die schlicht gute Laune verbreitet. Der Eventuel Mix spielt zu Beginn mit den uralten “Duracell”-Sounds, was den genannten Effekt nur verstärkt. Irgendwie sieht man ständig die kleinen Plüschhäschen hoppeln. Sühüüüß! Da geht es bei “Autodestruction” (Alternative) schon deutlich kantiger zu. Das von der Bonus-Disc des Albums bekannte Stück wurde von allen lieblichen Blieps befreit und funktioniert trotzdem wunderbar. Das vollkommen neue “Ordinosaure” kombiniert Sprachsamples mit fetten Bässen und knarzenden Sounds und stellt so die typische B-Seite dar, bei der auch mal experimentiert werden darf. Am Ende gibt’s noch den my.head remix des Titelsongs, der dunkel vor sich hin wabert und keinen rechten Sinn ergibt. (Torsten Pape)
Label: Boredom Product | VÖ: 18.04.2011 | Homepage: http://www.celluloide.online.fr/
 
 


Akanoid "Evo EP"
So richtig kann ich es nicht fassen, dass diese deutsche Band mit ihrem fluffig-griffigen Indie-Pop-Rock-Gemisch bis heute bei der breiten Masse nur bedingt punkten konnte. Mindestens ihren Überhit „Usual freak“ sollte einfach jeder kennen. Ob nun die erneute Verwertung ihres zugegeben famosen Werkes „Civil demon“ aus dem Jahre 2009 die beste Lösung zum Erreichen des verdienten Erfolges ist, wage ich zu bezweifeln. Die vorliegende EP bietet vier Neueinspielungen bekannter Albumtracks und besonders „All the noise“ und „Jump into the hive“ wissen erneut zu gefallen. Drei etwas kantigere oder auch elektronische Remixe beenden die gelungene Vorstellung. Ich hoffe, dass dieser erneute Aufguss nur der Anfang von etwas Großem und vor allem Neuen ist. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.akanoid.de
 
 


Mechanical Cabaret "Disco Vandalism"
Mit ihrem aktuellen Remix-Album in der Tasche stürmen die Vandalen von Mechanical Cabaret die Disco. Damit sorgen sie für mächtig Wirbel und pusten den Staub von den Boxen. Denn bei der Neubearbeitung der Originale wurde darauf geachtet, ihr musikalisches Markenzeichen zu unterstützen anstatt zu zerstören. Somit bekommt man Ohrwürmer aus New Wave inspirierten Melodien geboten, deren Soundmischung aus analogen Tönen und modernen Electro-Klängen sofort sämtliche Glieder zum Zappeln bringt. Dabei beschreiten sie glücklicherweise nicht den geraden, immer harmonischen, Synthpop-Weg, sondern halten sich gerne auch mal in krachigen und experimentellen Gefilden auf. Über allem liegt die charismatische Stimme von Roi Robertson, die durchaus auf einer Wellenlänge mit Größen wie Marc Almond liegt. Der Geniestreich ist kein Wunder, hat man doch nur Freunden oder sich selbst in den Neuinterpretationen vertraut. (Spider)
Label: Soiled | VÖ: 15.04.2011 | Homepage: http://www.mechanicalcabaret.com
 
 


[De:ad:cibel] "Too tired to consume"
Mit der vorliegenden EP hat man es nun endgültig geschafft, fast alle Songs des fantastischen Debüts “Klondike in alternativen Versionen zu präsentieren. Den Titeltrack hat man sich gleich drei Mal vorgeknöpft und die Lethargie-Hymne bekommt ein paar herrliche Tritte in den Allerwertesten. Einzig der trockene End the DJ Remix kann den hohen Standard nicht ganz halten. Der Bass Machine Music Mix von “Monster train”, aber auch die eckige und piepende Retro Version von “Between my headphones” sowie “Geteert und gefedert” im Chrome Cage Mix aktivieren jedoch wieder die Tieftöner auf's Feinste. Ein einziger, tanzbarer (An-)Schlag auf die Magengegend! Das Schlusslicht bildet das neue Stück “Attack authorization”, ein gefährlicher mit Sprachsamplen gespickter Bolide. (Torsten Pape)
Label: Echozome | VÖ: 08.04.2011 | Homepage: http://www.deadcibel.com
 
 
 VÖ: März 2011  
 



Veto „Everything Is Amplified” 
Ein Veto dagegen oder ein Votum dafür. Auf dieses Ergebnis einer Bodystyler-Rezension wartet jede Band mit zittrigen Knien. Mit ihrer Aussage im Opener „You´re hard to get“ liegen die Dänen gar nicht so falsch. Sie mögen zwar der Spur des Electronic-Rock folgen, welche von Landsmännern wie Carpark North oder Duné bereits deutlich Richtung Erfolg gelegt wurde. Sie selbst erreichen dieses Ziel aber nicht. Sie haben die Melancholie ersterer, aber eben nicht so unter die Haut gehend, und die Spielfreude der zweit genannten, aber eben nicht so fetzig. So mühen sich die Jungs mit allerlei interessanten Synth Soundspielereien zwar redlich, es hakt aber an den Kompositionen die, genauso wie der Gesang, einfach nicht unter die Haut dringen können. Anstatt den Zuhörer mitzureißen, sinkt dieser in eine Art Trägheit, etwas wohlig, aber zu sehr ermüdend. (Spider)
Label: Sony | VÖ: 25.03.2011 | Homepage: http://www.vetonet.dk

 
 
 


[NON]

Mephisto Walz „IIIrd Incarnation“
Vor 26 Jahren ertönten die ersten Takte des teuflischen Walzers und 2004 die vorerst letzten. Nun meldet sich Bandgründer Bari-Bari zurück und als langjähriger Fan bin ich zunächst zerrissen, wenn es um die Beurteilung des neuen Werkes geht. Natürlich erhebt sich mein Herz freudig aus dem Sumpf der Trauer, denn es darf wieder den hinreißend quietschenden, zerrenden Künsten des Gitarrengottes lauschen. Wo sonst jedoch etwas modrige und gleichzeitig herrlich entrückte Stimmung herrschte, sind jetzt – auch durch die neue Sängerin - ungewohnte Frische und Klarheit eingekehrt. Jeder anderen Band hätte ich sofort ein gutes Album mit tollen Referenzen bescheinigt. Unter dem altgedienten Banner muss man sich jedoch zuerst von der Vergangenheit lösen und den Neuanfang wagen. (Torsten Pape)
Label: Black Lagoon | VÖ: 15.03.2011 | Homepage: http://www.mephistowalz.com

 
 
 



Duran Duran „All You Need Is Now“
Was haben Das Ich mit Duran Duran gemein? Nichts. Gestern habe ich jedoch erfahren, wer während des Das Ich-Konzerts auf der "Insel" in Berlin, Anfang der 90er, in voller Absicht den Stecker zog. Die Band schob wohl den Ausfall der Instrumente auf das Kondenswasser im Raum. Jedenfalls erzählte diese Person mitunter vom neuen Duran Duran-Album. Tatsächlich überrascht die Band mit Liedern, die das New Wave-Herz höher schlagen lässt. Besonders "Being Followed" erinnert irgendwie an "Planet Earth". Auch "Girl Panic" lässt Erinnerungen an alte "Arena"-Glanzzeiten wach werden. Es muss für eine Band schon seltsam sein, wenn man sich mit neuen Sounds weiterentwickeln möchte, damit wenig Erfolg hat, sich dann musikalisch zurück besinnt und plötzlich wahre Begeisterungsstürme entfesselt. Aber so funktioniert das Musikgeschäft für das einfache Volk. Und sind wir mal ehrlich - mit dem Vorgänger "Red Carpet Massacre" konnten Duran Duran nicht wirklich überzeugen. Doch das ist nun vorbei. (Sir Raze)

Label: Ear Music | VÖ: 18.03.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/chainreactorxxx

 
 
 


Blancmange „Blanc burn“
Nach einer langen Ruhepause versuchen Blancmange die Glut ihrer Erfolge aus den 80ern neu zu entfachen. Der Opener „Drive me“ kann mit seinen Midtempo-Breakbeats und dem Sprechgesang erstmal nicht entflammen. Das folgende „Probaly nothing“ feuert mit etwas mehr Melodie, doch der Song ist doch zu hölzern und erzeugt nur ein kurzes Flackern. Erst mit „The Western“ beginnt ein kleines heimeliges Synth Pop-Flämmchen zu züngeln. Doch ob daraus noch ein prächtiges Lagerfeuer wird? Eher nicht, auch wenn bei „Don´t let these days“ schon die Akustik-Gitarre ausgepackt wird. Dafür sprühen die Songs des Albums einfach zu wenig Funken. (Spider)
Label: Proper Rec | VÖ: 11.03.2011 | Homepage: http://www.blancmange.co.uk

 
 


Nils Frahm and Anne Müller "7fingers"
Als Musikjunkie kommt man um den Berliner Pianist Nils Frahm nur schwer herum. So zeigte er durch diverse Kollaborationen mit Künstlern wie F. S. Blumm und Peter Broderick, sowie im Vorprogramm von Shearwater oder Olafúr Arnalds sein musikalisches Talent. Zusammen mit der Berliner Cellistin Anne Müller nahm Frahm nun dieses Album auf, bei dem das Klavier allerdings etwas
in den Hintergrund tritt. Jedoch braucht man auch nicht ganz auf das Klavier zu verzichten. Stilsicher verbindet sich auf "7fingers" Neo-Klassik mit elektronischer Loungemusik. Mitunter wurden Cello-Loops verarbeitet, die stellenweise aufheulen, um dann von verfrickelten Drums völlig stressfrei zerhackt zu werden. Dabei entführen uns Müller und Frahm in eine wohlig-wärmende Klangwelt, die durch unvorhersehbare Brüche, klangliche Eleganz und Soundspielerei gekennzeichnet ist und mit "Long Enough", dem einzigen Song mit Gesang, fulminant endet. Ein wirklich empfehlenswertes und sehr angenehmes Werk. (Sir Raze)
Label: Erased Tapes | VÖ: 11.03.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/nilsfrahm

 
 


King Creosote & Jon Hopkins "Diamond Mine"
Es ist Frühling. Jetzt mal ehrlich Leute, wer möchte da nicht mit Freunden, geliebten Menschen oder potenziellen Sexualpartnern über Felder, durch aufblühende Wälder und Wiesen oder hochgradig geschädigte Industriegebiete tanzen. Zum Tanzen ist die Musik von King Creosote und Jon Hopkins zwar nur bedingt geeignet, jedoch strahlt sie wie die wärmende Frühlingssonne eine Magie aus, wie sie der O.T.O. oder andere Bruderschaften des „dunklen Lichts“ gerne ihr Eigen nennen würden. Der Schotte King Creosote begeistert auch diesmal mit seiner charismatischen Stimme. Mit „Diamond Mine“ liegt nun ein Ambient-Folk-Album vor, welches man schon jetzt mit großer Sicherheit zu den schönsten Alben 2011 zählen kann. Klavier, Vogelgezwitscher, Meeresrauschen und klassische Gitarren zaubern eine behagliche Atmosphäre, die unbedingt durch viel Liebe, Geknutsche, laue Frühlingsluft und einen geflochtenen Kranz aus Blumen ausgebaut werden sollte. Ein Frühlingstraum. Anspieltipps: „John Taylor's Month Away“, „Bats In The Attic“, „Bubble“. (Sir Raze)
Label: Domino Records / GoodToGo | VÖ: 28.03.2011 | Homepage: http://www.kingcreosote.com
 
 


The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble "From The Stairwell"
The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble gehören zur Speerspitze des Slomo-Doom-Jazz. Die Niederländer, welche sich auch The Mount Fuji Doomjazz Corporation nennen, veröffentlichen mit "From The Stairwell", wie ich finde, ihr bestes Album. Kein Wunder, ist es doch unter finanzieller Mithilfe der Fans entstanden. Diese Tatsache ließ sicherlich ein entspanntes und vor allem freies Arbeiten zu, was man auch zu hören meint. So kann man durch einen düsteren Klangkosmos schweben, dessen Lieder mit Namen wie "White Eyes", "Cocaine", "Celladoor" oder "Les Etoiles Mutantes" betitelt sind. Besonders letztgenannter Song sollte mit viel Aufmerksamkeit gehört werden. Zudem hören wir tiefe, elektronische Flächensounds, welche neben Piano, Cello, Trompeten, Saxophon und natürlich dem schleppenden Spiel der Jazz-Drums ertönen. Dazu die fragil anmutende Stimme von Sängerin Charlotte Cegarra. Kein Zweifel, dies ist ein herzzerreißendes Werk, was mit Ambient-Industrial-Slomo-Jazz alles zu bieten hat. (Sir Raze)
Label: Denovali | VÖ: 25.03.2011 | Homepage: http://www.whoresound.com/
 
 


Mono Inc "Viva Hades"
Man wird sie einfach nicht los. Ist man einmal infiziert, verfolgen einen die Ohrwürmer der vergangenen Mono Inc-Alben gnadenlos. Man summt sie vor sich her und sie schwirren sogar durch die wunderbare Phase kurz vor dem Einschlafen. Mit dem neuen Opus sind die Nordlichter nun endgültig bei der totalen Hitdichte angekommen. Ob nun die mitreißende „Symphony of pain“, das grandiose „Revenge“ oder eine der anrührenden Balladen (allen voran „When all my cards are played“), diese Platte strotzt vor großen Momenten und großen Melodien. Dabei wirkt wirklich alles authentisch und das Herzblut tropft zart bis hart aus jeder Note. Da folgt man doch gern in die heiligen Hallen des Hades! (Torsten Pape)
Label: No Cut | VÖ: 18.03.2011 | Homepage: http://www.mono-inc.com
 
 


OMD "History Of Modern (Part 1)"
Endlich ist es soweit. Mein absoluter Favorit vom aktuellen OMD-Album wird als Single auf die Menschheit losgelassen. Dieser Song ist schlicht grandios und funktioniert auf Grund der tollen Melodie sogar ohne gesungenen Refrain! Weiterhin wurden meine Gebete erhört, da die Mehrzahl der Remixe wirklich hörenswert ist (allen voran die klassische Extended Version!). Mein Herz jubiliert und kriegt sich im Folgenden angesichts der Tatsache gar nicht mehr ein, dass neben dem bekannten Part II auch noch Part III und IV sowie alle B-Seiten der 2010 erschienenen Singles mit an Bord sind. Wenn schlussendlich den genialen The XX mit einer Coverversion ("VCR") Tribut gezollt wird, kann man echt nicht mehr meckern. Eine 12-Track-Single zum mit der Zunge schnalzen! (Torsten Pape)
Label: Blue Noise | VÖ: 11.03.2011 | Homepage: http://www.omd.uk.com
 
 


Angelzoom "Everyone Cares"
Ich bin sicher nicht der Einzige, der trotz Besitzes des aktuellen Angelzoom-Albums nicht hätte sagen können, an welcher Stelle der Tracklist sich „Everyone cares“ befindet. Das liegt nicht an mangelnder Qualität des Tracks, sondern vielmehr am gleichbleibend hohen Niveau des Longplayers. Nun wird einem diese tolle Nummer in Form einer Single präsentiert und entfaltet sich im vollmundigen Radio Edit zu voller Blüte. So klingt ein perfekter Popsong und das auch nach dem x-ten Hören! Die beiden anderen, ruhigeren Mixe sind ebenfalls gelungen und lassen zusammen mit dem Instrumental „Battle Angel Chapter VI“, die Maxi leider viel zu schnell ausklingen. (Torsten Pape)
Label: Wannsee | VÖ: 04.03.2011 | Homepage: http://www.angelzoom.com
 
 
 VÖ: Februar 2011  
 


dAVOS „2004 - 2010 Promo”
Bevor die Österreicher mit ihrer neuen Maxi und ihrem zweiten Longplayer in den Startlöchern stehen, präsentieren sie sich mit einer Auswahl ihrer Songs aus den letzten Jahren. Eigentlich war diese Zusammenstellung nur für DJs gedacht, aber nun findet man sie doch im Handel. Enthalten sind (logischerweise) eher die beschwingten Stücke und das Hörerlebnis ist sehr kurzweilig. Gefällige, meist synthetische Melodien gibt es nämlich bei fast allen Liedern, oftmals gepaart mit einem leicht angerauten, wavigen Charme in Gestalt von Gesang und Gitarrenspiel. Remixe von Psyche und L’ame Immortelle sowie der sehr günstige Kaufpreis runden das sympathische Bild ab. Meine Anspieltipps: „Crime“, „For heaven’s sake“, “My new pearl” und “Lass es sein”. (Torsten Pape)
Label: Ionium | VÖ: 04.02.2011 | Homepage: http://www.solarfake.de/

 
 
 


Das Ich "Egodram"
Nicht wenige sind der Meinung, dass „Egodram“ neben den ersten Alben das wichtigste Werk von Das Ich ist. Sei es die Neuartigkeit im Klang, die Genialität der Texte oder das schlichte Vorhandensein des größten Clubhits namens „Destillat“ - alles bezeugt die Größe und Bedeutung dieses Tondokuments aus dem Jahr 1997. Nun liegt das verschollene, weil bis dato nicht mehr regulär erhältliche Werk in neuem Glanz vor und kann auch nach all der Zeit in vollem Maße überzeugen. Das Booklet wurde übrigens wunderbar aufgepeppt und eine Bonus-CD gibt es obendrein. Fans dürften das dort enthaltene Material zwar größtenteils von Maxis oder Compilations kennen, aber vier Demos sind wirklich unveröffentlicht. Obendrauf darf man sich zudem am „Destillat“-Clip erfreuen. Fazit: Auf ganzer Linie gibt es ein lautes Juchu! (Torsten Pape)
Label: Danse Macabre | VÖ: 25.02.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/dasich
   
 


Dekad "So Sorry"
Mit dieser ausschließlich digital erhältlichen Single kündigt das französische Projekt Dekad seinen neuen Langspieler an. “So sorry” macht auch prompt Lust auf mehr, denn es ist ein wahrhafter Ohrwurm geworden. Die prägnante Melodie der Alternative Version, der unterkühlte und doch melancholische, männliche Gesang, die fette Programmierung sowie die laszive Gaststimme von Lover_XX (Foretaste) gehen sofort ins Langzeitgedächtnis. Im Oxyde Mix erscheint der Song etwas spröder und rhythmusbetonter, jedoch nicht minder hochwertig. Der Non-Albumtrack “Stupid game” besticht durch einen hämmernden Rhythmus und erinnert mich ein wenig an alte Assemblage 23-Tracks. Sehr schön. Am Ende findet man noch den No|reaction Mix von “What if”, der feinste Minimal-Analog-Ästhetik bietet, die tolle Melodie jedoch etwas entschärft. (Torsten Pape)
Label: Boredom Product | VÖ: 28.02.2011 | Homepage: http://www.boredomproduct.online.fr
 
 
 VÖ: November 2010  
 


[De:ad:cibel] "Jerusalem Syndrome / Human product EP"
Mit "Jerusalem Syndrome" kommt im Nachhinein einer der Tanzflächenkracher des Debüts zu separaten Ehren. Schon in der Albumversion konnten die flirrenden Sequenzen, der stramme Beat sowie der prägnante Text begeistern. Nun wird im E-Thik-Remix mit (future-)poppigen Elementen aufgespritzt, was unerwartet gut funktioniert. Der Atheist Dance Mix arbeitet hingegen mit deutlich mehr Noise-Elementen und Soundspielereien, geht aber trotzdem gut ab. "Human product" wird als letztes Stück des Longplayers vielleicht gern übersehen und nun ebenfalls in zwei neuen Versionen präsentiert. Marschiert das Original noch bedrohlich im kanadischen Midtempo, wirkt der Fabious Corpus Act Remix etwas leichtfüßiger, jedoch nicht minder dräuend. Der Utz-Utz-Utzi Mix kombiniert Schwere mit einem stechenden Sound – fies, aber geil. Den Abschluss bildet der davNtage-Remix von "Nobody hurts me like I do" mit einer sehr schönen Kombination aus stampfendem Beat, Streicherklängen, Flächensounds und tollen Stimmeffekten. (Torsten Pape)
Label: Echozone | VÖ: 05.11.2010 | Homepage: http://www.deadcibel.com
 
 
 VÖ: 2006  
 


V.A. "Do electric sheep dream of androids"
Im Zuge des kürzlich geführten Laudanum-Interviews, wurde diese Download-Compilation aus dem Jahre 2006 ans Bodystyler-Gestade gespült. Damals und bis jetzt fristete sie eher ein Schattendasein, was aber nicht unbedingt der gebotenen Qualität geschuldet ist. Sicherlich sind nicht die ganz großen Namen der Electro-Pop-Szene dabei, aber Bands wie Superikone, D.-Pressiv, F.P., F.O.D., The Promise, Cue to Recall (heute Substaat) und eben Laudanum haben bis heute bereits einige Fans gewinnen können. Demoaufnahmen stehen neben sehr professionellen Beiträgen, nicht alles ist am Ende perfekt, aber einen Totalausfall sucht man ebenfalls vergebens. Hört mal rein und unterstützt bei Gefallen ein kleines, aber feines Underground-Label. (Torsten Pape)
Label: Formalhaut Records | VÖ: 05.05.2006 | Homepage: http://www.formalhaut.net
   
 


Myk Jung "Zenith is Decline-The Nine Lost Ballads"
Männer und Balladen? Darf Man(n) das heute noch? Immerhin sind die Zeiten hart und die Musik als Spiegel dessen dementsprechend auch... Ja, Man(n) darf, nur nicht jeder, logisch. Dieser hier aber darf, der darf alles, macht er ja auch, weil er es kann, so scheint es zumindest. Was zu der Frage führt, ob es etwas gibt, was Myk Jung je schlecht gemacht hat? Solange ich nichts gegenteilges vernehme, behaupte ich einfach mal nein! Als Musiker und Autor seit den 80ern vielen bekannt, ist er eine Institution der Szene, ruht sich aber mitnichten darauf aus. Gut so, hätten wir doch sonst nicht dieses Glanzstück musikalisch-lyrischen Könnens zu besprechen. Düster, traurig und eindringlich sind Musik- und Textwerk, charismatisch die Stimme, wie eh und je. Ein Blick zurück und nach vorn, reif in jedem Fall auch aber dennoch weit ab von konservativen Linien oder biderem Grundton. Eben Myk Jung, durch und durch. (Frank Bentert)
: Endless | VÖ: 24.03.2006 | Homepage: http://www.www.mykjung.de
   
 


[NON]

Shotgun Club „Love Under The Gun
„Twäng-twäng“ sagt die Gitarre und dazu ein nörgeliger Gesang – fertig aus, erstes Stück vorbei. Die spinnen, die Finnen! Wie soll es nach so einer Eröffnung weiter gehen? Mit einem Rhythmus vielleicht, der so klingt, als wäre er auf einem Schuhkarton gespielt worden? Dazu ein monotoner, meandernder Bass und ein Gesang, der auch im britischen Rave Anfang der 90er nicht negativ aufgefallen wäre? Voila! Es ist angerichtet. Auch die restlichen Songs klingen so, als ob der halbe Hausrat als Instrument herhalten musste und alles maximal achtspurig aufgenommen wäre. Minimalismus pur. Hin und wieder taucht noch ein Gedanke an sehr frühe Joy Division auf, aber die meiste Zeit fragt man sich einfach, was genau die hypnotische Faszination dieses blechern klingenden Albums nun ausmacht. (Torsten Pape)

Label: Danse Macabre | VÖ: 17.07.2011 | Homepage: http://www.myspace.com/clubshotgun

 
 











 



COLD COLD GROUND
"This side of depravity"
Mitten in den aufkeimenden Frühlingsgefühlen wollen uns vier Finnen auf den doppelt kalten Grund locken. Man verspricht keine x-te Industrial Metal-Kopie zu sein. Das trifft auch durchaus zu, die Band hat mit diesem Genre schlichtweg wenig zu tun. Auch wenn ein paar elektronische Töne genutzt werden, folgt man eher der Route des Nu Metal - und schwimmt damit im Schwarm. Sicher, es werden ein paar solide Rocknummern geboten und wie viele ihrer Artgenossen hat die Combo jede Menge kreative Energie für ein düsteres Cover-Artwork und gut ausgearbeitete, skurrile Bandcharaktere aufgebracht. Aber die Musik besitzt eben nur handwerkliches Können und wenig Individualität. Spätestens nach der Hälfte des Albums schwindet die Motivation dies wirklich durch zuhören. Ich habe es getan und glaubt mir, es endet, wie es begonnen hat. In lauwarmen Gewässern ohne kalten Grund zu erreichen. (Spider)




Düsterer Himmel. Es regnet. Am Horizont kreisen vereinzelt Krähen. Von irgendwoher weht der Wind Rauchschwaden her. Ein Schatten huscht vorbei. Groß, verzerrt, hasengleich? Eine Tür knarrt. „A kind of pain you've never felt before,“ beginnt Hauptmann D zu singen, die Groteske ist perfekt. Eine Freakshow erster Klasse, Uhrwerk Orange im Gothicstil, den Soundtrack bringen CCG mit. Auf faszinierende, anrüchige wie abstoßende (textlich zensurnahe) Weise schaffen die vier Finnen mit ihrem Debüt den Sprung in eine vollkommene Komposition. Energisch, dynamisch, lebendig, authentisch. Dass sie zu allem Überfluss auch noch tanzbar ist, ist fast schon zu viel des Guten. Aber Achtung: Es ist nichts für Mimosen! (Manuela Seiler)
VÖ: 28.04.11 // Danse Macabre


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Coldcoldground.com

 
 
 



Kinetik Control
"Only truth remains"
Ein völlig neues Hörgefühl scheinen uns die fünf Finnen mit ihrem zweiten Album auf den ersten Blick...äh, auf's erste Ohr zu geben, läßt man sich von der anfänglichen Leichtigkeit und Behändigkeit, den Riffs, die einen mitreißen, in andere Sphären schmeißen, einlullen. Doch bereits beim zweiten Ohr machen sich einige Mängel breit. Etwas arg kitschiger Rock'n Roll, der ab Song #3 nicht mehr weiß, ob er Metal, Hardrock oder  eher Alternative werden soll. Töne können kaum gehalten werden, Texte werden plakativ, klingen schmalzig und penetrant nach Sonnenschein und Gloria. Dass Kinetik Control in Finnland Stars sind, gönne ich ihnen von Herzen (Hits: "In this life!" und "All fours"), aber die Auswahl scheint dort wohl nicht besonders groß zu sein. Geschmäcker sind zum Glück verschieden. Meiner auch. (Manuela Seiler)
VÖ: 08.04.11 // Danse Macabre


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Myspace.com/kinetikcontrol

 
 
 



Metallspürhunde
"Moloch"
Diese Band ging bis jetzt recht spurlos an mir vorbei, da einzeln gehörte Tracks kaum mein Interesse wecken konnten. Erinnere ich mich richtig, empfand ich die Musik als unangenehm verbissen und sperrig. Das neue Album geleitet mich hingegen geradezu sanft in die Sphären des Molochs. Schmissige Melodien, entspannte Kompositionen und gefälliger (m/w-Duett-)Gesang spinnen ein feines Netz, das das interessante Konzept zusammenhält. Manchmal ist weniger an den richtigen Stellen eben einfach mehr. Einige Passagen  nerven mich zwar noch ein wenig, aber der Gesamteindruck ist schon stimmig. Wahrscheinlich kann sich die Band mit ihrer Mischung aus Electro, Mythologie, Indierock, Sozialkritik und NDW sogar neue Hörerschichten erschließen. Alte Fans dürfen sich über eine Bonus-CD mit Remixen alter Perlen freuen. (Torsten Pape)
VÖ: 01.04.11 // Danse Macabre


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Myspace.com/metallspuerhunde

 
 
 



Moddi
„Floriography“
Die Musik des Pål Moddi Knutsen ist seit Beginn dieses Winters mein Begleiter, denn „Floriography“ wurde bereits im Februar 2010 in Norwegen, der Heimat des 23-Jährigen, erfolgreich veröffentlicht. Schon allein der Opener „Rubbles“ begeistert durch seine langsam steigende Intensität. Man möchte aus der Haut fahren, umher springen oder vor Rührung bitterlich weinen. Es ist „Verbundenheitsmusik“, eine mentale Beurlaubung. Musik für Liebende, sich Begehrende, Naturbegeisterte, Poeten. Hier wird auf Details geachtet und im verborgenen gefischt. Dabei passt der Norwegenpulli und das Akkordion ganz gut zusammen. Tiefe Sehnsucht, Abgründe der Schönheit und eine klare Stimme, wie sie selten zu Gehör gebracht wird. Man kann sich nicht hoch genug mit Lobeshymnen überschlagen. Ein ganz besonderes Werk, ohne viel Schnörkel und Bremborium. Phantastisch! Anspieltipps: „Rubbles“, „Smoke“, „Magpie Eggs“, „Poetry“. (Sir Raze)
VÖ: 28.01.11 // Propeller


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Myspace.com/moddimusikk

 
 
 



Dirk Bernemann
"Vogelstimmen" (Buch)
"Deswegen bin ich hier – wegen der Hoffnung auf Minimalmomente." Ein Mann, Mitte dreißig, Buchverkäufer, alleinstehend, fernab jedweder Realität lebend und doch diese genauestens beobachtend – steht für eine ganze Generation, die im Auftreten snobistisch, subtil, der Dekadenz verfallen und doch in manchen Dingen soviel Sublimität ausstrahlt, das Empfindlich- und vor allem Befindlichkeit das große Thema wird. Immer noch augenverschließend vor der Wahrheit, die sie uns aufdrängt und doch intensiv sich mit ihr beschäftigend. Dirk Bernemann neuestes Werk macht deutlich, dass Vergänglichkeit nicht nur Umstandsverrottung ist, sondern auch zukunftsweisend – denn das Ziel wohnt in allem inne: "Leben – und Gefühle haben"...und das Glück begegnen, solange wir in Bewegung sind. (Manuela Seiler)
VÖ: 20.09.11 // Ubooks


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DirkBernemann.de

 
 
 



The Boxer Rebellion
„The Cold Still“
Wie melancholisch sie sind. Bereits auf „Union“ und „Exits“ bewiesen die Jungs aus London, dass ihre Musik nicht einfach nur aus aneinander gereihten Tönen besteht. Sie ist Seele, sie ist traumhaft und sie ist eine Offenbarung, die im Genre des Indie-Rock ihresgleichen sucht. Es ist herzzerreißender Wave, der mit einem kleinen Schuss Post-Rock verfeinert wurde. Die Stimme von Sänger Nathan Nicholson ist, ohne nervig zu werden, eher in den höheren Tonlagen zuhause. „Both Sides Are Even“ und „Doubt“ sind herausragende Songs, vergleichbar mit „Lay Me Down“ vom „Exits“-Album, die stark auf die Tränendrüse drücken. Leider muss ich feststellen, dass es auf Albumlänge nicht annähernd so viele Gänsehaut-Tracks gibt, wie auf den Vorgängeralben. Dennoch lohnt sich die Anschaffung von „The Cold Still“, denn es ist mal wieder ein Meisterwerk der Klangkunst, was Gerüchten zufolge in den „Real World Studios“ des Peter Gabriels aufgenommen wurde. Na bitte! (Sir Raze)
VÖ: 11.02.11 // Absentee/ADA


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Theboxerrebellion.com

 
 
 



WHITE LIES
"Ritual"
Eine Packung Lithium, pathetischer Retro-Wave, sonoren Bariton sowie einen Bombast-Chorus wie er seit den seligen Tagen von Big Country nicht mehr über den Kanal hallte... mehr braucht es nicht für perfektionistische Melancholiker. Mehr als Singles braucht es auch erneut nicht von den White Lies. Und wer noch immer vehement deren Blutsverwandtschaft mit den Editors abstreiten wollte, der höre sich gefälligst mal den Datasette-Remix an. Nächste Single... (Ivo Klassmann)
VÖ: 28.01.11 // Polydor




Nachdem die White Lies mit ihrem Debüt "To lose my life" höchst beeindruckend eine Renaissance des New Wave feierten, überraschen sie mit dem Nachfolger "Ritual" ebenfalls positiv. Einerseits ist das Werk in Songwriting und Produktion deutlich poppiger als der Vorgänger, andererseits agieren die Gitarren teilweise ruppiger und rockiger als gewohnt. Der Großteil der Songs sind aber wunderbar fragile Kompositionen, tief aus der Zauberküche der 80er, eingefangen im Geist der Neuzeit. So trifft der unverkennbare, grandiose eigene Sound der White Lies auf Einflüsse der frühen Tears of Fears und von Echo & the Bunnymen. Das Album ist ihr zweiter leuchtender Stern in der History alternativer Musik. Es besteht aus Stücken mit durchgehendem Hymnencharakter. Sehr beständig und kein schmerzhafter Hype.
(Spider)
VÖ: 28.01.11 // Polydor


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WhiteLies.com

 
 
 



Orgonautic
"The life and time of Harold Lomond"
Nicht das Leben des Benjamin Button wird hier intoniert, sondern in vier Songsequenzen das des Harold Lomond. Hatten die letzten Songs noch einen etwas futuristisch anmutenden Beginn, lullt einen hier das Wohlig-Psychedelische ein, versetzt einen förmlich in Trance. Man wird mit ihm groß, geht mit Harold hinaus in die weite Welt, sucht und findet Beziehungen, lebt vor sich hin, gerät in eine Lebenskrise, beginnt neu, wartet und stirbt. Mit einem stark sarkastischen Auge betrachtet Alexander Nym das Geschehen. Genial finde ich den Abspann der Single, gesungen von einem Kinderchor, angeleitet von einer "Lehrerin", fast schwebend, losgelöst, man möchte beinahe mitschunkeln. In allen zwölf Minuten bleibt die Musik minimal, steril, rhythmisch, sanft und irgendwie auch eindringlich. "Death is perfect, death is fun. Death is good for everyone." Den Rest des Rätsels muss der Hörer dann doch schon selber herausfinden. Viel Spaß dabei! (Manuela Seiler)
VO: 02.01.11 // (Unsigned)


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Myspace.com/orgonautic

 
 
 



Codes In The Clouds
„As The Spirit Wanes“
Diese Band aus Dartford, England, erspielte sich bereits mit ihrem Debüt-Album „Paper Canyon“ einen eigenen Sound sowie eine stetig wachsende Fangemeinde. Codes In The Clouds sind Labelkollegen vom Isländischen Musiker Ólafur Arnalds und verstehen es, wie er, wunderschöne instrumentale Klanglandschaften zu erschaffen. So trifft hier gefühlsechter Post-Rock auf wavige Gitarren, die den Wiedererkennungswert der Band repräsentieren. Intensiv kraftvolles Gitarrengemosche verschmilzt mit zarten, fast zerbrechlich gezupften Tonfolgen. Kein Wunder, wenn selbst die jungen depressiven Inselbewohner im fernen Island Codes In The Clouds mögen, sind doch die Isländer quasi die Erfinder des schwermütigen Post-Rocks. Auch der Auftritt beim letztjährigen „Iceland Airwaves Festival“ war sicherlich nicht unerheblich für das Ansehen der Band. Und so reflektiert das Coverartwork von „As The Spirit Wanes“ zugleich diese Zeit in Island. Für das Mastering war der Berliner Musiker und Support der Ólafur Arnalds-Tour 2010 Nils Frahm zuständig. Ein großes JA zu diesem Album. (Sir Raze)
VO: 14.01.11 // Erased Tapes


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Myspace.com/codesintheclouds

 
 
 



Ezequiel Ezequiel 
„Rue De Rivoli / Need“
Es gibt Musiker, die man zufällig im Weltnetz entdeckt und bei denen man sich fragt, warum sie bisher noch keinen Plattenvertrag bekommen haben. Ezequiel Ezequiel ist so ein Künstler. Der in London lebende Argentinier Ezequiel Claverie stellt seine Veröffentlichungen zum freien Download zur Verfügung. So auch seine neue Single „Rue De Rivoli / Need“. Die Musik bewegt sich zwischen Ambient, Folk und Electronica. Eine Gitarre, etwas synthetisches Gefrickel sowie Claveries Stimme zeichnen das Klangbild. Leichte Parallelen zu Bands wie Radiohead oder den grandiosen The White Birch ließen mich wohlwollend grinsen. Wohl auch, weil ich gegenüber älteren Alben wie „Winter Rise“ eine Weiterentwicklung vernahm. Die Lieder begeistern durch ein professionelles Songwriting und eine wärmende Instrumentierung, ohne einfältig oder gar langweilig zu werden. Es ist ein authentisches Stück Musik. (Sir Raze)
VO: 29.11.10 // EzequielEzequiel


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Myspace.com/EzequielEzequiel

 
 
 



Aidan John Moffat
„Ten Short Songs For Modern Lovers“
Von 1990 bis 1995 bildete der Schotte Aidan.J.Moffat die Band ANGRY BUDDHISTS, auch kurz The A.B.'s genannt. Von 1996 bis 2006 war er mit Malcolm Middleton als ARAB STRAP unterwegs, mit denen er 6 erfolgreiche Studioalben veröffentlichte. Als AIDAN MOFFAT & THE BEST OFS veröffentlichte er das Album „How To Get To Heaven From Scotland“. Sein Neues „Ten Short Songs For Modern Lovers“ beinhaltet ein seltsames Zusammenspiel. Der folkige Part steht dabei klar im Vordergrund. Textlich geht es um Liebe in allen Formen und Farben, vom wilden Beischlaf bis zur nie erwiderten Liebe. Zwischendurch erklingen digital-chaotische Brüche. Man stelle sich einen Bob Geldof vor, der mit ADD N TO (X) musiziert. Keines der 10 Lieder erreicht 1.50 Minuten. Somit ist diese VÖ mit einer Gesamtspielzeit von 9.01 Minuten eines der kürzesten Alben 2010. Interessant ist es allemal. (Sir Raze)
VÖ: 11/2010 // Chemikal Underground


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AidanMoffat.co.uk/

 
 
 



Sweet Sister Pain
"The 7 seas of blood and honey"
In faszinierend reifer, weiser Art geleitet uns das Trio von Sweet Sister Pain in einen realitätsnahen Traum aus Klassik, Pop- und Synthetikmomenten, unterstrichen von den beiden glasklaren Gesängen G. Laudahns und Ch. Krachts. Vergleiche mit Unto Ashes werden wach, die sie auch blendend bestehen. Eine Fantasiewelt eröffnet sich uns im Rahmen der sieben Mondmeere, die uns nicht mehr verlassen mag. Dahingleitend zwischen Kompositionen und Coverversionen (3), ergründen wir menschliche (Un-) Tiefen, nicht zuletzt auch uns selbst. Lediglich der Remix (KMFDM) trübt den verklärten Blick der Stunde: zu aufgestülpt wirken die elektronishen Resonanzen, der Glanz verfliegt aufgrund der Disharmonie zwischen Text/ Gesang und Musik. Die Coverversion "Off with your head" (Mz Ann Thropiks) ist dagegen stimmungssicher und tief berührend umgesetzt worden. (Manuela Seiler)
VÖ: 22.10.2010 // Danse Macabre


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SweetSisterPain.de

 
 
 



Amiina
„Puzzle“
Bei Sigur Rós sind die zauberhaften Mädchen für die Streichinstrumente zuständig. Ihr nun drittes Album trägt den schlichten Titel „Puzzle“ und fügt sich vom Stil gut in das Gefüge ihrer bisherigen Alben. Sie sind gar etwas elektronischer und rhythmischer geworden, denn dem Mädchenvierer sind die beiden Jungs Kippi Kaninus und Magnús Trygvason Eliassen beigetreten - ebenso gestandene Musiker und haben nicht unwesentlich zu diesem erweiterten Klanguniversum beigetragen. So ertönt beispielsweise ein Schlagzeug und etwas synthetisches Gefrickel. Sonst bleiben Amiina bei ihren klassischen Instrumenten wie Geige und Cello. Eine weitere Neuerung ist die singende Säge und es wird zu meiner Überraschung gesungen. Ein Werk voller Emotionen und Schönheit wird einem hier präsentiert, was mitunter sogar als weihnachtlicher Soundtrack taugen könnte. Es ist ein weiteres Kapitel aus dem Buch der eindrucksvollsten isländischen Klänge. Zudem bringt das Glockenspiel Elfen, Zwerge, Trolle und Feen zum tanzen und komplettiert somit die musikalische Fabelwelt von Amiina. (Sir Raze)
VO: 09/2010 // Amiina


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Amiina.com

 
 
 



A Forest
“Leaves Leaves Fall Fall Rain Fall”
Fernab des Gleichschritts gibt es sie, die den Mainstream ignorierende Musik. Sie klingt, als hätte man eine der abgedrehten Folgen von „Der Kommissar“ in der Besetzung der endenden 1960er Jahre in unsere Zeit gebeamt. Harry Klein betritt einen dieser schrägen Clubs … und auf der Bühne stehen A Forest! Ihre Musik ist das Gegenteil unserer Zeit, in der mentale Handarbeit nur noch als Mittel zur Selbstbefriedigung dient. A Forest sind eine bunte Wiese fernab von Monokultur und Kommerz. Sie spielen Pop-Musik ohne Chance auf die Charts. Sie kreieren Geistesblitze ohne Chance auf Preise. Der große Unterschied ist, dass ihre fragilen Kompositionen unter die Haut gehen. Entspannt sind sie, gleichzeitig aber auch voller Emotion. Schön irgendwie. (Manfred Thomaser)
VÖ: 06/2010 // Analogsoul


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Analogsoul.de/cgi-bin/ana.pl

 
 
 



Raggedy Angry
"How I learned to love our robot overlords"
Heilige Kanone – was ist denn das für eine abgefahrene Truppe? Da weiß man ja gar nicht, wo man zuerst hinhören soll, so viele Facetten werden auf diesem Album aufgefahren. Wo steht die höchste Achterbahn der Welt? Vergesst sie, das hier ist besser! Hart, laut, schnell, hymnisch, rotzig und vor allem frisch wie die erste Erdbeerernte zischen die Gitarrentorpedos und das – teils elektronische – Rhythmusgeschoss durch die Gegend. Manson und Peter Tägtgrens Pain standen Pate, genau wie Papa Roach und Nivek Ogre (Skinny Puppy), der übrigens alles abgemischt hat. Manchmal könnte der Gesang bei einer Black Metal-Combo bestehen, aber am Ende kommt bei "Robot love" doch der Schmusebär durch. Testet die Hits "Don't mess with the SS", "Fire engine red", "Get f**ked" oder "Assimilate" (kein Cover!)! (Torsten Pape)
VÖ: 01.10.10 // Danse Macabre


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RaggedyAngry.com

 
 
 
 



Henke
"Vom A zum F"
Menschen träumen. Manche Menschen träumen ihr Leben. Andere leben ihren Traum. Oswald Henke, den man u.a. von Goethes Erben kennen dürfte, hat in seinem neuen Projekt HENKE nun die Qual der Wahl. Ist es ein Traum? Oder entwickelt es sich zu mehr Leben? "Vom A zum F", instrumental eingängig wie eh und je, an manchen Stellen literarisch holpernd. "Das", ein solider Song, der Ohrwurmcharakter besitzt, "Blind" großartig und theatralisch komponiert, leider bestückt mit einem allzu schwachen Text, zu unausgegoren, zu unpräzise, zu schwammig. "Spuren im Schnee" scheint wieder zu Henke selbst zu passen, kein Wunder, ist es doch ein altes Erben-Stück - irgendwie alles ein bisschen irre. Der Remix zu "Vom A zum F" ist dann wieder ganz nett, mehr aber auch nicht. Habe mir leider mehr versprochen. (Manuela Seiler)
VÖ: 25.02.2011 // Oblivion


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oswald-henke.de

 
 
 



COLLECTION D´ARNELL-ANDREA
"Vernes - Monde" Auf ihrem aktuellen Werk entführt uns die Collection d´Arnell - Andrea in die Welt der Erlen. Diese schmucken Bäume stehen gerne an Seen oder Bächen und kokettieren mit Dichtern und Denkern, die gerne unter ihnen verweilen. Nicht nur diese erfüllt die CD sicher mit Freude. Jeder, der in der Lage ist, seine Gedanken auch mal abzuschalten, wird von dem fragilen Musikgebilde aus Streichern und Keyboard Fäden eingesponnen. Der französische und englische Gesang webt mit männlicher und weiblicher Stimme schmeichelnde Linien in die Ohren. Getragen wird das Konstrukt von einer klassischen Gitarre-, Bass- und Schlagzeug-Bandbesetzung. Mit diesem Album bewegt sich das Projekt innerhalb der eigenen Historie. Man ist mit Abstand nicht mehr so rockig wie auf den beiden Vorgängern, hat sich aber das erdig morbide Ambiente bewahrt und mit den lichten Neo Klassik-Elementen der Anfangstage vermischt. Ich wette, der Erlkönig nimmt lieber diese CD als das Kind. (Spider)
VÖ: 25.02.2011 // Prikosnovénie


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cdaa.free.fr

 
 
 



HATESEX
"A savage cabaret, she said"
Vorbei scheinen die wilden Zeiten des Sex and Drugs and Rock n Roll. Heutzutage empfinden die Musiker den wilden Beischlaf als negativ oder hassen ihn sogar. Es wird so manche Person geben, der genau so zum vorliegenden Album von Hatesex steht. Diese hat dann aber keine Empathie für das faszinierende Genre Deathrock. Wer allerdings auf den Sound verzerrt klagender Gitarren steht und willig ist, dem verlockenden Gesang einer Hüterin der Unterwelt zu folgen, wird mit dem Album "A savage cabaret, she said" bestens bedient. Es werden lyrisch die Tiefen der Seele ausgelotet und musikalisch kann man lange und immer wieder an den Ecken und Kanten zehren, bekommt dennoch vom ersten Hören an viel Melodik dargeboten. Das nicht jeder Song total zündet liegt an den Experimenten, sei es der männliche Gesang oder die blubbernde Elektronik, welche die Aufführung ab und an stören. Aber sie sagte ja schon, es ist ein unzivilisiertes Kabarett. (Spider)
VÖ: 18.02.11 // Alice in...


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Myspace.com/hatesex

 
 
 



INKUBUS SUKKUBUS
"The dark goddess"
Mit ihrem Album werden Inkubus Sukkubus allen Got(h)enrockern und Heidenkindern rote Bäckchen zaubern und der Christenheit die Zornesröte auf die Stirn treiben. Denn wie gewohnt plaudert Candia Riley mit glockenklarer Sangesstimme aus dem Pagan-Nähkästchen. Darunter mischen sich die unverwechselbaren Gitarrenriffs der Band. Mal treibend und mal an Keyboardflächen geschmiegt, sanft wie bei der Hymne "One of the dead". Doch die Songs treiben einen nicht nur schwermütig sinnierend in die Ecke. Es gibt durchaus auch Momente, die wie eine leichte Frühlingsbrise mitreißen. Ein kleiner Stolperstein bildet da eigentlich nur, dass sich die Machart der Stücke innerhalb ihrer Karriere und auch auf dem neuem Werk kaum verändert. Doch der Wiedererkennungswert ist meist stärker als der Hauch von Monotonie. Und wer  mit einem Stück wie "Karnayna" aufwartet, das von einer zerbrechlichen Akustik-Ballade zum musikalischen Epos wächst, bleibt unsterblich. (Spider)




Manchmal denke ich, dass die britische Pagan-Goth-Formation vor 20 Jahren ca. 500 Songs aufgenommen hat, die sie nun über die Zeit häppchenweise veröffentlicht. Anders ausgedrückt ist die Band bis auf einzelne, kleine Ausflüge einfach ihrem Stil treu geblieben. Kraftvoll bis verträumt, treibend und voller Mystik werden untergegangene Kulturen zum Leben erweckt. Die Stimme von Frontfrau Candia ist unverwechselbar, der Drumcomputer puckert stramm, die Synthieklänge erheben sich heroisch und die Gitarren braten in wallendem Auf und Ab. Meinetwegen kann das jedenfalls noch lange so weitergehen, denn der typische Klangkosmos bringt jedes Mal auf's Neue Saiten in mir zum Klingen. Und wenn dann auch noch eine herrliche Midtempo-Nummer wie "One of the dead" dabei ist, hat sich das Warten (mal wieder) gelohnt. (Torsten Pape)
VÖ: 18.02.11 // Alice in...


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InkubusSukkubus.com

 
 
 



Die Krupps
"Final option + Final option remixed"
Niemand wird bestreiten können, dass 1993 mit dem vorliegenden Album ein Meilenstein des Electro-Gitarren-Crossovers erschien. Dieses Werk knallt bis heute gewaltig und punktet zudem mit enormer Hitdichte. Keine Frage also, dass die Wiederveröffentlichung mit aufpoliertem Sound und tollem Layout/Booklet mehr als gerechtfertigt ist. Obendrauf gibt es einen Bonus-Silberling, dessen Hauptanteil aus den Stücken der 1994 folgenden "The final Remixes"-CD besteht. Hier wird der Crossover-Gedanke auf die Spitze getrieben, und nicht alles ist folglich für jedes Ohr gut hörbar. Allein jedoch die Tatsache, dass es sonst kaum Remixarbeiten von Andrew Eldritch oder FM Einheit von den Neubauten gibt, ist schon wieder ziemlich cool. Fünf damals enthaltene Versionen von älteren Songs wurden übrigens konsequenterweise durch vier rare Remixe von "Final option"-Tracks ersetzt. (Torsten Pape)
VÖ: 11.02.11 // Synthetic Symphony


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Myspace.com/diekrupps

 
 
 



Violens
„Amoral“
Das 80s-Revival ist erfreulicherweise nicht nur an der Reunion von Roxette oder der aggressiven Reklame für das neue Chris de Burgh -Album spürbar, sondern auch an der Musik einiger „jungen Bands“. Das New Yorker Trio Violens könnte zwar bequem in diesen 80s-Topf geworfen werden, doch so einfach ist es dann doch nicht. Hier wird weder musikalisch noch optisch mit den Klischees gespielt, dennoch verspürt man die Leichtigkeit von Bands wie den späten New Order, The Smith, House Of Love, Suede oder Duran Duran. Psychedelische Elemente, wie bei „Generational Loss“ oder „Violent Sensation  Descends“, was mich unweigerlich an The Beatles denken lässt, zeigen die Vielfältigkeit dieser Band. Sogar dezentes Saxophonspiel fügt sich sehr gut in dieses von grandiosen Keyboardflächen durchzogene Werk. Es ist schon beeindruckend, wie frisch und dennoch vertraut „Amoral“ klingt. Ein zeitgemäßes Produkt, welches die Vergangenheit nicht ignoriert. (Sir Raze)
VÖ: 11.02.11 // Static Recital


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Myspace.com/violens

 
 
 



Esben and The Witch
"Violet Cries"
Nur mal angenommen - Heather, Josh und Mike hätten auf ihrem Trip zum Coffin Rock die Cocteau Twins, The Birthday Party und Burial Hex im Gepäck gehabt, dann wäre die Idee um Esben and The Witch gegebenenfalls schon im Unterholz von Burkittsville entstanden... Na immerhin ist der Ethereal zurück auf der Insel, nur um dort von Rachel, Daniel und Thomas mit Kriegstrommeln kultiviert und mit einer Hydra aus buchstäblicher Agonie, Siechtum und martialischem Blutvergießen angereichert zu werden. Selten klingt Apokalypse so plausibel wie im "Marching Song" und "Hexagons IV". Noch spärlicher sind solch erschreckend beeindruckende Debütalben. (Ivo Klassmann)
VÖ: 28.01.11 // Matador


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esbenandthewitch.co.uk

 
 
 



Yuck
„Yuck“
Nach ihrer 2010 veröffentlichten Single „Georgia“, gibt es nun die LP mit dem schlichten Titel „Yuck“. Suchen wir im Weltnetz nach Yuck, finden wir nicht allzu viele Informationen. Wir haben es anscheinend mit mit einer realen Indie-Band zu tun. Über die Herkunft der Musiker finden wir folgendes: Einer lebt in New Jersey, zwei leben in London und Basserin Mariko lebt gar in Hiroshima. Wie proben die? Musikalisch erinnert Yuck in der Einfachheit der Instrumentierung an den Indie-Rock der späten Achtiger bzw. frühen Neunziger. Sänger Daniel würde eigentlich recht gut ins Ohr gehen, wenn der angezerrte Gesangseffekt in einigen Liedern nicht wäre. Seine Stimme verliert dadurch an Authentizität. Das Balladeske „Sunday“ erinnert irgendwie an die Deutschen Plan B, um Sänger Johnny Haeusler. Keine Ahnung warum. „Rubber“ ist ein recht schräger Track, der quasi als Finale das Album beendet, was mit „Get Away“ ähnlich kräftig begonnen hat. Der Kreis schließt sich also. (Sir Raze)
VÖ: 15.02.11 // Fat Possum


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Myspace.com/yuckband

 
 
 



Lovac
„Apes Of A Cold God“
Diese schwedische Band, wohnhaft in Malmö, Berlin, Stockholm und Beirut, veröffentlichte bereits 2008 ein beachtenswertes Album unter dem Bandnamen Down In June, welches aus qualitativ hochwertigen Coverversionen von Death In June - Klassikern bestand und sogar auf dem NERUS-Label erschien. Ein Ritterschlag für die Band, die nun unter den Namen Lovac ihr aktuelles Werk „Apes Of A Cold God“ präsentiert. Alsdann wird diesmal eigenes Songrepertoire zwischen hippiesken Gesängen und wavigem Folk dargeboten. Für die Freunde des Weird Folk dürfte dieses Album nicht uninteressant sein. Das Instrumentarium hat sich im Vergleich zu Down In June kaum verändert. Gut so, denn das Zusammenspiel zwischen Duettgesang, psychedelischen Keybordsounds und akustischen bis verzerrten Stromgitarren sind ein Stilelement der Band. So liefern Lovac ein abwechslungsreiches, stilübergreifendes Debut, was auf ganzer Länge begeistern kann und auch stimmlich überzeugt. Punktabzug gibt es für das Covermotiv. (Sir Raze)
VÖ: 08.11.10 // Soleilmoon


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Myspace.com/lovacmusic

 
 
 



Kurt Krömer
"Kröm de la Kröm2 (DVD)
Hier nun brandaktuell das Filmdokument der aktuellen Show des Ur-Berliners Kurt Krömer, und es bietet wahrlich Irrwitziges. Mittlerweile ist die Kiez-Ikone nämlich zum noch schärferen Beobachter der heimatlichen Fauna geworden und kann die Entdeckung des Fickfrosches sowie der Analwachtel für sich verbuchen. Aber auch die Kommentierung des (welt-)politischen Geschehens gehört neuerdings zu seinen Paradedisziplinen. Hier wird sich vielleicht der ein oder andere den drolligen Vogel von nebenan zurückwünschen, der Schnecken vom Balkon und Fernseher aus dem Kellerfenster wirft. Heute wie damals ist jedoch die spontane Reaktion auf das Publikum und das Wechseln der vielen Gesichter das, was auch die größeren Hallen begeistert. Leider ist das Bonusmaterial etwas dürftig ausgefallen, aber vielleicht hängt das damit zusammen, dass die letzten Auftritte der Tour aus gesundheitlichen Gründen abgesagt wurden. Ein Muss mehr, diese DVD zu kaufen, da das die Genesung des Herrn K fördert und Lachen auch für den Käufer gesund sein dürfte. (Torsten Pape)
VÖ: 12.11.10 // Universal


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KurtKroemer.de

 
 
 



ZIN
"The definition"
War das Debüt der Leipziger noch ein aufstrebendes, junges Pflänzchen, stehen die Jungs nun voll im Saft. Aus dem frischen Indiepop-Trunk, ist ein vollmundiger Wein geworden, der eine zutiefst romantische Seele atmet. Da braucht es nicht einmal eine so geniale Eichendorff-Vertonung wie die der "Mondnacht", um das zu erkennen. Gebettet auf unaufdringlicher, jedoch sehr effektvoller Elektronik, streben der emotionsgeladene Gesang und die jubilierenden Gitarren dem Lichte entgegen, dass es eine wahre Freude ist. Und damit das alles nicht zum Kindergeburtstag wird – ich weiß, da sollte es sowieso keinen Wein geben – sind auch ein paar dissonante Töne und ein gesunder Schuss Dekadenz an Bord. Sukkulent und deliziös! (Torsten Pape)
VÖ: 22.10.10 // Brachialpop


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Zin-Music.de

 
 
 



Falco
"3 - 25th Anniversary Edition"
Lifestyle ist am Arsch, und das nicht erst seit es die Aldi-App bei iTunes unter gleichnamiger Kategorie gibt. Angesichts einer hausgemachten Prohibition guten Geschmacks verwundert es folglich kaum, dass da Sony Music auf jenes exakt nach der Anzahl seiner ausgekoppelten Endorphingewitter benamte Album des zweitberühmtesten Österreichers zurückgriff. Singles und Album (Erstere zuzüglich holländischem Weichkäse) toppten alle Kontinente, brachten Glastische voller Koks zum bersten, dividierten das Alpenland und Bayern endlich auch kulturell auseinander... Heute verführt es kaum noch zu spontaner Masturbation, trotz einer DVD-Beilage mit den Highlights der amtlichen Video-Exekutive DoRo. Dass es weitere verstaubte Mixe nebst einer lauen Demo von Falco himself auch nicht wirklich bringen, hat man wohl geahnt, also musste es eine weitere Demo (ich hoffe, dass es das ist) der selbsternannten Enkel reißen. Jedoch üben HURTS mit ihrer Version von "Jeanny" nur vokale Rache für U995, die V2, das Wembley-Tor und den Missbrauch von Anglizismen. Lifestyle ist ja so was von am Arsch! (Ivo Klassmann)
VÖ: 22.10.2010 // Sony


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OfficialFalco.com

 
 
 



Bryan Ferry
"Olympia"
Als Fräulein auf dem Cover des neuen Bryan Ferry Albums hinterlässt Kate Moss einen sexy Eindruck. Auch das Mitwirken von Andy Mackay, Phil Manzanera und Brian Eno verkürzt den Weg zur  Kasse, denn seit Roxy Musics „For Your Pleasure“ (1973) hat es dieses Zusammenspiel mit Bryan Ferry nicht mehr gegeben. „Olympia“ beginnt mit einem Sample aus „True To Life“ (aus der Roxy Music LP „Avalon“). Daraus hervor geht die Single „You Can Dance“. Schnell glaubt man sich in die gute alte Zeit versetzt. Die Atmosphäre ist erotisch, dicht und cool zugleich. Besonders gilt das für die gefühlvolle Interpretation von Tim Buckleys „Song To The Siren“. Im Gegensatz hierzu stehen „Alphaville“ und „Me Oh My“. Man spürt, mehr Tiefgang wäre möglich gewesen. "Olympia“ ist ein Album zwischen ok und genial. (Manfred Thomaser)
VÖ: 22.10.2010 // Virgin/EMI


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BryanFerry.com

 
 
 



Münchner Freiheit „Ohne Limit“ Das waren Zeiten, als „Tausendmal Du“ und „Es gibt kein nächstes Mal“ auf den Discos dudelten. Ob Pionierdisko im Osten oder buntschillernde Landdisco im Westen, Münchner Freiheit schafften es die Tanzflächen mit Mädchen zu füllen. Dabei rangierte Gitarrist Aron Strobel in der Gunst unserer Mädchen vor Sänger Stefan Zauner, der bei Auftritten immer auf sein Mikro schielte. Das fanden die Zaunerinnen jedoch gerade süß. Heutzutage verkaufen die Medien die Freiheit scharf am Rand des Schlagers, dabei macht die Band ganz klar Popmusik. Natürlich schmachten auch diesmal die Texte nach Liebe und Beziehungsgedöhns. Sollen sie ruhig. Die Gitarren sind deutlich stärker zu vernehmen, Zauners Gesang punktet unverändert durch seine stimmliche Klarheit und ehe man sich versieht, trägt man mit „Seit der Nacht“ einen fiesen Ohrwurm durch den Tag. Im Kontext betrachtet, ist „Ohne Limit“ eine Bereicherung für die deutsche Popwelt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. (Sir Raze)
VÖ: 01.10.2010 // Koch / Universal


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Myspace.com/muenchenerfreiheit

 
 
 



The Legendary Pink Dots
„Seconds late for the brighton line“
Für die Kreativität ist die Luft in Holland sehr anregend. Was Eddi Ka-Spel, Phil „The Silverman“ Knight und Mannen seit 30 Jahren an Output haben, ist beachtenswert. Seit 20 Jahren kenne ich niemanden, der die komplette Discography nebst Soloveröffentlichungen zu sammeln vermochte. Eine Deutschland-Tour ist für Juni 2011 angekündigt. Großartig, denn hier in Berlin ist ein LPD- Konzert immer eine Art Familientreffen. Aber nun zu „Seconds late for the brighton line“. Die Elektronik steht wieder im Vordergrund. Kein Saxophon, sowie weniger Gitarren, was sicherlich am Weggang von Nils van Hoorn und Martijn de Kleer liegt. „Ascension“ beispielsweise scheint nicht von dieser Welt. Der Song ist ein 13 minütiger Rausch, ein Spiel der Klangfarben, eine instrumentale Offenbarung. „Hauptbahnhof 20:10“ ist eine wunderschöne Ballade in neuem Gewand. Er wurde bereits ohne Zusatz von „20:10“ 1982 auf „Atomic Roses“ veröffentlicht. 927 Zeichen sind bereits 27 Zeichen über das von Bodyhorst verordnete Zeichenlimit. Also bleibt mir abschließend nur ein begeistertes „Juhu“ zu diesen 9 Tracks und zur bevorstehenden Tour zu äußern. (Sir Raze)
VÖ: 05.10.2010 // Roir


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Myspace.com/thelegendarypinkdots

 
 
 
 



Hellfire Society
"Black-OP"
Ist es zu fassen? Nun sind die Italiener in Form von HFS, spez. im gestählten Adoniskörper von Frontmann Daniel, klammheimlich in die deutsche Szene gerockt. Während manch ein Mädel sich weiter an der Physis satt sieht, schlage ich mit den anderen mal den Weg des zweiten Albums ein. "Black-OP" heißt es und befasst sich mit der Kritik an der Oberflächlichkeit und den Strukturen des Musikbusiness. Mal stampfend, mal cool, mal melancholisch, mal aggressiv, stimmlich geht es wie musikalisch heiß her (Bsp: "I love you", "H.F.S", "Once upon a time")- pendelnd zwischen den Stilen von Static-X und NEP, M.Manson und Linkin Park – eine Art Hard-Rap-Electro – und auch wenn an einigen Stellen manche Ideen einfach dahingerotzt wirken und nicht ganz ausgereift, so besitzt diese Band Charme und durchaus Potential- bin gespannt auf mehr! (Manuela Seiler)
VÖ: 11.03.2011 // Danse Macabre


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Myspace.com/hellfiresociety

 
 
 



GOTHMINISTER
"Anima Inferna"
Nach unseren herben Enttäuschungen mit diversen deutschen Ministern schauen wir neugierig gen Norwegen. Die haben nicht nur mehr Kohle als wir, sondern auch einen eigenen Gothminister. Dieser scheint auf dem ersten Blick dem schwarzen Volk doch sehr nah. Sowohl der Albumtitel "Anima Inferna" als auch das Coverphoto, mit Crow Make up, strotzen nur so vor Klischee. Dann noch ein CD-Opener wie der Song "Stonehenge", der musikalisch auch noch die dunkle Metal-Wählerschaft mit ins Boot nimmt. Die harten Gitarrenriffs mit Epos-Keyboards und dunkler Grunze-Vortragsstimme offenbaren deutlich eine moderne Gothic-Politik-Struktur, die nicht mehr aus traditionellen Werten schöpft. Wer auf der Wahlkampfparty nur seine Mähne schütteln will, hat hier seinen Spaß. Ein paar durchaus zündende Ideen in einem ansonsten unspektakulären Konzept aus der musikalischen Mitte sind aber etwas zu wenig. (Spider)
VÖ: 25.03.2011 // Danse Macabre


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Myspace.com/gothminister

 
 
 



Kekal
„8“
Diese Band hat keine offiziellen Mitglieder. Das ist schon etwas seltsam. Und weil sie aus dem Industrial-Sektor kommt, aus Indonesien stammt und zudem einst Death-Metal machte, werde ich erst recht hellhörig. Hellhörig scheint dann auch der richtige Begriff, um meine jetzige Tätigkeit zu beschreiben. Neben Störgeräuschen von Handys, womöglich auch Blechpercussion, höre ich eine seltsame Art von Industial-Jazz-Metal-Noise. Unvorhersehbar chaotisch. Was ist das? Irgendwie erinnern Kekal an die französischen Ambient-Industrialer von SIN, dann wieder an Bile. Wirr ist die Musik. Meine Theorie dazu: Hier könnte der Konsum von weißen Bergen im Vorfeld der Aufnahmen Ursache sein. Meine andere Theorie: 8 steht für den Buchstaben H. H steht im allgemeinen für Heroin. Sind die Drogensüchtig? Zahm wirkt der Song „Tabula Rasa“. So in etwa könnte sich ein Dave Gahan auf Droge das Resultat der „Songs Of Faith And Devotion“ vorgestellt haben. Hört mal genau hin! Ok, die Stimme muss man sich als Gahans Stimme vorstellen. Wie auch immer - solche Bands müssen einfach gut benotet werden, denn sie vereinen den Urgedanken der Musik. Alles ist möglich - es gibt keine Grenzen. (Sir Raze)
VÖ: 18.03.11 // Whirlwind


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Kekal.org

 
 
 



Dikta
„Get It Together”
Wer sich mit Isländischer Musik beschäftigt, der hat den Namen Dikta bereits vernommen, vielleicht sogar ihr Vorgängeralbum "Hunting for Happiness" gehört, welches in Island über das Sugercube-eigene Label „Smekkleysa“ veröffentlicht worden ist. Abseits von melancholischen Post-Rock und Elfengetöse erspielte sich die Band auf ihrer Heimatinsel einen nicht unerheblichen Bekanntheitsgrad. Auftritte bei den „Icelandic Music Awards 2010“ trugen dazu bei, dass die Jungs um Frontmann Haukur Heiðar Hauksson nun auch in der restlichen Welt erfolgreich sein möchten oder müssen. Und dafür stehen die Chancen gar nicht so schlecht. Mit samtweichen Gitarrenpop und englischen Texten könnte Dikta im Dunstkreis von Coldplay bis Limp Bizkit punkten. Wer seichte, vorhersehbare Gitarrenkost mag, dem sei dieses Album empfohlen. Mir ist diese Kost bereits zu oft durchgekaut worden. Für ein morgendliches Frühstück unter sonnigen Himmelszelt taugt die Musik jedoch ganz gut. Dies ist bei Isländischen Klängen glücklicherweise nicht immer der Fall. (Sir Raze)
VÖ: 11.03.11 // Smarten Up! Records


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Dikta.net

 
 
 



Shy Guy At The Show
„The birth of doubt“
Diese Band beweist eindrucksvoll, dass Karlsruhe nicht nur Absteiger zu bieten hat, da ihre Karriere seit 2005 steil bergauf geht. Ihr drittes Album ist ein wahres Monument der Verschmelzung verschiedener Kunststile. Es erzählt in Bild (50-seitiger Comic auch als E-Book auf der CD und im Netz) und Ton (13 Songs) die Geschichte eines Engels auf Erden. Das alles zu überblicken erfordert viel Zeit und Muße, aber zum Glück kann man der Musik auch ohne Bewusstsein für den inhaltlichen Überbau lauschen. Man stößt dabei auf (theatralische) Rock-Elemente, die ihre Wurzeln offensichtlich bei T.Rex, Marc Bolan, The The und Bowie haben, aber auch auf Gothic und Post-Punk. Von der elektronischen Seite wird der Bogen ebenfalls von den 70ern bis in die 80er gespannt. Das ergibt ein technisch versiertes, jedoch etwas anachronistisches Hörvergnügen, das meinen Geschmack nur bedingt trifft. (Torsten Pape)
VÖ: 14.01.11 // Danse Macabre


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shy-guy-at-the-show.de

 
 
 



Former Ghosts
„New Love“
Die Musik des Freddy Ruppert, Kopf der Former Ghosts, ist sehr eigen. Wie bei einigen Szene-Synthiebands der frühen 80er, scheint der Sound übersteuert und der Gesang mit einem Billigmikro aufgenommen zu sein. So schickt uns die Band mit einem gehörigen Schuss Selfmade-Attitüde auf eine analog - minimale Reise, die buntschillernd, dann tiefschwarz und depressiv ist. Gelegentlich wird mit der Musik anderer Künstler kokettiert. So bleibt bei „And when you kiss me“ der Vergleich zu Joy Division nicht aus. „New Orleans“ oder „Right here“ könnten mit ihrer poppig-harmonischen Wärme die Kracher bei einem Kaffeekränzchen der offensichtlich alternden Bodystyler-Redaktion, nennen wir die Veranstaltung mal „Krasser Tanztee im Café Verdruss“, sein. Bei „Chin up“ und „Only in time“ begegnet der Hörer Nika Roza von Zola Jesus, die, wie Xiu Xiu's Jamie Stewart, Dauergast von Ruppert ist. Der Stil der Former Ghosts bleibt also auch mit diesem Album extravagant. (Sir Raze)
VÖ: 09.11.10 // Upset the Rhythm


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FormerGhosts.com

 
 
 



Butzemann
"Merechyn"
Die dunkle Seite bekannter Märchen zu vertonen, ist an sich gar keine schlechte Idee. Die Umsetzung, die uns Butzemann bieten, ist jedoch ein musikalischer Brocken, der tagelang unverdaut im Magen liegt. Angefangen bei der langweiligen Erzählweise zwischen den Songs, bis hin zur kratzigen (Sing-)Stimme und der zerrissen wirkenden Musik kommt hier nur zäh ein Ansatz von Atmosphäre auf. Mich stören bei den meisten Songs einfach die drögen bis nervigen Progressive-/Folk-Rock-, Punk- oder Metal-Anleihen. "Abidabla" (mit Leandra), "Rosenrot" oder das Instrumental "Wolpertinger" sind noch halbwegs positive Ausnahmen, da hier filigraner, fließender und souveräner agiert wird. Nicht mein Kesselchen Tee.
VÖ: 15.10.10 // Danse Macabre


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ButzemannMusik.de

 
 
 








 



Heimataerde
„Unwesen“
Elektronischer Ritter oder ritterlicher Elektroniker? Egal! Ashlar von Megalon treibt auch ohne Etikett erfolgreich sein „Unwesen“ und führt uns mit dem gleichnamigen Album erneut ohne Fehl in eine längst vergangene Zeit. Eine Zeit, voll düsterer Geschichten, geprägt vom Kreuz, mangelnder Zahnhygiene und Männern in Strumpfhosen. Natürlich wird hier alles feilgeboten, was eine gute Stampfelektro meets Mittelalter-Platte so ausmacht. Der Bass bumst, die Texte sind eingängig, Samples gibt’s obendrauf und melodisch wird dem Hörer hier auch nix vom Discounter vorgesetzt, was natürlich nicht zuletzt an den immer wieder gekonnt eingebrachten mittelalterlichen Strukturen liegt, die in Verbindung mit den harten Elektroelementen ungezügelten Bewegungsdrang auslösen. Wer schon immer mal wissen wollte, was der Ritter von Welt beim Morgenlauf im MP3-Player hatte, dem sei „Unwesen“ dringend empfohlen! (Frank Bentert)
VÖ: 22.10.2010 // Infacted Recordings


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Heimataerde.de

 
 
 



Tiësto
„Kaleidoscope Remixed“
Die Reaktionen der Fans auf  das vierte Tiësto-Album „Kaleidoscope“ fielen sehr zwiespältig aus. Oft las man den Vorwurf, der Niederländer habe sich zu sehr weg vom klassischen Trance, hin zum Kommerz bewegt. Nun liegt dieses Werk in einer remixten Version vor. Tiësto selber, aber auch Größen wie z.B. Ferry Corsten oder Wolfgang Gartner haben die Tracks neu interpretiert. Dass im Trance der Grat zwischen Banalität und Genialität oftmals mehr als schmal ist, zeigt auch diese CD. Einige (wenige) Tracks wecken böse Erinnerungen an düstere Machwerke wie Future Trance-Compilations. Das Gros der Überarbeitungen belegt jedoch, welch große Gefühle dieser Musikstil transportieren kann und, dass Tiësto nach wie vor einer der ganz Großen in der Branche ist. (Brunner)
VÖ: 15.10.2010 // PIAS / Rough Trade


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Tiesto.com

 
 
 



Fritz Kalkbrenner
„Here Today Gone Tomorrow “
Fritz ist – der ein oder andere mag es sich schon gedacht haben – der Bruder von Paul. Zusammen haben Paul und Fritz vor zwei Jahren den Soundtrack zum Film „Berlin Calling“ geschrieben. Das darauf enthaltene „Sky And Sand“ war – auch wegen Fritzens sensationellem Gesang – eine der Hymnen des Sommers 2009. Genau diese Art von süßem Pop-Techno darf man auf „Here Today...“ nicht erwarten. Kalkbrenner zieht hier sein eigenes Techno-Ding durch, das durch seine stilistische Bandbreite die ein oder andere Kante zum Stoßen bereithält. Wenn Fritz singt, lädt das eher zum Zuhören denn zum Tanzen ein. Wenn Fritz nicht singt gibt es minimalen Tanz-Techno, der (z.B. „Amy Was A Player“) mindestens so gut ist, wie das, was man auf „Berlin Calling“ hören konnte. (Brunner)
VÖ: 15.10.2010 // Suol / Rough Trade


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Myspace.com/fritzkalkbrenner

 
 
 



[De:ad:cibel]
„Klondike“
Mit Armin Küster und Daniel Galda haben sich zwei Recken zusammengeschlossen, die sich ihre Sporen anderweitig bereits mehr als verdient haben. Hier muss sich also niemand mehr beweisen und mit einem hochwertigen Endprodukt darf getrost gerechnet werden. Unter dem Banner der [tot:al:en] Lautstärke haben die beiden ein Süppchen zusammengebraut, das sich vieler elektronischer Zutaten bedient: Retro trifft auf Moderne, Kanada auf Deutschland und Tanzbarkeit auf Melodie. Was anderswo vielleicht schnell eine stupide Aneinanderreihung verschiedener Stile geworden wäre, ist auf diesem Album eine spannende Achterbahnfahrt. Der Stillstand von Kopf und Bein wird erfolgreich vermieden - und bitte unbedingt “Between my headphones” (titelgerecht) genießen! Weitere Granaten: „Jerusalem Syndrome“, „One of 47“, „B.I.I.D.“, „Architecture“ und “Heteronomy”. (Torsten Pape)
VÖ: 01.10.10 // Echozone


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Deadcibel.com

 
 
 



TERENCE FIXMER
"Comedy of menace"
In der schwarzen Szene ist der gute Mann mittlerweile ja auch relativ bekannt, insbesondere wegen seinen Zusammenarbeiten mit Doug Mc Carthy von NITZER EBB, doch eigentlich ist Fixmer im technoiden Bereich unterwegs, wobei man das Wort Techno hier schon etwas dehnen muss, denn mit dem, was man gemeinhin unter diesem Begriff versteht,  hat das hier rein gar nichts zu tun (ich sage nur KONTOR, FUTURE TRANCE und so ne Kacke, wobei für Neudi das alles gleich wäre – ist ja schließlich elektronisch). Fixmer führt schon hier ein wenig das fort, was Kraftwerk begonnen haben, transportiert aber alles in die Neuzeit, denn insbesondere, was den Beat angeht, ist das eben schon teilweise auch recht clubtauglich. Trotzdem kann man ihn nicht in einen Topf mit vielen anderen Technoheinis stecken, dafür ist die Platte einfach auch zu vielschichtig, zu experimentell und zudem kaum zu kategorisieren, außer vielleicht unter dem Oberbegriff elektronische Musik. Sehr interessante Scheibe, wie ich finde. (Chucky)
VÖ: 24.09.10 // 99999 / Alive


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Terencefixmer.com

 
 
 



Le Syndicat Electronique
"Retrospect(r)ive 1998 -2005"
Wesentlich weniger minimal als vermutet kommt das Projekt von Alexandre Gand auf dieser Veröffentlichung daher. Wie denn auch, hat er doch großzügig Material aus 7 Jahren Schaffenszeit auf 2 CDs gepackt. Musikalisch beschränkt er sich tatsächlich aufs Nötigste an elektronischen Klängen. Diese haben aber nichts mit fluffigen, verklärten Popowackel New Wave zu tun. Die analogen Sounds brummen und knarzen und werden nur ab und an mit harmonischen Schnörkeln verziert. Dennoch sind die meist instrumentalen Stücke melodiöser und somit wesentlich spannender als die gängigen "Ich mach dann mal "Krach"-Veröffentlichungen aus dem Industrial-Sektor. Natürlich gibt es auch die eingängigeren, stilistischen Ausreißer. Meist sind dies die Songs mit Gesang. Aber solange es solch nieveauvolle Musik zum Tanzen ist: Her damit, die Wampe bleibt ja nicht von alleine minimal. (Spider)
VÖ: 10.09.10 // Disorder Records


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Myspace.com/lesyndicatelectronique

 
 
 



VARIOUS
„Hands 2010“
Auch im Jahr 2010 präsentiert das großartige Hands-Label wieder eine beeindruckende Werkschau. 10 Acts mit jeweils drei Liedern decken ein Spektrum vom Rhythm’n’Noise über IDM bis hin zu dunklem Techno oder Drum’n’Bass-Nummern ab. Meine Güte, was soll man da lange schreiben? Wer es auf eine Hands-Compilation schafft, agiert auf einem Level, an dem es nicht viel zu rütteln gibt. Also entscheidet der persönliche Geschmack darüber, welche der zehn Projekte goutieren. Der eine mag es eben eher hart, der andere eher verschachtelt. Ich hab’s gut, ich mag beides! (Brunner)
VÖ: Unbekannt // Hands


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HandsProductions.com

 
 
 



VARIOUS
"Amphi Festival 2010"
Sampler, die auf Grund von Festivals erscheinen, sind doch ein Phänomen, oder? Will man, nur weil man gerade viele Bands gesehen hat, auch unbedingt eine CD mit vielen Bands drauf kaufen? Ein Grund für die Anschaffung könnte für mich noch sein, dass das gute Stück exklusives Material enthält. Wie wäre es bei dieser Gelegenheit mit Live-Versionen? Das wäre doch schick! Die vorliegende Compilation bietet genau ein exklusives Lied (Demo von Faderhead) und nichts Livehaftiges. Ansonsten ist wirklich für jeden Geschmack was dabei, was aber irgendwie auch dagegen sprechen könnte, dass sich viele Menschen die CD am Stück anhören werden. Wenigstens ist der Kostenpunkt niedrig und ein paar subjektiv gute Bands sind auch dabei. (Torsten Pape)
VÖ: 23.07.2010 // Out Of Line


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Amphi-Festival.de

 
 
 



goJA moon ROCKAH
"Libido Cowboys"
Optisch bedienen goJA moon ROCKAH Klischees, die sie musikalisch gehörig durcheinander wirbeln. Da ist der Punkrocker am Bass, der Metal-Spezialist an der Gitarre, der EBM-Experte am Synth und ein Sänger, dem man im Dunkeln nicht begegnen möchte. Zu Gehör bringt dieses Quartett der Gegensätze einen Sound, der sich von der Masse abhebt. Das dritte Album von goJA moon ROCKAH grast zwischen Western-Gitarre („Libido Cowboys”), dem Minimalismus von DAF („Glatt”), den weiten Flächen einer Planeten-DoKu („Unisex“) und der Angst und Schrecken verbreitenden „Liebeszelle“. Hinzu gesellt sich eine gehörige Portion der intellektuellen Seite der NDW-Jahre, die sich vor allem in den Songtexten zum Ausdruck bringt. Wer  sich die CD dann auch noch auf die Kopfhörer legt, der erkennt den Hauch der Perversion, der jeden Song umgibt. (Manfred Thomaser)
VÖ: 24.09.2010 // Echozone


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Myspace.com/gojamusic

 
 
 



Antony And The Johnsons
„Swanlights“
An Antony Hegartys weinerlichen Gesang scheiden sich die Geister. Tatsache ist, dass seine Förderer keine Geringeren als David Tibet (Current 93) oder auch Marc Almond (Soft Cell) waren und er beim großen Leonard Cohen Tribute-Konzert in Sydney neben Künstlern wie Nick Cave, Rufus Wainwright oder Bono Vox auftrat. Die Instrumentierung des neuen Albums ist mit Klavier, Violine, Gitarre oder Harfe im klassischen Bereich zuhause, also nichts wirklich Neues. Es ist dieser Kontrast zwischen Klassik und fast schon schwulstig-trashigen Pop-Attitüden, was Antonys Musik so interessant werden lässt. Wo das Album mit Songs wie „Everything Is New“ oder „The Great White Ocean“ seicht beginnt, steigert sich das Tempo ab „I'm In Love“ und bei "Fletta" entzückt gar Gastsängerin Björk. Der Song „Swanlights“ beginnt mit rückwärts gespieltem Text und erinnert anfangs an ein Mantra. Jedoch wird der Spannungsbogen gehoben, bis das Lied doch zu einem würdigen Titelsong für das Album wird. Schaue Sache! (Sir Raze)
VÖ: 01.10.2010 // Beggars


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Myspace.com/antonyandthejohnsons

 
 
 



DEINE LAKAIEN
„Gone“
Auf dieser Maxi findet man eines dieser Lieder, die nicht sofort, dann aber sehr nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Selten wurde Hoffnungslosigkeit im Angesicht eines sicheren Endes so wunderschön in Musik und Stimme umgesetzt. Schon jetzt ist dieser Song ein weiterer Lakaien-Klassiker. Im GoTra-Remix wirkt „Gone“ dann etwas trockener und dumpfer, ohne jedoch seinen Charme einzubüßen. Als B-Seite hat man das Stück „Kraken“ erkoren, das sich mit der Großmacht Google auseinandersetzt, ohne dass der Name einmal genannt wird. Die nadelstichartige Kritik trifft aber auch so ins Schwarze. Als Bonus gibt es mit dem von einem Sampler bekannten „A fish called prince“ einen in der Strophe sanft atonalen und im Refrain melodiösen Abschluss einer auch optisch hochklassigen Single. (Torsten Pape)
VÖ: 03.09.2010 // Chrome Records


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Myspace.com/deinelakaien

 
 
 



DEINE LAKAIEN
„Indicator“
Herr Horn und Herr Veljanov wollen nicht nur einmal mehr unsere sowie Deine Lakaien sein, sondern diesmal sogar Indikator. Aber für was? Stilistisch unverändert erklingen gewohnte Harmonien. Das Sprichwort “Nur wer sich ändert, bleibt sich treu” scheint nur bedingt zutreffend. Dann schon eher “Beständigkeit zahlt sich aus” - in einem positiven Kontext gesehen. Das Album unterstreicht diese Behauptung. Es ist in Bezug auf Wahrhaftigkeit unverkennbar Lakaienhaftig. Kleiner Rückblick: Seinerzeit hörte ich Deine Lakaien erstmalig bei der Sendung “Electronics” vom DDR Jugendradio DT 64. Komischerweise ein bis heute unvergesslicher Moment. Natürlich haben sich bei den Lakaien seither Veränderungen in Musik und Arrangement ergeben, doch das Fundament ist dasselbe. Es gelten weiterhin hohe musikalische Standarts, die auch diesmal nicht enttäuschen. “Indicator” beweisst dies sehr eindringlich. (Sir Raze)
VÖ: 17.09.2010 // Chrome Records




Es gibt anscheinend nur zwei Menschen auf diesem Planeten, die diese CD nicht gut finden, nämlich mein Kollege Daniel und ich. Sonst wird das Ding überall abgefeiert und damit meine ich nicht nur in geschmierten Szenemagazinen, sondern wirklich überall. Da stellt sich mir die Frage, wer jetzt hier keine Ahnung hat. Ich bin nun nicht der ausgewiesene Lakaien-Fan und außer der "DARK STAR" finde ich auch kein Album durchgehend gut. Aber hier ist alles dermaßen banal und langweilig, dass ich irgendwann die Vorspultaste betätigt habe. Die ersten drei Songs sind eigentlich noch ganz nett, wenn auch nicht sonderlich innovativ. Der Rest ist eine Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten und Herr Veljanov sieht es auch gar nicht ein, seine Stimme mal ein wenig zu variieren. Wenn es eine Skala zwischen 0 und 50 Tönen gäbe, hält er sich immer im Bereich zwischen 30 und 32 auf. Das ist eh schon immer ein Problem der Band gewesen, dass die Songs aufgrund seiner Stimme schon ähnlich klingen, doch hier gewinnt man den Eindruck, dass er gar keine Lust hat, das Zeug zu singen. Keine Ahnung, wieso das hier alle toll finden, ich find's einfach nur sterbenslangweilig. (Chucky)


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Myspace.com/deinelakaien

 
 
 



ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO
"Do angels never cry and heaven never fall?"
Einen bombastischen Happen servieren Ordo Rosarius Equilibrio auf ihrer kurzen, aber delikaten EP. Liebhaber des Genres Apocalyptic Pop können den Namen der Band längst hundert mal fehlerfrei aufsagen und werden nach diesem Vorspiel sehnsüchtig dem neuen Album entgegenhecheln. Für die eher neutral interessierten bieten die vier Stücke ein perfektes Reinschmecken. Der Titelsong kommt in zwei Varianten. Einmal mit fetten Synthieteppichen zu wuchtigen Pauken, welche die Akustikgitarre eher in den Hintergrund drängen. Die darf dafür in der Acoustic Version die gewohnt episch-erotischen Lyrics umschlängeln. Der dritte Titel ist eine hypnotisch schleichende Ballade, die Gänsehaut erzeugt und nicht nur deshalb vor einem prasselnden Feuer genossen werden sollte. Abgeschlossen wird der Reigen, mit einer fröhlichen Neo Folk Version des bekannten "Who stole the sun (from this place in my heart)" sowie einem Videotrack. (Spider)




Nach 15 Jahren kreativer Tätigkeit auf dem Kultlabel Cold Meat Industry hat der Schwede Tomas Pettersson nun bei Out Of Line unterschrieben. Die limitierte EP „Do Angels...“ erreicht mit ihren vier Liedern locker die Klasse der ganz frühen, ersten beiden Werke. Pettersson und seine Partnerin Rose-Marie Larsen bieten den ureigenen melodischen, teils ungemein pompösen Neo-Folk mit einer großartig dunkel-erotischen Note. Vielleicht kommt dabei der Link zum Debütalbum, der durch den Track „Reaping The Fallen, The Second Harvest“ entsteht, nicht von ungefähr, sondern hat seine stilistische Relevanz. Wir freuen uns auf das Album und legen schon mal Lack-Laken und Mundknebel bereit. (Brunner)
VÖ: 27.08.2010 // Out Of Line


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Myspace.com/ordorosariusequilibrio
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SHADOW MINDS
„The Arc Of Truth“
Wie bitte soll man als Rezensent angesichts der hier gebotenen Musik am Vergleich zu VNV Nation vorbeikommen? „The arc of truth“ nutzt einfach allzu ähnliche Ausdrucksweisen und so muss der, der sich in die Nähe der großen Vorbilder begibt, eben auch an ihnen gemessen werden. Die 14 Songs machen dabei jedoch gar keine schlechte Figur, obwohl das hymnische Element sowie die epische Größe noch überschaubar sind. Aber auch gesanglich reicht es noch nicht bis in die Oberklasse. Heroisch und elektronisch ausgefeilt klingt's jedoch allemal und so haben die beiden Norddeutschen gute Chancen, ein ordentliches Stück vom Kuchen abzubekommen. Auch an der folgenden Einschätzung kommt man übrigens nicht vorbei: Das Artwork ist geradezu beispiellos – einfallslos. Das nächste Mal also bitte im Anzug und mit einem Hit im Gepäck! (Torsten Pape)
VÖ: 03.09.2010 // Danse Macabre


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Shadow-Minds.de

 
 
 



COMBICHRIST
„Making Monsters“
Gewohnt klanggewaltig und energisch, aber auch deutlich experimenteller kommt es daher, das neue Album aus dem Hause LaPlegua. Doch keine Angst, experimenteller heißt in diesem Fall keineswegs schlechter! Im Gegenteil, Making Monsters gewinnt durch Andys griff in die Vielfaltskiste deutlich an Charme. Logisch, in einer perfekten Welt sollte jede CC-Platte aus mindestens 10 Tanzflächenkrachern bestehen aber hey, auch die Härtesten der Harten haben mal gefühlvolle(re) Tage ... so haben die ruhigen Stücke durchaus ihre Daseinsberechtigung und entwickeln nach mehrmaligem Hören absolute Ohrwurmqualitäten. Nichts desto trotz kommt der tanzwütige Combichristler aber auch diesmal auf seine Kosten. Mit Songs wie Never Surrender oder They sind Andy wieder mal richtige Kracher gelungen. Wer Combichrist also immer noch NUR als Nebenprojekt des Icon of Coil-Frontmans sieht, ist selber Schuld. CC rockt! (Frank Bentert)
VÖ: 27.08.2010 // Out Of Line


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Combichrist.com
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Combichrist
„Never surrender“ EP
Obwohl ich eigentlich kein Freund von EP’s bin, keimte in mir vorab doch etwas Vorfreude auf. Dies lag natürlich nicht zuletzt an der auf der Single vertretenen Riege großer Musiker (u.a. Terence Fixmer & Chris Corner). Also, Player an und ... au weia, was ist denn hier passiert ... war mein erster Gedanke, als die Single erstmalig durchlief. Au weia ... auch im zweiten, dritten und vierten Versuch! Meine Vorfreude machte eine gnadenlose Bauchlandung! Nach Track 1, der Album-Version des Titelsongs, ist nämlich auch schon Schluss mit lustig. Was danach kommt, ist liebloses Gedudel in 3 Akten, fern ab vom Niveau des Ausgangsmaterials. Die Remixe wirken einfach nur zwangsverändert und dahingeseiert. Sämtliche Spannung und Dramatik, mit der das CC-Original zu begeistern weiß, vergehen in einem langweiligen Reigen musikalischer Plattitüden. Schade fällt mir dazu nur ein... wirklich schade! (Frank Bentert)
VÖ: 06.08.2010 // Out Of Line


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Combichrist.com
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HURTS
"Happiness"
Wochenlang wurde ich im Laden genervt, weil Leute nach der Single "Wonderful life" fragten und die Radiosender die Nummer schon monatelang im Voraus spielten. Überrascht war ich dann doch, als ich die Nummer zum ersten Mal hörte – ein eingängiger Popsong mit 80er Flair und einem guten Sänger. Nun liegt also das komplette Album vor und insgesamt muss man hier von einer Enttäuschung sprechen. Das liegt nicht einmal an den Songs, die teilweise durchaus Potential hätten, wie zum Beispiel "Silver Lining", "Stay" oder auch "Illuminated". Sollte Euch jedoch irgendwann mal ein Alien begegnen, das unsere Sprache noch nicht komplett beherrscht und fragen, was der Begriff "totproduziert" bedeutet, könnt ihr ihm einfach diese CD vorspielen. Unfassbar, wie man etwas so flach klingen lassen kann und somit auch jegliches Gefühl aus der Musik herauspresst. Umso schlimmer, da bereits erwähnt, der Sänger richtig gut ist. Sollte die Band keinen Erfolg haben, können Sie immerhin als Pet Shop Boys oder Savage Garden-Coverband auf Tour gehen. Aber ob das deren Anspruch ist? (Chucky)




Nach dem Blog-Hype nun also auch das Album der beiden Jungs aus Manchester. Die zwar schon bisher irgendwie ganz leicht kitschig und gloomy klangen (also: super!), als wären sie die Nachkommen von Ultravox oder Human League, bei denen sich aber mittlerweile auch eine eigenartige Überproduziertheit bemerkbar macht: klanglich sehr Bombast und Effekt und Show und eigentlich ZU dick aufgetragen, und trotz der Ohrwürmer und all der Retro-Tollheit wünscht man sich dann stellenweise doch vielleicht etwas ungeschliffeneres, etwas, das nicht SO offensichtlich auf Samstagabend-Fernsehshowauftritt getrimmt wurde („Sunday“). Dennoch: ein Album mit gerade mal einem schlechten Song („Better Than Love“), mit einigen ganz guten bis tollen, und zwei bis drei unfassbar großartigen („Evelyn“, „Silver Lining“, „Wonderful Life“). Da kann man gerade noch verzeihen, dass Produzenten & Label überreagiert und alles superrichtig (also ein bisschen falsch) gemacht haben. Sind halt aus der Übung, vor lauter Internet. 7 von 10 Haargeltuben. (Frank Lachmann)
VÖ: 27.08.10 // Four Music


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Informationhurts.com
Bodystyler Interview zum Album »
 
 
 


LOVE AMONGST RUIN
„Love amongst ruin“
Wenn jemand aus einer weltweit bekannten Band aussteigt, darf er mit einer gewissen Aufmerksamkeit rechnen, wenn er in der Folge Solo-Pfade betritt. Steve Hewitt hat am Schlagzeug bei Placebo gesessen und muss nun schauen, was er mit den interessierten Blicken des Publikums anstellt. Einen Teil der Placebo-Fans dürfte seine neue Band durchaus mit ihrem soliden und kraftvollen Rock-Sound gewinnen. Ansonsten steigt vielleicht noch ins Boot, wer auf die späten The Cure abfährt oder den Stone Temple Pilots und ähnlich gelagerten Bands verfallen ist. Gesanglich ist Herr H. übrigens erstaunlich gut bei der Sache und Songs wie „Heaven & hell“ und „Home“ wissen über dem Durchschnitt zu gefallen. Mehr aber auch nicht. (Torsten Pape)
VÖ: 10.09.10 // Ancient B Records


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Loveamongstruin.com
 
 
 


Tenek
"Blinded by You"
Die Zeiten, in denen ein Act aus Brighton mit Big Beats gleichzusetzen war, sind glücklicherweise wieder vorbei... Geoff Pinckney hat bei MESH in Sachen Electro-Pop schon jede Menge Vorzeigbares geleistet. Sein Vorbote zum zweiten tenek-Longplayer lehnt sich da klanglich an & geht auch in eine vergleichbare Stoßrichtung, jedoch packt Peter Steer noch eine straighte Klampfe dazu & Shaun Brooks, der Mann, der sonst nur Gary Numan veredelt, jagt alles noch mal durch den Mixer. "Designed For Dancing" könnte man nicht besser auf den Punkt bringen & das knallige "Synchronise" schreit nach mehr. Wenn doch nur alle B-Seiten dermaßen blendend wären. (Ivo Klassmann)
VÖ: 05.07.10 // Toffeetones


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Tenek.info
 
 
 


Propaganda

"A Secret Wish" (Deluxe Ed.)
Kindergarten, Zeitgeist, Bratwurst & Propaganda sind inzwischen eisern in den anglophonen Sprachgebrauch integriert. Letzteres, auch dank Ralf Dörpers' legendärem Synthi-Gewitter während seiner popmusikalischen Atempause von den Krupps. Kein Zurück für dich... heißt es da bei "Dr. Mabuse", doch die millionenschwere Album-Produktion von Trevor Horn brachte es mit einer ausgeklügelten "p:Machinery" auch nach 'nem juristischem "Duel" auf mittlerweile 33  Auflagen in 25 Jahren. Deluxe wird diese hier, durch Einbindung analoger Versionen, Mixes sowie Studio-Outtakes. Gleichwohl ist es ein "Testament...", ohne "Disziplin" & "Sünde". (Ivo Klassmann)
VÖ: 16.07.10 // Salvo ZTT


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ztt.com/artists/propaganda.html
 
 
 



AMORTICURE
„A bleeding soul in a dying world“
Diese junge bayrische Band hat fünf Jahre damit zugebracht, ihre metallischen Ursprünge abzuschütteln. Waren es nun kommerzielle Überlegungen, persönliche Entwicklungen oder der Geschmack der Spielerfrauen, die sie in die Gewässer der finnischen Schmachtklänge spülten? Man weiß es nicht. Dort angekommen machen sie jedoch eine ordentliche Figur und halten das Ruder fest in der Hand. Fans der (frühen) Scream Silence oder der genialen Elusive (RIP!) dürfen ebenfalls ein Ohr riskieren. Es warten schöne Melodien, knackiges Riffing und ein erfrischend authentischer Sound. Ich bin angenehm überrascht. (Torsten Pape)
VÖ: 06.08.10 // Danse Macabre


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Amorticure.de

 
 
 



Faith & The Muse
„Shoumei“ (DVD)
Der amerikanische Gothic-Sound wäre ohne den großartigen, multikulturellen Einfluss von FATM  kaum vorstellbar. Die Verquickung der typischen Gitarrenarbeit mit Klängen aus irischen oder auch fernöstlicher Kulturen ist einmalig und die Funktionalität dieser Symbiose unterstreicht die Tatsache, dass man es mit Ausnahmemusikern zu tun hat. Nun gibt es erstmals bewegte Bilder der auch live überzeugenden Formation. Mitreißend und hypnotisch ist der Auftritt vom 8. Mai diesen Jahres in Houston/Texas. Zusätzlich zur gelungenen Songauswahl überzeugen besonders die beiden grazilen Tänzerinnern und die tolle Trommelei im japanischen Stil. Selbst das – teils ungeschminkte – Bonusmaterial ist sehenswert und nur ein paar kleine Bild-Ton-Unstimmigkeiten verhindern die Höchstwertung. (Torsten Pape)
VÖ: 06.08.10 // Danse Macabre


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Mercyground.com

 
 
 



Lyronian
"Hope And Veneration"
Jetzt kommt eine ganz unfaire Nummer – zumindest für den Rezensenten. Denn vor einem knappen Jahr erklärte ich das Debüt von Alex Kern zu einem der besten elektronischen Alben des neuen Jahrtausends. Und nun liegt die neue E.P vor und ich komme in die Zwickmühle, denn es wäre vollkommen unfair, die neuen Songs an der alten CD zu messen, daher versuche ich diese mal ganz auszublenden. Der Opener ist eine wunderschöne Ballade, bei der er auch mal wieder zeigt, dass er richtig gut singen kann. Es folgen der erste deutsche Titel der Bandgeschichte und das straighte "Dogma Dynamite". "Murderer" Version 1 ist  persönlich nicht ganz so mein Ding und Teil 2 leider zu kurz. Warum eigentlich? Die Remixe sind durchaus gelungen, was auch kein Wunder ist, denn mit Haujobb (der Mix ist gar besser als das Original), Distain und Eternal Afflict hat man sich nicht gerade Schrott ins Haus geholt. Als eigenständige EP absolut gelungen beweist Alex Kern, dass er noch lange nicht am Ende ist. Komischerweise läuft aber in den Discotheken, in denen ich verkehre, nie mal ein Lied von ihm. Wieso eigentlich? (Chucky)
VÖ: 09.07.10 // Deep Symmetry


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Lyronian.com

 
 
 



Gorgot
„Schmerzkiller“
Vor über einem Jahrzehnt trat die mit Filmzitaten gespickte industrielle Musik ihren Siegeszug durch die dunklen Tanztempel an. Was anfangs noch originell war, verkommt heute allzu oft zu einer austauschbaren, akustischen BILD-Zeitung. Markante, Aufsehen erregende Wortkombination werden mit treibenden Rhythmen unterlegt, was im Grunde nur Handwerk und nicht Kunst ist. Abseits des Kunstvollen können die Emporkömmlinge Gorgot jedoch die ein oder andere Verdienstmedaille des Stroboskop-Wetterdienstes oder der zuckenden Bewegungsverbände einheimsen. Mit „Schmerzkiller“ haben sie ihren Szene-Hit bereits im Gepäck und wer zudem „Das kleine Arschloch“ sampelt, muss auch beim Bodystyler lobend erwähnt werden. (Torsten Pape)
VÖ: 20.08.10 // Danse Macabre


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Myspace.com/gorgotmusic

 
 
 



Svalbard
„Heimkunft"
Wie unsere Leser wissen, Friedrich Hölderlin schrieb um 1800 ein Gedicht mit dem Titel „Heimkunft“. Besteht zu Beginn der Verdacht, dass diese weißrussische Band ihr erstes Album nach diesem Gedicht benannt hat und damit einen Link zu den Gedichten Hölderlins gibt. Es ist eines dieser Alben, welche erstmal sacken müssen. Nonkonform und facettenreich sind die Lieder, für deren Abmischung der Berliner Axel Frank (Werkraum) verantwortlich war. Es wird auf deutsch, englisch und russisch gesungen und nicht mit Samples gespart. Kurzum: Military Synth Pop. Bei „Das Schweigen“ oder „Abschied von der Jugend“ rettet der Refrain den leicht schlageresken Beginn und die gesangliche Parallele zu einem gewissen Peter Heppner. Jedoch kann man diese Beanstandungen mit den Worten Hölderlins „Sorgen, wie diese, muss, gern oder nicht, in der Seele tragen ein Sänger und oft, aber die anderen nicht“ negieren. Ein gelungenes Debüt. (Sir Raze)
VÖ: 07.06.10 // Lichterklang


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Myspace.com/svalbardofficial

 
 
 



Mono Inc
"Voices of doom"
Sieht man von  ihrem total ungruftigen Bandnamen ab, stehen Mono inc. auf düstere musikalische und lyrische Klischees. Da ist nichts gegen zu sagen, wenn die Gitarren rockig brettern, die Keyboards melancholisch jauchzen und sich dunkle, männliche mit elfengleichen weiblichen Vocals paaren, die allerdings in schwachen Momenten in misslungenem Pathos verharren. Die Melodien der Songs scheinen irgendwie wohlbekannt, sind dennoch eigenständig. Und wer hat nicht auch schon einmal verhängnisvolle Stimmen im Zusammenhang mit einer schwarzen Szene-Königin gehört? Leider gehören Mono inc. zu den Gothrock-Bands, die ihre Produktion lupenrein glatt schleifen. Es fehlt etwas an freakigem Rotz und wilder Sperrigkeit. Dafür gibt es an und an eine Prise poppig blubbernde elektronische Klänge, die durchaus auch Spaß machen. Eine Platte für erholsame, seichte Unterhaltung in der Abendstunde. (Spider)
VÖ: Sep 2009 // NoCut


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Myspace.com/monoincmusic

 
 
 



Mono Inc
"Come Down"
Da Mono Inc pfiffig sind und wissen, das Unheilig-Fans immer ein paar Euro auf Tasche haben, gibt´s zur gemeinsamen Tour die neue Ep "Comedown". Darauf gibt es drei neue Nummern für alle Goth-Melancholiker. Und das der Lebensgefährte, der eher auf Elektro steht, auch was von hat, drei eher elektronische Remixe, unter anderen von den Vorzeige-Stampfern Combichrist und Heimataerde. (Spider)
VÖ: 27.08.2010 // NoCut
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Myspace.com/monoincmusic

 
 
 
 
 
 



DEINE JUGEND
„Wir sind Deine Jugend“
Meine Jugend hab ich in vollen Zügen genossen. Oftmals war es zu abgefahren, um es zu glauben, sowie mit anschließenden Kopfschmerzen oder depressiven Sonntagen verbunden. Die Menschen bewegten sich in Zeitraffergeschwindigkeit und hätte es seinerzeit DEINE JUGEND gegeben, wäre die Zeit sicher schneller vorbei gegangen. Stichwort: Partys, knutschen, fummeln, rummachen, Sonnenbrille, Freunde verbummeln und verkatert in fremden Wohnungen neben wildfremden Menschen aufwachen. Genau daran knüpft diese Band aus Mannheim an. Es ist cluborientierter Electro, der mir zu wenig Ecken und Kanten bietet und teils zu einfältig dahinplätschert. Die Texte sind frech und werden in 14 Tracks von der schicken Fashionbloggerin Laura Carbone auf deutsch präsentiert. Die Bässe knarzen und die Bassdrum hämmert sich in den Schädel. Gesangseffekte werden zudem auffallend oft verwandt. Fans von MIA oder Frittenbude können ruhig mal ein Ohr riskieren. (Sir Raze)
VÖ: 22.10.2010 // MFM / Universal




Die zwei Gesichter des Trios Deine Jugend wollen nicht so richtig zusammenpassen. Auf der einen Seite nerven die Mannheimer mit tumbem Agit-Punk-Rap und sinnlosen Texten. Dabei trägt vor allem Sängerin Laura Carbone durch ihre überdrehte Stimme viel dazu bei, dass etliche Lieder - gerade in der ersten Hälfte des Albums - nur schwer und vor allem nur kurz zu ertragen sind. Auf der anderen Seite geben sich Deine Jugend überraschend handzahm. Die Band säuselt einschmeichelnde Pop-Nummern wie „Deine Maske“, kann sich dabei allerdings nur schwer ein eigenes Profil erspielen. Zu harmlos sind die Melodien, zu wenig Überraschungsmomente prägen das Szenario. Eine Mischung aus den beiden Extremen könnte die Lösung sein. So aber kann man nur von einem Stück verschwendete Jugend sprechen. (Brunner)
VÖ: 22.10.2010 // MFM / Universal


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Myspace.com/deinejugend

 
 
 



GOOSE
"Synrise"
Von dieser Band habe ich noch nie einen Ton vorher gehört. Die Herrschaften präsentieren hier einen äußerst schmackhaften Cocktail aus Elektro-Pop mit starkem Hang zum Pop, lassen sich aber nicht wirklich festlegen. Da ist ein wenig Underworld, ein bisschen Delphic, etwas Fisherspooner, aber nicht wirklich geklaut – und das ist auch gut so, denn gerade deshalb ist die CD sehr interessant geworden. Zudem hat man sich insbesondere bei den Arrangements sehr viel Mühe gegeben, denn kein Song klingt wie der andere. Höhepunkte einer durchweg gelungenen Veröffentlichung sind Can't stop me now, After, In Cars und das überragende Words, das eine absolute Mörderhook aufweist, und nach INFORMATION SOCIETY in ihrer besten Zeit klingt. Und schon wieder eine Band aus Belgien - die Szene da sollte man im Auge behalten. Ganz starkes Album. (Chucky)
VÖ: 15.10.2010 // K7 / Alive


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Myspace.com/goosemusic

 
 
 



No More
„7 Years (1979-1986)“
Leute, was war das für eine Zeit – damals Anfang bis Mitte der Achtziger. Viele Bands abseits des Mainstream standen einerseits unter dem Einfluss des Punk und experimentierten andererseits mit elektronischen Elementen. Das Ergebnis dieser Kreuzung klang oftmals wild und gefährlich. Die 1979 in Kiel gegründete Formation No More war mittendrin in diesem düsteren Wirbel, dessen Ausläufer bis in die heutige Zeit reichen. Auf der (1990 schon einmal veröffentlichten) Compilation „7 Years (1979-1986)“ zeigt das Quartett, was es auf drei EPs bzw. Mini-LPs und einer LP binnen sieben Jahren auf Vinyl gepresst hat. In diesem Konglomerat aus Punk, Minimal und Wave darf der zu Musikgeschichte gewordene Überhit „Suicide Commando“ natürlich nicht fehlen. Das war Musik, damals in den Achtzigern... (Brunner)
VÖ: 15.10.2010 // Rustblade


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Nomoremusic.de

 
 
 


Typhoid
„Simulazione di Divinita“
Wenn man hier eine Schublade öffnen möchte, muss man wohl die nehmen, auf der „IDM“ steht. Der Italiener Maurizio Landini lässt auf seinem zweiten Album zackige Klicks, Beeps und Bleeps auf wunderbar entspannte, weit greifende Flächen treffen. Gerade, wenn diese Charakteristika innerhalb eines Liedes auftauchen, kann sich die Wirkung der landinischen Songs voll entfalten. Es ist dieser ewige Kampf zwischen Gefühlen wie Wehmut oder Melancholie und kühler Elektronik, der dann die Szene beherrscht. Oder ist es am Ende gar kein Kampf? Zerdrückt der Maschinenmensch, den man beim Hören von „Simulazione di Divinita“ vor Augen hat, am Ende sogar eine Träne zwischen seinen stählernen Augenlidern, weil die grandiosen Tracks ganz tief in seinem Innern etwas auslösen, mit dem sein Computerhirn nicht klarkommt? Möglich ist es... (Brunner)
VÖ: 15.10.10 // Hands


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HandsProductions.com
 
 
 


Serpents
„Immer voran!“
Zwischen 1989 und 1999 waren die deutschen Dunkelelektroniker Serpents recht aktiv und konnten einige Szenehits landen. Im neuen Jahrhundert wurde es jedoch – bis auf ein paar Remixarbeiten – still in der Schlangengrube. Nun erscheint wie aus dem Nichts und als ob nichts gewesen wäre, ein neues (Download-)Album. Der ureigene Sound, irgendwo zwischen belgischen Acts wie Insekt und den deutschen Plastic Noise Experience angesiedelt, wird dabei punktgenau ins Hier und Jetzt katapultiert. Minimal vertrackte Arrangements, die man unbedingt auch über Kopfhörer genießen sollte, bilden die Grundlage für gewohnt parolenartige Texte, die nicht mit Imperativen sparen: Erinnere dich! Steh auf! Komm her! Beweg dich! Folge mir! Glaub an mich! Geile Remixe von PNE, No More (Wahnsinn!), Technoir und Darbuka lassen nur einen Schluss zu: Kauf mich! (Torsten Pape)
VÖ: 01.09.10 // Electronic Music


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Electronic-Music.biz
 
 
 


MINERVE
„Please“
X: Hab’ne neue Platte! „Please“ heißt 'se, is von Minerve!
Y: Miner... was?
X: Wie, kennste nicht?
Y: Ja ne, so spontan nich...
X: ...ne, is kein neues Hellectro-Teewurst-Body-Music-Projekt [...]
So oder so ähnlich werden sicher einige Gespräche verlaufen, wenn im Oktober das neue Minerve-Album erscheint und durch die Clubs dudelt. Dabei führt die Band ihr „Schattendasein“ völlig zu Unrecht, liefert sie doch auch im aktuellen Album tanzbare Electro-Popkultur in Reinform! Was Bands wie Mesh oder De/Vision Kultstatus erreichen ließ, bringen auch Minerve mit. Melodien, die diese Bezeichnung verdienen und sich tief ins Hirn graben, einfache aber sinnreiche Texte, die schon nach kurzer Zeit von allein über die Lippen gehen, ein gut abgestimmter Bass, der den Fuß zucken läßt und viel musikalische Abwechslung innerhalb der Songs. Also, holt Minerve ans Licht, macht sie Groß, lang lebe der Electro-Pop! (Frank Bentert)
VÖ: 22.10.10 // Echozone


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Minerve.de
 
 
 


O.CHILDREN
"O.Children"
„The first essential band of the decade“ kann man auf dem Werbeplakat zum Release des Debütalbums dieses Quartetts lesen. Nun, der Slogan mag etwas übertrieben sein – es ist ja ein Werbeslogan. Aber, so ganz falsch ist die Aussage nicht. O.Children aus London sind – ähnlich wie beispielsweise die Editors oder Interpol – stark von den Wave- und Gitarrenbands der Achtziger beeinflusst. Irgendwie jedoch wirken die Newcomer erdiger. Weniger nach Anzug und Sekt, sondern mehr nach Achtloch-Martens und Six Pack. Den größten Teil der Show macht Sänger Tobi O’Kandi aus – ein Hüne von einem Mann mit einer Stimmer so tief wie ein Grab. Was er mit seinen Kumpels beispielsweise in dem Track „Ruins“ veranstaltet geht schon ganz stark in Richtung Top Ten des Jahrzehnts. Für mich sind O.Children die Entdeckung des Jahres – HAMMER! (Brunner)
VÖ: 12.07.10 // Deadly People


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Myspace.com/ochildren
 
 
 


The Hundred In The Hands
„The Hundred In The Hands“
Musik hat viel mit Bildern zu tun. Die gelieferten Bilder, wie Cover oder Video, sollten für das Votum von Musik nicht allzu ausschlaggebend sein, als die Bilder, die man beim Hören sieht. „Young Aren't Young“ beispielsweise versprüht dieses sonnige Gefühl. Schon sieht man sich in einem Auto auf einsamer Landstraße entlangfahren. „Pigeons“ hat dieses Sonntagmorgen Aufwachgefühl. Toast- und Kaffeegeruch steigen in die Nase und die Vögel zwitschern. The Hundred In The Hands machen eingängig-chilligen Electropop mit leichtem 80s Einschlag, der vom Gesang der Frontfrau Eleanore Everdell veredelt wird und sogar mit Gitarrenriffs aufwartet. Hier scheint weniger auf Clubkompatibilität gesetzt worden zu sein, als auf ausgereifte Musik für alle Lebensbereiche. Nachvollziehbar, schließlich verbringen die Menschen ihre meiste Zeit ausserhalb von Clubs. Ausgenommen Paris Hilton. Leider schwächelt das Album zum Ende etwas. (Sir Raze)
VÖ: 17.09.10 // Warp


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Myspace.com/thehundredinthehands
 
 
 


BLASTROMEN
"Human beyond"
Also die Jungs hier machen mal richtig Spaß. Das letzte Mal, das ich sowas bewusst gehört habe, ist schon Jahre her. Für die kommerzielle Variante dieser Musik standen wohl Bands wie die Flying Steps oder Bomfunk MCs. Auch wenn ich das hier nicht wirklich kategorisieren kann, würden es die Begriffe Elektro, Breakdance , Breakbeat und Techno ganz gut beschreiben. Gesang gibt es hier keinen, lediglich vom Computer verfremdete Stimmen. Anspieltipps wären Battlenet, Computer Simulator und das überragende Sky City 1000. Das Label Dominance ist durchaus bekannt dafür, solche Musik auf den Markt zu bringen, wenn ich auch nicht wirklich weiß, welche Käuferschicht das hier ansprechen soll. Die Menschen, die früher Breakdance und Sachen wie Planet Rock gehört haben, sind zu alt. Die Herrschaften aus der Technoszene mögen den Beat nicht und denen aus der schwarzen Szene ist das nicht depressiv genug. So sehe ich schwarz für die Jungs, doch wir in Alzey werden diese CD schon puschen. Ein ganz sicherer Tipp für Sven, der hiermit gegrüßt ist.
VÖ: 17.09.10 // Dominance / Alive


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Blastromen.com
 
 
 


FIJI
„Fijical“
Glamourös elektronisch kommt dieser musikalische Exportartikel aus dem Land der genauesten Uhren und schönsten Taschenmesser daher. Angesichts all der beschwingten, teils nostalgischen Töne, glitzert die Discokugel gleich noch ein wenig heller -  und man spürt förmlich den Prosecco den Hals herunterrinnen. Gewürzt wird die Arschwackelmusik mit einer durchaus lasziven Frauenstimme, einer eigenwilligen Note aus französischer Dekadenz, sowie einer guten Portion englischen Charmes. Blondie trifft auf die Pet Shop Boys, Goldfrapp, La Roux oder auch Ladytron und trotz hohem Schickimicki-Faktor machen die zwölf Songs einfach Spaß. Liegen die Fijis vielleicht doch in den Alpen? (Torsten Pape)
VÖ: 10.09.10 // Smartship


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Fijiband.ch
 
 
 


OMD
"If You Want It (Remixes)"
Mit „If you want it“ kündigt ein schöner Song das neue OMD-Album an. Durch seine Harmonien weckt er sogar verfrüht ein wenig Weihnachtsgefühle. Die Single bietet keine endlos langen Versionen, knüpft jedoch eher an die house-lastigen und technoiden Remixe der 90er als an die genialen 80er Maxis an. Zu den Remixern: French Horn Rebellion: Nach lahmem Beginn wird der Song im Mittelteil hochgepitcht, um am Ende wieder zu erlahmen. Schräg! We Have Band: Der abgehackte Rhythmus wirkt etwas hektisch und schizophren und das Gesangs-Loop nervt! Villah Nah: Getragen, ja gediegen stampft der Song seine Runden und der monotone Rhythmus lässt an Kraftwerks "Autobahn" denken. Stark! Club Royale: Wer hier tanzen will, fällt um. Teeth: Minmal, kaum Gesang und mit 80er Drumpattern - alles in der Tradition der Dub-Mixe. Syntomatix: Die einzige richtig fetzige und tanzbare Version geht Richtung Euro-Dance, ist aber mein Gewinner. (Torsten Pape)
VÖ: 10.09.10 // Blue Noise


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Myspace.com/officialomdmyspace
Bodystyler Interview zum Album »
 
 
 


OMD
"History Of Modern"
OMD sind zurück und sogar mit nagelneuem Material. Wer hätte das nach 15 Jahren noch gedacht oder zu hoffen gewagt? Und als wäre das noch nicht genug, verschlägt es einem beim Opener prompt die Sprache. Eine Gegenwehr ist nicht möglich, aber auch nicht nötig. Was hier mit leicht angerautem Pop-Appeal um die Ecke biegt, akzeptiert man ohne Zögern als die moderne Definition des Orchestralen Dunkelmanövers. Im Folgenden klingt der Bass zwar nicht mehr so kratzig, aber die großen, synthetischen Popmelodien füllen weiterhin den Raum. Alles klingt unglaublich frisch, und doch bleiben die Briten der selbst entwickelten Tradition treu. Ob Analog-Referenz, Kraftwerk-Reminiszenz, Gospel-Touch oder lasziver R'n'B-Einschlag, alles wirkt zielsicher, radiotauglich und stilvoll. Ganz großes Kino! (Torsten Pape).
VÖ: 17.09.10 // Blue Noise


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Myspace.com/officialomdmyspace
Bodystyler Interview zum Album »
 
 
 


MONO-AMINE
„Do Not Bend“
„Nur die Harten komm’n in Garten“ - dachte sich wohl auch Mono-Amine Kopf Joost Gransjean während seiner Arbeit am neuen Album. „Do Not Bend“ ist in seiner Mischung aus Industrial, Acid Techno, Hardcore u.v.m. nicht nur ein wahres Fest für Freunde des rhythmisch arrangierten Elektrolärms, nein, es beschert bei unsachgemäßer Handhabung auch jedem Hörgeräteakustiker auf Jahre hin eine treue Kundschaft. Fast pausenlos bahnen sich Bässe und Drums gewaltsam ihren Weg durch die Boxen, um dem Hörer geradewegs mit Schmackes ins Gesicht zu treten. Unterbrochen wird die Vernichtung des Trommelfells dabei lediglich von gekonnt integrierten sphärischen Flächen, schrabbeligen Soundstrukturen, dem ein oder anderen Sample und ab und an einem Hauch von Melodie. Meine Empfehlung für all jene, die im Feierabendverkehr oder auf dem Floor mal wieder richtig die Sau raus lassen wollen! Anspieltip: „Beyond The Status Quo“. (Frank Bentert)
VÖ: 03.09.10 // Ant-Zen


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Myspace.com/monoamine

 
 
 


THE BIRTHDAY MASSACRE

„Pins and needles“ Ich muss gestehen, dass ich mich schon seit Jahren immer wieder auf die Veröffentlichungen der kanadischen Band freue. Seit dem Debüt bin ich fasziniert von der einmaligen, lila Mischung aus Unbeschwertheit, Härte und Düsternis. Wo sonst werden denn auch so genial 80er Frauen-Power-Pop, Spukschloss-Synthies und Bratgitarren zu solch einer optimalen Tanz- oder Autofahrmusik verquickt? Und wo kommen eigentlich jedes Mal diese Melodien her, die in Sekundenschnelle jedes Herz erweichen? Auch die elf neuen Songs zünden sofort und klingen dabei eine Spur reifer und geschlossener. Neu ist weiterhin der noch direktere und etwas dreckigere Gitarrensound sowie einige Klangkonstrukte, die ohrenscheinlich von Produzent Nivek Ogre inspiriert wurden. Also alles mehr als bestens. (Torsten Pape)
VÖ: 17.09.10 // Dependent


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TheBirthdayMassacre.com
 
 
 



UNDERWORLD
"Barking"
Statt „Lager Lager“ und „Mega mega white thing“ singen Underworld heutzutage „Heaven, can you feel it?“. Soll heißen, Karl Hyde und Rick Smith lassen sich nun lieber ab und zu in Ibiza die Sonne auf den Bauch scheinen und schreiben auch mal einen Track für die Strandparty. Vielleicht resultiert diese neue Leichtigkeit aus der Tatsache, dass Hyde und Smith ihre neuen Lieder in die Hände angesagter DJs und Produzenten gegeben haben (u.a,. Paul van Dyk), damit diese noch einmal an dem ein oder anderen Regler drehen. „Barking“ wirkt trotz der vielen Mitwirkenden in sich geschlossen und klingt auch schön nach Underworld. Trotz ruhiger Momente ist es ein helles Album geworden, das ganz hervorragend in den Sommer passen will und mit „Always Loved A Film“ den passenden Hit in der Strandtasche hat. (Stefan Brunner)
VÖ: 10.09.10 // Universal/Domestic


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UnderworldLive.com

 
 
 



PSYCHE
„Re-membering Dwayne“
Wer sich in Psyches Bandhistorie auskennt, wird schnell dahinter kommen, auf wen der Titel dieses Albums anspielt. Der vor 15 Jahren zu früh verstorbene Dwayne Goettel war lange Mitglied bei Skinny Puppy und mischte eben auch kurze Zeit bei den Huss-Brüdern mit. Dies geschah zu einer Zeit, als diese sich noch den düsteren Klanglandschaften fernab des Synthiepops verschrieben hatten. Perlen aus jener Schaffensphase wie „Torture“, „Krieg“ oder die überragenden „The crawler“ und „Eye of the hurricane“ lassen Nostalgikerherzen höher schlagen. Den Sprung in die Neuzeit versucht man auf dieser Zusammenstellung mit Hilfe von Remixen, wobei Dead When I Found Her, PNE und Controlled Collapse gute Arbeit leisten. Fazit: Historisch wertvoll, obwohl zwei/drei Ausgrabungen verzichtbar gewesen wären! (Torsten Pape)
VÖ: 07.09.10 // Art Of Fact


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Psyche-hq.de

 
 
 



Operation Mastermind
"Too Much Is Enough"
Wer bei diesem sommerlichen Trip zu den Rändern der Popkultur glaubt, dieses Trio gäbe sich konservativ, der irrt. Das ist vintage und man gedenkt schwerpunktmäßig mit sanftem Groove nebst schleppendem Beat irgendwo zwischen Bar-Jazz versus exotisch verbrämten Soul - den einzig wirklich guten Tagen. Als Männer mit behaarter Brust noch aufrecht sexistisch sein durften und die Musik banal. Einzig fürs Afterhour-Besäufnis und zum Kette quarzen arrangiert. Die Frage, gerührt oder geschüttelt, lässt sich indes nicht wirklich beantworten. Tracks wie "Paradise" & "Blue Curtains" entschärfen den mürben Alltag und bilden das perfekte Sujet für Bunny Bonebreakers' Lippenbekenntnisse. Man sehnt sich jedoch des Öfteren nach mehr Abwechslung à la Groove & Meetz. (Ivo Klassmann)
VÖ: 27.08.10 // Hi-Hat Records


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Myspace.com/OperationMastermind

 
 
 


ANGELZOOM

„The things you said“ Claudia Uhle alias Angelzoom bewies bereits auf ihrem Solo-Debüt, dass sie ein Händchen für schöne Coverversionen hat. Nun hat sie sich mit „The things you said“ einen der genialsten Albumtracks von Depeche Mode ausgesucht und scheitert erneut - nicht. Das Tempo wurde ein wenig angezogen und alles erscheint etwas luftiger als im Original, wozu natürlich die engelsgleiche Stimme nicht unwesentlich beiträgt. Im Ambient Mix kommt letztgenannte noch besser zum Vorschein und harmoniert prächtig mit sphärischen Sounds und sanftem Piano. Um im Depeche Mode-Kosmos zu bleiben: Erinnerungen an „Waiting for the night“ werden wach. Der Club Remix ist dann jedoch der absolute Hammer. Besser hätten die Briten ihren eigenen Song auch nicht tanzbar machen können. Hier brennt die Luft! (Torsten Pape)
VÖ: 10.09.10 // Wannsee Records


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Angelzoom.com
 
 
 


ANGELZOOM

„Nothing Is Infinite“ Claudia Uhle, eine der schönsten Stimmen des deutschen Electro-Pops, kehrt mit ihrem Soloprojekt auf die Bildfläche zurück. Album numero 2 klingt - im Gegensatz zum Vorgänger - noch zarter, dabei etwas düsterer, aber immer noch himmlisch und durchweg zauberhaft. Dieses Mal sind keine namhaften Gäste an Bord, was dem Album jedoch auf faszinierende Weise gut tut. Es gibt zwar weniger radiotaugliches Material, aber dafür entwickelt sich schnell ein homogener Fluss der ätherischen Stimmungen. Zu guter Letzt werden auch noch einer der besten Albumtracks von Depeche Mode („The things you said“) und Stings „Fragile“ angelzoomisiert und somit luftig veredelt. (Torsten Pape)
VÖ: 24.09.10 // Wannsee Records


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Angelzoom.com
 
 
 


KIM WILDE

"Come Out And Play"
Hätte man mich vor sechs Wochen gefragt, ob man ein Comeback von Kim Wilde braucht, hätte ich mit Sicherheit verneint, denn die jüngeren Veröffentlichungen waren teilweise schon ziemlich flach und auch gute Songs konnte man an einer Hand abzählen. Doch was ist denn nun passiert? Madame hat die Blumentöpfe in die Ecke gestellt (sie moderiert sein Jahren eine Gartenshow im britischen Fernsehen) und gibt noch einmal richtig Vollgas. Die meisten Stücke hat sie mitgeschrieben, teilweise auch wieder mit ihrem Bruder, was dem ganzen eine persönlichere Note verpasst. Insbesondere die Tracks, die nach vorne gehen, sind praktisch durchweg gelungen. Mit King of the world geht’s gleich richtig los. Es folgen die Single Light down low und kurz darauf mit I want what i want der beste Track des Albums - im Jahre 1987 ein sicherer Top 5 Hit. Aber auch gegen Ende gibt sie mit This Paranoia und dem grandiosen Get out nochmal richtig Gas. Auch das langsame, mit Glenn Gregory von Heaven 17 gesungene Greatest Journey, weiß zu gefallen. Eine so starke Platte hätte ich von Madame nie und nimmer erwartet. Zudem klingt das alles viel eher nach Kids in America denn nach der You came-Phase. Fragt man mich nun heute, ob ein Comeback von Kim Wilde wirklich nötig ist, muss ich das mit einem klaren Ja beantworten. So schnell ändern sich Dinge. (Chucky)
VÖ: 27.08.10 // Sony


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KimWilde.com
 
 
 


TZOLK'IN

"Tonatiuh"
Aztekisch gemeinte Rhythmustrommeln also wieder mal: den Stil kennt man unter anderem von Monolith oder Squaremeter, von früheren TZOLK’IN-Releases, aber vor allem auch von den älteren This-Morn’-Omina-Veröffentlichungen. Im Gegensatz zu all jenen ist TONATIUH weniger mystisch und dramatisch geworden, sondern vielleicht eher so, als wären Aliens in einer mexikanischen Tropfsteinhöhle gelandet und hätten dort den Industrial-Techno für sich entdeckt. Alles knistert und klopft und percussioniert und loop und sequenzt so vor sich hin, in Tracks wie NANAHUATZIN etwas weniger und in Tracks wie TEZCATLIPOCA etwas mehr spannend, aber: an einem verregnet-vernebelten Vorabend funktioniert das auf Platte ja doch alles ganz prima. Auch wenn sich die Platte nicht ganz zwischen dem rituellen und dem technoiden Aspekt entscheiden kann. 4 von 6 Tropfstein-Echos. (Frank Lachmann)
VÖ: Juli 2010 // Ant-Zen


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Myspace.com/tzolkinmusic
 
 
 


School Of Seven Bells

"Disconnect From Desire"
Sucht man im Weltnetz nach SOVIIB, so werden die Genres Electro-Dream-Pop oder Neo-Shoegaze genannt. Ich bin mal total verrückt und sage einfach Indie-Pop dazu. Die beiden eineiigen Zwillingsschwestern Alejandra und Claudia Deheza sind die verträumten Stimmen der Band. Vergleiche mit den Cocteau Twins sind unumgänglich, jedoch ausschließlich durch die Schönheit der Stimmen bedingt. Stimmig ist die Liederwahl des Albums. Es plätschert, dann fließt es. Schnell kann man sich in den Fluten verlieren. Dabei haben die Songs keinen wirklich bleibenden Ohrwurmcharakter, denn dazu sind sie zu verwuffelt. Doch plötzlich wird es bei „Dust Devil“ und „Camarilla“ hypnotisch monoton. Wavig, im Stil der Frühneunziger, ist „I L U“, dessen Titel für I Love You steht. So ein Titel ist heutzutage fast mutig, denn wir sagen zu selten „Ich liebe Dich“. Warum eigentlich? Also raus und Jemanden „Ich liebe Dich“ entgegengebrüllt! (Sir Raze)
VÖ: 16.07.10 // Vagrant Records


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Myspace.com/schoolofsevenbells
 
 
 



KATE PERRY
"Teenage dream"
Normalerweise lasse ich von solchen Sachen ja die Finger. Doch nachdem ich mir nahezu die komplette CD heute anhören musste, komme ich nicht umhin. Solche Musik ist der Grund, wieso der Begriff Pop so negativ belastet ist. Was uns Madame hier präsentiert, ist so unfassbar unerträglich, dass ich mich frage, wer das gut finden kann. Anscheinend über 20 Menschen alleine bei Amazon. Sind das alles Kleinkinder, die sich wichsend vor den PC hocken und das Video zur Single anstarren - würde ja dann zum Titel der CD passen - oder zurückgebliebene Hinterwälder, die noch nie etwas anderes gehört haben? Selten eine Ansammlung von so monotonem und belanglosem Gedudel gehört und mittendrin versucht Madame so etwas wie zu singen, raubt einem damit aber nur den letzten Nerv, falls der überhaupt noch vorhanden ist. Sachen wie I kissed the girl vom letzten Album waren zwar nicht gut, aber immerhin erträglich, doch hier befindet sich lediglich eine reine Ansammlung von nervtötenden Plastic-Popsongs mit einer beliebig austauschbaren Sängerin, wobei diese Bezeichnung ein Hohn ist. Aber: die CD riecht nach Kaugummi. Süüüüüße Idee, am besten beißt man gleich rein und schluckts runter, dann hat man's hinter sich und muss sich den Mist nicht mehr anhören. Nur da würde ich mir eine Magenverstimmung holen. (Chucky)
VÖ: 27.08.10 // Capitol / EMI


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Myspace.com/katyperry

 
 
 


BLIND PASSENGER

"Don't Drag Me Down"
Die erste Auskopplung der BP-Reinkarnation ist ein Song, der sich bereits auf dem Nik Page-Solo-Debüt befand. Ging er dort ein wenig unter, mausert er sich im neuen Gewand zum unwiderstehlichen Ohrwurm. Von schwerer Gitarrenlast befreit, wird der Track nun durch eine ultra-coole Chris-Isaak-Hommage-Darmsaite verschönert. Mit dem Moroder Sequential Radio Edit wird die Beatschraube etwas angezogen und geradliniger agiert. Danach folgt mit dem Globaler Bereich Clubmix ordentliches Tanzfutter und die lonesome-cowboy-Gitarre wird erfolgreich durch ein Depeche Mode-Synthriff ersetzt. Die Cinescope Version ist nicht etwa ein atmosphärisches, gar beatloses Konstrukt, sondern schlicht ein unnötiges Instrumental. Obendrauf gibt’s einen knackigen Edit von „Electrocop“ und aus die Maus. (Torsten Pape)
VÖ: 20.08.10 // Wannsee Records


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Myspace.com/BlindPassengerOfficial
 
 
 


Blind Passenger
"Next Flight To Planet Earth"
Als Mitglied der Blind Passengers veröffentlichte Nik Page 17 Tonträger, gefolgt von weiteren elf, die der Elektro-Künstler als Solist bzw. Projekt-Musiker in den Handel brachte. Derart aktiv sind wenige Meister und es dürfte die Fans freuen, dass 2010 die Rückkehr des blinden Passagiers erlebt. Die Mitstreiter aus den Neunzigern sind nicht mit von der Partie, Niks Ziel aber war es, den Geist der alten Tage wieder zu beleben. Auffallend ist die Coolness der Beats und Bässe, die Page seiner Reise durch die Zeit aufdrückt. Gefühlvolle und sphärische Balladen spielen dabei ebenso eine Rolle wie der Dancefloor. Anlehnungen an das Blind Passengers Debüt-Album „The Glamour Of Darkness“ sind nicht zufällig, so z.B. die neu eingespielte Version von „Small Town Night“. Dabei alleine belässt es der Zeitreisende aber nicht. Aus dem Synth-Popper der 90s ist ein reifer Space-Electro-Cowboy geworden, dessen Gitarre hier und da treffsicher zwischen den Beats einschlägt. Fans der Blind Passengers werden an diesem Album ihre Freude haben. (Manfred Thomaser)



Noch bis vor kurzem dachte man, dass zwischen den Blind Passengers und den Solopfaden von Nik Page kaum mehr Luft für etwas Neues sein dürfte. Nun platziert sich das vorliegende Album genau auf diesem schmalen Grat und bedient sich dabei (logischerweise) der Elemente des Synthie-Pops, der EBM und der Cyber-Ästhetik. Vier Neuinterpretationen verweisen zusätzlich direkt auf die Vergangenheit. Das Gastspiel von Gary Wagner (Dance or Die) ist am Ende wohl die größte Überraschung, denn ein Händchen für tolle Melodien und einen mitreißenden Groove darf man von Nik wohl jederzeit erwarten. Der Platz in den Herzen der Fans und im CD-Schrank direkt hinter dem letzten BPs-Album ist gesichert. Nicht neu, aber gut und neu gemischt. (Torsten Pape)
VÖ: 27.08.10 // Wannsee Records


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Myspace.com/BlindPassengerOfficial
 
 
 


ZOLA JESUS
„Stridulum II“
Was ist das für fantastische Musik? Düsterelektronische Klangteppiche werden hier von der liebreizenden Nika Roza Danilova präsentiert. Ihre kraftvolle Stimme ist einprägend und hört sich so gar nicht nach einer 21-jährigen an. Ohne im schwarzen Klischeesumpf zu verharren, durchlebt der Hörer eine interessante Mischung aus hoffnungsgebenden Texten und düsterer Zerissenheit. Allein der Opener „Night“ ist jeden Cent dieser EP wert. Es folgen das auf Fläche aufgebaute „Trust Me“ und das für die dunkelsten Düsterclubs geeignete „I Can't Stand“. Verhallte Hintergrundvocals und Delays komplettieren dieses schaurig-schöne Werk. Wow! Diese Frau sollte mal ruhig mit „Stridulum II“ in den Düster-Bravos des Landes vertreten sein, denn sie würde einigen sogenannten Gothic-Acts gewaltig Konkurrenz machen. Eigentlich kein Wunder, denn das Label Souterrain Transmissions ist mit Acts wie Musèe Mècanique oder Cocorosie ein Garant für gute Musik. (Sir Raze)
VÖ: 23.08.10 // Souterrain Transmissions


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Myspace.com/zolajesus
 
 
 


Project Pitchfork
"Continuum Ride"
Da der gemeine Tonträger an sich rund ist, kann ein namentlich kontinuierlicher Trip auch schon mal im Kreisverkehr erlahmen. Die Ausfahrt, welche Peter Spilles mit seinen Mannen gegenwärtig nimmt, ist die gleiche wie schon vor 18 Jahren, als sie musikalisch zwischen Dhyani & Lam-'Bras ankamen. Der Motor klingt indes zugegeben runderneuert & beherrscht harmonisch alle Drehzahlen bis hin zur souveränen Pop-Perle “Supersonic Snakebite”. Und doch nervt spürbar verhaltene Experimentierfreude nebst unklaren Botschaften & man fragt sich, ob wohl der etwas lustlose Exzess "Beholder" das Unumgängliche für einen gut ausgeleuchteten bewachten Parkplatz hinterm Club war. (Ivo Klassmann)
VÖ: 23.07.10 // Trisol


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Pitchfork.de
 
 
 


THIS DROWNING MAN
"Big Faint Lane"
Diese Hamburger Band definiert sich eindeutig in der Tradition der wavigen Klänge der 80er Jahre und siedelt sich in der Schnittmenge von Acts wie The Sound, The Church und The Chameleons an. Mal eindringlich, mal sanft berührend fließen die wohlig melancholischen Songs direkt ins Herz und laden zum Träumen und wohligen Seufzen ein. Hier harmoniert jeder Ton und jeder Takt und am Ende steht ein Hörerlebnis, das perfekt zum nahenden Herbst passt. Mit Hilfe dieses schönen Albums wird das graueste Grau des Wetters mit den gedeckten Farben der fallenden Blätter zu einem beruhigenden, impressionistischen Bild verschmelzen. Sänger Roland Klein können Insider übrigens von der Band Scoda Blush kennen, die Ende der 90er Sister of Mercy-Support waren. (Torsten Pape)
VÖ: 16.07.10 // Danse Macabre


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Myspace.com/this.drowning.man
 
 
 


SHARON NEXT
„Fast farewell“
Waren meine Gefühle beim ersten Hören dieses Albums noch sehr ambivalent, stellte sich mit der Zeit eine eigenartige Faszination ein. Man kann es nicht recht greifen, aber dieses Album wächst stetig. Irgendwo im Spannungsfeld zwischen Wolfsheim, Diorama, Deine Lakaien und 80er Wave-Pop-Ästhetik angesiedelt, zaubern die Ösis einen Ohrwurm nach dem andern aus dem Ärmel. Selbst die zunächst sperrig erscheinenden, deutschsprachigen Stücke bleiben irgendwann nachhaltig hängen. Die prägnante, etwas belegt klingende Stimme erinnert mich stark an den Sänger von Soul in Isolation, falls die noch jemand kennt. Kombiniert mit dem souveränen elektronischen Fundament und den eher rhythmisch eingesetzten Gitarren ergibt das ein feines und doch kraftvolles, sympathisches Gesamtbild. (Torsten Pape)
VÖ: 09.07.10 // Danse Macabre


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Sharonnext.com
 
 
 



PARRALOX
„Supermagic“
Wer Kylie, Goldfrapp, Madonna und all die anderen süßen männercharmierenden Vocal-Weiber der letzten 3 Dekaden mag, und auch sonst immer gern mit viel kompositorisch klar, zumeist analog geformter Verspieltheit zu begeistern ist, dem wird auch die erste Single aus dem neuen Album „Metropolis“ (VÖ: Nov/2010) gefallen und im für Grandseigneurs gewohnten hinterherhechelnden Atemzug auch ganz besonders Frontgirlie Amii in sein Herz schließen. Wenngleich 5 Versionen von ein und derselben Musikalie nicht ganz so supermagicallike sind, so ist es dennoch als super anzukreiden, dass das australische Duo mit „Homecoming“ und „Failure“ wenigstens noch 2 weitere Titel als non-Album-Versionen des kommenden Albums an die Fans abliefert. Die Dark Version von „Time“ ist dagegen pure Magic!
VÖ: 27.08.10 // Conzoom Records
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Myspace.com/parralox

 
 
 



GRUM
„Heartbeats“
Schotten lassen unterm Karo-Rock nicht nur ihren Schniedel an der Luft trocknen oder drehen James Bond-Movies, nö, ab und an kommt von den Insulanern auch ganz angenehme Mukke rübergeschwappt; und damit meine ich nicht das Dudelsackgequetsche und –gepresse. Wie in diesem GRUM-Fall, bei dem der junge Produzent Graeme Shepherd eindeutig die 80er zu ein Disco Italo French House-Korsett zusammennäht, es überstreift, um dann jeden zu zeigen, was gerade Mode und angesagt ist. Das macht Laune, zieht man in jedem Fall gerne an und kommt immer wieder, wie die 80er stets beweisen. [...] 24 Jahre ist der "DJ" Grum jung, erhält Remixanfragen von Goldfrapp und  Lady Gaga und war Ende 2009 zeitweise der meistgebloggte Künstler laut „Hype Machine“, einem MP3 & Music Blog Aggregator. Das allein sagt ne Menge aus und ist am Ende eine frische und kluge Lektion an alte Musiksäcke, die sich von Altem nicht lossagen können.
VÖ: 20.08.10 // We Play/Sony


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Myspace.com/grummmusic

 
 
 



MY LIFE WITH THE THRILL KILL JULT
"Sinister Whisperz"
Früher haben Thrill Kill Kult Industrial gemacht, mit dieser ersten Reihe “retrospektiver” Compilations lassen Sie genau dieses „früher“ Revue passieren und reisen zurück zu ihren Wurzeln. Der Untertitel „The Wax Trax Years 1987-1991“ weist dann auch gleich den Weg, in welche Zeit es geht. 12 ihrer besten Songs wurde neues Leben eingehaucht, will sagen: remixed, rauf packt man noch einen unveröffentlichten Track aus dieser Zeit – fertig ist die Jukebox. Aber warum? „Remixe von diesen Songs zu erstellen, war wie alte Freunde nach 20 Jahren endlich wieder zu sehen“, meint Produzent Buzz McCoy. „Und es war schön, endlich wieder einiges an verdienter klanglicher Brillanz in diese staubigen, alten Tracks zu bringen.“ Letztendlich klingen aber selbst die neu-remixed Tracks so, als wären diese auch schon vor genau den 20 Jahren bearbeitet worden. Für Fans gibt es die auf 499 limitierte Box mit Bonus-CD „Live in San Antonio 1990“.
VÖ: 20.08.10 // Rustblade/Broken Silence


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Myspace.com/mylifewiththetkk

 
 
 



LEVTHAND
„Taxidrive“
„Taxidrive“ ist genau das richtige Wortbrösel, um dieses Release in eine exakte Substantivierung zu pressen. Denn dieses Vehikel fährt dich durch illustre Orte mit faszinierenden Soundbauten, zischt ohne Hektik durch Reggaedörfer, hat Anschluss an die Bronx, wo es weitergeht in Funk- und Soul-Clubs und bei jedem Halt steigen mehr Musikerfreunde hinzu. [...] Levthand ist Levent Canseven, der bereits in den 90ern als „Can7“ die Dancefloors Europas belieferte. Mit „Taxidrive“ konnte er ein Allstar-Team an Gastvocalisten gewinnen. Reinhören lohnt hier nicht nur deswegen - wenn auch der Taximotor sich ein wenig festfährt, ob der vielleicht zu vielen Hinzugaben verschiedenster musikalischer Tankfüllungen!
VÖ: 13.08.10 // idee deluxe/Nova MD


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Myspace.com/levthand

 
 
 



MOMOFOKO
„Not Now! …Now?“
Soft, seifig und nicht unsympathisch sind die 6 Männer aus Malmö ja schon und nebenbei auch schwedische Senkrechtstarter. Zumindest nahm das größte schwedische Musikmagazin „Groove“ das hier vorliegende Mini-Album in die Liste der besten Platten des Jahres 2009 auf. Nun kommt dieses noch schnell vor dem ersten regulären Album (Ende 2010) auch nach Deutschland. Die salopp vorgetragenen 6 Tracks sind denn auch muntere Indie-Popsongs mit elektronischem Flair und dem Auftrag, diese in die Disco zu bringen. Das dürfte funktionopeln, denn die groovige Schose kommt kurzweilig daher und macht gespannt aufs Album.
VÖ: 16.07.10 // Stereoflex Records


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Myspace.com/momofoko

 
 
 



SAM
„Brainwasher“
Wenn auch die Zutaten in diesem Genre immer die gleichen sind, so haben die Brüder Joel und Daniel Meyer (nicht mit DEM Myer verwandt) kapiert, sich von dem apathischen Einheitsgestampfe ähnlicher Acts wohltuender abzuheben. Schon der Opener „Warning“ sendet einen dezenten „Mahnruf“ von dem, was auf einem die nächsten 13 Tracks zukommt. Das wiederum sind hetzende Flurkiller mit viel eingestreuten Samples, Beats über der Mitzählgrenze und dadurch um so mehr Club-Flavour. „Brainwasher“ ist allerdings leider auch wieder ein typisches Album für unsere Problem-Kinder der Leuchtstabgeneration, was den Spaßfaktor auf den Tanzflächen der Republik immens schmälert.
VÖ: 09.07.10 // ProNoize


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Myspace.com/projectsam

 
 
 



[X]-RX
„Update 3.0“
Ständig gleicher Beat, ewig konstante Songmuster – das ist Industrial-Rave aus Köln und heißt [X]-RX. Für all jene, die einfach alles hören (können) und deswegen auch keinen Unterschied mehr feststellen (können). Das Debutalbum von [X]-RX erschien 2007 und hieß „Unmöglich erregend“. Erschreckend, dass das auch wieder für diesen, mittlerweile dritten, Longplayer zutrifft.
VÖ: 09.07.10 // ProNoize


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Myspace.com/xrxindustrial

 
 
 



DAS PRÄPARAT
„Unschuldsblicke“
Wenn sich eine Band „Das Präparat“ nennt und von einem „Mr. Hyde“ 2001 zum Leben erweckt wurde, sagt das im Grunde schon alles aus. Und geschichtlich wissen wir: meistens nichts Gutes. So auch in diesem Fall. Aber keine Angst: Mr. Hyde hat seine Nachtschwester K. (Text, Musik, Gesang) stets dabei, einer muss ihm ja die notwendigen Beruhigungspritzen setzen, damit übler „Gesang“ und fade Instrumentierung nicht zur chronischen Krankheit wird. Dabei „wurde diesmal besonderer Wert auf Vielseitigkeit und Klangqualität gelegt“, bläkt das Presseinfo trotzig. Au weia, dann möchten wir bitte NIE die Vorgängeralben dieser invaliden Ärztegemeinschaft hören!! So lästig, wie die 10 EUR-Quartalsgebühr!
VÖ: 02.07.10 // Scanner


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Myspace.com/daspraeparat

 
 
 



AS ABLE AS KANE
„The Collection“
Vor ca. 25 Jahren gründete sich die britische EBM-Band „As Able As Kane“ (kurz AAAK) und nur 5 Jahre und 2 Alben später sagten sie auch schon wieder Goodbye. Bei dieser Doppel-CD-Collection erwartet den Hörer deshalb auch keine "Best of" im herkömmlichen Sinn, was ohnehin nicht möglich wäre, sondern mehr ein Werdegang ihres musikalischen Schaffens. CD1 ist dann auch sodenn ein Querschnitt ihrer beiden und einzigen Alben „Buildingscapebeat“ (1989) und „Big Fist“ (1990). Auf CD2 sind Demosongs wie Livetracks aus den Jahren 1987-1989. In einem 16-seitigen Booklet gibt Bandmember Simon „Ding“ A. Auskunft über Gründung, Ende und Neuerweckung seiner Band. Wenngleich die Quali nicht mehr ganz auf dem laufenden ist, so sei dieses Release jedem ans Herz gelegt, der auf Vollständigkeit seiner heimischen EBM-Sammlung Wert legt. Für Fans von Front 242, Absolute Body Control und Konsorten.
VÖ: 21.06.10 // Electric Tremor Dessau
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Myspace.com/asableaskane

 
 
 



CAISARON
„Liebe in mir vernichtet“
„Liebe in mir vernichtet“ ist der angeblich beste Song der 2009er EP „Tief in mir“ des Electro-/Synthpop-Trios und nun wurde für die mit einem anständig-guten Gesang versehene poppige Ballade eine rhythmischere Bekleidung genäht. Die Maßschneider: Ray Gordon, DJ Crocks und People Theatre. Allen voran der verfrickelte Crocks-Mix ist ein Produkt klangkünstlerischer Friemelarbeit. Achtung: nur als Digital-Download erhältlich.
VÖ: 04.06.10 // Sonic-X
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Myspace.com/caisaron

 
 
 



SEPTRON
„Wuterguss“
Nichts Aufregendes bietet Bastian Polak aus der Pfalz, der sich mit SEPTRON in einen Raum voll abgenutzter Dark-Electro-Schränke eingeschlossen hat, um dort seit mittlerweile 8 Jahren in Heimarbeit vor sich hinzumusizieren. Ab und an kommen ihn die üblichen Verdächtigen namens „Herr Gesangsverzerrer“ und „Frau Beati Stampfi“ besuchen, um ihn zu beruhigen, damit er nicht ganz aus dem Ruder läuft. Von uns aus kann er das ruhig noch weitere 8 Jahre lang tun, solange er uns nicht wieder mit seinen „Heimarbeiten“ belästigt.
VÖ: 04.06.10 // Sonic-X


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Myspace.com/septron1979

 
 
 



ESC
„Eight Thousand Square Feet“
Portugiesen sind immer heiß gehandelt, vor allem, wenn es um Fussball geht. Letztendlich versagen sie dann aber doch immerzu. meist an zu schönen Stürmern mit damit verbundener Überheblichkeit. Wären ESC (= Eden Synthetic Corps) Fussballer, würden sie zwar straighten Fussball spielen, aber auch nur ins Viertelfinale kommen. Denn für's Halb- oder sogar Finale riskieren sie nur Einheitsfussball, immer wieder im gleichen Schrittmuster nach vorn, keine waghalsigen Kombinationen, keine Flanken, kein Mut und deswegen auch schon gar kein Tor. „Bloss keinen Fehler machen“ heißt es Mannschaftseinheitlich des 2005 gegründeten Quartetts. So wird im gewohnten Electro-/Industrial-Sound rumgebolzt und nach offizieller Spielzeit liegt der Verdacht nahe, das man doch nur Zuschauer, pardon: Zuhörer eines portugiesischen Drittliga-Spiels war – und die sind bekanntlich nicht sooo spannend. Daher gibt’s in diesem Spiel auch gleich 12 gelbe Karten für insgesamt 12 Tracks. Bonuspunkt aber für das tolle im Comicstyle gefertigte Digipak mitsamt Booklet.
VÖ: 28.05.10 // Scanner


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Myspace.com/edensyntheticcorps

 
 
 



ATTENTION SYSTEM
„Wait For My Signal“
Mit Dark Wave und Punk als ihren Kern will das 5er-Gespann eine angenehm schmeckende Frucht drumherum züchten. Die Erde dafür wurde schon im Gründungsjahr 2008 gepflügt, die Samen mit der in Eigenregie produzierten EP verstreut, was auch honoriert wurde: Innerhalb von nur einem Jahr schaffte es die Band als Headliner in die ausverkauften Wochenendshows der berüchtigten Rock- und Tanztempel Atlantas. Mit dem ersten Album fehlt allerdings das Wasser, mit dem sie die Samen eigentlich giessen müssten. So bleibt „Wait For My Signal“ nur ein weiteres Electro-Rock-Album, bei dem wir alle auch nur auf ein Signal warten: Und zwar das der Zündung.
VÖ: 28.05.10, Surrounded By Light Rec.


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Myspace.com/attentionsystem

 
 
 
 
 


 

 

 



MR JONES MACHINE
"Monokrom"
Es ist nicht so, dass es nur eine Klangfarbe in Schweden gibt. Doch der Synthie Pop ist durchaus vorherrschend. Mr Jones Machine bieten in Landessprache eine wirklich sehr verpoppte Variante. Völlig ohne Moll-Attitüde wird hier beschwingt gegroovt. Manchmal werden die Stücke mit zaghaften Gitarrenakkorden gestützt. Und immer wieder gibt es Einlagen, die etwas zum Schmunzeln anregen, aber trotzdem irgendwie funktionieren. Wie z.B. eine opernhafte Frauenstimme oder ein inbrünstiger Männerchor. Dennoch eignen sich die Stücke meistens eher für die schwedische Version des Fernsehgartens als einen Club. Die Ausnahme bilden ab und an minimal gehaltenen Stücke wie "Vit Citroën". Das Album hält sich zwar mit gut ausgearbeiteten Sounds irgendwie immer über Wasser, bleibt letztendlich aber doch stecken. Der Grund ist, sie haben zwar gute Programmierer, aber keinen Songwriter in der Band. (Spider)
VÖ: 01.04.2011 // Progress Prod.


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mrjones.ollilab.com

 
 
 



PARRALOX
"Metropolism"
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"I sing the body electric"
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Mit einer Doppelveröffentlichung wartet das australische Dance Pop-Duo Parralox auf. "Metropolism" ist eine Ansammlung von Remixen ihres letzten Albums "Metropolis" und neuer Songs. In beiden Varianten steckt jede Menge Discoattitüde, was unter der Glitzerkugel ganz ok kommt, mich aber nicht aus dem heimischen Sessel zum Tanzen auf die Beine reißt. Das ungenießbare Gebräu aus der schlechtesten Gärung der Pop 80er und Techno 90er, machen nur Iris, die aus "Ancient times" einen schönen Synth Pop-Song werkeln, und Edge of dawn mit einer kraftvollen Variante von "I sing the body electric" schmackhaft. Dieser Song ist auch das Hauptthema der zweiten Veröffentlichung. Diese startet mit fünf weiteren Versionen der Single, die in der Radio und Extended Version eine durchaus hörenswerte Variante moderner elektronischer Musik ist. Und bis auf den House meets EBM-Brei von Angeltheory können alle Remixe überzeugen. Insgesamt offenbart diese EP höhere Qualität auch bei den darauf folgenden Stücken. Sowohl Songwriting als auch die Neubearbeitungen sind wesentlich stärker. (Spider)
VÖ: 25.02.2011 // Conzoom

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Parralox.com

 
 
 



Laudanum
„Demo-Scope 1998-2002“
Lange, lange mussten wir darauf warten. Und endlich ist sie uns erschienen, hat sie zu uns gefunden: die „Demo-Scope“ von Laudanum! Endlich dürfen wir den natürlichen und sypmathischen Klängen im Original lauschen, den minimal-subtilen Wegen folgen, „moving quietly“ trancig-traumwandelnd entgegenschweben, „forever blind“ fragend, zweifelnd, hoffend gegenüberstehen, nostalgisch den Rhythmen und Gitarren der 80er gehörvoll ehrerbieten. Und auch wenn nicht alles perfekt ist und es hier und da mal kratzt und knarzt, so sollte jeder begeisterte Fan einfach nur hören und staunen über soviel Schönheit und wunderbare Einfachheit. (Manuela Seiler)
VÖ: 2006 // Formalhaut


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Laudanum-music.com

 
 
 



Boeoes Kaelstigen
„Tanum Teleport“
Nee, Chefredakteur Bodyhorst hat nicht wieder beim Korrekturlesen geschlampt, die Kapelle nennt sich wirklich so und hat damit den Kontext des beklopptesten Bandnamens für dieses Jahr schon für sich entschieden.  Was sich jedoch auf dem Silberling abspielt, ist höchst ansprechend, obwohl das eigentlich gar nicht meine bevorzugte Musikrichtung  ist. Das klingt ein wenig nach dem Zeugs von Kalkbrenner – nur in gut. Mal House, mal Techno, mal Minimal und ab und zu sogar mit ansprechendem Gesang ausgestattet, bekommt man hier ein sehr homogenes Werk kredenzt, das wunderbar durchgehört werden kann.  Auch wenn die Songs teilweise recht lang geworden sind, werden sie nie langweilig, was bei dieser Art Musik normalerweise für meinen Geschmack immer der Fall ist. Wer solchem Kram nicht abgeneigt ist, sollte ein Ohr riskieren.
VÖ: 28.01.2011 // Adrian


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Myspace.com/boeoeskaelstigen

 
 
 



Rummelsnuff
„Kino Karlshorst / Brüder“
Beim Hören vom Nackepeter Rummelsnuff kommt mir immer ein Bild in den Kopf: Irgendein Electrokonzert, plötzlich auftretende Heiserkeit beim Sänger und der Securitymann springt ein. Aber Dank der neuen Veröffentlichung braucht man sich keine Bilder mehr machen, denn die DVD des Doppelpacks ist vollgestopft mit Videoclips und anderem Kram aus Fleischberghausen. Also quasi „Best of the ersten 2 Alben in Bildern“. Auch die EP weiß zu gefallen, allerdings wird das eingangs erwähnte Electrokonzert hier eher durch eine Hamburger Hafenkneipe ersetzt.
Überraschend in Rummelsnuff's Männerhaushalt kommt das zuckersüß zuckende Serge Gainsbourg- und Brigitte Bardot-Cover „Bonnie and Clyde“, natürlich auch im Duett, und zwar mit der Noblesse Oblige-Sängerin Valerie Renay, die auch letztens erst bei Funker Vogt mitgeträllert hat. Alles in Allem also ein duftes Doppel! (Daniel Theberath)
VÖ: 21.01.2011 // Out Of Line


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Rummelsnuff.com

 
 
 



Substaat
"Substaat"
Oft entscheiden die ersten Takte eines Albums, ob sich im späteren Verlauf eine positive Beziehung zum Hörer entwickelt. Die drei Norweger von Substaat gewannen an dieser Stelle sofort meine Sympathien, denn die Art, wie frickelige und doch gewaltige Electrosounds in eine straighte EBM-Nummer übergehen, ist schon sehr gekonnt. Wenn im Anschluss noch Hits wie "Catch me", "Hybrid", "Adrenaline" oder "7th state" im Angebot sind, hat man schnell das Gefühl, es mit einer sehr, sehr geilen Neuentdeckung zu tun zu haben. Wer die unterkühlten Tracks der ersten NEP-Scheiben und die Eleganz von Covenant mag, kann hier wahrlich nichts falsch machen. Allerdings sollte das EBM-Verständnis deutlich über die 4-on-the-floor-und-hau-drauf-Mentalität hinaus gehen. Der Bonus-Remix-Silberling ist übrigens ebenfalls perbonus, wenn nicht gar optimus. (Torsten Pape)




Ist es Fluch oder Segen, wenn eine Band auf ihrem Debütalbum so abwechslungsreich ist, das man denkt, es handelt sich um ein Szenestelldichein? Wenn es wie bei Substaat bei zwei Bands bleibt (einfach mal Album kaufen und selber raten), ist es wohl OK - nur geht die Eigenständigkeit flöten. Doch es knackt - und das ganz ordentlich. Songs wie „Adrenaline“, „I Want“ oder das schon vorher zum Hit auserkorene „Catch me“ gehen gut ab. Obendrauf gibt’s noch ein paar Remixe auf die Ohren, die als Bonus-CD kommen. Nett. Schade nur, daß die Aufnahmen offenbar auf dem Weg ins Presswerk zu doll geschüttelt wurden und so die ganzen Refrains rausgefallen sind. Blöd. Aber von Staatschwierigkeiten, welch' brilliantes Wortspiel, kann man wirklich nicht sprechen. Klingt, als wären sie schon immer da gewesen. Mindestens so lange wie Nitzer Ebb oder Covenant (Mist, verraten). (Daniel Theberath)
VÖ: 28.01.2011 // Danse Macabre



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Myspace.com/SubstateMusic

 
 
 



And One
"Zerstörer"
Naghavi drückt sich den Tonabnehmer an die Unterbuchse und heraus kommt eine Scheibe wie ein alter Kamerad. Mit bewährtem Schmäh und neuen Provokatiönchen macht er Peine noch lächerlicher als es Oliver Kalkofe vermochte und erweitert seine „Military Fashion Show“ um eine Hymne, bei der jedem Marinesoldat dieser Tage nicht nur die Brust vor Stolz anschwillt. Einzig „No Song For You“ und die Liveversion von „Mirror In Your Heart“ lassen erkennen, das es nun keine Wehrpflicht mehr gegen Depeche Mode gibt. Löblich ist hier die Reformmaßnahme, den Tourbus als mobiles Einsatz-Studio zu nutzen und dem mitreisendem Producer in Leipzig livehaftigen Radikalhumor meets Synth-Pop plus ein paar belebender Zwischentöne in die Vorratsdatenspeicherung zu drücken. (Ivo Klassmann)
VÖ: 21.01.2011 // Out Of Line




Na endlich, neue Maxi, anstehendes Album... es i.s.t. wieder soweit - ich freu mich! Worüber? Naja, zumindest im Vorfeld schon mal über die Ankündigung, das die Original-Version von „Military Fashion Show“ mit drauf kommt. Und so geht’s los: Zerstörer geht ordentlich ins Ohr, durch den Kopf und kommt hinten wieder raus, knallt also wie'n Espresso mit RedBull-Topping, schade nur, das es danach erst mal wieder ruhiger wird. “Sex Drive“ bleibt ja noch irgenwie hängen, “No Song for You“ kann man indes durchaus wörtlich nehmen. Die drei Liveversionen gehen aber wieder gut ab, allen voran natürlich „Military Fashion Show“. Interresant zu erwähnen ist, das sich die beiden „Bonustracks“ auf dem neuen Album finden lassen, aber nicht der „Zerstörer“! Ich bin zerstört und verwirrt... verrückte Welt, aber da passt das Naghavi-Tanztheater ja genau rein. (Daniel Theberath)

VÖ: 21.01.2011 // Out Of Line


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andone.de

 
 
 



Nothing To Fear
"Prepared Lies"
Sie verbinden Oldschool-EBM, Synth-Pop und 80s-Harmonien mit zeitgemäßen Düster-Electro: die süßen Boys von Nothing To Fear kennen sich seit ihrer verpickelten Schulzeit in Luckenwalde und haben sich in ihrer über 10-jährigen Historie den Ruf der zweitbesten Electro-Band Brandenburgs erspielt. Auf „Prepared Lies“ klingt die Band taufrisch, gewaltig kraftvoll und erstaunlich erwachsen. Wo wir beim Wachsen sind: Die Synthie-Parts erinnern stellenweise an And One, was jedoch nicht beabsichtigt scheint. Bei NTF hat unüberhörbar eine Weiterentwicklung stattgefunden. Das Album macht von Anbeginn richtig Spass. Die Tracks treiben an, greifen zahnradmäßig ineinander und haben im Vergleich zum früheren Album weniger Brüche zwischen Harmonie und Gesang. Der Klavier-Part bei „The Road We Went“ beweist es - dieses Werk schufen Musiker und nicht einfach nur Tastendrücker. Dieses Resultat begeistert. Damit könnten NTF die Könige der Brandenburger Electro-Szene vom Liegestuhl verdrängen. Wer auch immer das ist. (Sir Raze)
VÖ: Feb 2011 // MPM / NTF


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myspace.com/nothingtofearde

 
 
 



Dhyamara
"The last embrace"
Momente sind kleine Monumente im Leben, die zu erhalten es sich lohnt. Mit Dhyamara, die die Tür ins Land der Zwischenräume öffnen, wo Zeit sich endlos hinzieht und man das Stimmen-und Emotionsglück der modernen Mystik-Hexe genießen kann, gelingt dies mit ihrem Debüt. Schwebend zwischen Elektro-Pop, Darkwave und Etheral spinnen Ninfa (voc) und Luka (key) neue Existenzelfen. Gesanglich erhaben und doch so herzensnah, gelingt es dem italienischen Duo den Hörer zu verzaubern - den Durchfluss des Lebens wiederherzustellen – und das ist gut so.
(Manuela Seiler)
VÖ: 21.01.2011 // Caput Medusae


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Myspace.com/dhyamara

 
 
 



Endanger
"Die Show muss weitergehen"
Da ham wir‘s wieder: guter eingängiger Electropop, der aber leider nicht „gehypt“ wird und somit bei den 13-jährigen Gothicmädels keinen Anklang findet. Endanger ist eine dieser Bands, die man nicht vermisst, aber sich freut, wenn sie mal wieder da sind. Und so kommt es wie erwartet: ein Song, der beim ersten Hören im Ohr hängenbleibt. Leider wird dieser durch diverse Mixe, die alle irgendwie ähnlich sind, sooo langgezogen, das so‘n büsch‘n die Luft raus ist. Da geht sogar der doppelte Bonustrack, der mal weiblich mal männlich daherkommt, unter. Eine flotte Single mit Titeltrack, Extended Version und einem Bonustrack hätte wohl ausgereicht, um sie sich gerne und öfter anzuhören. Bleibt jetzt nur zu hoffen, das auch bei Endanger die Show flott weitergeht, und nicht erst wieder ‘n paar Jahre Ruhe ist. (Daniel Theberath)
VÖ: 25.02.2011 // Infacted


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Myspace.com/eternalizer

 
 
 



Aircrash Bureau
"Exhibition"
Das EBM-Archiv stampft wieder: Infacteds Klassiker-Reihe hat Aircrash Bureau ausgegraben, ein weiteres Projekt aus der Zoth-Ommog-Füllmaterial-Kohorte, das über eine Maxi kaum hinaus kam. Perlen gab‘s dennoch oft genug. Bei den Aircrashern waren es deren vier: „Machine“ stampft teutonisch, „Exhibition“ trippelt funky (Die Warzau trifft Greater Than One), „Time to Die“ mag kanadischen Industrial (DHIs „New Vision“, aber hallo) und das Bigod 20-eske Instrumental „120 BPM“. Als Bonus gibt‘s die unveröffentlichten „Funktionsraum“ und „On Patrol“ (Nitzer-Ebb-a-gogo). Bittere Pille: die aufgepeppten Remixe und „Mit voller Kraft“, ein Vorgeschmack auf das angekündigte neue Album. Lasst den Scooter-Rave mit EBM-Basis, sorry Dark Electro, doch Konsorten wie Roter Sand und Terminal Choice. EBM war nie mono, weder -ton, -lithisch oder -chrom. Die alten Tracks sind Beweis genug. (Till™)
VÖ: 21.01.11 // Infacted


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Chaim
"Alive"
Jeder, der schon einmal in Tel Aviv war, bestätigt, dass die israelische Metropole ein unglaublich lebensfroher, energetischer und schöner Ort ist. Und – man mag es kaum glauben – diese Stadt hat eine ansehnliche Historie in puncto Techno/House. Chaim Avital stammt aus Tel Aviv und transportiert mit seinem House-Sound das leicht dekadente Flair und die Entspanntheit dieses Fleckchen Erde. „Alive“ hat einen wunderbaren Fluss. Man riecht förmlich das Meer, spürt die Sonne und das Salz auf der Haut und riecht die schweiß- und parfumgeschwängerten Ausdünstungen der Bars und Clubs. Obwohl vollkommen elektronischer Natur hat diese CD einen sehr organischen Charakter, der bis ins Erotische reicht. Wenn doch nur endlich Sommer wäre und man dieser Musik unter freiem Nachthimmel den nötigen Platz zum Entfalten lassen könnte. (Brunner)
VÖ: 11.02.2011 // BPitch Control


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Myspace.com/chaimavital

 
 
 



Elias Matt & (the) Rescue Mission
"Achtung! Alpha"
Der Berliner Elias Matt und seine Band (the) Rescue Mission legen mit „Achtung! Alpha“ ein Album vor, das bewusst retrospektiv klingen soll. So hat man sich bei der Produktion jeglichen modernen Einflüssen entzogen und ausschließlich mit analogem Equipment produziert. Herausgekommen ist eine solide Pop-Platte, die zwar eingängig, insgesamt aber etwas zu akademisch und offensichtlich bemüht geraten ist. Elias Matt und Band haben ihre Helden ausführlich studiert, jedoch können sie ihre Songs kaum mit eigenem Leben füllen. Durch die erzwungene Retro-Attitüde und die mangelnde Farbigkeit schaffen es die Arrangements nicht, auf Albumlänge zu überzeugen. Am Ende bleibt „Achtung! Alpha“ ein durchaus ambitioniertes, aber dennoch durchschnittliches Werk, dem es durch seine Gleichförmigkeit und Berechenbarkeit leider an Seele fehlt. (Sally Nope)
VÖ: 11.02.2011 // Wannsee


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EliasMatt.de

 
 
 



Armageddon Dildos
„Untergrund“
Uwe Kanka gehört zu den Urgesteinen der EBM-Szene. Bereits in den 90ern konnte er mit seinen Armageddon Dildos erfolgreiche Konzerte, Alben und Clubhits vorweisen. Mit „Untergrund“ möchten die „Dildos“ nun an ihre bestehenden Erfolge anknüpfen. Dazu nahm sich Kanka-Gitarrist Ulf Häusgen (Ex-The Fair Sex), Mathias Black (Ton-Meister u.a. Tommi Stumpff, Karl Bartos) und Tochter Denise als Verstärkung. Treibende EBM mit einer leichten Punk-Attitüde sind das Resultat und hauen voll auf die Hundert. So wächst dieses Album von Song zu Song zu etwas Besonderem heran. Das rollende R, welches jedoch nur vereinzelt auftaucht, erinnert leicht an Rammstein. Dieses kann man jedoch als Realsatire verbuchen. Armageddon Dildos liefern hier ein Album, was, ohne als Kopie zu wirken, hörenswert ist und wirklich Spass macht. Zudem sind in der Box ein Miniposter und eine 14-Track Bonus-CD, mit Remixen von Angstfabrik, Digital Factor, Autodafeh, Biomekkanik, Plastic Noise Experience, Inertia, Die Rostigen Löffel, To Avoid, sowie einem Exklusivsong, der mit Myk Jung (The Fair Sex) geschaffen wurde, enthalten. (Sir Raze)
VÖ: 18.02.2011 // Alfa Matrix


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Myspace.com/armageddondildos

 
 
 



LIQUID DIVINE
 „Sojourner EP“
7 Songs präsentieren uns „Liquid Divine“ auf der „Sojourner EP“, die auf 500 Stück limitiert ist. In 3 verschiedenen Versionen ist der hammergeile Titelsong „Sojourner“, gesungen von Frank Spinath (Seabound), vom letzten Album „Autophobia“ vertreten. Dazu zeigen die verschiedene Mixe der anderen Songs und das (unveröffentliche?) Stück „Die To Meet You (Parasite Remix)“ wie vielseitig die Band aus Sachsen ist.
Ich kann diese EP nicht nur Musikinteressierten, die die Band noch nicht kennen, empfehlen, sondern auch Fans von „Liquid Divine“. 1.) weil limitiert, 2.) weil gute Songauswahl und 3.) weil geil! Mir persönlich hilft die EP die Wartezeit auf den nächsten Haujobb-Release zu verkürzen und das ist nicht nur wegen dem Remix von Dejan S.. Danke! (Junk Schmidtskatze)
VÖ: 18.02.2011 // Infacted Recordings
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LiquidDivine.de

 
 
 



Blitzmaschine
„Liebe auf den ersten Blick“
Blitzmaschine ist etwas Neues und präsentiert mit der Debüt-Maxi ganz viel Altes. Der Titelsong geht auf das Konto der EBM-Pioniere DAF und erstrahlt nach der Frischzellenkur in neuem, jedoch recht ähnlichem Glanz. „Blute jetzt“ ist einer der besten Songs der verblichenen Collapsed System und wird in zwei neuen Versionen dargeboten. Die Blitzmaschine darf das, denn einer der Protagonisten war Teil besagter Band. Snoob Mix und Danish Dub Mix fetzen und knallen ordentlich. Das einzige eigene Gewächs ist das schmissige „Blondes Mädchen“ (hier im Sex Mix) und klingt so, als ob Görl und Delgado es vergessen hätten zu veröffentlichen. Bei so viel geballter Electro-Power fragt man sich am Ende jedoch, warum das Duo nicht die Eier hatte, sich mit dem ersten Lebenszeichen nicht so vieler fremder bzw. benutzter Federn zu bedienen. (Torsten Pape)
VÖ: 04.02.2011 // Danse Macabre


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Blitzmaschine.com

 
 
 



Inertia
"Deworlded"
Reza Udhin und seine Mannen sind strikte Anhänger der Verstärkerthese. Diese These fußt auf der Theorie der kognitiven Dissonanz, die nicht anderes meint, dass manche nix anderes in ihrer eigenen kleinen Welt suchen als das, was ihnen seit jeher vertraut ist. Mit dieser Einstellung wäre man vor zehn Jahren vielleicht noch Plattenmillionär geworden, heute ist das nur noch das zehnte Album mit dem steten Einerlei aus Electro meets mal mehr mal weniger fette, aggressive Gitarrenriffs auf recht passablem Niveau. Gegen diese These ist auch ein außerirdisch einschmeichelnder „Alien“ machtlos. (Ivo Klassmann)
VÖ: 04.02.2011 // Cryonica


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inertia.gs

 
 
 



System
"Circle of Infinite Radius"
Als gefühlter 1/3-Schwede behaupte ich an dieser Stelle mal ganz pauschal und unverblümt: in Schweden ist alles toller! Die Sonne scheint sonniger, das Wasser ist wässriger, die Luft ist luftiger, die Menschen sind glücklicher (außer bei Herrn Mankell und Co., aber die verdienen mit Bösewichten ja ihr Geld) und dass die Mädels dort nicht nur die Nase vorn haben, lehrten uns schon diverse „Meisterwerke“ spätpubertärer Filmkunst. Musikalisch bildet das Land da natürlich keine Ausnahme und die Herren A und B des Stockholmer Elektro-Projekts „System“ schon mal gleich gar nicht! Skandinavisch leicht, hell und irgendwie gesund klingend, arbeitet sich das Duo in 10 Akten durch sein nunmehr viertes Album, welches kürzlich erschien. Synthetisch einwandfrei und melodiös vielseitig bescheren uns A und B hier ein elektromusikalisches Paket welches an Solidität wahrscheinlich nur von einem 745er übertroffen werden könnte. Kauftipp! (Frank Bentert)
VÖ: 12.01.2011 // Progress Production


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Myspace.com/oursystematic

 
 
 



Laudanum
"Beyond The Doctrine"
Sieben lange Jahre hat es gedauert, bis der Nachfolger zum wunderschönen Album „Blinded“ das Licht der Welt erblickt. Die lange Tragezeit hat sich jedoch gelohnt, erstrahlen die elf Songs doch in einem nahezu perfekten Glanz. Auf synthetischem, mal atmosphärischen, mal beschwingterem Unterbau entfaltet sich eine Mischung aus wohlig wavigen Gitarren, sorgsam ausgewählten Soundschnipseln und Filmsamples sowie einer sehr angenehmen Männerstimme. Alles hat eine Bedeutung, nichts erscheint überflüssig und es macht einfach Spaß, den vielen Details seine Aufmerksamkeit zu widmen. Man kann sich auf dieser stimmungsvollen, oft melancholischen Musik aber auch einfach nur treiben lassen. Bin dann mal wieder weggetrieben. (Torsten Pape)
VÖ: 26.11.2011 // Formalhaut


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Laudanum.info

 
 
 



Half Light
“Night In The Mirror”
Aus dem Licht der Schatten aller Tempel des Electropop herausbrechend, lieferte das polnische Trio Half Light im Dezember 2010 sein Debüt ab. “Night In The Mirror” ist nicht das ganz große Erstlingswerk einer Band, deren Zukunft olympischem Gold entgegen eilt. Aber Half Light stehen für eine Kombination von Synthesizer und Gitarre, die zuvor ungehörte Momente verewigt. Sänger Janiszewski, Keyboarder Skrzypczyk und Gitarrist Marciniak komponieren melancholische Songs, die ebenso als Ballade den Mond begleiten wie sie die Füße auf den Dancefloor tragen. Unterbrochen durch die teilweise psychedelischen Gitarrensoli, die auf den ersten Blick als krasser Gegensatz verstanden werden, siedelt sich „Night In The Mirror“ genau dort an, wo es ohne sie gestrandet wäre.
(Manfred Thomaser)
VÖ: 10.12.2010 // MJM Music


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Myspace.com/halflightpoland

 
 
 



I Blame Coco
„The constant“
Popmusik ist scheiße, das wissen wir alle. Trotzdem gibt es immer wieder einige positive Ausbrecher. Ich sage nur Ellie Goulding, die für mich mit „Bright Lights“ genreübergreifend das beste Album des neuen Jahrtausends hingelegt hat. Und auch Frau Sumner kann auf ihrem Debut durchaus überzeugen.  Sumner? Da war doch was. Yep, Coco ist die Tochter von STING. Die Musik klingt jedoch völlig anders und ist fast durchweg sehr elektronisch, obwohl Madame immer nur mit Gitarre auf Bildern zu sehen ist. Ihr extrem eigenwilliger Gesangsstil und ihr eigenartiger Akzent, gepaart mit einer seltsam rauen Stimme, passen sehr gut zu den überwiegend eingängigen Popsongs, die sie so geschrieben hat und daher klingt sie auch keinesfalls wie die restlichen austauschbaren Hupfdohlen ala Kate Perry und wie die Schlampen alle heißen. Einen wirklichen Ausfall gibt es bei den 15 Tracks nicht, dafür aber jede Menge Highlights, wobei das grandiose „Constant“ für mich DEN Höhepunkt darstellt. Auch sehr charmant die Coverversion eines alten Neil Young Songs „Only love can break your heart“. "Papa solls ja gefallen", hat sie in nem Interview gesagt. Na dann mal weiter so…
VÖ: 02.11.2010 // Island


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iblamecoco.co.uk

 
 
 



Parralox
“Metropolis”
John von Ahlen, der übrigens diesmal gar selbst zum Mikro greift, produziert auch auf dem dritten Album der Australier einschlägig-eingängigen Synthpop der Marke „süß und saftig“. So richtig veredelt wird die Marke „Parralox“ dann aber erst durch das zuckrige Frontgirlie wie Vocalwunder Amii, die zwischen Madonna, Kylie und sie selbst bes(chw)ingt hin- und herkonvertiert. Dabei benutzen Parralox weiterhin ihr ureigenes Bindemittel, um den Parralox-Sound immer schön süß-klebrig zu halten. So kommen dann auch die letzten Zweifler synthetisch-glasklarer Sounds einfach nicht mehr los davon. Schon schön. (Marshall)
VÖ: 26.11.2010 // Conzoom


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Nyspace.com/parralox

 
 
 



Suicide Commando
"Death Cures All Pain"
Gefühlt macht Johan Van Roy seit ca. 30 Jahren dieselbe Musik. Es stimmt schon, dass die Zutaten für den energetischen Suicide Commando-Sound im Laufe der Jahre kaum verändert, sondern eher verfeinert wurden. Dennoch waren Singles schon immer ein beleg dafür, dass der Belgier ein großer Klinik-Fan ist und war und darüber hinaus sehr wohl den ein oder anderen Stilhaken zu schlagen in der Lage ist. „Go Fuck Yourself“, die B-Seite dieser Auskopplung , ist so ein Schmankerl, denn die Nummer hämmert – bar jeglicher Melodie – fast schon Schranz-artig durch den Äther. Der Titeltrack wird clubtauglich vergeremixt. SITD dürfen dabei wieder als Klassenbeste glänzen. Leider hat Johan dieses Mal keinen dieser minimalistischen oder sphärisch-melancholischen Bonustracks spendiert, die seine Maxis sonst immer besonders interessant machten. (Brunner)
VÖ: 26.11.2010 // Out Of Line


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Myspace.com/suicidecommando

 
 
 



Spectra*paris
„Christmas Ghouls“
Das Elena Alice Fossi weit mehr als nur optische Sympathieträgerin mit toller
Stimme ist, hat sie als Frontfrau bei Kirlian Camera im Laufe der Jahre zweifelsfrei
belegt. Ihre perfektionistische Handschrift prägt viele Songs und lässt ihr Gespür für Musik deutlich werden. Gleiches gilt auch für die Arbeit bei Spectra*paris, ihrem eigenen Projekt, welches schon 2007 mit dem ersten Album einen Glanzstart hinlegte. Dabei verhält sich der Damenverein zur Masse anderer Bands im schwarzen Umfeld in etwa so, wie Arte zu RTLII, präsentiert sich die Band doch stets stilvoll und musikalisch höchst vielschichtig. So auch auf der neuesten CD, welche zwar mit weihnachtlichem Leitmotiv wirbt und u.a. mit zwei Versionen des Klassikers Stille Nacht aufwartet, sich aufgrund der ruhigen, intensiven Art seiner Songs und ihrer durchweg gelungenen Interpretation aber eindeutig auch für ganzjährigen Hörgenuss eignet. (Frank Bentert)
VÖ: 26.10.2010 // Out Of Line


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SpectraParis.net

 
 
 



Monostrip
„The Grand Youth“
Veröffentlichungen ohne jedwede beigelegten Infos sind öde – da muss der Journalist von heute ja wirklich reinhören, verdammt! Hah!
Allgemeinhin bekannt ist, dass Schweden nicht nur bekannte (und eventuelle) Sexualstraftäter höchst medienwirksam verfolgt, nö, seit Jahrzehnten auch kackt das Land pro Jahr mindestens 96 Synthpop-Combos aus. MONOSTRIP sind eine von denen, die mit diesem Nebenprojekt allerdings nur ihre Pop-Attitüden auf elektronisch ausleben möchten, denn das können sie mit ihrem Hauptdingens I’M FROM BARCELONA irgendwie nicht. Das klingt dann freundlich, manchmal edel, oft elegant, aber nie so, dass man jetzt sofort seinen noch offenen IKEA-Gutschein gegen diese CD eintauschen möchte. Wir halten fest: egal, wie viel Schweden-Pop-Bands noch gebärt werden, die Skandinavier machen immer Musik der Marke „frisch und flott“. Und das muss denen erst einmal einer nachmachen! (Marshall)
VÖ: ? // Wonderland


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Myspace.com/monostrip

 
 
 



Die Krupps
„Stahlwerksynfonie“
Vom Punk kommend, hätte es mit den Krupps nach diesem Debüt auch schnell in die Avantgarde-Krach-Ecke gehen können. Die Geschichte belegt andere Wege, aber wahrscheinlich hat es diesen Urknall gebraucht, um die Band zu werden, die man heute ist. Mit der neu- und einzigartigen Mischung aus Industriegeräuschen und echten Instrumenten (Schlagzeug; Gitarre, Bass und Saxophon) entfesselte man vor drei Jahrzehnten den organisierten Lärm. Die Neuauflage bietet nun nicht nur den überarbeiteten Sound, sondern ebenso einige Raritäten. Das Ur-Werk klingt noch nicht so kraftvoll und brachial, eher minimal und knarzig. Die Live-Aufnahme von 1981 gab es bereits als Japan-Import und präsentiert u.a. vier Stücke, die auf keinem regulären Album zu finden sind. Für Sammler und Industrialfetischisten gibt es also ein paar Kaufgründe, der Fan der späteren Krupps kommt auch ohne diese Doppel-CD aus. (Torsten Pape)
VÖ: 19.11.10 // Synthetic Symphony


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Myspace.com/diekrupps

 
 
 



DIE KRUPPS
"Als Wären Wir für Immer"
Was hab' ich mich gefreut, als ich von der neuen Krupps E.P. gehört hab', hängen mir doch immernoch Lebenszeichen wie "5 Millionen" und "Der Amboss" mit Client im Ohr. Und jetzt? Ein Gefühl wie Socken zu Weihnachten! Man macht keine Luftsprünge, aber brauchen kann man's trotzdem. Sind ja auch ein paar passable Sachen dabei. Allen voran das Propaganda-Cover "Dr. Mabuse" in zwei Versionen, die beide zu überzeugen wissen, sowie "Als wären wir für immer" und "The Chamelion Man" im Vigilante-Remix, die wenigstens etwas in die oben genannte Richtung gehen. Der Rest ist halt alles irgendwie Krupps, aber knackt nicht so schön. Ach so... und für Mutti ist noch 'n "Abenteuerland"-Remix von Unheilig dabei, das ist doch was, oder? (Daniel Theberath)
VÖ: 19.11.10 // Synthetic Symphony


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Myspace.com/diekrupps

 
 
 



Herrenmagazin vs. Audiolith EP
Die Hamburger Jungs von Herrenmagazin warfen ihr zweites Album „Das wird alles einmal Dir gehören“ auf den Markt. Meine Hypothese zum Tathergang: Die standen an der Nordelbe und überlegten sich einen zusätzlichen Produktaufmerksamkeitshinweis für ihre CD. Da kam ihnen die Idee. Sie fuhren mit der U-Bahn bis Feldstraße (Heiligengeistfeld) und gingen mit den Worten „Wir wollen Remixe“ ins Audiolith Headquarter. Daraufhin wurde bei Frittenbude, Egotronic, Thilo Meyer, Säge und Tante angerufen, die sofort zusagten. Somit war die 4-Track EP im Kasten, wobei Frittenbude mit „Durch die Nächte“ gar einen neuen Song entstehen ließen. Minimalistische Mixe lieferten Säge (Juri Gagarin) und Tante mit dem „Gebrüder Panzerfaust Remix“ von „Gold für Eisen“, sowie Egotronic mit ihrem Remix von „Erinnern“. Der „Thilo Meyer-Tokracks Remix” von “Gespenster” ist hingegen ein chillig-groovender Trip. Ein hörenswertes und zudem glücklich machendes Endprodukt. (Sir Raze)
VÖ: 03.12.10 // Audiolith / Motor


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Herrenmusik.de | Audiolith.net

 
 
 



Neutral Lies
"A Deceptive Calm"
Das Duo kommt aus Frankreich. Ein Land, mit einer riesigen elektronischen Szene, die es dort aber genauso schwer hat, wie die bei uns in Deutschland. Musikalisch erinnert das schon recht stark an die ganz frühen Depeche Mode, ohne, dass die Platte aber nun veraltetet klingen würde. Produziert hat das Ganze einer von Celluloide, der vielleicht besten Band dieses Landes im Bereich elektronischer Musik. Insgesamt sind auch die schnellen Stücke nicht aggressiv produziert, so dass das Album einigen dann doch zu soft sein könnte. Besonders in der heutigen Zeit, da die Jugend gerne stupides Gewummer hört. Für alte Menschen wie mich genau richtig, gefällt mir die CD nach mehrmaligem Hören immer besser. Zudem ist der Bandname einfach klasse. Für Oldschooler ein kleiner Geheimtipp, den es bislang aber vermutlich nur im Ausland zu erwerben gibt und ich bezweifle auch, dass diese CD in Deutschland je erscheinen wird. (Chucky)




Auf diesem Silberling findet man viel Licht, aber auch viel Schatten. Auf der instrumentalen Seite ist es hell, da ausgefeilte Synthiemelodien mit deutlicher Affinität zu den Klängen der Jungs aus Basildon oder auch Bietigheim-Bissingen (Camouflage) das Herz erfreuen. Der Schatten indes senkt sich hernieder, wenn es um den Gesang geht und der Labelname wird schnell zum Programm. Auf Maxi-Länge vielleicht noch nett, aber ein gesamtes Album darf von diesem Frontmann einfach nicht bestritten werden. Genau wie bei DSDS und Konsorten stellt sich zwangsläufig die Frage, warum niemand dem Vokalakrobaten mal rechtzeitig gesteckt hat, dass sein Stimmumfang sich im 3-Ton-Bereich bewegt. Also ab zum Gesangsunterricht oder gleich einen neuen Sänger gekauft, und dann das Album bitte noch einmal richtig einspielen, denn die Songs an sich sind toll. (Torsten Pape)
VÖ: 28.06.10 // Boredom


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NeutralLies.online.fr

 
 
 



Schiller
„Lichtblick“
Seit fast 10 Jahren schwebt das Projekt Schiller nun durch die Pop-Geschichte – nahezu ohne jegliche stilistische Veränderung. Christopher von Deylen, der hinter dem Namen Schiller steckt, bedient sein dankbares Publikum mit sphärischem Trance-Pop, der durch den Gesang diverser Damen mal mehr, mal weniger veredelt wird. Mit "Lichtblick" werden die letzten "Atemlos"-Tour-Erlebnisse auf zwei DVDs festgehalten. Zusätzlich bietet eine Audio-CD neun neue – und abermals typische - Tracks. Live ist Schiller ein echtes Erlebnis, da die bombastischen Sounds durch beeindruckende Visuals unterstützt werden. Insofern kann man die Daumen für dieses Paket ruhig hochhalten, da mit viel Liebe und Aufwand ein echtes Fan-Tool geschaffen wurde. (Brunner)
VÖ: 26.11.10 // Universal


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Schillermusik.de

 
 
 



Celluloide
"Hexagonal"
Über die Jahre ist in Frankreich ein Trio gereift, das sich mit ganzem Herzen der synthetischen Tonerzeugung verschrieben hat. Mittlerweile wohl kein Geheimtipp mehr, vermischt man nahezu perfekt die minimale Kälte von Kraftwerk mit warmen Melodien und tanzbaren Beats. Kombiniert mit der zugleich kühlen und doch elektrisierenden Stimme von Frontfrau Darkleti ergibt das auf dem fünften Longplayer eine enorm hohe Hitdichte. Ein Novum ist übrigens die ausschließliche Verwendung der Muttersprache, was die Ausnahmestellung der Band noch einmal unterstreicht. Wer sich beeilt, kommt vielleicht noch in den Genuss einer der limitierten Versionen. Es erwarten ein noch ausgefalleneres Artwork, drei zusätzliche Songs sowie zwei Remixe. (Torsten Pape)
VÖ: 05.11.10 // Boredomproduct


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Celluloide.online.fr

 
 
 


Celluloide
„Coeur 8-bit“
Die digital erhältliche Single präsentiert einen der vielen Ohrwürmer vom aktuellen Album „Hexagonal“. Das „8-Bit-Herz“ schlägt hier in vier verschiedenen, knackigen Versionen. Den Anfang macht der Mix ISO, der den Song entschlackt und die EBM-Seite betont, was sehr gut funktioniert. Die Variation von The Rorschach Garden arbeitet dagegen wunderbar das minimal-elektronische Element heraus und fügt einige gut gelaunte Blips und Bleeps hinzu. Die Kult-Schweden von Page addieren Pianotupfer und verwenden gekonnt „Speak and spell“-Ästhetiken. Said Fantasy halten den Song am Ende unter Wasser - alles blubbert, zischt und nervt. Zwischendrin wird noch fix ein schöner Remix von „Faire du bruit“ angeboten. Foretaste haben den Song deutlich flächiger und sanfter gestaltet, einige Ecken entfernt sowie eine Computerstimme hinzugefügt. (Torsten Pape)
VO: 27.09.10 // Boredomproduct


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Celluloide.online.fr
 
 
 



Ordo Rosarius Equilibrio
„Songs 4 Hate & Devotion“
Unabhängig davon, wie sich der Stil des schwedischen Duos im Laufe der mittlerweile doch zahlreichen Jahre des Wirkens verändert hat - eine Eigenschaft hat die Musik vom ORE nie verloren: sie wirkt geradezu hypnotisch. Durch die eingängigen Melodien und seinen sonoren Gesang zieht Tomas Pettersson den Hörer schnell und vor allem tief in eine dunkel-erotische Parallelwelt. Zwar hat der Mastermind die sakrale Zeitlupenschwere der frühen Tage gegen teilweise luftige Folkrhythmen eingetauscht, die den Charakter von "S4H&D" ausmachen. An Ausstrahlungskraft kann diese CD jedoch kaum überboten werden. Das Album ist eine einzige düstere Orgie. Und ich bin mir sicher: wenn Stanley Kubrick diese Formation gekannt hätte, er hätte deren Musik zur Untermalung des phantastischen Maskenballs in "Eyes Wide Shut" gewählt. (Brunner)
VÖ: 29.10.10 // Out Of Line


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Ordo-Rosarius-Equilibrio.net

 
 
 



The Dark Unspoken
„Diode In Your Head?
„Ein bisschen wie frühe Project Pitchfork klingt das“, meinte neulich meine allwissende Nachbarin Renate, die Pitchfork aber noch nie mochte. Was will sie uns damit sagen? Ich werde sie bei Gelegenheit mal fragen.
Mit dieser Aussage hat sie allerdings schon das Bemerkenswerteste zusammengefasst. Und ich füge noch fragweislich an, warum bei einem seit 1997 existierenden Projekt alles so billig klingen muss? Aber billig lockt ja immer! (Ho. Bo.)
VÖ: 15.10.2010 // Echozone


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Myspace.com/thedarkunspoken

 
 
 



Janosch Moldau
“Second Best”
Tags darauf traf ich sie am Rand der Stadt. Stets und immer hatte sie sich für die zweite Wahl gehalten. Die Frau, die jeder erst wahrnimmt, wenn einen die Traumfrau krass abgeschossen hat. Und jetzt hatte Janosch Moldau diesen einen Song für sie geschrieben: „Second Best“. Die Beats verzerrt und tanzbar zugleich, die Gitarre gezupft, die Synths in nicht enden wollender Trauer hinzugefügt und gesungen, als habe man das Ende der Menschheit vor Augen. Moldaus Single-CD ging unter die Haut, schließlich hatte nicht nur sie sich jahrelang als  Ausschussware betrachtet. 2011 sollte das neue Album des Künstlers erscheinen. „Second Best“ und „Into This Life“ gaben einen Vorgeschmack, der all jenen gefiel, deren Melancholie längst nicht zerbrochen war an der Folter des Alltags. Das Leben ging weiter. Ich drückte die Repeat-Taste und fuhr in die Stadt zurück… (Manfred Thomaser)
VO: 26.11.10 // Janosch Moldau/Conzoom


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JanoschMoldau.com

 
 
 



Jonteknik feat. Blue-Jean Muir
"Hollow // Remixes"
Jon Russell, aka Jonteknik, ist ein Oldtimer unter den Synth-Poppern, der trotz seiner Arbeiten mit Paul Rutherford (Frankie Goes To Hollywood), Martin L. Gore und Paul Humphreys (OMD, Onetwo) immer irgendwie jenseits des Abblendlichts auf der Aufmerksamkeits-Trasse blieb. Er beschäftigt sich lieber mit dem Entdecken von Talenten in sozialen Netzwerken und mixt denen was. "Hollow" ist eine späte Auskopplung seines letztjährigen Longplayers “Sounds from the Electric Garden”, welche es garantiert nicht nur wegen der beseelten Schottin Blue-Jean Muir auch auf das aktuelle Conzoom-Gut "electropop.5" geschafft hat. Acht weitere Mixe davon gibt's nun in allen gangbaren Variationen elektronischer Auffassung als EP, wovon nur die vom Urgestein People Theatre, von den Fatal Eggs aus Mailand, und der um 22 h 55 erstellte Mix, dem an sich schon hervorragendem Stück noch etwas mehr an Sehnsucht hinzufügen können. (Ivo Klassmann)
VO: 01.11.10 // Jonteknik Music


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Jonteknikmusic.com

 
 
 



Various Artists
“Electropop 5”
„Es gibt so viele Weicheier auf diesem Planeten“, stieg er in die Diskussion mit ein, „die “Electropop”-Reihe musste ein Erfolg werden.“ Im Oktober 2008 gestartet, legen Conzoom Records rund zwei Jahre später bereits Volume 5 ihrer Reihe vor. Und die ist verträumt, leicht, melancholisch und verspielt, ganz so, wie guter Electropop klingt. Das gilt für Christopher Anton und Coloured Tears nicht weniger als für Haberdashery oder Hyperbubble. Hinzu kommt: elf der 13 Songversionen waren zuvor unveröffentlicht. „Es muss ja nicht immer die harte Tour sein“, gab ich zur Antwort. „Laut werden kann jeder. Stille aber vertragen nur die wirklich harten Typen.“ Gehörst Du dazu? Dann leg Dir „Electropop 5” auf die Ohren und verlier Dich außerhalb der Startbahn des konzentrierten Chaos. Anspieltipp: „Hollow“ von Jonteknik. (Manfred Thomaser)
VO: 05.11.10 // Conzoom


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ConzoomRecords.de

 
 
 



Fettes Brot
„Aus 2 mach 1“
Erst Anfang des Jahres erschienen mit "Fettes " und "Brot" zwei großartige Live-Alben der norddeutschen Sprechsänger. "Aus 2 mach1" dampft diese beiden CDs zu einer zusammen. Eine Quintessenz also. Ob der Grund dafür nun tatsächlich die zur Neige gehenden Restbestände des ursprünglichen CD-Pärchens oder doch die nahenden Weihnachtstage sind – keiner weiß es. De fakto macht auch diese Platte enorm Spaß. Fettes Brot sind live unschlagbar und bieten hier alle großen Hip Hop-Hits ("Schwule Mädchen", "Nordisch By Nature" oder "An Tagen Wie Diesen") und die neue Single "Amsterdam", die wieder einen schön melancholischen Unterton hat. Dieser charmante Querschnitt-Charakter sorgt dafür, dass sich "Aus 2 mach 1" bestens auf dem Gabentisch machen wird. (Brunner)
VO: 29.10.10 // Fettes Brot Schallplatten


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FettesBrot.de

 
 
 



Pet Shop Boys
"Ultimate"
"Discography" hat es vor 19 Jahren in die Top-10 der ewigen Best-Of-Liste der Best-Of-Alben gebracht. Ein Schicksal, was dieser neuerlichen Compilation ultimativ nicht widerfahren wird. Hier fehlt fast alles, was Ecken und Kanten hatte, gleichfalls das, wofür sie als einzige ElectroPop-Band auch im eigenen Mutterland abgöttisch verehrt werden. Der formidable Spagat zwischen Hochkultur und Italo-Disco nebst tagespolitischer Ironie ist kaum noch erkennbar, die Track-Auswahl verbreitet lediglich den Charme einer auf Hochglanz polierten Kanüle nach mehrfachem Gebrauch mitsamt den Ausdünstungen einer durchzechten Nacht. Wer ihr respektables Überleben im Popzirkus, und das man aktuell noch ganz nett "Together" ist, demonstrativ feiern mag, der sollte sich die Deluxe-Version - mit chronologisch sortierten BBC-Aufnahmen von '85 - '06 plus der Pandemonium-Tour-Performance vom diesjährigen Glastonbury-Festival auf DVD bewilligen. (Ivo Klassmann)
VO: 29.10.10 // Parlophone/EMI


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Petshopboys.co.uk

 
 
 



Solitary Experiments
„Compendium 2 Ltd.“
Wer kennt sie nicht, die gepressten Best-Of-The-Best-Of-The-Best-Jubiläums-Eintöpfe diverser Bandveteranen. SE-Fans müssen hier aber netter Weise nicht den üblichen Einheitsbrei löffeln, haben sich die Jungs doch die Mühe gemacht, zu ihrem 15. Bandgeburtstag eine CD herauszubringen, die zwar so ziemlich alle ihre Hits in Anthologie bietet, diese allerdings in durchweg neuem Gewand. Und weil alleine feiern ziemlich dröge ist, haben sich auch noch so illustre Kollegen wie z.B. E-Craft und Wumpscut an der Zerlegung und Neuinterpretation der Solitary-Filetstücke beteiligt. Dass bei solchen Remix-Orgien nicht immer nur das Gelbe vom Ei rauskommt, ist sicher auch bekannt. Es überwiegt aber glücklicherweise die gute Seite der Macht, auch wenn die Songbasen unerreicht bleiben. Geboten wird dafür ein schönes Stück Erinnerung, für alle, die sich gerne erinnern. In diesem Sinne, Guten Appetit! (Frank Bentert)
VO: 22.10.10 // Out Of Line


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Solitaryexperiments.de

 
 
 



The Weathermen
"Ultimate poison"
Vor über zwanzig Jahren brachte ihr Song "Poison" die Belgier und den Namen Susanna Stammer in aller Ohren und Munde. Die Band sagt selbst, dass sie mit diesem Lied ihre 15 Minuten des Ruhmes hatte. Wer weiß jedoch schon, was danach geschah? Mit der vorliegenden CD gibt es - außer 6x "Gift"-  auch einen repräsentativen Querschnitt des oft durchgeknallten, dann wieder coolen, aber auch düsteren Backkatalogs (1986-2007). Belgische Electro-/Wave-Tradition trifft auf schrägen Humor à la Fad Gadget. Es gibt keine weiteren Hits, dafür einige Liebhaberstücke sowie Rares und Unveröffentlichtes. Ich bezweifle, dass "Poison" heutzutage neue Fans finden kann, aber das muss es ja auch nicht unbedingt. Zwei der Versionen sind übrigens komplett überflüssig, aber dafür ist das 2000er Remake der Hammer, weil es die Geschichte der stalkenden Susanna brüllend komisch weiter spinnt. (Torsten Pape)
VO: 22.10.10 // Infacted


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Weathermen.net

 
 
 



Delica-M
"Driftbetween"
Selten habe ich in der letzten Zeit einen so coolen Beginn eines Albums gehört. Mit "Calm the weather" steht unverzüglich das Versprechen eines großen Werkes im Raum. Im Folgenden wird gepflegt an ferne 80er Zeiten, wavige Hymnen und grandiose Synthie-Melodien erinnert – und sogar Namen wie Human League, Kissing the Pink oder Icehouse kommen einem in den Sinn. Selbst hin und wieder auftauchende Dissonanzen wirken irgendwie schick. Spätestens mit dem vierten Song beginnt die Glorie jedoch merklich zu bröckeln. Man hat immer mehr das Gefühl, dass die Kanadier gegen die tollen Melodien arbeiten und unnötige Stolpersteine einbauen. Aber auch der Gesang wird auf Dauer zum nervigen Geknödel. Der Tiefpunkt ist das soulige "Better believe this". So driftet die Scheibe leider unweigerlich ins Mittelmaß ab. Schade. (Torsten Pape)
VO: 15.10.10 // Danse Macabre


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Delica-m.com

 
 
 



THE RORSCHACH GARDEN
"42 times around the sun"
Regelmäßig, wie die aufgehende Morgensonne, küsst uns das Bielefelder Minimalelectro-Projekt mit einem neuen Album wach. Das vorliegende Werk kommt quirliger und mit höherer Beatzahl daher als die Vorgänger. Dadurch verlieren die Songs etwas an Atmosphäre, aber es ist unmöglich beim Hören stillzusitzen. Zu sehr drücken die analogen Klangspielereien auf die Dur-Tasten und somit auf den Gute Laune-Knopf im Gehirn. Ab und zu tanzen ein paar Dandys in coolen 80er Jahre-Silberglitzerjacken durch das Gefüge der Songs. Beim Hören des Albums blitzen viele große Namen jener Dekade auf, doch richtig greifbar sind sie in der künstlerischen Eigenständigkeit von The Rorschach Garden nicht. Diese haben schon bessere Minimal Wave-Alben geschaffen - ein so gutes Synth Pop Album aber noch nicht. (Spider)
VO: 05.11.10 // Ant-Zen


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Myspace.com/TheRorschachGarden

 
 
 



Alphaville
"I Die For You Today"
Wer sich schon immer fragte, wie z.B. Demis Roussos in 'ner Takashi Murakami-Galerie ausschauen könnte, dem kann hier geholfen werden. Und wer die Packung aufmacht, findet drin nur bunte Glasur aus den 80ern - mit lustigen Gesichtern drauf. Es sind klebrige Bonitos statt knackig zeitgemäßer M&M’s. Martin Lister hat leider die alte Rezeptur vertont & beendet abrupt die bandeigene Abkehr vom Popkontext mittels ner belanglosen Hymne, die wie geschaffen für Brautmode-Outlets und Vorabendserien ist. Mit "You built me beauty and took it all away..." fand ein Outsider die angemessenen Worte & Marian Gold wie immer den richtigen Ton für jenes suizidale Comeback im Süßwarenregal. (Ivo Klassmann)
VÖ: 22.10.2010 // We Love Music


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Alphaville.de

 
 
 



VARIOUS ARTISTS
„Septic IX“
Dependent-Chef Stefan Herwig ist seit gefühlten 150 Jahren im Geschäft und hat ein sicheres Händchen für qualitative elektronische Musik. Das beweist auch der neunte Septic-Sampler. Namen wie Dismantled, Edge Of Dawn oder Front Line Assembly sind eine sichere Bank, wenn es ans Kompilieren einer solchen Zusammenstellung geht. Und Stefan Herwig wäre nicht dieser Electro-Nerd, wenn er nicht den ein oder anderen unbekannten Act auf die Setlist geholt hätte. Dennoch will dieser Sampler nicht ganz so überzeugen wie seine acht Vorgänger. Was fehlt, ist dieser große Moment, der einem die Ohren öffnet und für einen Augenblick den Atem raubt. Vielleicht war einfach nicht die Zeit für so einen Übersong. Oder Herwig hat ihn dieses Mal schlichtweg nicht gefunden. Macht alles nichts, denn im nächsten Jahr gibt es den zehnten Septic und dann werden die Karten neu gemischt. (Brunner)




Der Brunner hat Recht. Hier fehlt eindeutig ein Krachersong wie z.B. "Maurerradio" von Patenbrigade: Wolff. Das wären die 2 fehlenden Punkte gewesen... (Bodyhorst)
VÖ: 24.09.2010 // Dependent

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Dependent.de

 
 
 



LEAETHER STRIP
"Dark passages + Seasons Change - I Don't"
So produktiv, wie dieser Tage, hat man Claus Larsen aka Leaether Strip wohl selbst zu seinen Anfangstagen kaum erlebt. Mit der Doppel CD "Dark Passages + Seasons Change - I don't" lässt er gleich 23 Songs auf die Fans einprasseln. Ich muss sagen, das mich das Album echt fasziniert. Claus schafft es zu alter Stärke zurück und so sind die Songs auf dieser Doppel-CD so ausgefeilt, düster und vielschichtig, wie schon lange nicht mehr. Konzipiert als Soundtrack für den Cesar Cruz-Film "Dark Passages" verwirklicht sich Claus einen lange gehegten Wunsch, indem er die komplette Film-Musik für einen Film schreiben durfte! Mit "Serenade for the Dead" konnte er in seinen Anfangstagen schon einmal eine Art Soundtrack für einen imaginären Film konzipieren, liess sich diesmal aber von einem vorhandenen Film-Skript leiten und inspirieren. Im Gegensatz zu "Serenade for the Dead" gibt es hier aber kein reines Instrumentalalbum, sondern eine Mischung aus Filmscores und durchaus clubtauglichen, typisch Leaether Strip-artigen Soundgebilden. Ich denke, dieser Cd sollte jeder echte Electro-Fan etwas abgewinnen können - ob nun "die hard"-Fan oder nicht. Hier werden alle Tugenden vereint, die ein wirklich gutes, atmosphärisches Electro-Album ausmachen. Meine Lieblingssongs: "Dark Passages", "Everything Dies", "The end of the road" oder "Door with no handle". Anhören und für gut befinden, lohnt sich! (Torben Schmidt)
VÖ: 12.11.2010 // Alpha Matrix


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Myspace.com/leaetherstrip

 
 
 



Saalschutz
"Entweder Saalschutz"
Auf den Titel des Albums möchte man mit „Oder was?“ reagieren. Natürlich mit der Annahme verbunden, die Antwort würde „...oder nie mehr Disko“ sein. So passt der Song „Ihr wollt ja doch nur pogen“ sehr gut auf das Album der Züricher M.T. Dancefloor und DJ Flumroc, die die Musik von Saalschutz verschulden. Vor Jahren verpassten die beiden Spackos ihrer Musik das Genre Techno-Punk. Das passt durchaus. „Ravepunk für eine bessere Welt“ wäre auch eine schicke Sparte, so ist es eben ein Song geworden. Fette Gitarren moschen am Anfang von „In Deiner Nähe sein“, aber nicht nur da. Viel versteckte Wahrheiten beinhalten die Texte und wir erfahren, dass ein Mensch gut brennt und ein Fred vom Jupiter heutzutage wohl einfach Laserboy heissen würde. Es fetzt, dieses elektronische Pendant der Sportfreunde Stiller. Und es verspricht knarzig-verpogte Stunden inner Disse. Vielleicht sogar mit blutigen Nasen. Ob die dann ausschließlich vom wilden Pogo kommen, zweifel ich an. (Sir Raze)
VÖ: 29.10.2010 // Audiolith


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Myspace.com/saalschutz

 
 
 



Eskmo
“Eskmo”
Seit 1999 geistert Brendan Angelides unter dem Namen Eskmo durchs Universum, erst jetzt aber veröffentlicht der Mann sein Debüt-Album. Und das hat es in sich. Unangepasst zelebriert Eskmo einen elektronischen Mix fernab der Dancefloors und des Pop, der griffig genug ist, um ein Massenpublikum zu finden. Schräge Beats erinnern an Interpreten der Marke Aphex Twin und Funkstörung. Sphärische Elemente schweben wie Planeten durchs All. Hier und da geht Eskmos Stimme um, überlässt das Album aber vielfach einer ebenso experimentellen wie instrumentalen Klangverschiebung. Und so wie Massive Attack oder Aphex Twin einstmals Alben fernab des Mainstream schufen, die zum Verkaufserfolg avancierten, so bewegt sich Eskmo auf dem schmalen Grad zwischen Experiment und Erfolg. (Manfred Thomaser)
VÖ: 15.10.2010 // Ninja Tune


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Myspace.com/eskmo

 
 
 
 



Mirrors
"Lights and Offerings"
Die Meeresbrise aus Brighton bläst mit den Mirrors eine frische Brise New Romantic in den heimischen CD Spieler. Die synthetischen Klänge schlängeln sich auf der Suche nach der immer guten Welt in sehnsuchtsvollen Melodien, ohne dabei zu sehr in Pathos zu verfallen und ganz ohne Spuren vom Wandel der Trends. Nur im Gesang schwebt ein Hauch von späteren Epochen englischer Indiepop-Geschichte. Dieser zeigt sich ab und an als kleiner Schwachpunkt. Immer dann, wenn er eine Nuance zu hoch angesetzt ist. Das die Band demnächst als Support für OMD auf der Bühne steht, passt. Genau wie diese haben sie die Gabe, mit kleinen Mitteln große Melodien zu zaubern. Allerdings auch die Parallele, dass dies nicht einheitlich und gänzlich über die gesamte Albumlänge gilt. Trotzdem dürfen die Tanzflächen wieder schwarz-weiß gekachelt werden. (Spider)



Nach dem Cover meinend, die Herrschaften möchten hier Kraftwerk imitieren, klingt die CD dann eher nach der letzten OMD und ein paar anderen Sachen aus den 80ern. Der Sänger hat, insbesondere wenn er die Stimme erhebt, eine ziemliche Ähnlichkeit mit Harry Mc Veigh von den White Lies. Jedenfalls legt das Quartett hier ein wirklich sehr schönes Debut vor. Zwar haben die Jungs nicht die absoluten Killerrefrains am Start, aber das ganze Drumherum stimmt und die vielen Instrumentalpassagen, die dann doch ein wenig an Kraftwerk erinnern, sind ungewöhnlich für Popsongs und mal richtig gut geworden. Abgesehen von zwei (kleinen) Durchhängern ein wirklich cooles Album, das Fans von De/Vision oder Erasure gefallen sollte oder allgemein Menschen, die eher auf synthetische Popmusik stehen, denn auf Knicklichtgebretter. OMD können jetzt endgültig in den wohlverdienten Ruhestand gehen, die Mirrors werden das Erbe weiterführen. (Chucky)
VÖ: 18.03.2011 // PIAS


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Myspace.com/mirrorsmirrorsmirrors

 
 
 



Jérôme Chassagnard
"The Time from Underneath"
Chassagnard, eine Hälfte des französischen Downbeat-Ambient Projektes Ab Ovo, nippt ordentlich an Tangerine Dream. Sehr verträumte Kosmos-Diashows. Nur mit kratzigem, verkrusteten Diafilm. Gefällt ungemein. Da schlurft der Beat, und torkelt die Fläche. Und dennoch bleibt es organisch, melodisch und groovend. Blubbernde Space-ismen treffen auf verwaschene Stimmfetzen und rumorendes Dronen. Mit Gummi überzogen prallen metallene Beats an allerlei Klangfetzen ab und scheinen sich im Drall des Rückstosses fröhlich einen zu kichern. Hippietronik trifft auf IDM ohne ins Naiv-Kitschige abzugleiten. Krautbient der besten Sorte. Und nun schon zum zweiten Mal auf Albumlänge eine richtig feine Sache. (Tilltm)
VO: 04.03.2011 // Hymen


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Hymen-records.com

 
 
 



ABS6
"Audiomedikation"
Es ist eine Binse, aber es muss in Anbetracht dieses Albums mal wieder gesagt werden: Die Genre-Ränder sind verdammt ausgefranst. Das Vermuscheln von Stilen hat echte Ausmaße angenommen. Den Schweizern ABS6, je zur Hälfte aus den Netzlabelaktivisten Gerbem und Piouk! bestehend, gebührt hohe Anerkennung etwas zu komponieren, das die Rezensenten in Beschreibungsnot bringt. Irgendwo zwischen The Black Dog auf Breakcore, Drum'n'Bass'n'Lustmord oder Somatic Responses in Zeitlupe. Es ist von Track zu Track spannend. Macht wirklich Spaß. Der Nachteil der Elektronikmelange: Wie ein rundgeschliffener Kiesel im Sog der Gezeiten fehlt dem Ganzen das Profil. Wenn man so will der Markenkern, der einen beim Hörer in Erinnerung bleiben lässt. Man hört's fluffig durch und hat's sofort wieder vergessen. Zurück bleibt nur ein diffuses war-schon-irgendwie-gut. Eigentlich schade bei so viel Potenzial. (Tilltm)
VO: 26.11.2010 // Hymen


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Hymen-records.com

 
 
 



Tympanik-Records (USA) presents

(by Dr. Junk, das Panikorchester):

AUTOCLAV1.1
„All Standing Room In The Goodnight Saloon“
Mit zerstörerischer Harmonie präsentiert autoclav1.1, der Richard Clayderman der Elektro/EBM-Szene, seinen neuen Silberling. Seine Pianoklänge werden mit voller Stimmgewalt von Claus Larsen (Leæther Strip), Martin Bowes (Attrition) und anderen begleitet. Xotox leihen autoclav1.1 ein paar Sounds aus und machen so den Silberling rund. 

FAMINE
„Nature’s Twin Tendencies“
Nix Natur und Öko, mit derben Electrosounds und –breaks kommen Famine da aus der Jutetüte. Besonders gefallen hat mir die Phase, als meine Frau den Dyson angemacht hat, aber das ist ja auch Geschmackssache. Wer meine Frisur kennt, weiß, dass ich davon wenig hab.

C.H. District
„Conclusion“
Leicht noisig angehauchten Elektrosound mit rhythmischen Beats präsentieren uns C.H. District. Verspielt und abwechslungsreich, aber teilweise auch etwas langatmig kommen die Songs aus den Boxen. Bis auf ein Song sind nur instrumantale Stücke auf dem Album. Leider, denn mehr Titel wie „Like A Human“ (feat. Tomtylor) würden das Album aufpeppen.

Tapage & Meander
„Etched In Salt“
Elektronische Soundspielereien an denen man sich nicht satt hören kann, denn das Album wird auch nach dem x-ten hören nicht langweilig. Breakbeats, Loops und schöne Melodien paaren sich auf der CD, wie verliebte Pärchen im Frühling. Durch und durch ein eingängies Album, Anspieltipps: „Tolopea“ und „Plankton“.
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Tympanikaudio.com

 
 
 



CONJURE ONE
"Exilarch"
Der einst mit Front Line Assembly kämpfende Krieger Rhys Fulber ist schon seit einiger Zeit musikalisch ruhiger geworden. Erst im Delerium und nun mit seinem Projekt Conjure One erhebt er sich zum Exilarch der Liebhaber chilliger elektronischer Musik. Dabei kommen ihm Sängerinnen zu Hilfe, deren Stimmen so mächtig sind, wie das altertümliche Babylon. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern verlässt er öfter die Pfade klar strukturierter Songs und reist durch eine Wüste endloser Klangweiten. Seiner Karawane folgen arabische Musikanten, Melodien aus 1001 Nacht und Trip Hop-hörende Abenteuer-Touristen. Nicht immer wiegen sie sich in perfekter Einheit. Doch die ausbrechenden Spuren finden stets doch eine gemeinsame Route, auch wenn man ab und an der Monotonie der Wüste anheim fällt. So sind die letzten Schritte zum Ziel nicht mehr so kraftvoll und die Oasen nicht mehr gänzlich erfrischend. (Spider)
VÖ: 02.2011 // Nettwerk




Leser des Bodystylers rollen für gewöhnlich verliebt die Augen sind Namen wie Front Line Assembly und Delerium erst einmal gefallen. Die Industrial-Ikone auf der einen Seite, wie auch die  Electro-Weltmusik-Legende auf der anderen, wurden bislang neben Bill Leeb vor allem durch Rhys Fulber geprägt. Conjure One ist Fulbers Solo-Projekt, “Exilarch” das dritte Album. Sphärische Arrangements, engelsgleiche Stimmen sowie groovige Beats und filmische Instrumentals prägen das Fundament. Hinzu kommen Elemente aus Weltmusik und Industrial, die einen Mix ergeben, wie man ihn in dieser Güte neben Conjure One nur von Delerium kennt. Den großen Unterschied machen vor allem die Bassmelodien aus, die bei Conjure One weniger präsent sind. Fazit: „Exilarch“ ist bestens geeignet für die Nacht. (Manfred Thomaser)
VÖ: 02.2011 // Nettwerk


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ConjureOne.com

 
 
 



Blank & Jones
„RMX – Curated by Blank & Jones“
So nobel der Plan ist, in Form dieser Compilation eine Art Lehrstunde in Sachen Remix-Kultur zu geben – er (der Plan) will nicht ganz aufgehen. Blank und Jones lassen auf "RMX – CbBJ" ausnahmslos die ganz großen des Musikzirkus' zu Wort kommen: Depeche Mode, Pet Shop Boys, Robbie Williams, OMD, Kat Perry, Blur, Moby, Goldfrapp. Und doch wirkt die Zusammenstellung leblos und hölzern. Woran das liegt, vermag ich nicht genau zu sagen. Vielleicht ist es das Zusammenfügen unterschiedlicher musikalischer Epochen, vielleicht die Auswahl an sich (die Remixe der phantastischen Tracks "We Are The People" von Empire Of The Sun oder "Go" von Moby nerven einfach nur) – vielleicht liegt es aber auch schlichtweg daran, dass die Herren Blank und Jones diese Form der Veröffentlichung durch eine wahre Sampler-Flut zu sehr ausgereizt haben und sich am Ende selber überflüssig machen. (Brunner)
VÖ: 25.02.2011 // EMI


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blankandjones.com

 
 
 



V.A.
„Dependent - Club Anthems“
Wie großartig der Dependent-Katalog einmal war, zeigt diese Zusammenstellung. Vor ca. einem halben Jahrzehnt veröffentlichte – bis auf ganz wenige Ausnahmen – jede hörenswerte Electro-Kapelle bei der Gelsenkirchener Plattenbude. Labelchef Stefan Herwig bewies ein ums andere Mal ein goldenes Händchen, bot unbekannten Acts eine Plattform und ebnete nicht wenigen davon den Weg zum Erfolg. Und so kann man mit dieser Compilation und Hits von Acts wie VNV Nation, Covenant, Suicide Commando, Dismantled, Interlace, Pride And Fall, Rotersand oder Seabound bzw. Mind.In.A.Box oder Fractured noch einmal zurückreisen in diese tolle Zeit, in der Gelsenkirchen der Nabel der Electro-Welt war. Was mich nur wundert, lieber Dr. Herwig: weshalb fehlen die phantastischen Ivory Frequency? (Brunner)
VÖ: 25.02.2011 // Dependent


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Dependent.de

 
 
 



V.A.
„Dependence 2011“
Angesichts eines Preises von unter 10,- Euro stimmt das Preisleistungsverhältnis auf dieser Compilation. Wie gewohnt stellt "Dependence" eine runde Werkschau der Plattenfirma aus dem Ruhrpott dar. Mit ausschließlich unveröffentlichtem Material zeigen die Dependent-Bands, womit sie im Jahr 2011 das Publikum begeistern wollen. Das gebotene Programm kann dabei gut unterhalten. Verglichen mit den früheren Ausgaben dieser Zusammenstellung, vor allem aber im direkten Vergleich zu den "Club Anthems", fällt auf, dass der Labelkatalog lange nicht mehr so homogen und hochwertig ist. Sicher, die bekannten Namen (Stromkern, Edge Of Dawn) können das gewohnte Niveau halten. Gerade die neuen Signings jedoch lassen diese Qualität missen, sodass der 2011er "Dependence" als lediglich mittelmäßiger Jahrgang gewertet werden muss. (Brunner)
VÖ: 25.02.2011 // Dependent


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Dependent.de

 
 
 



EGOAMP
"Welcome to the cabinet"
Das Projekt Egoamp ließ sich für dieses Album stark von dem Stummfilmklassiker "Das Kabinett des Dr. Caligari" inspirieren. Ihre Coverversion "The Cabinet" beweist sehr eindrucksvoll, dass man diesen Film durchaus mit treibenden, dunklen, elektronischen Dark Wave-Melodien unterlegen kann. Dazu passt die kalt temperierte Stimme, die dennoch wohlklingend über den Inhalt des Films referiert. Auf Albumlänge variiert man stilistisch, um den Zuhörer nicht in eine somnambule Starre zu versetzen. Dieser Jahrmarkt diverser Synth Pop-Variationen ist unterhaltsam. Allerdings muss man erst am Einlasser "Holstenwall" vorbeikommen, der mit verkaterter Stimme seinen Text nöhlt. Doch dann entwickelt sich streckenweise durchaus Magie, bei der die Musikanten mehr Beifall erhaschen. Ob sich alle Synth Pop Mädchen, nach dem Hören der CD diesen Film anstatt Sex & the City anschauen, bleibt abzuwarten. Die Jungs warten auf die 18er Variante. (Spider)
VÖ: 22.02.2011 // Ionium


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Ego-Amp.com

 
 
 



Paul Chambers
„Stations/Absorptions“
Die Vergangenheit holt einen immer wieder ein. Zum Glück, denn in diesem Fall hat das kleine Norddeutsche Label Anna Logue Records eine Minimal-Perle gefischt und veröffentlicht, die bereits zwischen den Jahren 1979 und 1983 glänzte. Der Engländer Paul Chambers ist ein Pionier der Dark-Minimal-Electronic Musik. Sein Sound, u.a. vom Roland SH-1, Korg MS-20 und dem Boss DR-55 erzeugt, katapultiert die Hörerschaft in das düster-schillernde Flair der Achtziger Jahre. Eine grell erklingende Gitarre verfeinert die Szenerie, einer nicht unerheblichen Anzahl von berauschenden Instrumentals. Bei „The Appointment With Fear“, „You Are Time“, „Take A Ticket“ oder „Steering Solo“ greift der Meister dann zum Gesang und hat damit den wiederkehrenden Schauer auf der Haut fest im Griff. Freunden von Absolute Body Control, Suicide, Gary Numan, John Foxx, The Normal oder Cabaret Voltaire sei dieses LP-und CD-Set wärmstens ans Herz gelegt. (Sir Raze)
VÖ: 02.2011 // Anna Logue


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Myspace.com/paulchambers7

 
 
 



Deine Lakaien
"One night"
Die zweite Single aus "Indicator" ist einer dieser Midtemposongs, die man einfach sofort ins Herz schließen muss. Es ist schlicht alles dabei, was der Fan an der Band über die Jahre zu schätzen gelernt hat und nur zu gern gibt man sich der schwelgerischen Stimmung hin. Das frei übersetzte und nur vom Piano begleitete Pendant "Bei Nacht" kann im Folgenden die romantische Verklärung sogar noch potenzieren. Perfekt und genial! Genau wie das vollkommen anders gelagerte "Young 2010", das man schon von der limitierten Bonus-Disc des Albums kennt. "Manic" geht titelgerecht in die hektische, ja panische Richtung, überrascht jedoch mit eingeschobener 80er-Ästhetik. Ruhig und grandios lässt die akustische Live-Version von "Away" den gelungenen akustischen Nachtisch ausklingen. (Torsten Pape)
VÖ: 11.02.11 // Chrom


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Deine-Lakaien.com

 
 
 



Die Krupps
"Final option + Final option remixed"
Niemand wird bestreiten können, dass 1993 mit dem vorliegenden Album ein Meilenstein des Electro-Gitarren-Crossovers erschien. Dieses Werk knallt bis heute gewaltig und punktet zudem mit enormer Hitdichte. Keine Frage also, dass die Wiederveröffentlichung mit aufpoliertem Sound und tollem Layout/Booklet mehr als gerechtfertigt ist. Obendrauf gibt es einen Bonus-Silberling, dessen Hauptanteil aus den Stücken der 1994 folgenden "The final Remixes"-CD besteht. Hier wird der Crossover-Gedanke auf die Spitze getrieben, und nicht alles ist folglich für jedes Ohr gut hörbar. Allein jedoch die Tatsache, dass es sonst kaum Remixarbeiten von Andrew Eldritch oder FM Einheit von den Neubauten gibt, ist schon wieder ziemlich cool. Fünf damals enthaltene Versionen von älteren Songs wurden übrigens konsequenterweise durch vier rare Remixe von "Final option"-Tracks ersetzt. (Torsten Pape)
VÖ: 11.02.11 // Synthetic Symphony


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Myspace.com/diekrupps

 
 
 



Black Light Discipline
"Empire"
Man sollte kaum glauben, dass man bei ewiger und eisiger Kälte kreativ und energiegeladen, ja gar feuerspuckend vor treibender physischer wie psychischer Frische sein kann. Die seit 2005 exsitierende finnische Band BLD beweist dies mal wieder auf's Neue, das es doch geht. Schier unbegrenzt liefern sie einen Cocktail verschiedenster Stilmischungen, die jedoch im Labelinfo grob als Elektro-Metal zusammengefasst werden. Seh ich nicht ganz so, denn es ist für jeden etwas dabei. Ein bißchen Jay Gordon (Orgy), ein bißchen Ville Valo (HIM), eine Prise PAIN, vermischt mit OOMPH, 69 Eyes, Krupps und Static-X. Es wirkt verspielt und doch professionell, erfrischend und melancholisch zugleich- und auf alle Fälle tanzbeinschwingend. Also: ab auf die Tanzfläche, Jungs und Mädels! (Manuela Seiler)
VÖ: 04.02.11 // Danse Macabre


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Myspace.com/blackld

 
 
 



WAVES UNDER WATER
"All of your light"
Mit ordentlich viel Lichthupe düsen Waves Under Water auf ihrem zweiten Album auf der Überholspur. Im Gegensatz zum eher melancholischen Debüt "Serpents and the tree" wurde wesentlich mehr Druck auf die Keyboards gepumpt und die Songgebilde auf absolute Tanzfreundlichkeit getrimmt. Gewachsen ist auch der Gesang von Angelica Segerbäck, der selbstbewusst und betörend die Stücke leitet. Geblieben ist das Gespür von Johan Svärdshammar, absolut schmeichelnde Ohrwürmer zu kreieren, die auch im Tempo reichlich Melancholie bieten. Bezeichnend dafür die fetzende Single "Red Red Star". Dennoch wird das größte Kino des Albums bei der Gänsehaut-Ballade "My judgement day" geboten. Der Autor dieser Zeilen entlässt Euch mit einem wohligen Seufzer. (Spider)
VÖ: 18.02.11 // Danse Macabre


Es gibt zwei Fenster, aus denen wir gerade schauen: das eine zeigt uns den kalten und ungemütlichen Februar in seiner ganzen Schwerfälligkeit, das andere lässt uns gefühlsmäßig unter Wasser tauchen und gleichzeitig traumwandlerisch abheben in andere Gefilde – begleitet von technisch-maschineller Unterkühlung und romantisch-barocker Anmut. Das schwedische Duo lässt uns wohlig tanzend zwischen Synthie-Pop und Darkwave zu ihrem mittlerweile zweiten Album in die neue Atmosphäre katapultieren, um den Mann im Mond zu besuchen. Bis auf die letzten beiden leider etwas stilbrechenden Remixe eine tolle Raumwasserschifffahrt. (Manuela Seiler)
VÖ: 18.02.11 // Danse Macabre


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Myspace.com/wavesunderwater

 
 
 



Various Artists
"Werkschau"
Dass Berlin nach wie vor die (heimliche) Hauptstadt des Techno ist, liegt nicht zuletzt daran, dass Leute wie Ellen Alien auf ihren feinen Labels regelmäßig hochkarätige Acts zum Zug kommen lassen. „Werkschau“ – anlässlich des 12. Label-Geburtstages zusammengestellt und veröffentlicht – präsentiert 17 BPitch-Akteure mit unveröffentlichten Tracks. Zugpferde sind dabei natürlich Label-Queen Ellen herself (großartig minimal mit „The Kiss“) und der durch den großartigen Film/Soundtrack „Berlin Caling“ gehypte Paul Kalkbrenner („Plätscher“ könnte eben von dort stammen). Es gibt viel zu entdecken auf „Werkschau“, wobei die eigentlichen Stars die eher unbekannten Acts sind. Techno ist schon lange nicht mehr nur Bummbumm, sondern enorm vielschichtig und spannend – dank Leuten wie Ellen Alien, aber das hatten wir ja schon. (Brunner)
VÖ: 31.01.11 // BPitch Control


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bpitchcontrol.de

 
 
 



Bunny Lake
"Army Of Lovers"
Da will man gerade wieder mit all den überschwänglichen Gefühlen abschließen und dann haucht dir plötzlich Suzy On The Rocks mit filigraner Raffinesse jegliches Trübsal nebst Rationalität aus dem Hirn. Euphorisch verstärkt werden die Gefühlsturbulenzen durch JBAG‘s Hot Pop-Remix, für noch mehr Kontraktionen sorgen das A.G.Trio und Pola-Riot. Der Ex-Schweizer Seelenluft macht letztlich noch seinem Vornamen Beat alle Ehre, er findet den perfekten vom Reiz hin zum Impuls. Diese Army ist auf dem Vormarsch in die Clubs, es ist nun dein Song und zwischenmenschliche Neurosen werden ab sofort auf der Tanzfläche geschmeidig mit Füßen getreten! (Ivo Klassmann)
VÖ: 28.01.11 // Universal


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BunnyLake.net

 
 
 



Blank & Jones
"Chilltronica No. 2"
"Music for the Cold & Rainy Season" - Die Schönheit der Melancholie wollten die Herren Blank und Jones mit dieser Compilation einfangen. Prominent unterstützt von Depeche Mode, Moby oder Trentemöller. Und dennoch will der Funke hier nicht richtig überspringen. Statt Melancholie tritt oftmals – nämlich immer dann, wenn eben nicht die erste Garde musiziert - blanke Langeweile in den Vordergrund. Als genehme Untermalung für entspannte Tätigkeiten kann man „Chilltronica No. 2“ getrost heranziehen. Wenn es dann aber ans Eingemachte gehen soll, geht dieser Zusammenstellung schnell die Puste aus. (Brunner)
VÖ: 26.11.2010 // Soundcolours


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Blankandjones.com

 
 
 



Pleq
„Ballet Mechanic“
Minimal und organisch präsentiert sich „Ballet Mechanic“ von Pleq, dem Projekt des Warschauer Philosophie Studenten Bartosz Dziadosz. Es ist purer Ambient. Man könnte die Musik auch als magisches Kopfkino beschreiben. Jedoch sollten die Klänge nicht darauf reduziert werden. So rauscht, fiept, flirrt, wabert und knistert es sich auf 6 Tracks. Dazu gesellen sich Geräusche, die von einer laufenden Turbine stammen könnten. Es ist positiv verstörende und gleichzeitig negativ faszinierende Musik, die von einigen Menschen als durchaus belastend empfunden werden könnte. Mitsummer haben hier keine Chance, denn es existieren keine vernehmbaren Melo-Läufe. Die Ausnahme bildet „Good Night“. Hier wurde eine abendliche Stimmung gekonnt vertont. Abschließend kann man sagen, dass es, wie bei jeder anderen Musik auch, um das Einfangen von Emotionen geht. Dafür entwickelte Dziadosz ein geschicktes Händchen. (Sir Raze)
VÖ: ? // Basses Frequences


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Myspace.com/pleq

 
 
 



Escalator
„Out of my Ego“
Zugegeben, ich hatte noch nie zuvor was von Ejaculator... tschuldigung... Escalator gehört. Klingt, als ob die alten Evils Toy über Welle Erdball „funken“, und dabei manchmal einen 80er Jahre Sender streifen - nur anders. Mir ist allerdings nicht ganz klar, was die neue CD mit nur 8 Songs sein soll. Eine zu lang geratene EP oder ein zu kurzes Album?! Allerdings hat man es so leichter den Ohren genau in der Mitte eine Pause zu gönnen, um dann die restlichen 4 (keine neue Serie über Superhelden im Altenheim!) durch die Gehörgänge rumpeln zu lassen. Denn rummsen kann sie ordentlich, und wenn in dem Krach noch Melodie und ein ordentlicher Refrain zu erkennen sind, ist alles gut. Escalator wird sicher seine Zielgruppe haben und erreichen, meine eingangs erwähnte Unwissenheit würde mich aber auch weiterhin nicht stören. (Daniel Theberath)
VÖ: 24.01.2011 // EKProduct


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Myspace.com/escalatorebm

 
 
 



Sara Noxx & Mark Benecke
"Where The Wild Roses Grow"
Doc Benecke ist nicht zu bremsen. Ein mal Blut geleckt und schon hat er sich im Patenbrigade-Studio festgesaugt. Grell, großspurig, aber doch auch vieles mehr ist sein Konterpart zu den mirakulösen Leidensgebärden der Sara
Noxx, welche einen windelweich in der linken Brust klopfen. Niedrige Instinkte und hohe Erwartungen, die Beiden haben das gesamte Impressions-Spektrum auf Lager und niemand hätte wohl ahnen können, dass es nach den Chicks on Speed noch irgendwem gelingt, mit drei Schippen Galgenhumor mehr diesen Schmachtfetzen zu karikieren. Der exaltierten Synth-Phantasie folgt die Nonvoxx-Version nebst einer für nimmermüde Tanzboden-Vampire. Der Feindflug-Remix unterstreicht erneut die Notwendigkeit einer explizit sensiblen Frontfrau und das Video der Aufnahmesession dürfte wohl schon die Nominierung für den Comedypreis in der Tasche haben! (Ivo Klassmann)
VÖ: 28.01.2011 // Prussia


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saranoxx.com | benecke.com

 
 
 



Ghost & Writer
"Shipwrecks"
Hinter diesem Projekt verbergen sich Weathermen Jimmyjoe Snark III und Seabound- und Edge of dawn-Sänger Frank M. Spinath. Das Album ist eigentlich mehr eine Zusammenfassung von bereits auf EP veröffentlichten Stücken und Remixen und anderem bekannten, aber eben auch neuem Material. Genug der Klugscheißerei. Die CD ist nämlich total knorke. Denn schließlich hat sich Jimmyjoe schon immer abseits aller EBM-Trampelpfaden bewegt und auch für Ghost & Writer hat er höchst melodische und pulsierende Kleinoden erschaffen. Die Bandbreite reicht von beschwingt tanzbaren Songs bis zu tiefgründigen musikalischen Roadmovies, denen aber allen eine lyrische Tiefgründigkeit zugrunde liegt. Durch die unverwechselbare, großartige Stimme von Spinath werden diese stark wie Popeye. Kein Wunder, dass die Creme de la Creme der elektronischen Szene wie Iris, File not Found oder Edge of dawn deshalb hörenswert die Remix-Olivia mimt. (Spider) VÖ: 28.01.2011 // Dependent


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Myspace.com/GhostAndWriter

 
 
 



Patenbrigade: Wolff
"Verbundstoff"
Beschränkte sich Unsereins noch darauf, die Arbeiterklasse in der Form zu ehren, dass wir in Kindertagen Briefe und Bilder an die fleißige Kranführerin schickten oder uns allenfalls ein paar Jahre später selbst im blauen Gewand ins Tal der Werktätigen wagten, entschloss sich die Patenbrigade: Wolff schon vor geraumer Zeit dem Arbeiter per se mit ihrer Gründung ein musikalisches Ehrenmal zu setzen. Ob dies nun daran lag, dass die Aktivisten der Brigade weder malen noch schreiben können oder einfach nur keine Kranführerin kennen, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden, da die Hintergrundinfos fehlen. Fakt ist allerdings, dass der Produktionsplan erfüllt wurde und nun zum Jahresbeginn ein (fast) neues Werkstück vorliegt — Verbundstoff. Fast neu deshalb, weil es sich um ein Remix-Album handelt. Kennern der Brigade werden die Stücke, trotz Neuinterpretation, in ihrer Grundform also schon bekannt sein. Allen anderen sei gesagt, dass das real existierende Bild des 3-B-Arbeiters (Bockwurst, Bier & Bild) mit Schnauzbart und Spiegeleierbauch beim hören komplett reformiert wird, passt zum fluffig-technoiden Wohlfühl-Elektro, der sich in 15 Episoden durch die Boxen ergießt, doch eher die Szenerie, von durchtrainierten Schönlingen, die sich, schweißgebadet und oben ohne, gegenseitig in elfengleicher Leichtigkeit die Stahlträger zuwerfen. Wäre die Spezies „Arbeiter“ nur halb so attraktiv, wie sie hier in musikalischer Form präsentiert wird, würden wir wohl an keinem Baugerüst mehr vorbeikommen ohne uns die Lippen blutig zu pfeifen. Einziger Wermutstropfen ist, dass nicht alle Stücke auf gleich hohem Niveau bestehen können. Dies wird im kollektiven Bewusstsein aber vom überwiegend exquisiten Teil des Albums ohne Weiteres übertönt.
(Frank Bentert)




Schweißtropfen auf Bauarbeiterhaut, durch den Raum schwebende BHs, Beats und Bässe,… Wer zur „Ü - Patenbrigade: Wolff“ Fete in den Club geht, den treibt nur eine Sorge um: „Bin ich stark genug für diese Nacht?“ Und wer sich als DJ Gedanken übers Programm macht, der hat den „Verbundstoff“ zu Hause vergessen. Dieses Album legt sich von alleine auf und läuft ohne Unterbrechung durch. Electro-Pop, Dance, Trance, ein bisschen Techno und Kraftwerk schieben diesen Tag cleaner Wutbürger dorthin, wohin das Leben gehört: niemand geht irgendjemandem auf den Sack. Bestückt mit krisensicheren Schutzhelmen wandeln die Patenbrigade: Wolff-Bosse umher, den Weltfrieden genießend. Wieder wurde ein Planet gerettet, zusammengehalten vom einzigen „Verbundstoff“ unserer Zeit. (Manfred Thomaser)




Nachdem die fleißigen Bauarbeiter der Patenbrigade Wolff ein beachtliches Gebäude aus solidem Baustoff erschufen, dürfen nun die Architekturstudenten daran werkeln. Nicht jeder hat dabei Examensreife. Denn Beispiele wie die Akustik Version von "Fehler 404" oder der Zungenbrecher House Remix von "Neverland" gehören in den Sandkasten der unnötigen Belanglosigkeiten. Überzeugender sind da die Neuaufbereitungen der Songs, die wenig am 1A-Grundmaterial geändert haben, wie z.B. bei den wunderbar poppenden Rohrlegern. Und ganz klar: wie der Meister kann es keiner. Das beweisen die famosen neuen Stücke zum Abschluss des Werks, die moderne, kreative und dennoch sofort heimelige Klangbaukunst darstellen. Bei der Abnahme lässt sich also sagen: bis auf einige Baumängel, wurde der Verbundstoff ordentlich verarbeitet. Das wohl bekannte Arbeitsmaterial wurde überwiegend kreativ im Betonmischer durch - und Neues locker aus dem Ärmel geschüttelt. (Spider)




Der Bodystyler beschäftigt sich nur dann mit niveauvoller Musik, wenn, wie bei dieser VÖ, harte Arbeit erkennbar ist. Letztendlich arbeiten die Redakteure selbst sehr hart und können mit geschulten Ohren eine Leistung gebührend einschätzen. Als ich mich beispielsweise heute Morgen in aller Frühe um 11:00 Uhr mit einer Tasse peppigen Kaffee hoch peitschte, lag plötzlich diese CD in meiner To Do-Ablage. Meine Sekretärin stand mit isländischer Capelet Kutte in Weiss mild lächelnd daneben. Ich hörte also mal nicht Merzbow zum fit werden, sondern befasste mich erstmals intensiv mit Wolffs Patenbrigade. Zwei Versionen von „Voyage“ feat. Antje Dieckmann, die einst bei der Band Mortalia sang, begrüßen sogleich den Hörer recht dance-dominant. Bis Lied 7 bleibt es tanzlastig und clubkompatibel, aber trivial. Danach entfaltet sich, beginnend mit dem „Goja Moon Rockah Remix“ von „Popmusik für Rohrleger“, eine gewisse Vielfältigkeit. Die hochgeschätzten 80s-Einflüsse früherer P:W-Alben greifen wieder, sogar akustische Gitarren kommen zum Einsatz. „Fragrance“ meine ich schon einmal unter anderem Titel gehört zu haben, jedoch entfaltete das Lied in der ursprünglichen Instrumentalversion weitaus mehr Charme. „Blitzschlag“, „Heimweg“, „Nachtschicht“ und „Schlusslicht“ sind mit ihrem sphärischen Klangbild und traumhaften Melodien die Filetstücke dieser CD, bei der alle Lieder ineinander gemixt wurden, also Verbundstoff sind. (Sir Raze)
VÖ: 04.02.11 // Zweieck Recordings


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Myspace.com/PatenbrigadeWolff

 
 
 



Tympanik-Records (USA) presents

(by Junk, das Panikorchester):

Geomatic
„64 Light Years Away“
Im Presseinfo steht über diese CD „…melding Industrial-like rhythms with enormous atmospheres and tribal beatwork…”, tut mir leid, Industrialrhythmen  kann ich hier keine hören, aber um so mehr atmospherische Sounds mit Tribalbeats und dazu sehr viele orientalische Klänge. Klingt eher nach „Gabriel Le Mar“ als nach Industrial, macht das Album aber nicht schlechter.

Candle Nine
„The Muse In The Machine“
Sven Väth würde sagen „Gude Laune Alder“, denn das was Candle Nine hier als Debütalbum abliefern ist viel zu geil für diese Welt. Candle Nine ist das, was ich als typischen „Tympanik“-Sound definiere, Rhythmus, Noise, Electro, Breakbeats und damit es nicht langweilig wird, auch noch eine Brise Chill(i). Gehört für mich mit zu den besten Releases von Tympanik.

Totakeke
„On The First Of November“
Da ich schon bei den besten Releases bin, was Totakeke mit ihrem letzten Album „The Things That Disappear…“ abgeliefert haben, war auch so ein Hammer. Das neue Album ist anders, wesentlich härter, weniger ruhige Elemente. Wem das letzte Album zu verspielt war, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Totakeke prägt weiter den Sound von „Tympanik“.

Zeller
„Turbulences“
„…all tracks produced then destroyed by Zeller…”, steht auf dem von Salt gestalteten Cover. Die Aussage trifft den 9 Zoll Nagel auf den Kopp, ziemlich zerstörerisch und krachig. Klingt wie Autechre auf einem AntZen Trip, Electro trifft auf Rhythm Noise. Zeller war mal bei Hymen, erklärt einiges.

Lucidstatic
„Symbiont Underground“
Ein Kessel Buntes wird uns hier auf der DoppelCD präsentiert, denn jeder Song ist in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden. So wundert es nicht, das sich Electro, Noise, Breakbeat mit Gesang, Rap und Tekkno paaren. Sehr abwechslungreich, aber auch gewöhnungsbedürftig.

Fractional
„Blood“
Fractional machen es einem nicht einfach. Man fühlt sich wie nach einer Behandlung von Jigsaw (Saw), nach der man (aber auch Frau) mit süßem Honig wieder zusammengeklebt wurde. Jeder Song verbindet diverse Fragmente zu einer Einheit, klingt für mich wie „Science Fiction Industrial BreakCore Chill Out“. Keine Ahnung was ich meine? Stück 5 „Thear“ hören und sich auf einen Besuch von Jigsaw freuen (und natürlich den Honig).
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Tympanikaudio.com

 
 
 



Various Artists
„Advanced Electronics Vol. 8“
Neben der „Septic“-Reihe zählen die „AE“-Sampler definitiv zu den anschaffenswerten Compilations im alternativen Sektor. Das ändert sich auch mit dieser Ausgabe nicht und die Qualität der meisten präsentierten Songs ist überzeugend, wobei ich mich besonders über den lobenswert geringen Hellectro-Anteil gefreut habe. Das musikalische Spektrum ist gewohnt breit gefächert und viele Tracks sind exklusiv oder wenigstens rar, obwohl man über die letzte Begrifflichkeit manchmal gut streiten könnte. Meine persönlichen Hochlichter sind: Covenant, Amgod, Supershirt, Encephalon, Skold vs KMFDM und Decoded Feedback. Die wenigen totalen Durchhänger sind Lacrimosa und (leider) Fractured sowie einige der Videos auf der DVD (oftmals nur live oder musikalisch fragwürdig). Am Ende liegt somit nicht der beste, aber ein guter „AE“-Spross vor. (Torsten Pape)
VÖ: 03.12.10 // SPV


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Myspace.com/advancedelectronics

 
 
 



Stereomotion
„Stolz und Demut“
Seit ein paar Jahren schwirrt der Name Stereomotion durch den elektronischen Äther. Als Beobachter muss man attestieren, dass das Soloprojekt von Florian Jäger mit der Zeit an Vielschichtigkeit gewonnen hat. Eigenständig ist dabei jedoch nur ansatzweise die Mischung der Einflüsse, denn mit der Erwähnung der Bands Suicide Commando, VNV Nation, :W: und SITD landet man einen fast hundertprozentigen Treffer. Auf der Remix-CD „Stolz und Demut“ wird nun ein neues Bandmitglied präsentiert und mit ihm das neue „Anthem“, das echte Hitqualitäten besitzt, aber die schon damals nicht neuen Pianosounds des Tracks „Forgiven“ recycelt. Ansonsten wurden sieben Songs des letzten Albums und ein ganz altes Stück von diversen, eher unbekannten Bands durchaus hörenswert bearbeitet. Wer nach Alternativen zu den genannten Bands sucht, wird hier ordentlich bedient. (Torsten Pape)
VO: 10.12.2010 // Danse Macabre


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Stereomotion.de

 
 
 



Covenant
„Modern Ruin"
Wer hat, der kann! — sagt der Volksmund. Angewendet auf die schwedischen Dancefloor-Hymnen-Designer, könnte diese Aussage als Beschreibung der Qualität, die sie seit so vielen Jahren liefern, treffender nicht sein. Auf Modern Ruin wird dies deutlicher denn je. Gesanglich zwar zurückhaltender als frühere Werke, dafür musikalisch und kompositorisch aber umso voluminöser, ausgeklügelter und schlicht weg fantastischer, präsentiert sich das neue Album. Ob und inwiefern dieser qualitative Zuwachs auch der Mitwirkung von Daniel Myer zu verdanken ist, der nun auch bei Covenant agiert, mag an dieser Stelle unbeurteilt bleiben. Der versonnene, fast schon meditative Charakter der Songs, lässt sich jedoch durchaus auch als für ihn typisch interpretieren. Aber egal warum, wieso und weshalb, Modern Ruin ist der Aufbruch in eine neue musikalische Zeitrechnung - nicht nur für Covenant. Wer hat, der kann! (Frank Bentert)




Covenant sahen schon immer älter aus als ihre Genrekollegen - und sie klingen auch auch so. Erwachsenenelectro, der cool daherkommt, aber manchmal jugendlich ausbricht, wie zum Beispiel auf der Vorabsingle „Lightbringer“ oder bei „Get On“. Um aber allerdings das komplette Album für sich zu entdecken, muss man es wohl öfter hören. Doch wer hat in diesen Tagen noch die Zeit, sich ein Album, das einen nicht sofort vonne Socken haut, mehrmals anzuhören, bis man Kafferänder unter den Augen hat? Von moderndem Urin..., äh, Modernen Ruin kann man aber wirklich nicht sprechen. Steht halt Covenant drauf, ist also auch drin. Das limitierte Album ist sicher auch interessant und auch erwähnenswert (obwohl sie dem Tester-Ohr nicht vorlag). Da gibt’s nämlich den (echt guten) Titeltrack des Kinofilms „Wir sind die Nacht“ als Maxi obendrauf. Dufte! (Daniel Theberath)
VO: 14.01.11 // Synthetic Symhony


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Covenant.se

 
 
 



Depeche Mode
„Live in Barcelona"
Depeche Mode - was für ein Name - noch nie gehört. Meine erste Vermutung war: das sind Spanier. Schließlich wurde dieser Konzertmitschnitt in Barcelona gemacht. Denkste, die kommen aus England. Eine dieser neuen Bands, die auf der HURTS-Erfolgswelle mitschwimmen wollen. Eingängiger Synthipop, musikalisch haben sie durchaus Potential. Ob es zum großen Durchbruch reicht, wird man sehen. Depeche Mode orientieren sich sehr am Sound von Bands wie De/Vision, And One oder Camouflage. Gerade beim Song „Wrong“ hört man, das hier brutal bei „Rage“ von De/Vision geklaut wurde. Neben vielen eigenen Nummern gibt es auch 2 Coverversionen (Rammstein‘s „Stripped“ & Manson‘s „Personal Jesus“). Als Bonus kommt das Konzert gleich auf einer Doppel-CD. Das Ganze gibt’s auch als BlueRay - was auch immer das schon wieder ist... (Norman Winter in Bodystyler #39)
VO: 11/2010 // Mute


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DepecheMode.de

 
 
 



Nude
„Basic Guerilla Moves“
Lange, lange hab ich gezögert den neuen Output der oder einiger ehemaliger SABOTAGE Q.C.Q.C.-Mitglieder mit Play zu bedienen, zu sehr steckt mir noch der Krempel im Ohr, den das Team unter dem Auftrag Musik in den 90ern sabotierte. Warum? Weiß ich nicht mehr. Mit „Basic Guerilla Moves“ machen die sich aber nun nackig und vollführen einen Akt bigger Beat-Kunst, auf dem Sounds und Songs zu hören sind, die so sicherlich “niemand erwartet hätte“. Genau das versprechen Nude selbst, die sich im auch „wenig um Genrekonventionen scheren“, was sie mit diesem 15-teiligen Move-Puzzle auch recht ansehnlich demonstrieren. Ist dieses fertig gesetzt, erkennt man ein fetziges Klangbild mit Einflüssen aus der Prodigy-Renaissance bis rüber zu den barocken Chemical Brothers. Schwitziger Dance-Punk mit viel Tempo von Leuten, die ihr Handwerk verstehen, aber an einer richtig „phatt“en Produktion vorbeigeschrammt sind. (B. Horst)
VÖ: 22.10.2010 // Sabotage Concept


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Myspace.com/basicguerillamoves

 
 
 



F.O.D.
"Maschinentanz"
Relativ lange hat es gedauert bis ein neues Lebenszeichen von F.O.D vorlag, wobei ich nicht wirklich weiß, was der Name bedeutet. Vielleicht heißen die Fritz Otto und Dietmar. Musikalisch hat sich nicht viel verändert, man hält sich weiterhin im straighten Electro-Pop Bereich auf und verleugnet die Nähe zu AND ONE auch gar nicht, was auch ziemlich unsinnig wäre. Mir gefallen die deutschen Songs meist am besten, weil ich eh finde, das die deutsche Sprache zu eher kalter elektronischer Musik besser passt, als die englische. Außer dem eher mauen Auftakt mit "Dirty Pop" gibt es eigentlich nahezu keine Aussetzer, wobei mir "Jung und stolz" und "Maschinentanz" am besten gefallen. Höhepunkt ist aber doch ein Song in englischer Sprache: "Distance", der definitiv eine Hitchance hätte, wenn er massenkompatibler arrangiert wäre. So wird die Band wohl der Geheimtipp bleiben, der sie sind, aber ich denke damit können die Herrschaften ganz gut leben. (Chucky)
VO: 26.11.10 // Fear Section


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Fod-Band.de

 
 
 



Haus Arafna
„You“
Das Weniger an Aggression, das sich auf diesem vierten Haus Arafna-Album bemerkbar macht, zieht ein Mehr an emotionaler Perfektion nach sich. Die Arafnas schaffen auf "You" eine großartige Atmosphäre, in der Themen wie Tod und Schmerzen in einem friedlich emotionalen Dämmer- oder besser: Zwielicht erscheinen. Der scheinbare Widerspruch, der sich aus Thematik und Darstellungsweise ergibt, verschwimmt in den analogen Angstpop-Hymnen dieses in Braunschweig beheimateten Duos zu einer Art emotionalen Anti-Ambivalenz. Ich behaupte jetzt mal, dass "You" das beste Industrial-Album ist, das in diesem Land jemals aufgenommen wurde. Und wenn irgendwann irgendjemand einmal die Geschichte dieser Musikrichtung mit ihren wichtigsten Protagonisten niederschreibt, wird er neben Namen wie SPK oder Throbbing Gristle auch den Namen Haus Arafna erwähnen müssen. (Brunner)
VO: 01.12.10 // Galakthorroe


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HausArafna.de

 
 
 



Formalin
„Bodyminding“
Bei Formalin passt auf den ersten Blick vieles nicht so zusammen, wie es das vorurteilsgeprägte Menschlein gerne hätte. Das jugendlichere Aussehen von Sänger Tominous nicht zu seiner Stimme, das Etikett „Debüt“ nicht zur „War-ich-schon-immer-Fan-von-Stimmung“, die beim Hören aufkommt und auch bekleidungstechnisch bieten die Jungs Raum für Vermutungen, die sich nicht mit dem decken, was am Ende stilistisch geboten wird. Abseits aller Voreingenommenheit wird auf Bodyminding etwas serviert, von dem ich dachte, dass es das im Zeitalter stupiden Rumgebumses nicht mehr geben wird. Die nahezu perfekte Mischung all der guten Dinge, die die schwarz geprägte Elektromusik bis heute hervor gebracht hat oder anders gesagt, eine volle Packung: Geil! Formalin lassen Vergangenheit und Zukunft unmittelbar aufeinander prallen und kreieren ihr eigenes Jetzt. Aber was sind schon Worte? Also, nicht lesen: hören! (Frank Bentert)
VO: 29.10.10 // Out Of Line


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Myspace.com/Formalin

 
 
 



Jacques C
“Layers”
„Ganz schön abgefahren, was Du da hörst.“ Sie sprach ihre Worte ohne Überraschung, denn der schwedische Produzent Jacques C schien ihr längst ein Begriff zu sein. Seine Musik erklang beeinflusst von minimalistischem Elektro, den frühen 1980er Jahren, französischem House und psychedelischen Momenten der Marke „Psychocandy“ (The Jesus And Mary Chain). Sie war zu ungerade für den Mainstream, aber eigenwillig genug, um die Indie-Elektro-Szene aufzumischen. Dabei versank ich in einer Melancholie, deren Beats den Herbst malten. Instrumental-Stücke wie „An Evil Night“ und „Grow And Prosper“ unterstützten diese Laune als Soundtrack einer ‚lost generation‘, die gerade das Licht der Welt erblickte. Gleichzeitig umhüllten die Vocals bei „Goddess“ und „Fame’s Way“ den blauen Planeten in seiner ureigenen Verlorenheit. Sie drückte die Repeat-Taste und verließ das Haus… (Manfred Thomaser)
VO: 18.09.10 // Funk Noir/Conzoom


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Myspace.com/jacquescmusic

 
 
 



Various Artists
"Black Snow Vol. 2"
Neulich, das Christkind zog sich gerade vor meinen Augen splitternackt aus, fiel schwarzer Schnee vom Himmel herab. Ich weiß leider nicht mehr, welcher Anblick mir gerade lieber war, aber schwarzer Schnee ist echt abgefahren. Und gar nicht so selten. Immerhin zum zweiten Mal taucht er jetzt wieder in Deutschland auf. Mit im Gepäck führt er Künstler wie Tyske Ludder, Feindflug, Leather Strip, Digital Factor und Nude. Von Klassik über Dark Wave, Rock und Drum'n'Bass ist bis hin zu EBM, Electro und Industrial fast alles geboten, was man in der Weihnachtsnacht unter den Baum legt. Der Mix aus Coverversionen und Eigenkompositionen ist gleichzeitig aber auch sehr gewöhnungsbedürftig, schließlich steht nicht jeder besinnliche Mensch auf harten Stoff – und nicht jeder Song kickt. Videos von Dandelion Wine ("I Want A Hippopotamus For Christmas") und The Pussybats ("A Wish") runden das Paket ab. (Manfred Thomaser)




Keine Frage, das die Spielzeugfabrik vom Santa am Nordpol beheimatet ist, sein Label für Töne, die geeignet sind, um feuchtfröhlich Rentiere anzurotzen oder Christkinder auf die Idee zu bringen, sich das für Geschenke notwendige Kleingeld durch sexuelle Gefälligkeiten zu generieren, residiert jedoch in der Stadt, welche nach einem anderen alten Sack mit Bart benannt wurde: Chemnitz. Wiederholt empfiehlt sich dessen vielschichtiger Sampler als echte Alternative zu in buntem Papier eingewickelten Socken. Reliquary und Leaether Strip nehmen es vielleicht ein bissel ernst mit der Besinnlichkeit, CeDigest verweigern sich demonstrativ, ElectroXcentric beflügeln zwischenmenschliche Aktivitäten bei Kerzenlicht und Feindflug feat. Sara Noxx lassen altgediente Erzgebirgler zu einem Mix wie von Laibach feat. The Little Drummer Boy träumerisch aufmarschieren. Tyske Ludder sind auch wieder voll (!) bei der Sache, werden aber trotz schwarzem Humor abermals nur die Rute abbekommen. (Ivo Klassmann)




Wer hat sich nicht als Kind darüber beschwert, alljährlich bei der Oma für 'ne Belohnung ein Ständchen unterm Weihnachtsbaum zum Besten geben zu müssen. Glücklicherweise sorgte das anerzogene Schamgefühl damals schon dafür, dass diese eigenwilligen Darbietungen auch wirklich nur einmal im Jahr, im privaten Rahmen, Gehör fanden, so dass die meisten ihr Weihnachtsliedtrauma im Alter überwinden konnten. Leider gibt es aber auch Menschen, die daraus nichts gelernt haben oder aber in ihrer Kindheit nicht in den Genuss solch prägender Erfahrungen kamen, wie der "Black Snow II"-Sampler leidlich unter Beweis stellt. Unter dem weihnachtlichen Leitmotiv präsentiert Black Rain hier die Ergüsse eigner Bands in Form verwursteter Klassiker und thematischer Eigeninterpretationen, angesiedelt irgendwo zwischen "Na ja" und "Lass ma'". Und ich dachte immer, George Michael hält das Monopol als Weihnachtsnervensäge... (Frank Bentert)
VO: 12.11.10 // Black Rain Media


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BlackRain.de

 
 
 



Versus
„Different twilight places“
Fast wie aus dem Nichts präsentiert dieses sächsische Duo sein offizielles Debütalbum. Schnell wird beim Hören der 16 Stücke klar, dass hier ein enormes Potential an Kreativität vorliegt. Vom Erschaffen eines eigenen Begriffes (Monestirea) bis hin zur Einbindung verschiedenster musikalischer Spielarten – es gibt fast keine Berührungsängste zu allem, was einen Song noch schmackhafter machen könnte. Rund um einen Kern aus solidem, elektronischem Stoff reicht das Spektrum von vielseitiger Gitarrenarbeit bis hin zu variablen Gesangsarten, wobei die vielen Gastmusiker/-sänger(-innen) nicht unwesentlich zum bunten Gesamteindruck beitragen. Kleine Schwächen im sprachlichen und gesanglichen Bereich werden durch eine Menge Herzblut sowie das Vorhandensein von Inhalten und  echten Hits („We are cloned“, „Frequency“, „I never...“ oder „Drifting away“) wettgemacht. (Torsten Pape)
VO: 24.09.10 // Echozone


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Versus-Music.de

 
 
 



Nouvelle Vague
"Couleurs Sur Paris"
Nichts, was dieser Tage strahlend aus Frankreich rüberkommt, bleibt ohne Gegenargument. Und so könnte man Nouvelle Vague partout ankreiden, das auch ihrem vierten Album gleichsam, wie schon bei den drei Alben vorher, eine lukrative Assimilierung von Wave-Klassikern mit Easy Sounds und heavenly Voices anhaftet. Doch diesmal trällern maximal ein paar Saarländer unbeschwert die populäre Begleitmusik ihrer Adoleszenz mit. Skelett der neuen Scheibe ist das rebellierende Paris der 80er und alles, was uns der ehemalige Pariser Piratensender Radio NRJ hierzulande vorenthielt. Abermals wurde eklektisch abstrahiert und zum Sterben schön arrangiert. Für jazzy Klimawechsel in Sachen Coldwave sorgt Charlie Winston, Piratenherz Béatrice bestäubt die 30 Jahre alten Strophen von Gamine mit dem Parfüm der Unschuld, noch einen Hauch zarter geht Vanessa Paradis der 84er-Hit von Etienne Daho durch die Zahnlücke, Camille indes ist Manns genug für Songs über Bordsteinschwalben... Nichts passt dieser Tage besser zu ein paar Gläsern in der l'Heure verte. (Ivo Klassmann)
VO: 12.11.10 // Barclay


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Myspace.com/nouvellevague

 
 
 



Alphaville
"Catching rays on giant"
Nach einigen tollen, aber von der breiten Masse wenig angenommenen Alben in den 90ern, einer wohltemperierten Remix-Attacke 2001 und den opulenten Fan-Release "Dreamscapes" (8 CDs) und "Crazyshow" (4CDs) meldet sich Marian Gold im Jahre 2010 mit einem komplett neuen Album zurück. Hier möchte es noch einmal jemand wissen und damit ohrenscheinlich auch ins Radio. Die Mission wird mit Stil, vielen tollen Melodien und einer immer noch einzigartigen Stimme angegangen. Optisch, aber auch textlich agiert Herr Gold mit viel Charme, Skurrilität, Humor und teilweise sogar vollkommen überzogen. Das nenne ich superben Pop mit Gesicht! Wer nicht schon anhand des Vollbarts des Frontmannes den Wolf im Schafspelz erkennt, der wird hier wohl nur eine weitere Kommerzscheibe hören. Soll er doch, ich habe meinen Spaß und genieße das Comeback, das eigentlich keins ist. Alphaville waren nämlich nie wirklich weg. (Torsten Pape)
VÖ: 19.11.10 // We love music/Universal


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Alphaville.de

 
 
 



ZERO DEGREE
„Probe“
Wenn man älter wird, wird man ruhiger. Und wenn man dann die letzte CD „the inner realm“ von Zero Degree mit dem Neuling „Probe“ vergleicht, trifft diese Aussage zu, denn bei „Probe“ sind weniger Noise-Elemente zu hören. "Probe" klingt sphärischer und spaciger, wie frisch aus dem Weltallsupermarkt, bietet keinen typischen Haudrauf-Noise wie Scooter, sondern chillige Spacesounds à la Space Night (bekannt aus Funk und Fernsehen). Besonders sticht der Song „full of stars“ hervor, der für mich zwischen Genie und Wahnsinn liegt. Die hypnotische Eintönigkeit von dem Song ist einfach derbe. Im Presseinfo steht „…ageless sounds composed with patience, knowledge and creativity…”, recht haben die bei Ant Zen. (Junk - die Null)
VÖ: 10/2010 // Ant-Zen
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Myspace.com/nullgrad

 
 
 



HOCICO
„Tiempos De Furia“
So prägnant der musikalische Stil der mexikanischen Elektrowüter auch sein mag, so homogen ist er auch durch die meisten Songs, ihrer meisten Alben hinweg. Tiempos De Furia bildet da keine Ausnahme. Auch auf der neusten VÖ des Duos wird mehr oder weniger scharf serviert, wonach sich eingefleischte Fans sehnen, was das restliche Publikum allerdings ziemlich schnell in eine lethargische Grundhaltung versetzen dürfte. Scheinbar endlose, gleich arrangierte Klangstrukturen treffen auf ein allgegenwärtiges, düsteres Grundrauschen und bilden gemeinsam mit der (zu) stark verzerrten und (zu) monotonen (Gesangs) Stimme eine einzige Fläche innerhalb der Songs. Dies mag vielleicht im Club, nimmt man einen einzelnen Song, gute Stimmung und Alkohol, in gewisser Weise dynamisch und bewegungsfördernd wirken, kam beim Hören der gesamten Platte aber ähnlich aufregend um die Ecke wie eingeschlafene Füße. (Frank Bentert)
VÖ: 01.10.2010 // Out Of Line


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Myspace.com/hocicoh

 
 
 



Schwefelgelb
"Das Ende vom Kreis"
Wir drehen uns alle im Kreis... obwohl das ungefähr so viel Sinn macht wie Leggins. Vielleicht der Grund für Eddy & Sid es mal als Karussellbremser zu versuchen, um beim Zweitwerk wenigstens namentlich mit Silbermond im Einklang zu stehen. "Von allem zu viel" empfanden sie ihr animalisch- hedonistisches Wundertüten-Debüt und tünchen nun mit melancholischer Unverbindlichkeit das Palais Schaumburg auf halsbrecherisch. Purple Rain war gestern, der Pop-Esotheriker in Dir findet sein Heil heuer im "Regen aus Rosenquarz". Aber "Solange du atmest" kannste deinen Arsch drauf verwetten, das hier abermals beharrlich billige Beats wie von Investmentbankern zu dadaistischen Wertanlagen gebündelt wurden, welche die weltweite Partymaschine am Laufen halten. Dafür gibt's hier vollzählig "Alle Sterne". (Ivo Klassmann)
VÖ: 29.10.2010 // Tapete Records


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Schwefelgelb.de

 
 
 



Extinction Front
"Destruction Show"
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. Dies kann man von dieser Band jedoch nicht behaupten. Wenn man EF beschreiben müsste, so wären einfallslos, ordinär und unausgegoren die passenden Worte. Auf- und abgetragen wirken Sound und Stimme, die vergeblich versuchen Acts wie Xotox gleichzukommen, sodass der größte Aha-Effekt ein lautes Gähnen beinhaltet. Die gebürtigen Spanier sollten lieber die Finger von elektronischem Schnickschnack lassen, denn das ihnen vorauseilende Temperament geht hier völlig flöten. Die Texte sind nicht der Rede wert- warum es hier ein Textbooklet gibt, weiß ich nicht -  ich sage nur: blow, fu**, motherfu**er. Auch wenn es ein, zwei tanz- bzw. sogar hörbare Songs gibt, so werden diese vom wahrhaftigen Müllkoloß übertrumpft – die (eigene) Zerstörung ist vollkommen. (Manuela Seiler)
VÖ: 03.09.2010 // Danse Macabre


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Myspace.com/ExtinctionFront

 
 
 



Röyksopp
"Senior"
Vergiss den Sommer und die Euphorie vom Junior. Die norwegische Herbstkollektion des Lebens trägt Nierenwärmer statt Nietengürtel und bedient in quälenden Klangexkursionen so ziemlich jede Stereotype über die biologische Uhr, inklusive der Parkinson-Attacke "The Drug" - ganz ohne die Vorschädigungen oder den Nachgeschmack an das frühere Röyksopp's night out. "The Alcoholic" klingt gar nach Bionade Quitte... Verzweiflung pur und nichts was bleibt, außer dem Anrecht auf kreative Pausen auch für Musiker, welche gleichwohl nicht durch Herausgabe von Betäubungsmitteln missbraucht werden sollten. (Ivo Klassmann)
VÖ: 10.09.2010 // Wall Of Sound


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Royksopp.com

 
 
 



Covenant feat. Necro Facility
„Lightbringer“
Ein bisschen „Bullet“ steckt in der neuen Covenant-Single (sic!). Soll heißen, dass „Lightbringer“ – ganz wie der erwähnte Vorvorvorgänger – keiner dieser High-Speed-Tracks, sondern ein Song mit einem gemäßigten Groove ist. Neu an dieser EP ist, dass sie die erste Veröffentlichung darstellt, auf der Daniel Myer mitgewirkt hat. Zudem arbeitet die schwedisch-deutsche Formation erstmalig mit einer anderen Band, nämlich Necro Facility, zusammen. Covenant klingen trotzdem immer noch wie Covenant. Vielleicht ist das ja gerade die Überraschung? Fans können blind zugreifen, sie finden hier, was sie hören wollen. Und der olle Myer stielt mit seinem „The Beauty And The Grace“ den skandinavischen Kollegen am Ende fast noch die Show. (Brunner)
VÖ: 22.10.2010 // Synthetic Symphony


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Myspace.com/Covenant

 
 
 



Various Artists
“Ninja Tune 20 Years Of Beats & Pieces”
Rund 20 Jahre sind vergangen, seit die Coldcut-Musiker Jonathan More und Matt Black ihr eigenes Label gründeten. Unzufrieden und gefangen in der Welt der Major-Label brach das Duo aus und brachte Ninja Tune zur Welt. Den unter Vertrag stehenden Musikern sollte Unabhängigkeit garantiert werden … und 20 Jahre später gibt es sie immer noch. Ein Grund zu feiern, was Ninja Tune mit “Ninja Tune 20 Years Of Beats & Pieces” trefflich machen. Ob als doppelte Doppel-CD oder in der limitierten Box (6 CDs, 6 Vinyl-Singles und ein Buch), für die Ohren wird ordentlich was geboten. Als Künstler treten Coldcut, Amon Tobin, Eskmo, Bonobo, Mr Scruff, Floating Points Ensemble und viele mehr in Erscheinung. Fans sollten sich definitiv auf die limitierte Box konzentrieren. (Manfred Thomaser)
VÖ: 17.09.2010 // Ninja Tune


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Ninjatunexx.net

 
 
 


IRIS
"Blacklight"
Es soll Menschen geben, deren Vorstellung zu den kommenden Jahren bunt und farbenfroh ist. Hierzu zählen auch Iris, deren Farbenvielfalt sich allerdings ausschließlich zwischen Schwarz und Anthrazit ausdrückt, genau dort aber in allen Schattierungen. Ihr Regenbogen sieht wahrlich anders aus. Und irgendwie wirken sie dabei auch noch glaubwürdig. „Blacklight“ ist ein Electro-Pop-Album zwischen Dancefloor und Melancholie, einer Laune der Natur also, deren bedeutendste Werke größtenteils den 1980er Jahren entstammen. Diese Atmosphäre greifen Iris auf, vermischen sie mit den eigenen Ideen und kreieren das Bild  verlorener Seelen im Ringen mit der Dekadenz. Fazit: Mit “Blacklight” veröffentlichen Iris einen schönen und atmosphärischen Longplayer, der Fans des Electro-Pop gefallen wird. (Manfred Thomaser)




Die Iris im Schwarzlicht ist einfach nur heiß und gleichzeitig so tiefgründig. Bietet sie doch so viele reizvolle Pop-Einlagen und hat dabei auch noch Freude am Experimentieren. Von wegen reine Synthienarsstellung: elektrische Toys in Form von Gitarre und Bass haben reichlich Platz beim Liebesspiel. Aber Achtung, hier ist kein Platz für blütenweiße Gefühlsduselei. Die Liebe schwingt nicht nur im fröhlichen 3/4 Takt, sie zieht dich manchmal tief ins Tal der Melancholie und ist doch immer romantisch. Niemand erzählt davon so eindrucksvoll, wie unsere Iris. In manchen Situationen sollte man einfach nicht zu viel sabbeln, sondern reinschieben, zurücklehnen und genießen. Meine Fresse, ist die geil. (Spider)
VÖ: 17.09.10 // Infacted Recordings



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IrisMusic.com
 
 
 



AMGOD
„Dreamcatcher“
Das hat ja eine gefühlte Ewigkeit gedauert bis "amGod" alias Dominik van Reich uns endlich seinen neuen Longplayer "Dreamcatcher" präsentiert. Ich will nicht sagen, dass sich das Warten gelohnt hat, denn ich hab nicht mehr wirklich mit einem neuen Album gerechnet. Umso erfreulicher ist das Ergebnis! Ich finde es ja nach wie vor sehr bedauerlich, das es "yelworC" in der Urbesetzung nicht mehr gibt und die Delinquenten nun unter zwei Bandnamen, zugegebenermassen beide sehr gute Musik produzieren. Doch zurück zu "Dreamcatcher", ein Album, das Zeit braucht und sicher nicht für den schnellen Musikkonsum oder den Clubeinsatz konzipiert ist. Hier wird Ruhe gefordert und die Auseinandersetzung gesucht. Dominik schafft es hervorragend, Stimmungen einzufangen und immer wieder sorgfältig ausgewählte Noise- und Sprachsamples in bedrohliche Soundstrukturen zu integrieren. Mich erinnert der Sound stark an die alten Meister der belgischen Schule, was ich durchaus als Kompliment verstehe. Meine Highlights sind Songs wie "Pain & Desire", "On The Hunt" oder "Fight!". Ein Album, das sich 2010 in der inflationären Masse der Veröffentlichungen sicher schwer tun wird, aber auch seine Fans finden wird, da es erfrischend anders klingt als der derzeitige Trend. Einzig "Soulhunter" (von yelworC) hätte ich in der vorliegenden 2010er Version nicht unbedingt gebraucht! Fazit: Unbedingt Zeit in dieses Album investieren, dann entfaltet es seine komplette Wirkung, Zeit die leider wohl die Wenigsten haben werden. (Torben Schmidt)
VÖ: 11/2010 // Alpha Matrix


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Myspace.com/amgod1

 
 
 



Pitch Black Inc.
„Alles ist gesagt“
Was hat diese Electro-Band aus Kassel mit Döner zu tun? Rein gar nichts. In meinem Hirn hat sich jedoch der Name Pitch Black Inc mit diesem Erlebnis in Kassel fest verlinkt. Damals hat mich der Dönermann in dieser Fussgängerzone eiskalt abgezockt, indem er 6 Euro für einen Döner nahm. Erst im Auto bekam ich den Beschiss mit. Ich bin halt nicht der Schnellste. Apropros schnell: Die ersten Lieder des Albums haben mächtig Geschwindigkeit drauf, wirken aber leider etwas beliebig. Die Texte sind größtenteils auf Deutsch, wobei Ideals „Erschiessen“ ein neues Gewand bekommt. Ab dem elektronisch-minimalen „Retro Adam“ wird es interessant. „City lights“ ist ein sphärisch-ruhiger Song, „Nothing else to say“ sowie „Who cares“ können mit feinem Gitarrenspiel begeistern und der gezupfte Bass fügt sich gut in das Klangbild der Lieder. So ist es am Ende doch noch ein schickes Album geworden. Damit ist dann auch schon alles gesagt. (Sir Raze)
VÖ: 01.11.2010 // Ionium


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Pitchblack-inc.de

 
 
 



Inertia
“Repeat & Follow”
Im Stroboskoplicht tanzend, den harten Beats zwei vor uns eins zurück folgend, tauchen sie ins Vergessen ein, die Sinne. Und genau dort gehören sie hin, wenn der aktuelle Tag verlief wie der gestrige. „Repeat & Follow“ setzt an, wo der Ärger am meisten schmerzt und haut alles aus der Erinnerung heraus, was einen im Leben nicht weiter bringt. Vor Veröffentlichung ihres elften Albums „Deworlded“ gibt „Repeat & Follow“ die Marschroute Inertias durch. Lange gefackelt wird hier nicht. Ihr  Sound bezieht seine Kräfte aus EBM, Industrial und Techno. Für meinen persönlichen Geschmack könnte „Repeat & Follow“ etwas abwechslungsreicher gestaltet sein, im Club aber wird dieser Song überzeugen. Neben der Album-Version enthält die MCD sechs Mixe und den Bonustrack „Fallout“. (Manfred Thomaser)
VÖ: 20.08.2010 // Cryonica Music


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Myspace.com/inertia001

 
 
 



Various Artists
“Sounds Like Stilwerk Vol. 4”
Wenn chillige Housemusik den Herbst begrüßt, ist die Designerplattform stilwerk nicht weit. Lifestyle ist ein Gesamtkunstwerk, das präsentiert  werden will. Und stilwerk liefert neben den passenden Produkten für Haus und Hof den Sound gleich mit. Unterstützung findet die Design-Drehscheibe wieder beim Hamburger DJ Sinan Mercenk, der bereits Vol.1 bis 3 zusammenstellte. Wer sein neues Schlafzimmer den Liebenden unter den Gästen überlassen möchte, kann den anderen gleichzeitig die neue Küche zeigen. Parallel berauschen die Klänge auf  „Sounds Like Stilwerk Vol. 4” die Besucher in allen Zimmern in der gleichen Qualität. Die von Sinan Mercenk mit einem Remix versehenen Blank & Jones („Relax – Your Mind“) und Levthand („Cadillac Track“ im Club Edit) fehlen da ebenso wenig wie 12 Fingers oder Doomwork. Natürlich steuert Sinan Mercenk auch eigene Tracks bei, so z.B. das betörend groovige „Curiosity“ mit Gastsängerin Pat Appleton (De-Phaazz). Unterm Strich weiß das Album zu überzeugen, nicht alle Songs aber können mit der Klasse eines Sinan Mercenks oder der Blank & Jones Gemeinde mithalten. Macht nix,  d.h. solange man vollständig auf das neue Inventar oder die Person neben sich in der Kiste konzentriert ist. (Manfred Thomaser)
VÖ: 24.09.2010 // Idee Deluxe


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Stilwerk.de

 
 
 
 



IN STRICT CONFIDENCE
"Set me free EP"
Ganze 13 Stücke lässt der gute Dennis auf uns los. Dies ist für eine Ep quantitativ äußerst spendabel. Traditionell macht die lange "Extended Version" des Titelstücks den Anfang. Guter Auftakt, aber die Power des besten Stücks vom Album "La Parade Monstrueuse" wird teilweise etwas ausgebremst. Und auch Rhys Fulber kann das normalerweise besser als auf seiner Version. Die Piano Version von "Set me free" geht gesanglich total in die Hose. Monozelle ziehen "My despair" ebenfalls den Zahn. Dann wird bei "One drop" auch noch belanglos gefuturepoppt. Die Patenbrigade: Wolff bearbeitet dieses Stück besser und ruhiger. Danach folgen eine ganze Reihe Remixe, die man getrost unter den Tisch fallen lassen kann. Mühe gegeben haben sich nur noch Parralox, die "My despair" in ein dunkles Disco Pop- Gewand kleiden... Eine überwiegend durchschnittlich bis langweilige Neubearbeitung toller Originale. Wieso denn bloß? (Spider)




Schon vorneweg kann man sich über den Erwerb der neuen ISC–EP den halben Hintern abfreuen, bekommt man doch für'n normalen Preis echt und ehrlich Extended Play. So gut so weit. Ein Blick auf die Tracklist überzeugt genauso, weil sich hier nämlich nicht nur der Titeltrack, sondern einige mehr zur Brust genommen wurden. Und endlich klingen sie mal wieder (fast) wie früher: zackig, rotzig, düster. Schade nur, das dafür die jeweiligen Remixer nötig waren. Diese sind glücklicherweise auch so verschieden, wie die Remixe, die dabei hinten rauskamen: Rhys Fulber, ASP, Samsas Traum oder die hochgeschätzen Weltstars von Patenbrigade Wolff. Also  fassen wir zusammen: Die Strickkonferenz hat hier auch für jemanden, der die Gruppe die letzten Jahre so'n büschn links liegen lassen hat (also für mich), 'ne echt dufte Platte hingelegt. (Daniel Theberath)
VÖ: 25.03.2011 // Minuswelt


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instrictconfidence.com

 
 
 



THE PAIN MACHINERY
"Auto Surveillance"
Bei der Überwachung von Pain Machinery stellt man folgendes fest: In Schweden lagern noch frei zugängliche und gar nicht so geheime Informationen zur Erstellung elektronischer Musik. Man nehme eine knochentrockene, aber harmonische Melodieführung, unterlege sie mit tanzbaren, aber nicht zu monotonen Beats und setze einen markanten, aber nicht zu sehr böse brüllenden Shoutgesang darüber. Dann bekommt man ein paar wirklich ordentliche EBM-Nummern. Aber nur dann, wenn man sich nicht zu sehr darin verpfriemelt, diese mit Noise- und Schranz-Elementen zu kombinieren. Aus den Protokollen dieser Remix-CD zieht die Band hoffentlich die richtigen Schlüsse. Schließlich sind die enthaltenen Songs Vorboten auf das in Bälde erscheinende Album "Surveillance Culture". Bitte das Old School-Gewand beibehalten, denn die gesamten hippen Techno/Schranz-Remixe gehören wegen akuter Kopfschmerzgefahr in die Gifttonne. (Spider)
VÖ: 17.03.2011 // Complete Control


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thepainmachinery.com/

 
 
 



FRACTURED
"Beneath The Ashes"
Die kanadischen Elektroniker von Fractured steigen auf ihrem zweiten Album erst mal getragen zeremoniell und mit Orchesterklängen aus der Asche. Doch das Intro wandelt sich in einen krachenden Opener mit verzerrtem Gesang, treibender Melodie und Dampfhammer-Beats. Was danach folgt ist ein wahrer Vulkan an ertragreichen Elementen. Da werden Synthesizer-Harmonien gekonnt verschachtelt und mit ständig variierenden, pulsierenden Beats unterlegt. Währendessen agiert der Gesang in allen Facetten von klar und wohltönend bis aggressiv und entstellt. Zu Mitte des Albums kühlt dieses Gemisch etwas ab und auch wenn einzelne Ströme noch lodern, vermisse ich die euphorisierende Hitze etwas. Doch man darf sich im Terrain dieser CD nie sicher fühlen. Sonst wird man zum Abschluss noch von den Electrobang-Orkanen weggepustet. Unter der Asche bleibt ein Album zurück, das durch seine Vielfältigkeit immer wieder in den Player wandert und seine Fruchtbarkeit behält. (Spider)
VÖ: 25.03.2011 // Dependent


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Faithisfractured.com

 
 
 



The Human League
"Credo"
Machen wir es kurz: Diese Band war in den Achtzigern für mich und die elektronische Musikwelt unglaublich wichtig und enttäuscht nun über weite Strecken. Jeder Pups macht heutzutage elektronische Popmusik - mal mehr, mal weniger erfolgreich. Insofern müssen sich The Human League einer nahezu unermesslich großen Konkurrenz stellen. Im Vergleich mit dieser schneidet die Formation zumindest teilweise gar nicht so schlecht ab. Zwar klingt etliches auf „Credo“ ein wenig kurzatmig, was die Song-Ideen angeht – hin und wieder jedoch blitzt das große Können der Briten beeindruckend auf. Was „Credo“ schließlich das Genick bricht, ist die Vergangenheit, ist der Kultstatus von The Human League, der einen gewaltigen Schatten wirft, aus dem diese neue CD nicht heraustreten kann. (Brunner)
VÖ: 11.03.2011 // Wall Of Sound


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Wallofsound.net

 
 
 



IAMX
„Volatile Times“
Kritik am Schaffen von Chris Corner verbietet sich fast per se. Schließlich ist der Wahl-Berliner so etwas wie das letzte Einhorn, das – in der Tradition eines Marc Almond oder Brett Anderson (Suede)  - Dandytum mit genialer Kreativität verbindet. Seit seinem Weggang von den Sneaker Pimps hat sich Corner mit jedem IAMX-Album in noch höhere Indie-Electro-Pop-Sphären gespielt. "Volatile Times" ist nun das erste Werk, das keinen ganz so großen Entwicklungsschritt mehr erkennen lässt. Ich würde diesen Status jedoch nicht mit Stagnation, sondern mit Vertiefung beschreiben: Corner greift einige seiner Ideen erneut auf, spielt mit ihnen, kombiniert sie neu, verfeinert Details und schafft letztendlich doch wieder eine Platte, an der man aus den bekannten Gründen nichts aussetzen darf – an der aber auch einfach nichts auszusetzen ist. (Brunner)
VÖ: 18.03.2011 // BMG


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iamx.eu

 
 
 



KMFDM
"Krank"
Den Vorboten "Krank" zum kommenden Album der Industrial-Rock-Pioniere KMFDM gibt's hier in dreifacher Ausführung. Das Original schmettert in gewohnter Manier forsche Selbstbeweihräucherungsparolen zu harten Gitarrenbrettern, während im Hintergrund die Elektronik forsch pulsiert. Der Kommor Kommando-Mix lässt das Ding noch fetter aus den Boxen dröhnen, ohne Grundlegendes zu ändern. Tim Skold ist in seinem Remix etwas experimentierfreudiger mit ein paar Spielereien. Mit diesen übertreibt es Bill Rieflin mit seiner Variante, zum zweiten Song "Day of light" gewaltig. Das dürfte nur Modern Jazz-Freunden gefallen. Und auch die Meister selbst machen es nicht besser. Klarer Fall von Licht und Schatten. (Spider)
VÖ: 11.03.2011 // Dependent




Krank... genau, treffender kann man die Musik von KMFDM nicht beschreiben. Das Gute bei dieser Band: man weiß nie, was einen erwartet. Das Schlechte: man weiß nie, was einen erwartet. So wird einem auch dieses Mal wieder ordentlich vor den Kopf geknallt. Es beept, es rumpelt und beißt - ein Song, wie eine Rauhfasertapete: – je öfter du dich damit beschäftigst, umso mehr Details erkennst Du. Unterstützt wird die Band von Skold und Komor, die beide knackige Remixe beisteuern, ohne sich zu weit vom Original zu bewegen. Der einzige Ruhepol dieser Maxi, der Rieflin Mix von Day of Light, ist allerdings Kein Mix Für Die Mehrheit, aber er macht durchaus Sinn – so kann man die CD weiterlaufen lassen und in der Zeit die Dinge tun, die man beim Blockbuster in der Werbung macht. Danach geht’s zwar nur noch mit einen Song weiter, dem KMFDM Mix von Day of Light, der allerdings stimmt schon wieder versöhnlicher. (Daniel Theberath)


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kmfdm.net

 
 
 



Blancmange
„Blanc Burn“
Im Moment ist die Wiederkehr aus den 80ern schwer angesagt. Nach Alphaville, OMD, Red Box, Kim Wilde und demnächst Human League dachten auch Neil Arthur und Stephen Luscombe, sie müssten die Welt mit einem neuen Album beglücken. Allerdings waren die Herrschaften in Deutschland nicht wirklich bekannt, hatten aber in England mit Sachen wie „Don't tell me“, „Living on the ceiling“ oder „Waves“ recht viele Hits. Das neue Werk ist stark gewöhnungsbedürftig. Das waren die alten zwar auch, aber hier versucht man an manchen Stellen doch ein wenig arg hip zu klingen, wobei das Album bei mehrmaligem Hören deutlich besser wird. Typische Blancmange-Songs wie  „Im having a coffee“ sind trotzdem eher die Seltenheit. Sehr schön auch „Radio therapy“, das an Kraftwerk erinnert und die fetzige Abschlussnummer „Starfucker“.  Alte Fans wird diese CD jedoch völlig abschrecken und wieso Arthur seine tolle Stimme ständig irgendwie verfremdet, wird wohl auch sein Geheimnis bleiben. Die abschließende Benotung erfolgt wie erwähnt erst nach mehrmaligem Hören. (Chucky)
VÖ: 11.03.2011 // Proper


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Blancmange.co.uk

 
 
 



Blitzmaschine
"Faustrecht"
Macht euch bereit, denn die Blitzmaschine lebt und sie kommt nach gelungenem Maxi-Debüt nun auch im Langspieler-Modus auf Touren. Die beiden Maschinisten haben das EBM-Erbe (DAF, NEP, alter Machinery-Katalog etc.) reichlichst inhaliert, resp. verinnerlicht und am Ende ihren eigenen Schuh daraus gebastelt. Dieser stampft die Tanzfläche ordentlich platt und neben dem fetten Rhythmusgewitter ist sogar bisweilen Platz für eine unterkühlte, aber stets prägnante Melodie. Die Mischung macht jedenfalls ordentlich Spaß und die punktgenaue Produktion lässt zum Glück die staubtrockenen Akzente manch anderer Genre-Scheiben vermissen. Abzüge gibt es von mir nur für den ein oder anderen (deutschen) Text, so z.B. haben schon andere festgestellt, dass 'hast' und 'hasst' akustisch gleich sind. (Torsten Pape)
VÖ: 11.03.2011 // Danse Macabre


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Myspace.com/Blitzmaschine

 
 
 



Ladytron
"Best of Ladytron 00-10"
Keiner benutzt mehr den Begriff Electroclash, aber Ladytron haben den Trend, den sie mitbegründet haben, unbeschadet überstanden. Nach zehn erfolgreichen Jahren, die uns vier Alben beschert haben, ist es nun an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Diese fällt sehr umfangreich aus, denn die Zusammenstellung umfasst 15 Klassiker sowie zwei neue Songs. Mehr geht nicht, obwohl man trotzdem das Gefühl hat, dass immer noch ein paar Songs fehlen. Angesichts der neuen Single „Ace of Hz“ ist das jedoch sehr schnell vergessen, denn in dieses Lied ist man sofort bis über beide Ohren verknallt. Fluffig, poppig und charmant verzaubert es einem den trübsten Tag. Die größte Überraschung stellt jedoch das ebenfalls brandneue „Little black angel“ dar, das nichts Geringeres als eine Death In June-Coverversion ist. Wie geil ist das denn! (Torsten Pape)
VÖ: 25.03.11 // Nettwerk


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Ladytron.com

 
 
 



Binary Park
"Worlds Collide"
Für das Projekt "Binary Park" hat Infacted-Labelchef Torben Schmidt mal wieder seine Beine vom Schreibtisch genommen und selbst Hand an die Synths gelegt. Zusammen mit Alfred Gregl und dem Sänger Huw Jones lässt er es weltmännisch krachen. Naja, nicht nur, denn die Altersweisheit lehrt, dass man eine gute elektronische Platte, die eine längere Haltbarkeit als ein Erdbeer- Joghurt haben will, nicht nur mit Tanzflächenklopfern füllt, sondern auch mit wunderbar verfriemeltem Mid-Tempo verziert. Gut, wenn man dafür auch noch einen Sänger hat, der tatsächlich eine charismatische Sangesstimme besitzt und auch durch den Vocoder wie ein waschechtes Electrobärchen klingt. Erfreulich, dass man sich auch bei den schnelleren Songs, die überwiegend instrumental sind, der ganzen Schaltkreise und Tasten des Equipments bedient. Ja, man kann durchaus auch mit Intelligenz ballern und samplen - und somit kurzweilige Stücke erschaffen. (Spider)
VÖ: 18.03.11 // Infacted Rec.


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Myspace.com/BinaryPark

 
 
 



The Empath
“Meanwhile”
Da ist es wieder, das Weltall. Und beinahe schwebend rasen wir an Sonnensystemen vorbei und hindurch. Die Musik dazu liefert The Empath mit „Meanwhile“, dem allerdings ausgesprochen bewusst ist, dass es neben herrlich farbigen Planeten auch finstere schwarze Löcher gibt. Entsprechend reichen die zwölf Songs auf dem neuen Album von Ambient und Hypnose bis hin zu verzerrten Beats, Soundpassagen im Stil der Einstürzenden Neubauten und Trümmerfragmenten explodierter Satelliten. Und so, wie Träumer zwar Musik nicht aber gesprochenes Wort im All hören können, bedient sich The Empath menschgewordener Stimmen nur dann, wenn „Meanwhile“ kurz an der Erde vorbeirauscht. Kein Geniestreich, für Klangtüftler aber eine Quelle der Inspiration. (Manfred Thomaser)
VÖ: 22.10.10 // Hymen


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Myspace.com/theempath2

 
 
 



Legacy Of Music
„(Co)Operation“
Selbstbewusst sind die 2 Dresdner, das muss man ihnen lassen. Im Info werden schwere Worte wie „Meisterwerk“, „innovative Ideen“ und „Eigenständigkeit“ benutzt – alles Buchstabenkombinationen, die einen immer spannend auf DAS ultimative Erlebnis machen. Doch das „Erlebnis“ ist eine Mogelpackung, bei der das eigentlich Spannende lediglich die vielen, mehr oder weniger bekannten, Featuring-Gäste sind, die zu solider, aber an Überraschungen armer Musik ihr ebenso mehr oder weniger markantes Stimmchen ausborgten und von denen, nebenbei bemerkt, einige immer noch nicht singen können… noch nie singen konnten.
Legacy Of Music verlassen sich zu sehr auf die „co-operierte“ Starpower und vergaßen dabei, ihr durchaus vorhandenes kompositorisches Potenzial auszureizen. Vielleicht ist es aber auch einfach nur begrenzt. So bleibt am Ende lediglich ein bunter Teller Rohkost, halb durchgedünstet, bei dem irgendwie nur das Dressing schmeckt. (B. Horst)
Übel: „Die Welt feat. Plastic Noise Experience“
Genial: „Tragedy feat. Mesh“
VÖ: 22.10.10 // Legacy Of Music


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LegacyOfMusic.de

 
 
 



Poesie Noire
„Sense of purpose“
18 Jahre nach dem letzten Lebenszeichen meldet sich eine belgische Band zurück, die hierzulande leider nie über den Status eines Geheimtipps hinausgekommen ist. Poesie Noire – der Name steht für zahlreiche Veröffentlichungen in den 80ern und viele musikalische Gesichter. Mit dem neuen Album knüpft man nun an die elektronische Frühphase an und verbindet diese mit einem unglaublichen Gespür für tolle Melodien. Intelligente und oft humorvolle Texte setzen den neun aktuellen Songs die Krone auf. Eine neue Version der kultigen The The-Coverversion „Uncertain smile“ ist dann fast zuviel des Guten, aber doch nur fast. Fans werden angesichts dieses Geniestreichs jubilieren, Neugierige dürfen natürlich gern mal probieren. Zur Orientierung: Es schmeckt ein wenig nach den melodiösen Seiten von Anne Clark und Kirlian Camera. (Torsten Pape)
VÖ: 08.10.10 // CNR Records NV


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PoesieNoire.com

 
 
 



Neutral Lies
„Commuters“
Kaum habe ich das Debütalbum der Neutralen Lügen inklusive der bescheidenen Vokalakrobatik verdaut, da schiebt das Duo prompt eine digitale Single hinterher. „Commuters“ ist sicherlich nicht die beste, aber eine durchaus gute Komposition und siehe da, auf einmal stört mich der Gesang nicht mehr. Schuld ist die Bearbeitung der genialen Signal Aout 42, denn im Breitwand-EBM-Gewand passt der limitierte Stimmumfang einfach deutlich besser. Sehr geile Version! Der zweite Remix des Titeltracks (Commuter’s Remix, hä???) nervt dafür schnell durch sein Gezirpe. So klingt ein vertontes ADS-Syndrom! „Between glasses and rewards“ im U-Mix und „SX Girls“ im Buzz-Mix (Bass-Mix?) überzeugen musikalisch durch Referenzen an frühe Anne Clark, wenn da bloß nicht die Stimme wäre. Aber ich wiederhole mich... (Torsten Pape)
VÖ: 06.12.10 // Boredomproduct


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Neutrallies.online.fr/

 
 
 



Edge of Dawn
„Stage Fright EP“
Mit der Anzahl ihrer bisherigen Veröffentlichungen gewinnen Edge of Dawn wahrscheinlich keinen Blumentopf, mit der Qualität ihrer Songs hingegen heimsen die Jungs immer wieder reichlich Lorbeeren ein. Es muss schon ein schweres Los sein, so viel musikalisches Talent in sich zu tragen, aber einfach keine Zeit zu finden, um es in Songs manifestieren zu können. Doch genug des Mitleids, denn 2010 war ja bekanntlich musikalisch wieder ein gutes Jahr für Band und Fans. Nach dem neuen Album liefern EoD in gewisser Tradition nun wieder eine EP hinterher. Die stellt neben sehr abwechslungsreichen und harmonischen Mixen auch noch zwei bisher unveröffentlichte Songs bereit. Ist dies vielleicht als indirekte Entschuldigung an die Fans zu deuten, weil neues Material so lange auf sich warten ließ? Wir wissen es nicht! Auf jeden Fall sagen wir danke und erkennen, dass die Warterei manchmal eben doch lohnt. Anspieltipp: Capsized (Frank Bentert)
VÖ: 03.12.10 // Dependent


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EdgeOfDawn.de

 
 
 



Dual Sensity
„Fake“
Kauft eigentlich jemand so was? Eine Single, eine Maxi, die mit 7 (!) Mixen von ein und den selbem Song bestückt und darüber hinaus auch noch mit „Fake“ betitelt ist? Schade um den „besten Song“ (Zitat, Info) des immer noch aktuellen Albums ‚Soul Ecstasy’, der hier 7 mal trivial remixed wurde und nun auf Synthpop-Fans losgelassen wird, bis dieser denen aus den Ohren quillt. Wenn’s für mehr nicht reicht, spricht das für eine Band, die vielleicht auch nicht mehr kann, als andere zu beauftragen, ihre Songs zu remixen. Ach ja, hatte ich schon gefragt: Kauft eigentlich jemand so was? (Ilse, keener will’se)
VÖ: 26.11.10 (nur digital) // Conzoom
Ohne Wertung
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MySpace.com/DualDensity

 
 
 



FRL. LINIENTREU
„Lifelines“
Das erste Album erschien 2008 bei dem Düsseldorfer Label „le petit machiniste“. Jetzt, 2010, erscheint das 2. Album bei Ant Zen, Respekt! Frl. Linientreu bleibt mit dem neuen Album „Lebenslinien“ ihrer Linie treu und nutzt auch hier keine Sprachsamples von kölschen Karnevalhits. Trotzdem besitzt das Fräulein Humor, nicht anders ist sonst so ein Stück wie „Licht an!“ zu erklären. Auch wenn es wahrscheinlich nicht beabsichtigt ist, klingt dieses Stück wie eine Hommage an die Band „Juniper Hill“. Das Album ist es Wert über jedes einzelne Stück einen oder mehr Sätze zu schreiben. Allerdings bekommt man als Schreiber nicht so viel Platz beim Bodystyler, nur Rum und Ehre. In Kurzform: das Album bietet Noise, Elektro und Abwechslung, also gleich drei Dinge in einem. Anspieltipps: „Spiel mal Minimal ey“, „Lifelines“ und „Licht an!“. Wieder drei Dinge, welch Überraschung. (Junk das Männlein)
VÖ: 05.11.10 // Ant-Zen
Ohne Wertung
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Myspace.com/frllinientreumusic

 
 
 



Moon 74
“Newborn”
Man kann Dominic Hein anstandslos bescheinigen, dass er ein Tausendsassa ist. Fast im Alleingang spielte er sein Debütalbum ein und übernahm dabei Gesang, Synthesizer- und Gitarrenarbeit. Ist es Rock? Ist es Pop? Eigentlich egal, denn es sind stets gute Songs, die sofort ins Ohr gehen und im besten Sinne vielschichtig sind. Die meisten von ihnen haben einen eher sanften Grundcharakter und beinhalten schöne Stimmungsbögen. Ein Paradebeispiel hierfür ist sicherlich der Titelsong. So entwickelt sich mit der Zeit ein wirklich angenehmer Hörgenuss im Spannungsfeld einiger hochkarätiger Acts. Hin und wieder hätte es vielleicht nicht geschadet, noch ein paar (mehr) Grenzbereiche auszuloten, wie zum Beispiel beim Cover geschehen, das ein echtes Schaf im Wolfspelz ist. Sic! (Torsten Pape)
VÖ: 01.10.10 // Echozone


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Moon74.de

 
 
 



Nena & Heppner
"Haus der drei Sonnen"
"Ich leb so gesund, und Drogen nehm ich auch. Ich zähl die Jahre..." und genau in der Hälfte findet dann die Nena, einst noch feuchter Traum aller Vorstadtjungs, eine Single, die '85 irgendwie untergegangen ist. Löblich, das sich diese nun nicht nur auf einer Amiga-Best-Of wiederfindet, sondern just auch auf einer, die ganz nach ihren Vorstellungen kompiliert wurde. Kann man mit 50 ja mal machen. Heute ist sie besser epiliert und singt auch lieber mit Peter als mit dem Marcus. Der Peter hat das verstaubte futuristische Ding dann erstmal zusammen mit Lothar Manteuffel (Rheingold) und Dirk Riegner (In Strict Confidence, Minerve u.a.) einer retrospektiven Verjüngungskur unterzogen. Nun, so wundervoll unkompliziert, passt es besser zum neuen Video mit englischem Strandkiesel und würde auch auf der "Get Ready" von New Order keineswegs negativ auffallen. Warum da noch zwei weitere Produzenten - die gleichen, welche Peters Solo-Album mitverbrochen haben - für nen deutlich nervigeren Radio-Edit gebraucht wurden, weiß vielleicht nur die Nena, die lebt ja nicht nur gesund. (Ivo Klassmann)
VÖ: 05.11.10 // Starwatch


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Nena.de

 
 
 



Veil Veil Vanish
„Change In The Neon Light“
Was für ein Herbst! Erst die Briten O.Children mit ihrem Hammer-Debüt und nun das: Ein Quintett aus San Fransisco spielt einen Crossover aus Shoegaze und New/Cold Wave und das in einer Manier, die einem fast die Sprache verschlägt. Alles ist, wie es sein muss. Komplett schwarz gekleidet macht der Fünfer aus San Fransisco einen auf gelangweilt. Nur Sänger Keven Tecon – dem jungen Pete Townshend von The Who wie aus dem Gesicht geschnitten – tänzelt mit seiner Gitarre in der Gegend herum. Ein Bild für Götter, ein Sound für die Ewigkeit. Irgendwo zwischen frühen The Cure, The Chameleons und Bands wie My Bloody Valentine spielen Veil Veil Vanish Tracks, die jetzt schon wie monumentale Denkmäler wirken. Unglaublich, wo soll das enden? (Brunner)
VÖ: 05.11.10 // Dependent / Cellar Door


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Myspace.com/veilveilvanish

 
 
 



Nin Kuji
„Sayonara“
Das Ant-Zen als Garant für qualitativ hochwertige Musik steht, würde ich ebenso wenig zu den Geheimnissen der Menschheit zählen, wie den Umstand, dass die dort vertretenen Acts zumeist abseits stilistisch ausgetretener Pfade agieren. In dieser Hinsicht weiß auch Nin Kuji nicht zu überraschen. Umso überraschender aber ist, wie Norman P., Klangdesigner hinter dem Industrial-Projekt, es auf „Sayonara“ immer wieder schafft, den Hörer in ein paralleles Elektroniversum zu befördern und dabei sämtliche musikalische Orientierungspunkte außen vor lässt. Wir wissen nichts, wir haben nichts je zuvor gehört, alles beginnt mit dem Druck auf die Play Taste! Ausgeglichen und feinfühlig, doch zugleich hart und bedrohlich, umhüllt von sphärischen Flächen und angetrieben von Bässen und Drums, nimmt uns das Album mit auf eine Reise in die Tiefen der klanglichen Vielfalt. Sayonara! Anspieltipp: „Tamashii“ (Frank Bentert)
VÖ: 10.11.10 // Ant-Zen


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Ninkuji.de

 
 
 



Khalija
„Khalija“
Achtung, diese Ambient-EP ist experimentell! Sie gleicht einer Brandrodung im Märchenwald mit anschließender Wiederaufforstung. Die Bassdrum tastet sich durch den ersten Song, ähnlich eines Kettenfahrzeugs, was verschlammte Pfade fährt. Der Fahrer fährt erstmalig durch das Märchenwäldchen. Links und rechts des Weges stehen Fliegenpilze und glotzende Bäume. Er erreicht sein Ziel. 9:50 Min Mittagspause. Dann werden Stämme, sie sind noch jung, samt Wurzel aufgeladen. Währenddessen wird mit Zwergen gequatscht. Aus der Ferne sind Hunde und Sägen zu hören. Erst nach mehreren Versuchen gelingt ihm das Fahrzeug zu starten. Zurück geht es einen anderen Weg, durch bereits gerodetes Gebiet, vorbei an weinenden Märchenfiguren. Er überlegt kurz. Dann steigt er von seinem Fahrzeug, lädt die Stämme ab und pflanzt sie wieder in den Boden. Alle tanzen. Khalija erschuf mit dieser EP ein geniales Kopfkino mit Happy End. Die Video- bzw. Kurzfilmrechte gehen an mich. (Sir Raze)
VÖ: 24.09.10 // Force Int./Mille Plateaux


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Soundcloud.com/khalija

 
 
 



CULTURE KULTÜR
"Spirit"
Trotz gutem Spiel in der vergangenen  Ära des Future Pop konnten die Spanier von Culture Kultür in den obersten Ranglisten keine Trophäen einheimsen. Nach 5 Jahren meldet man sich mit neuem Optimismus zurück. Der "Spirit" richtet sich eher nach den Hörgewohnheiten schwarz gekleideter Mallorca-Touristen, die auch im Urlaub am Buffet Hausmannskost bevorzugen. Der einst positiv aus dem Rahmen fallende dunkle Gesang ist einer Retorten-Synthpop-Stimme gewichen. Wenn auch ab und an schmeichelnde Harmonien aufblitzen, können die Melodien nicht überraschen. Das schafft dafür die Cover-Version des Joy Division-Klassikers "Love will tear us apart". Wer hätte gedacht, dass dies noch schlechter geht, als der Murks unzähliger Acts bevor. Wer dem Genre Future Pop den Rücken gekehrt hat, drehe sich bitte für dieses Werk nicht um. (Spider)
VÖ: 11.10.10 // Caustic Records


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Myspace.com/culturekultur

 
 
 



We Love
"We Love"
Es ist wahrlich kein Geheimnis mehr, das Pizza in Berlin eine viel rundere Sache sein kann als in Florenz. Warum also nicht auch gleich sein Debüt dort auf den Tisch packen, wo bisher nur Käse und Schinken in Sachen Vollsynthetik punkten konnten?! Minimalistischer Klang, Verträumtheit und gedankenverlorene Attitüde, Rhythmen, die vor Emotionen nur so knistern, die hypnotisieren, überraschen können und in "No Train No Plane" dazu noch einen Bass so fett wie Tiramisu drauf haben. Giorgia Angiuli und Piero Fragola haben ein unwiderstehliches Album gebacken bekommen, das ihre Vorliebe für längst vergessene schwedische Indie-Electronic keineswegs verbirgt und welches wohl nicht so schnell von unserer Tageskarte verschwinden wird. (Ivo Klassmann)
VÖ: 13.09.10 // BPitch Control


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Lovewelove.com

 
 
 



Funker Vogt
„Blutzoll“
Achtung! Dienstanzug ordnen, Stiefel putzen und Ohren spitzen, es wird wieder gefunkt! Das neue Studioalbum der Funker Vogtler steht in den Startlöchern und wird in wenigen Tagen der Truppe übergeben. Thematisch ist Blutzoll dabei genau da angesiedelt, wo man es erwartet und wo es eigentlich auch nur hingehören kann, will man sich nicht Authentizitätsprobleme vorwerfen lassen. Dass sich aber trotz aller Tradition auch Altgediehnte weiterentwickeln können, beweisen die Jungs auf dem nunmehr achten Longplayer dennoch eindrucksvoll. Die Tracks klingen soundtechnisch allesamt gereifter und griffiger. Und was bei der Bundeswehr schon seit ein paar Jahren erfolgreich erprobt wird, hält nun auch hier Einzug: nämlich die holde Weiblichkeit in Form der Gastsängerin Valerie Renay. Aber keine Angst, die Funker sind auch nach wie vor nichts für Schnuffeldeckenschmuser. So viel Tradition muss sein! (Frank Bentert)
VÖ: 22.10.10 // Synthetic Symphony


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FunkerVogt.de

 
 
 



Massiv in Mensch
"Niemand weiß, was die Zukunft bringt"
MIM sitzen in jeglicher Hinsicht bereits seit Jahren und einigen Alben zwischen allen Stühlen. Die Band ist der Inbegriff der Verschmelzung verschiedenster (elektronischer) Stile und ein Garant für schräge Wortkonstrukte/Songtitel sowie merkwürdige, oft hässliche Covergestaltung. Vieles wirkt auf den ersten Blick billig, manches ist es (gewollt?) auch auf den zweiten, aber trotzdem können all jene, die nicht sofort verschreckt werden, einige Kostbarkeiten entdecken. Klingt komisch und ist es auch, aber irgendwo zwischen Techno, Nonsens, Synthiepop, NDW und EBM besitzt dieser mischmaschige Wirrwar eine eigenartige, wahnwitzige Substanz. Dark Rave eben. (Torsten Pape)
VÖ: 07.10.10 // Advoxya / Artfoffact


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Massiv-in-Mensch.de

 
 
 



Heimataerde
"Malitia Angelica"
Veronika, der Lenz ist da und jetzt kommt die Angelika! Wenn man das Latein nicht im Alltag verwendet, kann einem der Refrain des Titelsongs dieser limitierten Maxi schon ein kleines Schmunzeln entlocken. Spätestens nach dem zweiten Durchlauf schreibt der Amtsarzt dann aber  das Attest mit der Diagnose Ohrwurm aus. Böse Sache das, aber der geschmeidigen Elektronik und dem prägnanten Einsatz von Gesang bzw. gedudelten Säcken entkommt man einfach nicht so schnell. Stimmlich gibt es übrigens Unterstützung vom Mono Inc.-Martin, der bekanntlich schon so manchen Song in die Erinnerung gebrannt hat. Neben drei Versionen, die die Songelemente recht unterschiedlich gewichten, gibt es noch den Bonustrack "Nichts ist unvergänglich", der mich ein wenig an das letzte Girls Under Glass-Album erinnert. Es gibt schlechtere Referenzen. (Torsten Pape)
VÖ: 24.09.10 // Infacted Recordings


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Heimataerde.de

 
 
 









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Hundreds "Hundreds"

 

// VÖ: 30.04.10 // Sinnbus
Es ist ja immerhin schon August, ich leg’ mich mal fest: was Electrofrickelpop als Genre angeht, ist das hier meine Platte des Jahres, also, wird es gewesen sein in nur wenigen Monaten. Aber es ist eine Spätsommerplatte, eine astreine Barbara-Morgenstern-eske Platte, die lässig ist und angenehm wie eines dieser Mixgetränke, die man in Strandbars beim Sonnenuntergang nur zu schätzen weiß, also vor allem unaufdringlich und melancholisch zur gleichen Zeit. „Solace“, „Machine“ oder „Song For  A Sailor“ wird man auf dem Heimweg von Wochenenden am See hören, im Auto, und dabei an seine verlorene Jugend denken und trotzdem lächeln. So ist das nämlich. Zuckersüße, grandiose Mädchenmusik, die auch bei Jungs funktioniert, wenn sie ein Herz haben, selbst wenn sie’s nie zugeben würden. Ungeeignet vielleicht für Bürstenhaarschnit-EBM-Golfclub-Mitglieder, aber ALLE anderen kaufen sich bitte sofort diese Platte. Mehrfach. 9 von 10 Cocktailschirmchen. (Frank Lachmann)


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HundredsMusic.com

 
   
   
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Greie Gut Fraktion "Baustelle"

 

// VÖ: 18.06.10 // Monika Enterprises
Heidewitzka! Auf die Idee, aus Baustellengeräuschen eine Platte zu machen, muß man ja auch erstmal kommen. Aber Ernst beiseite: auf die Idee kamen schon die Neubauten und ein paar Trillionen anderer Nachwuchs-Klanginstallateure, bei Greie Gut Fraktion (Antye Greie & Gudrun Gut) klingt das Resultat aber doch irgendwie stimmiger: kein Haudruff-Krach mit Presslufhammer-Aufnahmen, sondern einigermaßen filigran eingesetzte und nur die Stimmung von Baustellen erzeugende Rhythmen und Klänge. Das läuft alles so subtil ab, dass man beim Hören zwar hin und wieder an Bargelds Blixa und alva noto denkt, nie aber über das „EY! BAUSTELLE!“-Schild stolpert, das da so im Raum herumsteht – sondern sich eher wie bei einer Baustelleninstallationsvernissage vorkommt. Und, ja, das „hat irgendwas“, auch wenn’s auf Albumlänge als „Masche“ dann ein wenig Effekt verliert. 7 von 10 Schutzhelmen. (Frank Lachmann)


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GreieGutFraktion.com

 
   
   
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Ashbury Heights "Take Cair Paramour"

 

// VÖ: 02.07.10 // Out Of Line // Universal
Also, wenn ich mir so die Kritiken ansehe, die bei amazon über dieses Album stehen, muss ich mich wirklich fragen, ob die jemals die alten Sachen gehört haben. Insbesondere das Debüt war eine absolute Granate in Sachen modernem Electro-Pop. Das hier vorliegende Album ist nicht wirklich schlecht, driftet aber teilweise in dermaßen seichte Gefilde ab, dass ich nicht einen einzigen Track entdecke, den man in einer Gothicdisco als DJ spielen könnte, ohne mit Gläsern beworfen zu werden. Sicher gibt's einige wirklich nette Songs, insbesondere im zweiten Teil der CD, aber gegen das Debüt hat diese CD keine Chance. Eher widerwillig höre ich mir normalerweise Remixe und Bonustracks an, weil die meistens eh Mist sind, doch diesmal sind hier große Überraschungen zu finden, denn insgesamt ist die Beilage stärker als das eigentliche Hauptalbum. Und mit dem Bonustrack "Dark Clouds" kommt gleich noch das beste Stück des kompletten Albums. CD 1 ok, CD 2 überraschend gut. Aber dennoch: mit schwarzer Szene hat das hier gar nichts zu tun und so gerät der Song "Ordinary" zum Boomerang, denn das ist das Album leider über weite Strecken. Zudem ist die neue Sängerin um Welten schlechter. Eine kleine Enttäuschung. (Chucky)


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Myspace.com/AshburyHeightsMusic

 
   
   
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Mika Goedrijk "Looking-Glass World"

 

// VÖ: 21.06.10 // Ant-Zen
Das Sonderbare an dieser Platte ist, dass sie sich nicht entscheiden kann, wo sie hingehört: ein bisschen Snog, ein bisschen 4tothefloor-Industrial, ein bisschen IDM, ein bisschen Hawaii-Gitarre(nsamples), ein bisschen Microwave-Gefitzel à la raster-noton (mit wunderbar knackigen Samples übrigens), ein bisschen Beefcake und Breaks und ein bisschen Trompete(nsamples) noch rhythmisch zwischenreingeschoben. Versteht man nicht, muß man vielleicht auch nicht, aber ganz schön fahrig und weird klingt das dann schon, am Stück gehört. Looking-Glass World rollt gewissermaßen einmal Querbeet durch alle Stile und Ideen, die nicht bei drei auf dem Baum waren: im Resultat kommt das nicht ganz an Aphex Twin heran, ist aber doch mit jedem einzelnen Track für sich interessanter ist als vieles, was sonst gern an Aphex Twin herankäme. Und das ist ja wohl echt mal die schlüssigste Argumentation seit Bestehen des Bodystylers! 6 von 10 Richard-D-James-Gedächtnisfratzen. (Frank Lachmann)


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Myspace.com/mikagoedrijk

 
   
   
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Bettina Bormann "IMAGO - für immer Dein"

 

// VÖ: 21.05.10 // Danse Macabre
"Manche Leute beschäftigen sich mit Dingen, die so klein sind, dass man sie... kaum erkennen kann." Bettina Bormann jedoch befasst sich mit mehr – der immer währenden, unteilbaren, unbefleckten Liebe. Eine Frau, die früh sich und ihren Vater verlor und durch Zufall alles und mehr wiederfand. So makaber, brutal offen und pervers, so grandios ist dieses Debüt. Was mit ihrem Musikprojekt ::OT:: begann, entfaltet sich nun zu voller Größe. Macht neugierig auf mehr! "Du wolltest, was ich wollte... Du kamst mir zu nah." (Manuela Seiler)


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Bettina-Bormann.de

 
   
   
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Roman Rain "Roman Rain"

 

// VÖ: 25.06.10 // Danse Macabre
Bühne frei, die Freakshow kann beginnen. "Sing mit mir ein kleines Lied" scheint der geheimnisvolle, gediegene Fremde aus dem fernen Sibirien aufzufordern. Sein musikalisches Werk beinhaltet eine imposante Zusammenstellung verschiedenster Musiksparten, mal kommt er elektronisch daher, mal konkurrieren Musicalart und Gothrock, Pop wie Alternative. Erstaunlich ist es, wie dieser Gnomenhafte mit den adeligen Zügen fantasievoll, vielschichtig und eindringlich diese neue Leichtig-, gar "Luftigkeit" auf die Zuhörerschaft überträgt. Jedoch kann diese dadurch für manchen schwer verdaulich sein, da die leicht atonale, recht bizarre Musik nicht Jedermanns Sache ist. Wer sich dennoch neugierig gemacht fühlt, dem empfehle ich einen kostenlosen Album-Download als Appetithappen – aber Vorsicht: nicht verschlucken! (Manuela Seiler)


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Romanrain.spb.ru

 
   
   
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Nouvelle Vague "Best Of"

 

// VÖ: 12.07.10 // Peacefrog
2004 war das Jahr der vielleicht erstaunlichsten Erfolgsgeschichte, was die französischen Outputs betrifft. Ausgerechnet im Mutterland der Waver startete ein in jeder Hinsicht doppeldeutiges Wiederaufbereitungsphänomen, welches Lebenslust & Totentanz alliierte. Ein regelrechter Fetischismus begegnet seit dem der aparten Auswahl akzentuiert hauchender Mademoiselles‘ um Marc Collin & Olivier Libaux. Und auf der hierzulande nur als Import erhältlichen Scheibe werden nun die Highlights aus 3 Alben Transformationsarbeit in Sachen Bossa Nova & Lounge zusammengefasst. Wer nach der Intensivierung von Joy Division, The Clash, Depeche Mode, oder den The Psychedelic Furs noch Lust auf U2, The Stranglers oder Siouxsie in schwebender Balance hat, sollte zur Limited Edition greifen, welche gleichwohl den "Eisbär" vergaß. (Ivo Klassmann)


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NouvellesVagues.com

 
   
   
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Compilation "Hymns Of Sex"

 

// VÖ: 16.07.10 // Machineries Of Joy
Wer die Freuden des Unterleibs wie ein Mel Gibson oder Kachelmann angehen mag, der verlangt nicht zwingend nach Barry White. Grund genug für Sven Lauwers & Andy De Decker auf ihrer zweiten Lobgesänge-Compilation einfach mal das Thema zu wechseln, 19 Jahre alte Dildos aufzupolieren & sich beim Masturbieren von ein paar Belgiern zur Hand gehen zu lassen. Claus Kruse ist derjenige mit der meisten Erfahrung beim Gangbang mit der alten Hure EBM und die schwedischen Extremsportler EkoBrottsMyndigheten beweisen richtig Kondition... als DAF-Doppelgänger. Aber auch der Rest macht sicher nicht nur in Dessauer Freudenhäusern Lust. (Ivo Klassmann)



Porno, Erotik, Sex, Leder, Latex und der ewige Traum lustvoll zubereiteter Schmerzen … Wer sich nicht in diesen Welten und ihren Phantasien bewegt, der hebe die Hand. Richtig: Wir alle wollen es mal zeigen bzw. ordentlich gezeigt bekommen. Und „Hymns Of Sex“ bietet nichts weniger als den Soundtrack zum Leben hinterm Vorhang. Und das 19 Mal. Armageddon Dildos und Leaether Strip, Ekobrottsmyndigheten und Ionic Vision sind nur vier der auf dieser Compilation vertretenen Akteure, die ihre Botschaft anstatt ins Ohr direkt in den Po schieben. Du praktizierst S/M ohne diese CD? Dann versuch es mal mit. Du lässt Dich ohne diese Musik auspeitschen? Mach es mit ... Schmutzige elektronische Klänge, Industrial-Sex-Core, Leder-Vibratoren: Tu nicht so, als wüsstest Du nicht wovon die Rede ist. „Hymns Of Sex” bringt lüsterne Anarchie ins Bett. (Manfred Thomaser)


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Machineries-Of-Joy.com

 
   
   
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Inertia "Interpret"

 

// VÖ: 20.09.10 // Deathwatch Asia
Reza Udhin & seine Mannen verkörpern wohl all das, was die einen am Electro mögen & was andere schaudern lässt. Egal: Für die Eier, nach ihrem Fulltime-Cover-Album mit einer Japan-Version der ebenso langen Remix-Orgie ihres Vorgängeralbums hier aufzuschlagen, gebührt ihnen Respekt. Erst recht, wenn das Ganze mit einem potenten Remix der Armageddon Dildos beginnt, sie selbst "The Preacher" neu interpretieren und Die Krupps noch eine Schippe drauflegen. Den Rest davon muss man nur in Japan kennen, da mögen sie Dinge mit etwas fadem Nachgeschmack. (Ivo Klassmann)


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Inertia.gs

 
   
   
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Mind.Area "Stagnation/Death EP"

 

// VÖ: 05.07.10 // Ionium Records
Mit drei neuen Songs und drei Remixen lässt mind.area seinen Fans keine Zeit, einen Ort der Ruhe zu finden. Im Februar erst erschien das Album „long-distance side trip“, jetzt folgt die ep „stagnation/death“. Und dieser Mix aus Industrial, Trance, Electro-Psycho und Ambient verwirrt seine Hörer wie ein vor den Augen hin und her pendelndes Skalpell. Gut möglich, dass sich der Folterknecht im Traum als Nivek Ogre (Skinny Puppy) entpuppt. Im Gegensatz zu SK aber bewegt sich mind.area weniger aggressiv durch die Endzeit. „No Chance“ verwirrt mit schnellen Beats und einer dennoch ruhigen Grundstimmung, „Lowdown“ ist hypnotisch-druckvoll und „Deadlock“ zieht über ein Schlachtfeld, dem Tod die neuen Kunden reichend … mind.area ist eine willkommene Alternative zum puren Industrial, nicht genial aber gut genug, um Gehör zu finden. (Manfred Thomaser)


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Myspace.com/MindArea

 
   
   
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Hocico "Dog Eat Dog"

 

// VÖ: 25.06.10 // Out Of Line
Keine großartige Weiterentwicklung oder gar nennenswerte Ideen, einfach wieder Hocico und für viele ist das wahrscheinlich auch gut so. Solitary Experiments geben dem Ganzen obendrauf noch etwas mehr Biss und differenzieren sich damit erfreulich deutlich vom Rest der Remixer, welche sich dem Gesetz des freien musikalischen Falls unterwarfen und hier jämmerlich vor die Hunde gehen. (Ivo Klassmann)

Erscheint auch als 666 Stück limitierte 7" in weißem Vinyl mit der exklusiven B-Seite „Breathe Me Tonight“ »


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Hocico.de | Out Of Line-Shop

 
   
   
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Squaremeter „Heliogabal“

 

// VÖ: 14.06.10 // Ant-Zen
Nach einem Ausflug in die griechische Mythologie auf dem Vorgänger „Nyx“, setzt sich Mathis Mootz nun mit dem römischen Kaiser Elagabal auseinander. Dunkel und mystisch ziehen dabei die Soundscapes durch den Äther. Sie wirken bedrohlich, werden immer wieder von Stille oder obskuren Geräuschen unterbrochen. Als Vergleich wollen dazu spontan Werke von „Raison D’Etre“ einfallen, die mit ähnlichen Stilmitteln hantieren. „Heliogabal“ ist dabei allerdings ungleich schwerer zu